„Insekten auf Leichen“ Dr. Mark Benecke in der Stadthalle Gersthofen

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Weder von Deichkind, AnnenMayKantereit oder Thomas Meinecke bin ich ein großer Fan. Ebenso wenig von Mark Benecke. Eine gewisse Grundsympathie ist für alle Gruppen/Künstler vorhanden (die tatsächlich aus purem Zufalle alle DEUTSCH!!! sind). Eine „Muss-Veranstaltung“ war jedoch keine der vier Abende in diesen vergangenen zwei Wochen. Jetzt also noch Doktor Mark Benecke in der Stadthalle Gersthofen.

Der Anfang seines Vortrags war richtig Ramones mäßig: Bereits letztes Jahr ist der Point-of-No-Return überschritten worden, die Menschheit so wie wir sie kennen zu retten. Benecke sei nun immerhin seit 30 Jahren Biologe und in dieser Zeit seien dreiviertel (ich glaube es waren dreiviertel) aller Insekten-Arten ausgestorben. Davon würde sich das Bio-System des Planeten nicht mehr erholen. Hätte die Menschheit im letzten Jahr (2019) damit aufgehört zu Fliegen, mit dem Auto zu fahren und hätte dabei gänzlich auf tierische Produkte verzichtet, hätte die Menschheit so wie wir sie kennen noch eine Chance gehabt. Diese Frist sei nun abgelaufen. Inzwischen ging es nur noch darum, die Folgen für die Menschheit auf diesem Planeten durch den durch die Menschheit selbst ausgelösten Treibhaus-Effekt, zu minimieren. Blöd nur das niemand sein Verhalten ändert. Rums! Das ging ja schon einmal gut los. Er schob noch nach, dass es sich dabei um keine Vermutung oder Meinung handle, sondern um wissenschaftliche Daten. Und die Daten würden nicht lügen. Da kann Greta noch so sehr brüllen und die VW-Manager in der Bild-Zeitung noch so Lachen: Es ist rum. Wie und wann konnte Benecke als seriöser Wissenschaftler (und gleichzeitig – Ironie –  Vorsitzender der Partei „Die Partei“ in NRW) natürlich nicht sagen. Bei dieser Feststellung ging es ja nur um Tatsachen, die bereits geschehen seien. Die kann man zählen, messen und bewerten. Alles darüber hinaus sind Schätzungen.

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Das war schon einmal schön zu wissen, auch wenn wir deswegen gar nicht hergekommen waren. Der Gersthofer Stadtsaal war brechend gefüllt. Man saß gefühlt Haut an Haut mit seinem Platznachbarn und bei dem Altersschnitt in Gersthofen wäre es nicht gut für die meisten Besucher ausgegangen, würde hier Corona umgehen. Neben den älteren Besuchern gab es eine deutliche Hand an Leuten, die im Benecke-Stil herumliefen: Tätowiert. Gepierct. Und ordentlich getunnelt wie ein Torhüter beim Herauslaufen aus seinem Tor. Wie und wo da jetzt der Zusammenhang zum Benecke-Kult ist, warum man da tätowiert und bunte Haare plus Kutten-Pullover haben muss, um Benecke-Fan zu sein, kann ich nicht beantworten. So tief bin ich nicht drin im Benecke Universum.

Für mich ist Benecke eher so bekannt aus der Richtung „Roche und Böhmermann“ (oder war es „Schulz und Böhmermann“?) wo der Herr Doktor der Biologie recht schelmisch von seiner Arbeit erzählte. Kurz zusammengefasst lautete auch der Titel der Veranstaltung: „Insekten auf Leichen.“ So „Schweigen der Lämmer“ mäßig. Dh. Der Benecke ist für die Polizei tätig und ist darin geschult zu wissen und zu untersuchen, wie lange (aha) diese oder jene Made, Milbe, was weiß ich, in der Leiche lebt um weiterhin festzustellen, wann die arme Frau oder Mann denn genau verstorben ist. Das ist ein interessantes Thema. Jedoch. Glaube ich auch. Dass viele Leute auch einfach wegen dem Benecke-Kult die Veranstaltung besuchten. Ehrlich gesagt kann ich verstehen, warum dieser Mann beim Volk beliebt ist. Er hat das Auftreten eines positiv Verrückten und macht einen interessanten Job, den nun wirklich nicht jeder machen kann. Ich hatte mir ein wenig Infotainment erwartet. Ging dann trotzdem nicht ganz befriedigt aus der Vorstellung heraus. Meine Frau, die ebenfalls Doktor ist, war auch nicht ganz überzeugt. Nicht über den Inhalt des Vortrages. Sondern über die Form. Der Vortrag war ehrlich gesagt nicht besonders gut. Sorry Benecke. Es war alles ziemlich konfus und ohne Rhythmus aufgebaut. Mal sprang er hier hin bei einem Thema. Mal dorthin. Manche Zuschauer hatten ein Problem mit dem ungeheuren Tempo, mit dem Benecke sprach, welches er auch nicht minder konnte (Aufregung?) oder wollte (ich mag es ja wenn die Leute schnell sprechen. Ich kann auch schnell zuhören). Zudem wunderte es mich, dass am Anfang keine Warnung ausgesprochen wurde, wie krass die Bilder auf einige Leute wirken können. Klar. Der Vortrag war ab 16 Jahren freigegeben und da musste man sich von vorneherein bewusst sein, dass man da die eine oder andere Leiche sehen würde. Trotzdem. Wenn man was für die breite Masse macht, kann man doch sagen: „Okay, wenn es euch zu krass ist, dann geht einfach raus. Ist ja nicht jeder Tatortspezialist.“ Stattdessen reagierte Benecke geradezu überreizt auf jede Regung aus dem Publikum.

Durch das Medium „Film“ hat man (wenn man denn will) sicherlich schon die wüstesten Phantasien gesehen, die Menschen über den Tod in den Sinn kommen. Doch. Und da habe ich was gelernt. Sieht man im Kino immer eine cleane Version des Todes. Da sind selten zigtausend Maden auf einer Leiche. Das hat mich dann doch überrascht, wie madig so Leichen seien können. Ich war jetzt nicht wegen einem Voyeuristischen Trieb da. Nicht einmal aus einem Wissenschaftlichen. Der Benecke war angesagt und wir gingen einfach hin. Doch als wir dann schon wieder im Auto zurücksaßen, mussten meine Frau und ich uns schon wundern, wie schlecht und wirr der Vortrag vorbereitet war. Und schließlich kostete ein Ticket 33 Euro. Da kann man doch wenigsten mal ne vernünftige Power-Point-Präsentation erwarten, ohne läppischen Bildschirmschoner. Gerade meine Frau, die wie gesagt im wissenschaftlichen Bereich tätig ist, war von der Form enttäuscht. Der Vortrag war weder locker, noch gut strukturiert.

Gut. Das kling jetzt nach einem ziemlichen Verriss. Stimmt so auch nicht. Es war sehr interessant und über so ein Thema hört man jetzt nun wirklich nicht alle Tage etwas. Die Form und die Umsetzung waren nur ziemlich schwach (dennoch würde ich noch einmal zu einem seiner Vorträge gehen). Den Benecke-Fans wird das nicht aufgefallen seien. Denn. Und da machten die 33 Ocken wieder Sinn. Mark Benecke nahm sich sehr viel Zeit für seine Fans und machte ordentlich grinsend mit jedem von ihnen ihr Foto (zu bestaunen auf Instagram). Kleine Geschenke wie die oben eingefügte Karte inklusive. Gefühlt (nicht gemessen und gezählt) hätte der Herr Doktor einiges an seinem Vortrag optimieren können. Klar. So fühlte es sich sehr familiär und einzigartig an. Aber… Ne…

Fotos durften bei dem Vortrag keine gemacht werden, was absolut nachvollziehbar war. Schließlich wurden echte Fälle gezeigt. Ich weiß auch gar nicht, wer solche Bilder mit gutem Gewissen verbreiten will. Trotzdem war es strange wie der lächelnde Benecke dem Publikum drohte, sie im Fall der Fälle zu verklagen. Ja natürlich. Entschuldigung. RECHT hat er wenn er so etwas sagt und er MUSS es selbstverständlich auch. Wenn da nur leider nicht dieser komische Tonfall gewesen wäre. Ein guter und charismatischer Typ mag er sein. Vielleicht halt nicht vor 2000 Leuten.

Hm. Jetzt habe ich anderthalb Seiten ganz schon gelästert. Obwohl ich es insgesamt gut und lehrreich fand. Auch meine Frau Doktor. Es hätte halt nur auch so viel besser sein können. Gelernt habe ich doch so einiges. Besonders diese Point-Of-No-Return-Geschichte gibt zu denken und wird hängen bleiben. Und noch mal: Ja. Ich würde noch einmal hingehen und es auch anderen Leuten raten. Nur für die Kulisse und das Geld was da investiert wurde, kann man mehr Kundenservice, das heißt eine bessere Erzählung erwarten. Und nein. Das hat nichts mit Neid zu tun. Von mir aus hätte der nette Herr Doktor doppelt so viel Geld an diesem Abend verdienen können. Ich gönne dem Mann wie jeder anderen Person alles.

Gürtel und Türklinke

1: „Wart mal kurz.“

2 nickt 1 zu während die Kellnerin die von ihnen bestellten Longdrinks auf den Tisch stellt. Als sie wieder außer Hörweite ist und die beiden Männer in ihren späten Dreißigern die beschlagenen Gläser prostend aneinander klirren lassen, grinst 2 seinen Freund süffisant an: „Ja, ja. Wir benutzen Smartphones aus China und von Apple und schämen uns dann mit unseren Geschichten vor einer Kellnerin. Schon ironisch!“

1: „Ich besitze kein Smartphone.“

2: „Echt nicht?“
1: „Total.“

2: „Cool.“
1: „Aber zu meiner Geschichte.“
2: „Stimmt. Du WOLLTEST mir ja gerade was erzählen. Bevor die… Und so weiter.“

1: „Genau. Weißt du… Ich habe diese Geschichte nie jemanden erzählt. Weil… Wem kann man heutzutage noch vertrauen? Und. Wer versteht einen heutzutage denn überhaupt noch? Das Internet ist ja gleich überall. Die Leute reden.“

2: „Schwiiiierig. Ich weiß.“

1: „Es ist auch ein eher… Besonderes Hobby.“

2: „Ach ja?“

1: „Ja. (Pause) Wenn man es überhaupt Hobby nennen kann. Weißt du. Ich bringe Menschen um.“

2: „Hm. Das klingt für mich nicht nach einem Hobby. Das klingt nach Vollbeschäftigung.“ Lacht.

1: „Ich lebe ja nicht davon. Es ist mehr so eine… Masche…“

2 (lacht) „MIICH bringst du aber nicht um, oder?“

1: „Ah geh! (lacht mit) du passt gar nicht in mein Profil… Wie gesagt normalerweise rede ich da so nicht drüber. Jedoch. Ich hatte erst 25 Jähriges. Das macht schon melancholisch. Vor 25 Jahren. Da hatte ich meinen Ersten. Kennst ihn bestimmt.“

2: „KANNTEST ihn bestimmt (lacht erneut).“

1: „Genau. Hahaha. Kurt Kobain.“

2: „Ja genau. Der hat sich doch vor 25 Jahren erschossen. Wie die Zeit vergeht, oder?“

1: „Der hat sich nicht erschossen. Das war ich.“

2: „Ja genau. DU! Hahaha! Der war gut.“

1: „Ja der Kurti. Der war der Erste. Weil. Hast die Geschichten bestimmt gehört gehabt. Dass jemand der so stoned war wie der dazu gar nicht fähig war.“

2: „Ja. Hab ich gehört.“

1: „Ich war auch eher zufällig da. Das erste Mal ist selten geplant. Ist aber meistens so.“

2: „Aha.“

1 „Ge-nau. Ich habs dann auch ne Weile bleiben lassen. Gute 13 Jahre. Weil. Beim ersten Mal denkt man ja nicht, dass man damit davonkommt. Es war ja auch ne wild Geschichte. Ich war ja auch total drauf und so. Wir zwei haben uns nach dem Kurti ja auch bald kennen gelernt. Du und ich. Mein alter 2. Aber. Ich konnte es dir damals nicht erzählen. Ich hatte dann doch noch Angst, dass sie mich kriegen… Mann, Mann… War das ne wilde Zeit und mit dem Kurti und der Kurtney. Die hat mir dann schon ne Weile leidgetan. Aber… Ja mei. Ich konnte mich einfach nicht beherrschen. Das war wie ein Rausch im Rausch…“

2: „Und was war dann nach 13 Jahren?“

1: „Ja da habe ich mir eine neue Masche ausgedacht.“

2: „Welche?“

1: „Also. Pscht!“

Kellnerin: „Darfs bei euch no was sein?“

2: „Zwei Jägermeister.“

1 räsupert sich.

2: „VIER Jägermeister!“

Kellnerin: „Da schau her.“ Dann geht sie weg.

1: „Also. Hör zu. Die neue Masche war die Sache mit dem autoerotischen Tod. Weil. Da werden keine Fragen gestellt.“

2: „Was ist autoerotischer Tod?“

1: „Okay. DIE Frage wird IMMER gestellt. Ist aber ganz einfach. Nach der Sache mit dem Kurti, gab´s noch die Geschichte mit den INXES-Sänger.“

2: „Das warst AUCH du?“

1: „Ne. Das war wohl WIRKLICH ein Unfall. Hat mich aber auf die Idee gebracht. Asphyxie. Schon mal gehört? Okay, ich sag es dir. Das ist, wenn du dir beim Runterholen kurz vorm Orgasmus die Luft abschnürst. Das macht dich dann noch schärfer.“

2: „Total bescheuert. ABER davon habe ich gehört. Das gab´s doch in diesem Film mit dem Skaterjungen.“

1: „Den kenne ich jetzt nicht. Spielt jetzt auch keine Rolle. Auf jeden Fall bin ich dann in meinem Thailand Urlaub David Karabiner begegnet.“

2: „Der Typ aus der Serie KUNG-FU-KÄMPFER!“

1: „Genau der. Der auch  den Will in KILL WILL gespielt hat. Und weil ich eh gerade in Thailand beim ÜBEN war, dachte ich, den probiere ich gleich aus. Weil. Ich muss zugeben. Bei meinem Hobby kommt es schon auf die Reichen an. Okay. David Karabiner war jetzt nicht SOOO reich. Trotzdem sehr berühmt. Und ich hab´s dann wie´n accidental autoerotic death aussehen lassen.“

2: „Hä?“
1: „Als hätte er sich beim Wichsen stranguliert, Mänsch!“

Kellnerin: „Hier eure Jäger.“
1: „Danke Frau Meister!“ Lacht laut

Kellnerin: „So.“

2: „Ähm… Danke.“

1 und 2: „Aaahhh“ nachdem sie den ersten Jägermeister-Kurzen geext  haben.

1: „Ich muss zugeben, ich war mir nicht sicher ob ich aus der Geschichte so einfach heraus kommen würde. Und es war dann doch so… Dermaßen einfach. Die Thailänder haben auch keinen Bock drauf das Prominente bei ihnen sterben. Die wollen Touristen. Und gut ist.“

2: „Das die dir da nicht drauf gekommen sind. Da muss doch der Winkel beim Strangulieren passen. Und man muss einbrechen. Gerichtsmedizin! Du bist doch ein Lügner!“

1: „Iwo Lügner. Glaub mir. Bei diesen Fällen schaut die Polizei nicht so genau hin. Das ist ja eh jedem peinlich. Besonders der Familie. Da werden bei solchen Ermittlungen schnell die Akten geschlossen. Oder das Etikett DEPRESSION daran gehängt. Weil lieber sind die unglaublichen Superstar am Ruhm zerbrochen. Als dass sie perverse Wichser waren. Glaub mir. Und wenn du den Dreh mal raus hast, dann kommt dir da keiner drauf.“

2: „Du willst mir also erzählen, dass es dein Hobby ist berühmte Leute umzubringen.“

1 hebt den 2ten Jägermeister zum Gruß: „So isses!“
1 und 2: „Ahhhhh…..“

1: „Im Moment halte ich mich an Bandmitglieder von Bands, die ich nicht leiden kann. Vor ein paar Jahren den Lester von Linked im Park. Furchtbare Musiker. Gutes Opfer. Der hat richtig Spaß gemacht. Gürtel rum. Fertig. Die Medien erzählen was von Depression. Und das man da nicht darüber berichten darf. Weil Nachahmer. Dann so einen Electro-Pop-Bübchen. Grauenhafte Musik.“

2: „Davici?“

1: „Gürtel rum und weg damit.“

2: „Unglaublich…“

1: „Der letzte war der Sänger von Prodogy.“

2: „Prodogy ist doch toll.“

1: „Ja stimmt. Das letzte Album war aber trotzdem schlecht.“
2: „Das stimmt.“

1: „Also ran an die Türklinke mit dem Kerl.“

2: „Puh.“

1: „Und bei dir so?“

2: „Bei mir? Bei mir ist alles gut.“
1: „Joa. Bei mir auch.“
2: „Dann ist ja alles gut.“

1: „Sag ich doch.“

„WWE“ Wrestling live in München, es war der 20.05.2018

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Als wir noch kleine Jungs waren, liebten wir die WWF, die Wrestling-Show aus den USA. Es war die Zeit des Brad „the hitman“ Hart, Hulk Hogan, dem Undertaker oder wie die ganzen Figuren auch so hießen. Als Kind sind diese Heldengeschichten natürlich toll. Große Männer, fast schon Superhelden, die sich „auf die Fresse“ geben. Wie groß die Versuchung ist auf solchen Heldenbildern hängen zu bleiben, sieht man an der Entwicklung des Massentauglichen Kinos der Gegenwart. Das Marvel-Kino, dessen Produkte ständig Einspielrekorde brechen, zeigt an was passiert, wenn Kinder nicht erwachsen werden wollen. Wir, die Konsumenten, bleiben die ewigen Kinder und träumen uns Fantasy-Welten zusammen. In diesen Traumwelten, in denen nie jemand verletzt wird, höchstens durch ungeplante Unfälle,  gibt es den ständigen Kampf zwischen gut und böse, der uns die Tristesse unseres eigenen Lebens vergessen macht. Einerseits würde ich es gern kaputt schreiben, diese Flucht in eine andere Welt, andererseits ist das nur natürlich, wenn man mit der Komplexität der Gegenwart nicht klar kommt und sich deswegen in eine geordnete Welt flüchtet, die übersichtlich und gleichzeitig spannend ist.

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Selbstverständlich ist Wrestling totaler Quatsch. Männer und Frauen schlagen aufeinander ein, ohne sich tatsächlich zu treffen oder auch nur den kleinsten blauen Fleck davon zu tragen. Doch selbst wenn man das weiß, kriecht einem hin und wieder ein „Boah“ aus dem Mund wenn man sieht, wie die Athleten durch geworfen und aus dem Ring fliegen. Das IST spektakulär. Und es ist auf eine bestimmte Art auch ECHT. Was man da sieht ist große Körperkunst. Aber halt ohne Brutalität. Das ist ebenso absurd wie faszinierend.

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Jeder der „Kämpfer“ hat seine eigene Geschichte. Jeder hat seinen Charakter, seine Hintergrundgeschichte, seine Gesten, die das Publikum sowohl mitreißen, oder auch abstoßen soll. Seien es die erhobenen Zeigefinger eines Daniel Bryan, zu dem das Publikum bei jeder Bewegung „Yes“ ruft oder das Zerreißen seines T-Shirts durch den Bulgaren Rusev, der sich, um das Münchner Publikum zu provozieren, vor und im Kampf ein Trikot von Real Madrid anzog, um die Bayern zu verspotten (da erst kürzlich Real Madrid den FC Bayern aus der Fußball Champions League schoß). Jeder ist ein Teil des Balletts der Körper. Das ist Show, das ist Theater, das ist Unterhaltung. Ich glaube, amerikanischer geht es nicht mehr. Na und?

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Den größten Star den das Wrestling,  ich glaube sogar das WWE, hervorgebracht hat, ist Dwayne „the rock“ Johnson. Dieser Musterknabe ist ein gutes Beispiel dafür, wie die „Kämpfer“ heutzutage aussehen. Durchtrainiert, aber charismatisch. Ebenso die Frauen, die wie die besseren Pornostars auftreten. Es ist nicht schmuddelig und plump, spielt aber Aufgrund der zur Schau getragenen Nacktheit mit diesen Begriffen. Und natürlich ist das Acting der Schauspieler oftmals einfach nur schauderhaft schlecht. Gerade im Ring, wenn man so getan wird als würde man Schmerzen empfinden. Oder als würde der Badboy nicht damit klar kommen, dass das Publikum einen nicht mag. Ja. Das ist alles Bullshit. Und jeder muss sich selbst dafür entscheiden, ob er das mag oder nicht. Seichte Unterhaltung, für schwere Leben.

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Wir haben für die Ringkarten je 120 Euro ausgegeben. In der vorletzten Reihe. Das ist nicht nur ein stolzer Preis. Das ist einfach überteuert. Und dumm. Schließlich kannten wir keinen einziger „Kämpfer“ und haben uns das nie wieder im Fernsehen angesehen. Wir waren mehr damit beschäftigt Cocktails in uns hinein zu schütten und Wetten darauf abzuschließen, wer wohl den nächsten Kampf gewinnt, als uns auf die Show wirklich einlassen zu können. Für viele andere Besucher dagegen war das Event ein Highlight. Und wir taten gut daran den anderen die Show nicht kaputt zu reden. Ist es denn nicht genauso lächerlich, wenn Millionen Leute bei einer Fußball-WM ihren Teams zu jubeln? Ist doch alles nur ein Spiel. Ist doch alles nur Show. Nach einem Wrestling- wie Fußballmatch ist nichts geklärt oder bereinigt. Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Es geht nur darum, wie du dazu stehst. Ich werde nicht mehr zur WWE gehen. Mir war der Ring zu niedrig und ich konnte von meinem Platz aus die Show am Boden des Ringes nicht sehen (das war wie im Augsburger Eishockey-Stadion, wo man eine lange Zeit als Zuschauer nicht überall das Eis sehen konnte). Und auch ansonsten war es eher so na ja. Aber was solls? Ist halt nicht meins. Nun. Dann ist es vielleicht eures. Das ist doch auch okay. Und diesen einen Kick von AJ Stiles gegen Nakamura will ich dann doch niemanden vorenthalten, denn von unserem Platz aus war es der einzige Treffer, der wirklich ins Ziel ging.

Das ist wie bei der Formel Eins. Wenn Idioten nur für die Unfällen hingehen.

Der größte Wermutstropfen war für uns lächerlicherweise, dass wir nicht mehr diese großen Jubelschaumstofffinger kaufen konnten. Diese riesigen Hände, die man sich über die eigene Hand stülpt. Den. Hätte das Kind in uns doch gerne gehabt.

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Unterhaltungsfilme und Kunstfilme müssten unterschiedlich bewertet werden

Superhelden-Filme sind nicht „auch für Erwachsene“. Das sind Kinderfilme für Erwachsene. Sie haben einen starken Einfluss auf die Infantilisierung der Gesellschaft. Und ja. Ich lese mit 37 auch noch gerne Mangas. Und die sind manchmal kindischer als so ein nordischer Gott oder ein Kapitän Amerika. Der Unterschied ist nur, dass ich diese Bücher (oder Filme) mit einem lachenden Auge lese, während die Marvel- und DC-Trottel immer mit einer so lächerlichen Ernsthaftigkeit daher kommen. Seien wir ehrlich: Die Filme sind totaler Unterhaltungsschmarrn – dagegen ist nichts zu sagen. Ich habe früher auch gerne die Schwarzenegger und Stallone Klamotten angesehen. Die sind ebenso Müll wie Ironman- und X-Men-Abenteuer. Und haben damit ihre Daseinsberechtigung. Aber nehmt den Müll doch nicht so ernst.

Irgendwie und sowieso wäre ich für ein neues Bewertungssystem: Unterhaltungsschrott bekommt seine eigene Bewertungsskala. Und richtige Filme, vom Lars von Trier bis Godard, eine andere. Man kann doch nicht ernsthaft „Fast and furious“ dieselbe Punktzahl geben wie einem Film von Rainer Werner Fassbinder. Das ist grotesk. Ich bewerte doch Van Gogh auch nicht in der gleichen Skala wie Andy Warhol. Das ist verrückt. Mein Vorschlag: Anspruchsvolle in einem Punkte-System von 1 bis 10: Grün. Unterhaltungskram. 1 bis 10: Aber in blau.

So einfach wäre das.

Harry G – die Harry die Ehre-Tour 2017

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Harry G? Was ist das denn für ein blöder Künstlername? Markus Stoll – der Name, der auf Harrys Ausweis steht – wurde eigentlich in Regensburg geboren, baut aber seine ganze Kunstfigur auf dem Umstand auf, dass Harry G aus München kommt und dort lebt. Googelt man ihn wird er gerne als Grantler beschrieben, also als jemanden, der eher mies drauf ist und sich über die bestehenden Lebensverhältnis beschwert – auf humorvolle Art. Mit spitzbübischer, teilweise frecher Chuzpe haut der Harry gerade die Themen raus, die nicht gerade besonders anecken und bei der jeder mit kann.  Jeder. Wenigstens war das letztens so. Hier bei uns in Bayern. Als er in meinem Landkreis-Dorf auftrat. Verprellt hat der Harry da niemanden, auch wenn er ein wenig gemein war zu den Leuten im Publikum und sich gastronomische wie kulturelle Minderheiten aussuchte über die er seine Späßchen machte.

Über Veganer, Radfahrer, Tinder, die Mama die nicht mit dem Smartphone klar kommt oder das unerträgliche, jedoch scheinbar dazugehörende Thema Mann/Frau wurde sich auf der Bühne ausgelassen; und selbst verfreilich über den Unterschied von uns Bayern zum Rest der Welt. Da konnte wirklich jeder im Saal mit – und schon sind wir wieder bei dem Thema angekommen, dass mich in letzter Zeit ein wenig verfolgt: Dem kleinsten gemeinsamen Nenner der Dinge. Humor für Nutella und Weißwurst-Liebhaber. Angegriffen musste sich wirklich keiner vorkommen. Dafür ist der Harry zu schlau, seine Bosheiten zu nett. Und – um die ewige Redewendung von Harry G zu verwenden – ICH SACH A MAL SO: Der Harry G ist wie der Freund den jeder hat, der die ehrlichsten und damit verletzensten Dinge in einer kleinen Runden offen zu dir sagen darf, worauf deine Freunde über dich, aber auch MIT dir Lachen. Ein wenig möchte man ihm dafür aufs Maul hauen. Aber irgendwie kann man ihm nicht böse sein.

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Den Harry kenne ich erst seit ein paar Monaten. Ich habe nach dem neuen „Blitz“-Club in München auf Youtube gesucht und wurde dann aus Mangel an Suchergebnissen auf ein Video von ihm aufmerksam, in dem er sich über die Müncher Clubszene lustig macht. Und das war es auch. Lustig. Besonders wenn man im gleichen Jahrgang wie er ist und einen ähnlichen Blick auf die Clubs hat – nur Berlin finde ich im Gegensatz zu ihm im direkten Vergleich eher langweilig, weil die Leute nur noch in die Mega-Clubs reinkommen wollen und drinnen dann vor lauter (hier O-Ton Boris Becker aus der AOL-Werbung) „Ich bin drin. Gibt´s ja gar nicht…“ Das Feiern vergessen.

Die Meisten seiner anderen Videos sind eher so na ja… Aber auch nicht ganz scheiße.

Wie halt so die Witze auf Facebook sind. Die Plattform, die ihn erst bekannt gemacht hat.

So war dann auch sein Abendprogramm. Die Witze sind eigentlich gar nicht so gut. Wenn man ehrlich ist. Seine schelmische, schnelle Art die Dinger rauszuhauen, macht da aber viel wett. Und ICH SAG MAL SO: Ein paar Pointen waren richtig gut. Aber das Publikum auch sehr willig. Man kommt ja ins Kabarett/Comedy-Programm um zu Lachen, weswegen man da viel mitnimmt, worüber man sonst die Augen verdreht. Weil da eben doch diese besondere Kabarett-Stimmung aufkommt.

 

Auf dem Nachhause-Weg meinten meine Freundin und ich, dass wir so ein Programm sicher auch schreiben könnten. Es aber niemals so präsentiert bekommen würden. Ob man dafür dann gleich 30 Euro verlangen muss: Fraglich.

Es war ein netter Abend in der Provinz. Schee wars. Am Ende gingen die dicken Wohlstandsfrauen und ihre Hemdsärmligen Männer zufrieden nachhause. Stimmung: Der Harry ist doch ein Pfundskerl. Plus einem überhaupt nicht hinterfragen „Mia san mia“. Nur I will halt id so sein wie ihr…

Für meinen Geschmack kann der Herr Stoll irgendwann auch mal ein ernstes Thema aufgreifen und für was stehen, was nicht scheißegal, aber dafür amüsant ist.

Das Südufer-Festival 2017 in Friedberg – Rückblick

Was im Jahr 2017 vollkommen normal ist, war in meiner Jugend unmöglich: Heute kann man jedes Wochenende im Sommer auf ein anderes Festival gehen. Ja. Es gibt inzwischen sogar Festivals, auf die man auf zwei Wochenenden hintereinander gehen kann. Schließlich war man eh die ganze Woche da. Diese Vergnügungssucht der Europäer ist eine ziemlich einzigartige Entwicklung, wo man jetzt leicht den Moralischen spielen kann. Belassen wir es bei der Erkenntnis, dass es „früher“ nur zwei, drei Festivals in Deutschland gab, die den Namen auch verdienten (gerade was das Organisatorische angeht), heute ist das komplett anders. Dass dabei die Exklusivität verloren geht und man sich nicht mehr besonders besonders fühlen muss wenn auf ein Festival geht, ist eh klar. Aber. Ich halte das auch für etwas Gutes. Dieses Elitending ist ja auch immer ein wenig seltsam und baut auch ganz strange Strukturen auf, so wie der Irrglaube, wie man sich auf einem Festival verhalten muss.

Da muss dann unbedingt gesoffen und gekifft werden wie ein Loch. Da muss dann Flunkyball und was weiß ich gespielt werden. Da muss Dosenbier getrunken, billige Wurst gegrillt und Körperlich derbe gestunken werden; wie auch immer: Festivals gelten mit ihren Verhaltensregeln denen sich die Besucher dort auferlegen, fast schon wie wirede Sekten. Und weil ich mich schon immer für etwas Besseres hielt, bin ich froh dass die Proletisierung auf den kleinen Festivals noch nicht so weit fortgeschritten ist. Der Trend geht zur Nachhaltigkeit und weg von den Träumen des Prekariats, in seinem eigenen Müll ungeschützt aber anonym zu vögeln. Und wenn man richtig Bock hat es sich mal außerordentlich würdelos zu geben, geht das auch auf so einem Festival wie am Friedberger Südufer. Denn wenn man will, geht das überall. Der saublöde Gruppenzwang ist dann aber weg.

Das „Südufer Festival“ ist nicht nur ein kleines Festival. Im ersten Jahr  würde ich es sogar als ein „Familien-Festival“ bezeichnen. Alles sehr gesittet und auf einem vernünftigen, freundlichen Spaß-Niveau.

Ich war nur am Samstag und das Publikum bestand vornehmlich aus Jugendlichen und deren Onkeln und Tanten, die ohne Bedenken ihre kleinen Kinder mitbringen konnten, die dann selig im Kinderspielplatz Sandburgen bauten. Ich gebe ja zu: Das klingt jetzt schon Hardcore-Konservativ. So schlimm war es dann aber auch nicht. Es war einfach ein schöner Tag am Badesee, an dem sich keiner die Hände schmutzig machte. Okay. Das klingt immer noch ziemlich schlimm. Ist es aber nicht. Die Frage ist halt was man will. Und wie wir so da saßen. Das kalte Bier in unseren Henkelbechern. Und sahen. Wie sich die frischen Jugendlichen ohne Zorn amüsierten, badeten, chillten. Während die ersten Älteren am Techno-Floor zu Tanzen begannen (heute würde man wohl Electro-Floor sagen). Im spirituell schönen Sommer-Licht. Da. Da war die Welt schon ziemlich in Ordnung.

Diese Wahrheit ist dabei rein aus der Retroperspektive gewonnen. Weil. Ich mag das tatsächlich gar nicht so. Diese verdammte Hitze. Und dieses Leute-Kennenlernen. Selbst bin ich ja auch ein ziemlicher Idiot. Am Ende des Tages jedoch war alles gut. Man gab neuen Bekannten gerne die Hand und versprach sich ein Wiedersehen. Und nickte im Nachhause-Gehen den Tag freundschaftlich hinterher. Das hat Spaß gemacht. Wo lernt man auch sonst Leute kennen, die einen bereitwillig in ihrem angrenzenden Schrebergarten mit Gartenhäuschen zum Grillen aufnehmen, die einem einen Dübel von dem von  uns selbst mitgebrachten Gras anbieten, die ihr Bier an uns verschenken, uns dabei erzählen wie toll und einzigartig es war bei den Anfängen von Techno mit dabei gewesen zu sein, und können dann, nachdem man diese Menschen und ihre Post-Hippie-Attitüde schon komplett super gefunden hat, auf die Frage was sie arbeiten antworten können: Ich baue Panzer. Hä? 😀 Leopard 2. Wie geil ist das denn? So sind wir Bayern.

Die Bands? Wie die Bands eigentlich waren? Sorry Leute. Bin noch total verpennt. Habe sehr viel Schlaf nachholen müssen. Die Bands  (vornehmlich eine) waren besser als erwartet. Die „Nihils“ mit ihrer Pop-Electro-Art gefielen mir sehr gut. Erinnerten mich an die „Foals“. Und das ist nicht allzu schlecht. Wenn die Nihil-Jungs mal einen Hit schreiben, ist das restliche Programm von ihnen ein gutes Rahmen-Programm dafür.

Schluss machte „Lola Marsh“ an der Hauptbühne. Die vielleicht gar nicht schlecht waren. Mit ihrer Super-Sau-Blöden-Attitüde jedoch komplett albern und unerträglich auftraten. Bei so einer Band ist es sogar ein Fehler so viele Klicks auf You-Tube zu haben. Selbst wenn sie vom Sound her sicherlich sehr gut in die heile Kinder-Welt des „Südufer-Festivals“ passten.

Dann doch lieber wieder rüber zu den Druffis. Denn ohne Druffis geht es wohl nicht. Muss das denn jetzt? Was soll das denn hier? Mach doch mal langsam. Man muss doch nicht überall… Und jetzt halt doch bitte mal mein Bier. Ich will ein Foto machen.

 

Die See-Stage lag wortwörtlich im See. Der Sound war okay. Nicht wichtig. Im Moment gerade richtig. Durchdrehen wollte ja eh keiner. Sei es beim Set von Aril Brikha. Oder bei den Jungs von Auto.Matic-Music. Die so sehr ihr Label geworden sind. Dass sie schon gar keine Namen mehr auf den Time-Table drucken. Obwohl die für Auto.Matic überraschend gut auflegten. Der Aril gefiel mir sogar noch besser. Da schmofte man dann herum. Mit den Alten und jenen, die es gerne wären. Erzählte sich Geschichten. Lachte sich an. Und ließ die Vergangenheit einen netten Onkel sein, an dem sich die Gegenwart zum Glück nicht mehr messen musste. Wie das ganze „Südufer-Festival“, gerade weil es das erste Mal überhaupt veranstaltet wurde, keinen Maßstab hatte. Es war einfach ein chilliger Tag mit Freunden. Nichts Legendäres. Nichts Unvergessliches. Doch wenn man in ein paar Wochen oder einem Jahr daran zurück denkt, erinnert man sich an einen schönen Tag. Was will man mehr?

Die „Sportfreunde Stiller“ im Roxy in Ulm, es war der 29.04.2017

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Jetzt auch noch die „Sportis“? Ja. Inzwischen gehe ich überall hin. Hauptsache. Es macht Spaß. Ein (bezahlter) Besuch bei den Sportis ähnelt meinem einstmaligen Konzert-Besuch bei Scooter: Das ist so weit weg von mir selbst, dass man es einfach mal gemacht haben muss. Also kaufte ich mir im Vorfeld die 6 Lieder von ihnen die mir schon immer irgendwie (heimlich) gefallen haben und hörte sie hoch und runter. Dabei stellte ich fest, dass ich diese Lieder wirklich mag. Ja. Viel zu poppig und softrockig für meinen gängigen Geschmack, na und? Man kann ja nicht immer den gleichen Mist hören. Und bei „Geschenk“ geht mir einfach das Herz auf, egal wie kitschig das Lied auch ist.

Mit den Wochen freute ich mich richtig auf den Auftritt und ganz besonders darauf, die Texte mitsingen zu können, denn seien wir mal ehrlich, wann kann man schon noch catchy deutsche Texte aus sich heraus singen?

Wie es dann oft so ist hatte ich am Tag des Geschehens gar nicht übermäßig Bock. Schon mittags in Ulm angereist und dort viel herumgerannt, viel zu viel gut gegessen und dann auch noch vorgetrunken – ich bin ja keine 35 mehr…

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Grob geschätzt passen so 2000 Leute in das „Roxy“, was natürlich sehr kuschelig ist – und anstrengend. Ich war jetzt schon auf hunderten Konzerten und ich musste gestern feststellen, dass man bei den Sportis genauso schlecht durch die Menge von Punkt A zu Punkt B laufen kann, wie bei den Einstürzenden Neubauten; bei den Neubauten wird extrem viel gestarrt und jeder Quadratmeter verteidigt, bei den Sportis haben dass die meist weiblichen Fans ebenso gehandelt. Komischer coincidence bei gerade diesen nicht sehr ähnlichen Bands.

Der Platz muss also „verteidigt“ werden und da steht mal also Stunden vor Anpfiff  dumpf in der Menge und langweilt sich. Merkwürdig ist: Ich bin summa summarum bestimmt schon Wochenlang vor Bühnen herumgestanden und habe auf Band-Auftritte gewartet. Jedoch vergisst man diese Zeit im Nachhinein immer wieder komplett und stellt sich eine Woche später wieder total gelangweilt und doch motiviert für das nächste happening an.  Zum Glück bin ich ein Trinker.

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Die Vorband der „Sportfreunde Stiller“ waren die „Kytes“. Austauschbarer Softrock auf einem angenehmen Niveau. Eine dieser idealen Vorbands die im Prinzip alles richtig machen. Nur kam ich mit der Art des Sängers nicht ganz klar, der mir ein wenig zu selbstbesoffen und bayrisch überheblich rüberkam – auch wenn er gut singen konnte. Aber. Das war mein Problem. Die machten dass ganz gut und waren mit dem Herzen dabei, was an den wenigsten Konzertbesucher vorbei ging. Außer vielleicht an Empathielosen Monstern wie mir.

Die Sportis kamen dann um 5 nach 9 auf die Bühne. Wir standen auf der „Peter“-Seite und dann ging es mit einer der beiden neuen Singles los (die andere kam eh danach), dazu wurde noch die heute du gerade vom FC Bayern eingetütete deutsche Meisterschaft gefeiert. Wenigstens von den Sportis. Dass da nicht jeder mit ihnen „Juhu!“ rufen muss ist klar und auch okay, und daran sieht man dass die Band zwar gefallen will, hier aber auch klare Kante zeigt. Mir gefällt so etwas. Auch wenn ich den FC Bayern scheiße finde.

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Gepackt hat es mich dann erst bei „New York, Rio, Rosenheimer“, einen meiner 6 Songs die ich hören wollte und die ich auch alle 6 präsentiert bekam. Das hat richtig Spaß gemacht und für „meine“ Songs haben sich die 40 Steine schon gelohnt.

Würde mich jemand fragen ob die „Sportfreunde Stiller“ eine sehr gute Band sind, könnte ich das gar nicht beantworten; und so geschah es dann auch. Sänger Peter fragte ziemlich am Ende in die Menge, ob denn alle Spaß hätten und ich machte mit meiner Hand die „Na ja“-Bewegung. Ich bin fast 2 Meter groß und stach da wohl aus der Menge der kleinen Mädchen ziemlich heraus, ob ich wollte oder nicht. Darauf meinte Peter, nachdem er den Mann neben mir abgefeiert hatte, dass der HERR daneben wohl nicht ganz überzeugt sei – also ich. Das stimmte aus folgendem Grund: Die Sportis haben tolle Lieder, bloß nur nicht genug davon. Zwischendurch kommen halt so austauschbare Rockblasen, die auch von der Vorband hätten sein können. Wenn man Fan ist  feiert man die Stücke selbstverständlich mit ab, als „Besucher“ (wie ich mich jetzt mal bezeichne) waren diese Stücke aber nur sehr mau und ich sehnte mich währenddessen nach einem alkoholischen Kaltgetränk. Aus Spaß sagte der Peter, jetzt fühle es sich von mir unter Druck gesetzt. Dabei war es genau anders herum.

Die Sportis sprechen zwar sehr locker mit dem Publikum (was sie häufiger und sehr sympathisch machen), ich halte aber ein Gespräch mit jemanden auf einer Bühne der 15 Mal lauter ist als du selbst für absolut sinnlos, da es immer von oben herab geschieht und es keine gleichgestellten Gesprächs-Parteien sind, weswegen man als In-der-Menge-Steher eh auf die eine oder andere Art den Kürzeren zieht (sehr analytisch ausgedrückt). Deswegen machte ich eine aufpeitschende Handbewegung und er sagte irgendwas davon, dass ich es wohl „härter“ wollte. Und im Prinzip stimmt das auch. Nur wollte ich es nicht „Sportfreunde Stiller hart“, sondern einfach nur härter und vor allem besser 😉

Der Witz ist, dass sie mit „Applaus, Applaus“ und „Ich roque“ genau das brachten was ich hören wollte. Nur sind diese Songs leider nur die Kirschen auf der Sahnetorte. Also ist meine Antwort darauf ob ich das bekommen habe was ich mir von dem Konzert erhofft habe und ob ich die Band für sehr gut halte ein klares „Jein“. Es war richtig und spaßig dorthin zu gehen. Aber nein. Noch mal brauche ich das leider nicht, obwohl ich manche Songs von ihnen abfeiere, vor mich hin singe und fast schon mechanisch dazu meine Freundin küssen muss.

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Die Zugaben schenkten wir uns, denn es wurde schon alles gespielt was wir hören wollten; wozu also noch Songs anhören die einem eh nicht gefallen? Und ein „54, 74, 90…“ mit Bayern München Konfetti-Regen (siehe Facebook) brauche ich nicht. Das Lied ist eines ihres Schlechtesten und wie die Ironie oft so spielt ist es ihr erfolgreichstes.

Sollte es mich mal wieder auf ein Festival verschlagen und da stehen irgendwo die Sportfreunde auf der Bühne herum, würde ich wieder hingehen. Ein Muss ist die Band leider nicht. Nicht einmal als Fc Bayern Fan würde ich behaupten. Ihre Daseinsberechtigung und ihren Platz in der deutschen Pop-Geschichte haben die drei Jungs allemal. Und ich hoffe dass sie noch lange weiter machen und guter Lieder schreiben. Sich aber auch weiterhin Kritik gefallen lassen 😉

„The OA“ Ein Gefühl und ein Trailer zur Serie

Während meines Heimaturlaubs sehe ich mir auf Netflix die Serie „The OA“ an. Dabei fällt mir auf, wie komisch es ist, dass man die Geschichten die man dort sieht, in deren Universum sofort als „wahr“, „echt“ und „real“ anerkennt, während wir in unserem Universum überhaupt nicht an Geschichten glauben, sondern nur an Fakten… Als gäbe es keine Grauzonen der Vernunft…

Keine Angst, ich zitiere jetzt nicht Hamlet, sondern stelle nur den Trailer online.

Das stehlende Pferd?

Nach dem Kabarett war vor dem Konzert. Und was macht man zwischen Kabarett und Konzert? Eben, man geht essen. Beim Essen im Abraxas ging irgendwie alles schief. Wir bekamen die falschen Getränke, keine Salate und als der dann nachgereicht wurde auch kein dazugehöriges Baguette, was nervte. Nur meine drei Jägermeister klappten verdammt gut.

Mieser Service. Dabei hatte natürlich ich das Restaurant vorgeschlagen. Ich beschwerte mich und dann bekamen wir das genaue Gegenteil: Die Verantwortliche fiel aus allen Wolken, als sie von dem Drama hörte, dass wir kein Baguette bekommen hatten! Vor Entsetzen berührte sie mich gleich am Ellenbogen und sah mich so entgeistert an, wie mich die Leute nicht mehr angesehen hatten, seit der Zeit als publik wurde, dass meine Mutter gestorben war: „Sie haben kein Baguette bekommen?…“ Als wollte sie sagen: „Woran ist sie denn gestorben?“

Aus dem schlechten Service wurde ein extrem guter. Viele Entschuldigungen ihrerseits und  dazu eine köstliche Nachspeise, von der wir natürlich wissen wollten, was das denn nun auf dem Teller sei? Der Kellner: „Na da fragt ihr mich jetzt was…“
Kurz: Unsere Stimmung war überraschend gut als wir in den Vorführraum des Abraxas schlichen.

 

Das Konzert hatte schon begonnen. Eigentlich sollte dort irgendwer anderer spielen, der Gig wurde aber krankheitsbedingt abgesagt. Dafür traten Rainer Gruber & the stealing horse auf. Das Ersatzkonzert war für umsonst und wir dachten uns: Umsonst ist gut; war es nur nicht. Es war mit das schlimmste Konzert auf dem wir je waren.

Es lag nicht einmal an der Musik, auch wenn dieses Folk/Blues-Zeug nur in bestimmten Stimmungslagen was für mich ist. Die Band war gar nicht so schlecht und Rainer Gruber schien als einziger von ihnen ein etwas routinierter Unterhalter zu sein, der mit seiner Erfahrung  und ein wenig Unterstützung den Gig auch allein hätte stemmen können. Das war nicht so schlimm. Mir gefielen sogar die E-Gitarren-Solos von dem Kerl, der aussah wie das Tier von der Muppet-Show; wann hört man in unserer Indie-Musik verseuchten Zeit noch ein brauchbares Gitarren-Soli? Eben.

Trotzdem schien die Band insgesamt einen herben Bad-Day zu haben.

 

Der Bassist zog ein Gesicht, als hätte ihn kurz vor dem Gig seine gesamte Familie verlassen (und seine Haare ihn gleich mit) was er augenscheinlich gerade jetzt in diesem Moment realisierte  und innerlich verarbeitete. Ebenso die Unterstützungssängerin war total apathisch und schien sich weit weg zu träumen, weg, weg, nur nicht hier… Auch die Damen am Keyboard und am Streichgerät waren irgendwie peinlich berührt, fahrig, nicht ganz konzentriert. Immerhin der Kerl am Schlagzeug versuchte mit dem Anführer dieses deprimierten Haufens – Rainer Gruber – ein wenig Spaß zu haben. Ein wenig. Hilfloses Lächeln. Nur das Tier war eine Bank. So ein Kerl, mit dem man beim Opel-Treffen fast eine Schlägerei anfängt und schließlich doch noch im Guten auseinander geht. Der war unerschütterlich.

Trotzdem.

Im Grunde konnte man dabei zusehen wie sich ein Haufen Musiker ordentlich schämte. Was war geschehen?

 

Gute Frage. Meine Vermutung ist, dass das Abraxas in Augsburg keine Konzert-, sondern eine Theaterbühne hat. Bei dieser Bühne sitzen die Zuschauer nicht davor, sie sitzen wie bei einem Miniatur-Stadion-Konzert in einem U dreiviertel rund herum – und die Band wie auf dem Präsentierteller. Verstecken: Unmöglich. Das ist meine Theorie.

Wer aber weiß was diesen armen Leuten wirklich widerfahren ist? Gar ein Szenario aus einem Horrorfilm? Wer wurde entführt und wen erpresst man damit, dieses Konzert zu geben? Kam es im Vorfeld zu peinlichen sexuellen Spannungen? Das GZ-SZ-Prinzip? Kannte sich die Band vlt überhaupt gar nicht (schließlich sind in dem Youtube-Video ganz andere Leute zu sehen?) und waren da nur Zufallsleute auf der Bühne? Waren Wetten verloren worden? Wir werden es wohl nie erfahren, weshalb alle so betreten auf den Boden starten, bis auf Rainer Gruber… Der Mann, den sie auch „stehlendes Pferd“ nannten…

 

Moment mal… Hieß so nicht der BÖSE in „Stirb langsam?“ 😀