Das Obstwiesenfestival (umsonst und draußen) 2018 in Ulm – Festivalkritik

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Immer weiter, immer voran, niemals stehenbleiben in der musikalischen Entwicklung, Orientierung, bis hin zur Neubewertung von längst (zu Unrecht?) Vergessenem oder noch gar nie nicht Gehörtem. So entscheidet man sich schließlich gegen die allumwerfenden, in ihren Live-Shows alles mit Licht und Sound platt machenden „Chemical Brothers“, mit ihren Welt- und Undergroundhits, die ich liebe wie kaum eine andere Band, die am gleichen Tag auftraten, als das Obstwiesenfestival stattfand. Gut. Chemical Brothers habe ich halt auch schon ein paar Mal gehört. Dann auch noch extra zu denen nach München; vlt doch lieber nicht. Eher doch mal ne Nummer kleiner, schöner, draußiger. Also eben doch zum umsonst & draußen Festival nach Ulm.
Hier war ich auch schon mal gewesen. Nett war es. Nur viel, viel zu verregnet, während dieses Mal viel, viel zu viel Menschenmasse am Start war. Bestimmt 4 Mal so viel Leute, als einstmals bei Antilopengang. Im Jahr des Herren: „Irgendwann“.

Es ist auch krass wie sehr viele, viele Menschen, gleich den Sound (in Schwaben: Das Geschmäckle) so eines Festivals prägen. Was ich bisher als chillig und angenehm empfand („Familiär“ hab ich es das letzte Mal noch gelobt), wurde dieses Mal plattgewalzt von so viel Umsonstness. Der Schwabe mag es halt nicht nur Klischee mäßig billig. Und Tocotronic als Headliner ist natürlich ne Sach.

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Mein Drang nach neuer Musik hatte mich in den letzten Monaten (Jahren?) irgendwie zu „Granada“ getrieben, die ich mit ihrer österreichischen Art megasympatisch fand. Viel sympathischer als die totalst abstoßenden Wanda (die ich nach und bei „Bologna“ noch so geliebt hatte) mit ihrer grauenhaft aufgesetzten Boheme-Attitüde; dabei sind Granada nicht mal halb so cool wie Bilderbuch; desweiteren weit ab vom Schlag eines crazy sympatischen Voodoo Jürgens, der so geil ist, dass die Musik schon wieder fast egal ist… Vielleicht sollte man auch nicht alle Ösi-Bands miteinander vergleichen. Granada auf jeden Fall: Sympathisch.

Das offensichtliche Problem wenn man sich für Granada und gegen Chemical Brothers entscheidet, ist halt nun mal trotzdem, dass man sich für ein Akkordeon mit Mundart entscheidet – und gegen den coolsten Sound der Neunziger und Nuller Jahre. Da muss man schon nicht Fahrer sein (was ich aber war) um die Band tüchtig abzufeiern. Es klang dann halt auch all zu provinziell. Und ein paar mehr „Hits“ hätten dem Set auch gestanden. Da stellten wir uns doch lieber ne halbe Stunde beim Falaffel an. Da wurde man zumindest nicht enttäuscht. Denn dass überall wo es Essen gab viel zu viele Leute anstanden, war wenigstens obvious.

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Im eher schlecht besuchten Zeltchen spielten dann „Pale Grey“ aus… Kurz gespickt… Belgien. Und die Band war überraschend gar nicht scheiße. Die waren sogar ziemlich gut. Sie klang ein wenig nach „Sohn“ oder „the acid“, mit kleiner Pink Floyd Einlage, Hip-Hop-Einflüssen und auch einer guten Prise Pop. Das war überraschend gut. Wenn auch weniger innovativ als es vlt klingen mag. Denn. Solche Musik machen zur Zeit viele. Aber. Nicht alle besser. Doch. Pale Grey kann man mal auf den Zettel behalten.

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Und schon hatte ich keinen Bock mehr. Schon war ich müde. Und das Blödsinns Gekreische von „the hinds“ auf der Hauptbühne half jetzt auch nicht um bis zu den Tocos durchzuhalten. Ich würde ja gerne weibliche Bands unterstüzen. Metoo, Riot Grrrl und so… Aber das Gekreische ging wirklich gar nicht. Dann doch lieber wieder heim. Und sich nach Festivals umgesehen, die vlt ein wenig kosten, aber man doch nicht in der Masse untergeht, wie ein Flüchtling im Meer.

 

 

 

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Die „Sportfreunde Stiller“ im Roxy in Ulm, es war der 29.04.2017

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Jetzt auch noch die „Sportis“? Ja. Inzwischen gehe ich überall hin. Hauptsache. Es macht Spaß. Ein (bezahlter) Besuch bei den Sportis ähnelt meinem einstmaligen Konzert-Besuch bei Scooter: Das ist so weit weg von mir selbst, dass man es einfach mal gemacht haben muss. Also kaufte ich mir im Vorfeld die 6 Lieder von ihnen die mir schon immer irgendwie (heimlich) gefallen haben und hörte sie hoch und runter. Dabei stellte ich fest, dass ich diese Lieder wirklich mag. Ja. Viel zu poppig und softrockig für meinen gängigen Geschmack, na und? Man kann ja nicht immer den gleichen Mist hören. Und bei „Geschenk“ geht mir einfach das Herz auf, egal wie kitschig das Lied auch ist.

Mit den Wochen freute ich mich richtig auf den Auftritt und ganz besonders darauf, die Texte mitsingen zu können, denn seien wir mal ehrlich, wann kann man schon noch catchy deutsche Texte aus sich heraus singen?

Wie es dann oft so ist hatte ich am Tag des Geschehens gar nicht übermäßig Bock. Schon mittags in Ulm angereist und dort viel herumgerannt, viel zu viel gut gegessen und dann auch noch vorgetrunken – ich bin ja keine 35 mehr…

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Grob geschätzt passen so 2000 Leute in das „Roxy“, was natürlich sehr kuschelig ist – und anstrengend. Ich war jetzt schon auf hunderten Konzerten und ich musste gestern feststellen, dass man bei den Sportis genauso schlecht durch die Menge von Punkt A zu Punkt B laufen kann, wie bei den Einstürzenden Neubauten; bei den Neubauten wird extrem viel gestarrt und jeder Quadratmeter verteidigt, bei den Sportis haben dass die meist weiblichen Fans ebenso gehandelt. Komischer coincidence bei gerade diesen nicht sehr ähnlichen Bands.

Der Platz muss also „verteidigt“ werden und da steht mal also Stunden vor Anpfiff  dumpf in der Menge und langweilt sich. Merkwürdig ist: Ich bin summa summarum bestimmt schon Wochenlang vor Bühnen herumgestanden und habe auf Band-Auftritte gewartet. Jedoch vergisst man diese Zeit im Nachhinein immer wieder komplett und stellt sich eine Woche später wieder total gelangweilt und doch motiviert für das nächste happening an.  Zum Glück bin ich ein Trinker.

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Die Vorband der „Sportfreunde Stiller“ waren die „Kytes“. Austauschbarer Softrock auf einem angenehmen Niveau. Eine dieser idealen Vorbands die im Prinzip alles richtig machen. Nur kam ich mit der Art des Sängers nicht ganz klar, der mir ein wenig zu selbstbesoffen und bayrisch überheblich rüberkam – auch wenn er gut singen konnte. Aber. Das war mein Problem. Die machten dass ganz gut und waren mit dem Herzen dabei, was an den wenigsten Konzertbesucher vorbei ging. Außer vielleicht an Empathielosen Monstern wie mir.

Die Sportis kamen dann um 5 nach 9 auf die Bühne. Wir standen auf der „Peter“-Seite und dann ging es mit einer der beiden neuen Singles los (die andere kam eh danach), dazu wurde noch die heute du gerade vom FC Bayern eingetütete deutsche Meisterschaft gefeiert. Wenigstens von den Sportis. Dass da nicht jeder mit ihnen „Juhu!“ rufen muss ist klar und auch okay, und daran sieht man dass die Band zwar gefallen will, hier aber auch klare Kante zeigt. Mir gefällt so etwas. Auch wenn ich den FC Bayern scheiße finde.

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Gepackt hat es mich dann erst bei „New York, Rio, Rosenheimer“, einen meiner 6 Songs die ich hören wollte und die ich auch alle 6 präsentiert bekam. Das hat richtig Spaß gemacht und für „meine“ Songs haben sich die 40 Steine schon gelohnt.

Würde mich jemand fragen ob die „Sportfreunde Stiller“ eine sehr gute Band sind, könnte ich das gar nicht beantworten; und so geschah es dann auch. Sänger Peter fragte ziemlich am Ende in die Menge, ob denn alle Spaß hätten und ich machte mit meiner Hand die „Na ja“-Bewegung. Ich bin fast 2 Meter groß und stach da wohl aus der Menge der kleinen Mädchen ziemlich heraus, ob ich wollte oder nicht. Darauf meinte Peter, nachdem er den Mann neben mir abgefeiert hatte, dass der HERR daneben wohl nicht ganz überzeugt sei – also ich. Das stimmte aus folgendem Grund: Die Sportis haben tolle Lieder, bloß nur nicht genug davon. Zwischendurch kommen halt so austauschbare Rockblasen, die auch von der Vorband hätten sein können. Wenn man Fan ist  feiert man die Stücke selbstverständlich mit ab, als „Besucher“ (wie ich mich jetzt mal bezeichne) waren diese Stücke aber nur sehr mau und ich sehnte mich währenddessen nach einem alkoholischen Kaltgetränk. Aus Spaß sagte der Peter, jetzt fühle es sich von mir unter Druck gesetzt. Dabei war es genau anders herum.

Die Sportis sprechen zwar sehr locker mit dem Publikum (was sie häufiger und sehr sympathisch machen), ich halte aber ein Gespräch mit jemanden auf einer Bühne der 15 Mal lauter ist als du selbst für absolut sinnlos, da es immer von oben herab geschieht und es keine gleichgestellten Gesprächs-Parteien sind, weswegen man als In-der-Menge-Steher eh auf die eine oder andere Art den Kürzeren zieht (sehr analytisch ausgedrückt). Deswegen machte ich eine aufpeitschende Handbewegung und er sagte irgendwas davon, dass ich es wohl „härter“ wollte. Und im Prinzip stimmt das auch. Nur wollte ich es nicht „Sportfreunde Stiller hart“, sondern einfach nur härter und vor allem besser 😉

Der Witz ist, dass sie mit „Applaus, Applaus“ und „Ich roque“ genau das brachten was ich hören wollte. Nur sind diese Songs leider nur die Kirschen auf der Sahnetorte. Also ist meine Antwort darauf ob ich das bekommen habe was ich mir von dem Konzert erhofft habe und ob ich die Band für sehr gut halte ein klares „Jein“. Es war richtig und spaßig dorthin zu gehen. Aber nein. Noch mal brauche ich das leider nicht, obwohl ich manche Songs von ihnen abfeiere, vor mich hin singe und fast schon mechanisch dazu meine Freundin küssen muss.

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Die Zugaben schenkten wir uns, denn es wurde schon alles gespielt was wir hören wollten; wozu also noch Songs anhören die einem eh nicht gefallen? Und ein „54, 74, 90…“ mit Bayern München Konfetti-Regen (siehe Facebook) brauche ich nicht. Das Lied ist eines ihres Schlechtesten und wie die Ironie oft so spielt ist es ihr erfolgreichstes.

Sollte es mich mal wieder auf ein Festival verschlagen und da stehen irgendwo die Sportfreunde auf der Bühne herum, würde ich wieder hingehen. Ein Muss ist die Band leider nicht. Nicht einmal als Fc Bayern Fan würde ich behaupten. Ihre Daseinsberechtigung und ihren Platz in der deutschen Pop-Geschichte haben die drei Jungs allemal. Und ich hoffe dass sie noch lange weiter machen und guter Lieder schreiben. Sich aber auch weiterhin Kritik gefallen lassen 😉

Das Obstwiesenfestival 2016 mit u.a. Antilopengang

Das Obstwiesenfestival 2016.

Das was? Obst-Wiesen? Festival? Ist das so mit Hump-da-da-Blechmusik, Trachten und Obstlern? Drehst du jetzt völlig ab?

Nö. Obwohl ich dort schon einige Obstler getrunken habe.

Ich war durchaus überrascht als ich das Plakat zum Festival auf der Toilette in der „Kantine“ gesehen hatte: Blood Red Shoes, die Nerven, Antilopengang, Algiers… Auf dem OBSTwiesenFESTIVAL bei Ulm – und das Ganze sogar noch umsonst. Ja richtig, echt umsonst.

Nun ja. Wir kennen diese „Umsonst“-Festivals. Da bekommt man, wofür man bezahlt hat, nämlich einen alten… Schlechte Bühnen, miese Planung, katastrophale Bands und wenn es denn ein Camping gibt, ist es unter dem Niveau des Französischen Russlandfeldzugs von 1812.

So ist das Obstwiesenfestival (OWF) nicht.

 

 

 

Da war ich sogar richtig beeindruckt was die Veranstalter hier auf die Beine gestellt haben. Nur das Parken und das Campieren musste bezahlt werden (weiterhin selbstverständlich für die Versorgung des leiblichen und geistigen Wohls) und dafür bekam man einiges geboten. Jetzt mal abgesehen von den internationalen und nationalen Bands, die zwar keine Big-Player sind (es vielleicht aber noch werden), dafür aber richtig gute Musik machen; ich habe auf vielen Bezahl-Festivals schon viel schlechtere Bands ertragen müssen, bis der Headliner die ganze Chose gerettet hat. Das ganze Festival-Gelände war natürlich sehr klein, wohl aber mit sehr viel Liebe zum Detail geplant worden, besser als bei vielen 30 Euro-Festivals.

„Familiär“ ist so ein Wort dass sich in dem Zusammenhang bei Festivals gerne aufdrängt, was natürlich ein absolut abgetragenes  und überbelastetes Klischee ist, denn nicht jedes Festival kann familiär sein; und wieso überdehnt man überhaupt den Begriff „familiär“, wenn es im Privaten, in der Familie dieser Ausdruck nur noch sehr selten gibt? Es bedeutet in dem Zusammenhang einfach eine gewisse Lockerheit, gepaart mit dem Respekt vor der Leistung und dem Verhalten anderer, gemischt mit nicht allzu großer, das Individuum nicht einengender Professionalität. Chillig soll es halt sein.

Und das ist das OWF – bis auf diesen debilen  Flammkuchenverkäufer, der mich angewichst hat weil ich mich vor dem Regen unter seinem Dach untergestellt habe, obwohl ich nur darauf wartete, bis meine Freundin einen seiner vor Bakterienwimmelnden Produkte gekauft hat. In der Hölle ist ein Extraplatz für Typen wie dich reserviert.

 

Ja, es hat später geregnet – da kann aber kein Veranstalter was für. Und diese Festival-Session hat es in diesem Bereich schwer erwischt, nicht nur uns gestern.

 

Die gesamte Musik auf der Party hat mir gefallen. Angefangen von „Isolation Berlin“, die mich an vergangene 80ger Jahre Deutschrockzeiten erinnerten und einfach ordentlich klangen. Drüben im Zelt, auf der zweiten Bühne gefielen mir Bosco Rogers noch besser.

 

Nach all den Indie-Rock-Jahren (um dem viel zu viel davon) war es eine angenehme, ja, schon richtig fällige Erleichterung eine gute Mischung aus Rock´n Roll und Blues Rock zu hören, in der endlich mal wieder die Gitarre mehr Luft und Platz zum Atmen bekommt (man nennt es „Solo“ oder auch Leadgitarre). Der Sound war englisch poppig rockig eingängig und die Köpfe und die Schultern des Publikums wackelten und nickten. Zudem war es als männlicher Publikumsbesucher auch mal eine erfreuliche Abwechslung, eine „Nico“-mäßige Rasseblondine im engen Kleidchen an den Synths zu sehen. Gibt eh genug Sausage-Party auf den Bühnen dieser Welt. Doch. Ja. Bosco Rogers überraschten und überzeugten mich. Da werde ich später mal nachgoogeln.

 

Draußen. Die Schweden. Vita Bergen standen auf der Bühne und auch die klangen verflixt gut. Richtig poppig mit starken Gesang, der mich an den „Killers“-Sänger erinnerte. Musikalisch ein wenig „MGMT oder Arcade Fire“, so steht es immerhin im Booklet zum Festival.  Vita Bergen traten wie eine große Band auf und wirkten auch so, nur ohne abgehoben zu sein. Das war Alles sehr gut – und auch noch umsonst.

Dann kam der Regen. Der Regen trieb uns ein wenig umher bist wir auf dem Sitz-Sack im Red Bull Zelt trockene Ruhe fanden. Es war starker Regen, wenn auch kein Apokalyptischer. Gehört halt leider auch dazu.

Als es nur noch müde tröpfelte standen wir vor der Bühne bei Antilopengang, dem Headliner der Nacht. Ich war da schon angefressen wegen der Flammkuchen-Geschichte, und dieses Hip-Hop-Zeug, tja, das war noch nie so meins. Dann wurde auch noch verkündet dass Algiers ihren Flieger verpasst hatten und mir war klar dass meine Freundin keine Lust hatte bis 1 Uhr nachts zu warten bis unsere Wunschband überhaupt einmal anfangen würde – damit war sie gestrichen.

Die „Antilopen“ sind eine dieser neuen ironischen Hip-Hop-Bands mit Aussage – und ich mit meinen 35 Jännern fand die furchtbar blöd. Klar sollte diese ganze Attitüde nicht zu ernst genommen werden, doch wenn man über diese doppelten, bald dreifachen Ironie-Ebenen hinwegsah, standen da einfach nur ein paar Komiker auf der Bühne, die zwar so taten als wären sie nicht die hellsten Köpfe und mittelmäßige Performer (weil Meta, Meta 😉 ). Nur. Wenn man sich über andere Hip-Hop-Acts lustig machen will in denen man ihr Auftreten kopiert, kann es halt auch sein dass man genauso scheiße rüberkommt, wie man die anderen findet. Ironie auf der Bühne ist sehr schwer zu vermitteln, besonders wenn der Konsument (also ich) sich vorher nicht schlau gemacht hat und das für bare Münze nehmen muss, was einem da serviert wird. „Du hast den Witz nicht kapiert“, meinte mein Herzblatt zu mir. Und ich, ein wenig gekränkt konnte dazu nur antworten: „Ich hab mir die Texte angehört. So klug und witzig wie die sich halten, sind sie halt auch nicht.“

Man kann natürlich z.B. auch  Scooter on stage nachmachen um sie zu veräppeln: Doch man darf dabei auch nicht vergessen, dass man einfach nur Scooter spielt und dabei abfeiert – egal welche Position man im Hinterköpfchen dazu einnimmt. Ich fands doof und wenig kreativ: Die Leute um mich herum sahen das aber ganz anders. Die fanden es geil, machten ein wenig Kindergeburtstagsparty dazu, fanden sich unglaublich subversiv dabei auch noch zu kiffen, sprangen auf der Stelle, pogten und machten einen niedlichen Circle –  und damit will ich es gut sein lassen.

Es muss ja nicht immer alles mir gefallen. Da große Mehrheit ist da natürlich viel wichtiger. Und die haben es ordentlich abgefeiert.

 

Also keine Algiers für uns. Dafür hörten wir den furchtbar lautesten Soundcheck an, dem ich jemals beiwohnte. K-X-P hießen die drei Trommeljungs. Und danach ging es ziemlich bald Richtung Heimat.

Mir hat es sehr gut auf dem OWF gefallen und will es weiter empfehlen. Bin gespannt wer nächstes Jahr kommt. Und wie es nächste Woche auf dem Singoldsand Festival wird 🙂

Techno hinter der schwäbischen Alb – Audiogate

Auch wenn die letzte Party im Knast und Krankenhaus endete – könnte man noch mal hingehen:

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Und das Audiogate Sommer Festival (hier bei Facebook) macht immer Spaß, lustig für mich ist, dass es dort ist wo ich früher bei der Bundeswehr stationiert war, also im Fliegerhorst Memmingerberg – da kommt Melancholie auf, wenn man heute da tanzt, wo früher unsere Tornados gestartet sind und es auch zum einen oder anderen Alarm kam…

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Majestic Sounds Winter Fest – Party-Rückblick, der 5.1.2015

Es sagt schon was über die vergangene Nacht aus, wenn man der gefühlt einzig Nüchterne auf ner Party war und sich jetzt trotzdem fühlt wie nach nem Vollrausch… Ist irgendwie doch viel passiert, neben und in dieser komischen Eventhalle in Neu-Ulm…

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Ja, dieses Mal bin ich selbst gefahren, da ich keine Lust hatte schon wieder abhängig von der Bahn zu sein, und die Hinfahrt gab sich ganz gut. Die Stimmung der Crew war gud und zerstört, das konnte gerne so bleiben. Ich musste nur leider ziemlich früh hin, da Marika Rossa schon um elf Uhr mit dem Auflegen anfing und die wollte ich unbedingt hören.
Unbedingt? Na. Auch wenn die Ukrainerin (die nach alle anderem aussieht als nach dem) guten Hard-Core-Techno spielt (man hätte früher das Unwort „Schranz“ verwendet), hat sie da natürlich nichts neu erfunden. Um ehrlich zu sein habe ich im Techno-Zirkus schon alles gesehen und erlebt, und dann ist man auch mal froh wenn man nicht immer die üblichen Verdächtigen hört, die schon seit Jahrzehnten die Clubs mit ihrem Sound zusammenstampfen.

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Die (Neu-)Ulmer haben die auch brutal euphorisch abgefeiert, muss man ganz ehrlich sagen, und wieder einmal (das erwähnte ich ja oft und gerne wenn es der Fall ist) hat man wirklich gesehen wie das Mädchen oben sehr viel Freude an der Freude der Menschen hatte. Ein Geben und Geben. Genommen wurde dann niemanden gar nichts.

Die Location ist nicht gerade die schönste Deutschland und hat mich, nicht nur wegen des bescheuerten Deko-Bambus an den Pseudo-Schicki-Club „View“ in Dortmund erinnert. Alles ist dort sehr weiß und übersichtlich und hat vom Design nichts (aber auch wirklich gar nichts) mit Techno zu tun. Macht aber nichts. Die Leute waren gut drauf, die DJs legten die ganze Nacht über Brettharten und guten Sound auf und man fand immer einen Platz zum Hinsetzen. Da muss man nicht die ganze Zeit über die nicht vorhandene Coolness meckern. Es war echt passend so wie es war, auch wenn man nüchtern war.
Klar saß ich dieses Mal mehr herum als sonst und kuschelte mich an meine große Kumpel-Insel, der der nicht in dem Bezug auf das Geld sah wie viel man schon ausgegeben hat, sondern was man noch alles ausgeben kann…

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Danach Felix Kröcher und bei dem haben wir schon im Sommer gemerkt, dass der „alte Felix“ wieder zurück ist. Schluss mit minimalen Ausreden, sondern wieder knackige Ansagen mit Beat. Der hat die Menge gut gekocht und brachte im Gegensatz zur mir etwas zu stampfigen Marika wieder mehr Musik rein – was Nicht-Techno-Menschen so vlt nicht sagen würden 😉
(warum darf der eigentlich im Club rauchen? Ach so, ach ja, das DJ-Pult ist doch eine Bühne, wenn der raucht, dann ist es Kunst 😉 )

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Die Crew war gut drauf, teilweise schon erschreckend und extremst gut, wenn auch über das ganze Klangdeck verteilt, so dass man sich echt suchen musste, obwohl die Location nie brechendvoll war, sondern gerade so richtig gefüllt.
Im zweiten Floor war ich gar nicht, der war sowieso mehr Maskerade und Ausschmückung auf dem Flyer, da alle Publikumsmagneten im eigentlichen Floor spielten, doch es ist immer gut Auswahlmöglichkeiten zu haben.
Der Eintrittspreis von 14 bi 19 Euro (je nachdem wann man kam oder ob man ein Online-Ticket hatte) war super fair. Und die Leute hinter der Bar waren nett. Selbst die Türsteher waren – obwohl sie viel tun bekamen in der Nacht (dazu später mehr) – sehr angenehm.

Gayle San folgte auf den Kröcher und die stampfte mir dann wieder zu viel. Schade eigentlich, doch wenn man nüchtern ist braucht man da dann schon ein wenig mehr Abwechslung beim Tanzen als sie da bot. Nur. Solche Partys sind nun doch nicht ganz für nüchterne Menschen designt worden.

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Wir erzählten uns dann gegenseitig unsere Lützenkirchen-Storys, der da (wie alle anderen DJs auch) mit den Leuten herumstand und plauderte; wir kennen nur seine Frau viel, viel besser als ihn, und wir überlegten uns schon den Spaß einfach mal hinzulaufen und zu sagen: „Grüße an deine Frau.“ Um dann geheimnisvoll wieder zu gehen… (Deppen-Humor halt…)
Freunde haben Freunde, und da hatte jemand Geburtstag, weswegen man neue Gesichter kennenlernte und neue Hände schüttelte. Mit manchen kam ich sofort sympathisch ins Quatschen, andere bleiben mir auch jetzt noch im Rückblick suspekt. Aber. Ich muss ja nicht jeden mögen. Die anderen blieben mir durchaus in sehr herzlicher Erinnerung.
Das Gespräch fand meistens draußen beim Rauchen statt und ich meinte dann nur zu meiner Insel, zu meinem Fels in der Brandung: „Guck mal, da ist schon wieder ne Schlägerei“, die dritte oder vierte die ich mitbekommen habe, „Moment mal, den kenne ich doch!“ Also los und hin.

Was nun folgte war ziemlich einzigartig, und ich habe schon viele Menschen auf Partys durchdrehen sehen – der hier schoss den Vogel ab.
Man vergisst ja leider immer wieder wenn man alle paar Tage Alkohol trinkt, dass Alkohol eine harte Droge ist, die nicht jeder verträgt; ob man jetzt gleich so am Rad drehen muss, ist die nächste Frage. Den „aggressiv“ zu nennen wär wirklich ein Euphemismus, der hat sich leider gar nicht mehr einbekommen, schlug wild und rannte auf alles ein; wir waren kollektiv mit der Situation dermaßen überfordert, dass schließlich jemand die Bullen rief und die den mitnahmen – und ich hätte auch keine Möglichkeit gesehen das anders zu regeln…
Ich habe auch schon viel Mist auf Alkohol und Drogen gebaut, doch so eine Lokomotive wie der war ich nie – das forderte mir fast schon Respekt ab. Denn die meisten Menschen werden eher ruhig, nachdem sie niedergeschlagen werden. Nur, wenn jemand heute brutale Schmerzen am ganzen Körper hat, dann der…
Bei ihm war da das aber auch die typische Parabel-Kurve des Alks: Erst schweinemäßig supergeil drauf (der König der Welt!), Explosion!, und dann ein Häufchen Elend.
Wir blieben halb erfroren und sprachlos zurück. (Die Cops hätten wenigstens im Warmen unsere Personalien aufnehmen können…)

Drinnen ging die Party natürlich weiter als wäre nichts gewesen. Unser Freund Lützenkirchen legte noch auf und das ziemlich kickend und weniger brachial als die anderen. Das wäre sehr angenehm gewesen, mir und den anderen war die Party nur vergangen, wenn auch nicht allen von uns.
Es war schon bemerkenswert wie schnell manche Leute in ihrer Drogeninduzierten Dichtness dann einfach versuchen weiter zu machen als wäre nichts gewesen. Nicht weil es ihnen Scheißegal war was da gerade passiert ist, nein, ihr Verstand machte nur da weiter, worauf sie programmiert waren und führten das fort, wofür sie gekommen waren: Tanzen und Lachen. Das war grotesk und kam sehr kalt rüber. Heute verstehe ich, dass man sich einfach „normal“ verhalten wollte. So normal wie es einem die Zerstörtheit erlaubt. Das hatte fast schon was von einem Schock-Verhalten…

Ich bin dann snach 4 gefahren. Die Party ging eh nur noch 45 Minuten oder so. Hatte ja keinen Sinn mehr. Außerdem hatte ich die Hälfte meines Teams verloren…
Was für eine strange Nacht. Mit allem was dazugehört. Und ich bin froh selbst mit dem Auto gefahren zu sein, sonst wäre das Ganze für meinen Kopf auch verrückter geworden. Und sehr viel anstrengender. Aber. Die halbe Nacht war ziemlich gud ;D