Offener Brief an Sigmar Gabriel

Offener Brief an SPD- Parteivorsitzenden und Vize-Kanzler Sigmar Gabriel zu seinen Äußerungen, Sanktionen gegen Russland zu „UMDENKEN“.

Sehr geehrter Herr Gabriel,

ich wende mich an Sie bezüglich Ihres Vorschlags, Sanktionen gegen Russland zu „überdenken“.

Mit den Sanktionen bestrafte die freie Welt Russland für den brutalen Bruch des Völkerrechtes in Sache Annexion der Krim sowie für die Anzettelung und massive Unterstützung – mit allen Mitteln – des Terrors in der Ostukraine .

Diese Sanktionen dürfen nicht aufgehoben werden, bis die russischen „Hybride-Soldaten“ und Söldner mit samt Waffen den Osten der Ukraine verlassen und die Grenzen des Landes – einschließlich Krim – unter die ukrainische Kontrolle wieder gestellt werden.

Mit Ihren Äußerungen verderben Sie den Ruf der ältesten und traditionsreichsten demokratischen Partei der Welt. Sie nehmen darüber hinaus den osteuropäischen Völkern die Hoffnung weg, auf ihrem dramatischen Weg zur Demokratie und Freiheit das Ziel zu erreichen. Mehr noch, Sie füttern dabei den russischen Imperialismus mit einem aggressiven Nährstoff, den ihn noch aggressiver und noch skrupelloser mache. Somit tappen Sie selbst dem Monster direkt in die Falle, die er momentan mit seinem „Friedensplan für Syrien“ für „Realpolitiker“ kaltblütig und geschickt vorbereitet hat.

Als Sozialdemokrat, Parteivorsitzender und Vize-Kanzler in der Regierung einer führenden Nation sollen Sie im Interesse der Europäischen Union und im Sinne der proklamierten politischen Linie der Bundesrepublik, aber nicht im Interesse der Kreml-Imperialisten als ihre Lobbyist agieren.

Vielen Dank für Ihr Verständnis und mit freundlichen Grüßen

Ukrop Chemnitz

Dmytro Remestvensky

Quelle

Da haben sie Recht.

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Mitbringsel aus Kiew

putin toilettenpapier

Ist schon ein nettes Gefühl hier auf dem Fahrrad mit so einem Cap herumzufahren. Wir haben viele Deutschrussen im Ort. Mit denen habe ich auch kein Problem habe (obwohl wir aus anderen Gründen schon persönliche Differenzen hatten, die bis zur Schlägerei ausarteten), denn es geht hier nicht darum etwas gegen das Volk der Russen zu haben, sondern gegen seine politische Führung, die Truppen in die Ukraine entsendet hat. Aber. Es würde mich nicht wundern wenn ich durch das Cap noch in Auseinandersetzungen verwickelt werde. Schließlich sind Russen oder auch Türken im Ausland oft Staatstreuer zur Heimat, als es die Leute im Land sind. Ihr Heimweh verklärt ihr Blick auf die dort gängige Realität.

Mein Urlaub in Kiew – Teil 1

Wie schreibt man über Kiew, wie schreibt man über die Ukraine, ohne politisch zu werden? In diesen Monaten und Jahren ist das wohl so gut wie unmöglich, ebenso wie es den Menschen dort unmöglich ist, nicht politisch zu fühlen oder zu denken.
Wohin ich in den Urlaub fahre ist meine Sache und deshalb war es natürlich eine bewusste Entscheidung nicht einen Strand-Urlaub zu buchen, sondern ganz im Gegenteil mit meiner Freundin in ihr vom Krieg geteiltes Heimatland zu fliegen; welches Land ist im Moment überhaupt interessanter als die Ukraine? Eine Region, ein Volk, über die zur Zeit unzählige Lügen und Halbwahrheiten die Runde machen, angefangen mit dem Protest auf dem Maidan, über die Besetzung der Krim und die Annexion Russlands des Donbass – und die verschiedenen politischen und propagandistischen Meinungen dazu. Ich bin kein Politiker. Ich bekomme keine BESONDEREN Informationen zu dem Thema von „geheimen“ Internet-Seiten (was für Bull-Shit auch nur zu denken, dass es so etwas gibt). Ich verfolge nur das Tagesgeschehen in den Medien. Und selbstverständlich war ich NICHT an der Front, sondern in der ukrainischen Hauptstadt Kiew, und dort traf ich ganz normale Menschen, nette Menschen, sympathische Leute, die ebenso wie ich im Prinzip nicht radikal politisch denken, doch durch die Situation diese Gedanken- und Gefühlswelt aufgedrängt bekommen.

Viel Schwachsinn muss man lesen wenn man sich mit dem Thema beschäftigt, von den NAZIS vom Maidan, was durch die Lächerlichkeit der Begrifflichkeit schon die Denkmuster derer entlarvt, die solche Vereinfachungen in die Welt posaunen, denn: Es gibt keine Nazis in der Ukraine. Es mag Nationalisten gibt, bestimmt auch radikale, ukrainische Faschisten, aber Nazis, nein, die kann es dort nicht geben, denn die einzigen Nazis die es dort jemals gab waren die Deutschen Nationalsozialisten im zweiten Weltkrieg – und sie werden auf immer die einzigen Nazis sein, die es dort geben kann: Kein Amerikaner, kein Russe und auch kein Ukrainer kann jemals Nazi werden, das ist einfach unmöglich. Und auch wenn die russische Propaganda behauptet, dass sie sich wie damals im zweiten Weltkrieg gegen eine neue Form von Nazi-Terror zur Weht setzt, ist das einfach nur Blödsinn. Russland hat Interessen, wie jedes Land. Und das kann ich aus ihrer Perspektive mir sogar zu Recht denken, aber nicht verstehen. Nur, wer solche Begrifflichkeiten wie „ukrainische Nazis“ verwendet, der legt schon von Haus aus ein vorgeprägtes, kategorisiertes Denken an den Tag, dass den Schluss schon zieht, bevor es die Argumente des Gegenübers überhaupt gehört haben kann.
Ja. Nein. Ich traf dort nur einfache Menschen. Wie du und ich. Die Angst um ihren Job, ihre Familie und ihre Zukunft haben. Die keinen Krieg wollen und sich nach Westen orientieren, nicht weil sie sagen würden, dass dort alles besser ist, sondern einfach nur weil sie die Schnauze voll haben von „Mütterchen Russlands“. Und wer dazu nun einwerfen will, dass die Ukrainer nur ein Spielball zwischen den Großmächten USA und Russland sind, dass sie nur ausgenutzt werden, so ist die Antwort derer die ich traf folgende: „Lieber lassen wir uns von den USA ausnutzen, als uns weiter von Russland beherrschen zu lassen.“

Selbstverständlich sind die Leute dort im Moment politisiert, nationalistischer als sonst, keine Frage, und das zu negieren wäre eine bloße Lüge; russische Produkte sind dort verpönt und manche Ukrainer wollen nicht einmal mehr die russische Sprache in den Mund nehmen, obwohl sie eine der beiden Nationalsprachen des Landes ist (neben ukrainisch versteht sich) , man sieht überall die Nationalfarben des Landes, immer wieder Soldaten und das Nationalsymbol, den „Dreizack“, aber wie zum Himmel würdest du denn reagieren, wenn eine fremde Macht, auch wenn sie sich bis dato als eine Brüdermacht ausgegeben hat, in dein Land einmarschiert? Ich würde auch mehr zu meinem Land stehen, wenn die Russen oder von mir aus die Amerikaner in Deutschland einmarschieren. So etwas. Ist eine natürliche Reaktion. Und hat nichts mit Faschismus zu tun. Sondern mit Identität. Und auch sehr viel mit Angst.

Wir hatte es nicht weit bis zum Maidan, dem weltberühmten Platz der Revolution, und heute ist dort wo zigtausende Menschen für mehr Freiheit, für mehr Demokratie und ein mehr an Europa demonstrierten, eine Ausstellung aufgebaut.

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Man spürte dort von den Leuten her, wie sie ihr Land als offen und freundlich darstellten, wie sie sich europäisch geben wollten um dadurch eine gewissen Form von Solidarität zu signalisieren aber auch erhaschen zu wollen. Zudem erscheint Kiew auch von der Wirkung der Architektur in der Innenstadt sehr europäisch (ich fühlte mich teilweise an Wien erinnert), auch wenn es natürlich augenscheinliche Unterschiede gibt, jedoch weniger als ich erwartet hätte. Ich fühlte bei den Absichten der Menschen eine Anstrengung zu mehr Sympathie und Verständnis, eine Willkommensgesellschaft, die einem selbstgerechten Land wie unserem Land sehr abzugehen scheint.
Meine Meinung und mein Gefühl ist immer sehr subjektiv, doch immer wieder von den gleichen Begehrlichkeiten zu hören (kein Krieg mehr und Akzeptanz von einem Ausländer, einem deutschen Europäer) vermittelte in mir ein Gefühl von Gemeinschaft zueinander, auch wenn ich die Menschen gar nicht zusammen, nicht einmal am selben Tag traf. Krieg verbindet. Es schafft einen gemeinsamen Feind. Gemeinsame Werte. Angefacht durch eine geteilte Angst. Denn geteilte Angst ist Beides: Doppelte und auch halbe Angst. Ja. Es fühlt sich wie eine Gemeinschaft an, nicht wie GESELLSCHAFT wie bei uns hier, da wir von Eigeninteressen zerfressen und zerpflückt sind und der gemeinsame Feind im Prinzip jeder ist, der in egal welcher Form etwas von mir will, seien es die bösen Flüchtlinge, die bösen Politiker, die bösen Firmen, die bösen Medien, die bösen Nazis (wir haben das Patent auf sie), die bösen Linken, die bösen Juden, Islamisten und was weiß ich wen man gerade nach Tageslaune fürchten, hassen oder vor wem man warnen muss…
Natürlich wäre es auch gelogen, würde man sagen dass die gesamte Ukraine pro-westlich ist und es keinen Zuspruch für Russland gäbe (und da hört es sich natürlich auf mit dem Gemeinschaft); es ist – obwohl Russland den Konflikt am Leben erhält – ein Bürgerkrieg, aber ein Krieg, zu dem es nicht hätte kommen müssen…. Sei es darum. Dort. In Kiew. Abseits der heißen Konfliktzone. Merkt man davon nichts, nur dieses Schwanken zwischen Trotz und Hilflosigkeit.

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Schon am ersten Abend besuchten wir den Maidan, der Ort, wo am meisten Politik in der Stadt spürbar war. Und es war mir ein Anliegen dieses subjektive Gefühl dass ich dort hatte, ausführlich wieder zu geben. Mein „Reisebericht“ als solcher wird folgen.

Nachtwölfe? Nazis? Medien?

Der SPIEGEL schreibt heute: „Nach viel Aufregung um ihre Fahrt durch Europa sind die russischen „Nachtwölfe“-Rocker in Berlin eingetroffen.“

„Nach viel Aufregung“? Das Einzige was mich an der ganzen Geschichte aufregt, ist die „Berichterstattung“ darüber. Mir doch egal ob irgendwelche russischen Nationalfaschisten mit ihren Mopeds nach Berlin fahren um dort einen Kranz niederzulegen: Sollen sie machen! Mich ärgert darüber, dass so etwas von unseren Medien selbst zum Ereignis hochstilisiert wird, denn ohne diese lächerliche und doch gleichzeitig ärgerliche Berichterstattung darüber, gäbe es das Ereignis faktisch nicht; dabei ist es eine Sache wenn die russischen Medien so was puschen – bei uns muss das nicht sein.
Eine unverhältnismäßige Berichterstattung darüber bedeutet eine politische Haltung zu vertreten und gerade das sollten Medien nicht machen.

Bei dem Zusammenhang mit den schwulen Nachtwölfen fällt mir ein, dass diese russischen Rocker (klingt auch wie ein Scherz oder ein Oxymoron) die Ukrainer die sich von Russland abwenden, Nazis sein sollen. Nazis? Ukrainer können KEINE Nazis sein! Man kann sie Nationalisten nennen oder wenn es hart auf hart kommt Faschisten, aber Nazis?
Der Begriff „Nazi“ hat bald mit seiner ursprünglichen Bedeutung nichts mehr gemein, sondern steht nur noch für das Verachtenswerte, Dumme, Mörderische Intolerante. Nicht das Nazis das nicht auch wären, nur ist das nicht die Definition eines Nazis. Weil Nazi ist gleich Deutschland 1933 bis 1945. Wenn ihr die Leute also schon deformieren, beleidigen und etikettieren wollt, dann packt sie wenigstens in die richtige Schublade.

Es ist zum Grausen. Übelste Kriegspropaganda und Dummheit überall.
Nachtwölfe auf Motorrad-Tour… Lächerlicher geht es wohl wirklich nicht. Die Medien verblöden zusehends in ihrem Wahn, jeden Tag oder eine ganze Woche ein Ereignis durch die „Live-Ticker“ pressen zu müssen. Hört auf euch an Klick-Zahlen zu messen, sondern an guter Berichterstattung zu messen und das Generieren von Aufmerksamkeit ist nicht gleich Qualität. Und die meisten Menschen wissen das auch. Und die, die es nicht wissen sind meistens Jugendliche oder Kindergebliebene Erwachsene – und da brauchen wir nun wirklich nicht dem Jugendwahn zu verfallen. Die öffentliche Meinung wird schon genug infantilisiert! Es muss nicht alles frisch und jung sein, verdammt noch mal…

Anti-NATO-Demo zur Sicherheitskonferenz in München 2015

Dieses Jahr war auf der Anti-NATO-Demo anlässlich zur Sicherheitskonferenz der NATO-Staaten mehr los als die letzten Jahre, Grund dafür ist der Krieg in der Ukraine. Ich bin zwei Jahre lang selbst überzeugt mit marschiert, die letzten Jahre schon nicht mehr und hätte man mich dieses Jahr jemand gefragt, wäre ich aus Überzeugung nicht mit auf die Straße gegangen, nicht weil ich die NATO nun als tollen Verein empfinde, sondern weil mir bereits im Vorfeld klar war (und wie es hier in der TAZ bestätigt wurde), dass eine differenzierte Auseinandersetzung zum Thema Ukraine nicht stattfinden würde.

Leute, ihr könnt gegen die NATO sein, gegen Krieg, das ist gut und Recht (das meine ich wörtlich), sich aber im falschen Umkehrschluss damit auf die Seite von Russland zu begeben, nur weil man gegen die NATO ist, ist so vollkommen verblödet und dumm, dass es fast nur zum Schreien ist; dabei sind es nicht nur diese Demonstranten auf der Straße, sondern zigtausende Leute in Deutschland die sich aus Wut über die Amerikaner und ihre eigene Regierung kategorisch auf die Seite Russlands stellen und wer so sehr die eigene Regierung und die normalen Menschen aus der Ukraine hasst, der kann meiner Meinung nach gern nach Russland gehen und dort das „bessere“ Leben als hier führen. Jedem seine Meinung, doch wenn diese nur aus blanker Wut und Enttäuschung besteht, aus purem Egoismus ohne Empathie, dann habe ich dafür kein Verständnis. Das sind nur „Gutmenschen“, die möglichst für sich die Welt gut haben wollen, für ihr eigenes Leben Didaktisches Denken sollte jeder von uns drauf haben und auch den Willen es anzuwenden.

Ich bin und war nie ein Fan von Angela Merkel, ihre Ukraine-Politik finde ich indes gut – nur sollte sie Waffen an die Ukraine liefern. Früher oder später werden sie ohnehin von Ländern aus Osteuropa geliefert werden, da diese Länder Angst haben vor Russland, davor, wozu Russland in der Vergangenheit fähig war. Und jetzt kommt mir nicht mit der „Deutschen Vergangenheit“. Das kann man nicht vergleichen. Deutschland ist nicht das Land, dass es vor 70 Jahren war, doch Putins Russland gebärdet sich seinen Nachbarn gegenüber so (man denke z.B. an Ossetien), als wäre wir noch in Zeiten der Sowjetunion. Diese Zeit aber ist vorbei und Russland hat kein Recht in einem souveränen Land Krieg zu führen. Da brauchen unsere „Intellektuellen“ gar nicht von „Kultureller Verbundenheit“ und Zugehörigkeit mit der Ukraine sprechen, denn die Sowjetunion ist vor bereits 20 Jahren zerfallen, die Ukraine ist ein eigenständiger Staat und lehnt in Angedenken der Verbrechen die die Russen nach dem zweiten Weltkrieg (wie fast alle ehemaligen Sowjetstaaten) Russland ab. Und noch mal zum Mitschreiben: Russland ist nicht die Sowjetunion!
Putins Russland wird nicht vom Westen militärisch bedroht, sondern durch seinen Freiheitlichen Lebensstil und davor, dass dieser Wirkung beim eigenen Volk zeigt – ich weiß, ich wiederhole mich, doch das kann man wohl nicht oft genug sagen.

Wir überlegen übrigens dieses Jahr Kiew zu besuchen. Und ihr könnt mich jetzt schon warnen vor den ganzen ultranationalen Extremisten die ich dort treffen werde. Komisch… In Russland, Frankreich, Griechenland und Deutschland demonstrieren ständig die Ultrarechten – von solchen Demos habe ich in der Ukraine nie gehört…
Das ist noch nicht fix, mal sehen was der KRIEG so macht und welche Möglichkeiten einem da so bleiben. Fakt ist: Die Ukraine ist meiner Meinung nach das interessantes Urlaubsland der Welt. Wenn man nicht gleich Angst haben muss erschossen zu werden. Scheint ja ohnehin ein beliebtes Urlaubsziel zu sein: Die Russen sind schon da.