Über mich

Er hatte so viel Angst vor dem Tod, dass er dachte das Leben in vollen Zügen genießen zu müssen, wodurch er sich schließlich selbst nach und nach umbrachte.

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Die Betäubungsmittel-Revolution

Ich bin nicht dafür und werde es niemals sein, dass Drogen jeglicher Art so legalisiert werden wie die Volksdroge Alkohol, die ich selbst viel zu oft und aus Gewohnheit in mich hinein schütte. Irgendwann einmal im „Text zur Nacht“ habe ich mal geschrieben, dass jedes Ereignis im Leben besser ist, wenn man ein Bier in der Hand hat; und dieser Irrglaube ist für mich eine Tatsache.

 

Niemals werde ich dafür sein, dass die Leute Cannabis so kaufen können wir Alkohol, z.B. Päckchenweise beim Rewe. Ein Verkauf sollte, selbst wenn er legal ist, reguliert ablaufen: Auch bei Alkohol. Ich werde es nie für gut heißen wenn ein 13, 14 oder 17 Jähriger irgendwo legal kiffen kann, selbst wenn es in der Gegenwart viele Bereiche in Deutschland gibt, wo das Gang und Gäbe ist. Auch Erwachsene sollten nicht überall Drogen konsumieren, jedoch mitführen dürfen. Kriminalisierung hat uns weder gerettet noch weiter gebracht.

Für mich persönlich  ist es ein großer Schritt zu sagen, dass man im Prinzip alle Drogen legalisieren sollte, denn dagegen war ich immer. Das hat auch viel damit zu tun, dass irgendwelche Vollidioten, die gerne kiffen, sagen, wie geil das doch ist und jeder Mensch dadurch besser wäre und die Gesellschaft supertippitopi würde, wäre Kiffen legal. Nein. Deswegen bin ich nicht dafür. Ich bin dafür, da der Krieg gegen die Drogen so nicht funktioniert.

 

Als langjähriger Drogensüchtiger bin ich für sauberen Stoff und dagegen, dass Leute wegen Eigenkonsum-Mengen eingesperrt werden. Von den zigtausenden die in Lateinamerika wegen des Drogenhandels und denjenigen, ganz egal wo auf dem Planeten, die ob des Konsums leiden oder gar daran zugrunde gehen ganz zu schweigen.

Die oben erwähnte Argumentation der Cannabis-Legalisierer hat ein Problem: Man nimmt Drogen nur bis zu einem gewissen Punkt freiwillig und zum Spaß. Irgendwann kommt meistens der Punkt wo die Sucht den Lebensrhythmus vorgibt, was von den Legalisierungsbefürwortern gerne übersehen wird: Ja, es gibt auch die Drogensucht. Man kann die Menschen leider nicht nur der Selbstverantwortung überlassen, denn aus persönlichen Erfahrungen weiß ich, dass die Sache irgendwann und dafür sehr schnell ins Rutschen kommen kann. Wie kann man also überhaupt für eine Legalisierung eintreten, wenn das Beispiel Alkohol zeigt, wie schlimm die Geschichte werden kann, mit Tausenden von Toten  jedes Jahr auf der Seite der Konsumenten? (oder Tausende Hirntote-Kiffer? Oder Blödgefeierten – Unwort – Ravern?)

 

Alkohol ist ein gutes Beispiel, da es ein schlechtes Beispiel ist. Hier hat sich gezeigt, wie eine Legalisierung nicht funktioniert. Aber. Aus diesem Beispiel kann man lernen. Ich finde, wenn man Substanzen erlaubt, muss das nicht heißen, dass man sie auf einen Standard erlaubt, wie Alkohol. Ganz im Gegenteil. Man muss bei einer XTC- oder Cannabis-Legalisierung den Alkoholkonsum, also den Verkauf eindämmen. Jeder bekommt von mir aus einen bestimmten Monatsbedarf zugesprochen, den er über die Krankenkasse abrechnen kann, Schimpfwörter wie RFID-Chips könnten  da weiterhelfen. Lacht nicht. Was fürs Kiffen ein Modell ist, muss Zwangsläufig auch ein Modell für Alkohol werden. Kontrollierte Abgabe, anders geht es nicht.  Natürlich lässt sich auch so ein System umgehen (Kumpel kauf mir mal was auf deinen Vorrat), das wird aber immer so sein.

 

Der Weltstaat müsste keinen Krieg gegen die Drogen inszenieren, der ohnehin mehr Leben kostet als rettet. Millionen, ach was Milliardengeldsummen könnten gespart werden und ich würde sie in Prävention und Aufklärung stecken. Während ich hier sitze wird in meiner Landeshauptstadt das Oktoberfest abgehalten, und warum nicht dort große Kampagnen gegen den Alkoholkonsum starten? Bringt nichts? Stimmt nicht. Mit dem Rauchen ist es doch genauso. Vor 50 Jahren hätte man mich auch ausgelacht wenn ich Raucher vor die Tür geschickt hätte: Heute ist es Normalität. Der stete Tropfen… Ihr wisst schon. Und die Quote derer die zu Rauchen anfangen sinkt auch immer weiter, Anti-Drogen-Kampangen funktionieren also, wenn man sie zielgerichtet und auf hohem Niveau führt.

 

Ich gönne jedem seinen Drogenrausch, solange es ein RAUSCH ist und keine Gewohnheit, wenn es also schon gar nicht mehr kickt und man es trotzdem macht. Deswegen soll jeder das Recht haben einmal oder zwei Mal im Monat sich mit LSD oder was weiß ich abzuschießen. Doch nicht im Verborgenen, nein, an Orten wo er auch Hilfe bekommt, wenn es mal nicht so gut läuft mit dem Draufsein. Das Stigma des Drogenkonsums muss weg und schon erreicht man wieder viel mehr Menschen, die man heute als verloren  ansieht.

Drogenkonsum an sich soll nichts Gewöhnliches werden, nicht so wie: Mir ist langweilig und ich gehe jetzt mal zur Tanke und hole mir nen Wodka Gorbatschow aus der Dose. Drogen sollten Event-Charakter haben und dann auch toleriert werden.

Dabei wird es immer einen Schwarzmarkt und menschliches Elend geben. Immer. Nur muss man die Möglichkeit einer humanen Gesellschaft erhalten. Und warum soll ÜBERWACHUNG in jedem Fall etwas Schlechtes sein?

 

Das Ganze ist natürlich ein Hirngespinst, ein wenig von Utopia darf man aber wohl auch noch träumen, oder? Und vielleicht sollte man den Staat nicht immer auf allen Ebenen verteufeln und Regulierung nicht gleich als die Zerstörung der persönlichen Freiheit begreifen. Manchmal wissen doch andere was besser für dich ist. Mutti hatte ja auch nie ganz Unrecht.

 

Legalisiert wird werden. Früher oder später. Auf die eine oder andere Art. Und ich bin gespannt  was dieser anstehende Tabu-Bruch für eine Gesellschaft generiert. Denn mit der Drogenlegalisierung ist es wie mit dem Etablieren der freien und offenen Sexualität im letzten Jahrhundert.

Heute leben wir in ein durch sexualisierten Gesellschaft. Ich kann mir überall Sex kaufen, ansehen und selbst für umsonst ins Internet stellen. Vor Jahrzehnten war noch eine Nacktszene im Kino ein Skandal – wie wird es dann erst mit der legalen Massenverbreitung von Drogen sein? Ich. Bin ja kein Freund der übermäßigen Sexualisierung, die bei uns allerorts anzutreffen ist. Ich finde, diese Form von Sex fehlt es an Würde und Anstand, was sich auch mit dem Respekt auf meinen (schlimm/schönes Wort) Nächsten überträgt. Denn das ist doch die Frage liebe Regulierungsfreien Legalisierungsbefürwörter: Was wird mit der Gesellschaft geschehen, wenn ihr alles frei nehmen dürft? Seid ihr wirklich so naiv zu glauben, dass dann alles besser wird?

Meiner Meinung nach hat der Respekt dem anderen gegenüber mit einem höheren Maß an (Sexueller)Freiheit nicht gerade zugenommen. Im Gegenteil. Was wird nach der sexuellen Revolution, die Drogenrevolution hervorrufen? Werden wir noch unverantwortlicher werden? Und wird das Wort „Freiheit“ nur noch mit „Marktfreiheit“ gleichgesetzt?

Falsche Familienmitglieder

Warum sterben dieses Jahr so viele Stars? Lemmy Kilmister. Prince. David Bowie. Muhammed Ali. Götz George. Der verdammte, einzigartige Muhammed Ali. Onkel Buds Spencer.

Seiner Vermutung nach hat diese Häufung mit der Popularisierung bestimmter Teile der Gesellschaft zu tun. Populäre Gesellschaftschichten gab es schon immer. Am Anfang der Stammesführer. Dann Könige. Prinzen. Später wurden sogar Frauen wichtig. Es handelte sich dabei nur immer um einen eingegrenzten Bereich. Eine Elite. Und heute, ach was, seit Jahrzehnten, dank dem Kino, Radio, dank dem Fernsehen gibt es immer mehr populäre Menschen in unserer Wahrnehmung. Einen König und einen Promi unterscheidet bei nüchterner Betrachtung nicht viel: Beide leben und handeln durch die Aura, die ihnen andere zusprechen. Jeder ist nur ein Mensch, dessen Macht ihm andere zusprechen und ihn deswegen achten. Ein König ist auch nur ein Mensch. Und nicht einmal Brad Pitt wer Besonderes. Und da wir in einer popularisierten Gesellschaft leben die irgendwann ihren Anfang nahm und in welcher theoretisch jeder berühmt werden kann, ist es kein Wunder das man schließlich an einen Punkt gelangt, an denen die Stars von Gestern beginnen reihenhaft weg zu sterben. So ist das, wenn man inflationär mit dem Begriff, vor allem mit dem Gefühl für  „große Menschen“ umgeht.

Lemmy war der Fuck-Off-Rebel. Prince und David Bowie standen für die Befreiung der Sexualität durch Musik. Götz George war der, der die „Scheiße“ aus Duisburg Salonfähig machte. Ali war der erste schwarze Superstar. Und Buds Spencer war… Der HELD unserer Kindheit. Was zum Teufel das auch  bedeuten soll.

Auf eine gewisse Art waren sie alle Vorbilder. Prototypen dafür, was wir sein wollten. Nicht jeder im Einzelnen. Keiner war ein Held. Zusammengenommen jedoch waren sie DIE Helden, die unsere Gesellschaft einschneidend geprägt haben. In einer Zeit wie unserer, in denen es keine realen Vorbilder mehr für Menschen gibt, waren sie wenigstens die Hologramme davon. Man darf ja auch nicht vergessen, dass kaum einer von uns diese Leute wirklich gekannt hat. Sie standen einfach nur für etwas – und das reichte schon. Sie waren jemand für uns, mit Visionen aufgeladenen Leuchttürme unserer Wünsche.  Ja, im Prinzip waren sie eigentlich nur Wunschvorstellungen für uns, wie zuvor Sagenhelden oder andere Leute, die es in Wahrheit gar nicht geben musste. Mit Bedeutungen aufgeladene Monolithen der Austauschbarkeit.

 

Er ist traurig bei jeder einzelnen Todesnachricht. Egal ob Lemmy, Prince oder Bowie. Er fühlt jeden dieser Tode wie den Verlust eines Familienmitglieds. Diese Stars waren immer für ihn da gewesen. Diese Helden hatten ihn immer umgeben. Sie hatten sich nie beschwert wenn er launisch oder wütend war. Sie hatten ihm immer das Richtige eingeflüstert, zu jeder Lebenslage. Nicht so wie seine echten Freunde und Verwandte.

Fakt ist doch, dass er öfter Götz George dabei zugesehen hatte wie man Menschen behandelt, als seinem großen Bruder. Es stimmt auch, dass er mehr Zeit dabei verbrachte hatte als Kind Buds Spencer bei seinen zweifelhaften Abenteuern zuzusehen, als mit seinem eigenen Großvater zu verbringen. Und sein Großvater war weit weniger gewalttätig als dieser aggressiver Italiener, der zwar in sich zu ruhen schien, doch viele Leute zusammenschlug.  Und sein Großvater war im Krieg gewesen. Er hatte häufiger mit Prince und David Bowie über den Wolken geschwebt, als mit seinen Freunden. Und mit Lemmy konnte man so wunderbar krass rebellieren.

Ja. Jede einzelne Todesnachricht hatte ihn mehr geschockt als die Beerdigungen aller seiner Großeltern. Seine Großeltern waren alle nur irgendwelche Menschen gewesen. Sie lebten und starben – für nichts. Für was hatte dagegen ein Lemmy Kilmister gelebt! Oder der unglaubliche Muhammed Ali!

 

Er weiß nichts von meiner Meinung, dass wir Menschen nur so wahrnehmen, wie wir sie mit Wert aufladen. Welche Macht wir ihnen zugestehen. Und würde ich ihm die Frage stellen, weshalb er nicht seinen Großvater mit diesen Werten bedacht hat, würde er mich nur verwirrt ansehen. Was hat das Eine denn mit dem Anderen zu tun?

Schon in seiner Kindheit hat er sich von seiner Familie abgewandt und eine neue gefunden. In diesem Punkt kommt das „Superstar“-System einer Sekte gleich.

Der Mensch ist die größte Naturkatastrophe aller Zeiten

Im Jahr 2020 trifft sich eine Gruppe von Jugendlichen in einem Waldstück im Osten Deutschlands. Manche von ihnen sind mit den Bus gekommen, ein paar mit dem Zug, doch  so gut wie Alle wurden von ihren Eltern zu dem Fernreisemittel ihrer Wahl gebracht; einige wenige wurden direkt von ihren Müttern und Väter am Treffpunkt abgesetzt. Von diesem Treffpunkt aus sind sie lachend einen Kiesweg entlang marschiert, der sie in einen wunderschönen Mischwald führt. Die Stimmung ist ausgelassen und heiter, keiner der Teilnehmer der Gruppe wird außen vorgelassen, man fängt sich Stimmungsmäßig gegenseitig auf, treibt sich an, obwohl man sich nur von einem sozialen Netzwerk kennt (nein, nicht Facebook – das gibt es 2020 nicht mehr). Wer sie sieht könnte meinen, sie kenne sich schon ihr ganzes Leben.

Das Waldstück in welches sie wollen, gehört Hendricks Vater, der vermögender Studienrat ist und diesen Wald von seinem Vater geschenkt bekommen hat. Die meisten der Eltern der Kinder sind aus der mittleren Oberschicht, Bildungsbürger, auch wenn einige von ihnen nicht in Deutschland geboren sind, sondern mit der Flüchtlingswelle von vor ein paar Jahren hierher kamen; die Eltern haben ihr Glück gemacht und die Kinder einen guten und schnelle Anschluss gefunden.

Ein Lagerfeuer wird geplant und Holz aus der Umgebung herangeschleppt. Die ganze Zeit über wird viel gelacht, auf kleine und große Bildschirme gezeigt, sich gegenseitig fotografiert und in sozialen Netzwerken geteilt. Die Stimmung ist so ausgelassen wie sie nur sein kann, wie es ohne Alkohol und Drogen überhaupt möglich ist, nicht einmal sexuelle Interferenzen stören das lustige Beisammensein.

Als der Mond sich langsam den Steilhang empor pirscht, packen die zwanzig bis 30 Jugendliche, die keine Frauen und Männer, jedoch auch keine Mädchen und Jungen mehr sind, ihre Wahlgegenstände aus.

Eine Vielzahl der Jugendlichen haben sich – wie sie es im Internet gegoogelt haben (ja, Google gibt es noch) – einen dicken, biologisch einwandfreien Hanfstrick besorgt. Einige haben Messer, andere Tabletten, nur Verena hat eine Pistole dabei, von der sie nur nicht weiß, ob sie sie auch wirklich benutzen kann; ob nicht jemand aus der Gruppe ihr helfen könne, wenn sie sich nur anschießt? Könnte ihr jemand dann in den Kopf schießen damit sie nicht leiden müsse?

„Ja klar! Kein Problem!“ Die Gruppe ist voll und ganz auf ihrer Seite. Schließlich treffen sie sich hier um das Leiden zu erleichtern. Der strebsame Issam sichert ihr zu ihr ins Gesicht zu schießen, sollte es Probleme geben, auch wenn er es nicht gerade als besonders ökologisch empfindet, Stahl zu verwenden. Er bietet auch gerne einen Strick an. Verena strahlt über das ganze Gesicht und dankt ihm.

Um Punkt 12 ist es dann soweit. Die ersten tapferen Jungen und zwei Mädchen klettern unter dem johlenden Applaus der übrigen Gruppe auf die große Kastanie hinauf, die die ganze Zeit über die lustige Gesellschaft mit ihren wunderschönen Ästen beherbergt hat. Und schon im nächsten Moment –  Schwupdiwup – baumeln die Jugendlichen erstickend und röchelnd an den Ästen, wo sie (Ironie, Ironie) durch das Unterbrechen ihres Blutkreislaufs teilweise ihre ersten, doch in jeder Hinsicht stärksten Orgasmen erfahren. Dann hängen sie dort wie tote Fische.

Die Gruppe unten gesteht es sich nicht zu erschrocken zu wirken (auch wenn sie es in Wahrheit natürlich sind) und singen gemeinsam an der Gitarre ein Lied über kleine Tiere, dass sie aus dem Kindergarten kennen. Um ein Uhr sind die nächsten dran, sie schneiden sich die Pulsadern auf, bis ihr Blut sich mehrere Meter weit spritzend in die Sommernacht  verliert. Sie kippen einfach nur bibbernd, blas und ängstlich um.

„BAMM!“ Erschrocken fahren die 4 Übrigen herum. Dabei hat sich Verena nur in den Kopf geschossen. Alles ist gut gegangen. Worauf Issam sich seinen Strick nimmt.

Die drei Übrigen haben ihre biologischen Gifte schon lange genommen und warten, während der Morgen dämmert, darauf, dass die Wirkung einsetzt.

Am Morgen ist keiner mehr am Leben.

Seit dem Jahr 2019 gibt es eine Jugendbewegung, die sich klar gegen die „Errungenschaften der Menschheit“ stellt und dagegen protestiert. In ihrer Sicht der Dinge ist der Mensch das schlimmste Virus auf Erden. Nichts ist grausamer und uneinsichtiger als der Mensch. Und der Mensch kann nicht auf normalen Wegen von seinen Eigenarten geheilt werden. Die einzige Möglichkeit wirklich etwas zu unternehmen, um all die kleinen süßen Affen, Pandas und Eisbären zu retten, ist die letzten Konsequenz, die einzig wesentliche Korrektur: Der Mensch muss sich selbst dezimieren um das Leben auf Erden zu retten. Ihr Tod ist der ultimative Beitrag zur Erhaltung der Schönheit der Natur und zur Rettung der Artenvielfalt.

Die Zeit des Redens, der nachhaltigen Ernährung, das Ablehnen tierischer Produkte und der lächerlichen Facebook-Bilder mit erhobenem Zeigefinger sind vorbei:

Jetzt werden Konsequenzen gezogen!

Nervige, sterbende Familienmitglieder

Das Schlimmste am Deutschsein überhaupt, ist dieses: „Ach scheiße, wir haben doch einen Thailand-Urlaub gebucht und gerade jetzt wo wir wegfliegen wollen ist unsere Oma/Mutter/Opa/Vater dabei ihrem/seinem langjährigen Krebsleiden (oder sonstigen) zu erlegen, GERADE DA wo wir in den Urlaub wollen…“ Man traut es sich nicht auszusprechen, doch im Kopf ist da auch noch ein: „Hätte die/der nicht schon ein paar Wochen früher oder später sterben können?“

Dabei meint man das ja gar nicht böse und vergisst zudem auch nicht, dass man jenem sterbenden Menschen nicht nur zu Dank verpflichtet ist für all das was man in der Kindheit/im Leben von ihm an Zuneigung bekommen hat, dennoch hat man sich mit dem Sterben dieses Menschen abgefunden – und der Zeitpunkt ist einfach blöd…

Ich weiß nicht ob das was generell Deutsches ist, es ist mir nur schon oft begegnet, wie sie oft auch bei mir selbst, aber auch in meiner Familie oder im Bekanntenkreis. Vielleicht ist das generell Deutsche an der Geschichte nicht das man unbedingt in den Urlaub will und sich so sehr darauf gefreut hat (wir sind ja Verreise-Weltmeister oder so was), sondern in Wahrheit ist es eher der Umstand, dass unser normales 24/7 Leben so ein dermaßen umfassender Kerker aus Pflichten und Zwang ist, dass wir uns auf diesen Lichtpunkt im Leben (den Urlaub) so sehr freuen, dass wir zumindest den Tod gern als etwas PLANBARES hätten, da der Tod nicht nur unfair zu dem ist, den er auf seiner Liste hat: Er ist es auch zu uns…

Undankbar und moralisch falsch klingt es aber dennoch. Sicherlich ist es das auch. Andere Kulturen sind da menschlicher. Sie verstehen dass 3 Wochen Bahamas weniger wert sind, als das Lebenswerk eines Großvaters…

Ich verstehe es nicht…

Neulich guckte ich mit einem Freund einen alten Film von Michael Haneke an, und plötzlich, bei so einer komischen Old-School-Haneke-Szene, fängt mein Freund total zu Lachen an. Ich empfand die Stelle überhaupt nicht als witzig. Nicht einmal komisch. Sie war ohne großen Beachtungswert. Auch „merkwürdig“ wäre nicht mein Wort der Wahl gewesen. Da war… Nichts. Nicht einmal groß Handlung. Nur zwei Leute, keiner sagte etwas in die Kamera. Doch mein Freund lachte. Eines dieser aufspringenden Gelächter, die aus dem Nichts kommen. Ich kannte das. Was ich nicht kannte war, dass er sich immer mehr hinein steigerte, immer wilder und wilder, schlimmer und schlimmer, bis er anfing Krämpfe zu haben – vor Lachen! Das entwickelte sich so rasend schnell und dermaßen schlimm, dass er lachend immer mehr verkrampfte bis er begann seinen Körper ganz merkwürdig und grotesk zu verdrehen. Wie ein Puppe, die von unsichtbaren Riesen verbogen wurde.
Ich.
Wusste nicht was ich tun sollte. Redete erst, schrie dann auf ihn ein. Drückte seinen sich verbiegenden Körper auf den Boden. Ohrfeigte ihn. Schlug ihn. Nur half dass nicht im Geringsten. Seine Knochen begannen laut und leise zu brechen. Der Mensch hat über 212 Knochen. Ich stürzte zum Handy und machte das, wozu solche Dinge ja eigentlich verkauft wurden. „Die Rettung“ kam ziemlich schnell. Überraschend schnell. Die Sanis konnten meinem Freund aber nicht mehr helfen. Er war total zerbrochen. Tot.
Ich.
Wurde nicht von der Polizei befragt. „Eine merkwürdige Krankheit“, hieß es. Epilepsie, eine unerkannte, starke Form. Menschen suchen immer die leichteste Erklärung… Nach der Beerdigung wollte eine gemeinsame Freundin die Filmstelle sehen, die ihn so zum Lachen brachte. Vlt hatte sie ihn geliebt. Wir sahen uns den Film an. Ich konzentrierte mich genau auf die Stelle – und es geschah wieder! Unsere gemeinsame Freundin lachte und krampfte sich zu Tode – es war ebenso furchtbar. Schrecklich!
Dieses Mal wurde ich von der Polizei befragt. Auch sie wollten die Filmstelle sehen.
Ich.
Zeigte sie ihnen natürlich. Ängstlich. Und es geschah wieder. Wieder, wieder und immer wieder starben die Menschen, die diese verdammte Filmstelle des Haneke-Films sahen.
Ich.
Begann die Leute vor dieser tödlichen Stelle zu warnen, doch lange Zeit half es nicht. Die Menschen konnten es nicht glauben, bis sie es selbst sahen. Jeder dachte, er sei etwas Besonderes, so wie ICH etwas Besonderes sein müsste, da ich NICHT starb wenn ich diese Filmstelle sah, nicht einmal lächeln musste ich. Bis der Film schließlich verboten wurde, nicht einmal mehr auf Youtube war er zu finden.
Dennoch hatte ich mir die Szene tausendmal angesehen. Immer wieder und wieder. Und ich verstand es nicht. Ich kapierte es einfach nicht, was daran so witzig sein sollte. Wahrscheinlich lag darin auch der Grund für mein Überleben: Ich verstehe den Witz einfach nicht. Irgendetwas. Stimmt mit mir nicht…

Grabrede – oder die Beerdigung des Thomas Meyer

Thomas Meyer hatte von ihm schon lange die Schnauze voll gehabt, von diesem alten Nazi. Mehr als nur ein paar Wortgefechte hatten sie sich geliefert und mit den Jahren hatte sich das Ganze immer höher und höher geschaukelt; er weiß gar nicht mehr wie das angefangen hatte. Irgendjemand hatte ihm irgendwas über diesen verdammten Nazi erzählt, diesem Robert Ofzarek, der Rentner, der sich das Geld von Ausländischen Mitbürgern nicht in die Hand geben ließ, weil er diese Menschen als schmutzig ansah. Ja, Robert Ofzarek ist tot. Und damit hatte Thomas Meyer gewonnen. Endlich! Noch nie war er so befriedigt gewesen eine Todesanzeige zu lesen, obwohl er hin und wieder schon ein ähnliches Gefühl bei dem Studium der Anzeigen verspürt gehabt hatte.

Auf eine gewisse Art war es schade, dass er dem Ofzarek keine mehr reindrücken konnte. Nicht das er jetzt plötzlich Mitleid verspürte hätte, warum auch? Ofzarek war ein Rassist und Nazi und mit solchen Menschen darf man doch alles machen um sie zu heilen; sicher war Ofzarek auch einer von denen gewesen die glauben, dass man Homosexualität „heilen“ könne. Ja. Der Ofzarek würde ihm fehlen, nicht als Mensch, sondern da es sich wie eine verpasste Chance für Thomas Meyer anfühlte: Er hätte den Idioten gerne bekehrt, ihn so weit gebracht, bis sich dieser vor Thomas auf die Knie geworfen und seine Blödheit zugegeben hätte. Diese Chance war ihm nun entgangen, jetzt, wo Ofzarek tot war. Verdammt… Er würde ihm doch so gerne noch eins mit auf dem Weg geben. Da kam ihm ein Gedanke.

Zwei Tage später ging Meyer los Richtung Friedhof. Selbstverständlich war es der Tag der Beerdigung. Er war gespannt wie viele Leute dem alten Hitler noch die letzte Ehre erweisen würden; sicherlich waren doch noch viel mehr alte Nazis. Thomas war nicht schlecht überrascht wie viele Leute gekommen waren. Es waren keine Massen, doch immerhin 30 bis 40 Leute. Das hätte er dem alten Menschenfeind gar nicht zugetraut. Mit jedem Schritt stieg sein Puls, nach jeder passierten Grabreihe schoss noch mehr Adrenalin durch seinen Körper. Und dann. Ging es los.
Meyer begann den Pfarrer zu unterbrechen und ließ eine beachtliche Schimpfkanonade los, die wegen seiner Wut und seiner Gehässigkeit ihres Gleichens suchte. Meyer konnte im Nachhinein wirklich stolz auf sich sein – wenn auch er sich später kaum mehr an seine eigenen Worte erinnern konnte, eben wegen des Adrenalins. Er gab dem Ofzarek noch richtig eins mit, eine Rede, die keiner der Anwesenden jemals vergessen würde; am Ende hätte man glauben können, dass Ofzarek den zweiten Weltkrieg alleine angefangen hatte und der Erfinder und Leiter aller bekannten KZs gewesen wäre. So gut war Meyer in seinem Hass.
Keiner der Versammelten sagte ein Wort dazu. Niemand unterbrach ihn. Alle sahen nur peinlich berührt auf den Boden, nur ein paar Menschleins sahen ihn mit vor Wut blitzenden Augen an – doch nichts passierte.

Noch zuhause bebte der ganze Meyer. Durch und durch. Mann… Das war ja richtig geil gewesen. Er hatte sogar echt einen Ständer, so heftig war das. Seine Hände zitterten.
Damit war das Kapitel Ofzarek vom Tisch. Jetzt konnte endlich Ruhe einkehren.

Das fühlte sich komisch an. Diese Ruhe. Es fehlte ihm seinem Nachbarn Ofzarek Gemeinheiten hinterher zu brüllen, wenn dieser zum Beispiel mit seinem Hund spazieren ging oder zum Einkaufen. Da war dieses Wut-Loch in ihm… Irgendwen musste er doch belehren und auf den rechten Weg zurückboxen… Dann dieses Gefühl als er die Trauergemeinde beleidigte… Das war schon geil… Aber er kannte ansonsten kaum Leute. Meyer war ein Einzelgänger. Seine Bibel war das Internet.
Er studierte weiter die Todesanzeigen, jedoch war dort nur von fremden Menschen zu lesen, über die er nichts wusste und zu denen er kaum etwas sagen konnte. Und auf Menschen die er nur „so lala“ kannte, konnte er im echten Leben nicht wütend sein. Die Tage und Wochen vergingen. Nur die Wut blieb da. Eine Wut, die sich nur in Alkohol entladen konnte, denn wenn er betrunken wurde, wurde er auch stiller und nachdenklicher… Nach einem weiteren Schluck Wodka kam ihm dann die Idee: Um eine Trauergemeinde zu belehren, musste er nicht viel über den Toten wissen, ja, der Tote war im Prinzip unwichtig: Es ging doch um die Menschen die zuhörten, nicht um die Toten. Er musste doch nur genug über die Toten erfahren, um, nun ja, einen Aufhänger für seinen Monolog zu haben. Das konnte doch nicht so schwer sein. Schließlich kannte er sich doch mit dem Internet aus. Warum es nicht einfach einmal versuchen?

Thomas durfte nur nicht zu nahe an seinem Heimatfriedhof in Erscheinung treten. Anonym, ja, wie im Internet, das musste es schon sein. Er suchte sich irgend so einen Abdul heraus. Zum Üben. Das war einfach. Er fuhr mit der Bahn hin, zog vorher noch ein paar kleine Wodka und beschimpfte dann auf der Beerdigung den „Islamisten“ und „Kamelficker“ Abdul; ihm war ja schon klar, dass der Abdul kein Islamist sein konnte – schließlich war es eine evangelische Beerdigung. Nur so zum Warmwerden. Das war kein Rassismus oder so. Und wieder: Niemand wiedersprach ihm. Keiner schlug oder beschimpfte ihn. Es war grotesk. Ebenso. Wie geil es wieder war. Damit nahm es seinen Lauf: Thomas Meyer wurde süchtig.

In den folgenden Monaten und Jahren ging er auf immer mehr Beerdigungen und beschimpfte fremde Menschen. Frauen. Kinder. Männer. Die einfach nicht den „Durchblick“ hatten wie er. Auf Beerdigungen konnte man den Menschen die Welt erklären und Thomas hatte zu ALLEM etwas zu sagen. Es war ihm ganz egal ob eine alte Frau aus Altersschwäche oder an Diabetes gestorben war, oder ein junger Kerl in seinem neuen schnellen Auto gegen einen Baum fuhr und sich und seine Insassen tötete, ob es sich um einen tragischen Unfall handelte oder eine Familien-Drama: Thomas wusste alles besser. Dabei würde man sich wundern, wie selten Thomas verjagt oder angepöbelt wurde. Die meisten Leute schwiegen einfach und starrten auf den Boden. Ja. Sie nahmen die Belehrungen einfach so hin. Ertrugen seine Wut, was für Thomas nur ein Zeichen dafür war, weiter zu machen. Ihr Schweigen war seine Ermunterung. Ihre Ruhe war sein Applaus. Er fühlte sich wie ein Gesandter GOTTES. Aber auch die müssen sterben. Und eines Tages war es so weit:

Die Beerdigung des Thomas Meyer.
Der Tod selbst war keine große Sache. Thomas starb an einem Herzinfarkt, dabei wollte er doch sein Leben lang mit dem Rauchen aufhören… Der Tod kam schnell und so konnte er sich keine Gedanken darüber machen, wie es wohl auf seiner eigenen Beerdigung „zu gehen“ würde.
Jetzt war die Stunde seiner Feinde gekommen. Und seine Feinde nutzten sie, denn nicht wenige erkannte sein Bild in den Todesanzeigen. Thomas war fleißig gewesen, was ihn zu einer Art Underground-Berühmtheit gemacht hatte. Ein Anti-Held (in seinen eigenen Augen).

Auf die Beerdigung des Herren Meyer kam eine überwältigende Anzahl von Leuten. Viel mehr, als auf jeder einzelnen Beerdigung, die Thomas Meyer mit seinem Hass gesprengt hatte. Es war ein raunendes, wütendes Pack, welches auf Vergeltung aus war. Manche hatten sogar Tomaten dabei. Wenn auch nicht gleich alte Tomaten. Es wollte sich ja niemand die teure Beerdigungskleidung versauen.
Alles drängte sich in die Kirche. Und als kurz vor der Messe Ruhe in den Raum einkehrte (wie es die Katholiken gewohnt sind) kehrte auch, nach und nach, Ruhe in die Herzen der Menschen ein. Der Chor sang schöne, traurige Lieder – die Leute sangen mit. Ein spirituelles Gefühl der Verbundenheit kam auf und als der Priester über all die Schwächen (aber auch Stärken) des Herren Meyers predigte (wenn auch gleich er nichts von Meyers heimlichen Hobby wusste), machte sich langsam still und heimlich ein Gefühl der Versöhnung in den Menschen breit. Nicht das sie ihm vergeben hätten. Nur. Auf eine gewisse Art war diese Beerdigung, dieses Gefühl genau dass, was sie bei der Beerdigung derjenigen Person vermisst hatten, die Thomas gesprengt hatte. Außerdem waren unglaublich viele Leute zu der Beerdigung hier gekommen: So ein ganz schlechter Mensch konnte dieser Thomas Meyer nicht gewesen sein. Vielleicht hatte man sich auch von dem Bild täuschen lassen. Der Mann hier war wohl der Falsche.

Und so. Nach und nach. Beruhigte sich die Wut in den Menschen. Manche vergaben. Andere gaben ihren Hass auf. War das nicht unglaublich christlich von ihnen? Dieses Vergeben? War das nicht toll? War das nicht viel weiser als wütend zu sein? Gibt der Klügere nicht nach?
Am Ende sprachen Alle von einer „schönen Beerdigung“ und gingen auseinander. Keine Tomate wurde geschleudert. Niemand brüllte dazwischen. Der Sturm den Thomas gesät hatte, war nicht aufgegangen. Und hätte Thomas noch gelebt und das Ganze mitbekommen, hätte er sich über die Trottel kaputt gelacht, wie sie sich ihre beste Chance auf Vergeltung durch die Lappen gehen ließen.