Stereotyp – 2 – Nietzsches Drogen hatten längst zu wirken begonnen

Paul verließ seinen Sitzplatz und holte sich an der Bar von einer mit silbernen Glitzer im ganzen Gesicht bestückten und geschminkten Transfrau unbestimmbaren Alters ein „Bio-Bier“. Nach dem ersten Schluck aus der Flasche konnte Paul zwar nicht herausschmecken was an diesem Bier „Bio“ sein sollte, um jedoch nicht aufzufallen stellte er keine Frage nach der Andersartigkeit dieses Bieres zu anderen Bieren und gab dafür der Transfrau einen vollen Euro Trinkgeld. Überraschenderweise freute sich die Dame über das Trinkgeld so sehr, dass es Paul schon wieder leidtat es gegeben zu haben. Scheinbar war es in diesen Hippie/Hipster-Kreisen alles andere als normal mehr für andere auszugeben, als nötig.  Irgendwie war es gar nicht so einfach in so einem Club nicht aufzufallen. Wenigstens wenn man so auftrat die Paul. Zwei Räume und einen Pulk von lachenden, schwatzenden und lauftanzenden Menschen später, machte er an einer mit grünem Flokati überzogenen Sitzecke halt und setzte sich abermals zu den Techno-Raver-Leuten. Es war nicht mehr ganz so laut wie an dem Platz mit dem Kachelofen, so dass auch die Technoschrei-Affen sich viel weniger anschrien als gerade eben. Der Bass wummerte nur dumpf abgeschirmt durch die dicken Wände vom Nebenraum her. Paul nahm einen Schluck von seinem Bio-Bier; der Gerstensaft tat ihm richtig gut. Vielleicht war es nicht die klügste Idee sich hier und jetzt in der „Wilden Barbara“ zu betrinken. Doch das Bier half ihm trotzdem den Stressdruck auf seinen Kopf zu vermindern. Wie lange müsste er wohl hierbleiben? Missmutig sah Paul umher. Die Techno-Raver würden sicherlich noch mindestens bis Montagmittag durch die Räume der „Barbara“ stolpern. Zeit hatte Paul also genug. Es erzeugte ein sehr ironisches Gefühl in ihm sich geradehier vor der Polizei zu verstecken, denn bis vor 5 Stunden hätte er noch über die als von einigen als „geschützten Räume“ bezeichneten Techno-Clubs Berlins gelacht. Dem zum Trotz war durch die Geschehnisse dieses Tages die „Wilde Barbara“ für ihn zu einem ebensolchen geschützten Zufluchtsort geworden. Darauf gab er sich noch einen Schluck Bio-Bier. Auf die Ironie. Auf Berlin.

„Wusstest du, dass Ungarn die meisten Pornodarsteller pro Millionen Einwohner hat?“ Die Frage galt nicht Paul, auch wenn der Kerl rechts neben ihn Paul angesprochen hatte und ihn dazu ansah. Tatsächlich sprach der Kerl mit Bürstenhaarschnitt und einem tatsächlichen Friedrich Nietzsche Oberlippenbart mit der Dame, die eine Sitz-Etage hinter Paul saß, doch da der Nietzsche-Bart-Träger durch seinen offensichtlichen Zustand nicht mehr fähig war sich mit seinem Körper ganz zu ihr umzudrehen ohne von der Sitzecke zu fallen, blickte er dafür im Austausch Paul an. Nietzsches Drogen hatten längst zu wirken begonnen.

„Sollen wir?“ Paul machte mit seinen beiden zwei Zeigefingern eine Tauschgeste auf sich und die junge Frau hinter ihm, worauf der Kerl mit Nietzsche-Bart nur den Kopf schüttelte:

„Ich glaubäää… Die Annalena macht eh gerade Pause.“ Dabei kniff der verstrahlte Technodepp die Augen zusammen um die genaue Situation bei seiner Freundin zu entschlüsseln. Auch wenn er sie sicherlich weder aus diesem Winkel, noch mit diesen Augen, erkennen konnte.

Paul überlegte eine Sekunde lang, in welcher er den Kopf ein paar Zentimeter in Richtung „Annalena“ wendete, ob er sich zu der Frau umdrehen sollte. Dann beließ er es doch dabei. Lieber nahm er noch einen kräftigen Schluck aus der fast leeren Bierflasche.

„Wusstest du?“ fragte der Typ von rechts. Paul ignorierte den Nietzsche-Kerl mit seinem offensichtlichen Laber-Flash, bis Nietzsche schließlich mit seinem Gesicht so nah an Paul herankam, so dass dieser den jenen nicht mehr ignorieren konnte und der Kerl die Frage einfach noch einmal wiederholte: „Wusstest du?“

„WAS! Weiß ich?“ Paul hatte Nietzsche immer gehasst. Wieso konnte die Welt ihn nicht einfach in Ruhe lassen? War der Tag denn nicht so schon schlimm genug? Mussten die banalen Leben der anderen immer aus ihren Mündern sprudeln? Konnte denn keiner sehen, wie scheiße es Paul gerade ging?

Der Typ grinste ihn an: „Wusstest du das Lewandowsko 90 Prozent aller Tore beim Fc Bayern schießt? Hä? Wusstest du?“
„Nein! Ich habe es nicht so mit Fußball.“

„Ist aber so. Weißt du? Und ich denke mir… Ja… Ich denke mir. Ich meine“, der Typ kramte eine Zigarette hervor und bot auch Paul eine an, der mit einem Auch-schon-egal-Gesichtsausdruck die Fluppe nahm und diese sich von dem Kerl anfeuern ließ, „was ich meine. Ist“, fuhr der Nietzsche-Kerl fort, „WARUM bricht dem Lewandosko keiner die Beine? Verstehst du? Ich meine. Im Fußball steckt so viel Geld! Hat der irgendwie so Personenschützer? Ich meine. Wenn man dem die Beine bricht, wer schießt dann die Tore für den FC Bayern? Und. Ich meine. Wo würden die dann in der Tabelle stehen? Da geht es doch um MILLIONEN! Ich meine. Ist doch krass. Neunzig Prozent aller Tore! So viel Geld! Wettmafia! Champions League!“

Und weil es Paul egal war nickte er nur und sagte: „Ja. Das hast du schon recht.“ Darauf nickte der andere Kerl auch nur. Wohlwissend jemand gefunden zu haben, der ihn verstand. Die beiden rauchten. Währenddessen zogen die jungen Leute schreiend und tobend an ihnen vorbei. Viel weniger wild und hedonistisch wirkend als sie sich in diesem Moment selbst gerade fühlten. Mit ihren Bieren in der Hand und den chemischen Substanzen in der Nase. Dazu die gängigen klischeehaften Instagram-Bilder über sich und dieser Welt im Kopf, die ihnen vorgaben wie sie diese Welt zu sehen und zu erleben hatten. Alle Leute hier waren offensichtlich mit den gleichen Wünschen aufgeladen, die nur vom eigenen Sex und Erfolg handelten. Und ebenso sehr wie sie sich danach verzehrten, verleugneten sie ihre eigenen Triebe den anderen Menschen gegenüber. Dies hier, war die Hippie-Hölle. Die dunkle Seite des Mondes. In der jeder sich selbst vorgaukelte nach einer subjektiven, persönlichen wie allgemeinen Freiheit zu streben – um am Ende nur zu wollen, was jeder erstrebt. Das war weder schlimm, nur menschlich. Jedoch unendlich langweilig. Eine Jugend im Swinger-Club. Und wenn sie dann erwachsen wurden, wollten sie gerade deswegen das Haus am See. Wenigstens hatte Paul so immer über diese Berghain-Trottel gedacht. Die „Wilde Barbara“, die nach Jane Fonda in „Barbarella“ benannt war, füllte sich mit jeder Minute mit noch mehr glücklich grinsenden Jugendlichen. Die ausgelassene Stimmung der einfachen Leute strömte regelrecht in die für sie heiligen Räume. Selbst Paul konnte fühlen, wie sich der Club mehr und mehr mit weltvergessener Euphorie und bedingungslosem Feierwillen auflud. Überall waren Männer, Frauen, Musik; Hände, Gläser, Gelächter. Alles war und schien in Bewegung und konnte nicht die Finger voneinander lassen.

„Und frohen Jahrestag!“, lachte ihn der Kerl mit dem merkwürdigen Bart plötzlich euphorisch an, nachdem der sich kurz um seine Freundin Annalena gekümmert hatte. „Ja dir auch!“ lächelte Paul den Typen verkniffen an, der ihn darauf gleich herzlich und warm umarmte. Darüber musste Paul tatsächlich Lachen. So weit weg war die Welt dort draußen für ihn inzwischen schon. Die Bahn. Die Bullen. Die Hunde. Vielleicht ein Hubschrauber… Es war doch eh schon alles egal. Egal und unabänderlich. Was das Gleiche war… Nun war er hier. In Sicherheit.

„Deiner Freundin“, meinte Paul mit dem rechten Daumen nach hinten. „Geht es der gut?“

„Ist nicht meine Freundin! Sie ist meine Schwester!“

„Ah, okay? Geht es der gut?“

„Sie ist meine Schwester!“ brüllte der Schreiaffe und schüttelte dabei dumm seinen Kopf hin und her.
Darauf musste Paul wieder Lachen, diesmal sogar ehrlich. Vielleicht waren diese Techno-Clubs gar nicht mal so übel wie er immer gedacht hatte. Wahrscheinlich war es in diesen Zeiten gar nicht einmal die schlechteste Wahl vor der Wirklichkeit in die Drogenbeseelte Dummheit dieser Szene zu fliehen, um einfach nur zu Tanzen und Schwachsinn daherreden. Und wenn Paul irgendwo sicher vor der Polizei sein sollte, dann sicherlich an solch einem Ort. Weiß Gott: Es bestand sogar die Möglichkeit, dass ihn vorhin niemand gesehen hatte. Schließlich war Paul mindestens eine, wenn nicht zwei Stunden lang danach in der Schlange vor der „Wilden Barbara“ gestanden, um sich in der Menge zu verstecken. Zur Erinnerung: In diesen Clubs werden am Eingang sogar die Handykameras abgeklebt! Sogar Mark Zuckerberg musste draußen bleiben. Was sollte Paul jetzt noch passieren? Dass was geschehen war, konnte er ohnehin nicht mehr rückgängig machen.  Vielleicht brauchte er nur ein weiteres Bier. Und noch eines. Und noch eines. Und noch… Immerhin hatte er es bis hierhin geschafft. Auch wenn… Paul stellte sein leeres Bier auf den Boden, zu seinen Füßen. Für ihn hätte es schlimmer kommen können. Er nickte unbewusst ein wenig zu dem stumpfen Techno-Beat mit, der nicht aufhören wollte durch die Wände zu wummern. Hier und da fiel ihm eine hübsche Frau auf. Klar. Das alles war immer noch saublöd, hier. Aber. Wer nicht draußen ist, ist drinnen.

„Wir sind ja ewig angestanden“, laberflashte der Nietzsche-Imitator ihn wieder mit seiner nassen Aussprache voll.

„Ja, ich auch. Normal“, gab Paul zurück.

„Ja ne! Anna… Lena… Und ich waren fast drin. So richtig fast drin. Ganz vorne. Nur noch die Security-Schranke. Dann kamen die Bullen zu den Türstehis. Und dann war erst mal zu. So direkt vor uns. Ich meine. Da haben wir zwei richtig Pech gehabt. Halbe Stunde! Halbe Stunde noch mal. Standen wir da. Man kann schon richtig Pech im Leben haben. Ich meine. Wir waren ja fast drin.“

Paul wurde es schlagartig eiskalt. Die Welt zog sich ebenso zusammen wie seine Brustkorb. Ebenso wie seine Kehle. Er hielt die Luft an und japste mit dünner Stimme: „Was wollten die Bullen denn?“
„Ach!“ gab Nietzsche angewidert zurück. „Nix wichtiges. Bullenzeug. Suchten halt irgend so einen… Deppen. Irgendwas mit nem Zug. Wohl da hat sich… Da hat sich wohl irgend so ein Idiot vor den Zug geworfen. Meine ich. Irgendwo. So ein Kerl.“

Pauls Bewusstsein erinnerte sich mit einem Mal an den Schock, den er vor ein paar Stunden erlitten hatte. Noch einmal fühlte er den Aufschlag. Dieses dumpfe Klatschen, welches die Bahn erzeugt hatte, was sich ganz anders anhörte, als in einem Film. Durch die Erzählung des Nietzsche-Typen war es für Paul so, als würde die Zeit mit einmal stehen bleiben. Die Techno-Raver froren in ihren Bewegungen auf den Flokati-Bänken und im schummrigen Flur ebenso ein, wie die Musik aus den Boxen und das Licht aus den Computern. Selbst Pauls Herz verkrampfte sich, als wäre sein Herz eine Schallplatte und eine große, böse Hand Dämonenhand hätte sich auf den Plattenspieler des Lebens gelegt um mit dem erwartbaren dumpfen, stöhnenden Geräusch die Platte anzuhalten. Ein Horrorgefühlmoment der ganz besonderen Klasse. Die Welt stand still. Und es tat weh.

„Wer hat sich vor den Zug geworfen?“ war Pauls Frage, als er wieder die Kontrolle über sich zurückgewann und seine innere Schallplatten jaulend wieder anlief. Viel schneller und hektischer als noch gerade bevor sie gestoppt wurde. Sein Herz raste.

„Keine Ahnung“, Nietzsches Hände nahmen die Ahnungslos-Haltung an. „Weiß nicht. Ich meine. Niemand kennt seinen Namen.“

Paul stand im gleichen Moment auf, wie die Panik aus seinen Fingerspitzen gleich einem Stromschlag in seinen Kopf schoss. Die Raver-Welt längst wieder aus ihrer Starre gelöst. Es war laut. Hektisch. Unübersichtlich. Wild. Und… Dumm. Und in diese dumme, laute Wildheit der „Wilden Barbara“ sagte Paul zu sich und zu niemanden anderen in den Krach des Planten „Barbara“ der ihn umschlossen hielt: „Ich kenne seinen Namen.“

Dies ist die Geschichte von Paul Fleming. Tatsächlich beginnt seine Geschichte weder an diesem Tag, noch wird sie hier enden. Ebenso wenig ist Paul Fleming sein echter Name.

Entwurf vs. endgültiges Cover "Verlorene Jungs"

Vor einem Jahr habe ich lange überlegt für welche Version des Covers ich mich entscheiden soll. Im Endeffekt wurde es dann die untere Ausgabe, da mir die obere als zu dunkel erschien.

Ich mache meine Cover nicht selbst, sondern lasse sie von einer Freundin einer Freundin anfertigen, die ich auch nur über das Telefon und Whatsapp kenne. Bei dem Thema Malerei und Gestaltung, bei dem ich selbst nicht fähig bin etwas brauchbares zu produzieren, muss man meiner Meinung nach auch die Zügel aus der Hand geben können. Mir war von vornherein klar, nicht genau das Ergebnis zu bekommen würde, wie ich es im Kopf hatte. Diese Freundin einer Freundin fertigt auch größtenteils Cover und Designs für Kinderbücher an – was man dem Cover von „Verlorene Junge“ auch stark ansieht. Dennoch hat sie sich gut an meine Vorgaben gehalten und ich bin sehr zufrieden. Auch wenn das Cover viel braver aussieht als das Buch tatsächlich ist.

Ich wollte eine ein wenig an van Gogh angelehnte Kleinstadt bei Nacht, über die Ecstasy-Tabletten wie Monde schweben (deswegen ein Herz, ein Halbmond, eine Sonne auf den Monden). Leider nur erkennen den Ecstasy-Vergleich die wenigstens Betrachter. Das ist einerseits ärgerlich, andererseits wollte ich keine zu platten und offensichtlichen Drogen-Abbildungen auf dem Buchumschlag. Eine Art künstlerischer Wert war mir wichtiger, als ein sofortiger „Ja eh“-Moment.

Sowieso würde ich es jedem einmal empfehlen einer wildfremden Person am Telefon zu erklären, dass man gerne Monde aus Ecstasy auf seinem Cover hat. Sie wusste nicht einmal wie Ecstasy aussieht. Das löste eine mega peinliche, wie ebenso lustige Gefühlsreaktion bei mir auch. Und auch sie hat herzlich gelacht. In ihrer Welt kommen Menschen wie ich nicht vor.

Mein Techno- und Drogen-Roman „Verlorene Jungs“ ist weiterhin umsonst auf Bookrix und in vielen anderen eBook-Shops über diesen Link hier erhältlich.

Stereotyp – 1 – Techno ist etwas für Idioten

Am „Jahrestag der Gründung der vereinigten Staaten von Europa“, befand sich Paul Fleming in einem Technoclub. Ausgerechnet Techno. Paul hatte diesen Techno-Raver-Unsinn schon immer gehasst.  Diese furchtbare elektronische Nicht-Musik, die von allen, die sie „abfeiern“, auch nur mit bewusstseinsvermindernden Drogen ertragen werden kann. Wenn man sich den unmündigen Bürger einmal zugute führen wollte, musste man nur in einen Techno-Club gehen und sich die Gesichter dieser Wohlstandskrüppel zu Gemüte führen. Mit ihren panisch starrenden, schlicht wahnsinnigen Augen. Den sinnlos mahlenden Kiefern. Und ihrer verschwitzten, pickeligen Haut. Manche Menschen trugen ihren Charakter tatsächlich im Gesicht.  Von dem Unsinn, den diese Unmenschen von sich gaben, einmal ganz zu schweigen. Denn wenn sie nicht wie selbstverliebt geile Roboter stakkatohaft tanzten, erbrachen sich die „Raver“ aufeinander mit ihrer ekelhaft feuchten, brülllauten Aussprache. Ganze Sturzbäche von geistiger Galle spien sie sich ständig gegenseitig in ihre Gesichter. Ohne Luft zu holen. Ohne nachzudenken. Doch wohin hätte Paul in so einer Situation in Berlin auch sonst gehen sollen?

„Bumsvoll“ war der Laden. Diesen Ausdruck hatte einer dieser Techno-Schreiaffen vorhin Paul gegenüber gebraucht, was der nur fade lächelnd abgenickt hatte. Diese verdammten Feiertage. Es war so schon schlimm in diesen „Läden“, wie die Techno-Affen ihre Clubs nannten, an den Feiertagen war es nur noch umso schlimmer. Paul konnte vor lauter Touristen kaum die Hand vor den Augen sehen. Dann hatte der dumme Techno-Schreiaffe noch zwei, drei weitere Male auf die Bumsvolligkeit des Ladens hingewiesen. Er schrie Paul weiter an, was für eine furchtbare Situation das sei in den Berliner Technoclubs.  Vor lauter Bumsvolligkeit traf man kaum mehr normale Menschen, also ECHTE Berliner in den angesagten, also guten Läden. Da müssten Typen wie er und Paul doch ein kleinwenig zusammenhalten, lachte und spuckte der Typ weiter. Paul. Nickte dem schwitzenden, stierenden Kerl einfach nur zu. Denn ganz egal wie furchtbar sich dieser Techno-Raver-Unsinn für ihn anfühlte: Draußen, im Vorher seines Lebens war es noch viel furchtbarer gewesen. Was konnte es da schaden mit einem ihm wildfremden Kerl via Jägermeister Bruderschaft zu trinken? Der Jägermeister riss Paul die Augen auf. Der Fremde lachte ihn brüderlich an. Klapste ihm auf die Schulter und frohlockte lachend: „Geht doch!“

Der Laden in dem sie sich befanden und in welchem sich die Menschen wie Kälber in einer Schlachtanlage drängten, hieß „Wilde Barbara“. Die „Wilde Barbara“ entsprach der dritten Generation von Techno-Clubs.  Nach den verbotenen illegalen Raves und nach den danach legal angemieteten Industriehallen, waren ganze, ehemalige Wohnhäuser das neueste Dinge in Berlin. Es gab nicht mehr den Hauptfloor mit dem Main-DJ. Im Jahre 2015 war auf jedem Stockwerk, in jedem Raum Party angesagt. Überall wurde gefeiert und so etwas Ähnliches wie getanzt. Alles war durchzogen mit dieser Mega-Underground-Berlin-Attitüde, die sich durch abgeklebte Handykameras und verrücktes Level-Design der einzelnen Locations wiederspiegelte. Jeder Raum musste als Event ein wenig aus dem Rahmen gefallen erscheinen, ohne allzu sehr zu irritieren. Da stand dann also ein alte Leute-Sofa und -Tisch neben einer Art Kachelofen in einem Folterkeller, dafür hingen die Klischee-Gittern und -Ketten an den Wänden. Dazu lief monotoner Minimal-Sound oder angesagter House von einem jedem Anwesenden unbekannten DJ, der gerade durch seine Unbekanntheit in diesem Räumen den Spirit eines Weltklasse-DJs anhaftete, ganz gemäß dem Berliner Motto: Hauptsache Underground – nur nicht zu berühmt sein. Die Besucher, die im gefühlten Alter von 18 bis 88 waren, saßen auf dem Sofa, dem Tisch und auf dem Kachelofen herum, schrien sich gegenseitig an, lachten ein Lachen, dass wegen der Druck aus den Boxen nirgendwo ankam und zeigten sich gegenseitig auf ihren Smartphones Bilder von Ecstasy, welches sie gerade im Begriff waren zu kaufen oder vor einer Stunde, fünf Tagen oder zwei Jahren gekauft hatten. Was diese Techno-Haus-Clubs nun von Großraumdiskos mit mehreren Floors und Sangria unterschied, konnte Paul beim besten Willen nicht erkennen. Er war aber weiß Gott auch nicht die Zielgruppe dieses Drogenlochs, in der nun schon zum zweiten Mal ein Rudel von halbnackten Feuerschluckern durch die Gänge zog und warme Luft verbreitete. Paul sollte es recht. Dies. War genau das, was er jetzt brauchte. Hier war jeder so sehr mit sich selbst beschäftigt, dass ihn sicherlich keiner wiedererkennen würde. Ob er Ketamin wolle? Er mit ihm, da drüber auf der Toilette? Sein neuer „Freund“ geiferte ihn an. „Nein danke.“ Dass waren die ersten Worte, die Paul Fleming in diesem Laden von sich gab, und doch fasten sie alles was er sah treffend zusammen. Sein Schreiaffen-Freund stand auf und verschwand „auf Toilette“. Währenddessen schwang sich ein etwa 20 Jähriger Kerl mit Hippster-Bart und roten Haaren voller Bartwichse auf die oberste Stufe des Kachelofens, zog sein Shirt aus und brüllte etwas unverständliches in die leicht amüsierte Menge, bevor er fast umgehend vom Ofen abrutschte und Kopfüber auf den Boden knallte. Vermutlich hatte ihm ein Reiseführer-Vlog so ein Verhalten in einem Berliner Technoclub nahegelegt. Hashtag: Echtesberlin. Die Raver dankten es ihm mit hämischen Gelächter. Paul schüttelte nur den Kopf und dachte an die Worte seines Freundes Niti: „Wenn der Erfolg den wenigen Recht gibt, gibt der Misserfolg den vielen Unrecht.“

Worakls in der Kantine Augsburg, es war der 9.11.2018

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Beim Feiern bin ich der emotionale Typ. Ich buhe auch mal einen „Künstler“ aus, wenn mir seine Performance nicht passt. Das empfinde ich nicht als „böse“ oder „gemein“. Es ist legitim. Erstens ist es im Theater gängiger Brauch nach der Vorstellung seine Meinung kundzutun. Zweitens ist es für mich ein Unding, dass Künstler immer nur durch Klatschen belohnt werden, nie getadelt. Der Tadel in der westlichen Hemisphäre besteht ausschließlich darin, nicht zu Applaudieren. Doch gerade im Feier-Performance-Bereich gilt: Irgendein druffer Trottel klatscht immer. Auch. Wenn man oft nur den einen Künstler von und den folgend auf die Bühne jubeln will. Meine Frau schämt sich dann natürlich regelmäßig immer wieder schrecklich, wenn ich aus der Masse heraus DJs ausbuhe, die nach ihrem Set immer (wirklich: Immer) selbstverliebt auf dem Podest stehen und sich für die/den Geilste/n halten. Da gibt es nie auch nur den Zweifel einer Unsicherheit über die eigene Performance. Klar. Man muss sich ja nicht gleich entschuldigen nach seinem Auftritt. Das ist natürlich auch Quatsch. Doch ein wenig sollte die Einsicht dann doch durchblitzen, dass man gerade am Publikum vorbeigespielt hat. Leider.

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Wir waren wegen „Worakls“ in die Kantine nach Augsburg gekommen (ja, ja, schon wieder die Kantine…) und der hat mit seinem Live-Act (also Live-Auftritt) erst um halb 3 angefangen. Die Uhrzeit geht in Ordnung, schließlich war es ein Event mit elektronischer Musik und keine Rockmusik, zu der man sich schnell besaufen muss, als wäre man in einem englischen Pub von vor 10 Jahren (nein, ich werde diesen Spruch nicht erklären). Wichtig ist: Wenn man den Künstler, dessen Name auf den Karten steht (auch wenn man ihn falsch darauf gedruckt hatte…) so spät spielen lässt, braucht man ein tüchtig gutes Vorprogramm, welches (wir erinnern uns an den ersten Absatz) leider nicht vorhanden war. Der erste DJ, ein junger schwarzer Typ, machte seine Sache noch ziemlich gut. Er versuchte sich wenigstens dem Sound der spät live und in Echt aus den Boxen dröhnen wurde, ein wenig gerecht zu werden. Der zweite Typ, ein junger weißer Kerl, spielte nicht nur einen unbedeutenden, langweiligen und austauschbaren Sound herunter, nein, er hatte auch nichts mit Worakls zu tun. Da lief ewig austauschbarer Techno/Minimal, der alles andere als relevant war. Keine Hits von Niemanden, dabei hat der gute Worakls nen guten großen Freund, N´To, dessen Platten sich super als Warm-Up geeignet hätten. Man muss ja nicht gleich nur N´to spielen, ein wenig Spirit hätte auch gereicht.

Ich ziehe hier mal das Zitat meiner Frau heran, die wie wir inzwischen wissen, gnädiger mit Künstlern umgeht als ich, welche am Tag nach dieser Nacht meinte: „Mir schmerzen richtig die Füße vom vielen Herumstehen.“ Das sagt doch alles.

Es war ohnehin brechend voll in der Kantine, da oben im zweiten Floor kaum Besucher waren: Alle wollten Worakls hören, von dem natürlich keiner wusste, wann der anfangen würde; woher auch? Ein gewöhnliches Übel solcher Veranstaltungen, bei denen keine Uhrzeiten promotet werden, damit viele Leute früh kommen und möglichst lange Geld in die Kassen saufen. Schließlich war es dann so voll, dass an Tanzen schon lange nicht mehr zu denken war. Klar, der gesamte obere Floor war in den unteren gerutscht. Das mag brandschutztechnisch legitim sein, für den Kunden ist das aber scheiße. Wir mussten uns also unseren Platz an der Seite sichern, damit wir später überhaupt ein wenig Raum zum Tanzen zu hatten (Randbemerkung: Ich habe erste ein Video von Marika Rossa aus der Kantine gesehen, wo der Tenor in den Kommentaren lautete: „Tolles Set, aber wenig Stimmung in dem Laden! Was ist nur mit den Leuten los?!“ Hier die Antwort: Die hatten einfach keinen Platz für Stimmung.)

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Irgendwann, nach gefühlten Jahren, endete unter Selbstherrlichem Grinsen das Set von dem Typen vor Worakls. Sollten mich doch die Leute blöd ansehen während ich betrunken den Trottel ausbuhte. Drogendruffe Augen. Wie die Schafe blickten sie mich an, als sie sich nach mir Deppen umdrehten, der da krakelte.

Worakls machte gute 1,5 Stunden. Und das ist eine sehr gute Länge für ein Live-Set. Wirklich. Wenn ein DJ nur 2 Stunden seine Platten spielt, gehört er ordentlich verprügelt, wenn mit seinem Name geworben wird: Zwei Stunden sind NICHTS. Eine unglaubliche Frechheit, dass die Jugend von heute ihr teures Geld für 2 Stunden zum Fenster hinauswirft; einfach unbegreiflich. Bei Live-Auftritten wurde man jahrelang mit einer Stunde abgespeist. Was noch okay war. Aber anderthalb Stunden sind schon sehr viel angebrachter und Kundenfreundlicher. Worakls spielte dann seinen Filmmusik-Electro herunter. Viele Flächen. Viele Melodien. Große Gesten. War ganz okay. Was man erwarten konnte. Nur auch nicht mehr. Während er den immer gleichen Wechsel zwischen einem Basslastigen Song und einem Geklimper-Hit machte. Man merkt schon, dass das Vorprogramm für mich auch Auswirkungen auf Worakls selbst hatte. Insgesamt hätte der Veranstalter doch einiges besser machen können.

Schade.

 

Zu wem ich tanze – Update

Zeit die Angeber-Liste mal wieder zu aktualisieren…

DJs

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Bands/Live-Akts:
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„Klassik und Jazz“
Dmitri Hvorostovsky, Junge Münchner Symphoniker (2), Brein´s Cafe, Orchestra di Padova e del Veneto,

Wenn Künstler sowohl bei „Live“ als auch bei „Djs“ vorkommen, dann handelt es sich einfach nur um einen Live-Akt eines Djs – für Außenstehende als Erklärung 😉
Die Zahl nach dem Künstler/der Band gibt die Häufikgeit an wie oft ich den Act gehört habe.

Ketamin in der „Wilden Renate“ in Berlin

Wie das halt so ist. Man reist durch die ganze verdammte Republik, durch die ganze abgefuckte Provinz, um schließlich in der Hauptstadt von Ostdeutschland anzukommen. So was merkt man nämlich ganz schnell wenn man durch den Osten fährt, dass Berlin nämlich vor allem die Hauptstadt von Ostdeutschland ist. Vom Rest ist man ziemlich weit entfernt. WEST-Berlin hin oder her. Das hier ist der Osten. Nirgendwo gibt es so viele antisemitische Überfälle in der Bundesrepublik. Ganz klares Ossi-Ding. Oder Dortmund. Aber da bin ich das letzte Wochenende ja nicht hin.

Ich habe eh keinen Plan warum Berlin immer als so tolerant dargestellt wird, denn, nirgendwo wird man auf offener Straße so grundlos und saublöd angemacht wie hier. Das gibt es nicht einmal in Bayern. So was ist doch konservativ. Leute blöd anwichsen wegen nichts. Okay. Meistens ist es dann auch wirklich eh egal was für ne Hautfarbe oder Geschlecht das verabscheute Gegenüber dann hat: Hier hasst einfach jeder jeden. Wenn nicht jeder jedem gerade scheißegal ist. Was dann mit Toleranz verwechselt wird.

Von meinem hierher gezogenem Kollegen bekomme ich erst Mal eine rein gewürgt: „Hör auf so schwäbisch zu sprechen! Das mögen die Leute hier nicht!“ Und ich: „Was willsch denn du? Ich komm hald von da. S´sagt ja auch keiner was wenn einer von Berlin runter kommt: Red mal gscheid. Du Penner. Ich hasse dich, weil du mir die Nachbarschaft gentrifizierst.“ Weil Gentrifizierung. Das weiß der Berliner nicht, der zu 90 Prozent vom verhassten Toursimus lebt, gibt es eben auch in München, Stuttgart, Augsburg: Überall. Da musst du dann halt schon ins Ruhrgebiet oder in den Osten gehen um dem zu entkommen.. Da bekommst du dann halt auch deinen liebgewonnen Antisemitismus.

Die Berliner Clubs hängen mir schon lange zum Hals raus. Trotzdem gehen wir da natürlich hin. Was in der ersten Nacht immer problematisch ist: Ich bin noch gar nicht vom Kopf her angekommen und muss mich dann von irgendwelchen Arschgeburten an der Türe beurteilen lassen. Mag ich nicht. Wir wollten dann ins „Suicide“. Weil aber Liebesparade (Irgendwas) in Berlin war, war da ein gutes Line-Up gebucht. Nichts gewesen mit der leichten und schnellen Türe. Also dann doch gleich in „die wilde Renate“. Letztes Mal waren wir noch bei der Neueröffnung beim Club gegenüber, in der „Magdalena“; gibt es schon nicht mehr. An der Tür dann also Anstehen und blöde Blicke von blöden Türstehern. Die zwar gar nichts für den Umstand können, trotzdem das Gesicht des beschissenen Berlins sind. Klar. Man will nicht jeden Deppen im Club haben. Doch so was ist halt auch keine Lösung. Wir kommen dann rein, weil mein Kollege sagt, wir sind „Bordell-Nacht-Besucher“. Das ist da so ne Partyreihe. Und dann wird man gleich angegoscht, wegen mir wäre man fast nicht rein gekommen. Ich stand da nur. Und hab nichts gesagt: Aber nach der Ansage hat man gleich gar keinen Bock mehr. Da fährt man durch die ganze verschissene Republik zum Freund, und darf sich von dem Anhören, dass man Schuld ist irgendwo nicht reinzukommen: Was ist dir wichtiger? Die saublöde Location – oder der Freund der einen besucht? Das Ketamin was man drinnen kaufen kann. Ach so. Ja klar. Liebe steht im Raum…

Drinnen also erst Mal Streit. Immer der gleiche Streit über Erwartungshaltungen von dem oder von mir. Müßiges Thema. Das ewiggleiche. Bis man es dann gut sein lässt.

In der „Renate“ darf nicht gefilmt oder fotografiert werden. Da muss man dann wie im Kindergarten seine Handykameras abkleben.

Die Renate ist aber auch ne coole Location. Sehr Berlin like und ich mag ja Club mäßiges Sightseeing. Da bin ich gerne Tourist. Was dem einen sein Eiffelturm. Ist mir mein Cocoon-Club. Ultraschall. Watergate. Oder hier halt der „Salon – zur wilden Renate“. Die Renate ist einfach nur ein mehrstöckiges, verwinkeltes Haus, mit kleinen Zimmerchen, in denen zwar Floors sind, da aber irgendwie wieder Wohnzimmer und Club-Atmo in einem Mit Beichtstuhl und Vulva. Für so was ist Berlin bekannt. Ist auch ehrlich gesagt ganz cool. Gerade wenn man früh genug kommt, um mit zu erleben, wie die Floors nacheinander öffnen. Wie ein Fächer, der sich ausbreitet. Das war cool und machte Spaß. Auch wenn ich nicht auf Krawall gebürstet war. Mit Ende dreißig. Braucht man halt ein paar Stunden um anzukommen.

Der Freund war dann natürlich weg. Ketamin für sich kaufen. Und ich wippte und nippt da so. Alleine. Während die jungen Leute um mich herum feierten. Ich kam mir da schon ziemlich einsam und alt vor. Kein Wunder.

Der Freund kam dann zurück. Plärrte einen an, dass er jetzt Keta hätte. Und dass man nun gefälligst mitkommen solle. Auf Toilette. Zum Nehmen. Und ich: Näh. Ich hab genug Quatsch genommen. Jetzt reicht es aber. Ich will nichts Neues mehr ausprobieren. Ich will einfach nur am Leben sein. Und mich daran freuen.

Ich holte mir dann nen Longdrink und gab Trinkgeld (so euphorisch wie die sich bedankt haben, kommt dass da einmal im Jahr vor) und suchte und fand meinen Freund. Ehrlich gesagt weiß ich nicht viel über Ketamin. „Nahtod-Erfahrungen“ und „Pferdeberuhigungsmittel“ kommen mir in den Sinn. Beobachtet habe ich so was nie. Wie so etwas aussieht?

Mein Kollege stand mit weit ausgebreiteten Armen in der Ecke von einem kleinem Floor (roter, grüner Raum – was weiß ich) und hielt sich damit alle anderen Menschen vom Leib. Seine Zunge war mehr als träge. Der Verstand entrückt. „ÜÜÜäää üüüäää ääää“. Mehr kam da eigentlich nicht raus. Ich setzte ihn dann lieber auf ein Sofa. Wo er mir irgendwas davon erzählte, dass er das Universum sehen könnte. Tiefere Einblicke in unglaubliche Verhältnisse, wurden da behauptet. Mit einer Gestik, die er von einem irischem Dorftrunkenbold aus dem 18ten Jahrhundert gelernt zu haben schien. Der war vollkommen hinüber. Absolut. Vollkommen. Hinüber. Er torkelte und fiel über alles was da war (Menschen, Möbel, Emotionen) und war einfach total im Arsch. Ich übertreibe nicht wenn ich sage, dass Johnny Depp bei seiner Darstellung des Äther-Rausches in „Fear and Loathing in Las Vegas“ nüchterner und beherrschter rüberkam als mein Freund auf Ketamin. Ich dachte dann irgendwie, dass es eine gute Idee wäre ihn an die frische Luft zu bringen – was sich mehr als schwierig gestaltete, wenn man durch den ganzen Club im ersten Stock muss. Der war vollkommen hinüber. Kugelte am Boden herum. Blieb da einfach liegen. Gerne hätte ich sein Verhalten gefilmt – nur gerade wegen solchen Aktionen ist das Filmen hier verboten.

Ehrlich. Ich gehe jetzt bald seit 20 Jahren auf Techno weg. Habe mehr Drogen genommen und Druffis gesehen, als es sichtbare Sterne am Himmel gibt. So etwas. Ist mir jedoch noch nie untergekommen. Er lag dann da in ausgelaufenem Bier wie ein Schildkröte auf dem Rücken, in so einem kleinem Boot, was da als Zierde in der Gegend herumsteht. Klar kann man sich da auch rein setzen und schön drauf sein und die Sterne bewundern. Oder halt voll im Arsch sein und Stöhnen. Seine total Überdosierung wurde mir dann zu blöd. Ich stellte ihn irgendwann auf die Beine. Machte ihm die Jacke zu. Und brachte ihn irgendwie nach draußen. Wo wir einen netten schwarzen Taxi-Fahrer fanden, der auch solche Ruinen von Menschen nach hause fährt.

Die Tage danach waren sehr schön in Berlin. Der erste Tag. War von unermesslichem Grauen durchzogen. Nicht weil es so „unglaublich heftig war“. Ne. Es war eher unglaublich langweilig. Denn so ein Verhalten ist bei weitem nicht abendfüllend.

Wenn euch mein Beitrag zur „Wilden Renate“ gefallen hat, empfehle ich euch meinen Roman „Verlorene Jungs“. In dem erzähle ich am Beispiel eines verrückt/normalen Wochenendes von meinem durchgeknallten Techno- und Drogenleben. Klickt entweder hier bei Amazon oder hier Bookrix rein, von wo aus ihr auf weitere eBook-Shops Zugriff bekommt.

Viel Spaß damit!

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Absolution – 31 – Angst vor Frauen

11.

Katha, Sarah und Miguel entführten Paul ins „Abseits“, einen kleinen Club in Augsburg, den nur Eingeweihte kannten. Dort legte ein Bekannter von Miguel vor 20 anwesenden Besuchern auf, der sich (in Anspielung an den Weltbekannten DJ) „Dick-Son“ nannte. Die Vier hingen dort herum, gaben sich gegenseitig Getränke aus und Pauls Freunde stellten die gute Laune zur Schau, die Paul in dieser Zeitperiode der Übernächtigung und Erschöpfung vollkommen abging. Er war einfach zu platt und zu zerstört, dazu empfand er sich selbst als viel zu große Peinlichkeit, als dass er auf „gute Laune“ machen konnte. Zudem scheiterte jeder Versuch irgendwie „besonders“ auf Katha zu wirken. Es war wie verhext. Versuchte sie mit ihm zu Reden, ging ihm fast unverzüglich der Gesprächsstoff aus, viel zu groß war die übernächtigte, leer gewichste Ödnis in seinem Kopf. Machte er eine zweideutige, lieb oder erotisch gemeinte Anspielung (die er sich schwer aus dem Brachland seines Verstandes erkämpft hatte), kam er mit ihrer begeisterten Reaktion nicht klar. Tanzten sie zusammen, fühlte Paul sich lächerlich, wie ein Troll, der nur dämliche Gesten vollführte – am Liebsten wäre er einfach davon gelaufen – währenddessen Katha eisern an seiner Seite blieb. Katha wollte Paul. Was Paul absolut überforderte. Das Problem war eindeutig nicht, dass er Katha noch erobern müsste. Das Problem war viel mehr, dass Katha bereits (wie auch immer er das geschafft hatte) erobert war und Paul einfach nicht mit der Situation klar kam. Was für die meisten Männer ein Geschenk darstellt, erschien Paul in seinem gegenwärtigen Zustand als unlösbare Aufgabe. Er stand sich selbst im Weg. Die Wünsche der Drogen hatte ihn an diesen Punkt gebracht.

Und die Drogen retteten ihn.

Das Ecstasy entspannte sie. Und schon war es nichts besonderes mehr Katha in den Arm zu nehmen, und sogar auf einer abgelegenen, dunklen Bank mit ihr zu kuscheln. Das XTC half Paul über den Wahn und Paranoia hinweg, dass das Speed aufgebaut hatte. Alles schien gut. Alles erschien bereinigt. Der Bass wummerte über ihre Köpfe hinweg. Die Lichtorgel blitzte um ihre Köpfe. Ihr Lachen wurde zum Kettenbrief. Da war es wieder, dieses Gefühl von Freundschaft und Liebe, dass alles überdauern würde… Überdauern sollte. Überdauern müsste… Paul sah Katha verliebt an. Und sie ihn. Junge Menschen. Totally in Love zueinander. Vereint durch echten Gefühle ihrer Herzen, die in diesem Moment im Gleichtakt miteinander schlugen. Vereint durch die Funkenden Eruptionen, die nur die chemische Industrie garantieren kann. Sie sahen sich an und versanken ineinander. Einen Moment lang… Zwei Momente zu lange… Drei Momente zu lange… Und es geschah…

Er hätte einfach nur seinen Mund auf den ihren drücken müssen. Hätte einfach nur seine Zunge um ihre Tanzen lassen sollen. Er hätte einfach nur einen Moment keine Angst vor gar nichts haben müssen. Weder vor sich. Vor seinen Gefühlen. Vor Katha. Vor der Peinlichkeit. Seiner Unfähigkeit. Seiner Wahrheit… Paul hätte einfach nur dass tun müssen, wovon er so viele Nächte im Delirium geträumt hatte. Doch als die Momente zu lange anhielten – selbst auf dem Ecstasy, das Glücksmomente so unglaublich lang und schön bis ihn alle Momente zu dehnen vermag – war es vorbei. Paul lächelte schief. Fragte Katha nur, ob sie nicht Tanzen wolle, worauf die Enttäuschung in ihren Augen aufblitze, gleich einem Erdloch, dass plötzlich und von keinem Wissenschaftler vorhergesehen eine ganze Kleinstadt verschluckt und erledigt, gleich einem Arzt, zu dem die Angehörigen eines Unfallopfers voller Hoffnung rennen, der aber nur vom Misslingen der Operation und der Grenzen der Medizin berichten kann, gleich einem Ertrinkenden, der feststellen muss, dass es nichts gebracht hat bis zum letzten Moment und mit allen Kräften um sein Leben zu kämpfen.

Katha seufzte über all den Lärm des Technoclubs hinweg. Es war ein geradezu Bibliches Seufzen.

Irgendwie…“, brachte Paul noch hervor. „Ich komme heute einfach nicht so ganz klar.“

Ich weiß“, erklärte Katha darauf, „das ist es ja. Du kommst halt nie besonders gut klar…“

Aber ich würde es gerne…“

Dann mach doch…“

Ich weiß nicht wie… Du hast halt was besseres verdient.“
„Du bist so ein…“ Sie lächelte ihn mit großen Drogenaugen an. Voll Verständnis und aller verlorener Hoffnung zugleich. Dann blinzelte sie. Stand auf und ging hinüber zu Sarah, die ein paar Lärmmeter entfernt mit irgendjemanden an der Bar stand. Irgendwas wurde geredet, worauf Sarah den Kopf schüttelte und schüttelte und wütend wurde. Paul sah dem zu. Innerlich weinend. Vernichtet. Dabei extrem drauf und erfüllt von den Drogen. Der lächerlichste Zustand, den man sich vorstellen könnte. Am Liebsten wäre er von einer Brücke gesprungen. Nur hatte er nicht einmal die zur Verfügung. Paul wollte einfach nur gehen. Paul wollte einfach nur bleiben. Paul wollte im Erdboden verschwinden. Und er wollte zu Katha hinüber gehen und sagen, dass es ihm leid tue. Was auch immer. Dass es ein Missverständnis sei. Welches auch immer. Die Frauen sahen ihn an. Er sah zurück. Und nichts geschah.

Sekunden wurden zu Ewigkeiten. Jede Minute zur Folter.

Paul versuchte einen klaren Gedanken zu fassen. Sein Bestreben glich der einer Kompassnadel, die sich krampfhaft einnorden wollte und sich dabei hilflos im Kreis drehte, ohne auch nur den Hauch einer Ahnung zu haben, wo Norden denn nun lag und was es überhaupt helfen sollte, die Richtung zu finden. Mehr als ein „Katha ist toll. Ich ein Idiot“ konnte er in sich selbst nicht finden. Er fühlte sich ebenso verzweifelt, wie er drauf war. Ein wirrer, taumelnder Zustand. Voller Schmerz und Glück, wie ein 14 jähriger Jugendlicher, der zum ersten Mal in seinem Leben sagenhaft unglücklich verliebt ist. Die ganze Zeit hatte er zu Katha und Sarah hinüber gesehen und dennoch stand die Frau seiner Träume mehr plötzlich als überraschend neben ihm, als er es für den Hauch einer Sekunden verstehen konnte. „Dann lass uns halt Tanzen“, lächelte sie ihn an. Mit ihren wunderschönen, wunderschönen druffen Augen. Für sie war das ja auch nicht leicht. Ebenso so verstrahlt, wenn auch nicht übernächtigt wie Paul; jede Beziehung hat zwei Seiten, zwei Geschichten, hunderte Perspektiven.

Es wurde getanzt.

Tanzen muss nicht immer leicht und fröhlich sein. Nicht immer locker und glücklich. Es kann von der Last der Lebens und den Umständen der Gegenwart beschwert sein, während es sich dumm und falsch anfühlt.

Wie kann man in so einem Moment nur Tanzen?

Wie kann man jetzt nur so tun, als wäre nichts gewesen?

Bis es dann geschieht. Bis die Bewegung und die Musik. Bis der Brettharte Sound einer amtlichen „Adam Beyer“-Platte. Alle Zweifel fürs erste Mal zur Seite schiebt. Und man sich wieder ernsthaft ehrlich anlächeln kann. So als wäre das Vorhin nicht gewesen. Als würde es nur die Zukunft geben.

Tanzen ist das Erste-Hilfe-Pflaster des Kosmos.