Worakls in der Kantine Augsburg, es war der 9.11.2018

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Beim Feiern bin ich der emotionale Typ. Ich buhe auch mal einen „Künstler“ aus, wenn mir seine Performance nicht passt. Das empfinde ich nicht als „böse“ oder „gemein“. Es ist legitim. Erstens ist es im Theater gängiger Brauch nach der Vorstellung seine Meinung kundzutun. Zweitens ist es für mich ein Unding, dass Künstler immer nur durch Klatschen belohnt werden, nie getadelt. Der Tadel in der westlichen Hemisphäre besteht ausschließlich darin, nicht zu Applaudieren. Doch gerade im Feier-Performance-Bereich gilt: Irgendein druffer Trottel klatscht immer. Auch. Wenn man oft nur den einen Künstler von und den folgend auf die Bühne jubeln will. Meine Frau schämt sich dann natürlich regelmäßig immer wieder schrecklich, wenn ich aus der Masse heraus DJs ausbuhe, die nach ihrem Set immer (wirklich: Immer) selbstverliebt auf dem Podest stehen und sich für die/den Geilste/n halten. Da gibt es nie auch nur den Zweifel einer Unsicherheit über die eigene Performance. Klar. Man muss sich ja nicht gleich entschuldigen nach seinem Auftritt. Das ist natürlich auch Quatsch. Doch ein wenig sollte die Einsicht dann doch durchblitzen, dass man gerade am Publikum vorbeigespielt hat. Leider.

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Wir waren wegen „Worakls“ in die Kantine nach Augsburg gekommen (ja, ja, schon wieder die Kantine…) und der hat mit seinem Live-Act (also Live-Auftritt) erst um halb 3 angefangen. Die Uhrzeit geht in Ordnung, schließlich war es ein Event mit elektronischer Musik und keine Rockmusik, zu der man sich schnell besaufen muss, als wäre man in einem englischen Pub von vor 10 Jahren (nein, ich werde diesen Spruch nicht erklären). Wichtig ist: Wenn man den Künstler, dessen Name auf den Karten steht (auch wenn man ihn falsch darauf gedruckt hatte…) so spät spielen lässt, braucht man ein tüchtig gutes Vorprogramm, welches (wir erinnern uns an den ersten Absatz) leider nicht vorhanden war. Der erste DJ, ein junger schwarzer Typ, machte seine Sache noch ziemlich gut. Er versuchte sich wenigstens dem Sound der spät live und in Echt aus den Boxen dröhnen wurde, ein wenig gerecht zu werden. Der zweite Typ, ein junger weißer Kerl, spielte nicht nur einen unbedeutenden, langweiligen und austauschbaren Sound herunter, nein, er hatte auch nichts mit Worakls zu tun. Da lief ewig austauschbarer Techno/Minimal, der alles andere als relevant war. Keine Hits von Niemanden, dabei hat der gute Worakls nen guten großen Freund, N´To, dessen Platten sich super als Warm-Up geeignet hätten. Man muss ja nicht gleich nur N´to spielen, ein wenig Spirit hätte auch gereicht.

Ich ziehe hier mal das Zitat meiner Frau heran, die wie wir inzwischen wissen, gnädiger mit Künstlern umgeht als ich, welche am Tag nach dieser Nacht meinte: „Mir schmerzen richtig die Füße vom vielen Herumstehen.“ Das sagt doch alles.

Es war ohnehin brechend voll in der Kantine, da oben im zweiten Floor kaum Besucher waren: Alle wollten Worakls hören, von dem natürlich keiner wusste, wann der anfangen würde; woher auch? Ein gewöhnliches Übel solcher Veranstaltungen, bei denen keine Uhrzeiten promotet werden, damit viele Leute früh kommen und möglichst lange Geld in die Kassen saufen. Schließlich war es dann so voll, dass an Tanzen schon lange nicht mehr zu denken war. Klar, der gesamte obere Floor war in den unteren gerutscht. Das mag brandschutztechnisch legitim sein, für den Kunden ist das aber scheiße. Wir mussten uns also unseren Platz an der Seite sichern, damit wir später überhaupt ein wenig Raum zum Tanzen zu hatten (Randbemerkung: Ich habe erste ein Video von Marika Rossa aus der Kantine gesehen, wo der Tenor in den Kommentaren lautete: „Tolles Set, aber wenig Stimmung in dem Laden! Was ist nur mit den Leuten los?!“ Hier die Antwort: Die hatten einfach keinen Platz für Stimmung.)

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Irgendwann, nach gefühlten Jahren, endete unter Selbstherrlichem Grinsen das Set von dem Typen vor Worakls. Sollten mich doch die Leute blöd ansehen während ich betrunken den Trottel ausbuhte. Drogendruffe Augen. Wie die Schafe blickten sie mich an, als sie sich nach mir Deppen umdrehten, der da krakelte.

Worakls machte gute 1,5 Stunden. Und das ist eine sehr gute Länge für ein Live-Set. Wirklich. Wenn ein DJ nur 2 Stunden seine Platten spielt, gehört er ordentlich verprügelt, wenn mit seinem Name geworben wird: Zwei Stunden sind NICHTS. Eine unglaubliche Frechheit, dass die Jugend von heute ihr teures Geld für 2 Stunden zum Fenster hinauswirft; einfach unbegreiflich. Bei Live-Auftritten wurde man jahrelang mit einer Stunde abgespeist. Was noch okay war. Aber anderthalb Stunden sind schon sehr viel angebrachter und Kundenfreundlicher. Worakls spielte dann seinen Filmmusik-Electro herunter. Viele Flächen. Viele Melodien. Große Gesten. War ganz okay. Was man erwarten konnte. Nur auch nicht mehr. Während er den immer gleichen Wechsel zwischen einem Basslastigen Song und einem Geklimper-Hit machte. Man merkt schon, dass das Vorprogramm für mich auch Auswirkungen auf Worakls selbst hatte. Insgesamt hätte der Veranstalter doch einiges besser machen können.

Schade.

 

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Zu wem ich tanze – Update

Zeit die Angeber-Liste mal wieder zu aktualisieren…

DJs

Sven Väth (45), 2manyDJs (2), Chris Liebing (17), Paul Van dyk (4), Monika Kruse (5), Si Begg, Jeff Mills (2), Richie Hawtin (7), Adam Beyer (9), DJ Rush (12), Solomun, Dixon,  Valentino Kanzyani (2), Luke Solomon, Justin Harris, Savas Pascalidis, Dominik Schuster (4), Carl Cox (7), W.J. Henze (4), Heiko Laux (2), Jay Denham (3), Mijk Van Djk, Mark Spoon, Marusha (2), Blank and Jones (Hihi), Westbam (7), DJ Hell (7), Miss Yetti (2), Cari Lekebusch (3), Supa Dj Dmitry, Marco Carola (4), Steve Rachmad (2), Umek (5), Joel Mull (2), Marco Cannata, Frank Lorber (9), Sebbo (3), Oliver Bondzio, Massimo (3), Marco Bailey (8), Josh Wink (4), Pascal Feos (2), Cristian Vogel (2), Tom Wax, Ellen Alien (5), Luke Slater (2), Tom Novy, Pounding Grooves, Toni Rios (4), Gayle San (7), Ben Sims (2), Funk d´Void (3), Gaetano Parisio, Michael Mayer, Ricardo Villalobos (3), Acid Maria (2), Miss Kittin (2), Mauro Picotto (2), Roberto Q Ingram, Takkyu Ishino (3), Thomas Schumacher (4), Daniel Bennavente, Andreas Kraemer (2), Claude Young, Dj Felipe, Kazu Kimura, Tune Brothers, Haito, Hardy Hard, Afrika Islam, Marco Remus, Petar Dundov, Dave Tarrida (2), Ben Long, Joey Beltram, Moguai (2), Ewan Pearson (3), Leeroy Thornhill (2), Dj Koze, Dave Clarke, Tiefschwarz (6), Cora S., Turntablerocker (3), James Holden, DJ Karotte, Pierre, Marky, Bine, Marc Miroir, Chris Tietjen, DJane Bux, Tiga, Mathias Kaden, Oliver Koletzki (4), Carl Craig (2), Meat, Phil Fuldner, Guy Gerber (2), Domenik Eulberg (3), Wighnomy Brothers, Etienne de Crezy, Laurent Garnier (2), Moonbootica (6), Amé (3), Ida Engberg (2), Mr. Oizo (3), D.I.M. (3), Les Petits Pilous (2), Strip Steve, Joris Voorn (2), Luciano, Busy P (4), Kavinsky, So Me, Onur Özer, Fat Boy Slim, Jennifer Cardini, Boys Noize (7)/Kid Alex (2), Djedjotronic (2), Mr. Flash, DSL, Vicarious Bliss, Roman Flügel, Felix Kröcher (5), Breakbot, Len Faki (2), SebastiAn, Jackson, Erol Alkan (2), Ben Klock, Fake Blood, Crookers (3), Acid Pauli, Simian Mobile Disco, Jesper Dahlback, Boris Dlugosch (2), Fukkk Offf, A-Trak, Christian Burkhardt, Einzelkind, Kaiserdisco (2), Shantel (2), Reche und Recall, Format B (2), Disco Boys, Nu, Noze, Gregor Tresher (2), Oliver Huntemann, Tommy Four Seven, Steve Aoki (2), Marek Hemann, Return of the amazons, Paul Kalkbrenner, Trentemoller, Kerstin Eden, Gesaffelstein, Armin van Buren, ATB, Boston Bon, Sascha Braemer, Gary Beck, Autoerotique, DJ Emerson, Raphael Dincsoy, Monkey Safari, Baal, Fritz Kalkbrenner, Bunte Bummler (2), Arca & Dexxis, Lützenkirchen (4), Nico Pusch, Klaudia Gawlas (2), M.A.N.D.Y., Daniel Bortz (3), Super Flu, Gui Boratto, Mano Le Tough, Drunken Masters (3), Crystal Fighters, Kid Simius, Flux Pavilion, N´TO, Worakls, Matthias Tanzmann, A.N.A.L., Tool 8, Marika Rossa, Alma Gold (2), Digitalism, Housemeister B2B Pilo, Tobi Neumann, Marcel Dettmann, Robag Wruhme, Kollektiv Turmstraße, Gerd Janson, Ferdinand Dreyssig, Alle Farben, Dirty Doering, Kölsch (2), Rodhad (2), Reinier Zonnefeld, Tale of us, Magit Cacoon, George Townston,  Maceo Plex, Maya Jane Coles, Breakbot,

Bands/Live-Akts:
Böhse Onkelz (3,5), Radiohead, Einstürzende Neubauten (3,5), Der W (7), Chemical Brothers (3) Nick Cave and the Bad Seeds, Grinderman (Nick Cave), LCD Soundsystem (2), Soulwax (2), Justice (3), the xx, Gorillaz, KoRn, The Prodigy (4), Metallica, Alter Ego (2), Richard Bartz (5), Funk d Void (2), Green Velvet, Thomas P. Heckmann (5), Technasia (3), DJ Rush, Terrence Fixmer, Acid Junkies (2), Mijk Van Dijk, Paul Brtschitsch, Chris Zander, Brothers Yard, Stewart Walker (2), Johannes Heil (6), Der dritte Raum (2), Speedy J (5), Zombie Nation (2), Luke Slater, Anthony Rother (4), Subhead, Plastique de reve, The Horrorist, Justin Berkovi (3), Tok Tok (2), Hardfloor, Vitalic vs the Hacker, Chicks on Speed, Alexander Kowalski (4), 2Raumwohnung, Basic Implant, Conflict (2), the Advent (2), Kosheen, Junkie XL, Hanson und Schrempf (2), Gus Gus (2), Moloko, Moonbootica (2), Bill Youngman, Lexy und K-Paul (4), Mister X and Mister Y, Northern Lite (8), T.Raumschmiere und Band (2), Heiko Laux, Mia, Kim Peers, Röyksopp, Mathew Johnson (3), die Fantastischen Vier, Sono, Stereo Total, Deichkind (4), EOX, Tin Man, Depeche Mode, Robocop Kraus (2), Die Sterne (3), Metallica, Pearl Jam, Robbie Williams, Santana, Live, the Verve, Xavier Naidoo, die Söhne Mannheims, Travis (2), Audio Bullys, Kraftwerk, Basement Jaxx, Domenik Eulberg, the Infadels, Dapayk, Pan/Tone, Codec und Flexor (3), Legowelt, Laurent Garnier und Band (3), Ada, Console, Robert Babicz aka Rob Acid, Erobique, Flogging Molly (2), Sigur Rós (2), Kettcar, Tocotronic (4), Monster Magnet, NOFX, Beatsteaks (2), REM, Ebony Bones, Henrik Schwarz, My Robot Friend, Motor, Sputnik Booster, World Domination, Autokratz (2), Skew Siskin, Pro Pain, Kat Frankie, Unicova, The Proxy (2), Hans Söllner, Delphic, Zoot Woman (2), French Horn Rebellion, Frittenbude, the Strokes, the Bloody Beetroots (3), Phoenix, Deftones, Marina and the Diamonds, Skunk Anansie (2), Bonaparte (5), the Shout Out Louds, Two Door Cinema Club, Groove Armada, Modeselektor (2), Blood Red Shoes, Get Well Soon (3), Fred Falke, Goldfrapp, Massiv Attack, Zucchero, Alanis Morissette, Helge Schneider and the fire fuckers, Cypress Hill, Oasis, Liquido, Faithless, Aka Aka feat Thalstroem (4), Adam Green, Fever Ray , Boemklatsch, Gabriel Ananda, Jamaica, WhoMadeWho (4), D-A-D, Eschenbach (3), The Hives, The Arctic Monkeys, the Foo Fighters, Gogol Bordello, Kasabian, Sick of it all, Digitalism, Alkbottle, die toten Crackhuren im Kofferraum, Mr Oizo – live, Breakfastklub, Jacek Sienkiwicz, Chanson, Krazy Baldhead, Mediengruppe Telekommander, Extrawelt, Marsimoto, R.A.F. 3.0, F.R., Cro, Arkangel, In Blood we trust, Surge of fury, Ya-Ha, the computers, M 83, Switchfood, New Oder, Jennifer Rostock, The do, Casper, La Brass Banda, Wolfmother, Oliver Koletzki und Fran, Tim Fite, Little Dragon, Frittenbude (3), Killers, Metronomy, Kraftklub (2), SBTRKT, Calexiko, Kaizers Orchestra, Members of Mayday, Oliver Schories, Chase & Status, Knife Party, Blixa Bargeld (Solo-Vocal), the dorf, Matthew E White, Cäthe, Fayzen, Brian Sanhaji, Scooter, Maximo Park, Booka Shade, We are scientists, Olli Schulz, Sido, König Leopold, Howling, Moderat, Schlachthof Bronx, OK Kid, The/Das, Chili Gonzales feat Kaiser Quartet und Jarvis Cocker, Die Antwoord, Tito und Tarantula, eRRdeKa, the whiskey foundation, Haftbefehl, Kerri Watt, Star Sailor, Dillon, Antilopengang, Vita Bergen, Bosco Rodgers, Isolation Berlin, the kills, Meute, Wanda, Vitalic (solo), Sportfreunde Stiller, Lola Marsh, Mighty Oaks, Bilderbuch (2), Raf Camora, Little Simz, Alt-J, Pale Grey, Granada,

„Klassik und Jazz“
Dmitri Hvorostovsky, Junge Münchner Symphoniker (2), Brein´s Cafe, Orchestra di Padova e del Veneto,

Wenn Künstler sowohl bei „Live“ als auch bei „Djs“ vorkommen, dann handelt es sich einfach nur um einen Live-Akt eines Djs – für Außenstehende als Erklärung 😉
Die Zahl nach dem Künstler/der Band gibt die Häufikgeit an wie oft ich den Act gehört habe.

Ketamin in der „Wilden Renate“ in Berlin

Wie das halt so ist. Man reist durch die ganze verdammte Republik, durch die ganze abgefuckte Provinz, um schließlich in der Hauptstadt von Ostdeutschland anzukommen. So was merkt man nämlich ganz schnell wenn man durch den Osten fährt, dass Berlin nämlich vor allem die Hauptstadt von Ostdeutschland ist. Vom Rest ist man ziemlich weit entfernt. WEST-Berlin hin oder her. Das hier ist der Osten. Nirgendwo gibt es so viele antisemitische Überfälle in der Bundesrepublik. Ganz klares Ossi-Ding. Oder Dortmund. Aber da bin ich das letzte Wochenende ja nicht hin.

Ich habe eh keinen Plan warum Berlin immer als so tolerant dargestellt wird, denn, nirgendwo wird man auf offener Straße so grundlos und saublöd angemacht wie hier. Das gibt es nicht einmal in Bayern. So was ist doch konservativ. Leute blöd anwichsen wegen nichts. Okay. Meistens ist es dann auch wirklich eh egal was für ne Hautfarbe oder Geschlecht das verabscheute Gegenüber dann hat: Hier hasst einfach jeder jeden. Wenn nicht jeder jedem gerade scheißegal ist. Was dann mit Toleranz verwechselt wird.

Von meinem hierher gezogenem Kollegen bekomme ich erst Mal eine rein gewürgt: „Hör auf so schwäbisch zu sprechen! Das mögen die Leute hier nicht!“ Und ich: „Was willsch denn du? Ich komm hald von da. S´sagt ja auch keiner was wenn einer von Berlin runter kommt: Red mal gscheid. Du Penner. Ich hasse dich, weil du mir die Nachbarschaft gentrifizierst.“ Weil Gentrifizierung. Das weiß der Berliner nicht, der zu 90 Prozent vom verhassten Toursimus lebt, gibt es eben auch in München, Stuttgart, Augsburg: Überall. Da musst du dann halt schon ins Ruhrgebiet oder in den Osten gehen um dem zu entkommen.. Da bekommst du dann halt auch deinen liebgewonnen Antisemitismus.

Die Berliner Clubs hängen mir schon lange zum Hals raus. Trotzdem gehen wir da natürlich hin. Was in der ersten Nacht immer problematisch ist: Ich bin noch gar nicht vom Kopf her angekommen und muss mich dann von irgendwelchen Arschgeburten an der Türe beurteilen lassen. Mag ich nicht. Wir wollten dann ins „Suicide“. Weil aber Liebesparade (Irgendwas) in Berlin war, war da ein gutes Line-Up gebucht. Nichts gewesen mit der leichten und schnellen Türe. Also dann doch gleich in „die wilde Renate“. Letztes Mal waren wir noch bei der Neueröffnung beim Club gegenüber, in der „Magdalena“; gibt es schon nicht mehr. An der Tür dann also Anstehen und blöde Blicke von blöden Türstehern. Die zwar gar nichts für den Umstand können, trotzdem das Gesicht des beschissenen Berlins sind. Klar. Man will nicht jeden Deppen im Club haben. Doch so was ist halt auch keine Lösung. Wir kommen dann rein, weil mein Kollege sagt, wir sind „Bordell-Nacht-Besucher“. Das ist da so ne Partyreihe. Und dann wird man gleich angegoscht, wegen mir wäre man fast nicht rein gekommen. Ich stand da nur. Und hab nichts gesagt: Aber nach der Ansage hat man gleich gar keinen Bock mehr. Da fährt man durch die ganze verschissene Republik zum Freund, und darf sich von dem Anhören, dass man Schuld ist irgendwo nicht reinzukommen: Was ist dir wichtiger? Die saublöde Location – oder der Freund der einen besucht? Das Ketamin was man drinnen kaufen kann. Ach so. Ja klar. Liebe steht im Raum…

Drinnen also erst Mal Streit. Immer der gleiche Streit über Erwartungshaltungen von dem oder von mir. Müßiges Thema. Das ewiggleiche. Bis man es dann gut sein lässt.

In der „Renate“ darf nicht gefilmt oder fotografiert werden. Da muss man dann wie im Kindergarten seine Handykameras abkleben.

Die Renate ist aber auch ne coole Location. Sehr Berlin like und ich mag ja Club mäßiges Sightseeing. Da bin ich gerne Tourist. Was dem einen sein Eiffelturm. Ist mir mein Cocoon-Club. Ultraschall. Watergate. Oder hier halt der „Salon – zur wilden Renate“. Die Renate ist einfach nur ein mehrstöckiges, verwinkeltes Haus, mit kleinen Zimmerchen, in denen zwar Floors sind, da aber irgendwie wieder Wohnzimmer und Club-Atmo in einem Mit Beichtstuhl und Vulva. Für so was ist Berlin bekannt. Ist auch ehrlich gesagt ganz cool. Gerade wenn man früh genug kommt, um mit zu erleben, wie die Floors nacheinander öffnen. Wie ein Fächer, der sich ausbreitet. Das war cool und machte Spaß. Auch wenn ich nicht auf Krawall gebürstet war. Mit Ende dreißig. Braucht man halt ein paar Stunden um anzukommen.

Der Freund war dann natürlich weg. Ketamin für sich kaufen. Und ich wippte und nippt da so. Alleine. Während die jungen Leute um mich herum feierten. Ich kam mir da schon ziemlich einsam und alt vor. Kein Wunder.

Der Freund kam dann zurück. Plärrte einen an, dass er jetzt Keta hätte. Und dass man nun gefälligst mitkommen solle. Auf Toilette. Zum Nehmen. Und ich: Näh. Ich hab genug Quatsch genommen. Jetzt reicht es aber. Ich will nichts Neues mehr ausprobieren. Ich will einfach nur am Leben sein. Und mich daran freuen.

Ich holte mir dann nen Longdrink und gab Trinkgeld (so euphorisch wie die sich bedankt haben, kommt dass da einmal im Jahr vor) und suchte und fand meinen Freund. Ehrlich gesagt weiß ich nicht viel über Ketamin. „Nahtod-Erfahrungen“ und „Pferdeberuhigungsmittel“ kommen mir in den Sinn. Beobachtet habe ich so was nie. Wie so etwas aussieht?

Mein Kollege stand mit weit ausgebreiteten Armen in der Ecke von einem kleinem Floor (roter, grüner Raum – was weiß ich) und hielt sich damit alle anderen Menschen vom Leib. Seine Zunge war mehr als träge. Der Verstand entrückt. „ÜÜÜäää üüüäää ääää“. Mehr kam da eigentlich nicht raus. Ich setzte ihn dann lieber auf ein Sofa. Wo er mir irgendwas davon erzählte, dass er das Universum sehen könnte. Tiefere Einblicke in unglaubliche Verhältnisse, wurden da behauptet. Mit einer Gestik, die er von einem irischem Dorftrunkenbold aus dem 18ten Jahrhundert gelernt zu haben schien. Der war vollkommen hinüber. Absolut. Vollkommen. Hinüber. Er torkelte und fiel über alles was da war (Menschen, Möbel, Emotionen) und war einfach total im Arsch. Ich übertreibe nicht wenn ich sage, dass Johnny Depp bei seiner Darstellung des Äther-Rausches in „Fear and Loathing in Las Vegas“ nüchterner und beherrschter rüberkam als mein Freund auf Ketamin. Ich dachte dann irgendwie, dass es eine gute Idee wäre ihn an die frische Luft zu bringen – was sich mehr als schwierig gestaltete, wenn man durch den ganzen Club im ersten Stock muss. Der war vollkommen hinüber. Kugelte am Boden herum. Blieb da einfach liegen. Gerne hätte ich sein Verhalten gefilmt – nur gerade wegen solchen Aktionen ist das Filmen hier verboten.

Ehrlich. Ich gehe jetzt bald seit 20 Jahren auf Techno weg. Habe mehr Drogen genommen und Druffis gesehen, als es sichtbare Sterne am Himmel gibt. So etwas. Ist mir jedoch noch nie untergekommen. Er lag dann da in ausgelaufenem Bier wie ein Schildkröte auf dem Rücken, in so einem kleinem Boot, was da als Zierde in der Gegend herumsteht. Klar kann man sich da auch rein setzen und schön drauf sein und die Sterne bewundern. Oder halt voll im Arsch sein und Stöhnen. Seine total Überdosierung wurde mir dann zu blöd. Ich stellte ihn irgendwann auf die Beine. Machte ihm die Jacke zu. Und brachte ihn irgendwie nach draußen. Wo wir einen netten schwarzen Taxi-Fahrer fanden, der auch solche Ruinen von Menschen nach hause fährt.

Die Tage danach waren sehr schön in Berlin. Der erste Tag. War von unermesslichem Grauen durchzogen. Nicht weil es so „unglaublich heftig war“. Ne. Es war eher unglaublich langweilig. Denn so ein Verhalten ist bei weitem nicht abendfüllend.

Wenn euch mein Beitrag zur „Wilden Renate“ gefallen hat, empfehle ich euch meinen Roman „Verlorene Jungs“. In dem erzähle ich am Beispiel eines verrückt/normalen Wochenendes von meinem durchgeknallten Techno- und Drogenleben. Klickt entweder hier bei Amazon oder hier Bookrix rein, von wo aus ihr auf weitere eBook-Shops Zugriff bekommt.

Viel Spaß damit!

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Absolution – 31 – Angst vor Frauen

11.

Katha, Sarah und Miguel entführten Paul ins „Abseits“, einen kleinen Club in Augsburg, den nur Eingeweihte kannten. Dort legte ein Bekannter von Miguel vor 20 anwesenden Besuchern auf, der sich (in Anspielung an den Weltbekannten DJ) „Dick-Son“ nannte. Die Vier hingen dort herum, gaben sich gegenseitig Getränke aus und Pauls Freunde stellten die gute Laune zur Schau, die Paul in dieser Zeitperiode der Übernächtigung und Erschöpfung vollkommen abging. Er war einfach zu platt und zu zerstört, dazu empfand er sich selbst als viel zu große Peinlichkeit, als dass er auf „gute Laune“ machen konnte. Zudem scheiterte jeder Versuch irgendwie „besonders“ auf Katha zu wirken. Es war wie verhext. Versuchte sie mit ihm zu Reden, ging ihm fast unverzüglich der Gesprächsstoff aus, viel zu groß war die übernächtigte, leer gewichste Ödnis in seinem Kopf. Machte er eine zweideutige, lieb oder erotisch gemeinte Anspielung (die er sich schwer aus dem Brachland seines Verstandes erkämpft hatte), kam er mit ihrer begeisterten Reaktion nicht klar. Tanzten sie zusammen, fühlte Paul sich lächerlich, wie ein Troll, der nur dämliche Gesten vollführte – am Liebsten wäre er einfach davon gelaufen – währenddessen Katha eisern an seiner Seite blieb. Katha wollte Paul. Was Paul absolut überforderte. Das Problem war eindeutig nicht, dass er Katha noch erobern müsste. Das Problem war viel mehr, dass Katha bereits (wie auch immer er das geschafft hatte) erobert war und Paul einfach nicht mit der Situation klar kam. Was für die meisten Männer ein Geschenk darstellt, erschien Paul in seinem gegenwärtigen Zustand als unlösbare Aufgabe. Er stand sich selbst im Weg. Die Wünsche der Drogen hatte ihn an diesen Punkt gebracht.

Und die Drogen retteten ihn.

Das Ecstasy entspannte sie. Und schon war es nichts besonderes mehr Katha in den Arm zu nehmen, und sogar auf einer abgelegenen, dunklen Bank mit ihr zu kuscheln. Das XTC half Paul über den Wahn und Paranoia hinweg, dass das Speed aufgebaut hatte. Alles schien gut. Alles erschien bereinigt. Der Bass wummerte über ihre Köpfe hinweg. Die Lichtorgel blitzte um ihre Köpfe. Ihr Lachen wurde zum Kettenbrief. Da war es wieder, dieses Gefühl von Freundschaft und Liebe, dass alles überdauern würde… Überdauern sollte. Überdauern müsste… Paul sah Katha verliebt an. Und sie ihn. Junge Menschen. Totally in Love zueinander. Vereint durch echten Gefühle ihrer Herzen, die in diesem Moment im Gleichtakt miteinander schlugen. Vereint durch die Funkenden Eruptionen, die nur die chemische Industrie garantieren kann. Sie sahen sich an und versanken ineinander. Einen Moment lang… Zwei Momente zu lange… Drei Momente zu lange… Und es geschah…

Er hätte einfach nur seinen Mund auf den ihren drücken müssen. Hätte einfach nur seine Zunge um ihre Tanzen lassen sollen. Er hätte einfach nur einen Moment keine Angst vor gar nichts haben müssen. Weder vor sich. Vor seinen Gefühlen. Vor Katha. Vor der Peinlichkeit. Seiner Unfähigkeit. Seiner Wahrheit… Paul hätte einfach nur dass tun müssen, wovon er so viele Nächte im Delirium geträumt hatte. Doch als die Momente zu lange anhielten – selbst auf dem Ecstasy, das Glücksmomente so unglaublich lang und schön bis ihn alle Momente zu dehnen vermag – war es vorbei. Paul lächelte schief. Fragte Katha nur, ob sie nicht Tanzen wolle, worauf die Enttäuschung in ihren Augen aufblitze, gleich einem Erdloch, dass plötzlich und von keinem Wissenschaftler vorhergesehen eine ganze Kleinstadt verschluckt und erledigt, gleich einem Arzt, zu dem die Angehörigen eines Unfallopfers voller Hoffnung rennen, der aber nur vom Misslingen der Operation und der Grenzen der Medizin berichten kann, gleich einem Ertrinkenden, der feststellen muss, dass es nichts gebracht hat bis zum letzten Moment und mit allen Kräften um sein Leben zu kämpfen.

Katha seufzte über all den Lärm des Technoclubs hinweg. Es war ein geradezu Bibliches Seufzen.

Irgendwie…“, brachte Paul noch hervor. „Ich komme heute einfach nicht so ganz klar.“

Ich weiß“, erklärte Katha darauf, „das ist es ja. Du kommst halt nie besonders gut klar…“

Aber ich würde es gerne…“

Dann mach doch…“

Ich weiß nicht wie… Du hast halt was besseres verdient.“
„Du bist so ein…“ Sie lächelte ihn mit großen Drogenaugen an. Voll Verständnis und aller verlorener Hoffnung zugleich. Dann blinzelte sie. Stand auf und ging hinüber zu Sarah, die ein paar Lärmmeter entfernt mit irgendjemanden an der Bar stand. Irgendwas wurde geredet, worauf Sarah den Kopf schüttelte und schüttelte und wütend wurde. Paul sah dem zu. Innerlich weinend. Vernichtet. Dabei extrem drauf und erfüllt von den Drogen. Der lächerlichste Zustand, den man sich vorstellen könnte. Am Liebsten wäre er von einer Brücke gesprungen. Nur hatte er nicht einmal die zur Verfügung. Paul wollte einfach nur gehen. Paul wollte einfach nur bleiben. Paul wollte im Erdboden verschwinden. Und er wollte zu Katha hinüber gehen und sagen, dass es ihm leid tue. Was auch immer. Dass es ein Missverständnis sei. Welches auch immer. Die Frauen sahen ihn an. Er sah zurück. Und nichts geschah.

Sekunden wurden zu Ewigkeiten. Jede Minute zur Folter.

Paul versuchte einen klaren Gedanken zu fassen. Sein Bestreben glich der einer Kompassnadel, die sich krampfhaft einnorden wollte und sich dabei hilflos im Kreis drehte, ohne auch nur den Hauch einer Ahnung zu haben, wo Norden denn nun lag und was es überhaupt helfen sollte, die Richtung zu finden. Mehr als ein „Katha ist toll. Ich ein Idiot“ konnte er in sich selbst nicht finden. Er fühlte sich ebenso verzweifelt, wie er drauf war. Ein wirrer, taumelnder Zustand. Voller Schmerz und Glück, wie ein 14 jähriger Jugendlicher, der zum ersten Mal in seinem Leben sagenhaft unglücklich verliebt ist. Die ganze Zeit hatte er zu Katha und Sarah hinüber gesehen und dennoch stand die Frau seiner Träume mehr plötzlich als überraschend neben ihm, als er es für den Hauch einer Sekunden verstehen konnte. „Dann lass uns halt Tanzen“, lächelte sie ihn an. Mit ihren wunderschönen, wunderschönen druffen Augen. Für sie war das ja auch nicht leicht. Ebenso so verstrahlt, wenn auch nicht übernächtigt wie Paul; jede Beziehung hat zwei Seiten, zwei Geschichten, hunderte Perspektiven.

Es wurde getanzt.

Tanzen muss nicht immer leicht und fröhlich sein. Nicht immer locker und glücklich. Es kann von der Last der Lebens und den Umständen der Gegenwart beschwert sein, während es sich dumm und falsch anfühlt.

Wie kann man in so einem Moment nur Tanzen?

Wie kann man jetzt nur so tun, als wäre nichts gewesen?

Bis es dann geschieht. Bis die Bewegung und die Musik. Bis der Brettharte Sound einer amtlichen „Adam Beyer“-Platte. Alle Zweifel fürs erste Mal zur Seite schiebt. Und man sich wieder ernsthaft ehrlich anlächeln kann. So als wäre das Vorhin nicht gewesen. Als würde es nur die Zukunft geben.

Tanzen ist das Erste-Hilfe-Pflaster des Kosmos.

Launchpad MK2 von Novation – und der Frust

„Ableton live“ soll die einfachste Software sein um damit Musik zu machen. Ich habe mir dazu ein Launchpad MK2 von Novation gekauft (was dafür nicht erforderlich ist, das Launchpad ist nur dazu da, um Töne/Loops darauf zu laden um sie dann wieder zu geben; wofür es die Software braucht ist es Musik auf das Pad zu bekommen), die größere Version von dem hier aus dem Video. Und ich finde. Als absoluter Computer-Steinzeit-Mensch, dass es gar nicht so einfach ist, die Software zu bedienen. Besonders wenn man eher der unruhige Typ ist und schnell gefrustet ist. Das Problem ist ironischerweise, dass man ZU VIEL damit machen kann…

Ohne solche Videos wie folgende wäre ich komplett aufgeschmissen. Zum Glück sind die Meisten auf Englisch…

Aber jeden Tag lerne ich was Neues 😉 Nur nicht aufgeben.