Verschwörungswahrheiten

„Und weißt du ein WISSENSCHAFTLER. Der vom CERN. Schweiz! Wo sie Atome aufeinanderprallen lassen! Wo die Kleinsten nicht Teilbaren Teilchen entstehen! Strings! Der hat so ein Teilchen unters Mikroskop gelegt und da hat der dann ZAHLENREIHEN gesehen! Einsen und Nullen! Denn daraus besteht die Welt! Das ist wie in der Matrix. Oder WELT AM DRAHT! Das ist nämlich genau der Code aus den 60ger Jahren als man die erste Computer-Simulation, die WELT-Simulation gestartet hat! Denn eigentlich sind wir ALLE nur eine Computer-Simulation! Wir sind nicht echt. Nur Nullen und Einsen!“

„Also am Cern arbeiten tausende Wissenschaftler. Und sind die kleinsten Teilchen keine Quarks? Und zerfallen die nicht fast sofort nachdem sie entstehen? Das ist doch Quatsch… Da hätte man doch was von gehört…“

„Weil wir alle BELOGEN werden! Und! Und! Und! Im Ozean haben sie in der Tiefe was gefunden! Ganz tief unten! Perfekte Dreiecksformationen die da schon seit 160-TAUSEND-Jahre liegen! Das können die ja bestimmen, so von oben! Mit der Technik! Und keiner weiß was darüber! Weil die!“

„Also wenn da was wäre, dann würden doch sämtliche Regierungen….“

„Und in Wahrheit sind wir IN DER MITTE EINES SCHWARZEN LOCHS! Alle Berechnungen stimmen! Deswegen ist auch das Licht so weit entfernt! Das ergibt doch alles SINN!“

„Also weißt du…“
„Und die Pyramiden die sie in Jugoslawien gefunden haben! Die vergrabenen Pyramiden! Dass sind Antennen in den Weltraum, und, und, und, man ist dort vor sämtlicher Kosmischer Strahlung abgeschirmt!“

„Also echt jetzt… Entweder sind wir eine Computer-Simulation, ODER es gibt ein Raumschiff auf dem Meeresgrund ODER wir sind in der Mitte eines Schwarzen Lochs. Alles gleichzeitig ist eher unwahrscheinlich.“

„Du lässt dich nur belügen!“

„Und selbst wenn irgendwas davon wahr ist, ist es auch egal.“

„Ja bist du denn verrückt! Die belügen uns!“

„Es ist vollkommen egal.“

„Und warum?“

„Weil es an deinem oder meinem Leben überhaupt nichts ändert. Es hat keinen Einfluss auf uns. Deswegen muss ich morgen trotzdem arbeiten gehen und deswegen liebe ich trotzdem meine Freundin. Die Wahrheit ist einfach egal. Im Leben geht es um direkte Tatsachen. Nicht um Ruinen der Vergangenheit.“

„Du bist doch total verrückt.“

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Erdbeben ändern nichts

 

Heute war bei Spiegel ONLINE Schlagzeile, dass die durch das Erdbeben zerstörte Region in Italien mit 50 Millionen Euro wieder aufgebaut werden soll. Das konnte ich gar nicht begreifen, diesen Wahnsinn. Da sind noch nicht einmal alle Toten geborgen und schon sagt der Mensch: „Das wird schon wieder“, knallt Millionen raus und baut genau da wieder hin, wo die Natur absolut eindeutig und überzeugend dem Mensch seine klitzekleine Endlichkeit aufgezeigt hat. „Erdbebensicher“ nennt sich das dann was „Mensch“ da vorhat. Nun gut. Ganz Tokio wurde auf einer fault line errichtet und man hat dort schon einigermaßen sichere Architektur errichtet, die bestimmte Erschütterungen aushalten kann (was sie ständig beweist, schließlich bebt es dort häufig) – bei einem großen Beben hilft das nicht viel.

Weshalb muss der Mensch also genau wieder dorthin, wo er weiß dass er irgendwann ins Unglück stürzen muss?

Von „Wahrscheinlichkeitsrechnung“ will ich jetzt gar nichts hören. Denn die Wahrscheinlichkeit dass genau dort etwas passiert ist nach einem großen Beben geringer als vorher, nur, sie ist immer noch gegeben, jetzt sogar bewiesenermaßen und faktisch. So eine Region wieder bewohnbar aufzubauen ist wie eine Wette auf die Zukunft; eine Wette auf das Leben deiner Kinder und Enkelkinder: Was juckt mich das Elend in 100 Jahren? Wenn es passiert heißt man seine Ignoranz dann einfach eine „Katastrophe“.

Okay. Diesen Trend fährt jeder von uns. Wasser in Plastikflaschen statt Mehrwegglas und das am Besten noch aus Frankreich. Tiefer brauche ich da in die Materie gar nicht einsteigen, denn jeder weiß worauf ich hinaus will: Juckt nur keinen.

Fantastisch unsere Ignoranz.

 

Wir sind so im Großen, wie wir im Kleinen sind.

 

Eine Freundin, fast geschieden und nicht mehr ganz frisch getrennt, bekommt ihr Leben nicht mehr auf die Reihe, nachdem sie sich nach der Trennung genau das zurückholt, was ihr Jahrelang gefehlt hat, obwohl sie ihrer eigenen Aussage nach zuhause mit ihrem Mann schon zu viel davon hatte. Sie holt sich die Männererlebnisse, „die Liebe“, die ihr immer fehlte. Und macht nur Mist, rennt mit ihren Liebhabern und Kindern von einem Desaster in das Nächste, auf der Suche nach genau dem, was sie sowohl verloren, als auch geopfert hat: Die familiäre Sicherheit, die sie vorher hatte. Und ich bin gewillt zu sagen: Dann lass es doch einfach. Lass alles bleiben und such dir (mit Kindern, die kann man nicht wegdiskutieren) neue Perspektiven, neue Träume und neue Aufgaben. Und nicht wieder genau die gleichen Probleme, die sie als Lösungen empfindet: Männer. Sie stürzt sich in kurzfristige Liebschaften bis vom Erdbeben der Realität alles platt gemacht wird und sie selbst dazu sagen muss: „Ja furchtbar! Habe ich aber vorher gewusst…“ Und macht genauso weiter. Stur der Wahrscheinlichkeitsrechnung ihres Herzens folgend.

 

Wir Leute halten so viel auf unsere Vernunft, negieren sie aber bei jeder Gelegenheit. Es liegt darin, dass wir in der Vergangenheit Perioden der Sicherheit erlebt haben und zu diesen zurückwollen. Die Erfahrung hat uns gelehrt das es sicherer ist in der Heimat zu bleiben, egal ob sie räumlich oder emotional ist, und selbst wenn uns vor Augen geführt wird, dass dem nicht der Fall ist, halten wir daran fest. Wir „kennen“ nichts anders, obwohl wir wie uns darüber im Klaren sind, dass es vieles anderes gibt in dieser riesigen Welt dort draußen.

 

„Heimatverbunden“ nannte das heute Morgen ein Arbeitskollege und ich kann nicht verstehen was daran gut sein soll, wenn man gerade seine Kinder begraben hat oder einen Teil deiner Seele. Die Heimat und was du dafür hältst, die bringt dich um. Sie ist kein Allheilmittel. Aber wir haben Angst vor der Fremde, mehr sogar, als vor dem Tod oder vor dem Unglück, solange die Gefahr keine andauernd gegenwärtig ist (sonst wären unsere Nachbarn ja auch keine Flüchtlinge). Hier hat „Heimatverbundenheit“ wohl mehr mit „Gottvertrauen“ zu tun als sich manch einer eingestehen würde. Und die Erinnerung ist die Heimat, die wir niemals verlassen können.

Früher war eben doch alles besser. Und wird es immer bleiben.

 

Springteufel

Was würdest du tun, wenn dein Leben als einziger Witz wahrgenommen werden würde? Was würdest du machen, wenn jeder über dich lacht? In dein Gesicht, nicht einmal hinter deinem Rücken? Wie würdest du reagieren wenn du die Last deines Versagens nicht mehr ertragen könntest?

 

Seine Lösung war, der zu werden, den die Leute sehen wollten. Er lachte einfach mit, ist doch ohnehin alles ein riesiger Scherz. Das ganze Leben. Und wenn man lange genug über sich selbst und die eigene Unfähigkeit gelacht haben würde, hören die Leute bestimmt auch damit auf. Schließlich wird jeder Witz einmal alt… Glaubte er. Dabei hatte er die Grausamkeit der Menschen unterschätzt. Denn nichts fühlt sich für jemanden, der sich selbst in verschiedenen Situationen erniedrigt fühlt (im Job, in der Schule, auf dem Sportplatz, im Bett), verlockender und vergnüglicher an, als den zu treten, der unter einem steht.

Ein Clown ist ein Clown ist ein Clown. Und wenn jemand für uns einmal eine Rolle spielt, dann lassen wir ihn dort nicht mehr heraus. Er wird zu „Jack in the box“.

 

Aus Andi wurde so ein Clown. Das hatte auch viel damit zu tun, dass er nicht so wie die anderen Arbeitssklaven sein wollte. Andi wollte die ewige Party. Immer auf Speed oder LSD wollte er sein, was bedeutet, immer anders als andere Menschen zu denken, zu fühlen und zu handeln, diese Leute, die nur hin und wieder Drogen nehmen – oder gar nicht. Immer dicht zu sein eckt auf Dauer zwangsläufig an, denn wir leben in einer paranoid nüchternen Welt; „paranoid nüchtern“ deswegen, da die „normalen“ Menschen anderen Menschen ihren Rausch verzeihen, wenn er nur hin und wieder eintritt. Doch wer  aus diesem Rahmen des Arbeits- und Ruhetags Rhythmus heraus fällt,  ist für uns schon ein Freak. Jemand. Der sein Leben nicht mehr unter Kontrolle hat. Und was macht man mit so einem Kerl? Wie nennt man den? Wie viel Respekt haben wir für solche Menschen?

 

Am Schlimmsten waren für Andi nicht die Beleidigungen, das „Nicht-Ernst-Nehmen“ seiner Weltsicht oder das Gelächter. Viel furchtbarer waren diese ständigen Belehrungen, wie man dies und das zu machen hätte, diese arroganten Sprüche von angepassten Spießern, die, seien wir ehrlich, selbst gerade so über die Runden kamen in einer Welt voller Regeln und Gesetze, die sie auch nicht gänzlich verstanden und vor allem nicht zu ihrem Vorteil nutzen konnten und dennoch vehement so taten, als würden sie ihre Leben so-viel-besser auf die Reihe bekommen als er; dabei wollte der Andi nicht nur nicht so sein wie sie, er konnte es auch nicht. Er kam aus seiner eigenen Philosophie nicht mehr heraus, denn wenn du einmal in deiner eigenen Welt gefangen bist, kannst du dich ohne Hilfe daraus nicht befreien, wie eine Fliege in einem umgedrehten Glas, die nicht begreifen kann, was nicht stimmt, weshalb sie da nicht mehr heraus kommt.

Gutzureden hilft da nichts.

Die Fliege im Glas ist dabei ebenso wenig dumm wie Andi es anfangs war, denn ein Mangel an Verständnis ist kein Mangel an Intelligenz, da sowohl die Fliege als auch Andi Fähigkeiten und Möglichkeiten die Welt zu entschlüsseln besitzen, die all uns Spießern für immer verborgen bleiben. Uns. Steht unsere Vernunft im Weg.

 

Eines Tages entschied sich Andi – aus Hilflosigkeit- dann doch für die Dummheit. Er war ja auch nicht so „klug“ wie all die anderen und wenn er es doch war, wollten sie es ohnehin nicht sehen. Wieso nicht einfach die Rolle spielen, die der große Unbekannte für ihn vorgesehen hat? Und schnell begriff er, was für Vorteile es hat wenn niemand großes von dir erwartet: Du kannst so tief fallen wie du willst. Andi entdeckte dadurch, die Freiheit Alles tun zu können was er wollte. Es erwartet ja auch niemand was anderes von dir. Denn „erst wenn wir alles verloren haben, haben wir die Freiheit alles zu tun“.

 

Diese Freiheit aber, ist ein Gefängnis. Dummheit ist ein Gefängnis.

Und die einzige Hilfe die er von seinem Umfeld bekam, war Gelächter über seine Situation. Ja. Er hatte schon lange keine Freundin mehr gehabt. Ja. Er hatte seinen Job verloren. Ja. Er wohnte wieder bei seinen Eltern. Ja. Die Arbeitsagentur und die Zeitarbeitsfirma hatten ihn über den Tisch gezogen. Ja. Er musste in den Knast wegen NICHTS, da er es auch nicht besser wusste und konnte um sich herauszureden. Ja. Er hatte nie Geld. Ja. Er hatte schon lange keinen Führerschein mehr. Und ja: Er hatte eindeutig ein Drogenproblem, welches er nur lachend als das Nonplusultra der Philosophien darstellte. Und ja. Andi ist 35 Jahre alt.

 

Das Alles nagte an ihn. Auch wenn er es nicht sagte. Vielleicht kannte er dafür inzwischen gar keine Worte mehr. Seine Räusche wurden nur noch extremer. Niemand verstand mehr sein Gelalle, denn betrunken sein geht immer und in seinen Alkoholräuschen entblößte sich seine wahre Lebenssituation. Man hätte zuhören können. Man hätte helfen können. Aber man gab eh nichts mehr auf diesen Freak der ehrlich glaubte, dass „Freak“ kein Schimpfwort, im Gegenteil eine Auszeichnung sei.

Diese Woche war es dann soweit, und dieser kleine Artikel hier reichte als Auslöser:

 

„Hängetrauma!“ lachte sein Arbeitskollege als er den Beitrag las und zeigte auf Andi. „Das kann man auch gut zu dir sagen! Du Nicht-Ficker! Hängetrauma mit abgestorbenen Schwanz!“

Es war Zufall, dass Andi das Messer in der Hand hatte. Doch schließlich war gerade Brotzeit. Und es war einfach ein Witz zu viel.

Keiner hätte es Andi zugetraut. Er war ein wenig dumm. Okay. Aber gewalttätig?

Die Kurbel war überdreht worden. Der Clown hatte die Kiste verlassen.

 

Netzfund: Tattoofrei

„Tattoofrei“ ist für mich die unterhaltsamste Facebook-Seite überhaupt. Hier wird auf sehr satirische Art die Meinung vertreten, dass tätowierte Menschen schlechte Menschen sind: Verbrecher, Drogensüchtige, schlechte Eltern – der Abschaum der Menschheit! Gute Menschen sind in dieser Rechnung alle anderen: Die REINHÄUTER.

Woher das Konzept kommt weiß ich nicht, es wird sich auch gar nicht die Mühe gemacht das Ganze zu erklären. Für mich ist es ein Spiel mit Rassismus und Faschismus, auf eine sehr lustige Art und Weise, die man gar nicht ernst nehmen kann. Die dort geposteten Bilder versüßen mir regelrecht den Tag.

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Noch lustiger aber sind die Reaktionen von tätowierten Usern, die sich durch die Aussagen und Bilder diskriminiert fühlen und dann allerhand beleidigtes Zeug schreiben. Klar. Man weiß jetzt nie was Fake ist oder nicht, amüsant ist es allemal.
Da wird in Wahrheit auch kein richtiger Hass geschürt, zu versponnen und überzogen ist das Ganze, Satire einfach, die von Ausgrenzung handelt ob äußerer Merkmale, die natürlich nahe dran ist an Rassismus (Reinhäuter? 😉 ), dabei aber auch klar aufzeigt, wie lächerlich Rassismus und Vorurteile auch sind.

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Wobei ich den Hintergedanken sehr lustig finde. Denn wer hat noch nicht irgendwelche tätowierten Honks getroffen, die sich mächtig cool vorkommen, weil sie Farbe in der Haut haben? Es trifft doch wirklich auf jeden Tätowierten zu, dass er sich sein Bildchen hat stechen lassen, um sich auf eine gewisse Art besonders zu fühlen, Stolz eben auf das was er AUF DER HAUT TRÄGT, was es abbildet, für Alle sichtbar. Man will gesehen und geschätzt werden, will zu einer bestimmten Gruppe von Menschen gehören, den coolen, die ein wenig schräg sind – was natürlich ebenso lächerlich und auch auf seine Art Menschenverachtend ist.
„Tattofrei“ dreht den Spieß um und macht aus normalen Leuten „Reinhäuter“, die sich dafür entschieden haben, nicht asozial aufzutreten; ist natürlich auch Quatsch. Trotzdem finde ich es cool den Untätowierten eine Art von Lobby und auch ein Gemeinschaftsgefühl zu geben. Das ist ein lustiger Gedankenswitch, denn während die einen mit Tätowierungen sich eine eigene Nische in der Gesellschaft erschaffen haben, blieben die anderen „blass“ zurück. Es ist aber niemand cooler, härter oder braver, ganz gleich welche Farbe er auf der Haut hat, oder darunter.

Humorvoll und unterhaltsam finde ich es allemal :)) Das ist mal ordentlich „Strategien gegen Vernunft“

Die Rechte an allen Bildern gehört Tatoofrei, welches man über den Link hier erreichen kann. Abonnieren und ansehen 🙂

Von denen die nichts zu verbergen haben

Genauso regt mich diese Angstmacherei wegen der totalen Überwachung auf. Wir wissen inzwischen Alle, dass jede unsere Informationen die wir von uns preisgeben, ausgenutzt, weiterverkauft und teilweise auch gegen uns verwendet werden kann. Das ist Fakt. Ebenso ist es aber auch Fakt, dass das eine Lawine zu seien scheint, die sich nicht mehr aufhalten lässt, einfach deswegen weil der endverbrauchende Bürger (wir, jeder von uns) zu faul und behäbig ist um dagegen auch nur irgendwas zu unternehmen. Das ist scheiße, ja. Und ich stehe voller Scham dazu: Ich bin ein Teil des Problems!
Dabei werden aber auch 90 Prozent der Daten die über mich erhoben werden (wenn nicht gerade finanzielle Überlegungen dahinterstehen) nicht gebraucht und deswegen auch nicht ausgewertet, nur wird so getan, als seie dies der Fall – und dass wir NICHTS dagegen tun können, dass Alle ALLES über UNS wissen. Das könnten wir (siehe oben, wenn wir nicht so faul wären). Als Reaktion darauf wird man vorsichtiger, will nicht auffallen, teilt nur noch die Meinung einer Mehrheit (auch die der Verschwörungstheoretiker) und tut damit so, als sei das Problem damit wenn zwar nicht erledigt, aber doch weit von einem weggeschoben. Doch wenn man schon die Vogelstrauß-Methode anwendet um mit dem Problem umzugehen – dieses: „Im Prinzip habe ich ja nichts zu verstecken“ – dann macht das auch, aber ohne Angst! Habt keine Angst eure Meinung im Netz zu verbreiten! Oder kämpft für einen ehrlichen Rückgang gegen die Überwachung! Und mit Kämpfen meine ich, richtig kämpfen.
Nur.
Angst haben vor der Überwachung UND nichts dagegen unternehmen außer sein Surf-Verhalten oder seine Kommentare deswegen schon mal vorsorglich einzuschränken, ist doch das Bescheuertste was es in dem Zusammenhang gibt, denn damit zensiert man sich aus Angst vor Repressalien selbst und wird (schon alleine durch die Androhung der Überwachung) zum Sklaven der öffentlichen Meinung, die man in Wahrheit gar nicht vertritt. Wir machen uns selbst Mundtot aus Sorge darüber, identifiziert und angegriffen zu werden, dabei ist es eben NICHT so wie in dem Buch 1984, in dem Einzelne gegen das System kämpfen ohne überhaupt eine Möglichkeit des Dialogs oder der Vernetzung zu haben – nein! Wir haben das Internet und das ist sowohl Segen als auch Fluch – wir dürfen uns nur nicht einreden lassen, dass es nur ein Fluch ist, damit sie uns die Vorteile dessen aus der Hand nehmen!

Wäre nicht der ganze Drogen-Schmarrn in meinem Blog, hätte ich kein Problem jeden Text auch mit meinem richtigen Namen zu vertreten, aber hey, ich komme vom Land und da schämt man sich für seine Drogenweisheiten… Mit Mitte 30… Ich weiß, dass ist nicht besonders mutig… Aber. Ich habe noch niemals Probleme wegen dem bekommen, was ich hier erfinde oder auch wenn ich einiges an Wahrheiten von mir und meinem Umfeld erzählt habe; dazu braucht man wohl eine Prise Mut und eine gehörige Portion Dummheit – wie auch immer. Die Tatsache ist dabei doch, dass ich noch immer sagen, denken und fantasieren kann was ich will, ohne dass es negative Konsequenzen für mich hatte. Ja. In Wahrheit hatte der Blog bisher für mich nur positive Folgen – auch weil das hier anonym abläuft, klar. Aber nur weil man anonym austeilt, heißt das nicht, dass das Alles weniger wahr ist.
Also.
Wenn ihr nicht verschlüsselt und nicht das längste Passwort der Welt habt, da ihr glaubt „nichts zu verstecken zu haben“, dann habt nichts zu verstecken! Und sagt das was ihr denkt und fühlt und kritisiert und klickt nicht nur irgendwo „Gefällt mir“ und kommt euch dann total revolutionär und anarchistisch vor, auch nicht weil ihr in einem coolen oder autonomen Email-Verteiler (Oxymoron) vertreten seid. Sagt was ihr zu sagen habt: Was soll denn passieren? Dass die Leute wissen welche Meinung ihr habt? Müssen wir uns vor unsere Meinung schämen?

Es gibt Wahrheit die verbrannt werden müssen – "Das Deppen-Ich"

Beim Abspülen gerade hörte ich eine alte Radio-Aufnahme von James Murphy, wo er, allen Anschein nach sehr entspannt, mit dem Moderator und ebenfalls DJ herum scherzt und eine gute Zeit hat, was gut und unterhaltsam anzuhören ist, nur verstand ich herzlich wenig von diesem Kauderwelsch der befreiten amerikanisch-englischen Sprache. Gut und herzlich ist der Sound des Gesprächs, doch im Detail verstand ich nicht viel. So geht, besser ging es mir früher oft, mit der englischen Sprache, und ich muss zugeben, dass ich in meiner Jugend viele Liedtexte überhaupt gar nicht verstanden habe, sondern mehr auf den Sound der Stimme stand, als da jetzt unbedingt eine tolle Aussage zu brauchen, denn was Sprache kann, war für mich immer die Literatur – Sänger und Texter sind in den seltensten Fällen einem Literaten gewachsen, Äpfel und Birnen, ich weiß, aber ich ziehe auch Prosa der Lyrik vor.

Da habe ich jetzt eine Schwäche preisgegeben hat, worauf sich oft, gern und NUR im Internet die Bildungshater stürzen könnten; „Bildungshater“ hassen nicht die Bildung, sondern sie hassen ob ihrer (Pseudo)-Bildung. Rechthabenwollen ist im Internet komischerweise sehr verbreitet, mehr als im realen Leben, wo man auch nicht überall und sofort die Leute vollhatet, wenn einem die Meinung des anderen nicht passt, was wohl etwas mit der Gegenwärtigkeit der Aura des Gesprächspartners zu tun hat, so dass man ihn als Individuum anerkennt und auf die eine oder andere Art dadurch zumindest auch als Menschen akzeptieren MUSS, während man am Rechner ja im ersten Fall nur mit sich selbst zu tun hat und deswegen besser verurteilen und hassen kann, aus seinem eigenen besserwisserischem Selbst heraus. Ich. Habe. So. Was. Online. Fast. Vollkommen. Abgelegt. Dennoch habe ich auch dieses Deppen-Ich in mir. Dass andere degradieren und zurechtweisen will. Und wer in unserer Gesellschaft schlecht Englisch spricht oder versteht wird eh als Vollhonk dargestellt; Englisch kann doch wohl jeder und wenn nicht, dann aber! – ein Nazi-, Hater-Thema für mein Gefühl (man denke an Lothar Matthäus…)
Da habe ich jetzt einen komischen Bogen geschlagen, doch verzeiht, es ist wie immer schon Abend und ich bin müde, wie fast jeden Abend, schließlich muss man ja noch dem Broterwerb nachgehen. Auf jeden Fall wird man schnell im Internet gehasst dafür, wenn man eine Schwäche preisgibt, da sich die meisten kleinen Leute am Rechner stärker vorkommen ob der Anonymität und sich daraus so präsentieren wie sie es eigentlich sind und es sonst nicht trauen wenn man vor ihnen steht: Als egoistisches Arschloch, dass im Prinzip nicht zuhören, sondern nur mit seinem Subjekt und der damit verbundenen Klugheit Poster- oder Kruzifix-Boys wie Jesus Christus in den Schatten stellen wollen – man solle sie doch endlich als das Anerkennen, was sich hinter ihrer Fassade verbirgt und doch danach schreit entdeckt zu werden!…

Auf alle Fälle hörte ich mir gerade dieses Interview mit anschließenden DJ-Set an (anlässlich 10 Jahre von DFA) und ich vermisste die Zeit in meinem Leben, in der ich viele Sachen einfach nicht verstanden habe und deswegen versuchte mir aus den Fetzen die ich entziffern konnte, eine eigene Wahrheit zu basteln. Das war viel kritischer, kreativer aber schließlich auch falscher als alles was ich später unter den großen und kleinen Lupen der WortWort-Analysen verstehen konnte, weshalb ich ganze Strömungen missdeutete und Leute („Künstler“) vollkommen falsch einschätzte, sie dadurch aber auch mit den Möglichkeiten des Auslegungen ihrer Worte multiplizierte, was für mein Gefühl ein tieferes Nachdenken und Überlegen ermöglichte, als den Menschen einfach nur zuzuhören um schließlich zu erkennen, dass Visionäre und „große Denker“ gerade im Pop- oder selbst auch im Underground-Zirkus der verschiedenen musikalischen Richtungen eher rar gesät sind; fast Alle reden den gleichen Mist in einer mehr oder weniger anderen Variation daher, nur wie man etwas nennt hat sich verändert und die Auslegungskultur darum herum, doch die Basics sind meistens die gleichen. Das ist dann doch eine ziemliche fade Erkenntnis.

„Nicht verstehen“ aber zuhören setzt dagegen zwangsläufig kreative Energie frei, die – selbstverständlich – Irrtümer sind und einem den Zugang zu Informationen nicht nur erschweren sondern sogar verwehren, dennoch öffnet es Räume und wenn ich jetzt nun vom Deppen-Ich spreche, meine ich nicht den Depp, der nicht fähig ist die Sprache richtig zu verstehen (mein Mandarin ist ehrlich gesagt auch ziemlich übel – wie sieht es denn mit deinem aus, Klugscheißer?), nein, im Gegenteil, ich finde es viel blöder auf dem dummen Niveau auf dem wir hier uns im gesamten sozialen Netzwerk bewegen, immer Recht haben zu wollen (siehe oben) da es so etwas einfach nicht gibt, dieses allumfassende Wissen und die totale Schlauheit des Selbst ÜBER DEN ANDEREN. Das heißt. Ich verstehe doch lieber etwas nicht ganz genau und arbeite mich an einem Thema ab als eine Sache vollkommen zu durchschauen um sie dann ad acta zu legen, nur um mich dann bei Gelegenheit damit zu brüsten, oder noch besser um andere zu erniedrigen. Das ist doch kein angewandtes Wissen: Das ist die Verwaltung des eigenen Egos in der Öffentlichkeit. Das ist Stagnation und hat nichts mit einem permanenten Lern-Prozess zu tun, der aber für mich die Definition des mündigen Menschen ausmacht (der ständige, nicht enden wollende Lern-Prozess).

Das „Deppen-Ich“ bedeutet also nicht das Ich, dass nichts richtig versteht, sondern jenes, welches falsch mit verstandenem und abgehakten Wissen umgeht, der es nicht anwendet, hinterfragt oder nötigenfalls über den Haufen wirft, sondern (noch einmal) nur die Wahrheiten der anderen ungetestet als eigenes Wissen verkauft – und darauf auch noch stolz ist. Es gibt Wahrheit die verbrannt werden müssen – das habe ich damals mit den „Strategien gegen Vernunft“ ausdrücken wollen. Und doch bin ich selbst zu sehr von meinen Wahrheiten gefangen genommen worden… Der Depp. Der Narr. Das ist jeder für sich selbst.

Frei nach Matthäus (nicht Lothar):
3 Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem Auge bemerkst du nicht? 4 Wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Lass mich den Splitter aus deinem Auge herausziehen! – und dabei steckt in deinem Auge ein Balken?
5 Du Heuchler! Zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, dann kannst du versuchen, den Splitter aus dem Auge deines Bruders herauszuziehen.

Warum mein Kind Süßes liebt

1: Ja und warum?
2: Früher…
1: Oh Gott, wenn es schon SO los geht!
2: Es ist nun mal so, das hat was mit Konditionierung und Evolution zu tun.
1: …Erzähl einfach mal.
2: Früher also, als die Menschen noch viele Kinder bekommen haben und quasi im Wald lebten, war es für gewöhnlich so, dass sich eine Mutter höchstens drei Jahre um ein Kind gekümmert hat, da sie in der Zwischenzeit schon wieder neue Kinder bekam und gar nicht die Möglichkeit hatte sich um… Was weiß ich, 8 Kinder gleichzeitig zu kümmern.
1: Mhm.
2: Das war ja nicht so wie heute, wo man erkannt hat, dass Kinder einzigartige Blumen sind, bei der jedes einzelne gepflegt und speziell behandelt werden muss. Sondern die Kinder wurden einfach in der Gruppe weggeschickt und sich selbst überlassen, wo dann die Ältesten auf die Jüngsten aufpassten.
1: Okay, klingt logisch – und was hat das mit Zucker zu tun?
2: Du musst das nur mal zu Ende denken. Wenn Kinder ohne Aufsicht durch den Wald rennen, dann auch mal hungrig sind und irgendwelche Pflanzen essen…
1: Die berühmten Beeren.
2:… Genau, die berühmten Beeren, dann haben sie sich, über die Jahrhunderte, angeeignet, dass bittere Sachen giftig sind. Süße Sache nicht. Die Lust des Kindes auf Süßes ist also ein alter Selbsterhaltungstrieb und es ist kein Wunder, dass sie bitteres Gemüse nicht essen wollen.
1: Klingt zwar logisch, doch es gibt doch so viele Pflanzen und ich kann mir nicht vorstellen, dass Kinder DAMALS nur süße Beeren gefressen haben.
2: Ich finde das klingt logisch. Deswegen zwinge ich meine Kinder nicht Gemüse zu essen. Die können nichts dafür dass es ihnen nicht schmeckt.
1: Aber heute läuft das doch ganz anders. Es geht ja nicht mehr um Beeren.
2: Natürlich. Heute würden „Snickers“ und „Kinderriegel“ im Wald hängen – und die sind ungesund. Das Kind kapiert das nur nicht.
1: Dann muss man halt die Evolution umkehren.
2: Umkehren?
1: Ja ähm… Verändern halt. Denn was damals richtig war, ist heute grundfalsch. Man muss die Kinder ZWINGEN Gemüse zu essen, ganz egal ob es ihnen schmeckt oder nicht. Zu ihrem eigenen Besten!
2: Das ist doch brutal und unmenschlich wenn man das macht!
1: Ist es nicht noch unmenschlicher, wenn die Industrie es ausnutzt das Kinder dank der Evolution sich fett und dumm fressen? Nur weil etwas anerzogen ist muss das doch nicht heißen, dass man jetzt falsche Dinge beibehalten muss. Man muss die Sache wieder zurechtbiegen. Der Zeit anpassen.
2: Ich will dass meine Kinder eine glückliche Kindheit haben.
1: Aber es geht doch nicht nur um DEIN Kind, sondern auch um die Kinder der Zukunft! Man muss eine neue Revolution machen. Eine Geschmacksrevolution. Damit die Kinder das essen, was gut für sie ist. Was damals die gesunden Beeren waren, ist heute gesundes Gemüse. Heue. Ist das Gift Süß.
2: Das mag zwar stimmen, mir ist es aber lieber wenn mein Kind glücklich ist. Gute Ernährung ja, Zwang nein.
1: Das ist aber ganz schön egoistisch.