Mein Boykott der Fußball-WM 2018, Teil 2

Großmaulig und vollmundig habe ich vor über einem Jahr angekündigt, die Fußball-WM 2018 in Russland zu boykottieren. Es gibt ja auch mehr als genug Gründe dafür. Sei es die korrupte FIFA, als auch Russland selbst, der Austragungsort, der sicherlich auch durch die Medien in den letzten Monaten zum „Reich des Bösen“ stilisiert wurde; wenn man aber völkerrechtswidrig in ein anderes Land einfällt (auch wenn es Teil eines ehemaligen gemeinsamen Großreiches ist), Staatsdoping betreibt (was die Russen selbst zugegeben haben) und Schwule, Lesben wie Transgender verklopft (auch wenn die Ukrainer da auch kein Vorbild sind), braucht man sich für mein Gefühl auch nicht wundern, wenn einen keiner leiden kann. Themen wie Attentate auf Menschen im Ausland lasse ich jetzt mal dahin gestellt. Schließlich bin ich kein Geheimdienstler. Und wenn der nur von sich selbst ergriffene Bundesjogi kritiklos Land und Leute in Russland lobt, wenn er auch noch in der Bild-Zeitung Kanzlerin Merkel dazu ermutigt sich der Putinschen Propaganda-Show anzuschließen, haben Leute wie ich auch keinen Bock mehr auf den DFB. Alle nur Marionetten der Macht und des Geldes.

Zermürbt werden meine Boykottabsichten nur von meinen Freunden: Wie jetzt? Im Sommer keine Fußball-WM? Aber das machen wir doch immer zusammen! Fußball schauen! Du bist doch mein Buddy!

Und das stimmt ja auch. Das man das gerne macht. Weit weg von den bescheuerten Fan-Meilen, wo die Superproleten, die keine Ahnung von Fußball, aber vom Saufen haben, sich zusammenrotten um IHRE Mannschaft zu feiern – aber Özil und Gündogan nach ihrem Erdogan-Auftritt bitte gleich abschieben… Davon abgesehen dass ich Özil und Gündogan selbst für undankbare Deppen halte, die dem Projekt „Integration“ in Deutschland einen Bärendienst erwiesen haben, mag ich natürlich auch dieses vereinende Gefühl von Fußball-Weltmeisterschaften. Wenn ganze Länder im Aufruhr sind und jeder sich mit seinem Nachbar auf den kleinsten gemeinsamen Nenner einigen kann. Wobei. Das stößt mich auch schon wieder ab… Mir ist es egal ob ihr Fan von Borussia Dortmund seid (wie ich es bin), oder den verhassten Bayern oder den Schalkern zujubelt: Liga-Fans sind für mich echte Fußball-Fans. Denn sie sehen sich die ganze Zeit die Spiele ihrer Mannschaften an. Nicht nur wenn es gerade „in“ ist. Auch. Wenn der Kommerz beim Vereinsfussball natürlich nicht weniger (wenn nicht sogar mehr) ist und die gleichen Superhelden aktiv sind, die auch während der WM ihr Geld in Steueroasen verstecken. Zugegeben: Da ist auch viel Doppelmoral vom meiner Seite aus mit dabei. Trotzdem kann und konnte ich den „Schland!“-schreienden, Bierverschüttenden, grabschenden rotköpfigen Vollidioten im Deutschland-Dress noch nie viel abgewinnen… Wenn jeder Fußball-Fan als der Vertreter seines Landes gesehen werden würde, könnte man von Deutschland als einem tatsächlich sehr würdelosem Land sprechen… Es muss doch nicht immer alles gleich so doof und besoffen sein.

Zurück zum Thema: Ja. Ich würde die WM wirklich gerne ansehen. Mit meinen Freunden. Und zusammen diese Hochs und Tiefs erleben, die man früher auch im Kino haben konnte, bevor es von Comic-Verlagen gemanagt wurde. Es ist halt leichter so einen Boykott durchzuziehen, wenn man den Sport eh nicht mag. Wenn doch, dann wird es anstrengend.

Woody Allen und Guardiola

In den Simpsons sagt Ned Flanders einmal, dass er die Filme von Woody Allen möge, nur nicht den hektischen Typen der das jedes Mal mitspielt.

 

Nach gestern könnte man das Gleiche über den FC Bayern und Pep Guardiola in den letzten Jahren sagen: Man mochte die Spielweise des FC Bayern, nur nicht den dauerpräsenten, hektischen Typen der da an der Seitenlinien herum sprang 😉

 

Ich bin aber nicht die nationale Presse, die nach einem schlechten und verlorenem Spiel der Bayern gleich die Hände über den Kopf zusammen schlägt. Für eine Krise gehört mehr als ein verlorenes Spiel – oder drei Unentschieden in Folge wie bei Real Madrid. Schon schlimm was man sich von den Medien für einen Blödsinn anhören muss, wenn man nur Fussball schauen will.

Aus den olympischen Schlagzeilen

Von Zeit.de:
„OLYMPISCHE SPIELE

Ehemals gedopte Russen dürfen in Rio starten

Gedopte Athleten, die ihre Sperre verbüßt haben, sollen nicht erneut bestraft werden. Der Internationale Sportgerichthof gibt Einsprüchen russischer Sportler statt.“

 

So steht es geschrieben, so wird es sein.

 

Und ich. Als Normalverbraucher. Und auf eine gewissen Art auch ehemaliger Doping-Sünder. Finde, dass doch gerade Leute die schon einmal wegen Dopings überführt wurden, bewiesenermaßen Betrüger sind, waren und bleiben, ganz egal ob sie es jetzt nicht mehr tun: Sie haben es getan. Hier geht es ja nicht darum mal die falschen Schmerztabletten oder die falsche tropische Frucht gegessen zu haben, weswegen versehentlicher weise ein Dopingprobe positiv ausschlug, da man nicht wusste dass das auf der Liste der verbotenen Substanzen steht. Ne. Es geht darum vorsätzlich betrogen zu haben. Das ist kein Ausrutschen. Oder Stolpern. Kein „Hopsala“… Das ist wie beim Fremdgehen: Vorsatz. Auch beim Sex ist es nämlich genauso wenig der Fall das zwei Partner nackt stolpern und dann – wie es schon zigmal vorkam – der eine Partner in den anderen gefallen wäre und die dadurch entstandene sexuelle Handlung ein blödes Unglück plus peinlich für alle Beteiligten wäre: Es war Vorsatz. Und. Man hat das von Anfang bis zum Ende gewollt. Irgendwie.

Meiner Opinion nach sollte so eine Sperre überhaupt niemals aufgehoben werden, da man sich im Sport genauso verhalten hat, was gegen den solchen an sich spricht: Man war unsportlich. Was hat also ein Sportler in der Unsportlichkeit verloren? (dazu gehören auch „Schwalben“ beim Fußball um sich einen Vorteil zu verschaffen, das Thema lassen wir hier nur mal außer 8).

Denn wenn nun in Rio ehrliche, nicht übermenschlich beschleunigte Athleten gegen gedopte Superrussen verlieren, denen man nur gerade halt ihre Betrug nicht nachweisen kann (Doping wirkt nach, liebe Freunde), bleibt für all jene, die sich betrügen und bescheißen lassen nur der Olympische Gedanke an sich: „Dabei sein ist ALLES.“

Das ist doch der blanke Hohn.

Es ist das nachgewiesene russische Staatsdoping welches den Sport kaputt macht. Es ist die Tatsache, dass man davor die Augen verschließt: Olympia, du bist scheiße.

Die verschiedenen Gesichter der deutschen Weltmeister

Und wenn schon? Wen interessiert es denn nun wirklich ob die Weltmeisterschaft 2006 gekauft wurde? Korruption ist ein Weltweites Problem und Deutschland war  sicherlich nicht so viele Jahre Exportweltmeister, ohne dass dazu die eine oder andere Mark „spendiert“ wurde.

Korruption ist ne blöde und schlimme Sache, die für viel Ungerechtigkeit auf der Welt sorgt, das ist keine Debatte wert, die Verwunderung darüber das es wohl gesehen ist,  teile ich nur nicht.

Ich habe mich einmal vor vielen Jahren über den Wandel des Kleidungsstils hier im Blog echauffiert (siehe damals die fetten Kerle in ihren „Wir sind Opel“-Shirts, kontra die dürren Arbeitslosen im Anzug! während der Weltwirtschaftskrise), jetzt ist mir, im Zusammenhang mit der gegenwärtigen Beckenbauer-Affäre und den dazu gezeigten Bildern, aufgefallen, wie sehr sich die Art des Feierns der deutschen Nationalmannschaften beim WM-Pokal- Gewinn verändert hat:

1954  

1974

1990

2014

Wenn man den Links folgt sieht man nicht nur 11 Männer die sich freuen. Bei genauerer Betrachtung ist zu sehen, wie die Freude immer erst kindischer, dann viehischer, würdeloser wird.

Heute schreien sich die „Herren“ weg wie die Tiere, während – siehe Beckenbauer 1974 – Jahrzehnte vorher noch, ich würde aus heutiger Sicht sagen, mit verhaltener und doch sichtlicher Freude der Pokal emporgereckt wird (1954 sogar gar nicht, da wurde noch der TRAINER gefeiert, nicht die eigene Leistung…). Heute reißen alle Dämme.

Frage: Wie sieht das beim nächsten WM-Gewinn aus? Reißen sich die Männer dann gleich wie die Tiere die Trikots vom Leib? Pinkeln sie sich dann Jahrzehnte später auch gleich noch ins Gesicht? Klar: Übertreibung. Die Frage bleibt offen: Was wird uns, wenn man diese Entwicklung ernst nimmt und sie auf die gesamte Gesellschaft auslegt, für die diese Fußball-Millionäre eine Metapher bedeuten?

Ich finde es sehr bemerkenswert, wie der deutsche Mann sich über die Jahrzehnte selbst entfesselt hat. Es gibt sicherlich viele Leute die rundum und ohne Vorbehalt sagen würden, dass das eine gute Entwicklung sei; ich bin mir dabei nicht so sicher.

Wo ist die Würde? Wo ist die Größe?

Umgekehrt ist (und das habe ich schon oft festgestellt) es sogar noch erbärmlicher zu sehen, wenn Männer mit Körpern aus Stahl nach einem verlorenen Fußball-Spiel auf dem Boden liegen und weinen wie kleine Mädchen… Sie haben es sich doch so sehr gewünscht zu gewinnen…  

Was soll das? Was wird aus uns? Aus unseren Gefühlen? Wo hat das ein Ende? Wird das Verhalten des Pöbels einem das perfekte Ideal? Werden wir eines Tages zu vollendeten Kindern werden?

Das sind Anzeichen für unseren Ausverkauf an den Jugendwahn.

Alkohol ist die Lösung

Es ist ein guter Brauch jeder Augsburger Profimannschaft, zu verlieren wenn ich ihm Stadion bin. Keine Ahnung warum das so ist, denn trotz allem sind die Vereine auf dem Papier immer erstklassig. Gestern war die Ausnahme von der Regel. Die Augsburger Panther fegten die Hamburger Freezers mit 4 zu 1 vom Platz. Ihr erster Auswärtssieg.

Nicht das ich, nicht das wir, große Eishockey-Fans wären; wie so oft sollte es einfach mal wieder was „anderes“ sein.

Ansonsten denkt man gar nicht darüber nach, wie viele tausende, wie viel Millionen Menschen auf der ganzen Welt sich an Wochenenden oder in der Arbeitswoche,  ihren nicht Mainstream-Hobbys hingeben, sich in irgendwelchen Sport-Kathedralen einen hinter die Binde gießen, sich in Wäldern verkleidet mit Schwertimitaten verprügeln, zu für andere seltsamer Musik noch merkwürdiger zu bewegen, in „ihren“ Swinger-Club gehen oder nur mit den Kumpels von der Freiwilligen Feuerwehr abhängen; Menschen machen diese für anderen komischen Dinge die ganze Zeit und sehen darin, wenn nicht gleich ihren Lebensinhalt, ihren Ausgleich zum ganzen Wahn der Arbeits- und Familienwelt.

Da muss ich gleich an den Ulrich Seidl Film „Im Keller“ denken.

Wir haben nicht unser Ding. Sind nirgendswo hängen geblieben. Heute also: Eishockey.

Ich war vor ein paar Jahren schon einmal im Augsburger Panther Stadtion gewesen – dem Curt-Frenzel-Stadion – und hatte es zwar ein Dach, nur leider keine Wände. Und so eine Wintersportart ist gerade im Dezember sehr, sehr kalt, was auch ein Grund dafür sein kann, weshalb die Stimmung dort immer sehr gut war.

– Gegen die Kälte.

Im Jahr 2015 haben sogar die Augsburger ein schönes Stadion (mit Wänden), mit allem möglichen Schnickschnack. Das Spiel war gut. Die Leute okay. Auch wenn man sich selbst natürlich immer ziemlich fremd fühlt gegen die hierherkommenden Gewohnheitstäter und Ultras. Dazu gehören wir bei so Veranstaltungen nie, wie auch?

Und da sind wir jetzt beim Punkt der Geschichte angelangt.

Nüchtern kann ich solche Massenevents kaum ertragen.

Ich.

Bin dann auch schwer zu ertragen.

Nüchtern sein langweilt dann einfach. Natürlich habe ich in meinem Leben mehr als genug Drogen genommen aber das ist jetzt auch schon ne Weile her. Trotzdem muss ich, wie Millionen Deutsche und sicherlich Milliarden Menschen auf diesem Erdenrund, ein Bier in der Hand und eines in der Kehle haben um mich entspannen zu können. Und. Um in solchen Veranstaltungen aufgehen zu können.

„Für mittendrin statt nur dabei“ bedarf es für mich des Angeschickertseins. Keiner Volltrunkenheit, es genügt der berühmte gewisse Level.

Darüber denkt man mit Mitte dreißig gar nicht groß nach, wenn man vor einigen Jahren noch eine Flasche Wodka mit einem Gram Speed innerhalb einer Stunde plattmachen konnte. Alkohol gehört dazu. Er ist Lebensgefühl. Und früher war eh alles schlimmer, hefiger, totaler (ehemalige Drogensüchtige haben immer ihren eigene NSDAP-Mitgliedschaft und ihren persönlichen zweiten Weltkrieg hinter sich).

Meine Freundin hält mir natürlich immer vor, dass man auch ohne Alkohol Spaß haben kann. Da gebe ich ihr Recht. Nur warum sollte ich versuchen ohne Alkohol Spaß zu haben, wenn ich ihn garantiert MIT haben kann? Seien wir doch mal ehrlich: Jede Sportveranstaltung, egal im Stadion oder vor der Glotze, ist besser wenn man ein Bier, Wein oder was weiß ich in der Hand hat.

Alkohol hilft uns los zu lassen.

Ich weiß nicht in welcher Welt ihr lebt. In meiner Welt muss man schuften wie ein Irrer, um durch den Tag zu kommen. Und hin und wieder ein wenig Alkohol zum Entspannen zu trinken, ist für mich Normalität. Er hilft zu vergessen. Loszulassen. Und in dem Punkt kann ich auch jeden Kiffer verstehen, wenn er es einfach zum Entspannen. Braucht. Jeder klardenkende Kiffer oder Alkohol-Trinker sollte dabei auch die Einstellung haben, dass er froh wäre, den Alkohol NICHT zu brauchen. Es ist nur die Welt, die einen dazu treibt.

Das klingt nach einer Ausrede. IST eine Ausrede. Und doch auch die Wahrheit.

Selbstverständlich will ich nicht dauernd breit sein. Ich will nicht damit vor meinen Problemen davonrennen. In gewissen Situationen MUSS und will man auch nüchtern sein. Zum Beispiel würde ich nie hier auf Droge an dieser Tastatur sitzen, weil ich einfach nichts lesbares produzieren könnte. Auch kann ich nicht einmal nach einem Bier ein Buch lesen. Nein. Alkohol und Drogen machen NICHT Alles besser. Es hilft nur den Lebensdruck zu senken, gerade in Situationen wie gestern. Denn ich kann mich nicht sofort supernüchtern in ein Stadion stellen wie gestern, und mich dort nicht erst einmal deplatziert fühlen. Ich brauche mindestens zwei Bier, um meine eigenen Kritiker-Radar herunterzufahren um die Menschen um mich herum in ihrem Fetisch zu akzeptieren und um ein Teil von ihnen zu werden.

Nüchtern bin ich eher ein zurückhaltender Charakter, angeschickert nicht. Wahrscheinlich liegt mein Denk-, mein Emotionsfehler darin, dass man sich in jede Situation hinein fühlen muss, um daran Teil haben zu müssen. Wenn ich aber NICHT Teil habe, werde ich als ein unmöglicher Charakter beschrieben, der einem alles schlecht macht…

Das letzte Drittel des Eishockey-Spiels war das Beste. Die Fans gerieten außer Rand und Band. Die donnernden Gesänge wurden noch einmal unfassbar lauter, einnehmender… Aus der Menge auf den Rängen wurde eine kraftvolle Singularität, die wie ein Mann agierte. Keiner krakelte aus der Reihe.  Die Hände hoben sich nach dem Vorbild und Diktat des großen, unsichtbaren Choreographen, der überall seine Fäden zieht. Alle hüpften im Einklang umher. Frauen. Männer. Kinder. Alt und jung. Und auch wenn die Kinder nicht betrunken waren, so eiferten sie doch dem betrunkenen Vorbild ihrer Erziehungsberechtigten nach, denn im letzten Drittel eines Eishockey-Spiels (welches mit Unterbrechungen ziemlich lange dauern kann) sind die meisten Fans eh nicht mehr nüchtern. Wieso auch? Denn entweder haben sie gerade gewonnen, verloren… Oder Alles stellt sich als ein unglückliches Unentschieden heraus.

Wir sitzen Alle in einem Boot?

Ja eben nicht!
Noch vor dem Aufstehen – ganz Mensch des 21ten Jahrhunderts – schaue ich am Morgen immer zuerst bei SPON rein, was ich die Nacht über während des Schlafprozesses verpasst haben könnte. Meistens sind es Fußballergebnisse. Dieses Mal war es der hier verlinkte SPON-Text (anklicken), in dem die Geschichte eines Dramas erzählt wird:

Notsuchende Migranten aus Afrika haben im Mittelmeer 12 andere Migranten aus religiösem Hass ins Meer geworfen um sie dort ertrinken zu lassen – was auch so geschehen ist. Genauer gesagt (wenn der Artikel die Wahrheit wiedergibt) haben muslimische Flüchtlinge aus religiösem Hass 12 Menschen getötet, während sie sich aufmachten um ein besseres Leben in einer freien Welt führen zu können… Ich war weniger fassungslos als vielmehr brutal wütend.
Was das Thema „Pro-Asyl“ und Migration angeht, bin ich einer der liberalsten Menschen in meinem Wirkungskreis, diese Nachricht jedoch hat mich von meiner Wut her auf einen Level mit Pegida-Aktivisten geschleudert. Diesen religiösen Mörder-Arschlöchern sollte man ihre Kinder wegnehmen, sie vor ihren Augen zu Tode foltern und sie dann auch selbst verbrennen. Mann bin ich sauer! Mir ist durchaus klar, dass es sich dabei (hoffentlich) um einen dramatischen Einzelfall handelt und man keinen muslimischen Flüchtling über diesen fanatischen Kamm scheren darf – der Hass auf diese speziellen Mörder bleibt dennoch bestehen, und: So was will wirklich keiner Europa haben, denn die haben das Prinzip Europa einfach nicht verstanden.

Wenn ich wütend auf andere bin, bin ich dabei immer wütend auf mich selbst, auf meine romantische Blauäugigkeit, so von wegen „der gute Flüchtling“, da es denen es ja so schlecht geht, weil sie schließlich Alles zurücklassen müssen um hier in der fremdesten nur möglichen Fremde ihr Glück zu finden – dass da auch schwarze Schafe dabei sind war mir immer klar, dies aber so vorgeführt zu bekommen macht mich und mein Selbstverständnis von Menschlichkeit ehrlich rasend. Wie irre muss ein Mensch sein, wenn man sich zusammen auf einem Boot befindet, dass vielleicht wirklich niemals das erhoffte Utopia erreichen wird, auch noch seine Mitmenschen zu töten, weil sie eine andere Art haben den GLEICHEN Gott anzubeten?! Und obwohl ich mich nie auf eine Seite bei diesem Religionsding stellen wollte, muss ich heute auch einmal hinzufügen: Christen machen das nicht, dass sind wirklich die anderen, die Leute wegen ihres Glaubens ermordern.

Ja. Ich bin wütend. Und fassungslos… Aber noch wütender.
Man könnte doch wirklich in so einer Ausnahmesituation – die es nur einmal im Leben gibt! – wenn man sich von Schleusern in die Festung Europa bringen lässt, in der Nacht, und ohne zu wissen wie das endet, wenigstens in diesem einem Moment den Hass einmal zurücknehmen und das Beste hoffen, weil man doch wirklich, WIRKLICH in einen BOOT sitzt und man das gleiche Schicksal teil, aber das ist nicht möglich…
Bei so etwas könnte ich wahrlich den Glauben an die Menschheit verlieren…

Und uns Medien-Menschen interessiert am Ende schließlich doch mehr, was der Guardiola für ein Arsch sein könnte, weil Müller-Wohlfahrt den FC Bayern verlassen hat…

Am Rad 1 – Brandt Brauer Frick

Bevor ich mich hier über die immer gleichen Themen im Club-Kontext aufrege (wobei ich mich früher mehr über die Musik als über die Leute aufgeregt habe, heute ist es her anders herum – das ist wohl Altersweisheit :)) ), teile ich mal ein wenig Musik mit euch, die ich gerne beim Radfahren höre.

Fangen wir an mit dem lockeren und doch deepen Sound eines DJ-Sets von Brandt, Brauer Frick:

Das Streben nach Schönheit und Unsterblichkeit

Bei manchen Themen weiß ich gar nicht mehr, ob ich die hier schon abgearbeitet habe oder dann doch nicht…

Jedenfalls war ich gerade wieder auf meinem Fahrrad-Hometrainer zuhause „unterwegs“, wie seit Anfang des Jahres 2015 fast jeden Tag. Ich strampel da gerne (wirklich: GERNE) so ne halbe Stunde am Tag, höre Musik und schwitze mir eins. Weil. Ich hab ja Probleme mit dem Rücken – nicht so Mario Barth mäßig, der vielleicht deswegen „Rücken“ hat weil seine Sportwagensammlung zu viel Oldtimer führt, der also keine Ahnung hat wie sich Schmerzen von zu viel Arbeit anfühlen – und Bewegung hilft da. Und natürlich und selbstverständlich wundere ich mich, genauer: HASSE ich mich für diesen wiedermaligen Switch in meinem Leben, dem Sportlichkeitsdenken erlegen zu sein, welches ich früher so total ablehnt hatte, diesen Fitness-Wahn, gestreut, induziert und als Wahrheit verkauft durch die Werbe- und Schönheitsprodukte-Hersteller, ja, genau die, die uns sagen wann unsere Schwanz hart oder unsere Muschi feucht werden soll… Und jetzt bin ich also auch so ein Depp der dafür schwitzt um besser für seine Freundin auszusehen – und noch schlimmer: Um länger und gesünder zu leben. Ein Wahnsinn!

Erstens natürlich deswegen, weil ich viele Jahre mühevollste Totalarbeit darin verwendet habe mich und meinen Körper (was dasselbe ist) ausgiebig durch Drogen und Alkohol zu zerstören, während zweitens die Menschen eh immer älter werden – doch was ist das für ein Älterwerden? Ich bin jetzt zwar weder so alt noch in der Position um wirklich Ahnung zu haben, was jedoch auch viele Menschen auch aus mir nicht davon abhält eine unqualifizierte Meinung abzugeben… Räusper… Sind wir also mal ehrlich: Muss ein Mensch wirklich hundert Jahre alt werden? Und ist das nicht nur ein Ausdruck dieser Form von Egoismus der Gesellschaft, den ich hier die ganze Zeit hier eh anprangere? Da muss ich gleich an meinen Vater denken, der weites gehend deswegen alt werden will, um vom Staat möglichst viel Rente abzugreifen; schließlich hat er auch sein Leben lang eingezahlt. Nun. Immerhin kann er so noch denken, bei meiner Generation sieht das anders aus…
Jedenfalls ist weder der Mensch an sich noch der Planet selbst dafür gedacht, dass ein Mensch 100 Jahre alt wird.

Außerdem macht Sport dumm. Und das meine ich jetzt abseits jeder Lukas Podolski Polemik. Nein, durch diese tretende Schwitzerei geht so dermaßen der Kopf aus, dass man fast schon glauben könnte, dass man durch den Schönheitswahn einfach nur schön und dumm gehalten werden soll – angepasst und fit bis zum Tod… Ein guter Freund und Kollege sieht darin eine Form der Befreiung vom täglichen Stress, kann ich intellektuell natürlich verstehen, doch ein Befreiung von Gedanken kann auch Dauer nicht gut sein… Der Fitness-Wahn macht aus uns doch nur angepasste, schöne Abnick-Zomies, die sich für unsterblich halten, obwohl sie schon lange tot sind… Und dennoch werde ich weiter in die Pedale steigen; nicht nur wegen dem Rücken.

Wer den Sturm sät, wird Kreutzer ernten – Teil 3

Der Huber Franz wollte ein großer Tennisspieler werden, seufzte Kreutzer nachdenklich und versonnen, wehmütig, fast schon affektiert dafür, dass er seine eigene Kreutzer-Rolle so gut drauf hatte, denn sehr authentisch war der Kreutzer schon immer gewesen, wollte er immer sein, nur merkte er nicht in seiner jugendlichen Aufgesetztheit, dass ein authentischer Mensch immer auch ziemlich autistisch und festgefahren daher kommt, uninspiriert, weswegen man auf der anderen Hand wieder froh sein konnte, dass es Kreutzer nur selten gelang, authentisch und bei sich zu sein, deshalb wohl dieser kleine affektierte Schlenker in seinem pathetisch, versonnen Seufzen, auch und obwohl ihm der Huber Franz wahrlich sein halbes Leben lang ein guter, manchmal sogar ein bester Freund war und durch seinen frühen wortwörtlich schlagartigen Tod am Baum auch bis ans Lebensende von K. immer sein würde.
Anna hatte Mitleid mit Kreutzer.

Ja, das war sein Traum gewesen, Franzes, die Tennisspielerei, sich einmal mit den Besten der Besten messen zu können – und sie zu schlagen. Davon hatte Franz viel gesprochen, wenn er nach dem Training, nicht mehr verschwitzt sondern frisch geduscht und quietsch fiedel mit Kreutzer in der Garage der Hubers saß, wo Franz an seinem Moped herumdrehte und schraubte, Sachen und Wissen einsetzte um das Werk vom Hersteller zu verbessern, also um das Moped schneller und lauter zu machen; warum LAUTER hatte Kreutzer nie verstanden, nun, er musste ja nicht alles verstehen. Doch Kreutzer mochte diesen Kontrast: Da der Tennis-Sport, wo sich zwei Leute ganz in weiß wie Gladiatoren versuchen im körperbetonten Rasenschach zu besiegen, während der Huber Franz später verdreckt mit billigen Bier von Goldkrone aus der PET-Flasche an seiner alten Maschine herum geschraubt hatte, was doch wohl das genaue Gegenteil vom Sportler sei, dass müssen man doch wohl so sehen… Zwei Herzen schienen in Franzes Brust zu schlagen. Doppelherz. Das wäre ein guter Spitzname für ihn gewesen.

Wobei Kreutzer auch nie gedacht hätte, dass Franz in die Weltelite aufsteigen würde. Nicht dass er es seinem Freund nicht vergönnt hätte. Doch Franz fehlte für Kreutzers Befinden eine Sache die Alles ausmacht und entscheidet, nämlich den Druck und die Unterstützung seiner Eltern; an dieser Stelle versicherte K. seiner Freundin wie lächerlich das klingen mag, doch im modernen Profi-Sport geht es eben nicht mehr nur um „Dabeisein“, „Talent“ und „Durchsetzungsvermögen“, sondern auch viel mehr um Geld und Sponsoren. Im Prinzip ist es sogar egal wie gut man ist, denn am Ende entscheidet nicht das Talent, nein, vorher schon die Unterstützung und der Druck den man bekommt, der ist es, der den Ausschlag gibt und ganz gleich wie sehr man die Ballett- und Eiskunstlaufeltern auch verlacht mit ihrer bestialischen Zucht des kleines Genies das man gezeugt oder noch besser selbst auch sich herausgepresst hat so sind es doch sie die am Ende darüber entscheiden was später aus dir wird ob du an der Weltspitze stehst oder eben nicht denn nur in Filmen gibt es den Mythos des „Underdogs“ der viel zu spät mit dem Sport anfängt um am Ende des Plots all jene im großen Endspiel zu besiegen die den Sport oder den Wettkampf schon im Frühkindalter kannten ja es mag in den 70gern oder so Männer wie Chuck Norris gegeben haben die sogar von den Trainern wegen ihrer Unsportlichkeit nicht einmal in das Football-Team gewählt wurden und die es dann dennoch mit Fleiß und eiserner Disziplin allen Leuten beweisen und 3 oder was weiß Kreutzer facher Weltmeister im Karate werden heute aber ist das unmöglich weil ein Kind nicht mehr nur ein Kind und ein Sportler nicht mehr nur ein Athlet ja der ist doch nur noch eine Marke und ohne Marketing und einem Team um sich herum kann man es nicht mehr schaffen hatte der Huber Franz ja auch nicht deswegen war er auch alleine gegen den Baum gefahren niemandwardamitdabeigewesen…

Die Huber-Eltern hatten darauf bestanden das ihr Sohn zu aller allerst einmal sein Abitur machen sollte um dann zu sehen wohin die Reise führt und Kreutzer – der einfach nur noch redet und redete, absolut selbstvergessen und die sexuelle Spannung zwischen sich und Anna eine Weile lang verscheuchte wie ein Gigant eine Fliege – hatte nie verstanden warum das in Deutschland so sein musste weshalb ein Kind oder erwachsener Mensch es immer allen Leuten dadurch ZEIGEN musste dass er nicht nur eine Sache gut kann sondern ein Supermensch ist der auf allen Ebenen toll ist und dominieren kann und nach einem Erfolg immer auch mit etwas anderem Punkten muss um zu zeigen: Nein ich kann auch was anderes! Obwohl man doch in dieser anderen einen Sache schon längst seine Außergewöhnlichkeit unter Beweis gestellt hat…
„Wie Boris Becker!“ warf Anna ein. Dabei lachte sie. Fast wunderte es Kreutzer dass sie a) ihm zugehört hatte und sie b) überhaupt noch da war. Und dann setzte Anna fort, dass man dem auch nach dem Ende seiner Karriere auch immer vorgeworfen hatte, dass er nur Tennis spielen gekonnt hatte.
„Stimmt“, meinte Kreutzer. Denn immerhin war er davor der beste Tennis-Spieler der Welt. Das ist doch schon mehr als nur mal was. Das reicht doch auch.
Die Deutschen wollen halt immer noch die Supermenschen sehen, nach all den Jahren hatten sie nicht viel gelernt. Darauf musste Kreutzer Lachen. Da hatte Anna Recht gehabt. Die wunderschöne süße Anna… Sie verstanden sich. Deshalb waren sie so guter Freunde. Und da tut es halt gleich doppelt sehr weh, wenn man in einen seiner Freunde verliebt ist.

(wird fortgesetzt)