Wenn die Tiere aufhören zu sprechen

Was machen Kindern wenn sie spielen? Sie trainieren es erwachsen zu sein. Zwar macht ihnen ihr Spiel Spaß und es unterhält sie, doch sie loten auch die Realität aus. Noch können Tiere sprechen. Noch können Menschen fliegen. Noch sind Männer stärker als Frauen. Aber nach und nach drängt sich immer mehr der erlebte Alltag, immer mehr Wirklichkeit in ihr Spiel. Die Traumwelt wird realistisch.

Sind die Kinder dann alt genug, hören sie auf zu spielen. Auch ihr Umfeld sagt: Jetzt ist Schluss mit der Spielerei. Dafür bist du zu alt. Jetzt kommt der Ernst des Lebens. Genug trainiert also. Schluss mit den Träumen. Und setz das um was du gelernt hast: Ein Mensch der Gegenwart zu sein. Und das bedeutet  nur noch Spiele zu spielen, die unterhalten, die aber jegliche Form von Traum verbieten. Träume lernen nicht fliegen. Im Gegenteil.

Wir müssen aufhören die Kindheit und die Jugend zu idealisieren.

Spiele mit Bart – Rocket Beans

Ich hätte nie gedacht das ich jemals  dabei zusehen würde, wie irgendwelche Typen ein Video-Spiel durchspielen, auch wenn es sich herbei um „Point and Click“-Spiele aus den 90gern handelt, die in Wahrheit nur Filme mit Rätsel sind – aber – ich lache mich kaputt bei dem Schmarrn – und die „Game One“ Typen  (jetzt „Rocket Beans“) fand ich schon immer super, gerade die Combo mit Simon und Gregor; ich habe gerade das komplette „Phantasmagoria 2“ durchgesehen (alle 9 Teile, also ungefähr 9 Stunden) und mich immer wieder vor Lachen weggeworfen.

Und jetzt: „Gabriel Knight 2“

 

Zudem Spiel was in Bayern spielt, habe ich schon zu Anfang Tränen gelacht 😀

Was für ein Blödsinn 😀

Dazu zu empfehlen: Jim Beam Honig 😉

Warum tötet Klein-Karl?

Klein-Karl kam mit der Pistole in das Wohnzimmer und richtete die Waffe auf seine Mutter und seinen Bruder. Die Glock 19 wurde 5 Mal abgefeuert und erfüllte ihren Zweck. Sowohl Mutter als auch sein Bruder erlagen ihren Verletzungen. Klein-Karl war zu diesem Zeitpunkt 11 Jahre alt.
Klein-Karl wurde in „Gewahrsam“ genommen und da es sich bei dem Gewaltverbrechen um eine besonders grausame Tat handelte, waren es für die Medien eine große Sache, so groß sogar, dass für einen weiteren Tag die Politik zum Schweigen kam und sich das Land den Kopf darüber zerbrach, warum Klein-Karl seine Familie auslöschte?

Die oberflächlichen Dinge waren schnell recherchiert, wie es oft so ist. Klein-Karl schien nicht den gleichen Bildungsstandard zu haben, wie ein normaler 11 Jähriger. Es wurde schnell gemutmaßt, dass es auch damit etwas zu tun haben könnte, dass der Vater von Klein-Karl, Karl, sich einige Jahre zuvor nach seinem verloren Kampf gegen den Alkoholismus eine Pistole in den Mund steckte und alle Probleme und Verantwortung hinter sich ließ. In den Kommentar-Funktionen der großen Online-Medien (die alle Boulevard-Medien sind) kam schnell der Mythos davon auf, dass die Glock 19 die gleiche Waffe war, die auch schon den Vater tötete, oder dass die Waffe eine Hinterlassenschaft des Vaters sei: Das war nicht korrekt.
Es stellte sich weiterhin heraus, dass Klein-Karl trotz seiner (unterstellten) zurückgebliebenen Art ein aufgeweckter und munterer Schüler war; als Außenseiter konnte man ihn nicht bezeichnen. Jedoch wurden bei Karls großen Bruder (wie bei fast jedem Jugendlichen) so genannte „Killerspiele“ für die XBOX und die Play Station gefunden, worauf die ewige gesellschaftliche Diskussion aufkam, solche Spiele zu verbiete, wenn sie denn solche Gewaltverbrechen möglich machen. Die Diskussion um eine Verstärkung des Waffenschutzgesetzes war ebenfalls vorprogrammiert.

Auch wenn das Kind nicht vernehmungsfähig war, hieß das nicht (wie in so einem Fall üblich), dass man nicht ALLE anderen befragt hätte, ganz gleich ob sie damit etwas zu tun hatten, oder nicht. Die Reporter befragten Mitschüler, Lehrer, Nachbarn, etwaige Spielkameraden, befreundete Personen der Mutter, Psychologen, die Polizei, bis hin zum Bürgermeister und dem Dorfpfarrer des kleinen Ortes, in dem Klein-Karl „Amok gelaufen“ war. Jeder wusste seinen Satz zu sagen. Jeder hatte seine Meinung. Jeder war „entsetzt“. Die Gesellschaft seie doch so krank, wenn sie solche Taten produziere. Da könne man nur froh sein, dass man selbst – und so weiter und so fort.
Neben dem Jungen, der Waffe, den Videospielen, wurde die Schuld auch noch auf gewalttätige Comics/Mangas, Filme, Youtube, der Pornografie (worüber die Meinungen auseinandergingen: Die Einen sagten, Pornografie würde Kinder verstören, sie abstumpfen lassen und zur Gewalt gegen Frauen – hier die Mutter – erziehen, während die Anderen mutmaßten, dass ein Zuwenig an Pornografie – sprich: Triebabfuhr – den Hass in dem obwohl gerade einmal 11 Jährigen Jungen hochzüchteten), den Medien an sich, bis hin zu eher unorthodoxen Zusammenhängen in diesem Fall wie der Religion (Klein-Karls Großvater war Moslem gewesen und vielleicht steckte ja ein Ehrenmord dahinter, da die alleinerziehende Mutter usw. usf.) und dem Sport (ja, der Sport, der ansonsten als Heilmittel gegen ALLES Antisoziale verwendet wird), weil Klein-Karls kleiner Karl in den Gemeinschaftsduschen vlt der Auslöser für Spott und einem Minderwertigkeitsgefühl seinerseits hätte sein können, was wiederrum Gewalt produzierte. Erst die stille Gewalt.

Die Menschen redeten im Fernsehen, im Radio und auf der Straße darüber – und wem keiner zuhören wollte, der kommentierte munter im Internet weiter (was auch keiner las).

Die Frage nach der Herkunft der Waffe wurde nie geklärt – auch wenn für die Öffentlichkeit klar zu sein schien, woher sie kam (siehe: Der Vater).
Klein-Karl hatte aber gar keine Motive. Er hatte auch keinen Hass in sich. Und er war auch nicht von bösen Spielen oder Geschichten zu seiner Tat berufen worden. Er liebte seine Mutter. Sogar seinen etwas garstigen Bruder, der ihn nie mitspielen ließ. Und ja. Klein-Karl war nicht ganz der Hellste. Klein-Karl hatte das alles nicht gewollt.
Er hatte die Waffen gefunden. Wirklich! Am Straßenrand gefunden! Wie er dem freundlichen Polizisten mit dem besorgten Gesicht erklärte. Im Wald hatte er 2 Probeschüsse abgegeben, ganz stolz, und war dann mit der Pistole nachhause gegangen. Er wusste ja nicht, dass die Mama und der Frederik (sein Bruder) nicht mehr wiederkommen würden, nach den Schüssen. Auf die Frage, warum er nicht glaubte, dass die Schüsse aus einer Pistole tödlich sein, antwortete er, er habe im „Tatort“ gesehen, wie ein Mann erschossen wurde – und ein paar Tage später sah er den gleichen Mann wieder, in einer anderen Sendung. Seine Mama hatte ihm dann erklärt, dass der Mann nicht wirklich im „Tatort“ gestorben war. Dass das nicht echt war. Es war nur ein Spiel. Und dieses Spiel wollte er auch mit seiner geliebten Mami und Frederik spielen – doch die Zwei wollten wohl nicht mitspielen, oder kannten das Spiel nicht. An diesem Punkt der Erzählung brach der Junge (natürlich) in Tränen aus.

Die Leute, die die ganze Zeit über „den Fall“ sprachen, hätten sich nicht vorstellen können, dass ihr geliebter „Tatort“ an so einer Tragödie hätte Schuld sein können. Nein. Der TATORT hatte keine Schuld. Es war die Schuld des Jungens, dass er das System Fernsehen nicht verstanden hatte. Es war einzig und allein Klein-Karls Schuld. Oder dass seiner Mutter, oder seines Bruders Frederik. Da sie den kleinen Todesschützen nicht richtig aufgeklärt hatten.
Doch so weit kamen die „Enthüllungen“ nie. Klein-Karl ging einfach nur als der Jüngste Amok-Läufer von allen in die Geschichte ein.

Der lachende Mann

Manchmal glaube ich diesen Blick zu sehen. Nein, ganz falsch. Manchmal, da sehe ich, wie er diesen Blick hat. Dieser kurze Blick des Erkennens. So, als wäre das Alles nur ein Spiel. Eine Maskerade und er könnte im nächsten Moment einfach so – wie durch Zauberei – wieder er selbst sein. Doch es gibt keine Zauberei. Nur Tricks. Und er wird nie wieder er selbst sein. Das sagen nicht nur die Ärzte. Das sagt auch meine Vernunft. Meine Erfahrung. Mein Herz…

Was er doch für ein Mann war… Der perfekte Mann, wahrscheinlich nicht nur für mich. Dabei geht es gar nicht um die Anzahl seiner möglichen Verehrerinnen oder der „Affären“, die er in seinem Leben hatte (diese traurige, nutzlose Maßzahl, mit dem der Pöbel seine Wertigkeit im Leben zu benennen versucht). Er hatte einfach diese Aura. Diesen Charakter. Diesen Geist. Er konnte einen Raum vollkommen einnehmen. Das Licht darin erhellen oder dimmen, so als hätte er eine mystische Kontrolle über Newtons Erbe… Räume, die er betrat, waren nie ganz voll oder halb leer. Sie waren erfüllt – mit ihm.
Sein Lachen waren Engelsgesänge. Sein Spott satanisch. Sein Körper rein und makellos. Wenigstens glaubte man das, wenn er in der Nähe war – auch wenn er alles andere als eine Fernsehschönheit war. Mehr als einmal hatte sein Charme den Regen für mich gebogen… Und hin und wieder, da sehe ich ihn, in diesen Blicken, wie er, ein Gefangener, hinter einer dicken Glasscheibe schreit und gestikuliert, dass man ihn doch endlich herauslassen möge; ihn befreien müsse! Und dann driftet er wieder weg, hinein, in das große Kind, dass er jetzt ist – der lachende Mann… Ihm. Hätte der Ausdruck gefallen, denn er mochte diese japanische Serie, in der sich hinter dem „lachenden Mann“, diesem digitalen Pseudonym, ganz ähnlich wie hinter der Maske von „Guy Fawkes“, ein Revolutionär verbirgt, der jeder von uns sein könnte, das bessere und einzige Gespenst: Eine Idee!
Doch der lachende Mann, der er geworden ist, den… Den hätte er nicht gemocht. Vor ihm, vor diesem Schicksal, hatte er Zeit seines Lebens Angst gehabt. Der Mann hinter des Masken, der in uns allen schlummert, ständig danach lauernd und geifernd, die Kontrolle zu übernehmen und die Vernunft zu besiegen. Dieser Mann, „der lachende Mann“, ist das Ende aller persönlichen Kausalität.

lachender mann

Ich weiß. Ich rede um den heißen Brei herum. Wahrscheinlich liegt es daran, dass ich es nicht aussprechen will. Dass ich es nicht zugeben will. Dass ich ihn verloren habe. Diesen tollen, einzigartigen Menschen, der jetzt nur noch sabbert und vor sich hin lebt. Lachend. Über alles und nichts, so als ob der Pöbel ihn zu einem der ihren gemacht hätte. Einem… VIEH! Mein Mann, mein geliebter Mann! Was haben sie aus dir gemacht! Was haben sie dir angetan?!!!!…

Vielleicht… Vielleicht sollte ich einfach davon erzählen, wie es passiert ist… Es war ein Unfall und ja, natürlich kamen die Täter zu gut davon, ja klar… Denn sie haben ihn ja nicht umgebracht, ihn nicht getötet! Und wer nicht tot ist, der ist ja noch einmal mit dem Leben davon gekommen, ABER WAS FÜR EIN LEBEN IST DAS?!!! UND WER DENKT AN DIE HINTERBLIEBENEN, DIE VON NUN AN MIT EINEM Pflege-Fall LEBEN MÜSSEN???!!!! WAS IST MIT – MIR???!!!

Es war… Entschuldigung.. Es war die Nacht des Champions Leagues Finales. Die Dortmunder gegen den FC Bayern – der Arbeiterverein gegen den Bauernverein. Ich… ICH wollte das Spiel sehen! Er wollte nicht hin, wollte es gar nicht SEHEN! Aber ich…
Für ihn war Fußball nur eine Ersatzhandlung. Brot und Spiele für die Massen, die ihre Halbgötter brauchen, welche sie anbeten können. Gerade hier, im Hinterwäldlerischen Bayern! Wo die „Stars“ wie Götter verehrt werden, 17 jährige Mädchen ficken dürfen, Steuern hinterziehen und Häuser in Brandt stecken und das vom VEREIN klein geredet wird worauf der miese kleine Bauer, der NICHTS im Leben hat als seine Vereinsgläubigkeit, entschuldigt! Entschuldigt all das, was er an den „Großen“ und an den Politiker hasst! Denn sie sind ja der FC SONSTWER! Diese ignoranten Fans, die selbst in ihrem kleinen Unternehmen schuften oder sich auf Drehstühlen durch den Alltag rollen lassen, und dabei ihre Millionäre anbeten, diese Söldner mit Hauptschulabschluss, weil sie endlich jemand gefunden haben, der ihnen ähnlich genug, also klein genug ist, dass sie zu ihm aufsehen können… Forever number one!!!

Tut mir leid… Ich werde hysterisch… In manchen Kulturen bedeutet das, ehrlich zu sein…
Ich gebe ja nicht der Unterschicht die Schuld, sondern mir selbst, denn wäre ich nicht auf die Idee gekommen dieses von den Medien so gepuschte Ereignis sehen zu wollen… Dann wäre… Dann… JA!… Dann… Dann… Dann…
Umso häufiger man ein Wort wiederholt, desto mehr verliert es seinen Sinn…

Wir sind also auf dem Weg zurück gewesen. Bei einem uns bekannten Pärchen hatten wir zu Abend gegessen, das Spiel gesehen und ich erzählte ihm noch, wie unglaublich unfair es war, dass dieser Dante für sein Foul nicht Gelb/Rot oder gleich Rot gesehen hat… Wenn es denn schon zum Elfmeter… Tut mir leid… Ich verliere mich in Nichtigkeiten… Doch so war es nun einmal. Es geschah einfach aus dem Nichts heraus. Da raste der Dacia heran wie ein betrunkenes Tier und fuhr mir meinen Mann aus der Hand. Direkt aus der Hand heraus… Über den Gehsteig…
Der Fahrer… Einer dieser FC Bayern-Fans, die nichts im Leben haben außer ihrer Einfalt und ihrem Starrsinn, war betrunken nach dem Abpfiff in sein Auto gesprungen, irgendwo in einem Kaff, in dem es bestimmt nicht einmal einen Handyempfang gibt, ein „ beschauliches ÖRTCHEN“ mit einem diesem lächerlichen, bäurischen Namen – Agawang – und war mit seiner Clique nach München gerast um am Autocorso teilzunehmen, um Teil des Pöbels zu werden, Teil der abartigen Religion, dem einzigen Glauben, zu dem er überhaupt noch fähig ist, in stiller Andacht an einen Mann, der Würste verkauft, Steuern hinterzieht und ein Blutdruckproblem hat… Entschuldigung… Ich flüchte mich in Scherze… In Wut. In Ekel… Für diese Arten des Daseins…
„Betrunken war ich, ja“, hat er noch gesagt, „In so einer Nacht wird man nicht kontrolliert, dachte ich in meinem Rausch. Da herrscht doch Ausnahmezustand.“ Das war seine Rechtfertigung. Und jetzt, jetzt habe ICH den Ausnahmezustand! Den ständigen Ausnahmezustand…

Mein Mann. Er… Ist wie verschüttet. Kann nicht einmal mehr alleine essen. Nicht einmal mehr gerade gehen. Er braucht Hilfe, Versorgung. Rund um die Uhr. Er, der einmal die Selbstständigkeit in Person gewesen ist, ist nur noch ein Krüppel, der sich gebärdet wie ein Kind. Der den ganzen Tag lacht, wie irr, so als ob er glücklich wäre, wenn er Autorennen, Explosionen und Fußball im Fernsehen sieht, der zu weinen anfängt, wenn wir eine Oper oder Theater sehen, was er Beides früher so geliebt hat… Manchmal erscheint mir es so, als sei er von dem betrunkenem Pöbel umprogrammiert worden. Als sei er gehackt worden, wie dieser lachende Mann aus der Serie, so dass er zu einem der ihren wurde… Einem Sofapflegefall…
Aber ich wei߅ Ich bin mir sicher… Irgendwo da drinnen ist MEIN MANN, der wie wild gegen die Glasscheibe seines Bewusstseins hämmert, um heraus zu kommen. Und dass er in Wahrheit weint, wenn sein Mund lacht, und das sein Weinen ein verzerrtes Frohlocken ist…

Ich will meinen Mann wieder haben… Mehr will ich doch gar nicht…
Diese Vereine kaufen für 40 Millionen Euro einen Menschen für ein paar Jahre, präsentieren sie wie Erlöser auf ihren Pressekonferenzen, aber mein Mann… Der war ihnen nicht so viel Wert. Keine Millionen. Nicht einmal eine… Sie zahlen nicht für Pflegefälle… Niemand macht das freiwillig. Wir zahlen nur für Übermenschen. Oder für solche, die wir in unserer Dummheit dafür halten… Für „bessere Menschen“. Deren Namen werden skandiert. Und wissen sie was passiert, wenn ich den Namen meines Mannes rufe, damit er zum Essen kommt? Gar nichts. Er lacht nur. So, als wäre er der glücklichste Mensch auf der Welt.