Die Afterhour-Kaputten

Denn es ist auch schön, am Morgen zu der Party von Gestern zu fahren, die man selbst früh verlassen hat, um sich die Kaputten dort anzusehen, wie sie dort noch immer herumliegen, ganz erschlagen, zerfeiert, banale Aktionen unter großen Aufwand ausführend. Diese ganze stumpfe Dummheit die diese Morgenstunden in sich prägen, da man ums Verrecken einfach nicht heimgehen weil… Wieso eigentlich? Mit Spaß hat das oft schon lange nichts mehr zu tun, eher mit Party-Routine. Ich kenne das. Habe das selber oft genug gemacht. Es ist aber – wie erwähnt – auch schön erfrischt mit dem Fahrrad dort vorbeizufahren und auf die Frage weshalb man denn schon so früh nachhause gegangen ist Wahrheitsgemäß zu antworten: „Ich finde die Leute hier scheiße.“ Nicht weil es schlechte Menschen sind. Ah geh! Nein, weil es einfach nur Party-Bekanntschaften ohne Substanz sind. Nervige Langweiler, die man nur im Rausch gut ertragen kann und deren Lallen man dann eben doch mit Tiefsinnigkeit verwechselt. Das sind die falschen Freunde, diese in Wahrheit richtigen Freunde; falsche Freunde gibt es ja nicht, nur Menschen von denen man genug haben sollte, kann und ja in Wahrheit niemals haben muss.
Ja. Nein. Es gibt nur in der Retrospektive die „falschen Freunde“. Nicht in der Gegenwart. Die Gegenwärtigkeit des Erlebens schließt die Unmittelbarkeit der falschen Freundschaft meistens aus. Außer. Du wirst wie eine Katze mit dem Gesicht in den Haufen gestoßen, den sie selbst in der Wohnung hinterlassen hat…

Es hat einen ungeheuren Reiz gar nicht mehr nachhause gehen zu wollen. Jeder weiß das, der das Abstürzen gelernt hat zu genießen. Irgendwann sollte es aber auch eine Gegen-Reizbewegung geben, die dir klar macht, dass der geistige Wohlfühlabsturz auf Dauer nur ziemlich dämlich macht.
Kant wird der Spruch nachgesagt: „Habe Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.“ Und es wäre ein Missverständnis dies nur auf den technologischen oder gesamten wissenschaftlichen Kontext zu beziehen, viel mehr muss es auf das Kleinklein des eigenen Gedenkes angewandt werden. Sei kein Depp also. Was bedeutet. Sei nicht dauern dicht. Und sei nicht immer nüchtern. Sei beweglich. Sei frei. Und nicht so wie die Leute es von dir erwarten, fordern oder dir sogar unterstellen.
„Don´t forget to go home“ hat Ewan Pearson einmal zu der Jugend in Berlin gesagt – und das leider später dann doch noch in seiner Kolumne umgewandelt in ein „Never go“, da die Leute das Genießen sollten, was sie sich erschaffen haben; das ist aber ein Fehler Herr Pearson. Ein Trugschluss. Also: Geht doch auch mal nachhause. Denn Spaß lässt sich nicht endlos dehnen. Er endet. Und die Dumpfheit der Durchhalteparolen können daran zum Glück nichts ändern.

Und weil das dort (um es zu Ende zu führen) eben NICHT meine Freunde mehr sind (die sind längst gegangen) die dort herumliegen kann man auch im Geiste eines früheren Fleming sagen: Ja, die Leute dort sind wirklich scheiße. Also verbringt nicht zu viel Zeit mit Scheiß-Leuten. Sie färben ab und verdunkeln deine Seele.

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Like wenn du die Teile noch kennst

Klar kenne ich Teile… Ihr auch?

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Doch Spaß mit XTC beiseite: Weshalb sollte ein Vernunftbegabter Mensch auf einen „Gefällt mit“-Button drücken nur weil er Süßkram, Pumuckl oder anderen Industrie-Hype-Quatsch aus der Vergangenheit sieht, etwa, weil der am Ende „melancholische Gefühle“ bei ihm auslöst? Das ist doch mit das Traurigste was es gibt…

Bitte. Lasst das einfach.

Altes Geld – Trailer zur neuen Serie von David Schalko

Ob sein neues Projekt so stark wie „Braunschlag“ oder so gar besser ist (an der er sich selbstverständlich messen lassen muss), wird sich zeigen. Ganz sicherlich hole ich mit da die DVD – noch lieber die Blu-Ray. Man merkt, die Erwartungen sind hoch, auch gerade weil Udo Kier mitspielt, unser bester Mann.

Hier der ziemlich abgefahrene Trailer (bin ein wenig spät dran damit, sorry), bei dem man nicht wirklich versteht warum man sich das ansehen sollte, der einen dennoch überzeugt, die neue Serie von David Schalko ansehen zu müssen.

Buchkritik zum "Skandalbuch" Unterwerfung von Michel Houellebecq

Über den neuen Houellebecq wurde schon sehr viel geschrieben und noch mehr gesagt, nun gebe also ich meine Meinung zu dem Buch ab. Wo fange ich denn am besten an?

Unterwerfung

In „Unterwerfung“ wird die Geschichte des Literatur Professors Francois erzählt, der im Jahr 2022 lebt. Während ein Professor normalerweise einem bis zu seinem Tode geregelten Leben nachgehen kann, befindet sich Francois Leben im Umbruch, was politische Gründe hat: Bei den Wahlen in Frankreich ist die rechte Partei Front National kurz davor die absolute Mehrheit zu erreichen. Aus diesem Grund schließt sich die Linke-Partei mit der neuen Muslimen-Partei zusammen um somit einen neuen Präsidenten zu stellen, einen Präsidenten, der Moslem ist und Frankreich zu einem Islamischen Land machen will und wird.
Als One-Liner könnte man das Buch auch so nennen: „Islam for president“.

Besondere Brisanz und politische Aufmerksamkeit bekam der neue Houellebecq durch die Verknüpfung Zeithistorischer Umstände, da sein Buch kurz vor den Morden bei Charlie Hebdo erschien und die ganze Welt (na ja, die europäische Welt) vor der Entscheidung stand, wie man mit Presse-, Rede- und Religionsfreiheit umgeht.

Im Vorfeld habe ich viel Schwachsinn über das Buch gelesen gerade (Überraschung, Überraschung) in der BILD-Zeitung, die das Buch einfach als einen modernen You-Porn-Ableger in Buch-Form outete, da es in „Unterwerfung“ maßgeblich auch um die sexuelle Identität des Mannes im Mittleren Alter geht – was bei Michel Houellebecq aber fast in jedem Buch so ist. Komischerweise gingen sie gar nicht auf den größten Vorwurf ein, dem den Buch ständig gemacht ist: Es schürt Ressentiments gegen den Islam, ja sogar den Hass. Schließlich soll Houellebecq bevor er das Buch geschrieben hat auch einmal gesagt haben, der Islam sei die „dümmste Religion“ von allen. Hat er also die Pegida-Bibel geschrieben?

Die Antwort ist eindeutig: Nein.
Dazu ist der französische Autor auch viel zu klug. Der Mann ist ein wahrer Intellektueller und das Buch (wenn man ihn auf einen Begriff herunter brechen will) „Satire“. Auch wenn das schon schwer vereinfacht ist. WILL man dagegen „Unterwerfung“ als ein Islamfeindliches Buch lesen und ist man nicht mit einem großen Geist gesegnet, kann man auch das.
Ich für meinen Teil habe wirklich sehr, sehr viel bei der Lektüre gelacht. Es ist auch geradezu lächerlich was Houellebecq da entwirft, denn auch wenn die Thematik eine Art Politikkrimi hätte sein können, schreibt der Autor das Buch so überdreht und realitätsfern, das man einfach nur lachen kann. Am eindeutigsten kommt das bei der Geschwindigkeit zum Tragen, in der sich Frankreich dem Islam „unterwirft“. Das geht wirklich rasend schnell. Nur weil mit der fiktiven Figur Ben Abbes ein Moslem Präsident wird, sind innerhalb von ein paar Monaten alle kurzen Rücke bei Frauen verschwunden, mehr sogar, alle sind verschleiert und die Polygamie wurde stillschweigend eingeführt, während durch die Petrodollars der Saudis die komplette Bildung (was Francois als Professor für Literatur betrifft) auf den Islam umgestellt wird – und das in dem Land in dem die Demokratie erfunden wurde; es ist so lächerlich. Und doch empfindet man das Buch nicht so. Das liegt daran, dass Houellebecq kein Sarrazin ist.

Es geht eben nicht nur um Sex und Religion, sondern auch um die Parabel eines einzelnen Mannes im Wandel der Zeit. Um einem das (für Houellebecq fast schon plump) vor Augen zu führen, lässt er den Literaturprofessor Francois sich an geistigen Bezügen zu seinem Lieblingsautor „Joris-Karl Huysmans“ (den es wirklich gab) abarbeiten, und stellt die zeitgeschichtlichen Veränderungen über die Jahrhunderte in Relation. Nur um zum Schluss zu kommen, dass z.B. der Feminismus und die damit verbundene Individualisierung des Subjekts (und der damit verbundene Geburtenrückgang) zum Ende Europas führt, wie wir es kennen – Futter für Pegida 😉 Nur macht das Houellebecq nicht um Ängste zu schüren, sondern, ganz im Gegenteil, er schreibt nur von den Vorzügen die eine Staatsreligion und die Aufhebung des Feminismus für den Mann hätte – es ist wirklich herrlich: Alle Werte Europas werden über den Haufen geworfen und es geht (innerhalb von Wochen und Monaten) zurück zu Heiratsvermittlerinnen und dumm gehalten und devoten Frauen. Das ist das Spiel was Houellebecq treibt und wenn man seine Romane kennt, kann man ihn sich sogar dabei mit einem breiten Grinsen vorstellen, als er dein Buch geschrieben hat.
„Sadomasochistisch“ wurde das Werk genannt und das trifft es auch. Houellebecq wusste welche Reaktionen er beim Publikum auslöste und genoss sicherlich die Vorstellung, wie sich die Hochkultur Frankreichs (im Buch) „der dümmsten Religion“ zu Füßen wirft. Alleine nur wegen des Geldes und der Rückeroberung der Macht über die Familie und den Frauen. Mehr Verachtung kann man nicht über die Intelligenzija eines Landes ausschütten.

Ist das Buch gefährlich? Nahe an der Realität? Dass es den Zeitgeist trifft, steht außer Frage. Ansonsten hätte es der französische Skandal-Autor nicht geschrieben und natürlich spielt unter der ganzen Ironie und Unterwerfungsgroteske auch mit, dass in Europa wirklich die Angst umgeht die eigene Identität zu verlieren und man kann „Unterwerfung“ auch als grobe „Schreckensvision“ lesen einer möglichen Zukunft lesen – nur – dafür muss auch sehr simpel gestrickt sein. Es ist unmöglich dass in einem demokratischen Land wie Frankreich so tiefgreifende Veränderungen so schnell und so glatt über die Bühne gehen, wie Houellebecq hier scherzt. Ganz egal ob der Präsident Moslem oder Jude ist, bei einer so knappen Mehrheit im Parlament ist es ihm unmöglich einfach so die Scharia auszurufen und den ganzen Lehrplan von allen Schulen umzuwerfen, den Frauen und Männer ihr freies Leben auf der Straße und daheim zu verbieten, während die ach so „starke“ Front National nach der Wahl nie wieder erwähnt wird; es gibt KEIN Aufbegehren mehr gegen die neuen Gesetze: So funktioniert Demokratie nicht. So funktionieren Revolutionen wie der IS ihn macht. Und wer das nicht kapiert, der sollte von „Unterwerfung“ seine Finger lassen.

Der neue Houellebecq ist für also ein sehr lustiges Buch, dass mir viel besser gefallen hat als sein letztes „Karte und Gebiet“ und fast schon so stark ist wie „Plattform“, auch wenn es ein Buch von ganz anderer Art ist. Wer sich gerne einmal die diffusen Ängste des kleinen Mannes vor Augen führen lassen will, wer gerne mal Lust hat auf Anspruchsvolle, Lustige Unterhaltung und dem Spiel mit der Übertreibung, dem empfehle ich „Unterwerfung“.

Nachtrag: Blog.de nervt mich – ja, ich veröffentliche die Einträge oft öfters, da ich erst beim dritten Durchlesen meine vielen Tippfehler sehe, doch die blöde Seite hier übernimmt oft die Korrekturen nicht, nicht einma, wenn man „tags“ hinzufügt. Ramschseite!

Die Antwoord live in München, es war der 21.01.2015

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Für mich sind „die Antwoord“ aus Süd-Afrika eine Band die man nicht ernst nehmen kann, was jetzt keine Metaebenspielchen dafür sind, dass die Attitüde hinter der Band nur Fake und aufgesetzt und ausgedacht sein soll, also dieses „White-Trash“-Ding als pure Inszenierung. Nö. Die Antwoord wollen einfach Spaß machen und das machen sie auch, weswegen der Anspruch gute Musik zu machen gar nicht ihr Anspruch ist, sondern ihr Pop-Trash-Rave-Hip-Hop-Ding einfach nur gute Laune verbreitet, besonders wenn sie in Echt auf der Bühne stehen und die Menge anfeuern. Kunst kann daran eh nur sein, dass das alles nur inszeniert ist – wo wir wieder bei der Metaebene wären; und warum soll Kunst keinen Spaß machen?

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Kindergeburtstag für Erwachsene. So nannte ich die Veranstaltung bei Facebook. Das trifft es wirklich sehr gut. Da wurde viel von uns herumgesprungen und gegrölt. Laut war´s. Das volle Konzert-Programm.
Yolandi und Ninja spielten alle ihre Hits und bis auf die relativ kurze Zeit des Auftritts, grob um eine Stunde plus 15 Minuten, gab es nichts zu Mäkeln.

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Es war nicht nur schön auch mal mit Freunden wegzugehen, die wegen elterlichen Pflichten ansonsten mit dem Feiern kürzer treten müssen, sondern auch zu beobachten mit wie viel Verve man an so ein Konzert herangehen kann. Wenn man wie ich total abgewichst ist was Nacht- und Festivalveranstaltungen angeht, verliert man zwangsläufig die Hingabe für die kleinen Details solcher Events und ist deswegen eher genervt von dem ganzen Drumherum einer Veranstaltung wie dieser. Geht man dagegen gefühlt einmal im Jahr „richtig“ weg, lässt man nicht nur 5 gerade sein, sondern einfach – Alles. Das sah dann schon aus wie unschuldige Naivität, was dem Beobachter wiederrum das Herz aufgehen lies. So. War man früher auch mal. Auch wenn ich natürlich auch sehr viel Spaß und gute Unterhaltung abbekam, davon mal abgesehen – danke noch mal an unseren Fahrer.
Wir schafften es nach ganz vorne bis zur Bühne und das Schöne im Zenith ist ja, dass man dort einen Stempel bekommt und immer wieder hin und her pendeln konnte, wenn man denn wollte.

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Nach dem längsten Intro aller Zeiten ging es dann Vollgas durch, wobei mich erst die zweite Hälfte richtig packte, witziger weise ab „Pitbull Terrier“, das ich eigentlich gar nicht mag. Doch. Das ist halt der Live-Effekt des Lebendigen.
Die Bühnen-Show empfand ich als eher dezent. Klar, da wurde sich auch ein paar Mal umgezogen, doch klugerweise wurde auf große Leinwand- und Visualspektakel verzichtet und das Herumgekaspere der Beiden stand eindeutig im Vordergrund; es ist auch gerade dass, was ihren Auftritt ausmacht. Von „Babys on Fire“ bis „I finy you freaky“ wurde alles geboten und von elterlicher Seite wurde dann auch noch versichert, dass die Spielzeit so gerade richtig war. Schön.
Es gab nebenbei nur eine Zugabe: Enter the ninja

Ärgerlich dagegen waren die schon wieder viel zu hohen Jackenpreise von 3 Euro und die 5 Euro-Packgebühr – Frechheit!
Eine Vorband gabs auch. Zwei so Typen, die man keinen krassen Minimal machten, doch schon sehr minimal housig daherkamen (ohne Gesang) was nicht gerade zu „die Antwoord“ passt und auch nicht gerade anheizend wirkte. Kein Plan wie die Typen sich nennen, besonders schlecht waren sie ja auch gar nicht, nur passte dieser Berliner Style einfach nicht zum Restpaket. Nachtrag: Das waren BAAL, kannten wir ja schon, wussten wir nur nicht.

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Jetzt bin ich müde und groggy, hätte den Blog-Eintrag auch gern mit viel mehr Liebe fürs Detail geschrieben, aber ich bin einfach platt. Das wäre für mich der einzige Grund um nicht auf das Konzert gehen zu wollen, denn wenn man mal Mitte 30 ist und am nächsten Tag arbeiten muss – ihr könnt es euch denken.
Ja, nein. Es war ein wirklich lustiger Abend mit viel Spaß und Blödtuerei. Und wer mal Bock auf guten Kindergeburtstag hat, dem ist die Antwoord wirklich ans Herz zu legen.