Absolution – 7 – Der Pfad der Dämmerung

Den richtigen Zustand der phantasiert/realen Euphorie zu erreichen war zu seinem Lebensziel geworden. Alles andere war nur Beiwerk. Und konnte er nun, so wie es jetzt geschah, in sich selbst und in seiner Traumwelt onanierend wegdämmern, war ihm so, als würde sich seine Persönlichkeit auflösen. Er war nicht der verschwitzte Typ der sich Stundenlang vor dem Rechner seinen Schwanz rieb und massierte bis dieser blutig und an den Seiten merkwürdig geschwollen war (wie ein Gesicht, dem man einen gezielten Schlag versetzt hatte); Paul war gar nicht da. Paul war weg. Paul war fort. Sein Körper war nur eine Hülle. Ein Gefäß in dass er zurückkehren musste: Irgendwann. Nein. Der echte Paul war weg. Der echte Paul erzählte sich Geschichten. In diesen erotischen, eindeutigen Geschichten ging es nicht nur darum mit Frauen den Akt zu vollziehen. Es ging um Alles. Um das Ganze darum herum. Er sah nicht nur die Göttin und die Lust. Das hatte ihm schnell nicht mehr ausgereicht. Nein. Um die Lust zu erleben, musste ein ganzes Universum erfunden werden. Eine Parallelwirklichkeit. In der er ein Szenario entwarf, aus dem die Lust entspringen konnte. Sein chemisch verbesserter, übereuphorisierter Verstand schrieb den Frauen Biografien auf die Seele, Charaktereigenschaften, Wünsche, Ängste und Nöte, warum sie in diese Situation gekommen war, was sie wollten, was nicht und was sie zusammen erlebten. Der Sex war immer nur Sex. Und es wäre gelogen gewesen wenn dieser Sex nicht wichtig wäre. Er war tatsächlich der Dreh- und Angelpunkt des ganzen Geschehens. Viel wichtiger erschien ihm aber die erfundene Person hinter seinem Begehren. Eine Person. Eine Frau. Die er nach seinen eigenen Wünschen erschaffen konnte. Paul merkte es nicht einmal, dass er sich zwar nach Sex und Zuneigung sehnte. Es ihm aber die größte Lust verschaffte, Gott zu spielen. Die größte Befriedigung war es. Allmächtig zu sein. Nicht nur irgendein kleines Rädchen im Getriebe einer Welt die ihn nicht brauchte um sich selbst zu erhalten.

 

Er sah gar nicht mehr nicht auf den Bildschirm. Seine Augen waren lächerlich lustvoll zur Wohnungsdecke verdreht. Während er von einer Katha träumte, von der er mehr wusste, als von der echten Katha selbst. Er begehrte einen Körper, der perfekter war, als der es von Katha jemals sein konnte. Und doch. War er der ihre. Er verzehrte sich nach ihrem Schamgefühl, welches er tiefer und intensiver spüren konnte, als es jemals möglich gewesen wäre, wenn er wirklich mit ihr in einem Bett gelegen hätte. Paul schrieb ihr seine Gedanken auf ihre Seele. Und konnte so ihre eigenen lesen. Es war das ultimative Verständnis zwischen Mann und Frau. Da waren keine Grenzen mehr. Sie verbanden sich zu einem Wesen. Einem Wesen voller Perfektion. Unter dem Kick einer Drogen, die sein Herz fliegen ließ… Er war nicht mehr der kleine Junge der von seiner Mutter verlassen wurde… Er war…

 

Nichts erschreckte ihn schlimmer als wenn er in solchen Momenten aus seinen Träumen gerissen wurde. Er toste auf und sein Herz blieb drei Sekunden stehen. Paul. War unfähig zu atmen. Er stand in seinem Sessel. Dabei hatte nur sein Handy einen Nachricht empfangen. Erschüttert sah er sich um. Das Video auf dem Bildschirm lief Tonlos weiter. Da standen noch die zwei Flaschen Wasser. So gut wie unberührt. Daneben eine Packung Taschentücher. Irgendwo dahinter. War sein Handy. Das vibriert hatte. Warum auch immer. Irgendwer. Von der Außenwelt hatte sich eingemischt. Paul wischte sich mit seiner Hand über sein verschwitztes Gesicht. Lehnte sich wieder in den von seinem Schweiß durchnässten Sessel zurück. Einen Moment lang konnte er seinen eigenen Gestank riechen. Er zwang sich einen Schluck Wasser zu nehmen. Und sah dann auf sein Handy. Sein Blickfeld war verschwommen. Er konnte die Buchstaben kaum entziffern.

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Absolution – 6 – Wunscherfüllung Internet-Pornografie

3.

Nachdem sie den Club verlassen hatten. Nachdem sie den Feierstrich des Münchner „Kunstpark“, eine Partyzone, im Osten der bayrischen Hauptstadt, verlassen hatten. Nachdem sie die U-Bahn zum Hauptbahnhof und von dort den Regionalzug bis 2 Stationen nach Augsburg genommen hatten. Nachdem sie auf dem Weg von München über Augsburg noch ein paar Lines nachgelegt hatten. Nachdem sie sich am Bahnhof unspektakulär mit ein paar Umarmungen getrennt hatten; die anderen machten noch Afterhour, nur Paul sagte, er würde nicht mitkommen. Nachdem Paul durch den Regen zu seiner Wohnung gelaufen war, die 2 Gramm Speed in seiner Faust wie Frodo den Ring umklammernd, zog er dort angekommen sofort die Vorhänge zu, und  machte Paul seinen PC an. Er schob  flink seinen Sessel vor den Rechner. Stellte schnell zwei Flaschen Wasser daneben. Warf im Gehen eine Packung Tempo-Taschentücher auf den PC-Tisch. Und riss dann endlich, endlich, endlich, sein Speed, das von ihnen so genannte „Pep“ auf, so dass es wie eine wunderschöne Miniaturlawine auf seinen Glastisch fiel.

Der ganze Weg zurück aus München war für Paul eine nicht  enden wollende Tortur aus Zurückhaltung gewesen. Eine bloße Anmaßung, eine Bestrafung durch den Prozess des Reisens, der ihn von diesem Moment hier ferngehalten hatte. Während sein Herz. Seine Seele. Und besonders sein Schwanz nichts anderes wollten als hierher zu kommen. Hierher. In die Einsamkeit: In die Freiheit. Da es unmöglich war die Reise zu beschleunigen, beschleunigte er nun umso mehr den Prozess des Drogennehmens, während er gleichzeitig die Rahmenbedingungen für das schuf, was er sich die letzten Stunden, die vergangenen Tage so sehr herbeigesehnt hatte. Was nun folgte war das abschließende Abtauchen in eine viel höhere und ehrliche Form des Rausches, als man sie unter Menschen mit ihren privaten Ansichten und den damit automatisch einhergehenden Urteilen erleben kann. Dies hier. War sein privater Kick.  Der niemanden etwas anging.

Das Pep bröselte noch ein wenig aus seiner Nase, als er sich auf den Sessel  warf und seine Unterhose auszog. Normalerweise achtete er auf jeden einzelnen Krümel den er konsumierte. Jetzt. Wo es endlich los ging. War es ihm egal geworden. Er wollte nur so schnell wie möglich SEINEN Film schieben. In sich selbst Abtauchen. Bei sich selbst ankommen. Die rechte Hand öffnete den Internet-Browser. Die linke lag auf seinem schlaffen Schwanz. Seine Augen, panisch weit aufgerissen, klebten auf der einzigen Lichtquelle im Raum. Seinem Bildschirm. Auf dem ihm Seiten angezeigt wurden, deren Bezeichnung mit dem Wort „porn“ begannen. Er klickte sich euphorisch durch einen bestimmten, vor wem auch immer versteckten, Ordner in seiner „Lesezeichen“-Leiste um das Traum-Programm im PC wie in sich selbst hochzufahren. In bestimmter Weise musste sich der Geist nun mit dem Internet verbinden. Die Phantasie-Welt der Porno-Industrie musste sich mit der Gefühlswelt von Paul verbinden. In der es Vorlieben und Wünsche gab. Sehnsüchte und bare Geilheiten. Bei der schier unzähligen Auswahl von Videos und Bildern musste Paul nun gerade die finden, die er benötigte um sich selbst von der Welt zu entkoppeln. Das richtige Video. Mit der richtigen Frau. Im richtigen Setting. Mit der exakt richtigen Laufzeit. Alles musste perfekt sein. Denn Träume machen keine Konzessionen. Und es würde nur Leute wundern die Paul Fleming nicht wirklich kannten oder verstanden, dass er sich Videos von Frauen ansah, die seinen Freundinnen Sarah und Katha auf eine gewisse Art sehr ähnlich sahen. Dies. Waren die privatesten Momente im Leben von Paul Fleming.

Plump betrachtet war es ein krasser und klarer Fall von der Sucht nach Internet-Pornografie und Drogen, ein Mischkonsum-Verhalten, welches noch von keiner wissenschaftlichen Richtung jemals erforscht wurde. Eine Grau-Zone, über die niemand gerne spricht, da das Bild eines erwachsenen Mannes auf Drogen der sich vor dem PC stundenlang seinen Schwanz wichst nicht gerade die Form von Wahrnehmung ist, die der arme kleine Wichser von sich auch noch in die Welt transportieren will. Doch wie es ist mit den Wahrheiten so ist, ist sie, wie ihre kleine Schwester, das Klischee“ weiterverbreitet als Mann und Frau sich zugestehen wollen. „Wer seinen Trieb verleugnet, verleugnet sich selbst“, heißt es, nur ist der Triebhafte der Coole und Angesehene, der seine Neigung im realen Leben Taten folgen lässt, ausschließlich in seinem Kopf; wo aber ist der Unterschied? Wo ist die Grenze zwischen realem Verhalten und imaginiertem, wenn es nur um eine einzige Sache geht, nämlich der Triebabfuhr?

Ja Paul war sich sicher: Wer seinen Trieb verleugnet, verleugnet sich selbst. Und das war genau dass, was er tat.

 

Dieses wiederholte Verhalten zog einige Probleme nach sich, Erklärungsnöte, denn das Problem wenn man Freunde hat die einen mögen und leider so gut wie nie schlafen, ist ihre Sorge um einen oder wenigstens eine virtuelle Dauerpräsenz, wenn sie denn nicht ganz auf dem eigenen Sofa verschraubt erscheinen und man sie, ganz gleich wie geil einen die Drogen in den letzten Stunden schon gemacht haben, nicht aus dem eigenen Haus bekommt um sie endlich loszuwerden. Und Amphetamine machen relativ schnell geil.

Jetzt mussten also Ausrede her oder Tabula Rasa Entscheidung, um zu seinem einsamen Frieden vor dem PC zurückkehren zu können; „zurückkehren“ deswegen, da die Stunden vor dem PC, die an ihm abperlten wie Sekunden, ihm nach und nach als die wahre Lebensessenz erschienen. Bald fühlten sich sein zombiehaftes Verhalten und seine Flucht in sexuelle Träume an als die „bessere“ Art von Leben, eine Art von Leben, in dem es kein NEIN gab, und selbst wenn, dann war es ein inszeniertes Nein, welches er als großer Regisseur leicht in ein JA umdrehen konnte.

Häufig  hielt er einfach seine Freunde aus bis in die Morgenstunden um sie dann hochkant rauszuwerfen. Er sei – Haha – müde. Das klappte zwar manchmal ganz gut, doch nie ohne Nachdruck, da die Freunde die wie Blutegel in seiner Wohnung hingen, noch bei ihren Eltern wohnten und nicht mit Druffi-Augen nachhause gehen wollten. Somit musste vor der endlich erwarteten Meditation vor dem PC erst einmal gestritten werden. Und das war eklig und anstrengend. Besonders, da er im Prinzip eine ehrliche Haut war und es nicht mochte seine Freunde anzulügen.

Die weitausbessere Möglichkeit war es, sich die Drogen schon im Vorfeld zu beschaffen um sich dann nach der Arbeit am Wochenende einzuschließen und vor der ganzen Welt zu verleugnen.

„Ja ich bin krank.“

„Mir geht es nicht gut.“

„Kopfweh.“

„Magendarm“

„Müde“.

„Keine Lust.“

„Ein anderes Mal.“

„Familientag.“

Oder es gab gar keine Antwort.

 

Das Problem mit Methode Nummer 2 war nur, dass er schon so tief dem Sog seines Mischkonsums und seine Sehnsucht auf Erlösung in seinen Träumen verfallen war, dass es nur schwer möglich war bis Arbeitsende am Freitagnachmittag mit dem Konsum zu warten. Und unter der Woche Drogen zu nehmen barg nicht nur das Problem eine ganze Nacht vor der Arbeit nicht geschlafen zu haben, sondern in seinem speziellen Fall auch das Desaster, sich die ganze Nacht wie irr wundonaniert zu haben, was zudem einer Sportlichen Leistung gleichkam, wie eine Etappe der Tour de France zurückzulegen – und danach Arbeiten zu gehen. Davon war er heute noch weit entfernt. Noch hatte er mehr als genug Zeit. Dafür brauchte er nicht auf die Uhr zu sehen. Denn noch schien die Sonne auf seine Festung der Einsamkeit. Drogen- und Pornografie-Süchtige bemessen ihr Leben nicht nach Minuten und Stunden. Sie fühlen nur noch die Tageszeiten.

 

Noch war es nicht so weit. Noch sahen die Pornodarstellerinnen nicht einmal ganz so aus wie die Frauen die Paul wirklich begehrte. Ähnlichkeiten waren durchaus vorhanden. Aber noch waren sie nicht mehr als plumpe Schlampen die vor der Kamera ihre Würde ablegten. Dagegen konnte etwas unternommen werden. Sportlich sprang er auf und legte sich eine weitere Line, einen echten grobkörnigen Prügel aus Speed, und saugte sie wild entschlossen in seinen Riechkolben hinein. Zuviel ist ja selten genug. Schließlich war er sich darüber im Klaren, dass er der Katha seiner Träume, der wahren Katha, die echter war als die Frau die er vor ein paar Stunden umarmt hatte, nur noch ein paar Milligramm entfernt war. Denn wer einmal auf Drogen zu träumen begonnen hat versteht: Der Rausch ist die bessere Realität. Ist der klarere Traum. In der Hyperrealität des Traumes ist alles geordnet, richtig und unerschöpflich. Dies war der Olymp. In der er ein Gott unter Göttinnen war. Dies war der Harem seiner Seele. Der durch kein falsches Wort, durch keine falsche Geste, durch keine Laune von irgendwem zerstört werden konnte. Dies. War die Perfektion in Gedanken. Die sich echter anfühlte als die Wirklichkeit. Denn wenn man einmal begriffen hat, dass sich das ganze Leben nur im Kopf abspielt, weshalb sollte man sich dann noch mit einer unzureichenden, unbefriedigten Wirklichkeit zufrieden geben? Einer Wirklichkeit, in der man nur einer unter vielen ist? In der man Regeln und Konventionen einhalten muss um ein Abbild davon zu bekommen, was man sich eigentlich erträumt? Die objektive Wirklichkeit war immer ein Fehlerhaftes Zugeständnis an die anderen. Dies hier. War die reine Lust. Das hier. War alles was er wirklich wollte. Dies. War Paul Fleming.

Absolution – 1 – Mit Freunden beim Feiern

„Was ist los mit dir?! Träumst du?!“ Katha streifte ihre Haare hinter ihr linkes Ohr zurück. Lachte ihn dabei an. Das Sekunden genau programmiert Licht der Scheinwerfer huschte über sie hinweg und erleuchtete ihr von innen heraus strahlendes Gesicht. Er huscht über ihre großen lachenden Augen. Ihren wunderbaren Mund mit den fröhlich entblößten Zähnen. Dann war das Licht fort. Nur das Lachen blieb. Ein Lachen. So einnehmend und wunderschön, dass es kein Licht benötigt um vorhanden zu sein. Paul strahlte zurück. Das Scheinwerferlicht war nun mit ihm. Einen Augenblick lang fühlten sie sich wie zwei große schöne Sonnen, die ihr Feuer ineinander reflektierten. Unvermittelt nahm irgendwer den anderen in die Arme. Es spielte auch gar keine Rolle, wer die erste Bewegung machte. Denn bei solchen Umarmungen gibt es keinen Auslöser. Nur das Gefühl einen Menschen den man mag in seinen warm verschwitzen Armen zu halten. Der Techno-Sound hämmerte über sie hinweg.

Sie trennten sich voneinander und tanzten ein wenig wild zu dem Techno-Beat. Wie man es seit jeher so macht. Miteinander. Und jeder für sich alleine. Bis einen weiteren Augenblick später, die anderen Freunde von irgendwoher absolut plötzlich zu ihnen kamen und sich mit ihnen freuten. Und tanzten. Es war einer dieser Momente, in dem sich die gesamte sichtbare Welt daran erfreute, vorhanden zu sein. Selbst der falsche Nebel freute sich. Ebenso wie die von warmen Schweiß nassen Fließen an den Wänden. Aus den Maschinen klackerte dazu stakkato mäßiges Geklacker. Während der Beat und der Bass ihren Körpern automatische Bewegungen vorgaben. Überall war Rhythmus. Eine heitere Diktatur. Alles was geschah, musste so geschehen. Geschah ohne Kraftaufwendung. Ohne Plan. Ohne Wiederstand. Ein unbeteiligter Beobachter, ein Vernunft- und Tagmensch, mochte die Szene in dem finster verrauchten, stinkenden Techno-Club als hart, kalt und rau, gar „Lebensfeindlich“  missverstehen, was nur daran liegen könnte, dass er das Glück in den Menschen nicht verstand. Dieses Treiben hier war alles andere als kalt und rau. Es war alles andere als lebensfeindlich. Es war das pure Glück. Ein Himmelreich. Unter der Erde. In einem alten Industriekeller. Den wahrhaftig. Die Gebrüder Grimm hatten gelogen. Und Kinder haben keine Ahnung von den Märchenlandschaften der Erwachsenen.

Dann schrie irgendwo wer. Und plötzlich schrien alle mit. Im programmierten Licht. Im inszenierten Nebel. Im Geschepper der Maschinen. Ein Gefühl wie im Garten Eden.

Irgendwer von den Freunden hatte Wasser dabei; es wird herumgereicht. Alle freuen sich. Ja geil jetzt! Wasser! Bis die Flasche leer war. Kein Wunder dass es am Ende nicht der schöne Miguel war der den letzten Schluck aus der Flasche nahm und dann ein wenig überrumpelt in seiner Dichtheit damit herum stand. Es war Chris. Der kleine deplatzierte Chris. Der schon immer nie ganz zu einer Gruppe gehört hatte und durch seine Erlebnisse und Erfahrungen einen viel reflektierten Charakter mit sich herumtrug als der gutaussehende Miguel. Miguel, der Südländer. Der Student. Ein Sammelsurium an Charme und Bildung, die sich profaner weise nie bis in seine Seele erstreckte. Natürlich war es Chris der ein klein wenig überfordert mit der leeren Glasflasche dastand. Im Nebel umher blickte. Bis er schließlich ein paar Meter entfernt einen Stehtisch erspähte und die Flasche dort hintrug. Währenddessen hatte sich Miguel längst zwischen die Frauen geschlichen und je eine mit einem Arm umfasst. Natürlich hatte er den letzten Schluck für Chris „übrig gelassen“. Zum Wassertragen war er zu wichtig. Auch wenn er das selbst gar nicht mehr wahr nahm. Chris kam zurück und stellte sich an die Seite.

In dem Kreis den sie nun bildeten gab es kein wirkliches Gespräch. Auch wenn ein paar Fetzen durch den brülllauten Sound hin und her gerufen wurden. Sie lachten sich nur an. Glücklich. Verstehend. Dicht. Es war jetzt genau der richtige Zeitpunkt nachdem sie zusammen und jeder für sich das Ecstasy genommen hatten, dass Chris in einer fast einstündigen Suche im Club aufgestellt hatte. Wahrscheinlich war dies auch der richtigste und genauste Zeitpunkt ihrer gemeinsamen Freundschaft, wie sie druff so im Halbkreis dastanden. Wie das Auge eines Orkans. IM Auge eines Orkans. Der aus ihrem eigenem Glück und  dem aufgewühlten Darumherum bestand. Tosend und still zugleich. Sicherlich würde sich ihre Freundschaft nie wieder so klar und intensiv anfühlen wie in diesem ehrlichen Moment auf Droge. Nichts könnte jetzt. In diesem Augenblick  der klarsten Wahrheit. Ihren Kreis durchbrechen.

Und dann war es auch schon wieder vorbei.

Die Kleinstadt-Familie (Absolution)

Eine Kleinstadt ist auch nicht anders als eine Großstadt. Für manche Dinge gibt es andere Worte, wenn auch für einzelne Ausdrücke kein Synonym, die Tatsache bleiben jedoch dieselben: Menschen leben zusammen und jede Menschengruppe erfüllt ein gewisses Klischee. Was in der Stadt der „Nerd“ ist, ist auf dem Land der „Klugscheißer“ oder „Besserwisser“ (oder banaler ausgedrückt: „Der ist komisch“), „Proleten“ werden in der Kleinstadt/Dorf „Bauern“ genannt, usw. usf.

Ebenso wie du in der Stadt nur in gewissen Situationen mit „Nerds“ und „Proleten“ zu tun haben musst, musst du dich auf dem Land nicht den ganzen Tag mit „Bauern“ auseinandersetzen. Jeder geht seiner Wege.  Baut sich seinen eigenen Mikrokosmos aus Beziehungen auf. Außer. Außer deine Schwester ist mit so einem „Bauern“ zusammen und drückt dir diese Weltsicht damit bei jeder Familienfeier auf die Augen, wie es bei Paul der Fall war.

Hans war kein Landwirt und doch würde ihn jeder als einen „Bauern“ bezeichnen. Es ist nicht das was er beruflich macht und es geht auch nicht darum, dass er wirklich des Öfteren  einen Traktor fährt. Hier geht es um eine gewisse Geisteshaltung. Paul mag das Wort „konservativ“ nicht mehr, denn es steht für alles und ebenso für nichts, doch durch seine bloße Verwendung entsteht ein gewisses Bild in den Köpfen der Leute, gerade wenn man über Landmenschen spricht. Dabei kann ein Intellektueller ebenso konservativ sein wie ein Dosenbierstechender Fußball-Hooligan. Hans ist in dem Bezug konservativ, dass er ein klares, sexistisches Frauen- und Familienbild vertritt und typisch bayrisch denkt, dass am eigenen Wesen die Welt genesen sollte; wenn doch nur jeder so wäre wie er. Kein Wunder dass Paul ihn verabscheute. Und es war ebenso kein Wunder, dass Hans Paul für eine Schwuchtel hielt.

„Liberal“ und „Liberace“ haben für Hans den gleichen Wortstamm.

 

Bei jedem Familientreffen blitze und krachte es zwischen den Beiden, ohne dass sie die Worte und erst recht nicht die Stimme gegeneinander erhoben. Es war ein eindeutiges Nebeneinanderher-Reden. Ohne Anbiedern. Manchmal. An Pauls guten Tagen.

An den schlechten, wenn Paul die ganze Nacht auf seinem Drogen-Film durch onaniert hatte, hielt er einfach seinen Mund und ließ den Macho gewähren – und somit gewinnen. Es war schon schwer genug für Paul überhaupt die Augen aufzuhalten und nicht in perverser Absicht auf die noch nicht ausgereiften, immensen Möpse seiner 16 Jährigen Nichte zu glotzen (was er zwar nicht wollte, denn er fand sie – da ganz gesund im Geiste – überhaupt nicht anziehend, schließlich war sie seine Nichte verdammt noch mal, leider aber konnte er die Blicke auch nicht unterdrücken). Da brauchte er sich nicht auch noch mit dem Hinterwäldler auseinandersetzen, der glaubte dass alle nach seiner Pfeife tanzen müssten.

 

Das letzte Mal hangelte sich das Kuchenverdauende, stockende Gespräch in der Familie, bestehend aus Pauls Vater, dessen neuer Frau, der erwähnte und beschriebene Hans, die Schwester Pauls und ihre Tochter, Pauls Nichte, welche überhaupt nichts zu keinem Thema sagte, von Thema zu Thema, bis man, über die verschlungenen und kuriosen Wege Zeitlöcher der Stille mit Sprache zu stopfen, zum Thema „Bundeswehr“ gekommen war. Paul war ja damals noch dort gewesen. Hatte seinem Land „gedient“, wofür Hans nur ein verächtliches Schnauben übrig hatte. Auch der Vater war nicht dort gewesen, fügte aber gleich hinzu dass er damit alles richtig gemacht hätte, Paul mit harter Hand dorthin zu leiten, da der sonst ja nichts auf die Reihe bekam. Darüber. War Paul. Verwundert. Wie der Vater ihm so in den Rücken fallen konnte. Gerade vor der ganzen Familie. Und vor Hans; idiotischer weise schien Paul doch vor Hans gut dastehen zu wollen. Manchmal will man die am Stärksten beeindrucken, die man am Meisten verabscheut.

 

Sie wäre ja gerne Polizistin geworden, erklärte Pauls Schwester, doch MUTTER hatte sie überredet erst eine vernünftige Ausbildung zu machen, deshalb war sie Arzthelferin in einer kleinen Praxis geworden. Nebenher hatte sie alle Prüfungen und Bescheinigungen  erledigt, um zur Polizei zu gehen, es fehlte nur noch die Sportprüfung, die an drei verschiedenen Tagen abgenommen werden musste. Und weil sie keine Möglichkeit sah frei zu bekommen und sie auch nicht ihrem Chef sagen konnte, weshalb sie freihaben wollte (da sie die Angst umtrieb, wenn sie bei der Prüfung versagen würde, würde ihr Arzt sie auch nicht mehr übernehmen, da er nun wusste, dass sie eigentlich weg wollte), ging sie nicht hin und vertat somit ihre Chance Polizistin zu werden. Ihren großen Lebenstraum.

Wie blöd man nur sein kann, war Hansens Kommentar. „Da hätte ich doch einfach KRANK gemacht!“

„Ich habe NIE krank gemacht! Ich arbeite seit 25 Jahren und war NIE krank!“

„Typisch Frau. Das ist doch bescheuert! Sich so eine Chance entgegen zu lassen! Typisch hysterisches Huhn!“

„Das verstehe ich jetzt aber auch nicht“, schlug Pauls und ihr Vater in die gleiche Kerbe, „Du warst doch früher beim Sport bei mir! Ich kannte doch die Polizisten hier in der Gegend! Ich hätte dir doch eine Bescheinigung ausschreiben lassen können! Hättest du doch was gesagt!“

„Ich war damals 20. Sport habe ich bei dir bis 14 gemacht – was hätte das BRINGEN sollen!“

Hans, ganz besoffen an sich selbst, auch wenn er nur Kaffee trank: „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt! Da sieht mal deine Tochter was passiert, wenn man nichts wagt!“

„Da verstehe ich dich wirklich nicht“, blaffte der Vater noch hinterher. „Da hätte ich doch eine Lösung für dich gefunden.“

„Das war beim Bundesgrenzschutz in Kaufbeuren! Das ist hundert Kilometer entfernt! Als wären sie zu dir in die Sportschule gekommen!“

„Ja der Ronnie…“

„Ach hör mir auf mit dem Ronnie… Und dann habe ich ja SIE bekommen und dann war es eh vorbei mit meinem Traum…“

Und Paul saß einfach nur besiegt da und konnte nicht fassen wie man auf einem aufgegebenen Lebenstraum so herum trampeln konnte, sagte aber nichts. Auch weil er irritiert war, wie seine Schwester noch ihrer Tochter eine verbale Ohrfeige mitgab, nur um den Druck von sich selbst zu nehmen. Wer wusste schon, wie oft das geschah… Paul verstand zu keinem Moment, warum seine Schwester mit so einem Idioten wie Hans zusammen war, der sie nur herunterputzte. Und er verstand auch nicht, wie sein Vater sich so aufspielen konnte, nachdem er die Kindheit Pauls und seiner Schwester lieber damit verbrachte in Gläser, als in die Wünschen und Bedürfnisse seiner Kinder zu schauen. Er war doch nie dagewesen. Wie konnte er sich jetzt darüber wundern, dass ihn keiner um Hilfe fragen wollte?

Und wie immer. Wollte Paul nur noch heim zu seiner idealen Realität. Und zu seinen Drogen.

Der Stefan mit dem Rohr

Alle paar Monate kommt ein Schweißer in die Firma, um gebrochene Edelstahl-Leitungen und –Halterungen nach zu schweißen. Stahl bewegt sich wenn es extremen Temperaturen ausgesetzt ist. Das kommt vor.

Dieses Mal kam ein neuer Schweißer. Beim alten wurde ein Gehirntumor entdeckt. So von jetzt auf gleich musste er operiert werden.

 

1: Was hältst du vom neuen Schweißer?

2: Wir kennen uns irgendwie.

1: Ach ja? Wie? Irgendwie?

2: Selber Jahrgang. Parallelklassen und so. Man kennt sich nicht, und hat halt doch miteinander gesprochen. Damals. In der Jugend. Schon komisch wie die Dinge sich entwickeln. Ein Freunde von ehemaligen Freunden oder so.

1: Und?

2: Ja passt schon. Ist gut drauf und hat Ahnung von dem was er tut.

1: Na wenigstens hat er die, wenn du schon keinen Plan hast.

2: Sehr witzig.

 

Dann redet man also mit dem Kerl von früher, der in der Vergangenheit keine tragende Rolle im eigenen Leben gespielt hat, auf Augenhöhe. Respekt macht viel aus. Und als Stefan, der neue Schweißer auch noch einen ganzen Mohnkuchen für die Schicht mitbrachte, war die Stimmung bei allen richtig gut. „Unsere Sympathien sind käuflich“, lachten wir mit vollem Mund.

Stefan hat einen Sohn, erzählt er. Stefan ist geschieden, sagt er. Stefan hat seine eigene, kleine Firma. So Ich-AG mäßig. Und Stefan kann sich vor Angeboten nicht retten. „Denn wenn du hart arbeitest und sofort zur Stelle bist, dann macht das viel wett wenn du nur Einer bist“, hat er erzählt.

Später dann, ging ich auf die Toilette. Ich stellte mich an ein Pissoir und ließ ein angestautes Stöhnen von mir, dass ich früher nur beim Sex abgegeben hätte. Darüber lächle ich. Und muss an den Woody Allen Film von neulich denken, in welchem seine Filmpartnerin erklärte, dass sie zu oft schlechte Orgasmen hätte. Was Allen gar nicht verstehen konnte, denn bei ihm sei auch noch der schlechteste Orgasmus „ein voller Schuss ins Schwarze“. Ich höre wie hinter mir Gestöhnt wird. Wie jetzt?… Unser Betrieb ist so klein, dass unsere Männer-Toilette nur zwei Pissoirs und eine (selbstverständlich) abgegrenzte Toiletten-Kabine enthält. Das Gestöhne kommt aus der Kabine. Ich spitze die Ohren. Ja! Nein… Das ist eine Videoaufnahme die da läuft. Da bin ich mir sicher. Irgendwer streamt einen Porno auf seinem Handy. Da ist Musik im Hintergrund. Ganz leise. Und scheinbar zwei Männer. Das hört man an ihrem Dirty Talk.

Ich gehe dann raus. Wasche mir die Hände. Und dann kommt wohl auch Stefan. Ein paar Minuten später verlässt er die Kabine. Redet mit mir beim Essen als wäre nichts gewesen. Er scheint erleichtert zu sein. Und ich muss zugeben dass ich Stefan noch weniger kenne, als dass ich dachte.

Die Betäubungsmittel-Revolution

Ich bin nicht dafür und werde es niemals sein, dass Drogen jeglicher Art so legalisiert werden wie die Volksdroge Alkohol, die ich selbst viel zu oft und aus Gewohnheit in mich hinein schütte. Irgendwann einmal im „Text zur Nacht“ habe ich mal geschrieben, dass jedes Ereignis im Leben besser ist, wenn man ein Bier in der Hand hat; und dieser Irrglaube ist für mich eine Tatsache.

 

Niemals werde ich dafür sein, dass die Leute Cannabis so kaufen können wir Alkohol, z.B. Päckchenweise beim Rewe. Ein Verkauf sollte, selbst wenn er legal ist, reguliert ablaufen: Auch bei Alkohol. Ich werde es nie für gut heißen wenn ein 13, 14 oder 17 Jähriger irgendwo legal kiffen kann, selbst wenn es in der Gegenwart viele Bereiche in Deutschland gibt, wo das Gang und Gäbe ist. Auch Erwachsene sollten nicht überall Drogen konsumieren, jedoch mitführen dürfen. Kriminalisierung hat uns weder gerettet noch weiter gebracht.

Für mich persönlich  ist es ein großer Schritt zu sagen, dass man im Prinzip alle Drogen legalisieren sollte, denn dagegen war ich immer. Das hat auch viel damit zu tun, dass irgendwelche Vollidioten, die gerne kiffen, sagen, wie geil das doch ist und jeder Mensch dadurch besser wäre und die Gesellschaft supertippitopi würde, wäre Kiffen legal. Nein. Deswegen bin ich nicht dafür. Ich bin dafür, da der Krieg gegen die Drogen so nicht funktioniert.

 

Als langjähriger Drogensüchtiger bin ich für sauberen Stoff und dagegen, dass Leute wegen Eigenkonsum-Mengen eingesperrt werden. Von den zigtausenden die in Lateinamerika wegen des Drogenhandels und denjenigen, ganz egal wo auf dem Planeten, die ob des Konsums leiden oder gar daran zugrunde gehen ganz zu schweigen.

Die oben erwähnte Argumentation der Cannabis-Legalisierer hat ein Problem: Man nimmt Drogen nur bis zu einem gewissen Punkt freiwillig und zum Spaß. Irgendwann kommt meistens der Punkt wo die Sucht den Lebensrhythmus vorgibt, was von den Legalisierungsbefürwortern gerne übersehen wird: Ja, es gibt auch die Drogensucht. Man kann die Menschen leider nicht nur der Selbstverantwortung überlassen, denn aus persönlichen Erfahrungen weiß ich, dass die Sache irgendwann und dafür sehr schnell ins Rutschen kommen kann. Wie kann man also überhaupt für eine Legalisierung eintreten, wenn das Beispiel Alkohol zeigt, wie schlimm die Geschichte werden kann, mit Tausenden von Toten  jedes Jahr auf der Seite der Konsumenten? (oder Tausende Hirntote-Kiffer? Oder Blödgefeierten – Unwort – Ravern?)

 

Alkohol ist ein gutes Beispiel, da es ein schlechtes Beispiel ist. Hier hat sich gezeigt, wie eine Legalisierung nicht funktioniert. Aber. Aus diesem Beispiel kann man lernen. Ich finde, wenn man Substanzen erlaubt, muss das nicht heißen, dass man sie auf einen Standard erlaubt, wie Alkohol. Ganz im Gegenteil. Man muss bei einer XTC- oder Cannabis-Legalisierung den Alkoholkonsum, also den Verkauf eindämmen. Jeder bekommt von mir aus einen bestimmten Monatsbedarf zugesprochen, den er über die Krankenkasse abrechnen kann, Schimpfwörter wie RFID-Chips könnten  da weiterhelfen. Lacht nicht. Was fürs Kiffen ein Modell ist, muss Zwangsläufig auch ein Modell für Alkohol werden. Kontrollierte Abgabe, anders geht es nicht.  Natürlich lässt sich auch so ein System umgehen (Kumpel kauf mir mal was auf deinen Vorrat), das wird aber immer so sein.

 

Der Weltstaat müsste keinen Krieg gegen die Drogen inszenieren, der ohnehin mehr Leben kostet als rettet. Millionen, ach was Milliardengeldsummen könnten gespart werden und ich würde sie in Prävention und Aufklärung stecken. Während ich hier sitze wird in meiner Landeshauptstadt das Oktoberfest abgehalten, und warum nicht dort große Kampagnen gegen den Alkoholkonsum starten? Bringt nichts? Stimmt nicht. Mit dem Rauchen ist es doch genauso. Vor 50 Jahren hätte man mich auch ausgelacht wenn ich Raucher vor die Tür geschickt hätte: Heute ist es Normalität. Der stete Tropfen… Ihr wisst schon. Und die Quote derer die zu Rauchen anfangen sinkt auch immer weiter, Anti-Drogen-Kampangen funktionieren also, wenn man sie zielgerichtet und auf hohem Niveau führt.

 

Ich gönne jedem seinen Drogenrausch, solange es ein RAUSCH ist und keine Gewohnheit, wenn es also schon gar nicht mehr kickt und man es trotzdem macht. Deswegen soll jeder das Recht haben einmal oder zwei Mal im Monat sich mit LSD oder was weiß ich abzuschießen. Doch nicht im Verborgenen, nein, an Orten wo er auch Hilfe bekommt, wenn es mal nicht so gut läuft mit dem Draufsein. Das Stigma des Drogenkonsums muss weg und schon erreicht man wieder viel mehr Menschen, die man heute als verloren  ansieht.

Drogenkonsum an sich soll nichts Gewöhnliches werden, nicht so wie: Mir ist langweilig und ich gehe jetzt mal zur Tanke und hole mir nen Wodka Gorbatschow aus der Dose. Drogen sollten Event-Charakter haben und dann auch toleriert werden.

Dabei wird es immer einen Schwarzmarkt und menschliches Elend geben. Immer. Nur muss man die Möglichkeit einer humanen Gesellschaft erhalten. Und warum soll ÜBERWACHUNG in jedem Fall etwas Schlechtes sein?

 

Das Ganze ist natürlich ein Hirngespinst, ein wenig von Utopia darf man aber wohl auch noch träumen, oder? Und vielleicht sollte man den Staat nicht immer auf allen Ebenen verteufeln und Regulierung nicht gleich als die Zerstörung der persönlichen Freiheit begreifen. Manchmal wissen doch andere was besser für dich ist. Mutti hatte ja auch nie ganz Unrecht.

 

Legalisiert wird werden. Früher oder später. Auf die eine oder andere Art. Und ich bin gespannt  was dieser anstehende Tabu-Bruch für eine Gesellschaft generiert. Denn mit der Drogenlegalisierung ist es wie mit dem Etablieren der freien und offenen Sexualität im letzten Jahrhundert.

Heute leben wir in ein durch sexualisierten Gesellschaft. Ich kann mir überall Sex kaufen, ansehen und selbst für umsonst ins Internet stellen. Vor Jahrzehnten war noch eine Nacktszene im Kino ein Skandal – wie wird es dann erst mit der legalen Massenverbreitung von Drogen sein? Ich. Bin ja kein Freund der übermäßigen Sexualisierung, die bei uns allerorts anzutreffen ist. Ich finde, diese Form von Sex fehlt es an Würde und Anstand, was sich auch mit dem Respekt auf meinen (schlimm/schönes Wort) Nächsten überträgt. Denn das ist doch die Frage liebe Regulierungsfreien Legalisierungsbefürwörter: Was wird mit der Gesellschaft geschehen, wenn ihr alles frei nehmen dürft? Seid ihr wirklich so naiv zu glauben, dass dann alles besser wird?

Meiner Meinung nach hat der Respekt dem anderen gegenüber mit einem höheren Maß an (Sexueller)Freiheit nicht gerade zugenommen. Im Gegenteil. Was wird nach der sexuellen Revolution, die Drogenrevolution hervorrufen? Werden wir noch unverantwortlicher werden? Und wird das Wort „Freiheit“ nur noch mit „Marktfreiheit“ gleichgesetzt?