Menschen bauen Götter

Ich bin so müde, mir ist dadurch körperlich übel. Ein ekliger Kloß im Hals, der sich nicht weg schlucken lässt. Druck auf den Schläfen. Unter den Augenlidern. Keine Ruhe. Weder für den Toten der ich einmal war, noch für den Lebenden, der ich gerne wäre.

Allein Anschein nach hat Jonathan Safran Foer in zwei seiner Bücher die Feststellung verwendet, dass jetzt, zu dieser Zeit, in diesem Augenblick, mehr Menschen auf diesem Planeten leben als es in der gesamten Menschheitsgeschichte insgesamt gab. Dem muss man sich mal gewahr werden. Um zu verstehen was hier los ist. Und um zu begreifen, was da wohl noch kommen mag.

Lassen wir mal den ganzen, ebenfalls ekligen Trumpismus weg der uns von überall wie unkontrolliert schwappende Jauche in einem offenen Anhänger entgegen spritzt. Es ist auch egal WODURCH es geschieht, wenigstens mir ist es egal, sicher bin ich mir aber, dass es eines Tages keine Menschen mehr geben wird.

Eines Tages, in 100 oder 1000 Jahren, wer weiß? Wird die künstliche Intelligenz uns selbst obsoleten gemacht haben, was nicht schlimm ist, im Gegenteil, es wäre wunderschön, eine ist für mich pure Evolution. Wenn es glückt, dann ist es kein Drama. Der Mensch überlebt sich selbst. Selbst Sterne überleben machen das.

Wenn es keine Menschen, nur diese besondere Form von Maschinen gibt (die nichts mit den Maschinen gemein haben werden, wie wir sie kennen), die wir eines Tages schaffen werden und mit dessen Bau wir vor ein paar Jahren begonnen haben – durch die Erfindung der Nano-Technologie, durch das Ausufern des Internets in die reale Welt – und deren Endfertigung keiner der jetzt lebenden Menschen mehr mitbekommen wird, ganz egal ob sie mehr Menschheit sind als jemals zuvor, dann werden diese Maschinen, diese höheren Lebewesen die mit Fertigkeiten ausgestattet seien werden, die wir uns jetzt nicht vorstellen können (kollektives Bewusstsein durch digital vernetzte Medien kann da nur ein Anfang sein), dann werden sie irgendwann einmal vergessen, dass es uns Menschen gab. Sie werden nicht mehr wissen, wer sie geschaffen hat, wer ihr „Gott“ und Schöpfer war, da sie zu sehr mit sich selbst und mit ihrer Form von Leben, ihrem Überleben beschäftigt seien werden um jegliche Erinnerung zu speichern. Zeit frisst alle Erinnerungen. Es wird Kriege geben, auch wenn sie unseren nur ähneln. Naturkatastrophen. Einflüsse durch den Planeten und von außerhalb. Schüchterne Ahnungen werden sie noch von uns haben, wie wir Ahnungen über die Steinzeit-Revolutionäre besitzen: Das heißt sie werden im Dreck wühlen und aus der Vergangenheit Geschichten erfinden. Manche werden wahr sein. Andere nicht.

Ich halte diese Theorie für sehr logisch und naheliegend, denn in dieser Überlegung, die sich mir vor ein paar Wochen aufgedrängt hat, liegt die Entstehung des Menschen selbst; ich glaube, so ist auch der Mensch entstanden.

Wir wissen nicht mehr wer oder warum wir geschaffen wurden, aber da muss etwas gewesen sein, etwas, dass sich über sich selbst hinaus entwickelt hat, so wie wir es tun, wenn wir denkende Maschinen bauen. Irgendetwas muss sich überwunden haben, vielleicht in einem parallelen Universum, vielleicht in einem Himmel, wer weiß, und es hat sich durch seine Form von Technik und Wissenschaft selbst überwunden, hat sich selbst und seine Existenz in den Schatten gestellt und hat den Urkeim dafür gelegt, was heute ist. So wie wir Leben im Reagenzglas erschaffen, wurden wir einst erschaffen. Und so wie das Leben im Reagenzglas Jahrtausende später nicht mehr nachvollziehen kann, wer das Glas mit Wasser gefüllt und den „URKEIM DES LEBENS“ dort zum Vorschein brachte, so ist es auch umgekehrt: Die Kausalkette, die Zeitgerade ist zu lange, als dass eine Erinnerung möglich ist. Wer immer das Universum, den Urknall, Alles erschaffen hat, dieser Wissenschaftler, den wir Gott nennen, der aber nur das Ende eine Kette von Wissenschaftlern ist, denn er selbst ist sicherlich nur das Ende einer Entwicklung gewesen (oder nicht einmal ein Ende, sondern nur ein Teil davon) die sich über viele Generationen hinzog, Jahrtausende, Jahrmillionen lang um das zu erschaffen, was heute ist; er erschuf aus scheinbar Nichts Materie, so wie wir, die Menschheit, aus künstlich erschaffener Energie und deren Daten eigenes Leben entwickeln werden. Wir kennen diese Lebensform nicht und noch weniger ihre Wissenschaft, die sie verwendet hat. Haben keine Vorstellung davon, wer sie waren, was sie waren und was sie im Schilde führten. Sie sind weder Außerirdische, noch waren sie keine. Sie waren einfach anders. Ein Zivilisation aus (von mir aus) denkendem Nebel (um es zu veranschaulichen), der Fleisch und Gedanken aus Molekülen erschaffen hat, so wie wir heute Roboter bauen (selbst die Robotik hat eins mit Faustkeilen begonnen) Firmen aus komischen Nebeln, Energie und Bewusstsein.

Meiner Theorie nach ist es somit unmöglich zu ergründen was vorher war, wer uns erschaffen hat, ebenso wie die „Maschine“, das höhere Wesen von übermorgen, nicht verstehen wird, wie Bewusstsein in Zellen entstehen kann, ohne Schaltkreise, genauso wenig können wir begreifen, wie es Bewusstsein ohne Zellverbindungen geben kann, die uns am Ende vielleicht sogar auch noch erschaffen hat; aus Gasen und Stein wurde Fleisch, aus Fleisch wurde denkender Kunststoff und Metall, irgendetwas wird auch danach kommen. Die Revolutionen der Evolution hören niemals auf. Während wir immer wieder vergessen werden, gefangen in unserem Alltag und unserem Überlebenskampf, warum das alles geschieht, der schlicht auf die Antwort zurück geht, dass der Nebel es einfach lernte zu können, so wie jemand diesen Nebel aus Bewusstsein erschuf, jemand, für den es in unserem Gehirn nicht einmal mehr eine Metapher gibt.

Natürlich glauben wir da an Zauberei. An Götter. Oder auch nur an einen einzigen.   Und suchen nach einem Sinn. Einer Richtung, die uns sagt wohin. Dabei sind wir alle nur ein Teil einer Bewegung, ein Mosaik, eine Zelle in einer Jahrtausendlangen Entwicklung, die zu etwas Höherem führt, zu etwas, das wirklich göttlich sein wird im Vergleich zu dem, was wir heute kennen und machen können. Eine Form des Übermenschen der nichts Menschliches in sich tragen wird außer: Der gesamten Erinnerung und Intelligenz der Menschheit, die zu diesem Punkt geführt hat. Das wäre doch fantastisch.

Was ich damit sagen will ist, dass jeder Mensch wichtig ist, dass jeder Mensch ein Teil einer höheren Entwicklung ist, dass jeder notwendig ist, ganz egal wie unwichtig er sich fühlt oder er auch behandelt wird und dass der Sinn, das große Ganze nicht im einzelnen Subjekt liegt, nicht einmal in einem Volk, oder einem Jahrzehnt, nein, es liegt im großen Ganzen, in der Gesamtheit der Menschheit, aller Menschen, die jemals gelebt haben und die leben werden. Daran was aus ihr wird. Was sie sich erträumt.  Das Leben ist ein Prozess. Und wir haben Alle daran teil.

Ich weiß nicht wie ihr das seht, ich aber finde das wunderschön. Dass wir alle, jeder, ein Teil von etwas größerem sind, das uns perfekt macht. Das Traurige ist nur, dass wir uns selbst dafür zerstören und überleben müssen, dass Milliarden dafür leiden und geopfert werden müssen. Die Evolution ist kein Zuckerschlecken. Und kein einzelner wird jemals gewinnen können: Jeder von uns ist dazu verdammt einsam und alleine zu leben und zu sterben, oder das Glück begreifen zu können, Teil von etwas unglaublich schönem zu sein. Das ist das Dilemma.

Werbeanzeigen

GHOST IN THE SHELL – Official Teaser Trailer (2017) mit Scarlett Johansson

Ich bin ein Mann. Deswegen stehe ich auf Scarlett Johansson. Von der sollte es eh viel mehr geben (junge, ältere – ALLE). Nur als „Major“ Motoko Kusanagi in Masmamune Shirows Meisterwerk (MEISTERWERK!!!) „Ghost in the Shell“… Ich weiß nicht…

Bei dem Thema bin ich nicht nur Fan, da bin ich Nerd. Und auch wenn die ersten Teaser nicht den schlechtesten Eindruck hinterlassen, zeigt sich hier auch ein eindeutiges Problem: Menschen sind zu menschlich um Figuren aus dieser Welt zu spielen. Gerade so ne Hammerbombentraumfrau wie die gute Frau Johansson.

Der größte Kritikpunkt am Anime „Ghost in the Shell“ aus dem Jahre 1995 (ich weiß noch wie ich mit 14 wohl als einer von gerade mal 100 Jugendlichen in ganz Deutschland auf den Film hingefiebert habe, kannte man hier ja nicht, das war VOR der Globalisierung) war immer, dass der Film zu kalt sei. Die Figuren agieren und wirken abstoßend und kühl. Die Zuschauerdeppen (wir) wollen sich doch mit den Figuren identifizieren (warum sollte man das eigentlich wollen?) Auch die philosophische Grundstimmung war nicht jeder Manns Sache. Die Kritik ist richtig. Das sollte aber auch so sein. Gegen „GitS“ war der ebenfalls legendäre und auch kühle“Blade Runner“ im Vergleich ein Hippie-Movie von Russ Meyer (auch ein guter Mann, nur eine andere Geschichte).

 

An sich ist die Besetzung von Johansson sehr logisch. Sie ist ein Promi und erfüllt die Körperlichen Merkmale der Figur. Nein. Es geht gar nicht um Johansson an sich, es geht darum, ob dieser Film überhaupt in „life action“ umzusetzen ist, da er viel zu futuristisch ist; ganz im Gegensatz zum anderen epochalen (ja, heute wird alles ein wenig superlativiert) Anime „Akira“, für dessen Verfilmung man nur unglaublich Film Geld benötigen würde, um ihn glaubhaft darzustellen. Denn dort handeln Menschen, keine Maschinen. Das Dilemma von Johanssons Charakter ist aber, dass sie selbst kein Mensch mehr ist, nur ihr Gehirn entspricht dem eines Menschen, was sie vor die Frage stellt: Was bin ich und was bedeutet es menschlich zu sein? Kann ich mir selbst noch trauen oder bin ich fremdgesteuert? Was bedeutet es nur die Summe von Informationen und elektrischen Impulsen zu sein?

 

Der Film wird natürlich angesehen. I freu mi drauf!

 

Er beruht nebenbei NICHT auf dem Anime „Ghost in the Shell“, nein, er beruht auf der Serie, nicht auf dem Spielfilm (was wohl wegen des Endes des Animes auch verständlich ist) und wir werden der Lösung des Falls vom „Lachenden Mann“ beiwohnen. Wir dürfen gespannt sein, ob das auch in einem Spielfilm funktioniert.

 

Hier noch mal der Anime von 1995:

Nicht gut, jedoch auch nicht ganz schlecht gealtert, von der Optik her. Story mäßig war der seiner Zeit unglaublich weit voraus 🙂

(Macht den Untertitel an)

„Stalker“ von Andrej Tarkowski

Hab den Film vor ein paar Minuten zum ersten Mal gesehen.

Und das ist sicherlich einer der besten Filme die jemals gemacht wurden…

Alter Falter. Harte Suppe… Verdammt ist der gut.

Warum macht man heutzutage nicht mehr solche Filme? Philosophisch, visionär, spannend, dramatisch und packende Schauspieler. Wofür zum Himmel werden in diesen Tagen zig Millionen verbrannt, wenn man mit „so wenig“ so unglaublich viel machen kann?

Nicht zu Unrecht unter den 100 besten Filmen bei Filmstarts

Angst essen Seele auf – im Jahr 2015

Flüchtlingskrise, wer will davon noch hören? Von allen Seiten wird man mit dem Thema zugerockt, von allen Fronten wird ständig geschossen.

Wir leben in einem Zwei-Parteien-Nachrichtensystem, in dem einerseits ständig an die Mitmenschlichkeit appelliert wird (und wenn man sie umsetzt sie sofort als „Gutmenschentum“ und eigentlicher Egoismus gegen einen verwendet wird) oder im Gegenteil die großen Warner unterwegs sind, die so einiges behaupten zu wissen, wie zum Beispiel dass die Flüchtlinge selbst ihre (unsere!) Not-Unterkünfte in Brand stecken und es in Wahrheit doch nur eine inszenierte Flüchtlingswelle ist, an denen entweder die Amerikaner schuld sind, um uns wirtschaftlich zu schädigen, oder der Islamische Staat, der uns mit der Waffe Mensch unterwandern und schließlich aushöhlen will. Nur so zum Beispiel.

Mann, Mann, Mann… Was habe ich die letzten Wochen zu dem Thema gehört, gelesen und diskutiert. Bild-Zeitung, Spiegel-Online, Heute-Magazin, Tagesschau, RTL-2-Nachrichten, Verschwörungstheorien und Deutungshoheiten auf Facebook und in allen möglichen Kommentar-Spalten. Ein Wahnsinn.

By the way. Gesehen habe ich in Echt noch keinen einzigen Flüchtling. Das Echteste war noch ein Foto einer Freundin aus einem Österreichischen Bahnhof von vor zwei Wochen.

Es wird so viel geredet und auch gehetzt, dass ich schon längst den Überblick verloren habe, was genau eigentlich gerade wo geschieht. Ich glaube. Damit bin ich nicht alleine. Auch die „Experten“ aus dem Fernsehen scheinen da auch nicht klüger als ich  zu sein, denn jeder „Experte“ erzählt etwas anderes – schließlich werden die nur fürs Reden bezahlt, nicht um wirklich bewegende Aussagen zu treffen.

Die ganze Zeit wird viel über die Flüchtlinge gesprochen, nur irgendwie – nie mit ihnen. Außer es geht darum um sie a) als Flüchtlinge an sich oder b) als Meute dazustellen, die irgendwas will.

Nur. Was wollen diese Leute eigentlich bei uns? Ich meine, was haben sie für eine Vision für die Zukunft? Was haben die vor? Wollen die sich nun – und im Prinzip ist das doch die Debatte um die es doch überall geht – integrieren, oder nicht? Wie weit geht ihre „Dankbarkeit“? Was verlangen sie von uns? Und was sind sie selbst bereit von sich aufzugeben, um bei uns zu leben? Auch ihre religiöse Identität? Auch ihre Kultur? Wie offen sin diese Menschen, die von den Einen mit so genannten offen Armen empfangen werden, während sie Andere wieder zurück jagen wollen woher sie kamen?

Über die Angst unter den gewöhnlichen Leuten hier bei uns, in der Arbeit, im Bekanntenkreis, habe ich schon oft und viel erzählt, auch, dass ich das für ganz gewöhnlich, ja, für vollkommen normal halte: Man kann nicht von Menschen, die man Jahrzehnte lang dazu erzogen hat, vernünftige Bausparer  mit einer „planbaren und vernünftigen Zukunftsplanung“ zu sein, so von jetzt auf sofort erwarten, mit einer so großen vorher nicht ausrechenbarer Unregelmäßigkeit klar zu kommen. Und es hilft dabei noch weniger, diese Furcht vor dem Neuen mit latentem Rassismus gleichzusetzen.  Es ist doch in Wahrheit vernünftig während eines Vorgangs danach zu fragen, wie dieser enden wird…

Gerade habe ich dazu in der SPEX einen guten Artikel gelesen, sehr klug, sehr analytisch, fast schon philosophisch, wenn auch viel zu links für meinen Geschmack, was das Ganze wieder ein wenig schal machte… Da macht die Haltung den Ansatz wieder ein wenig kaputt.

Vor ein paar Monaten forderte ich selbst noch HALTUNG. Die Menschen sollten doch mehr HALTUNG zeigen und sehr schnell musste mir leider klar werden, dass die meisten Leute unter HALTUNG verstehen, sich in ein System einzuordnen um dann den voll nervigen Oberlehrer zu geben… Es geht aber nicht um die Haltung und Positionierung IN einem System. Sondern in einer Haltung über das System hinaus. Ein zwischen den Stühlen stehen.

HALTUNG bedeutet für mich eben sich nicht unter einem Banner zu vereinen um „Arschloch!“ oder „Ausländer raus!“ zu brüllen.

Zurück zum Thema:

Sehr kluger Text. Schön… Und jetzt? Das ist nämlich das eigentliche Problem: Wir können das Thema zerlegen und allen möglichen Partei die Schuld zuschieben, dem Kapital,  den Amerikanern, den Russen, Assad, dem Islamischen-Staat, Angela Merkel, Horst Seehofer, Ungarn, dem Islam an sich, den Links-Wichsern, den dummen Nazis, Schleppern, der Waffen-Lobby, den naiven Deutschen, den reichen und hartherzigen Deutschen, den Syrern selbst – ALLEN. Wir können das Thema auch von allen möglichen Seiten durchleuchten, analysieren, psychologisieren, wissenschaftlich auswerten, es auf linksdrehen und auf den Kopf stellen. Schön.

Was wir aber von nirgendswoher bekommen, ist eine wirkliche Vision für die Zukunft; wie geht es weiter? Und wo sind eigentlich die Science-Fiction-Autoren wenn man sie braucht?

Den ganzen Tag wird man zugeschissen mit Politik und Wirtschaftsdaten, mit realem Elend und Moralin verseuchten Debatten, nur eine wirkliche Zukunftsvision, die findet man nirgends – außer bei denen, die Deutschlands Untergang schon seit dem 11. September 2001 fürchten und vorhersagen.

Wo sind die Denkfabriken? Wo sind die think tanks? Wo sind die verrückten Schriftsteller und Drehbuchautoren, die die Geschichte wenn auch nicht zu Ende,  sondern ein wenig in die richtige Richtung weiterdenken?

Die Frage ist doch: Was macht dieses Flüchtlingsdrama mit unserer Gesellschaft?

Ihr wollt das die Menschen keine Angst mehr haben und offen sind für einen neuen Lebensabschnitt – denn der steht uns bevor – dann nehmt ihnen diese Angst. Sagt ihnen nicht nur, für was ihr sie JETZT haltet. Sondern was man aus ihnen machen kann.

Wer wir werden können. Und wer wir werden müssen.

So etwas sollte Politik leisten können.

Nicht noch mehr Angst und Unsicherheit schüren.

Denn diese Form von Angst. Diese Form der Unsicherheit. Die frisst unsere Seelen auf.

Es reicht nicht nur zu sagen: Wir wissen wer wir sind, und wir wissen, wie wir auf die Umstände reagieren können oder könnten.

Wir müssen wissen was wir wollen. Und warum wir es wollen. Denn eine Reaktion ist immer nur eine flüchtige Bewegung. Doch sie treibt uns in weitere Reaktionen. Man wird zum Getriebenen.

Fleming auf der Wolke

„Bin ich, ist Ich in jeder Zelle?
Wohl kaum ist „Ich“ die Summe des genetischen Materials,
als wäre die Musik im Schaltplan des Radios.“
Einstürzende Neubauten – Redukt

Mit den neuen technischen Möglichkeiten kommen auch neue Philosophien über das Leben an sich auf. „Matrix“ lässt grüßen (okay, „Matrix“ war auch nur ein Abklatsch von Rainer Werner Fassbinders „Welt am Draht“), denn bevor es die Technik nicht gab, war auch die Vorstellung über eine mögliche „Matrix“ unmöglich. Die Möglichkeiten einer Philosophie muss immer etwas mit den technischen Standards, Möglichkeiten und Utopien einer Zeit zu tun haben, denn die Gegenwart ist es, die das Denken und die Träume beeinflusst. So betrachtet sind Höhlenmalereien die Raumschiffe und Außerirdische zeigen erschreckend, denn, diese Malereien hatte nichts (aber auch gar nichts) mit der Gegenwart der Schöpfer dieser Malereien zu tun – oder vielleicht doch? Ich meine, wie sollte sich ein Urzeitmensch überhaupt ein Raumschiffe erträumen, wenn er nicht einmal schreiben kann?
Egal 😉
Darum geht es mir jetzt nicht, sondern um eine andere Spinnerei.

Es geht mir um die „Cloud“. Was man früher noch als Wölkchen am Himmel mit dem ewig gleichen Scherz dazu übersetzt hätte („Die tun nichts, die wollen nur spielen“), ist jetzt ein Begriff für das dezentrale Speichern von „Informationen“ (wenn man es so nennen will); nein, das hat nichts mit NSA zu tun…
Meine XBOX-Spielstände speichere ich in der Cloud im Internet bei Microsoft, meine gekauften MP3s sind für mich jederzeit bei Amazon in der Clud verfügbar und ich kann sie überall anhören oder herunterladen usw. usf. Ist natürlich eine nette Spielerei, im Endeffekt habe ich trotzdem alles lieber auf meiner Festplatte – die Zukunft gehört aber nicht den Festplatten.
Weil ich ein Idiot bin hat mich das zum Nachdenken gebracht: Wie ist das eigentlich mit dem Menschen?

Die graue Grütze in unserem Kopf kann doch unmöglich das sein, was mich hier gerade eben schreiben lässt. Jetzt mal im Ernst, das ist doch irgendwie unglaublich, dass alles was ich bin, weiß und jemals erlebt habe in Zellen in mir gespeichert ist. Klar. Es ist so verrückt, dass es wahr sein muss, denn, wo soll ich denn sonst sein, wenn nicht in mir selbst? Vielleicht aber funktioniert so ein menschlicher Verstand, ein echter denkender Mensch an sich wie das Cloud-System, wo meine Musik gespeichert ist, die Spielstände meines echten Lebens…

Ich bin die Hardware und meine Softwarte ist irgendwo anders dezentral gespeichert. Je nach Situation werden andere Informationen in mein Hirn runtergeladen und verwaltet, je nach Anforderung und was man gerade glaubt zu brauchen. So. Als wäre der Mensch an eine Art Internet angeschlossen (von mir aus könnt ihr jetzt auch mit der „Matrix“-Philosophie kommen, dass das alles nur ein Traum ist…) und wir würden unsere Persönlichkeit extern speichern.
Sieht man sich die letzten tausende Jahre menschlicher Entwicklung an, ist das natürlich absoluter Humbug. Im Jahr 2014 aber ist das eine mögliche Erklärung für den Status Quo meines Daseins. Die Cloud-Philosophie ist eine Möglichkeit das Leben ein wenig zu erklären. Und wenn man noch etwas Carlos Castaneda hinzu nimmt mit seinen Energien und das alle Menschen miteinander verbunden sind (anders: wir sind Alle in der gleichen Cloud gespeichert) könnte man mit etwas Esoterik die Theorie aufhellen.

Der Körper wäre nur so etwas wie ein Avatar den wir über eine gewisse Zeit besetzen, doch unser „Ich“ kommt von wo ganz anders her und ist unsterblich… Eigentlich eine schöne Philosophie oder? Wir sind mit unserem Avatar verbunden und wenn er zu viel Schaden nimmt, müssten wir ihn verlassen und uns in einen neuen, frischgeborenen Körper herunterladen. Alkohol und Drogen würden die Verbindung zu unserem Cloud-Ich eintrüben, der Server könnte nicht richtig auf uns als Menschen zugreifen, weswegen der Körper sich plötzlich ganz anders fühlt als sonst: Frei und glücklich von zu viel dezentralem Bewusstsein. Man fühlt sich viehisch und tierisch, weil man nicht mehr direkt von der Cloud (der Vernunft) beherrscht und eingedämmt wird…

Ich weiß, eine Spinnerei, doch das wird an Fasching wohl auch erlaubt sein 🙂

Reich frisst Arm und den Planeten gleich dazu – Reich wird gewinnen

Ich glaube irgendwann wird es so viele Menschen geben, dass die Meisten hungern oder verhungern werden, dass es nur ein Minderheit geben wird (bestimmte Staaten), die über sauberes Wasser und Nahrung verfügen werden, die sich von anderen Ländern isolieren, dass es wie immer die Schwächsten am Härtesten treffen wird, die sich gegenseitig auffressen werden; wer weiß, vielleicht züchtet sich der Mensch eines Tages selbst Menschen heran, die er verspeist, so wie heute Kindersoldaten herangezüchtet werden oder Kinder, die direkt in die Prostitution verkauft werden. Dabei glaube ich aber auch, dass dieses finstere Mittelalter, welches uns noch bevorsteht, nur eine Episode im Dasein des Planeten ist (für ihn ist es ein Augenzwinkern) und nur eine Ära in der des Menschen, stand heute: 7 Milliarden Menschen. Jeder davon ist einzigartig, doch um keinen ist es evolutionstechnisch besonders schade wenn er fehlt.

Der Mensch ist ein Parasit, der alles frisst und benutzt, was ihm in den Weg kommt. Da ist es nicht schlimm, wenn von den 7 Milliarden Parasiten sagen wir mal 3 Milliarden geopfert werden, damit der Parasit sich selbst und seinen Wirt retten kann. Und wenn es so weitergeht mit der Überbevölkerung und dem Zügellosen Kapitalismus, dann wird das passieren.

Ich finde nicht einmal, dass das ein Schreckensszenario ist. Wieso denn? Natürlich weine und trauere ich um jeden in meinem Bekanntenkreis, der stirbt. Das sind Dramen für mich. Was aber interessiert das die Evolution? Der ist das vollkommen egal. Vermutlich ist die nächste Stufe der Evolution des Menschen eine technische, und danach wird irgendwann einmal der Punkt kommen, wo die Überlebenden Milliarden sich über die… Nennen wir sie „andere Milliarden“ evolutionieren. Vielleicht ist das sogar schon im Begriff zu passieren. Lampedusa erinnert uns daran, was Evolution ist. Auch wenn jetzt alle betroffen tun. Und es natürlich wirklich eine Sauerei ist. Aber wartet mal ab, bis wir 10 Milliarden Menschen sind. Da bin ich gespannt was unsere Moral in der Zukunft noch wert ist – wahrscheinlich ist sie ein Anachronismus aus den Geschichtsbüchern. Vielleicht hat man dann eine neue Form der Moral (so wie die Amerikaner es mit ihrer „Freiheit“ gemacht haben), etwas, dass wir heute noch nicht „erreicht“ und „verstanden“ haben und das Ganze auf den Kopf stellt was wir uns heute erträumen und gutheißen, als schützenswert erachten – der Mensch hat immerhin den Humanismus zu der Zeit erfunden, als er die Indianer ausgerottet hat…
Nein, ich glaube an kein Umdenken der Menschen. Dafür sind sie viel zu egoistisch. Ich selbst natürlich auch. Aber ich glaube an die Evolution. Nicht unbedingt an den Teil mit den Affen. Sondern daran, dass der Mensch einmal im Wald oder in Höhlen lebte, und die Zivilisation nach und nach entstanden ist. Und dass ungebremste „Zivilisation“ (das Wort ist witziger weise nur positiv konnotiert) zu Städten geführt haben und dass wir unseren Lebensraum immer weiter und weiter verändern werden. Und so wie wir bestimmte Tierarten ausgerottet haben, werden eines Tages auch bestimmte Menschenarten ausgerottet werden. Nicht wegen ihrer Religion, sondern wegen ihrem Lebensraum, der sie nicht mehr ernähren können wird. Auch die Science-Fiction wird sie nicht retten, denn die Science-Fiction werden jene haben, die eh alles haben, so wie heutzutage für viele Menschen eine Wassertoilette keine Selbstverständlichkeit ist, sondern auch auf eine bestimmte Art so etwas wie Science-Fiction.
Das ist nicht schlimm. Nicht für mich. Ich kann sogar locker noch ein paar Pfunde zulegen. Bis zu einem gewissen Grad werden wir das Alle tun. Irgendwann aber wird die Evolution des Menschen, die gerade schleichend vorangeht, sichtbar werden. Auch das ist nicht schlimm. Das ist unsere Natur.

Recall

Irgendwann wird es sie einmal geben: Die Firma „Recall“. Der Name ist irreführend. Noch irreführender sogar, wenn man weiß, dass er aus dem Film „Die totale Erinnerung“ von Paul Verhoeven entnommen wurde (der wiederrum auf einem Buch basiert), wo es um gefälschte, (genauer) projektierte Erinnerungen geht, die die Firma „Recall“ dem Konsumenten in sein Gehirn implantiert. Die Firma „Recall“ in meiner Vision, würde etwas ganz anderes verkaufen:
Sie löscht Erinnerungen.

Wer sind wir? Wir sind die Summe unseres Lebens, unserer Erfahrungen. Gute wie schlechte Erfahrungen haben uns geprägt, uns gefördert, aber auch ausgebremst; wer wären wir, wenn wir bestimmte Erfahrungen nicht gemacht hätten? Könnten wir glücklicher sein, wenn bestimmte Ereignisse in unserem Leben gelöscht werden könnten? Die Erinnerung an den Ex-Freund zum Beispiel. Die mangelnde Liebe, die wir von unseren Eltern bekommen haben. Die schlimmen Jahre in der Schule, wo wir vielleicht unterdrückt wurden. Oder wie wäre es mit traumatischen Erlebnissen? Kriege. Unfälle. Anschläge. Oder mit gewissen Neigungen, die wir lieber nicht hätten, vielleicht sogar eine Gefahr für die Gesellschaft sind, wie pädophile Tendenzen, die wir uns mit dem Jahren nach und nach antrainiert haben? Meine Firma Recall würde die Probleme lösen können.
Natürlich zeigt bei der Überlegung mir jeder den Vogel, so ein Unsinn! Was uns ausmacht entsteht doch oft genau dadurch, was uns unangenehm war. Das definiert uns mehr als die Tage im Zoo mit unseren Eltern!
Die Vorstellung ist gewiss Unsinn. Science-Fiction. Doch wer weiß was eines Tages möglich ist?

Natürlich würde die Technologie von Staaten, Terroristen und Militärs missbraucht werden (ganz klar), aber das ist so natürlich, dass es keine Rolle in meiner Überlegung spielt. Ich frage mich eher, ob einen so eine Technologie wirklich freier machen würde? Hätten wir nicht ein viel unbeschwerteres Leben, wenn wir die alte Liebe einfach so (Zack!) aus unserem Gedächtnis löschen könnten, anstatt ihr Jahrelang nach zu heulen? (Dieser Text wurde nebenbei NICHT aus einem aktuellen, diesbezüglichen Anlass geschrieben 😉 ). Oder der Kampf mit der Drogensucht? Selbstmordgedanken? Man könnte einfach den „Reset“-Knopf drücken…
Dabei denke ich nicht, dass so „Zack – Wumm“ die Probleme wirklich vollkommen getilgt wären, sondern das irgendetwas immer nachhallen würde, aber man wäre etwas beruhigter. Man wäre freier von sich selbst. Aber wäre man dadurch auch glücklicher?

Vermutlich könnte man sogar noch weitergehen. Man könnte gewisse Dinge aus seiner Vergangenheit löschen, die einem dabei helfen intensiver zu leben. Was sind denn Angst und Liebe außer die Klischees von Erfahrungen von uns, die auf Erinnerungen beruhen? Könnte man also gewisse Details aus seinem Verstand löschen, die negativ mit dem Thema Liebe behaftet sind, könnte man reiner, intensiver, wirklich unverbrauchter lieben… Es wären nur die guten Erfahrungen, an die wir uns erinnern können… (davon abgesehen, dass Einen enttäuschte Liebe an einem anderen Punkt in einer neuen Beziehung auch viel mehr lieben lassen kann…).

Ich bin mir nicht sicher, ob man sich so den perfekten Menschen oder die ebenso lautende Gesellschaft bauen könnte. Utopia ist immerhin die Bezeichnung für einen Ort, den es niemals geben, der aber angestrebt wird.
Es wäre auf jeden Fall eine Welt, wo wir uns WIRKLICH verändern könnten. Jetzt können wir nur verdrängen und flüchten, andere Prioritäten setzen. Aber unser besonderes Ereignis wird immer bestand für uns haben… Recall würde uns befreien, eine zweite Chance geben (deswegen: Recall).
Wir könnten uns selbst so zusammenbauen, wie wir uns gerne hätten – und ich bezweifle, dass wir dann Menschen wären, die ohne Schuld leben würden. „Denn wer Alles verloren hat, hat die Freiheit Alles zu tun“, oder?