Die dunkelsten Männerphantasien

Was hast du getan?

Man soll nicht in der Vergangenheit leben. Immer nach vorne schauen. Nicht zurück. In alten Wunden stochern hilft nicht. Wem nützt es schon in weißen, äußerlich verheilten Stellen auf der Haut herum zu bohren? Der Zugang ist verschlossen. Die ehedem freiliegenden Nerven haben sich regeneriert. Das Ereignis ist nur noch Erinnerung. Und als es geschah, fühlte es sich gar nicht so schlimm an. Taten werden erst durch ihre Konsequenzen wichtig.

Warum hast du es getan?

Wieso muss es eigentlich immer schwerer sein in der Gegenwart zu leben oder in die Zukunft zu blicken, als zurückzuschauen? Kann die Vergangenheit denn nicht endlich aufhören? Das ist der Grund, weshalb die Menschen jung bleiben oder es wieder werden wollen, denn „Jung sein“ heißt, nicht die Konsequenzen durchlebt zu haben.

 

Sie hatte es für Geld gemacht. Und ja, natürlich hätte man sein Geld auch anders verdienen können, nur wie? Dieses „du hättest auch was anderes machen können“ ist für außenstehende Dritte immer leicht daher gesagt. Über andere zu urteilen wenn man sie weder kennt noch versteht, ist mit das geläufigste und dümmste Merkmal der Menschen, denn die Leute wollen damit sagen: „Ich habe und hätte es anders gemacht.“  Dabei haben sie sich weder in der auslösenden Position befunden, haben nicht die gleiche Vergangenheit geteilt, noch besitzen sie die Fähigkeit, sich in andere Lebensformen hineinzuversetzen. Es gibt Situationen und Stationen in einem Lebensweg, in welchen dir alle anderen Türen verschlossen erscheinen und du dich zwangsläufig dafür entscheiden musst, das sogenannte „Falsche“ zu tun. Dein Gefühl dabei ist weder gut, noch machst du dir eine Hoffnung darauf, stolz auf das zu sein was gerade passiert. Hier. Ist die Vergangenheit ein Hoffnungsanker: Irgendwann endet jede Situation. Und mit den Konsequenzen kann man doch leben, oder? Die Tat liegt doch schon lange zurück.

 

Sie kann die Vergangenheit auch kleinreden.

Ein  Filmchen als Hauptrolle war es gewesen. Und wenn man sich durch die Umsonst-Portale im Internet klickert, sieht man es unzählige Frauen und Männer tun. In Wahrheit tun sie es die ganze Zeit. Immer und überall. Die natürlichste Sache der Welt. Und hier waren nun einmal ein oder zwei Kameras dabei. Das ist kein Big Deal. Das ist „business as usual“. Die Leute am Set waren nett, höflich, alle taten so, als wäre jeder mit jedem sympathisch und irgendwo stimmte das irgendwie. Es wurde viel Gelacht beim Dreh. Eine kleine Produktion von kleinen Leuten, für kleine Leute. Eine private Phantasie, semiprofessionell aufgezogen, eine Spinnerei und das Geld war gut und schnell verdient und selbst wenn sie ihre Würde ein wenig ablegte, kam sie sich direkt danach nicht ENTWÜRDIGT vor. Ach was. Die normalste und älteste Sache der Welt und wäre das Szenario nicht so gewesen wie es war, hätte sich auch kein Mensch daran erinnert. Wirklich. Niemand. Gar keiner… Es hätte einfach keine Rolle gespielt. Menschen beim Sex für Geld  zu filmen ist schon lange und zum Glück kein Politikum mehr.  Und weshalb muss jeder Trottel denn immer die Phantasien von anderen dermaßen überbewerten? Hat das denn nicht in Wahrheit damit zu tun, dass diese ach so moralischen Menschen, diese verklemmten Anstandsjuristen, diese „Das-musst-du-doch-genauso-sehen“-Typen, sich für ihre Phantasien schämen, oder nein! Ja! War es denn nicht so, dass sich diese LEUTE dafür schämten, GAR KEINE Phantasie zu haben?

 

Das Drehbuch… Sind wir doch einmal ehrlich: Wer interessierte sich denn bei dem Kram wirklich um das DREH-BUCH? Und am Ende wird geheiratet – oder was? Blödsinn… Es war für sie schon schwer genug die SACHEN überhaupt zu tun. Spielte der Rest dann überhaupt eine Rolle? Gut, dann war sie eben nicht professionell bei der Aufnahme gewesen und war sich nicht über die unmöglichen FOLGEN klar gewesen. Na und? War das denn in dem Fall nicht etwas Gutes kein Profi zu sein? Sie wollte es nur hinter sich bringen. Und die Stimmung am Set war gut gewesen… Und die Menschen freundlich…

Der Film zeigt nun einmal nicht die Wirklichkeit, nicht das was geschehen ist. Der Film entsteht eben erst im Schnitt. Wenn man das weiß, kann man keinem Schauspieler – und das war sie doch gewesen – einen Vorwurf machen.

 

Und der Markt verlangt nun einmal nach neuen Dingen. Und diese Produktion war bei Gott nicht die einzige, die nach dem Fall Natascha Kampusch mit den Vorstellungen der Männer spielte, was all diese Jahre in diesem Kellergefängnis wohl geschehen ist. Gewalt in sexuellen Filmen ist ohnehin ein wichtiges Thema und darüber gehört viel mehr gesprochen, als über sie und ihre Rolle. Es macht eh keinen Sinn die ganze Schuld bei ihr und ihrer fiktiven Figur abzuladen. Sie hatte es nur der Geldes wegen gemacht und ja VERDAMMT, heute würde sie das auch nicht mehr machen, nur damals… Da…  Da hatte sie keine andere Hoffnung. Hatte nichts gelernt. Nichts gehabt. Niemanden… Was hätte sie denn machen sollen? Nein, nun wirklich! Was hätte sie denn machen sollen?

 

Ab da war sie immer die Frau geblieben, die auf den Kampusch-Zug aufgesprungen ist. Die die Situation, die Qualen der armen Frau ausgenutzt hatte. Sie wurde zu der, die sich daran bereichert hatte. Aber wie bitteschön sieht denn diese BEREICHERUNG aus? War es denn in Wahrheit denn nicht so, dass diese Geschichte, diese Geschichte von dem entführten und entkommenen Mädchen und die Geschichte von ihr, der jungen Frau der keine andere Möglichkeit blieb und das nachzustellen hatte, was sich der Regisseur und der Drehbuchautor ausdachten, dass das doch eigentlich die gleiche Geschichte ist, die immer gleiche Geschichte davon, dass Frauen von Männern unterdrückt werden damit diese, und alle Männer die davon hören, ihre Phantasien ausleben können und damit Frauen entwürdigen und unterdrücken?… Wer hat denn eine Wahl? Wer hat denn ein gutes Elternhaus? Wer wird geliebt? Und wer geht denn nicht unter aller Augen verloren? Und warum muss das immer wieder und wieder so sein? Und wieso tut niemand etwas dagegen? Weshalb bezahlen die Leute sogar Geld dafür? Bis sie dich auf Youporn gar nicht mehr wahrnehmen zwischen all den Leibern und Grimassen, zwischen all den Karikaturen ihrer selbst. Mit Stolz hat das gar nichts zu tun… Wer nicht in dieser Situation ist, weiß gar nicht was Stolz und Würde ist. Wie kann man nur über sie urteilen, nachdem sie das durchgemacht hat?

 

Der Sturm hat sich gelegt. Die Medien mit ihrer scheinheiligen Moral sind woanders hingezogen. Neues Drama. Neues Leid. Neue, unverbrauchte Gesichter. Und objektiv betrachtet war ihre Woche Ruhm im Rückspiegel der unendlich gigantischen Medienmaschinerie keine große Sache. Nicht einmal eine Randnotiz. Für eine Frau auf sich alleine gestellt, kam es einer Exekution gleich. Dieses Signum geht nie wieder weg.

Du bist was du getan hast. Und in einer Welt in der nichts mehr vergessen wird, bist du gut beraten, so zu sein wie alle anderen auch. Die auf andere zeigen. Und selbst niemand sind.

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These boots are made for walking…

An Anthony Rother habe ich schon ewig nicht mehr gedacht. Eine Internet-Bekannte die ich nur einmal auf einem Konzert traf, hat bei ihm eine Ausbildung zu sonst was gemacht. Doch nicht deswegen kam er mir gerade beim Hören seines „Father“s in den Sinn, sondern dass er kurz vor dem Love Parade Unglücks von Duisburgs die – auch wenn ich mich nicht erinnere, doch sicherlich beknackte – Hymne der damaligen Love Parade gespielt hat. Da war die Welt noch in Ordnung. Ein paar Stunden später waren 21 Menschen die nur friedlich zusammenfeiern wollten tot. 541 verletzt.

m asd

Mir geht es bei meinem kleinen Gedanken jetzt gar nicht so um Anthony, sondern darum, dass die Menschen die dort verletzt wurden, psychologisch behandelt wurden. Wenigstens hoffe ich das. Aber nein. Noch genauer gesagt geht es mir nicht direkt um die verletzten niedergetrampelten Menschen, sondern die große stille Masse, die die anderen zu tote getreten haben. Wie leben sie damit? Was für Ausreden flüstern sie sich selbst ein? Haben sie auch Hilfe gesucht? Oder haben sie es verdrängt? Leiden sie noch daran? Sagt man sich: „Wenn nicht die dann wäre ich jetzt tot?“ Nun, das bestimmt. Gegen den Selbsterhaltungstrieb kommt man in solchen Situationen nicht an.

Es gibt keine direkte Schuld der Menschen dich sich retten wollten und dafür nicht nur sprichwörtlich „über Leichen gingen“. Doch als normal denkender, moralischer Mensch muss doch da eine Teilschuld im Herzen vorhanden sein, denn es ist keine abstrakte Schuld wie die die ich gegenüber Dritte Welt-Ländern verspüre, weil sie durch meinen Lebensstil leiden, hungern, sterben oder bald im Meer ertrinken werden (seien es die Flüchtlinge vor Europa, als auch die Küstenanwohner, die in ein paar Jahrzehnten keinen festen Boden mehr unter den Füßen haben werden); das kann ich einfach verdrängen, weiter aus Kunststoffflaschen trinken, weiter mit dem Auto zur Arbeit zu fahren und nicht politisch aktiv zu sein.

Ich glaube, die Menschen fressen so was wie in Duisburg in sich hinein und denken nur ganz selten daran was passiert ist. Man spricht ja von einer „Tragödie“, fast schon von einer höheren Macht, für die keiner die Schuld übernehmen wollte. Doch ich kann mir nicht vorstellen, dass man sich selbst frei von Schuld fühlt, wenn man über Menschen voran stolpert, ganz gleich wie sehr man geschoben wird und wie eingezwängt man ist. Denn irgendwann ist die Panik weg, die Luft wieder in den Lungen und dann muss doch das Gehirn wieder auf Normalbetrieb laufen…

Ob die Leute darüber reden?
In Anthony Rothers Lied heißt es:
“If you can’t tell me how you feel
I may say, there will be no freedom”

Es ist nicht schlimm

Jeder trägt ein Geheimnis mit sich umher. Es ist wie ein Ausschlag auf der Seele, für den man sich schämt. „Hoffentlich erfährt das niemand!“ „Ich würde vor Scham im Erdboden versinken.“ „Das wäre mir unendlich peinlich…“
Dabei könnte man schon meinen, dass ich ein öffentliches Leben führe, bei all den Kleinigkeiten die ich im Blog und besonders im „Text zur Nacht“ ausplaudere, manches ist getarnt, vieles umgeschrieben und zwischendrin gibt es da natürlich etliche „erfundene Fakten“, welche mich vor euch verbergen (früher waren es mehr, könnte einem zu denken gäben). So oder so: Ich habe noch Geheimnisse.

Das Komische, sogar Lächerliche daran ist, dass uns diese Geheimnisse auch ein Stück weit gefangen nehmen. Wir glauben etwas zu verlieren zu haben, unser zweites Gesicht: Unseren Ruf. Niemand soll hinter unsere Fassade sehen dürfen und das treibt uns zu Abwehrhandlungen. Deswegen muss nicht gleich ein ganzes Leben Lüge sein, nein, nein, man wäre nach der „Enthüllung“ noch die gleiche Person – nur in einem anderen Licht.
Also schiebt man Dinge vor, macht Ersatzhandlungen, täuscht schlicht gesagt das Umfeld oder einfach gesagt all jene, die nicht eingeweiht werden sollen.

Die Leute reden gern. Und woher wissen wir das? Na weil wir selber gerne reden. Und deswegen haben wir Angst. Angst vor den anderen Menschen und davor auf eine gewisse Weise nicht mehr dazuzugehören, da wir etwas „Unanständiges“ mögen oder gerne von der Gesellschaft geächtete Dinge tun. Das geht vom Müllverbrennen im Garten bis hin zu SM-Spielen in Nazi-Klamotten. Ein wenig gleicht der Gesellschaftliche Konsens darüber was erlaubt, verboten oder Grauzone zu sein scheint, einer Form von Stasi: Jeder beobachtet dich und könnte „es“ ausplaudern. Da mögen die Städtler nun wieder herablassend den Kopf schütteln: „So etwas gibt es hier nicht. Hier ist man anonym.“ Stimmt nicht. Niemand ist überall anonym. Und ob es besser ist wenn mir meine Nachbarn scheißegal sind, nun, auch darüber lässt sich streiten.

Ich verquatsche mich schon wieder. Entschuldigung. Denn eigentlich wollte ich nur einen Absatz schreiben und dann gleich auf den Punkt kommen: Man sollte meistens keine Angst vor der Angst haben entdeckt zu werden. Denn viele Geheimnisse sind nur ein paar Tagelang ein Schock für das Umfeld oder die Bekannten und Nachbarn. So groß sind deine Geheimnisse nun auch nicht. Manche natürlich, nur wollte ich gerade auf den Punkt hinaus, dass oft die Angst vor dem Entdeckt werden schlimmer und größer ist als dass, was dann daraus resultiert. Die Welt wird nicht untergehen. Die Leute sind vielleicht betroffen, doch ein paar Tage später ist es ihnen egal. Das ist wie mit den Fernsehnachrichten – kein Trend hält ewig (außer vielleicht wirklich in einer Kleinstadt). Mut zur Wahrheit hat schon was für sich… Es erleichtert und reinigt. Und was man auch gerne vergisst:
Man muss ja nicht von jedem gemocht werden. Denn wer von jedem gemocht wird, kann keinen guten Charakter haben. Ebenso wie jene, die vorgeben nichts zu verbergen zu haben.

Beugehaft

Es ist nicht die Schuld der Frauen in deinem Leben, dass es mit ihnen nicht klappt. Sie sind nicht „Alle gleich“. Dein Chef hasst dich auch nicht; es ist nicht seine Schuld, dass du diesen Job machst. Und die Kinder, ja, besonders die Kinder können nichts dafür, dass sie so laut sind, wie Kinder nun einmal sind.
Den Schuldigen bei der Gesellschaft auszumachen, wenn du dich über deine schlechte Ernährung, den Feinstaub und den eindeutigen Bauchansatz ärgerst, der Alkohol, in dem du deine Probleme lagerst, die Partys auf denen du zu vergessen suchst; sie können nichts dafür. Es sind nur Optionen. Jede Möglichkeit ist eine Tatsache – du weißt das.
Auch deine Eltern kannst du den schwarzen Peter nur teilweise zuschieben. Oder deinen Großeltern. Die „Gene“ – was auch immer das bedeutet. Das sind gute Ausreden für Menschen, die Ausreden hören wollen. Die sich ebenfalls so entschuldigen, da sie glauben es zu müssen. Vielleicht suchen Soziologen gar keine Gründe; das Ganze hat nichts mit „Ursachenforschung“ zu tun. Sie suchen nur Rechtfertigungen dafür, wie es so weit gekommen ist. Man braucht ja immer Einen, auf den man mit seinem Finger zeigen kann: Aha. Mhm. Ja klar. Das war zu erraten. „Es liegt an den Umständen.“ Umstände aber sind auch nur Optionen. Das sind keine Tautologien. „Alternativlos“, das gibt es nicht. Die Vergangenheit ist eine Begründung, keine Ausrede.

Ich sage: Alles in deinem Leben ist deine eigene Schuld. Nicht, das du bestimmte Dinge erlebst – das sind Einflüsse von außen die ein einzelner Mensch niemals ganz beherrschen kann – sondern das du sie erträgst, so erträgst, wie du es für richtig hältst. Wie du es zulässt. Wie du es dir hast beibringen lassen. Dein Finger mag zwar von dir wegzeigen, im Prinzip jedoch weißt er immer nach innen.
Niemand ist dafür verantwortlich wer du bist, was du tust und was du haben willst. Nicht der Staat, nicht die Medien, deine Familie oder das andere Geschlecht. Das Leben hat jeden einzelnen von uns in Beugehaft genommen. Und wir sind verantwortlich dafür, was wir daraus machen. Das ist nicht unfair, im Gegenteil. Und du bist nicht nur dann für dich selbst verantwortlich, wenn es gut läuft.
Selbstbestimmung ist ein Geschenk. Wir haben behandeln sie nur wie eine Erbsünde.

Die Monster der Kinder

1: Aber ich mache mir Vorwürfe!
2 (beruhigend): Das brauchst du aber nicht… Ich hätte vermutlich genauso gehandelt.
1: Hast du aber nicht!
2: Du warst noch jung… Ein richtiges Kind… Kinder reagieren nun einmal so. Sie sind schutzlos und wissen noch nicht genug über die Welt.
1: Du verstehst gar nichts…
2: Deine Mutter hätte dir doch eh nicht geglaubt. Eben… Weil… Weil man Kindern nichts glaubt.
1: Ich hätte doch nicht sagen müssen, dass MONSTER im Haus sind und sie einfach so nach unten schicken sollen!
2: Du warst noch ein Kind! Für dich waren es eben Monster! Und wer besiegt die Monster in der Kinderwelt? Sag es schon! Ich will es von dir hören!
1: Helden?
2: Genauer gesagt: Die Erwachsenen. Und die Eltern sind nun einmal die Helden der Kinder. Sie sind groß und stark und klug… Übermächtig. Sie können ALLES in den Augen eines Kindes. Sie machen keine Fehler. Sie sind die BESCHÜTZER der Kinder. Wie in den Märchen und Comics und Serien… Das sind alles nur Metaphern über die schützende Hand der Eltern. Eltern SIND die Helden ihrer Kinder.
1 (schluchzt): Ja… Na ja… Na und? Das ändert doch nichts an dem, was daraus geworden ist… Hätte ich gesagt, dass da ein paar Männer im Haus sind, dann hätte sie SICHER die Polizei gerufen, anstatt einfach in Unterwäsche und schlaftrunken dort hinunter zu schlürfen… Am besten hätte ich GAR NICHTS gesagt, dann hätten die Typen sich genommen was sie wollten und wären einfach verschwunden.
2: Wer weiß das schon? Vielleicht wollten sie ohnehin zu euch nach oben kommen um euch Gewalt anzutun. Ich kann das gar nicht fassen… Diese Schweine… Du warst doch noch ein Kind!
1: Ich! Nein ich habe das verdient, denn ich bin schuld…
2: Sprich das nicht aus! Und rede es dir nicht ein! Das ist totaler Unsinn. DU. KANNST. NICHTS. DAFÜR!!
(2 nimmt 1 in die Arme)
2: Schon gut, schon gut…
1 (leise): Gar nichts ist gut… SIE hat gesagt, dass ich schuld daran bin…
2: Das hat sie bestimmt nicht so gemeint…
1: Doch hat sie… Ich weiß nicht… Vielleicht auch nicht… Aber in DIESEM Moment, da hat sie es so gemeint.
2: Sie war wütend und verzweifelt… Es ist ein furchtbares Verbrechen…
1: Was weiß du denn schon?
2: Hör auf damit…
1: Kinder sind nicht unschuldig, weißt du? Auch wenn sie arm und schwach sind. Auch wenn sie nichts von der Welt verstehen. Trotzdem können sie Schuld auf sich laden… JEDER kann Schuld auf sich laden. JEDER.
2: Das ist doch Unsinn. Jedes Kind hätte so reagiert.
1: Und selbst wenn Kinder unschuldig sind: Wenn sie erwachsen sind, dann sind sie auch schuldfähig. BESONDERS für das, was sie als Kind getan haben. Ihre Unschuld bekommen sie doppelt und dreifach zurückbezahlt. Mit Zins und Zinseszinsen… Denn was du als Kind getan hast… Was du als Kind NICHT getan hast… Das wird dich dein ganzes Leben lang begleiten… Die Schuld wächst mit dir. Wie ein Tumor… Nein… Nicht wie so etwas Unnatürliches wie ein Tumor, doch etwas Ähnliches… Ich bin schuld…
2: Hör auf dir das einzureden. Du kannst nichts dafür…
1: Davon weiß meine Seele aber nichts…
2: Erwachsene können damit vielleicht besser umgehen. Es verarbeiten… Verdrängen… Kinder lernen es schuldig zu sein… Aber das stimmt nicht. Es war ein Verbrechen… Es waren die Umstände…
1: Ja… Nein… Du verstehst überhaupt nichts… Das sind nur Worte… Und du bist nicht mein Vater!