Mein Boykott der Fußball-WM 2018, Teil 2

Großmaulig und vollmundig habe ich vor über einem Jahr angekündigt, die Fußball-WM 2018 in Russland zu boykottieren. Es gibt ja auch mehr als genug Gründe dafür. Sei es die korrupte FIFA, als auch Russland selbst, der Austragungsort, der sicherlich auch durch die Medien in den letzten Monaten zum „Reich des Bösen“ stilisiert wurde; wenn man aber völkerrechtswidrig in ein anderes Land einfällt (auch wenn es Teil eines ehemaligen gemeinsamen Großreiches ist), Staatsdoping betreibt (was die Russen selbst zugegeben haben) und Schwule, Lesben wie Transgender verklopft (auch wenn die Ukrainer da auch kein Vorbild sind), braucht man sich für mein Gefühl auch nicht wundern, wenn einen keiner leiden kann. Themen wie Attentate auf Menschen im Ausland lasse ich jetzt mal dahin gestellt. Schließlich bin ich kein Geheimdienstler. Und wenn der nur von sich selbst ergriffene Bundesjogi kritiklos Land und Leute in Russland lobt, wenn er auch noch in der Bild-Zeitung Kanzlerin Merkel dazu ermutigt sich der Putinschen Propaganda-Show anzuschließen, haben Leute wie ich auch keinen Bock mehr auf den DFB. Alle nur Marionetten der Macht und des Geldes.

Zermürbt werden meine Boykottabsichten nur von meinen Freunden: Wie jetzt? Im Sommer keine Fußball-WM? Aber das machen wir doch immer zusammen! Fußball schauen! Du bist doch mein Buddy!

Und das stimmt ja auch. Das man das gerne macht. Weit weg von den bescheuerten Fan-Meilen, wo die Superproleten, die keine Ahnung von Fußball, aber vom Saufen haben, sich zusammenrotten um IHRE Mannschaft zu feiern – aber Özil und Gündogan nach ihrem Erdogan-Auftritt bitte gleich abschieben… Davon abgesehen dass ich Özil und Gündogan selbst für undankbare Deppen halte, die dem Projekt „Integration“ in Deutschland einen Bärendienst erwiesen haben, mag ich natürlich auch dieses vereinende Gefühl von Fußball-Weltmeisterschaften. Wenn ganze Länder im Aufruhr sind und jeder sich mit seinem Nachbar auf den kleinsten gemeinsamen Nenner einigen kann. Wobei. Das stößt mich auch schon wieder ab… Mir ist es egal ob ihr Fan von Borussia Dortmund seid (wie ich es bin), oder den verhassten Bayern oder den Schalkern zujubelt: Liga-Fans sind für mich echte Fußball-Fans. Denn sie sehen sich die ganze Zeit die Spiele ihrer Mannschaften an. Nicht nur wenn es gerade „in“ ist. Auch. Wenn der Kommerz beim Vereinsfussball natürlich nicht weniger (wenn nicht sogar mehr) ist und die gleichen Superhelden aktiv sind, die auch während der WM ihr Geld in Steueroasen verstecken. Zugegeben: Da ist auch viel Doppelmoral vom meiner Seite aus mit dabei. Trotzdem kann und konnte ich den „Schland!“-schreienden, Bierverschüttenden, grabschenden rotköpfigen Vollidioten im Deutschland-Dress noch nie viel abgewinnen… Wenn jeder Fußball-Fan als der Vertreter seines Landes gesehen werden würde, könnte man von Deutschland als einem tatsächlich sehr würdelosem Land sprechen… Es muss doch nicht immer alles gleich so doof und besoffen sein.

Zurück zum Thema: Ja. Ich würde die WM wirklich gerne ansehen. Mit meinen Freunden. Und zusammen diese Hochs und Tiefs erleben, die man früher auch im Kino haben konnte, bevor es von Comic-Verlagen gemanagt wurde. Es ist halt leichter so einen Boykott durchzuziehen, wenn man den Sport eh nicht mag. Wenn doch, dann wird es anstrengend.

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Boykott der FIFA-Fußball-WM und des Konföderationen-Pokal in Russland

Ich komme aus einer bayrischen Kleinstadt. Das betone ich um meinen Background zu verdeutlichen. Hier, in diesem Kaff kenne ich keinen einzige/n Homosexuelle/n, deswegen habe ich nur Berührungspunkte mit dieser Bevölkerungsgruppe, wenn ich in die Großstadt fahre. Für mich ist es immer noch ein merkwürdiger Anblick wenn ein gleichgeschlechtliches Pärchen sich in der Öffentlichkeit küsst. Genauso merkwürdig ist es für mich, eine Frau in der Öffentlichkeit beim Stillen zu sehen. Na ja. Ich gehe auch nicht viel in Restaurants…

Hier komme ich also her. Bin liberal und ganz egal was ich behaupte und wie ich mich gebe, eher konservativ. Natürlich kenne ich ein paar Homosexuelle Leute, denke aber an niemand konkreten, dessen Rechte ich unterstützen will wenn ich sage, dass Menschen diejenigen lieben sollen, die sie lieben müssen und wollen. Ich finde das einfach richtig. Und ich gebe zu (und mache mich damit auch ein wenig zum Kleinstadttrottel –  na und?) dass mich offen homosexuelle Menschen in meiner direkten Umgebung erst einmal irritieren würden; doch das würde nur meinen Kopf irritieren, nicht mein Herz. Und der Kopf ist ein Erfahrungsbiest. Der braucht nur Gewohnheiten. Das Herz dagegen muss von Natur aus verstehen was richtig und was falsch ist.  Das sollten auch die Russen wissen. Auch wenn sie in einer anderen Kultur leben als wir hier in Europa. Meiner Meinung nach gibt es für den Hass den sie schwulen und lesbischen Menschen (und Transgender) entgegen bringen, keine Rechtfertigung. Seit 2013 wird dort Homosexualität sogar mit Pädophilie gleichgesetzt, weshalb jede öffentliche Zurschaustellung von Homosexualität verboten ist, da die Gefahr besteht dass sich Kinder beeinflusst fühlen und deswegen zu Schwulen gemacht werden – aha.

 

Weiterhin ist es mein Standpunkt, dass „die Russen“ aus den von ihnen völkerrechtswidrig besetzten Gebieten in der Ukraine abziehen müssen, um damit den dort von ihnen verursachten Krieg zu beenden. Dass ich mich mit diesem Thema auseinandersetze und diese Haltung vertrete, hat persönliche Gründe. Dazu stehe ich. Dennoch folgt es der gleichen Logik, die der Toleranz gegen über LGBT-Menschen folgt: Es fühlt sich einfach richtig an. Die Ukraine ist ein selbstständiger Staat, in der eine fremde Besatzungsmacht – egal ob sie sich als „Großer Bruder“ fühlt oder nicht – nichts verloren hat. Und wer damit argumentiert, dass doch viele Menschen im ukrainischen Grenzgebiet zu Russland leben und Russland näherstehen als der Regierung in Kiew, dem kann ich nur erwidern, dass es sicherlich viele Menschen in Ost-Deutschland gab die den Russen nahestanden, dass dies aber keine Rechtfertigung dafür ist, dass Russland Ost-Deutschland besetzt. Der Vergleich ist anschaulich. Hinkt natürlich ein wenig – denn die Ukraine ist nicht Ost-Deutschland. Der Grundgedanke von selbstbestimmten freien Ländern ist jedoch der Gleiche.

 

Schon vor ein paar Wochen fragte mich meine Freundin, ob ich es nach all meiner Maulhelderei überhaupt hinbekommen würde, die anstehende Fußball-Weltmeisterschaft in Russland zu boykottieren. Das machte mich nachdenklich. Ehrlich gesagt kann ich mich nicht einmal daran erinnern, ob ich die Olympischen Spiele in Sotschi gesehen habe. Bestimmt habe ich irgendwas davon im TV nebenher laufen lassen. Daran sieht man aber, dass ein Boykott der Olympischen Spiele in Sotschi für mich viel zu leicht gewesen wäre, denn dann könnte man gleich behaupten dass jedes Desinteresse einem Boykott gleichkommt. Fußball dagegen, mag ich.  Nicht gerade diesen Nationalfußball, den Jogi-Ball, für den sich die Massen interessieren. Mein Verein ist der BVB und die Liga finde ich spannend. Dennoch sitzt man halt doch gerne im Sommer zu Turnier-Zeiten mit Freunden zusammen und hat dieses Kollektiverlebnis, welches es ansonsten kaum mehr gibt in unserer freien Gesellschaft: Wann sitzt man schon noch mit Freunden zusammen und erbost oder erfreut sich über das gemeinschaftliche Gleiche? Das macht Spaß. Zusammen unterhält man sich halt doch am Besten. Und sich zusammen zu Freuen ist am Schönsten. Wann freut man sich denn noch zusammen?

 

Die letzten Absätze habe ich vor ein paar Tagen geschrieben und schon bin ich nicht mehr so sehr überzeugt von meiner Idee die WM zu boykottieren – aus purer Bequemlichkeit. Aber wenn man für eine Meinung steht, dann muss es auch „wehtun“ sie umzusetzen. Jetzt schauen wir mal was für eine Form von Schwätzer ich bin. Oder auch nicht. Los geht es in einer Woche mit dem Confederations-Cup. Der ist nicht nur für Russland ein Probelauf.

Aus den olympischen Schlagzeilen

Von Zeit.de:
„OLYMPISCHE SPIELE

Ehemals gedopte Russen dürfen in Rio starten

Gedopte Athleten, die ihre Sperre verbüßt haben, sollen nicht erneut bestraft werden. Der Internationale Sportgerichthof gibt Einsprüchen russischer Sportler statt.“

 

So steht es geschrieben, so wird es sein.

 

Und ich. Als Normalverbraucher. Und auf eine gewissen Art auch ehemaliger Doping-Sünder. Finde, dass doch gerade Leute die schon einmal wegen Dopings überführt wurden, bewiesenermaßen Betrüger sind, waren und bleiben, ganz egal ob sie es jetzt nicht mehr tun: Sie haben es getan. Hier geht es ja nicht darum mal die falschen Schmerztabletten oder die falsche tropische Frucht gegessen zu haben, weswegen versehentlicher weise ein Dopingprobe positiv ausschlug, da man nicht wusste dass das auf der Liste der verbotenen Substanzen steht. Ne. Es geht darum vorsätzlich betrogen zu haben. Das ist kein Ausrutschen. Oder Stolpern. Kein „Hopsala“… Das ist wie beim Fremdgehen: Vorsatz. Auch beim Sex ist es nämlich genauso wenig der Fall das zwei Partner nackt stolpern und dann – wie es schon zigmal vorkam – der eine Partner in den anderen gefallen wäre und die dadurch entstandene sexuelle Handlung ein blödes Unglück plus peinlich für alle Beteiligten wäre: Es war Vorsatz. Und. Man hat das von Anfang bis zum Ende gewollt. Irgendwie.

Meiner Opinion nach sollte so eine Sperre überhaupt niemals aufgehoben werden, da man sich im Sport genauso verhalten hat, was gegen den solchen an sich spricht: Man war unsportlich. Was hat also ein Sportler in der Unsportlichkeit verloren? (dazu gehören auch „Schwalben“ beim Fußball um sich einen Vorteil zu verschaffen, das Thema lassen wir hier nur mal außer 8).

Denn wenn nun in Rio ehrliche, nicht übermenschlich beschleunigte Athleten gegen gedopte Superrussen verlieren, denen man nur gerade halt ihre Betrug nicht nachweisen kann (Doping wirkt nach, liebe Freunde), bleibt für all jene, die sich betrügen und bescheißen lassen nur der Olympische Gedanke an sich: „Dabei sein ist ALLES.“

Das ist doch der blanke Hohn.

Es ist das nachgewiesene russische Staatsdoping welches den Sport kaputt macht. Es ist die Tatsache, dass man davor die Augen verschließt: Olympia, du bist scheiße.

Star Wars, oder: Es ist schwer, ein Gott zu sein

(Ich habe keine Rechte an diesem Bild, ich habe den Link dazu von hier)

 

Die ganze Welt ist im „Star Wars“-Fieber. Wirklich die ganze Welt? Ja genau, ich doch nicht… Dabei ist das mit Star Wars genau meine Geschichte: Als Knabe wurde ich von meinen Eltern vernachlässigt und der Video-Recorder übernahm meine Erziehung. Und als Junge mag man Star Wars, denn da ist nun wirklich alles drin was sich ein junger Spinner wünscht, die fremden Welten, Außerirdische, intergalaktische Kämpfe, eine packende, nicht wirklich komplizierte Story und sogar die Liebesgeschichte ist für einen Jüngling okay. Gute Sache also, auch wenn ich damals schon die Ewoks scheiße fand.

 

Jetzt bin ich 35 Jahre alt und kann den Hype rund um diesen Disney-Film bei meinen Altersgenossen überhaupt nicht verstehen. Es ist nicht so dass mich die letzte Trilogie so abgefuckt hat das ich keine Lust mehr auf das Ganze hätte (irgendwann sehe ich mir das schon an, alleine schon wegen John Boyega, der war überragend in „Attack the block“), ich halte diese „Filme-für-die-ganze-Familie“ einfach nur für Quatsch; es gibt keine Filme für die ganze Filme, denn das sind nüchtern betrachtet Schauspiele für Kinder und Jugendliche in die sich infantile Erwachsene hineinsetzen und glauben damit gut und auch ihres Alters gerecht unterhalten zu werden. Ich sage ja nicht einmal was dagegen bei einer Weltraumoper vernünftig abschalten zu können,  nur zu glauben dass das Altersgerecht für deinen Familienvater wäre, nun ja… Jeder aber wie er will.

 

Was man dennoch zugeben muss ist die Tatsache, was für ein Weltbild diese „Star Wars“-Filme vermitteln (deshalb auch das Bild oben): Es geht um Krieg und um „Gut“ gegen „Böse“. Es gibt eindeutige strahlende Helden und das böse, fremde, Fratzenähnliche, eine exakt definierte Andersartigkeit und die muss bekämpft und besiegt werden bis am Schluss die „good guys“ den Tag gerettet haben – klingt fast wie aus dem Republikanischen Wahlprogramm der USA, die die dunkle Seite klar mit Moslems besetzt haben.

(Ich habe keine Rechte an diesem Bild, der Link ist von hier)

Die Gegenseite ist einfach das Böse und WIR sind natürlich die Guten. Autsch. Das ist gefährlich und dämlich. Und ich weiß nicht ob es klug ist mit diesem Weltbild unsere Kinder groß zu ziehen, nicht nur die Jugendlichen. Nein. Wirklich die KINDER, denn diese Disney-Schmonzette orientiere sich an den Kindern, beeinflusst sie und macht aus später erwachsenen Leuten Persönlichkeiten, die ehrlich glauben das Marvel-Filme gehobene Unterhaltung darstellt (gegen die Comics habe ich nichts, da Comics jeder in seinem eigenem Ton liest und jeder Mensch seine eigenen Schlüsse zieht – Kino ist da schon wieder eine ganz andere Liga). Die Menschen wollen gar nicht mehr gefordert werden. Das ist die absolute Amerikanisierung der Unterhaltung. Amerika, das Land welches von sich selbst behauptet das Land der Freiheit zu sein – und die Sklaverei erfunden hat.

Terroristen und Feinde sind einfach nur das Böse, die nur niedere Beweggründe haben und Liebe zu Familien und Freunden existiert nicht – die „hohen Werte“ sind für uns reserviert.

 

Vorsicht.

 

Ich will nicht zu sehr ins Amerika-bashing abdriften, denn das Land ist eben nicht nur Disney, Marvel, Umweltverschmutzung und Herrenmenschendenken. Es ist auch das komplette Gegenteil und das macht die Geschichte in Wahrheit so schwierig aber interessant. Dennoch ist die Märchenstruktur der Leinwand-Produktionen der Gegenwart aus den USA auch nichts anderes als quasi Propaganda-Filme, die nicht zum Nachdenken, sondern nur zum Mitfühlen anregen; Mitgefühl mit den Helden, nicht mit den Opfer wohlgemerkt.

 

Meine Freundin und ich sahen uns gestern „Es ist nicht schwer, ein Gott zu sein“ an. Auch dabei handelt es sich um einen aktuellen Science-Fiction-Film, der unterschiedlicher zu Star Wars gar nicht sein könnte.

In diesem russischen Film (der auf einer Roman-Vorlage basiert) wird die Geschichte von ein paar Wissenschaftlern erzählt, die auf einen fremden Planeten geschickt werden. Die Gesellschaft auf diesem Planeten steckt im finsteren Mittelalter fest und die Wissenschaftler versuchen Inkognito die Geschicke der Bevölkerung zu lenken.

90 Prozent dieses „Monster von einem Film“ sind Fäkalien, Rotze, Dreck und Blut, eine wilde Handlungs- und Kamera-Führung, die dem Zuschauer wirklich verdammt viel abverlangt und ihn damit ungemein fesselt. Dieses Mittelalter ist das Finsterste was ich jemals gesehen habe und dem Zuschauer wird sehr schnell klar, weshalb die Lebenserwartungen damals bei gerade einmal 30 Jahren lag; und wenn man sich den Film in seiner Kompromisslosigkeit ansieht, empfindet man moderne Märchen wie „Herr der Ringe“ und „Game of thrones“ als ultrageleckt und lächerlich saubere Überinszenierungen für ein dumpfes Massenpublikum (okay, was sie auch sind). Nur. Wer „Es ist schwer, ein Gott zu sein“ gesehen hat, der kann über den „Walk-of-Shame“ von „Game of thrones“ nur milde Lächeln.

Die restlichen 10 Prozent sind pure Philosophie, die über den Kniff der Science-Fiction mit ins Boot geholt wird, denn der Titel des Filmes ist Programm: Wie erlebt und fühlt sich ein höheres Wesen in einer Welt, deren Geschöpfe immer wieder die gleichen Fehler begeht und einen Lebensstandart als normal ansieht, über den man als disziplinierter Mensch kaum das Übergeben unterdrücken kann?

 

Wir haben uns dann noch ein wenig die „Extras“ der DVD angesehen auf denen erklärt wird, dass „Es ist schwer, ein Gott zu sein“ als „soft Science Fiction“ beschrieben wird, da es sich hierbei in der Zukunftsvision mehr um die philosophischen und psychologischen Aspekte der Science-Fiction dreht, während im normalen Science-Fiction die wissenschaftlichen Komponenten im Fokus stehen (siehe z.B. „2001“).

 

Was ist dann „Star Wars“? Star Wars ist für mich Fantasy-Science-Fiction ist,  das es weder philosophisch noch wissenschaftlich etwas zu sagen hätte. Es geht um fantastische Welten und Romanzen und – dieses Urteil tut mir überhaupt nicht leid – dies ist für mich die niedrigste Form von Unterhaltung: Es ist fiktiver Tratsch. Er verlangt den Leuten nichts ab und gibt ihnen genau das was sie wollen, wie ein Fußballspiel bei dem man schon vorher weiß, wer am Ende gewonnen haben wird.  Es ist eine Sache sich so etwas anzusehen, eine andere, es so übertrieben zu feiern und wie eine quasi Religion zu zelebrieren. Ich verstehe nicht wie die Menschen ihr eigenes Leben so sehr hassen und sich dermaßen in eine Fantasiewelt retten wollen. Es hält fast schon als spirituelles Ereignis her. Wieso aber müssen spirituelle Ereignisse immer so platt und allgemeingültig sein? Nein. Doch. Diese Science-Fiction ist keine Science Fiction. Da sie ein überholtes Mittelalterliches Weltbild verbreitet, das keine Pluralität der Charaktere zulässt (auch wenn Skywalker zu Darth Vader wird, so ist in jeder Szene klar, dass es eine eindeutige Wandlung zum Bösen ist – der Mensch jedoch ist keine Medaille mit zwei Seiten, er ist viel mehr und doch viel weniger, denn er ist alles zugleich, gut und böse, Familienvater und Mörder von Vätern) und am Ende anachronistischer daher kommt – ganz gleich wie viele Aliens auftauchen und Raumschiffe explodieren – als ein Film über das finsterste Mittelalter aller Zeiten, der Science Fiction Elemente enthält. Es ist GZSZ im Weltraum. Und mit der Ankündigung Disneys noch viel mehr Star Wars Filme zu drehen, wird daraus endlich die „Daily Soap“, die sich die Leute erhoffen während sie sich in den Kinosessel setzen und insgeheim denken: „Bitte keine Überraschungen. Ich will MEIN Star Wars“…

Wieso wollt ihr nicht mehr?

 

Offener Brief an Sigmar Gabriel

Offener Brief an SPD- Parteivorsitzenden und Vize-Kanzler Sigmar Gabriel zu seinen Äußerungen, Sanktionen gegen Russland zu „UMDENKEN“.

Sehr geehrter Herr Gabriel,

ich wende mich an Sie bezüglich Ihres Vorschlags, Sanktionen gegen Russland zu „überdenken“.

Mit den Sanktionen bestrafte die freie Welt Russland für den brutalen Bruch des Völkerrechtes in Sache Annexion der Krim sowie für die Anzettelung und massive Unterstützung – mit allen Mitteln – des Terrors in der Ostukraine .

Diese Sanktionen dürfen nicht aufgehoben werden, bis die russischen „Hybride-Soldaten“ und Söldner mit samt Waffen den Osten der Ukraine verlassen und die Grenzen des Landes – einschließlich Krim – unter die ukrainische Kontrolle wieder gestellt werden.

Mit Ihren Äußerungen verderben Sie den Ruf der ältesten und traditionsreichsten demokratischen Partei der Welt. Sie nehmen darüber hinaus den osteuropäischen Völkern die Hoffnung weg, auf ihrem dramatischen Weg zur Demokratie und Freiheit das Ziel zu erreichen. Mehr noch, Sie füttern dabei den russischen Imperialismus mit einem aggressiven Nährstoff, den ihn noch aggressiver und noch skrupelloser mache. Somit tappen Sie selbst dem Monster direkt in die Falle, die er momentan mit seinem „Friedensplan für Syrien“ für „Realpolitiker“ kaltblütig und geschickt vorbereitet hat.

Als Sozialdemokrat, Parteivorsitzender und Vize-Kanzler in der Regierung einer führenden Nation sollen Sie im Interesse der Europäischen Union und im Sinne der proklamierten politischen Linie der Bundesrepublik, aber nicht im Interesse der Kreml-Imperialisten als ihre Lobbyist agieren.

Vielen Dank für Ihr Verständnis und mit freundlichen Grüßen

Ukrop Chemnitz

Dmytro Remestvensky

Quelle

Da haben sie Recht.

Mein Urlaub in Kiew – Teil 1

Wie schreibt man über Kiew, wie schreibt man über die Ukraine, ohne politisch zu werden? In diesen Monaten und Jahren ist das wohl so gut wie unmöglich, ebenso wie es den Menschen dort unmöglich ist, nicht politisch zu fühlen oder zu denken.
Wohin ich in den Urlaub fahre ist meine Sache und deshalb war es natürlich eine bewusste Entscheidung nicht einen Strand-Urlaub zu buchen, sondern ganz im Gegenteil mit meiner Freundin in ihr vom Krieg geteiltes Heimatland zu fliegen; welches Land ist im Moment überhaupt interessanter als die Ukraine? Eine Region, ein Volk, über die zur Zeit unzählige Lügen und Halbwahrheiten die Runde machen, angefangen mit dem Protest auf dem Maidan, über die Besetzung der Krim und die Annexion Russlands des Donbass – und die verschiedenen politischen und propagandistischen Meinungen dazu. Ich bin kein Politiker. Ich bekomme keine BESONDEREN Informationen zu dem Thema von „geheimen“ Internet-Seiten (was für Bull-Shit auch nur zu denken, dass es so etwas gibt). Ich verfolge nur das Tagesgeschehen in den Medien. Und selbstverständlich war ich NICHT an der Front, sondern in der ukrainischen Hauptstadt Kiew, und dort traf ich ganz normale Menschen, nette Menschen, sympathische Leute, die ebenso wie ich im Prinzip nicht radikal politisch denken, doch durch die Situation diese Gedanken- und Gefühlswelt aufgedrängt bekommen.

Viel Schwachsinn muss man lesen wenn man sich mit dem Thema beschäftigt, von den NAZIS vom Maidan, was durch die Lächerlichkeit der Begrifflichkeit schon die Denkmuster derer entlarvt, die solche Vereinfachungen in die Welt posaunen, denn: Es gibt keine Nazis in der Ukraine. Es mag Nationalisten gibt, bestimmt auch radikale, ukrainische Faschisten, aber Nazis, nein, die kann es dort nicht geben, denn die einzigen Nazis die es dort jemals gab waren die Deutschen Nationalsozialisten im zweiten Weltkrieg – und sie werden auf immer die einzigen Nazis sein, die es dort geben kann: Kein Amerikaner, kein Russe und auch kein Ukrainer kann jemals Nazi werden, das ist einfach unmöglich. Und auch wenn die russische Propaganda behauptet, dass sie sich wie damals im zweiten Weltkrieg gegen eine neue Form von Nazi-Terror zur Weht setzt, ist das einfach nur Blödsinn. Russland hat Interessen, wie jedes Land. Und das kann ich aus ihrer Perspektive mir sogar zu Recht denken, aber nicht verstehen. Nur, wer solche Begrifflichkeiten wie „ukrainische Nazis“ verwendet, der legt schon von Haus aus ein vorgeprägtes, kategorisiertes Denken an den Tag, dass den Schluss schon zieht, bevor es die Argumente des Gegenübers überhaupt gehört haben kann.
Ja. Nein. Ich traf dort nur einfache Menschen. Wie du und ich. Die Angst um ihren Job, ihre Familie und ihre Zukunft haben. Die keinen Krieg wollen und sich nach Westen orientieren, nicht weil sie sagen würden, dass dort alles besser ist, sondern einfach nur weil sie die Schnauze voll haben von „Mütterchen Russlands“. Und wer dazu nun einwerfen will, dass die Ukrainer nur ein Spielball zwischen den Großmächten USA und Russland sind, dass sie nur ausgenutzt werden, so ist die Antwort derer die ich traf folgende: „Lieber lassen wir uns von den USA ausnutzen, als uns weiter von Russland beherrschen zu lassen.“

Selbstverständlich sind die Leute dort im Moment politisiert, nationalistischer als sonst, keine Frage, und das zu negieren wäre eine bloße Lüge; russische Produkte sind dort verpönt und manche Ukrainer wollen nicht einmal mehr die russische Sprache in den Mund nehmen, obwohl sie eine der beiden Nationalsprachen des Landes ist (neben ukrainisch versteht sich) , man sieht überall die Nationalfarben des Landes, immer wieder Soldaten und das Nationalsymbol, den „Dreizack“, aber wie zum Himmel würdest du denn reagieren, wenn eine fremde Macht, auch wenn sie sich bis dato als eine Brüdermacht ausgegeben hat, in dein Land einmarschiert? Ich würde auch mehr zu meinem Land stehen, wenn die Russen oder von mir aus die Amerikaner in Deutschland einmarschieren. So etwas. Ist eine natürliche Reaktion. Und hat nichts mit Faschismus zu tun. Sondern mit Identität. Und auch sehr viel mit Angst.

Wir hatte es nicht weit bis zum Maidan, dem weltberühmten Platz der Revolution, und heute ist dort wo zigtausende Menschen für mehr Freiheit, für mehr Demokratie und ein mehr an Europa demonstrierten, eine Ausstellung aufgebaut.

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Man spürte dort von den Leuten her, wie sie ihr Land als offen und freundlich darstellten, wie sie sich europäisch geben wollten um dadurch eine gewissen Form von Solidarität zu signalisieren aber auch erhaschen zu wollen. Zudem erscheint Kiew auch von der Wirkung der Architektur in der Innenstadt sehr europäisch (ich fühlte mich teilweise an Wien erinnert), auch wenn es natürlich augenscheinliche Unterschiede gibt, jedoch weniger als ich erwartet hätte. Ich fühlte bei den Absichten der Menschen eine Anstrengung zu mehr Sympathie und Verständnis, eine Willkommensgesellschaft, die einem selbstgerechten Land wie unserem Land sehr abzugehen scheint.
Meine Meinung und mein Gefühl ist immer sehr subjektiv, doch immer wieder von den gleichen Begehrlichkeiten zu hören (kein Krieg mehr und Akzeptanz von einem Ausländer, einem deutschen Europäer) vermittelte in mir ein Gefühl von Gemeinschaft zueinander, auch wenn ich die Menschen gar nicht zusammen, nicht einmal am selben Tag traf. Krieg verbindet. Es schafft einen gemeinsamen Feind. Gemeinsame Werte. Angefacht durch eine geteilte Angst. Denn geteilte Angst ist Beides: Doppelte und auch halbe Angst. Ja. Es fühlt sich wie eine Gemeinschaft an, nicht wie GESELLSCHAFT wie bei uns hier, da wir von Eigeninteressen zerfressen und zerpflückt sind und der gemeinsame Feind im Prinzip jeder ist, der in egal welcher Form etwas von mir will, seien es die bösen Flüchtlinge, die bösen Politiker, die bösen Firmen, die bösen Medien, die bösen Nazis (wir haben das Patent auf sie), die bösen Linken, die bösen Juden, Islamisten und was weiß ich wen man gerade nach Tageslaune fürchten, hassen oder vor wem man warnen muss…
Natürlich wäre es auch gelogen, würde man sagen dass die gesamte Ukraine pro-westlich ist und es keinen Zuspruch für Russland gäbe (und da hört es sich natürlich auf mit dem Gemeinschaft); es ist – obwohl Russland den Konflikt am Leben erhält – ein Bürgerkrieg, aber ein Krieg, zu dem es nicht hätte kommen müssen…. Sei es darum. Dort. In Kiew. Abseits der heißen Konfliktzone. Merkt man davon nichts, nur dieses Schwanken zwischen Trotz und Hilflosigkeit.

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Schon am ersten Abend besuchten wir den Maidan, der Ort, wo am meisten Politik in der Stadt spürbar war. Und es war mir ein Anliegen dieses subjektive Gefühl dass ich dort hatte, ausführlich wieder zu geben. Mein „Reisebericht“ als solcher wird folgen.

Anti-NATO-Demo zur Sicherheitskonferenz in München 2015

Dieses Jahr war auf der Anti-NATO-Demo anlässlich zur Sicherheitskonferenz der NATO-Staaten mehr los als die letzten Jahre, Grund dafür ist der Krieg in der Ukraine. Ich bin zwei Jahre lang selbst überzeugt mit marschiert, die letzten Jahre schon nicht mehr und hätte man mich dieses Jahr jemand gefragt, wäre ich aus Überzeugung nicht mit auf die Straße gegangen, nicht weil ich die NATO nun als tollen Verein empfinde, sondern weil mir bereits im Vorfeld klar war (und wie es hier in der TAZ bestätigt wurde), dass eine differenzierte Auseinandersetzung zum Thema Ukraine nicht stattfinden würde.

Leute, ihr könnt gegen die NATO sein, gegen Krieg, das ist gut und Recht (das meine ich wörtlich), sich aber im falschen Umkehrschluss damit auf die Seite von Russland zu begeben, nur weil man gegen die NATO ist, ist so vollkommen verblödet und dumm, dass es fast nur zum Schreien ist; dabei sind es nicht nur diese Demonstranten auf der Straße, sondern zigtausende Leute in Deutschland die sich aus Wut über die Amerikaner und ihre eigene Regierung kategorisch auf die Seite Russlands stellen und wer so sehr die eigene Regierung und die normalen Menschen aus der Ukraine hasst, der kann meiner Meinung nach gern nach Russland gehen und dort das „bessere“ Leben als hier führen. Jedem seine Meinung, doch wenn diese nur aus blanker Wut und Enttäuschung besteht, aus purem Egoismus ohne Empathie, dann habe ich dafür kein Verständnis. Das sind nur „Gutmenschen“, die möglichst für sich die Welt gut haben wollen, für ihr eigenes Leben Didaktisches Denken sollte jeder von uns drauf haben und auch den Willen es anzuwenden.

Ich bin und war nie ein Fan von Angela Merkel, ihre Ukraine-Politik finde ich indes gut – nur sollte sie Waffen an die Ukraine liefern. Früher oder später werden sie ohnehin von Ländern aus Osteuropa geliefert werden, da diese Länder Angst haben vor Russland, davor, wozu Russland in der Vergangenheit fähig war. Und jetzt kommt mir nicht mit der „Deutschen Vergangenheit“. Das kann man nicht vergleichen. Deutschland ist nicht das Land, dass es vor 70 Jahren war, doch Putins Russland gebärdet sich seinen Nachbarn gegenüber so (man denke z.B. an Ossetien), als wäre wir noch in Zeiten der Sowjetunion. Diese Zeit aber ist vorbei und Russland hat kein Recht in einem souveränen Land Krieg zu führen. Da brauchen unsere „Intellektuellen“ gar nicht von „Kultureller Verbundenheit“ und Zugehörigkeit mit der Ukraine sprechen, denn die Sowjetunion ist vor bereits 20 Jahren zerfallen, die Ukraine ist ein eigenständiger Staat und lehnt in Angedenken der Verbrechen die die Russen nach dem zweiten Weltkrieg (wie fast alle ehemaligen Sowjetstaaten) Russland ab. Und noch mal zum Mitschreiben: Russland ist nicht die Sowjetunion!
Putins Russland wird nicht vom Westen militärisch bedroht, sondern durch seinen Freiheitlichen Lebensstil und davor, dass dieser Wirkung beim eigenen Volk zeigt – ich weiß, ich wiederhole mich, doch das kann man wohl nicht oft genug sagen.

Wir überlegen übrigens dieses Jahr Kiew zu besuchen. Und ihr könnt mich jetzt schon warnen vor den ganzen ultranationalen Extremisten die ich dort treffen werde. Komisch… In Russland, Frankreich, Griechenland und Deutschland demonstrieren ständig die Ultrarechten – von solchen Demos habe ich in der Ukraine nie gehört…
Das ist noch nicht fix, mal sehen was der KRIEG so macht und welche Möglichkeiten einem da so bleiben. Fakt ist: Die Ukraine ist meiner Meinung nach das interessantes Urlaubsland der Welt. Wenn man nicht gleich Angst haben muss erschossen zu werden. Scheint ja ohnehin ein beliebtes Urlaubsziel zu sein: Die Russen sind schon da.