Absolution 49 – Ansage an die Konkurrenz

Der Fettsack bahnte sich wie ein geisteskranker Pac-Man seinen Weg in das Haus: Immer den Gang entlang. Scheinbar hatte er keine Ahnung wohin er musste, das „body count“-Kommando hinterher. Die Frau – vermutlich die Hausherrin – wurde auch von Paul sofort hinter sich gelassen, dabei schenkte nur er ihr ein entschuldigendes, leicht peinlich berührtes Lächeln. Vielleicht war dieses Lächeln sogar der Grund, warum die Frau noch einen weiteren Moment zögerte, bevor sie wie irre zu Schreien begann. Ein, zwei falsche Abbiegungen und dunkle, ideenlos normal eingerichtete Räume später, fand der Fettsack die Person die er suchte, der Hauptgrund und Mittelpunkt ihrer abendlichen Aktion: Den Baader. Und obwohl Paul den Herren Baader noch niemals jemals irgendwo bewusst gesehen hatte, weder auf der Straße noch in der Zeitung, klingelte es jetzt in seinem Kopf, um welchen Kerl es sich hier in Fettsacks Kopf drehte. Der Typ war der Besitzer der „Metzgerei Baader“, einem kleinen Konkurrenten des Fettsacks-Imperiums. An normalen Tagen wäre der kleine Leberkäspanscher für Fettsack nicht einmal der Rede wert gewesen, außer es ginge um miese Qualität und verfettete Produkte, schlechte Haltung; was man nun einmal so über die Konkurrenz so behauptet. Paul fand die Wurst vom Baader aber auch nicht so geil. Tatsächlich viel zu fettig. Jedoch war Paul auch klar, dass es hier nicht mehr nur um die Wurst ging. Jetzt ging es um Alles.

Der Baader machte das, was die meisten Deutschen ohne bewusste Probleme an einem Mittwochabend taten. Er saß in seinem Wohnzimmer vor der Glotze und aß. Ein halbes Hähnchen mit Kartoffelsalat. Der ganze Raum roch danach. Schön würzig. Vielleicht war der Baader doch nicht so ein schlechter Metzger wie der Fettsack immer behauptete. Auf das anstürmende „body count“-Kommando reagierte er ebenfalls so, wie man es von den meisten Deutschen erwarten konnte. Er sank erschrocken in sein eigenes Sofa und war baff vor Schreck. Fettsack: „Jetzt pass mal auf du mieser kleiner Wichser! Was schreibst du an meine Wand?! Was schreibst du an meine Waaaand!!! Was du an meine Wand schreibst?!“ Der Fettsack war mit seinem Kommando zwischen Tisch und Fernseher stehen geblieben, zeigte mit seinem nackten Finger auf dem Mann und schrie. Die Türsteher-Menschen neben sich. Irgendwo daneben stand Paul. Ganz daneben, noch in der Türe die Frau, bei der es sich wohl um Frau Baader handelte. Im Fernseher RTL. Über dem Sofa ein Bild von „Hundertwasser“. Der alte Baader, Mitte 50, dick, dreiviertel Glatze, Brillenträger, war bisher sicherlich jeden Tag der Herr über sein eigenes Leben gewesen – bis zu diesem Zeitpunkt. Fürchterlich erschrocken und traumatisiert brachte er nur ein wiederholtes: Ich… Ich… Ich… Ich…“ hervor, dass den Fettsack nicht sehr beeindruckte. Der stemmte nur seinen rechten Fuß mit der ganzen Sohle auf den Fernsehtisch, ohne dabei (Zufall) den Hähnchenteller zu berühren, lehnte sich nach vorne, drohte weiter mit seinem Zeigefinger und machte die Ansage: „Wenn ich NOCHMAL! IRGENDWAS! An meiner Wand lese! Mit dem du versuchst mein GESCHÄFT zu ruinieren! Dann mach ich dich ALLE! Ich schick meine Russen vorbei! Und dann nehmen sie deine Bude auseinander!“

Hier. Legte der Fettsack eine kleine theatralische Pause ein. Wahrscheinlich nur so, damit der Baader die Info verarbeiten konnte. Jedoch. Sagte einer der Russen mit starken Akzent in die Stille:

„Wir sind keine Russen…“
Der Fettsack: „WAS?!“

„Wir sind keine Russen. Wir sind Ukrainer.“
Der Fettsack drehte sich entnervt um und sah den Typen an. Mit fragenden Händen raunte er zu dem Kerl: „Das spielt doch über KEINE ROLLE!“

Der Sprecher des „body count“-Kommandos entgegnete darauf nur: „Für uns schon!“

Der Fettsack wirbelte wieder zu Baader herum und fragte ihn amüsiert: „Interessiert dich ob die Russen sind oder nicht?“ Der brachte nur ein „Äh“ hervor. „Oder sie Frau Baader?“ an Frau Baader gewandt. Die schüttelte nur eingeschüchtert mit dem Kopf, da sie nun auch noch Teil der Szene wurde. Wieder an den Kerl gewandt: „Es ist jetzt gerade nicht so wichtig…“ Etwas beruhigt und scheinbar sogar von der Szene belustigt wandte er sich wieder dem sprachlosen Baader zu. Wollte etwas sagen, dann kam ihm ein Gedanke, worauf er sich Paul zuwandte: „Die Klitschkos sind doch Ukrainer, oder?“

Paul: „Ähm. Tja. Tatsächlich stimmt das…“

Der Fettsack wirbelte wieder herum.

„WENN DU NOCH EINMAL IRGENDEINEN SCHEISSDRECK AN MEINE WAND SCHREIBST! DANN SCHICKE ICH DIR MEINE KLITSCHKOS AUF DEN HALS, VERSTANDEN!“ brüllte darauf der Fettsack wieder auf den Baader ein. Der Baader wurde darauf noch bleicher, seine Frau klammerte sich ängstlich an den Türrahmen ihrer Wohnzimmertüre und die Ukrainer lächelten ein wenig ob ihrer Bezeichnung als Klitschkos; das klang schon viel besser.

Baader: Nickte.

Und der Fettsack. Zuckte mit den Schultern. Drehte sich um und sagte ruhig und ausgelassen: „Okay. Wir sind hier fertig.“  Das „body count“-Kommando machte sich wieder auf den Weg nach draußen. Nur Paul konnte es sich nicht verkneifen noch zu bemerken: „Und ganz ehrlich: Hundertwasser ist scheiße.“ Der Fettsack tätschelte noch im Hinausgehen den Knackarsch der Frau vom Baader. Packte richtig tief rein.

Als die Autotüren wieder ins Schloss dumpften meinte der Fettsack ganz ausgeglichen und sichtlich selbstzufrieden: „Das lief ja ganz ordentlich.“

Paul verzog daraufhin den Mund zu einer abschätzigen Grimasse in Richtung seines Freundes und sprach: „Aber das mit dem Fenster. Das war der nicht…“

„Jupp“, stimmte der Fettsack zu. „Glaube ich auch nicht.“

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Ist schon ein nettes Gefühl hier auf dem Fahrrad mit so einem Cap herumzufahren. Wir haben viele Deutschrussen im Ort. Mit denen habe ich auch kein Problem habe (obwohl wir aus anderen Gründen schon persönliche Differenzen hatten, die bis zur Schlägerei ausarteten), denn es geht hier nicht darum etwas gegen das Volk der Russen zu haben, sondern gegen seine politische Führung, die Truppen in die Ukraine entsendet hat. Aber. Es würde mich nicht wundern wenn ich durch das Cap noch in Auseinandersetzungen verwickelt werde. Schließlich sind Russen oder auch Türken im Ausland oft Staatstreuer zur Heimat, als es die Leute im Land sind. Ihr Heimweh verklärt ihr Blick auf die dort gängige Realität.

Nachtwölfe? Nazis? Medien?

Der SPIEGEL schreibt heute: „Nach viel Aufregung um ihre Fahrt durch Europa sind die russischen „Nachtwölfe“-Rocker in Berlin eingetroffen.“

„Nach viel Aufregung“? Das Einzige was mich an der ganzen Geschichte aufregt, ist die „Berichterstattung“ darüber. Mir doch egal ob irgendwelche russischen Nationalfaschisten mit ihren Mopeds nach Berlin fahren um dort einen Kranz niederzulegen: Sollen sie machen! Mich ärgert darüber, dass so etwas von unseren Medien selbst zum Ereignis hochstilisiert wird, denn ohne diese lächerliche und doch gleichzeitig ärgerliche Berichterstattung darüber, gäbe es das Ereignis faktisch nicht; dabei ist es eine Sache wenn die russischen Medien so was puschen – bei uns muss das nicht sein.
Eine unverhältnismäßige Berichterstattung darüber bedeutet eine politische Haltung zu vertreten und gerade das sollten Medien nicht machen.

Bei dem Zusammenhang mit den schwulen Nachtwölfen fällt mir ein, dass diese russischen Rocker (klingt auch wie ein Scherz oder ein Oxymoron) die Ukrainer die sich von Russland abwenden, Nazis sein sollen. Nazis? Ukrainer können KEINE Nazis sein! Man kann sie Nationalisten nennen oder wenn es hart auf hart kommt Faschisten, aber Nazis?
Der Begriff „Nazi“ hat bald mit seiner ursprünglichen Bedeutung nichts mehr gemein, sondern steht nur noch für das Verachtenswerte, Dumme, Mörderische Intolerante. Nicht das Nazis das nicht auch wären, nur ist das nicht die Definition eines Nazis. Weil Nazi ist gleich Deutschland 1933 bis 1945. Wenn ihr die Leute also schon deformieren, beleidigen und etikettieren wollt, dann packt sie wenigstens in die richtige Schublade.

Es ist zum Grausen. Übelste Kriegspropaganda und Dummheit überall.
Nachtwölfe auf Motorrad-Tour… Lächerlicher geht es wohl wirklich nicht. Die Medien verblöden zusehends in ihrem Wahn, jeden Tag oder eine ganze Woche ein Ereignis durch die „Live-Ticker“ pressen zu müssen. Hört auf euch an Klick-Zahlen zu messen, sondern an guter Berichterstattung zu messen und das Generieren von Aufmerksamkeit ist nicht gleich Qualität. Und die meisten Menschen wissen das auch. Und die, die es nicht wissen sind meistens Jugendliche oder Kindergebliebene Erwachsene – und da brauchen wir nun wirklich nicht dem Jugendwahn zu verfallen. Die öffentliche Meinung wird schon genug infantilisiert! Es muss nicht alles frisch und jung sein, verdammt noch mal…