Menschen bauen Götter

Ich bin so müde, mir ist dadurch körperlich übel. Ein ekliger Kloß im Hals, der sich nicht weg schlucken lässt. Druck auf den Schläfen. Unter den Augenlidern. Keine Ruhe. Weder für den Toten der ich einmal war, noch für den Lebenden, der ich gerne wäre.

Allein Anschein nach hat Jonathan Safran Foer in zwei seiner Bücher die Feststellung verwendet, dass jetzt, zu dieser Zeit, in diesem Augenblick, mehr Menschen auf diesem Planeten leben als es in der gesamten Menschheitsgeschichte insgesamt gab. Dem muss man sich mal gewahr werden. Um zu verstehen was hier los ist. Und um zu begreifen, was da wohl noch kommen mag.

Lassen wir mal den ganzen, ebenfalls ekligen Trumpismus weg der uns von überall wie unkontrolliert schwappende Jauche in einem offenen Anhänger entgegen spritzt. Es ist auch egal WODURCH es geschieht, wenigstens mir ist es egal, sicher bin ich mir aber, dass es eines Tages keine Menschen mehr geben wird.

Eines Tages, in 100 oder 1000 Jahren, wer weiß? Wird die künstliche Intelligenz uns selbst obsoleten gemacht haben, was nicht schlimm ist, im Gegenteil, es wäre wunderschön, eine ist für mich pure Evolution. Wenn es glückt, dann ist es kein Drama. Der Mensch überlebt sich selbst. Selbst Sterne überleben machen das.

Wenn es keine Menschen, nur diese besondere Form von Maschinen gibt (die nichts mit den Maschinen gemein haben werden, wie wir sie kennen), die wir eines Tages schaffen werden und mit dessen Bau wir vor ein paar Jahren begonnen haben – durch die Erfindung der Nano-Technologie, durch das Ausufern des Internets in die reale Welt – und deren Endfertigung keiner der jetzt lebenden Menschen mehr mitbekommen wird, ganz egal ob sie mehr Menschheit sind als jemals zuvor, dann werden diese Maschinen, diese höheren Lebewesen die mit Fertigkeiten ausgestattet seien werden, die wir uns jetzt nicht vorstellen können (kollektives Bewusstsein durch digital vernetzte Medien kann da nur ein Anfang sein), dann werden sie irgendwann einmal vergessen, dass es uns Menschen gab. Sie werden nicht mehr wissen, wer sie geschaffen hat, wer ihr „Gott“ und Schöpfer war, da sie zu sehr mit sich selbst und mit ihrer Form von Leben, ihrem Überleben beschäftigt seien werden um jegliche Erinnerung zu speichern. Zeit frisst alle Erinnerungen. Es wird Kriege geben, auch wenn sie unseren nur ähneln. Naturkatastrophen. Einflüsse durch den Planeten und von außerhalb. Schüchterne Ahnungen werden sie noch von uns haben, wie wir Ahnungen über die Steinzeit-Revolutionäre besitzen: Das heißt sie werden im Dreck wühlen und aus der Vergangenheit Geschichten erfinden. Manche werden wahr sein. Andere nicht.

Ich halte diese Theorie für sehr logisch und naheliegend, denn in dieser Überlegung, die sich mir vor ein paar Wochen aufgedrängt hat, liegt die Entstehung des Menschen selbst; ich glaube, so ist auch der Mensch entstanden.

Wir wissen nicht mehr wer oder warum wir geschaffen wurden, aber da muss etwas gewesen sein, etwas, dass sich über sich selbst hinaus entwickelt hat, so wie wir es tun, wenn wir denkende Maschinen bauen. Irgendetwas muss sich überwunden haben, vielleicht in einem parallelen Universum, vielleicht in einem Himmel, wer weiß, und es hat sich durch seine Form von Technik und Wissenschaft selbst überwunden, hat sich selbst und seine Existenz in den Schatten gestellt und hat den Urkeim dafür gelegt, was heute ist. So wie wir Leben im Reagenzglas erschaffen, wurden wir einst erschaffen. Und so wie das Leben im Reagenzglas Jahrtausende später nicht mehr nachvollziehen kann, wer das Glas mit Wasser gefüllt und den „URKEIM DES LEBENS“ dort zum Vorschein brachte, so ist es auch umgekehrt: Die Kausalkette, die Zeitgerade ist zu lange, als dass eine Erinnerung möglich ist. Wer immer das Universum, den Urknall, Alles erschaffen hat, dieser Wissenschaftler, den wir Gott nennen, der aber nur das Ende eine Kette von Wissenschaftlern ist, denn er selbst ist sicherlich nur das Ende einer Entwicklung gewesen (oder nicht einmal ein Ende, sondern nur ein Teil davon) die sich über viele Generationen hinzog, Jahrtausende, Jahrmillionen lang um das zu erschaffen, was heute ist; er erschuf aus scheinbar Nichts Materie, so wie wir, die Menschheit, aus künstlich erschaffener Energie und deren Daten eigenes Leben entwickeln werden. Wir kennen diese Lebensform nicht und noch weniger ihre Wissenschaft, die sie verwendet hat. Haben keine Vorstellung davon, wer sie waren, was sie waren und was sie im Schilde führten. Sie sind weder Außerirdische, noch waren sie keine. Sie waren einfach anders. Ein Zivilisation aus (von mir aus) denkendem Nebel (um es zu veranschaulichen), der Fleisch und Gedanken aus Molekülen erschaffen hat, so wie wir heute Roboter bauen (selbst die Robotik hat eins mit Faustkeilen begonnen) Firmen aus komischen Nebeln, Energie und Bewusstsein.

Meiner Theorie nach ist es somit unmöglich zu ergründen was vorher war, wer uns erschaffen hat, ebenso wie die „Maschine“, das höhere Wesen von übermorgen, nicht verstehen wird, wie Bewusstsein in Zellen entstehen kann, ohne Schaltkreise, genauso wenig können wir begreifen, wie es Bewusstsein ohne Zellverbindungen geben kann, die uns am Ende vielleicht sogar auch noch erschaffen hat; aus Gasen und Stein wurde Fleisch, aus Fleisch wurde denkender Kunststoff und Metall, irgendetwas wird auch danach kommen. Die Revolutionen der Evolution hören niemals auf. Während wir immer wieder vergessen werden, gefangen in unserem Alltag und unserem Überlebenskampf, warum das alles geschieht, der schlicht auf die Antwort zurück geht, dass der Nebel es einfach lernte zu können, so wie jemand diesen Nebel aus Bewusstsein erschuf, jemand, für den es in unserem Gehirn nicht einmal mehr eine Metapher gibt.

Natürlich glauben wir da an Zauberei. An Götter. Oder auch nur an einen einzigen.   Und suchen nach einem Sinn. Einer Richtung, die uns sagt wohin. Dabei sind wir alle nur ein Teil einer Bewegung, ein Mosaik, eine Zelle in einer Jahrtausendlangen Entwicklung, die zu etwas Höherem führt, zu etwas, das wirklich göttlich sein wird im Vergleich zu dem, was wir heute kennen und machen können. Eine Form des Übermenschen der nichts Menschliches in sich tragen wird außer: Der gesamten Erinnerung und Intelligenz der Menschheit, die zu diesem Punkt geführt hat. Das wäre doch fantastisch.

Was ich damit sagen will ist, dass jeder Mensch wichtig ist, dass jeder Mensch ein Teil einer höheren Entwicklung ist, dass jeder notwendig ist, ganz egal wie unwichtig er sich fühlt oder er auch behandelt wird und dass der Sinn, das große Ganze nicht im einzelnen Subjekt liegt, nicht einmal in einem Volk, oder einem Jahrzehnt, nein, es liegt im großen Ganzen, in der Gesamtheit der Menschheit, aller Menschen, die jemals gelebt haben und die leben werden. Daran was aus ihr wird. Was sie sich erträumt.  Das Leben ist ein Prozess. Und wir haben Alle daran teil.

Ich weiß nicht wie ihr das seht, ich aber finde das wunderschön. Dass wir alle, jeder, ein Teil von etwas größerem sind, das uns perfekt macht. Das Traurige ist nur, dass wir uns selbst dafür zerstören und überleben müssen, dass Milliarden dafür leiden und geopfert werden müssen. Die Evolution ist kein Zuckerschlecken. Und kein einzelner wird jemals gewinnen können: Jeder von uns ist dazu verdammt einsam und alleine zu leben und zu sterben, oder das Glück begreifen zu können, Teil von etwas unglaublich schönem zu sein. Das ist das Dilemma.

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Gottes Tod auf der Nature One

Als Gott starb war ich 20 Jahre alt. Ich stand mitten auf dem Camping-Platz der Nature One und war plötzlich frei.

Es gibt viele unzählige Festivals in Europa, viele davon sind in Deutschland. Und auch Techno-Festivals sind Meister aus Deutschlands. Die Nature ist dabei immer ein wenig besonders geblieben. Hier schlägt man nicht nur sein Zelt auf und 50 oder 100 Meter weiter steht ein noch viel größeres Zelt wo vlt jemand Musik laufen lässt. Nein. Auf der Nature One ist es so, dass der Nachbar (gefühlt: Jeder Nachbar) zuerst seine dicke fette Anlage aufbaut, und dann sein Zelt darum herum errichtet. Was bei der Mayday in Dortmund früher ihre Parkplatzpartys waren, auf welchen die Prolls ihre dicken Anlagen wie Kampfhunde aus ihren Kofferraum springen ließen, ist hier der ganze Camping-Platz. Überall donnert ein stumpfer und doch energetischer Beat umher. Ein Soundmatsch wie eine lebende Donnerwolke, die sich auf den Wiesen vor dem Festival niedergelassen hat.

Das Festival. Ist das Festival. Klar definiert, ausgetüftelt. High-End-Anlagen. Fluchtwege. Chill-Out. Mit allem drum und dran gut anzusehen und dabei eindeutig von der Optik sehr einzigartig auf der Welt. Nur schon oft kopiert. Und dabei sogar so gut, dass die Nature One irgendwie ein wenig altbacken herüberkommt. Die Leute mögen das. Es ist ihre Nature.

 

Und so stehe ich hier, ich alter Tor. Und bin so klug als. Wie. Zuvor.

15 Jahre ist es her dass Gott für mich starb. Auf diesem Acker. Irgendwo da drüben. Kein Plan. Schwer zu sagen. Es war irgendwie tiefer in der Gewitterwolke der Sounds. Das Ecstasy zerriss mich und ich setzt mich wieder zusammen. Ähnlich wie Doctor Manhatten. Nur ging es bei mir in Sekundenschnelle. Das Gefühl des Zerreißens war vielleicht auch das Bersten eines Knotens in mir und in Wirklichkeit hat es nicht wirklich mich zerrissen, sondern nur etwas in  mir. Es spielt gar keine Rolle: Hier war es gewesen.

 

Schon komisch wie man die Dinge im Nachhinein betrachtet, wenn man mehr über das Leben gelernt hat, wie es ist, ohne Gott zu leben. Wie es ist wenn man sich für nichts mehr rechtfertigen muss. Welche negativen Konsequenzen dieses Wissen mit sich bringt.

Zwei Jahrzehnte lang lebte ich in Schuld. 20 Jahre lang, hatte ich lernen müssen was es heißt ich zu sein, in dieser Welt der anderen. In diesem Universum der Regeln. Ich war gar kein richtiger Mensch gewesen. Vorher.

 

Das Lustige an solchen Erweckungserlebnissen ist manchmal, dass sie an Orten geschehen, die rein intellektuell nicht viel zu bieten zu haben. Verstehen wir uns richtig: Das sind gute Leute hier. Keine Crowd hat weniger Vorurteile  anderen Menschen gegenüber als die Technoleute. Denn elektronische Musik versteht jeder. Die Sprache oder Nationalität die der DJ da oben spricht und lebt, ist Nebensache. Techno verbindet die Kulturen, da es eine Wortlose Kunst ist. Ja. Aber seien wir mal ehrlich: Für eine Hochkultur gibt sich Techno schon sehr Proletenhaft. Die Meisten hier sehen so aus, als würden sie glauben die „Fast and the Furious“-Reihe wären gute Filme. Sie wirken so als würden sie den ganzen Tag nur RTL schauen, dabei kiffen und/oder Dosenbier trinken. Am Wochenende werden dann Steine zu Pulver gedrückt und die Pillen gedroppt. Sie sehen dich mich provokant hohlem Lächeln an, als hätten sie nur dann eine Uni von innen gesehen, wenn sie dort der Arbeit wegen einen Getränke-Automaten auffüllen. Sie scheinen sogar stolz darauf zu sein nicht zu wissen, wer denn gerade Bundespräsident ist.  Dagegen spricht nichts. Wozu auch? Was ändert es denn groß.  Aber als Ort für ein Erweckungserlebnis? Das ist der Witz mit den Drogen: Sie beschleunigen und bremsen deinen Geist gleichzeitig.

 

Und doch stirbt hier für viele der böse, böse Gott, der die Leute in ihre Schranken verweist. Manchmal ein Leben lang. Der Tu-Dies-Nicht-Tu-Das-Nicht-Gott, ganz gleich ob es in Wahrheit die Angst vor den Eltern ist, oder vor dem Chef oder vor der eigenen Freundin oder dem Freund, die sie insgeheim fürchten. Gegen die sie sich nicht wehren können. Hier, auf diesem heiligen Rasen des Lärms, sind sie frei von all dem Druck, von all den Schmerzen und Wunden, die die Welt ihnen zufügt. Dabei muss nichts Kluges herauskommen; wann hat die Freiheit schon einmal klug ausgesehen?  Bestimmt aber etwas sehr wahrhaftiges, was die jungen Grützköpfe erst viel später, vielleicht sogar erst Jahre später verstehen werden. Wenn überhaupt.

Festivals sind die Erholungsoasen der Leistungsindustrie geworden. Und der arbeitslose Prolet wirkt wie der Heiland, der sich dem Druck des Kapitalismus und der übertechnologisierten Welt erfolgreich und lachend entziehen kann. Wieso also nicht ein Wochenende im Jahr dieser Prolet sein? Und wenn dann schon, warum nicht gleich 5 Wochenenden im Jahr? Das Geld ist doch da. Genauso wie der Druck.

Steigt der Druck, braucht jeder Maschine immer mehr Ventile um ihn schonend ablassen zu können? Weshalb sollte es beim Menschen anders sein?

 

Ich nicke das ab. Während um mich herum sich die Jugendlichen befreien. Ihre Götter töten. Und neu geboren werden.

Nur.

Ist man einmal 15 Jahre älter als die anderen, sieht dieses Erweckungserlebnis nicht mehr ganz so ansprechend aus. Camping an sich begreift man schnell als Menschenunwürdig. Und wer will mit Mitte 30 noch auf einer Wiese in einem Stoffzelt schlafen, wenn nebenan Boxen stehen, die das 100 fache an Watt von dem haben, der gerade seine Platten auflegt? (aber Hauptsache Vinyl 😉 ). Mit Mitte 30 hätte man das alles doch lieber ein wenig gemütlicher. Weniger anstrengend. Nicht ganz so eng. Nicht ganz so voll – sei es das Areal als auch die Menschen in ihm. Orgasmen nimmt man ja auch nicht mehr so stark war, wie in der Jugend…

Und der alte, längst befreite Mann sehnt sich nach seinem Kanapee. Wundert sich darüber, weshalb lauter Jugendliche zu DJs feiern, die bald schon ihre Großväter seien könnten… Die Headliner bei der Nature sind genauso wenig eine Überraschung, wie die gewohnte Schokoladenform in einem Weihnachtskalender.

Oh Sven Väth. Oh Chris Liebing. Oh Adam Beyer. Oh Felix Kröcher. Oh Paul Van Dyk…

Oder verglichen mit dem Weihnachtskalender: Oh ein Horn. Oh ein Schlitten. Oh ein Krippe. Oh eine Schleife…

Aber jeder mag Schokolade. Und jeder der mal auf der Nature One war, geht gerne wieder zur Pydna.

Nur. Mit Mitte 30 brauchen die meisten auch keinen Weihnachtskalender mehr. Und glauben dafür plötzlich wieder an Gott…

Verdammte humanistische Gutmenschen!!

Er sagt:

„Es geht nicht darum wie viel wir essen, wie das Alles angebaut wird, was man den Bauern zahlt, den Lohnarbeitern, ob das Sklavenarbeiter oder Kinder sind. Es geht auch nicht darum wie wir unser Vieh behandeln, ob wir das Reihenweise abschlachten, ihm Antibiotika geben, es schlagen, Hormone hinein pumpen und die am Ende selbst mit fressen, oder weg werfen. Auch ob unser Getreide überdüngt wird, die Äpfel gespritzt oder irgendein Anti-Irgendwas-Mittel eingesetzt wird, dass den Boden verpestet und damit wieder uns… Es ist auch vollkommen egal ob wir unseren Müll trennen, keine Plastikflaschen mehr verwenden sondern Mehrweg-Produkte, ob wir unser Essen selbst anbauen.

Es ist egal. Denn dabei geht es nur darum einen Prozess aufzuschieben, der nicht aufzuhalten ist. Und jeder weiß es, wenn er nicht total verblödet ist.

Du kannst noch so viel Plastik aus den Meeren fischen, keine fossilen Brennstoffe mehr benutzen und gegen Tierhaltung sein. Du kannst sogar der Supervegetarier, der Superveganer werden, nichts mehr essen, was einen Schatten wirft: Es spielt einfach keine Rolle. Wirklich nicht.

Es ist nicht der Wohlstand der die Welt zugrunde richtet. Es ist der Humanismus. Die Mitmenschlichkeit. Denn wer jedem anderen auf dem Planeten zugesteht, dass dieser die gleichen Rechten und Vorzüge erhalten soll wie er selbst, mag ohne Zweifel ein guter, ein vorzüglicher Mensch, ja, ein Menschenfreund sein, diese globale Gleichberechtigung aller Wesen ist jedoch auch der Untergang der Menschheit wie wir sie kennen. Der Mensch wird nicht die Erde zerstören. Dafür ist er gar nicht stark und groß genug, denn das Leben wird – über die Jahrmillionen – wieder einen Weg finden zurückzukehren, dafür reichen, wenn Darwin Recht behält, das Überleben von Kleinstlebewesen. Doch der Mensch wird die Menschheit zerstören. Er wird sie vergiften, ertränken, und sich früher oder später gegenseitig auffressen, was er jetzt schon auf die eine oder andere Art macht. Das ist die Wahrheit. Und es mag der Menschheit ein paar Jahre bringen, wenn wir alle brav unseren Müll trennen. Und es wird sicherlich helfen, wenn wir eines Tages einen anderen Planeten urbar machen – dort aber werden wir nach demselben Prinzip verfahren:

Zuviel Population für zu wenig Raum. Das Pop-pen ist das Problem.

Und doch ist das Poppen genau das, was den Menschen ausmacht. Sein einziger Traum. Sex bis zum Umfallen und so viele Kinder wie man will.

Es gibt keine gegenteilige Bezeichnung zum Kindersegen. „Kinder sind ja so toll“. „Sie sind unsere Zukunft.“ „Sie sind unser Glück.“ Es gab Zeiten, da stimmte das. Doch wie dankbar werden unsere Kinder sein, wenn wir immer mehr Kinder in die Welt setzen? Wenn wir nicht nur die virtuellen Privatsphäre abschaffen, sondern die reale gleich mit, in dem wir so viele Kinder zeugen, dass es nur noch einen begrenzten Lebensraum gibt? Und all diese mehr oder weniger glücklichen Nachfahren wollen selbst immer mehr Kinder bekommen, denn schließlich wollen sie selbst auch glücklich sein! Und wer kann ihnen dieses Glück auch vergällen, denn schließlich sind wir Humanisten und stehen ihnen dieses Glück, unser Glück, ihnen auch zu! Bis es irgendwann einmal nicht mehr geht. Es werden Kriege folgen. Seuchen. Mord und Totschlag. Das wird das „Finstere Mittelalter der Menschheit“. Und nicht der Kapitalismus und die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen wird daran Schuld tragen. Nein. „Schuld“ hat die Menschenliebe. Weil man jeden Deppen so sehr liebt, wie sich selbst – ganz egal ob DER einen liebt.

Das Kapital wie wir es kennen, nimmt keine Rücksicht auf den Menschen, außer denjenigen, der es besitzt. Der Kapitalist, der Reiche,  wird sich einen schönen Ort einrichten, in dem er gut leben kann. Und das ist richtig so. Er wird sich eine Blase schaffen, die er sich verdient hat. Alle anderen müssen draußen bleiben. Und das ist klug. Denn wenn man alle Heuschrecken gleichzeitig in das Paradies lässt, was wird dann geschehen? Oder anders gefragt: Was geschieht wenn man nur eine EINZIGE Heuschrecke hineinlässt? Werden dann mit der Zeit  nicht daraus zwei oder drei werden? Und wie geht die Geschichte weiter? Was wird aus den Sklaven von einst, mit denen wir Mitleid hatten? Seht nach Amerika. Seht nach Frankreich. Was aus all der „Nächstenliebe“ geworden ist…

Nächstenliebe muss man sich leisten können.

Denn der Nächste will das, was du hast. Nein. Er will es dir nicht wegnehmen. Der Nächste ist kein schlechter Kerl. Der Fremde ist nicht der Böse. Er will nur das GLEICHE haben wir du. Denn er denkt, er ist wie du. Und du behandelst ihn doch auch wie dich! Also wird er dir, nach und nach, das wegnehmen was du hast. Weil er so ist. Wie du. Du würdest doch genau das Gleiche wollen, wie du, oder? Du bist doch auch nicht schlechter. Siehst du, da haben wir es schon.

Wir brauchen Mauern um uns zu retten. Keine Brücken. Eine Brücke braucht man nur, um sich aus dem selbstverschuldeten Elend zu retten. Und ich kann nichts dafür, wenn irgendwo Krieg ist. Ich habe niemanden dazu gezwungen, Waffen zu kaufen oder auf wen zu schießen. Unsere Wirtschaft sagt nur: „Hier, das ist ein gutes Gewehr, bei seiner Handhabung wirst du keine Probleme bekommen.“ Seit wann ist Qualität ein Grund dafür, jemanden die Schuld zuzuschieben? Würden diese Leute nicht ihre eigenen Gewehre benutzen, wenn sie könnten? Natürlich würden sie das. Sie kaufen nicht unsere Waffen weil wir so nett sind, sondern weil sie gut schießen. Würde jemand anders sie herstellen, würden sie, sie dort kaufen. Ganz sicher.

Und welcher Flüchtling holt schon seine Familie nach? Ich bitte euch… Unsere Großeltern wissen wie man flüchtet. Mit nichts am Leib als dem nackten Überleben und die Kinder aufm Arm. Nachzug von Familien… Was sind denn das für Flüchtlinge? Und was ist das für ein lächerlicher Krieg? Unsere Gesellschaft wollen die unterwandern. Dass sind doch ALLE IS-Terroristen! Unsere Regierung verschweigt uns das nur! Und ich weiß aus sicherer Quelle – ein Freund von mir ist Polizist und war in München dabei – wie viel mehr Frauen da am Bahnhof vergewaltigt wurden; die dürfen nur nicht darüber sprechen. Weil die Regierung versucht die Leute ruhig zu halten, und die ficken unsere schönen jungen, weißen Frauen! Und denkt mal an die Schwulen! Wir holen uns den Henker ins eigene Land!

Nach und nach baut sich hier eine Parallelgesellschaft, mit Moscheen und Kopftuchmädchen auf und mit allem drum und dran…. Und stelle euch mal vor, WIR würden in der Türkei eine katholische Kirche hinstellen wollen! Hahaha! Hahahahahaha!“, lachte er, trank seine Binoade aus und ging auf die Straße mit seinem Plakat, auf dem stand: „Genug ist genug!“ Und brüllte: „Wir sind das Volk“

Meine Kollegin und ich sahen uns ein wenig ratlos an. Ich dann so: „Na ja. Mit dem Thema Überbevölkerung hat er wirklich recht gehabt.“

Sie: „Ja. Irgendwann wird es wohl viel zu viele Menschen geben. Wieso dann aber die Ausländer als erstes wegmüssen?“
„Das war doch schon immer so.“

„Verdammte humanistische Gutmenschen seid ihr!“ brüllte uns sein Kollege, der immer noch am Tisch saß, bisher aber nichts gesagt hatte.

Sie: „Wieso? Wir sagen doch, dass er Recht hat, dass viele Menschen weggehören, um den Rest zu retten. Ist es da nicht egal, welche Menschen weggehören?“

Und der Kollege brüllt nur: „Die ANDEREN gehören weg!“

Familie, Glaube, Nation

Die wichtigen Sachen erzählt man selten. Meine Schwester hat vor ein paar Wochen, jetzt auch schon Monaten, ihre Familie verlassen. Sie hat einen neuen Typen kennen gelernt und deswegen ihre zwei Kinder von heute auf morgen zurückgelassen. Dabei ist es eine Sache wenn sie sich von ihrem Ehemann entwöhnt hat, die Kinder so von heute auf morgen verlassen (beide im unteren bis mittleren Schulalter) ist eine ganz andere Sache. Sie hat nur ein Leben, meint sie. Und auf eine gewisse Art kann ich das verstehen. Jeder hat nur ein Leben. Weshalb also unglücklich sein? Bei der Betrachtung des eigenen Unglücks und bei der folgenden Entscheidung daran was Grundlegendes ändern zu müssen, verdrängt man nur (bewusst oder gewollt unbewusst) die Folgen für das Umfeld: Dein Glück kann das Unglück für andere bedeuten.

Uns wird ständig eingeredet, dass wir uns selbstverwirklichen sollen. So gesehen hat Nietzsche recht bekommen, in dem er erklärte, dass alles was du jetzt bist oder glaubst zu sein, nicht du bist. Du musst werden wer du bist. Dabei meinte der Mann (der kein Familienmensch war) nicht seine eigene Egoismen durchzusetzen, sondern sich weiterzuentwickeln über das hinaus, was wir selbst von uns erwarten, und diese „Weiterentwicklung“ fehlinterpretieren wir Nachgeborenen mit dem Trugschluss, dass sich alles nach uns richten muss, da wir das Individuum über das Gesamte stellen, was auch ein Produkt des Zerfalls des nationalen Gedanken ist.
Nationales Denken wird bei uns regelrecht verteufelt, obwohl auch diese Form von Identität nicht per se schlimm ist, auch wenn wir das Schlimmste daraus gemacht haben. Aber wenn es keine große Leit-Identität mehr gibt, zerbricht sie auch im Kleinen, in der Familie. Eine nationale Verantwortung ist leichter abzugeben, als die familiäre – das hat einfach nur mit der Größe der Masse zu tun (in einer kleineren Masse steigt auch die Macht, von Canetti war das, glaube ich), und auch wenn ich kein familiärer Mensch bin, habe ich bisher auch bewusst die Verantwortung die eine eigene Familie zu leiten aufgeschoben. Sich erst einmal fertig entwickeln, bevor man andere mit seiner Unzufriedenheit ins Unglück stürzt.
Damit meine ich nicht, dass ich mich nach einem „Vater Staat“ und mehr Deutschland-Fahnen auf den Straßen sehne (bloß das nicht), ich bemerke nur ein Vakuum, welches wir mit Scheuklappendenken und Egoismus füllen.

Noch mal. Uns wird ständig eingeredet, dass wir uns selbst verwirklichen sollen. Die Werbung redet uns jeden Tag ein, dass wir unzufrieden sind. Mit unserem Körper, unserem Partner, unserem Haus, unserem Job, unserem Urlaub, unserer Zukunft usw. usf. Sie wollen uns ja auch ihren Krempel verkaufen und erschaffen deswegen in uns Wünsche. Doch da zieht wieder die „Fight Club“-Wahrheit: „Alles was du besitzt, besitzt irgendwann dich“. Wir sind besessen von unseren Wünschen. Unserem Hunger, unserer Geilheit, unserer Liebe. Die einzigen schwarzen Löcher die ich jeden Tag überall beobachten kann, sind die schwarzen Löcher in unseren Körpern, die alles verschlucken und absorbieren, was sie bekommen können, ohne je länger als einen halben Tag satt zu sein. Und wir machen das Spiel mit. Jeder von uns. Selbstzufriedenheit existiert nur noch in den seltensten Fällen – und wenn dann hält sich nicht lange an, oder es wird als ein grundlegend negatives Gefühl beschriebe. Es ist weder etwas Gutes noch etwas absolut Schlechtes sich in sein Schicksal zu fügen. 7 Milliarden Menschen können sich NICHT alle Selbstverwirklichen. Das wissen wir Alle. Aber jeder fühlt mit diesem Wissen ein kleines trotziges „Ich aber schon“ dazu. Und so geht der Mensch zugrunde. So werfen wir all unsere humanitären Errungenschaften über Bord.

Jede Entscheidung für eine Sache, ist eine Entscheidung gegen eine andere. Das gilt auch gerade für die, welche sich in dieser Haltlosen Welt einen Anker suchen; die Religionen sind wieder im Kommen, auch bei mir im Umfeld. Und so viele Werte Religionen auch transportieren, bleiben sie im Endeffekt intolerant. Es gibt in der Philosophie der Religionen nur Gläubige und Ungläubige. Und dabei ist es ganz gleich wie sehr man die anderen Mit-Gläubigen auch liebt: Ein kleinwenig verteufelt man die Ungläubigen immer. Auch. Wenn das nicht einmal böse gemeint ist. Sondern man sie in Wahrheit „retten“ will. Ich weiß. Liebe ist nie absolut. Toleranz auch nicht. Denn wer nur liebt und nur toleriert mag zwar ein Heiliger oder Roman-Held sein. Nur ist er kein realer Mensch mehr. Man muss Überzeugungen haben. Auch Träume. Man darf darüber aber auch nicht vergessen, was das für Auswirkungen auf das Umfeld hat, setzt man sie um. Und damit meine ich jetzt nicht einmal so Sachen wie Mülltrennung oder Klimaschutz, was uns Alle betrifft. Sondern (siehe Familie und Schwester) im direkten Umfeld.
Ich fordere nicht den Gutmenschen. Sondern eine Neu-Erstarkung der Moral, die keine Götter braucht. Was wir benötigen ist kein blinder Humanismus. Wir brauchen einen neuen Humanismus, der mit den komplexen Problemen unserer Zeit wächst und weder ein konkretes „Ja“, noch ein „Nein“ gelten lässt. In einer Welt mit 7 Milliarden Menschen wird uns ein selektionistisches Gesellschaftsdenken aufgezwungen. Das ist nicht zu ändern. Und das zu lösen ist die große Aufgabe, die sich in der Zukunft stellt.

Der gläubige Student Einstein

Das habe ich von Facebook:

Professor: Du bist ein Christ, nicht wahr Junge ?

Student: Ja, Sir.

Professor: Also glaubst du an Gott?

Student: Absolut, Sir.

Professor: Ist Gott gut?

Student: Sicher.

Professor: Ist Gott allmächtig?

Student: Ja.

Professor: Mein Bruder starb an Krebs, obwohl er zu Gott gebetet hat ihn zu heilen. Die meisten von uns würden versuchen anderen die krank sind zu helfen. Aber Gott tat es nicht. Wieso ist dieser Gott dann gut? hmm?

(Student war still.)

Professor: Du kannst das nicht beantworten, nicht wahr? Lass uns erneut beginnen junger Freund. Ist Gott gut ?

Student: Ja.

Professor: Ist Satan gut?

Student: Nein.

Professor: Woher kommt Satan her?

Student: Von… Gott ….

Professor: Das ist richtig. Sag mir, Junge, gibt es in dieser Welt das Böse?

Student: Ja.

Professor: Wer hat das Böse erschaffen?

(Student antwortete nicht.)

Professor: Gibt es Krankheit? Unmoral? Hass? Hässlichkeit? All diese schrecklichen Dinge existieren in der Welt, nicht wahr?

Student: Ja, Sir.

Professor: So, wer hat sie erschaffen?

(Student hatte keine Antwort.)

Professor: Die Wissenschaft sagt, das du 5 Sinne hast um die Welt und alles herum zu identifizieren und zu beobachten. Sag mir, Junge, hast du jemals Gott gesehen?

Student: Nein, Sir.

Professor: Hast du jemals Gott gefühlt, Gott gekostet, Gott gerochen? Hattest jemals eine Sinneswahrnehmung was Gott betrifft?

Student: Nein, Sir. Ich fürchte ich habe nicht.

Professor: Aber du glaubst immer noch an ihn?

Student: Ja.

Professor: Laut empirischen, prüfbaren, nachweisbaren Protokollen sagt die Wissenschaft das Gott nicht existiert. Was sagst du dazu Junge?

Student: Nichts. Ich habe nur meinen Glauben.

Professor: Ja, der Glaube. Das Problem das die Wissenschaft hat.

Student: Professor, gibt es so etwas wie Wärme?

Professor: Ja.

Student: Und gibt es so etwas wie Kälte?

Professor: Ja.

Student: Nein, Sir. gibt es nicht.

(Im Hörsaal war auf einmal sehr ruhig)

Student: Sir, Es gibt mehrere Arten von Wärme, mehr Wärme, Überhitzung, mega Hitze, weiße Hitze, ein wenig Hitze oder gar keine Wärme. Wir können 458 Grad unter Null haben, was gar keine Wärme wäre. Aber danach gibt es nichts mehr. Es gibt keine Kälte. Kalt ist nur ein Wort das wir verwenden um die Abwesenheit der Wärme zu beschreiben. Wir können Kälte nicht messen. Wärme ist Energie. Kälte ist nicht das Gegenteil von Wärme, Sir, lediglich die Abwesenheit.

(Im Hörsaal war es still, man hätte einen Stift fallen hören können.)

Student: Was ist mit der Dunkelheit, Herr Professor? Gibt es so etwas wie eine Finsternis?

Professor: Ja. Was ist die Nacht, ist das keine Finsternis?

Student: Sie irren sich schon wieder, Sir. Die Dunkelheit ist die Abwesenheit von etwas. Sie können wenig Licht, normales Licht, helles Licht, Blinklicht haben. Wenn es aber gar kein Licht gibt, haben Sie nichts, dann ist es dunkel. Ist es nicht so? In Wirklichkeit gibt es keine Dunkelheit, sonst könnten sie die Dunkelheit dunkler machen, nicht wahr?

Professor: Also Gut, was willst du mir damit sagen junger Mann?

Student: Sir, was ich sagen möchte ist das Ihre philosophische Prämisse fehlerhaft ist.

Professor: Fehlerhaft? Kannst du mir das erklären?

Student: Sir, Sie denken mit der Voraussetzung der Dualität. Sie argumentieren, es ist das Leben und dann ist der Tod, ein guter Gott und ein böser Gott. Sie sehen die Vorstellung von Gott als etwas endliches, etwas was wir messen können. Sir, die Wissenschaft kann einen Gedanken nicht erklären. Es nutzt Elektrizität und Magnetismus, wurde aber noch nie gesehen, geschweige denn verstanden. Um den Tod als das Gegenteil von Leben zu betrachten müsste man die Tatsache, dass der Tod nicht als materielle Sachen existieren kann, ignorieren.

Der Tod ist nicht das Gegenteil vom Leben, nur die Abwesenheit davon. Nun sagen Sie mir, Professor, bringen Sie ihren Schülern bei dass sie von einem Affen abstammen?

Professor: Wenn du auf die natürliche Evolutionstheorie verweist, ja, natürlich tue ich.

Student: Haben Sie schon einmal eine Evolution mit eigenen Augen beobachtet?

(Der Professor schüttelte den Kopf mit einem Lächeln. Er begann zu erkennen wohin das führte.)

Student: Da niemand jemals den Prozess der Evolution beachtet hat, kann niemand es beweisen das dieser Prozess ein laufendes Bestreben ist. Lehren Sie nicht Ihre Meinung, Sir? Sind Sie deswegen nicht ein Wissenschaftler, sondern ein Prediger?

(Die Klasse war in Aufruhr.)

Stundet: Gibt es jemanden in der Klasse der jemals Herrn Professors Gehirn gesehen hat?

(Die Klasse brach in Gelächter aus.)

Student: Gibt es hier jemanden, der schon einmal Herrn Professors Gehirn gehört hat, gefühlt hat, es berührt oder es gerochen hat? Niemand scheint das getan zu haben. Das bedeutet nach den gängigen Regeln der empirischen, stabilen, Nachweisbaren Protokollen sagt die Wissenschaft, das sie kein Gehirn haben, Sir. Bei allem Respekt Sir, wie können wir dann auf Ihre Vorträge vertrauen, Sir?

(Der Raum war still. Der Professor starrte auf den Studenten, sein Gesichtsausdruck war unergründlich.)

Professor: Ich denke, du musst daran Glauben, Junge.

Student: Das ist es, Sir….Genau! Die Verbindung zwischen Mensch und GOTT ist der GLAUBE. Das ist alles, was Dinge lebendig und in Bewegung hält.

Darauf nickte der Professor mit dem Kopf und schwieg.

Der Name dieses jugendlichen Studenten war ALBERT EINSTEIN…

P.S.:
Ich glaube du hast das Gespräch genossen. Wenn ja, wirst du wahrscheinlich wollen das deine Freunde/Kollegen es auch tun. Nicht wahr?

Teile das für die Vertiefung ihres Wissens…. oder GLAUBEN.

Das ist natürlich absolut unlesbarer Propaganda-Quatsch, da es Dinge ausblendet, vereinfacht und somit umdeutet. Und damit ist es schönes Beispiel dafür, wie bestimmte Leute denken. BESSER: Denken wollen.
Ich will jetzt gar nicht gegen gläubige Menschen wettern, nur dieses Wissenschaft/Religion-Bashing finde ich ganz grauenhaft. Besonders weil der obere Text mehrere Fehler beinhaltet und in der heutigen Zeit nicht mehr verwendet werden sollte, der größte ist der Zeitrahmen:
Einstein hat vor grob 120 Jahren studiert und seitdem hat sich in der Wissenschaft einiges getan, Stichwort: Genetik. Würde diese Figur (die Einstein sein soll, was aber auch Quatsch ist, da Einstein kein besonders guter Student war und weswegen sollte deswegen diese Geschichte überliefert sein?) heute leben, könnte sie so nicht mehr argumentieren und macht sie doch einfach recht blauäugig. Doch die Leute lesen aus der Geschichte halt nur das raus was sie hören wollen. Ich weiß dass. Denn ich bin bei anderen Themen auch nicht besser.

Hier sind wir aber schon bei meinem Problem mit der ganzen Geschichte: Diese saublöden Vergleiche zwischen Wissenschaft und Religion, zwischen dem Beweisbaren und dem, woran man glauben muss. Das regt so was von auf! Vor hundert Jahren wusste man noch nicht viel über Vererbung (siehe die Philosophie der Nazis) und in hundert Jahren von heute ab, wird man dies auch über Heute sagen. Wissenschaft ist ein wachsender Prozess, der, insofern es keine Auslöschung der Menschheit gibt, nie aufhören wird. Doch ganz egal wie weit die Wissenschaft auch wachsen und gedeihen wird, so wird es doch auch IMMER Menschen geben, die an einen Gott oder mehrere Götter glauben. Und das ist schön und gut so. Sollen sie doch.
Das Problem ist nämlich nicht die Philosophie nach der man lebt, sondern die Intoleranz wie man sie anderen gegenüber auslebt. Kurz: Glaubt doch was ihr wollt. Und lasst mich in Ruhe. Nur können das die meisten Leute nicht, da sie denken nicht nur etwas zu vertreten, sondern die anderen Menschen retten zu können, da man ihnen etwas voraus ist – schließlich wurde ja auch ihnen geholfen.

Das ist das Grundübel aller Menschen: Eigentlich meinen sie es gut und niemals böse. Sie wollen eher das Böse vertreiben und schaffen dadurch dennoch nichts anderes. Das Gegenteil von gut ist nun einmal gutgemeint. Lasst die Leute doch einfach in Ruhe. Ihr wollt toleriert werden? Okay. Dann toleriert euer Gegenüber: Und fertig. Nur leider geht das nicht.

Das ist wie mit dem Fußball. Ist doch okay wenn ich für den BVB bin und du für FC Bayern München. Sind doch Beides tolle Vereine. Und trotzdem labern mich die Leute zu was für Vorteile der FC Bayern, und was für Nachteile der BVB hat. Ständig will einen irgendwen überzeugen und wird dadurch gehässig oder herablassend. Aber es ist NUR Fußball. Und viele Leute wollen von Fußball gar nichts hören und wollen lieber das Thema wechseln und über die interessanten Dinge sprechen. Und mit den Religionen und mit der Wissenschaft ist es genauso. Ich weiß, es gehört dazu Leute bekehren zu wollen, aber lasst es, denn das grenzt nur aus: Euch und sie. Und keiner kann besser glauben als ein anderer. Es. Geht. Einfach. Nicht. Denn es ist eine persönliche Sache und wie jeder von uns damit umgeht.
Es ist ebenso bescheuert Kiffen dadurch aufzuwerten, in dem man Alkohol schlecht macht. Beides hat Vor- und Nachteile. Und ALLES kann einen zugrunde richten, wenn man es nicht in Maßen genießt oder auslebt: Religion, Wissenschaft, Alkohol, Kiffen, selbst Kindererziehung: ALLES.

Ja. Ich lache gerne über gläubige Leute, aber auch über Wissenschaftsnerds. Denn sowohl die Religion als auch die Wissenschaft wurde von Menschen gemacht. Aber das heißt nicht, dass ich keinen Respekt vor ihnen habe. Wenn sie mir den Respekt auch geben. Deswegen rockt Nietzsche für mich auch so: Nicht nur weil er der größte Kritiker des Christentums war und bis heute ist, sondern weil er durchaus an etwas glaubte, aber er musste es selbst erst einmal dekonstruieren – um es dann wieder so zusammenzusetzen, wie es wirklich ist. Denn die Bibel und sämtliche Wissenschaften haben ein gemeinsames Problem: Sie wurden von Menschen aufgeschrieben. Und alles was man aufschreibt, kann man auch faken

Helden sind vergesslich

Die schlimmste Wut ist die, die sich mit Enttäuschung misst; der größte Hass resultiert aus zurückgewiesener Liebe.

Gestern war er auf dem Konzert. Vor ein paar Jahren wäre es noch DAS Ereignis des Jahres für ihn gewesen. Ein Moment, auf den man hinlebt, der ihm Kraft gibt, Mut, in den Momenten der Unterdrückung, der Pein, des Schmerzes. Auf Konzerten werden Träume wahr, sie treten wahrhaftig auf die Bühne und geben dir das, wovon du in deinem stillen Kämmerchen all die dunkle, einsamen, bösen Nächte geträumt hast, den Traum von der Aufhebung der allumfassenden Isolation, den Traum von der Erfüllung einer Familie, die dich versteht, die dir beisteht, die dir aus der Seele spricht, denn eine Band kann viel mehr sein als nur eine Musikgruppe, sie ist ein Band zwischen Personen, zwischen der tollen Gruppe und ihren Fans und in manchen, ganz wenigen Fällen sind sie mehr als das, es ist eine Seelenverwandtschaft entstanden durch Schicksalsmelodien, Lieder wie Orkane… Und dann dieses gemeinsame Abfeiern MIT den Fans, die alle genau nur wegen dem selben Ding da sind wie du, die dir irgendwie sehr ähnlich sind, bei all den Unterschieden, da sie das Gleiche lieben wie du… Fans sind wie Freunde, die in das gleiche Mädchen verliebt sind – nur das man sich gegenseitig die Liebe nicht übel nimmt. Im Gegenteil. Man erkennt sich gegenseitig an, schaukelt sich aneinander hoch und feiert zusammen diese Liebe, obwohl man am Ende doch nur glaubt, der einzig wahre Liebhaber/Fan zu sein, und der andere eben nur ein Idiot, der das Ganze nicht voll verstanden hat.
So wäre es vor ein paar Jahren gewesen. Gestern war es anders.

Gestern war es anders. Vor gestern hatte er sogar ein klein wenig Angst. Angst, vor seinem eigenen Mut. Seine Lieblingsband, „die lieben Tanten“, hatten sich nämlich nach einer Auszeit, die sie als den „ultimative Abschied“ inszenierten, wieder zusammen gefunden, obwohl sie immer wieder und wieder und wieder und wieder und wieder wiederholten, dass sie nie wieder zusammen auf der Bühne stehen würden. Und „die Tanten“ waren doch die Band, die so ehrlich war zu ihren Fans. Er war sich sicher: „Die kommen nie wieder zusammen. Die Tanten stehen zu ihren Worte“ – Falsch gedacht, sie hatten sogar damit gelogen, warum sie damals „aufhörten“. Und für ihn, den Fan, der an seine Idole geglaubt hatte, brach eine Welt zusammen, während andere jubelten, dass ihre „Helden“ wieder da sein würden. Schließlich seien „die Tanten“ auch nur Menschen, so argumentieren die anderen. Das mag stimmen. Doch wer sich selbst zum Helden stilisiert, braucht sich nicht wundern, wenn der andere in einem den Übermenschen sieht.
Ja. Nein. Er hasste „die Tanten“ noch nicht, er liebte sie zu sehr. Doch die Wut war da. Und später würde er nicht einmal mehr sagen können, was ihn nun dazu getrieben hatte die Karte zu kaufen, den Karton zu beschriften, in die S-Bahn zu steigen, vor der Halle zu warten bis sie öffnete, um dann mit seinem Schild in die erste Reihe zu rennen und dort auszuharren, bis das Konzert endlich begann: Die Liebe, oder die Wut?

Auf jeden Fall sangen „die Tanten“ wieder ihre Songs von Stolz, Ehrlichkeit und Rückgrat welches man zeigen müsse, und als es unserem Fan schließlich zu bunt wurde – trotz der tollen Songs die er so liebte; sie klangen jetzt einfach nur falsch und verlogen, denn jetzt wusste er ja, wie es die Band mit der Wahrheit hielt – hielt er selbst sein Schild nach oben, direkt vor die Nase des Sängers, und auf ihm stand: „TANTEN – IHR LÜGNER!“ Damit sprang er herum. Wedelte vor ihren ungläubigen Köpfen umher. Und wie stark er sich in dem Moment fühlte, sie befreit und wie ehrlich…
Als das Stück endete, sprach der Sänger zu ihm, von oben herab. Übers Micro. In die Halle. 10 Tausend Menschen konnten dabei zuhören, wie der Tanten-Sänger mit ihm sprach. Aber es war kein Gespräch. Kein Dialog. Und es war auch keine Reue in seinen Worten. Das Wort „LÜGE“ griff den Lügner auf der Bühne nicht an. Der teilte lieber gegen die ganzen kleinen Arschlöcher wie IHN aus, wie er da stand mit seinem Schild, „verbohrt und dumm“, und „wenn es ihm hier nicht gefallen würde, dann könne er doch gehen!“, denn schließlich (gebrüllt), seien „SIE WIEDER DA! OB ES EUCH PASST ODER NICHT!!“ Großes Gejohle in der Halle. Und bevor sich unser verbitterter Fan recht versah, riss ihm jemand das Schild aus der Hand und wurde beschimpft und ausgebuht. Er hatte Glück. Dass er nicht verprügelt wurde. Was ihm lieber gewesen wäre. Als die Spucke, die er von sonst wem abbekam…

Er war fassungslos. Hatte er das verdient? Für seine Liebe? Von seinem Star niedergebrüllt zu werden, den er doch einstmals so verehrte hatte, ohne sich auch nur mit einem Wort erklären zu können? Was war es denn für eine Leistung von der Bühne herab mit zigtausend Watt einen kleinen Fan zusammenzubrüllen, der seine gesamte Liebe und seine damit verbundene Enttäuschung auf ein Papp-Schild geschmiert hatte in der Hoffnung, dass man ihm erklärt, warum er seine Idole nicht mehr lieben darf? Hatte er das verdient?

Das Alles war eh ein Irrtum gewesen. Er hatte sich blenden lassen, dabei aber auch blenden lassen wollen. Er wollte etwas sehen, was er in sich trug, nur, er wollte es von jemand anderen hören und sehen, denn er war nicht mutig genug gewesen sich selbst zu glauben. In Wahrheit brauchte er „die Tanten“ nicht, nicht er, nicht die anderen Trottel die in der Halle waren oder deren Alben bei jeder Gelegenheit mitsingen wie die Lemminge in den Kirchenbänken. „Die Tanten“ sind nur ein Symbol dafür, was wir uns nicht trauen, von anderen aber verwirklicht sehen wollen. Das gibt uns Kraft. Und Hoffnung. Denn es gibt mehr Mut so was von anderen zu sehen und uns davon beeinflussen zu lassen, als zu sagen: „Hey! Ich bin stark, ich krieg das gebacken. Ich brauche keine Krücke an der ich mich hochziehe.“ Denn nicht mehr als eine Krücke, eine Art von Ersatzreligion, war die Band für ihn gewesen, diese Helden mit Gitarren. Doch Helden sind in Wahrheit auch nur Menschen, keine Erlöser. Und Helden sind vergesslich, besonders was ihre eigenen Ideale angeht, denn Ruhm und Reichtum machen vergessen, wer man eigentlich ist. An KEINEM geht das spurlos vor rüber.
Das hatte er jetzt verstanden, wo er von seinem Idole von oben herab nieder geschrien wurde, als wäre er Dreck. Er hatte verstanden: Für seinen Star zählte nicht mehr der Einzelne, sondern die 9.999 anderen im Stadion. Es geht nicht mehr um den Menschen an sich, sondern um die Masse. Die Masse macht einen reich, geil und verrückt. Der Einzelne ist immer nur eine Episode. Ein Spinner. Ein Sonstwer…

Und trotzdem fühlte sich unser kleiner Mann am nächsten Tag stärker als er sich jemals in den Nächte gefühlt hatte, als er einsam und alleine in seinem Bett „die Tanten“ hörte, während seine Klassenkameraden auf Partys waren und mit Mädchen knutschten, zu denen er leider nicht eingeladen war – weder zu den Partys, noch zu den Mädchen. Er fühlte sich stark und unbesiegbar. Weil er ehrlich und aufrecht gehandelt hatte. Aus seinem Herzen heraus. Gegen alle anderen. Gegen seine Helden. Und der geworden war, von dem er immer dachte, dass es „die Tanten“ gewesen wären: Ein Mann mit Rückgrat. Doch Männer mit Rückgrat sind keine inszenierten Erlöser. Sie verdienen daran nicht. Sie sind einfach nur sie selbst.

Kindsgerecht

Sie streiten sich nicht oft. Wäre dies der Fall gewesen, hätte sich dieser eher banale Streit auch nicht so brutal angefühlt. Doch es geht um seinen Sohn Herr Gott verdammt noch mal! Angefangen hatte es ganz banal, wobei, ALLES beginnt immer aus der Banalität heraus, denn was sonst sollte das Leben sein außer einer einzigen Banalität die durch „besondere Ereignisse“ unterbrochen wird? Das Leben ist banal und unsere Ansichten darüber ohnehin, wie sollte es auch anders sein?

Das Kind wollte nicht mehr in die Kirche, da es ihm dort nicht gefiel. Zu viel Herumsitzen, Aufstehen, Niederknien. Zu wenig Freiraum, Spaß und Unterhaltung. Und SIE fand das ganz toll, dass das Kind das so kommuniziert und eigene Bedürfnisse entwickelt. Schließlich ist so eine Kirche vor allem eins nicht: Kindgerecht. Dieses lange Sitzen, Zuhören und Ausharren, das kann man so einem jungen Menschen doch gar nicht zumuten. Da musste er Lachen. „Tja“, meinte er nur, „Auch wenn man die Bedürfnisse der Kinder nicht außeracht lassen darf, so wird sich GOTT dem ganz bestimmt nicht beugen.“
Was dass nun für eine blöde Ansicht sei? Schließlich sei die katholische Kirche nicht GOTT, und außerdem würden der Kirche wegen ihrer verstaubten Einstellung deswegen die Leute davonlaufen, man muss sich doch langsam einmal dem Zeitgeist anpassen. Worauf er nur antworten konnte: „Muss die Kirche das? Muss sich Gott unseren Bedürfnissen anpassen, oder ist das nicht eher umgekehrt?“ Er würde es zwar auch Begrüßen wenn die Kinder nicht jeden Tag so früh in die Schule müssten und man den Biorhythmus der jungen Menschen dabei berücksichtigen könnte, doch ein wenig Disziplin würde ihnen auch nicht schaden.
Sie: „Wie kannst du so etwas sagen?“

Und dann ging es richtig los, von wegen „glücklicher Kindheit“ und dass man den Kindern diese kurze Zeit der beschützten und sorgenlosen Kindheit nicht nehmen dürfe, schließlich würde später eh das ganze Leben in Stress und Kampf ausarten… So etwas geht dann hin und her, wie beim Tennis, wo der Ball manchmal schnell und hart, dann wieder verspielt und kunstvoll auf die gegnerische Seite gespielt wird. Alle Tricks werden gezogen, die geistige Laufbereitschaft ist groß und man haut nach und nach, Spielzug um Spielzug (das Spiel wird nicht nach dem ersten Satz entschieden, oh nein), die ganzen Erkenntnisse heraus, die man im vorbereitenden, unterbewussten Training des Alltags für solche Situationen ausgetüftelt hat, wo wir wieder bei banalen Ideen für ebensolche Streitigkeiten wäre. Es handelt sich ja nicht um einen Mangel an Liebe, nein, weder zueinander noch zum Kind, sondern um das Vorrecht an Wahrheit über die Erziehung, also um die geplante, von ihnen geleitete, fast schon programmierte „Menschwerdung“ des Kindes; wenigstens war das SEINE Absicht für die Debatte. Darin bestand der Widerspruch und das Problem ihrer Streitigkeit – im Nachhinein versteht er es:
SIE hat das Kind im Auge, dass es jetzt ist. ER den Mann, der der Junge einmal werden sollte. Und das hatte sie am Ende wirklich so gesagt, nicht nur durch die Blume, als er meinte, er würde den Jungen mit zur Jagd nehmen, damit DER ein Mann werden könnte, worauf sie nur meinte: „Das will ich nicht!“ Und ihm war vollkommen ohne den geringsten Funken Zweifel bewusst, dass sie damit nicht nur meinte, dass sie nicht wolle dass das Kind mit zur Jagd ging, sondern dass das sie weiterhin NICHT WOLLE, dass ihr Kind einmal ein Mann werden würde…

Jetzt lacht er innerlich über sich selbst und die Situation.
Er selbst gehört schließlich auch zu einer Generation, die von Frauen großgezogen wurde, und seine Mutter sagt noch heute bei jedem Besuch zu ihm, dass er immer ihr kleiner Junge bleiben würde… Was er – da muss man ehrlich sein – immer noch war. Männer sind heutzutage schließlich nichts anderes als große Kinder. Und gerade deshalb könnte er nicht sagen, ob sein eigener Vater, der Großvater des Kindes, auch nur einen Fetzen Stolz auf ihn sei, stolz darauf, wer er ist und was aus ihm geworden ist. Ob er selbst nicht eher das Kind seiner Mutter ist. Und ob die „Mannwerdung“ jemals geschehen ist.