Absolution – 7 – Der Pfad der Dämmerung

Den richtigen Zustand der phantasiert/realen Euphorie zu erreichen war zu seinem Lebensziel geworden. Alles andere war nur Beiwerk. Und konnte er nun, so wie es jetzt geschah, in sich selbst und in seiner Traumwelt onanierend wegdämmern, war ihm so, als würde sich seine Persönlichkeit auflösen. Er war nicht der verschwitzte Typ der sich Stundenlang vor dem Rechner seinen Schwanz rieb und massierte bis dieser blutig und an den Seiten merkwürdig geschwollen war (wie ein Gesicht, dem man einen gezielten Schlag versetzt hatte); Paul war gar nicht da. Paul war weg. Paul war fort. Sein Körper war nur eine Hülle. Ein Gefäß in dass er zurückkehren musste: Irgendwann. Nein. Der echte Paul war weg. Der echte Paul erzählte sich Geschichten. In diesen erotischen, eindeutigen Geschichten ging es nicht nur darum mit Frauen den Akt zu vollziehen. Es ging um Alles. Um das Ganze darum herum. Er sah nicht nur die Göttin und die Lust. Das hatte ihm schnell nicht mehr ausgereicht. Nein. Um die Lust zu erleben, musste ein ganzes Universum erfunden werden. Eine Parallelwirklichkeit. In der er ein Szenario entwarf, aus dem die Lust entspringen konnte. Sein chemisch verbesserter, übereuphorisierter Verstand schrieb den Frauen Biografien auf die Seele, Charaktereigenschaften, Wünsche, Ängste und Nöte, warum sie in diese Situation gekommen war, was sie wollten, was nicht und was sie zusammen erlebten. Der Sex war immer nur Sex. Und es wäre gelogen gewesen wenn dieser Sex nicht wichtig wäre. Er war tatsächlich der Dreh- und Angelpunkt des ganzen Geschehens. Viel wichtiger erschien ihm aber die erfundene Person hinter seinem Begehren. Eine Person. Eine Frau. Die er nach seinen eigenen Wünschen erschaffen konnte. Paul merkte es nicht einmal, dass er sich zwar nach Sex und Zuneigung sehnte. Es ihm aber die größte Lust verschaffte, Gott zu spielen. Die größte Befriedigung war es. Allmächtig zu sein. Nicht nur irgendein kleines Rädchen im Getriebe einer Welt die ihn nicht brauchte um sich selbst zu erhalten.

 

Er sah gar nicht mehr nicht auf den Bildschirm. Seine Augen waren lächerlich lustvoll zur Wohnungsdecke verdreht. Während er von einer Katha träumte, von der er mehr wusste, als von der echten Katha selbst. Er begehrte einen Körper, der perfekter war, als der es von Katha jemals sein konnte. Und doch. War er der ihre. Er verzehrte sich nach ihrem Schamgefühl, welches er tiefer und intensiver spüren konnte, als es jemals möglich gewesen wäre, wenn er wirklich mit ihr in einem Bett gelegen hätte. Paul schrieb ihr seine Gedanken auf ihre Seele. Und konnte so ihre eigenen lesen. Es war das ultimative Verständnis zwischen Mann und Frau. Da waren keine Grenzen mehr. Sie verbanden sich zu einem Wesen. Einem Wesen voller Perfektion. Unter dem Kick einer Drogen, die sein Herz fliegen ließ… Er war nicht mehr der kleine Junge der von seiner Mutter verlassen wurde… Er war…

 

Nichts erschreckte ihn schlimmer als wenn er in solchen Momenten aus seinen Träumen gerissen wurde. Er toste auf und sein Herz blieb drei Sekunden stehen. Paul. War unfähig zu atmen. Er stand in seinem Sessel. Dabei hatte nur sein Handy einen Nachricht empfangen. Erschüttert sah er sich um. Das Video auf dem Bildschirm lief Tonlos weiter. Da standen noch die zwei Flaschen Wasser. So gut wie unberührt. Daneben eine Packung Taschentücher. Irgendwo dahinter. War sein Handy. Das vibriert hatte. Warum auch immer. Irgendwer. Von der Außenwelt hatte sich eingemischt. Paul wischte sich mit seiner Hand über sein verschwitztes Gesicht. Lehnte sich wieder in den von seinem Schweiß durchnässten Sessel zurück. Einen Moment lang konnte er seinen eigenen Gestank riechen. Er zwang sich einen Schluck Wasser zu nehmen. Und sah dann auf sein Handy. Sein Blickfeld war verschwommen. Er konnte die Buchstaben kaum entziffern.

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Absolution – 6 – Wunscherfüllung Internet-Pornografie

3.

Nachdem sie den Club verlassen hatten. Nachdem sie den Feierstrich des Münchner „Kunstpark“, eine Partyzone, im Osten der bayrischen Hauptstadt, verlassen hatten. Nachdem sie die U-Bahn zum Hauptbahnhof und von dort den Regionalzug bis 2 Stationen nach Augsburg genommen hatten. Nachdem sie auf dem Weg von München über Augsburg noch ein paar Lines nachgelegt hatten. Nachdem sie sich am Bahnhof unspektakulär mit ein paar Umarmungen getrennt hatten; die anderen machten noch Afterhour, nur Paul sagte, er würde nicht mitkommen. Nachdem Paul durch den Regen zu seiner Wohnung gelaufen war, die 2 Gramm Speed in seiner Faust wie Frodo den Ring umklammernd, zog er dort angekommen sofort die Vorhänge zu, und  machte Paul seinen PC an. Er schob  flink seinen Sessel vor den Rechner. Stellte schnell zwei Flaschen Wasser daneben. Warf im Gehen eine Packung Tempo-Taschentücher auf den PC-Tisch. Und riss dann endlich, endlich, endlich, sein Speed, das von ihnen so genannte „Pep“ auf, so dass es wie eine wunderschöne Miniaturlawine auf seinen Glastisch fiel.

Der ganze Weg zurück aus München war für Paul eine nicht  enden wollende Tortur aus Zurückhaltung gewesen. Eine bloße Anmaßung, eine Bestrafung durch den Prozess des Reisens, der ihn von diesem Moment hier ferngehalten hatte. Während sein Herz. Seine Seele. Und besonders sein Schwanz nichts anderes wollten als hierher zu kommen. Hierher. In die Einsamkeit: In die Freiheit. Da es unmöglich war die Reise zu beschleunigen, beschleunigte er nun umso mehr den Prozess des Drogennehmens, während er gleichzeitig die Rahmenbedingungen für das schuf, was er sich die letzten Stunden, die vergangenen Tage so sehr herbeigesehnt hatte. Was nun folgte war das abschließende Abtauchen in eine viel höhere und ehrliche Form des Rausches, als man sie unter Menschen mit ihren privaten Ansichten und den damit automatisch einhergehenden Urteilen erleben kann. Dies hier. War sein privater Kick.  Der niemanden etwas anging.

Das Pep bröselte noch ein wenig aus seiner Nase, als er sich auf den Sessel  warf und seine Unterhose auszog. Normalerweise achtete er auf jeden einzelnen Krümel den er konsumierte. Jetzt. Wo es endlich los ging. War es ihm egal geworden. Er wollte nur so schnell wie möglich SEINEN Film schieben. In sich selbst Abtauchen. Bei sich selbst ankommen. Die rechte Hand öffnete den Internet-Browser. Die linke lag auf seinem schlaffen Schwanz. Seine Augen, panisch weit aufgerissen, klebten auf der einzigen Lichtquelle im Raum. Seinem Bildschirm. Auf dem ihm Seiten angezeigt wurden, deren Bezeichnung mit dem Wort „porn“ begannen. Er klickte sich euphorisch durch einen bestimmten, vor wem auch immer versteckten, Ordner in seiner „Lesezeichen“-Leiste um das Traum-Programm im PC wie in sich selbst hochzufahren. In bestimmter Weise musste sich der Geist nun mit dem Internet verbinden. Die Phantasie-Welt der Porno-Industrie musste sich mit der Gefühlswelt von Paul verbinden. In der es Vorlieben und Wünsche gab. Sehnsüchte und bare Geilheiten. Bei der schier unzähligen Auswahl von Videos und Bildern musste Paul nun gerade die finden, die er benötigte um sich selbst von der Welt zu entkoppeln. Das richtige Video. Mit der richtigen Frau. Im richtigen Setting. Mit der exakt richtigen Laufzeit. Alles musste perfekt sein. Denn Träume machen keine Konzessionen. Und es würde nur Leute wundern die Paul Fleming nicht wirklich kannten oder verstanden, dass er sich Videos von Frauen ansah, die seinen Freundinnen Sarah und Katha auf eine gewisse Art sehr ähnlich sahen. Dies. Waren die privatesten Momente im Leben von Paul Fleming.

Plump betrachtet war es ein krasser und klarer Fall von der Sucht nach Internet-Pornografie und Drogen, ein Mischkonsum-Verhalten, welches noch von keiner wissenschaftlichen Richtung jemals erforscht wurde. Eine Grau-Zone, über die niemand gerne spricht, da das Bild eines erwachsenen Mannes auf Drogen der sich vor dem PC stundenlang seinen Schwanz wichst nicht gerade die Form von Wahrnehmung ist, die der arme kleine Wichser von sich auch noch in die Welt transportieren will. Doch wie es ist mit den Wahrheiten so ist, ist sie, wie ihre kleine Schwester, das Klischee“ weiterverbreitet als Mann und Frau sich zugestehen wollen. „Wer seinen Trieb verleugnet, verleugnet sich selbst“, heißt es, nur ist der Triebhafte der Coole und Angesehene, der seine Neigung im realen Leben Taten folgen lässt, ausschließlich in seinem Kopf; wo aber ist der Unterschied? Wo ist die Grenze zwischen realem Verhalten und imaginiertem, wenn es nur um eine einzige Sache geht, nämlich der Triebabfuhr?

Ja Paul war sich sicher: Wer seinen Trieb verleugnet, verleugnet sich selbst. Und das war genau dass, was er tat.

 

Dieses wiederholte Verhalten zog einige Probleme nach sich, Erklärungsnöte, denn das Problem wenn man Freunde hat die einen mögen und leider so gut wie nie schlafen, ist ihre Sorge um einen oder wenigstens eine virtuelle Dauerpräsenz, wenn sie denn nicht ganz auf dem eigenen Sofa verschraubt erscheinen und man sie, ganz gleich wie geil einen die Drogen in den letzten Stunden schon gemacht haben, nicht aus dem eigenen Haus bekommt um sie endlich loszuwerden. Und Amphetamine machen relativ schnell geil.

Jetzt mussten also Ausrede her oder Tabula Rasa Entscheidung, um zu seinem einsamen Frieden vor dem PC zurückkehren zu können; „zurückkehren“ deswegen, da die Stunden vor dem PC, die an ihm abperlten wie Sekunden, ihm nach und nach als die wahre Lebensessenz erschienen. Bald fühlten sich sein zombiehaftes Verhalten und seine Flucht in sexuelle Träume an als die „bessere“ Art von Leben, eine Art von Leben, in dem es kein NEIN gab, und selbst wenn, dann war es ein inszeniertes Nein, welches er als großer Regisseur leicht in ein JA umdrehen konnte.

Häufig  hielt er einfach seine Freunde aus bis in die Morgenstunden um sie dann hochkant rauszuwerfen. Er sei – Haha – müde. Das klappte zwar manchmal ganz gut, doch nie ohne Nachdruck, da die Freunde die wie Blutegel in seiner Wohnung hingen, noch bei ihren Eltern wohnten und nicht mit Druffi-Augen nachhause gehen wollten. Somit musste vor der endlich erwarteten Meditation vor dem PC erst einmal gestritten werden. Und das war eklig und anstrengend. Besonders, da er im Prinzip eine ehrliche Haut war und es nicht mochte seine Freunde anzulügen.

Die weitausbessere Möglichkeit war es, sich die Drogen schon im Vorfeld zu beschaffen um sich dann nach der Arbeit am Wochenende einzuschließen und vor der ganzen Welt zu verleugnen.

„Ja ich bin krank.“

„Mir geht es nicht gut.“

„Kopfweh.“

„Magendarm“

„Müde“.

„Keine Lust.“

„Ein anderes Mal.“

„Familientag.“

Oder es gab gar keine Antwort.

 

Das Problem mit Methode Nummer 2 war nur, dass er schon so tief dem Sog seines Mischkonsums und seine Sehnsucht auf Erlösung in seinen Träumen verfallen war, dass es nur schwer möglich war bis Arbeitsende am Freitagnachmittag mit dem Konsum zu warten. Und unter der Woche Drogen zu nehmen barg nicht nur das Problem eine ganze Nacht vor der Arbeit nicht geschlafen zu haben, sondern in seinem speziellen Fall auch das Desaster, sich die ganze Nacht wie irr wundonaniert zu haben, was zudem einer Sportlichen Leistung gleichkam, wie eine Etappe der Tour de France zurückzulegen – und danach Arbeiten zu gehen. Davon war er heute noch weit entfernt. Noch hatte er mehr als genug Zeit. Dafür brauchte er nicht auf die Uhr zu sehen. Denn noch schien die Sonne auf seine Festung der Einsamkeit. Drogen- und Pornografie-Süchtige bemessen ihr Leben nicht nach Minuten und Stunden. Sie fühlen nur noch die Tageszeiten.

 

Noch war es nicht so weit. Noch sahen die Pornodarstellerinnen nicht einmal ganz so aus wie die Frauen die Paul wirklich begehrte. Ähnlichkeiten waren durchaus vorhanden. Aber noch waren sie nicht mehr als plumpe Schlampen die vor der Kamera ihre Würde ablegten. Dagegen konnte etwas unternommen werden. Sportlich sprang er auf und legte sich eine weitere Line, einen echten grobkörnigen Prügel aus Speed, und saugte sie wild entschlossen in seinen Riechkolben hinein. Zuviel ist ja selten genug. Schließlich war er sich darüber im Klaren, dass er der Katha seiner Träume, der wahren Katha, die echter war als die Frau die er vor ein paar Stunden umarmt hatte, nur noch ein paar Milligramm entfernt war. Denn wer einmal auf Drogen zu träumen begonnen hat versteht: Der Rausch ist die bessere Realität. Ist der klarere Traum. In der Hyperrealität des Traumes ist alles geordnet, richtig und unerschöpflich. Dies war der Olymp. In der er ein Gott unter Göttinnen war. Dies war der Harem seiner Seele. Der durch kein falsches Wort, durch keine falsche Geste, durch keine Laune von irgendwem zerstört werden konnte. Dies. War die Perfektion in Gedanken. Die sich echter anfühlte als die Wirklichkeit. Denn wenn man einmal begriffen hat, dass sich das ganze Leben nur im Kopf abspielt, weshalb sollte man sich dann noch mit einer unzureichenden, unbefriedigten Wirklichkeit zufrieden geben? Einer Wirklichkeit, in der man nur einer unter vielen ist? In der man Regeln und Konventionen einhalten muss um ein Abbild davon zu bekommen, was man sich eigentlich erträumt? Die objektive Wirklichkeit war immer ein Fehlerhaftes Zugeständnis an die anderen. Dies hier. War die reine Lust. Das hier. War alles was er wirklich wollte. Dies. War Paul Fleming.

Sasha Grey "Die Juliette Society" Buch-Kritik

Ein wenig versucht „die Juliette Society“ wie der „Fight Club“ des Sex zu sein, was dem Buch selbstverständlich nur teilweise gelingt. Dennoch bleibt ein starkes Buch über Emanzipation übrig (was auch das Thema von Fight Club ist wenn man genau hinsieht), was so gut wie nichts mit „Shades of grey“ zu tun hat, bei dem ein genau umgekehrtes Frauenbild verkauft wird (die Märchenprinz-Geschichte; und die Frauen verschlingen es…), auch wenn sogar auf dem Cover von Sasha Greys Buch beharrlich mit dem Verweis auf den Weltbestseller geworben wird. „Shades of grey“ ist ein Buch über Mädchen-Phantasien, was auch noch grotten- und furchtbar schlecht geschrieben ist, „Die Juliette Society“ geht erwachsen und psychologisch an das Thema heran; erotisch sind aber beide Bücher nicht.

Terry-Richardson

Die ehemalige Pornodarstellerin Sasha Grey bekommt den Leser über einen Kniff, denn sie weiß genau, was so gut wie alle Leser über ihre Biografie denken: Dummes junges Mädchen geht freiwillig nach erreichen ihrer Volljährigkeit zur Pornografie und lässt sich dann des Geldes wegen von dominanten Männern in alle Körperöffnungen ficken – jetzt hat sie ein Buch darüber geschrieben und will noch mehr Geld umgreifen. Das ist falsch (wobei das mit dem Geld wohl immer stimmt). Jetzt ist man entweder enttäuscht oder positiv überrascht, denn Sasha Grey ist nicht so devot und hilflos wie sie in ihren Filmen dargestellt wird. Sie ist clever, sogar so sehr, dass sie ihre Pornobiografie und die Wirkung die sie auf den Seher hat durch das Buch vom Kopf auf die Füße stellt; im Sexkontext ausgedrückt: Sie sitzt oben und gibt den Rhythmus vor.

Die Ich-Erzählerin ist kein Dummchen, die durch Naivität auffällt (Guten Tag Frau James), sondern eine Film-Studentin, die mit sehr offenen Augen, auch für Metaphern (klar, meistens für Film-Klassiker) und Zusammenhänge, an die Welt herangeht. Sie lebt in einer normalen Zweierbeziehung und ist in dieser auch sehr glücklich. Dennoch ist sie darüber hinaus ein sexuelles Wesen und hat auch ihre Phantasien. Über das Studium und ihre Schwärmerei zu einem ihrer Dozenten, lernt sie Anna kennen, die nicht nur mit Pornografie Geld verdient, sondern es auch genießt. Bald zeigt ihr Anna eine Welt hinter der Welt, die sie so nicht erwartet hätte…

Die Autorin stellt ihrer Protagonistin also eine Art Lehrerin gegenüber, der sie durch die Nächte und die Lust folgen und sie beobachten kann; wenn man psychologisch an die Sache heran geht, könnte man sagen, Sasha Grey hat ihre Erfahrungen aus der Pornoindustrie in beide Figuren gepackt: Anna, die schon Erfahrungen hat und vorbehaltlos im Sumpf von Sex und Macht versunken ist, und die Ich-Erzählerin, die erst nach und nach ihre Erfahrungen machen – WILL!
Dieses Machen-WOLLEN ist die zentrale Aussage von Grey in ihrem Roman, das ist der Feministische Aspekt, das ist es, was sie dem Kenner ihrer Pornografie vor Augen führt, denn sie war nicht nur das kleine Mädchen welches von großen starken Schwänzen dominiert wurde, sondern sie WOLLTE das. Sie genoss es und sie fordert das Recht darauf ein, auch als Frau perverse Wünsche zu haben und sie auch ausleben zu dürfen. Andere Feministinnen mögen da die Hände über den Kopf zusammenschlagen, da das „ein vollkommen falsches Bild der Frau“ vermittelt; Frauen wollen nicht dominiert und genommen werden! Das ist sexistisch! Wirklich? Natürlich geht Grey nicht so weit zu behaupten, dass jede Frau bis zum Ersticken (Sorry für den Ausdruck) in den Hals gefickt werden will, das sagt sie an keiner Stelle. Und auch wenn es nicht erwähnt wird, so kann man klar herauslesen, dass sie nicht dafür ist das Frauen zum Sex gezwungen oder überwältigt werden wollen und niemals sollen (auch wenn sie nicht vor der Aussage zurückschreckt, dass sich viele Mädchen von den Männer übertölpeln und ausnutzen lassen) Ihr Buch aber handelt von Selbstbestimmung: Wenn sie das will, dann ist das auch okay, ganz egal wie das auf andere wirkt.

Ich denke, deswegen wird das Buch auch oft kritisiert und als schlecht empfunden, da es nicht einfach nur darauf ausgelegt ist die Triebe des Lesers in Wallung zu bringen, sondern ständig über alles reflektiert und im Zusammenhang gesehen wird. Die Sex-Szenen selbst sind fern ab jeder Erotik und literarisch die schlechtesten Stellen im Roman; mich haben sie eher gestört, da ich mehr über die Gedanken ÜBER Sex interessiert haben, das Philosophieren darüber.
Selbst die Titelgebende Vereinigung, „die Juliette Society“, die zwar der rote Faden und ein netter Schlenker in Richtung Verschwörungstheorien und (natürlich) Kubricks „Eyes Wide Shut“ ist, stellt nur die Rahmenhandlung und eine weitere Metapher für Greys Grundaussage dar. Und auch die Auflösung am Schluss überrascht nun wirklich gar keinen. Darum geht es aber gar nicht. Es geht um Sex an sich – und um eine Reise. Möglich. Dass ich bei dem ganzen zu viel hineininterpretiert habe. Nach der Lektüre aber sieht man Sasha Grey und ihr „Lebenswerk“ mit anderen Augen. Und das finde ich gut. Weil sie das System von innen ausgehöhlt hat. Übrig bleibt für mich das Bild einer starken und klugen Frau – und ich bin gespannt was sie noch schreiben und arbeiten wird: Ihre (Hoppla Wortwitz) Shades of GREY.

Das Buch ist sehr lesenswert – aber auch keine Wichsvorlage. Wer das erwartet, wird enttäuscht und postet so was hier

i0LlQ

weil man das Buch eben nicht verstanden hat ;D

Nachtrag:
Auf Amazon konnte ich die Buch-Kritik nicht veröffentlichen, das sei zu „vulgär“. Aber darum geht es doch! Mänsch…. „Heyne Hardcore“ verkauft Bücher zu dem Thema, doch bitte nur mit Bienchen und Blümchen-Sprache darüber reden – das ist doch schizophren…

Online-Pornografie und der Feminist

„Aber Alle sind wir Wichser, und jeder weiß wie es geht. Der eine wichst im Sitzen, der andere wichst im Stehen. Wir wichsen bis wir tot sind, macht Nichts ist ja schön. Aber sie onanieren geistig – und davon wird man blöd.“
(In Hochdeutsch übersetzt – Original von Hans Söllner)

Frauen sind unendlich schöne Geschöpfe. Sie sind Engel auf Erden. Sanfte Rundungen, zart wie Zuckerwatte und unglaublich angenehme Persönlichkeiten. Sie sind Anbetungswürdig. Es riecht nicht einmal nachdem sie die Toilette verlassen, fast scheint es so, als würden Frauen Marzipan ausscheiden. Frauen sind heilige Geschöpfe. Nymphen. Elfen. Prinzessinnen. Und Männer sind – Neandertaler. Und doch leben wir in einer Welt der Männer, in der Frauen versklavt werden; an manchen Orten der Welt werden Hunde besser behandelt als Frauen.
Frauen werden dumm gehalten und ausgenutzt. Verkauft, geschlagen und erniedrigt. Das Internet ist voll von ekligen Beweisen. Was er meint, ist die Pornografie, denn es gibt kaum einen Film, in dem eine Frau nicht ihrer Würde beraubt würde. Sie sind nur Objekte. Willige Puppen, die wie solche herumgereicht werden. Und das findet er furchtbar. Deswegen will er eine Aktion dagegen starten. Er hat lange überlegt was er tun könnte: Das Einfachste ist, das mit der Pornografie einfach umzudrehen.

Selbst hat er keine Freundin, und auch wenn manche dass als Grund sehen würden, warum er junge Frauen so sehr idealisiert, kann er über diese Hausmannspsychologie nur lachen. Lächerlich. Sooo einfach ist er nun auch wieder nicht gestrickt. Zudem: Es hat auch Vorteile keine Frau zu haben, denn die Monogamie schenkt Jedem, Zeit. Manchen sogar zu viel davon, doch das ist nicht sein Problem. Das ist das Problem von anderen. Sein Talent sind die Computer, damit kennt er sich aus. Er selbst würde sich keinen „Hacker“ nennen (deutsch ausgesprochen bitte), andere schon. Immerhin. Hat er gewisse Fähigkeiten erlernt. Und sehr wohl die Möglichkeiten sie einzusetzen.

Manche Leute kleben ihre Web-Cams generell ab. Andere nur, wenn sie sich einen Porno ansehen und sich selbst befriedigen. Und wer würde schon einen Kerl dabei zusehen wollen, wie er sich vor dem Rechner einen herunterholt? Genau: Niemand. Kein Schwanz interessiert sich für Aufnahmen von den Männer vor den Laptops (wie man so schön sagt), bei jungen Frauen würde das anders aussehen. Er aber schon. Das ist seine Idee. Das ist sein Trick. Er nimmt einfach heimlich auf, wie die Männer vor dem Laptop zum Orgasmus kommen – und stellt das ins Internet.
Im Gegensatz zu den meisten Frauen (aber nicht alle, das ist ein Irrglaube) sieht es nicht besonders erotisch aus wenn sie zum Höhepunkt kommen. Das Gesicht gleicht eher einer Fratze, einer Grimasse, die vieles ist, nur nicht besonders schmückend. Man könnte das mit dem Film „Over the top“ vergleichen, diesen Armdrücker-Film mit Sly Stallone. Am Ende drückt Sly gegen seinen härtesten Gegner, Bull Hurley. Und wie Stallone dabei – und besonders am Ende – sein Gesicht verzieht, nun ja, so bescheuert sehen Männer beim Abspritzen aus (der Fairness halber darf aber auch nicht vergessen werden, dass Männer auch etwas aus sich herauspressen müssen, sonst würden sie dabei auch nicht so hohl gucken…).

Er nimmt also Männer vor dem Laptop auf wie sie wichsen – und stellt das anonym als Feministische Aktion ins Internet. Dafür macht er eine eigene Web-Seite, die er prompt an die großen Medien-Anstalten verschickt – RTL stürzte sich natürlich darauf, auch ProSieben, und was bei den Privaten läuft ist natürlich auch Vorbild für die Öffentlich Rechtlichen – die BILD-Zeitung nicht zu vergessen, die ohnehin immer mehr zu einem Medium wird (print oder online – egal), das nur noch über das Internet berichtet und keine eigenen Storys mehr generiert. Und sein Plan geht auf. Es ist ein voller Erfolg. Fast schon eine künstlerlische Aktion. Eine große Debatte kommt in der Gesellschaft auf und er sieht sich als Urheber der ganzen Geschichte, ganz gleich ob ihn jemand kennt.

Zufrieden lehnt er sich zurück. Frauen sind nun einmal keine Objekte. Sie sind Göttinnen, die man anbeten müsste. Das müssen die Männer ENDLICH begreifen. Es gibt so viele, die so eine unglaubliche Aura haben. Diese Ausstrahlung. Diese Würde. Diesen Sexappeal. Wie „Sandy Style“, seine Lieblingspornodarstellerin, die in jeder Sekunde viel zu gut für einen Porno ist. Sie sollte Model sein. Oder Königin. Und wie er so darüber nachdenkt, über seinen Triumph und die Schönheit von Sandy Style, denkt er sich, dass er sich damit doch auch etwas verdient hätte, worauf er auf einer Online-Porno-Seite einen Film von Frau Style aufruft und freudig seine Hose öffnet. Das hat er sich jetzt verdient – die Feministinnen sollten ihm dankbar sein.

Pornos sind etwas für Loser – kaputter Text

Es hängt immer von der Perspektive ab: Pornografie ist auf Frauen zugeschnitten. Diese These stelle ich auf.

Die Konsumenten von Pornografie sind hauptsächlich Männer (weiter: zum größten Teil aus den arabischen Ländern), doch in der Pornografie spielt der Mann kaum eine Rolle. Er ist nur das wonach jeder Soldat fragt, wenn er angeschossen wurde oder auf eine Landmine getreten ist: Ist er noch da? Darüber definiert sich der Mann (bis zu einem gewissen Grad) und darüber wollen wir uns auch nicht lustig machen, denn das ist ein Teil der Natur. In der Pornografie tritt daher (konsequenterweise) der Mann nur als Schwanz auf. Als Ficker. Und Dominator. Natürlich ist das auch eine Rolle, doch die Hauptrolle gehört immer der Frau.

Der Mann hat keinen Charakter, ist austauschbar in seiner Dominanz und seinem Verhalten; das ist der Gag an Pornografie: Jeder könnte der Hauptdarsteller sein.
Die Frauen/Mädchen dagegen MÜSSEN einen Charakter haben, denn ohne ihn wären sie uninteressant – bis auf ihren Körper und ihre Schönheit, natürlich – denn am Ende ist ihre Charakterzeichnung das, was einen Mann anmacht. Dafür reicht es schon ob sie eine Brille trägt oder eine Schürze umhat, mehr braucht Mann nicht um in seinen Klischees zu denken. Die Handlung ist am Ende ohnehin immer die Gleiche, doch das einführende Element ist die Besonderheit der weiblichen Darstellerin einen bestimmten Platz in der Gesellschaft einzunehmen. Wobei eine Sache all diese Frauenrollen inne wohnt: Sie sind gefügig.
Deswegen ist Pornografie auf Frauen zugeschnitten, da sie immer die Hauptrolle haben. Sie sind die Stars. Auch wenn sie im Laufe der Handlung immer mehr verglühen. Denn das ist es worauf die Männer stehen: Die Kontrolle über sie.

Pornografie ist eine Traumwelt. Erst neulich schenkte ich dem Jungen eines Freundes von mir meine alten Bundeswehr-Pornohefte (alle Beide); später ärgerte ich mich, ihm das nicht gesagt zu haben: Pornografie ist eine Traumwelt.
(Deswegen kommt der Mann in Pornos nicht als Charakter vor, denn im Traum spielt das Ich meistens eine eher unwichtige Rolle, sondern es ist das interessant, was diesem Ich geschieht. Der Träumende ist unwichtig für die Handlung.)
In dieser Traumwelt geht das in Erfüllung, wonach sich die Männerwelt sehnt und das Frauenbild ist dadurch ein sehr schlechtes, fast schon bizarres. Das ist nicht schlimm, wenn man denn versteht, dass es nur eine Wunschvorstellung ist, doch ich hätte dem Jungen nicht nur das erzählen sollen, sondern auch, dass er einen Schritt weiter denken sollte:
Wenn dies die Wunschvorstellung eines Mannes ist, wie sieht dann die Wirklichkeit aus?

Ein Vergleich könnte hier hilfreich sein:
Superman hat Superkräfte. Er kann fast Alles. Und er ist den Menschen in fast allen Belangen überlegen. Weil er aber unter ihnen leben will, tarnt er sich als Einen der Ihren. Und wie sieht derjenige aus? Wie ist das Bild von Superman von den Menschen die er beschützt? Er sieht sie als schwache, austauschbare und hilflose Kreaturen, Personen, denen nichts Bedeutendes oder Übermenschliches innewohnt. Ein Volk von Nerds, Mitläufern und Ja-Sagern. Deswegen formte er sein Alter Ego genau nach diesem Bild: Clark Cent ist genau so eine Figur. Er ist das zynische Abbild dessen, was Superman von den Menschen denkt. Und so ist es auch, denn deswegen fliegt die Tarnung niemals auf: Denn wer sollte Clark Cent auch schon vermissen, wenn Superman auf dem Platz erscheint?
Denn das ist die Wirklichkeit. Wir sind Clark Cent. Doch im Traum – hier in der Pornografie – fühlen wir uns als Superman. Oder James Bond, doch das ist im Prinzip das Gleiche, auch im Hinblick auf die Pornografie.

Die Pornografie ist also genau das, was der normale Mann eben NICHT hat. Das ist keine besondere Erkenntnis, besonders wenn man sich ansieht, wer so auf den Pornomessen als Besucher herumspringt.
Jeder Wunschtraum sagt etwas über den Träumenden aus und wenn eine Gesellschaft von Männern davon träumt der starke Mann zu sein, dann ist sie es in Wirklichkeit nicht. Denn in Wahrheit ist es für eine Frau viel leichter einen Mann zu finden, als umgekehrt – Urhässlichkeit lasse ich jetzt mal außen vor, und bitte jetzt keine Diskussionen darüber, WAS das für Männer sind. Bleiben wir bei den Tatsachen. Am Ende einer Partynacht sind es Frauen die entscheiden, ob sie alleine nach hause gehen oder in Begleitung. Sie lassen uns nur die Illusion darüber, dass…
Hm. Irgendwie habe ich mich da wohl in etwas hineingeschrieben, oder? Das kann doch nicht die Wirklichkeit sein! Ne… Irgendwo ist in der Konsequenz ein Denkfehler 😛 Den Text schreibe ich nicht weiter!

Sexuelle Evolution – Pornografie

„Wofür ist das hier? Schreiben sie ein Buch?“
„Ja. Nun ja. Mehr so eine Art Arbeit.“
„Für die Uni?“
„Kann man so nennen, ja.“
„Und worum geht es genau?“
„Es geht um die Entwicklung der Pornografie und Sexualität. Wie die Strukturen entstanden sind. Wie das die Menschen verändert hat.“
„Und da bin jemand wie ich die richtige Ansprechpartnerin.“
„Sie sagen es. Wer könnte besser darüber Auskunft geben als die Managerin von Nicky?“
„Ist es okay wenn ich rauche?“
„Was rauchen sie denn?“
„Verdampfer, natürlich.“
„Dann spielt es keine Rolle. Können wir anfangen?“
„Natürlich Süßer, wo sollen wir denn anfangen? Bei Deap Throat
„Haha. Nein. Soweit brauchen wir nicht zurückgehen. Ich habe sie als Zeitzeugin ausgewählt. Von daher wäre es sinnvoll, wenn wir bei der Internetpornografie anfangen.“

„Die hat Alles verändert. Ich habe auch gar nicht am eigenen Leib erlebt, wie es vorher war und ehrlich gesagt war das Internet schon präsent bevor ich in den Job einstieg.“
„Zuvor war die Pornografie nicht überall verfügbar. Dann war sie es.“
„Genauso war es. Vorher gab es wohl Video, aber nicht Video so wie wir es kannten.“
„VHS.“
„Genau. Ewig lange Bänder, die man als Hardware kaufen und herumgehen lassen konnte. Man konnte das auch duplizieren. Doch immer nur von Gerät zu Gerät. Durch das Internet war plötzlich die Möglichkeit da immer und überall an Pornografie zu kommen.“
„Dem Voyeurismus waren plötzlich keine Grenzen mehr gesetzt.“
„Vollkommen richtig. Zudem konnte man auch sich selbst filmen und hochladen. Damals war das etwas ganz Neues. Theoretisch hätte man auch seinen Nachbarn dabei zusehen können.“
„Hat das die Gesellschaft verändert?“
„Nicht auf den ersten Blick. Nein. Pornografie ist etwas, worüber man damals nicht sprach. Nicht so wie heute. Außerdem war Sex ohnehin schon omnipräsent, doch nicht so explizit. Es war überall. Im Fernsehen und Internet. Durch Werbung. Damals begann der Körperkult.“
„Der sich inzwischen durch die Zuwanderung stark verändert hat.“
„Ja. Nun ja. Irgendwie auch nicht oder?“
„Bleiben wir bei den Anfangszeiten des Internet. Es hat wirklich die Gesellschaft nicht verändert?“
„Nein. Nein, nein, nein. Vordergründig nicht. Das lief wohl mehr unterbewusst ab. Wissen sie, für einen Teenager ist Alles ziemlich erregend. Vom Unterwäschemodell bis zur Badeschönheit, bis zum Fußballspieler. Das Ganze geht ja im Kopf ab. Leute ficken zu sehen hat natürlich einen besonderen Reiz, doch es löst die gleichen Begehrlichkeiten aus.“
„Selbst Sex zu haben.“
„Genau.“
„Würden sie sagen, dass die damalige Pornografie schon eine Form der virtuellen Realität war?“
„Tja… Pf… Auf eine gewisse Weise schon. Denn was dort abgebildet war, war immerhin die Realität, auch wenn man nicht eingreifen konnte, so wie heute.“
„Interaktion war zu diesen Zeiten noch ausgeschlossen, das ist richtig. Würden sie sagen, dass die Form der Pornografie das Sexualverhalten überhaupt verändert hat?“
„Wie schon erwähnt: Vordergründig nicht, nein. Es war ohnehin die große Zeit des Postfeminismus. Frauen konnten tun und lassen was sie wollten – nicht so wie heute. Und Frauen unterscheiden sich kaum von den Triebvorstellungen, die ein Junge hat. Auch Frauen wollen mal die Sau raus lassen.“
„Sonst gäbe es in der Pornografie ja nur Männer.“
„Haha! Natürlich ging es auch um das Geld. Es geht immer um das Geld. Dennoch gab es ab einem gewissen Punkt auch eine besondere Affinität zur Aufmerksamkeit. Man wollte sich zeigen.“
„Also der Umbruch war spürbar.“
„Nein. Ich weiß, sie hätten da gern so eine Art Demarkationslinie, nach der alles anders war. Dennoch nein. Es war ein schleichender Prozess. Der Postfeminismus wäre auch nicht möglich gewesen, wenn die Zwänge durch Glaube und Religion nicht absolut aufgehoben, ja, fast zerstört worden wäre.“
„Gab es denn keine Debatte ob es den Jugendlichen nicht schaden würde überall plötzlich Pornografie zu bekommen.“
„Natürlich gab es die. Doch Sex hat immer auch etwas mit Scham zu tun.“
„Aber die Wissenschaft…“
„Die Wissenschaft hat sich wohl damit beschäftigt, doch Fakten bestimmen nur dann den Kanon, wenn die Gesellschaft so weit ist darüber zu diskutieren. Außerdem gab es kaum Gesprächsbedarf. Die Eltern wussten insgeheim, was ihre Kinder sich ansahen. Dennoch unternahmen sie nichts. Nicht einmal in Amerika.“
„Besser Pornografie als Drogen?“
„Die beiden Begriffe stehen sich sehr nahe… Auf jeden Fall gab es anfangs keine Probleme. Hedonistisch und dekadent war die Gesellschaft schon seit den 60gern. Den Jugendkult gab es bereits. Sonst hätte es auch nie Pornografie in den Jahren davor gegen.“
„Die Probleme kamen erst später.“
„Richtig.“
„Wann war das?“

„Ich weiß nicht. Schwer zu sagen. Es muss so in der Zeit gewesen sein, als all jene, die mit der Pornografie aufgewachsen sind, so zwischen 40 und 50 Jahren alt waren.“
„So spät erst?“
„Der Mensch fühlte sich mit 30 noch jung. Das war der Jugendwahn.“
„Was geschah dann?“
„Pornografie ist der Ausdruck von Wünschen. Es gibt insgeheime Wünsche, aber es sind Wünsche. Hollywood wurde damals als Traumfabrik bezeichnet, doch die wahre Traumfabrik war wohl eher Youporn.“
„Eine Internetplattform für Pornografie.“
„Die Berühmteste, ja. Wie Coca Cola für Limonade. Es gab ja unzählige. Es ist eine Sache sich einen Porno anzusehen, sich zu befriedigen und dann seinen normalen Tagesverlauf zuzuwenden. Doch die stetige Verfügbarkeit, gepaart mit der Rolle der Frau in der Pornografie veränderte das Denkverhalten im Kopf. Es änderte die Wünsche.“
„Konditionierung?“
„Ich weiß nicht ob es das richtige Wort ist, doch es ging in die Richtung. Irgendwann hatte der Mann das Gefühl etwas verpasst zu haben. Schon damals gab es Sextourismus, doch erst richtig los ging das… Ich weiß nicht… 2030? 2040? Nun, erst da ging es richtig ab. Zwar gab es immer mehr Frauen in Führungspositionen, doch es entstand eine Parallelgesellschaft. Die hatte es immer gegeben, doch das Ausmaß an Gewalt und Erniedrigung nahm zu.“
„Dazu die politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen.“
„Ja. Damals lebten wir im Wohlstand. Weiße Frauen brauchten sich nicht zu verkaufen. Das war den Asiatinnen überlassen.“
„Und die Religion?“
„Natürlich. Während auf der einen Seite der christliche Glaube immer unwichtiger wurde, trat der Islam immer mehr in den Vordergrund, bis wir schließlich in unserer heutigen Zeit angekommen sind.“
„Einer Zeit, in dem Europa zwar weltoffen, aber islamisch geprägt ist.“
„Eine damals sehr abstrakte Vorstellung, doch es ist passiert. Heute ist es normal für Frauen verschleiert auf die Straße zu gehen. Weil sie es wollen. Dennoch ist es ebenso normal sich Pornografie anzusehen. Das hat auch sehr viel mit der Technik zu tun.“
„Was früher Ehebruch war, ist heute keiner mehr.“
„Ja. Dank der Virtuellen Realität. (lacht) Hätten sie mir damals erzählt, dass viele weiße Frauen in die virtuelle Prostitution „abgleiten“, nun ja, dort zu arbeiten begannen, während gläubige Frauen das genaue religiös, konservative Gegenteil praktizieren, hätte man gelacht. Es ging ja nur ums Geld.“
„Aber auch um den Glauben.“
„Genau. Es ist viel leichter sich zu prostituieren, wenn man an nichts glaubt.“
„Würden sie bei der heutigen Form der Prostitution überhaupt noch von Prostitution sprechen? Immerhin kommt kein wirklicher sexueller Kontakt mehr zustande.“
„Im Prinzip gibt es für den Kunden da wenig Unterschiede. Natürlich ist es anders als für mich, die als Darstellerin von mehreren Männern genommen wurde, und das immer wieder mit verschiedenen Darstellern wiederholen musste, im Gegensatz zu jetzt, wo zwar auch ein virtueller Akt erst einmal designt und gefilmt werden muss, doch wenn alle Möglichkeiten im Kasten sind, war es das. Es ist keine Knochenarbeit mehr. Sondern Kunst. Die Kunst alle Möglichkeiten auszuschöpfen.“
„Heute sind Pornostars Popstars. Jeder kann mittels der neuen Technik virtuellen Sex mit ihnen haben. Der Kunde spürt keinen Unterschied. Das bloße Ansehen ist vorbei.“
„Ja. Und wieder stehen wir vor einem Wendepunkt.“
„Was meinen sie damit?“
„Sehen sie. Früher war Pornografie Schmuddelkram. Heute kann der kleine Tobias nach der Koranschule nachhause gehen, stöpselt sich an und kann Sex mit eine Darstellerin haben, der bestimmt besser ist als mit der Sandra von nebenan. Auch wenn es heute – wie damals als die Internetpornografie aufkam – immer noch Menschen gibt, die meinen, das würde nichts verändern. Pornografie ist normal geworden. Heute treten Pornodarsteller in Gameshows auf. Beantworten Fragen zur Wirtschaft. Wir haben sogar eine Vizebundeskanzlerin, die früher in der Pornografie tätig war.“
„Früher undenkbar.“
„Es war ein langer Weg bis hin zu dieser Form von Gerechtigkeit. Es gab Vorreiter
„Sprechen wir über ihren Zögling. Nicky.“
„Nicky ist ein Glücksfall. Sie hat das, was vielen Mädchen abgeht. Ein schönes Gesicht und Körper – das haben viele Frauen. Doch sie hat einen gewissen Touch von… Ich weiß nicht…“
„Ausstrahlung?“
„Sie hat fast schon etwas von Spiritualität. Sie vereint die Wünsche der islamisch geprägten Männern mit denen, die keinen Glauben haben. Sie ist der perfekte Mittelweg.“
„Sie ist ein Star. Sie verdient Millionen. Schreibt Bücher.“
„Und doch ist sie als Lustobjekt jeder Zeit präsent.“
„Sie müssen doch Probleme mit der Staatsreligion haben.“
„Sie ist ein Mittelweg. Wir kommen ganz gut mit der Zensur klar.“
„Fanden sie es als eine natürliche Entwicklung, dass aus Pornostars Popstars wurden?“
„Wenn man sich Künstlerinnen wie Rhianna oder Britney Spears ansieht, dann waren die viel mehr Porno, als so mancher Pornostar. Poppen – übrigens von Helge Schneider erfunden – kommt ja von Pop. Das ist eigentlich schon seit Elvis so.“
„Würden sie also nicht von einer sexuellen Revolution, sondern Evolution sprechen?“
„Nach der Revolution kam die Evolution. Ganz klar.“
„Und die war nicht aufzuhalten?“
„Warum und wer hätte das wollen sollen?“

Anmerkung: Eigentlich wollte ich nur über einen Artikel schreiben, den ich vor ein paar Wochen im SPIEGEL nicht (!) gelesen habe; darin ging um Internetpornografie und wie den Jugendlichen normaler Sex näher gebracht werden soll. Den Gedanken ließ ich jetzt zwei Wochen liegen, und dann kam diese Sci-Fi-Geschichte heraus. Komischer Fleming.

Gewaltsam glücklich – das falsche Lachen der Julia Roberts

Es ist nicht so leicht wie man es sich vorstellt. Für manche schon, aber… Für mich nicht. Im Leben geht es um die Umstände, nicht um die Möglichkeiten oder Theorien. Es geht ganz klar um Realität und Gegenwart, um Entscheidungen, die man immer mal wieder treffen muss, und dann passiert das… Auch wenn wir das gar nicht wollen. Die Menschen könnten auch eine Gesellschaft aufbauen, die 6 Milliarden Menschen ernährt, ohne den Planeten zu zerstören und den Großteil der Leute schlechter als ihre Haustiere zu behandeln. Das würde gehen! Alles ist da! Man könnte das schaffen! Aber es geht wie gesagt um die Umstände, die Zusammenhänge, die Interessen jedes Einzelnen. Und schon passieren Dinge, die Keiner wirklich will. Und Menschen sterben. Oder verkaufen sich.

Es ist nicht so leicht wie man es sich vorstellt, ein kleines behindertes Kind großzuziehen. Wenn keiner da ist, der dir… Klar geht das! Bei Anderen… Doch wenn du neben zu studieren willst, wolltest… Eigentlich… Denn das kann ich mir abschminken… Jedenfalls hat das Jobben natürlich nicht mehr gereicht. Und das man, wenn man nichts mehr besitzt, nur noch sich selbst verkaufen kann, ist leider wahr. Ich wollte keine Prostituierte sein… Mein Gott, wer will das schon??!! Aber bring einmal ein kleines Ding durch, das ständig Versorgung braucht…

Und weißt du was das Schlimmste ist? Nicht, dass sie dich ficken, schwitzen, alt und hässlich sind oder dir ihr ekliges Zeug ins Gesicht spritzen wollen… Das ist Alles ekelhaft und erniedrigend… Nein. Das Schlimmste ist für mich „die gute Miene zum bösen Spiel“… So zu tun, als wäre man „interessiert“ oder wirklich geil auf so einen Versagervogel. Ihm das Gefühl zu geben, sei es auch nur für eine Minute!! Als wäre es nicht nur des Geldes wegens… Diese Maske, die man dabei tragen muss, als wäre man glücklich. Ich muss mich dazu immer mit Gewalt zwingen… Wie sollte es auch anders sein?
Die Freier wollen das nicht verstehen. Die denken natürlich nur an sich. Sonst wären sie gar nicht da… Sie wollen nur „Ficken“. Aber wer will schon gefickt werden? Wir wollen doch Alle nur geliebt werden… Jeder von uns. Und deswegen mache ich es. Weil ich meine Kleine liebe… Doch dieses falsche Lächeln bringt mich noch um. Doch du musst dich erst „ gut verkaufen“, um dich wirklich verkaufen und erniedrigen lassen zu können…

Erst neulich sahen wir diesen französischen Film „Baise-moi, Fick mich!“ in der zwei Frauen durch das Land ziehen und Männer töten. Die Hauptrollen werden von zwei Pornodarstellerin gespielt, die explizit in dem Film gefickt werden, von denen sich die Eine, Karen Lancaume, später umbrachte, während die Andere Bücher darüber schreibt, wie schlecht Frauen in der „Branche“ behandelt werden… Das waren für mich keine Frauen, die eine Filmrolle spielten, sondern zwei Pornonutten, die so tun, als wären sie Schauspielerinnen… Dass konnten und kannten sie doch. Das falsche Lachen spielen. Natürlich ist es ein Unterschied ob dich der Typ von der Straße nebenher bumst oder von einem Filmteam auf Termin, doch „Darsteller“ nennen sich die Leute dort nur zum Selbstschutz. Denn Niemand stellt in einem Porno Sex nur da. Sondern er fickt. Oder wird gefickt. Deswegen sind das für mich nur Pornonutten.
Selbst der Tod konnte doch die Eine, die Karen Lancaume, nicht retten. „Ihre Filme“ sind doch immer noch Wichsvorlagen für die Männer… Egal wie lange sie schon tot ist…

Auf jeden Fall dachte ich mir bei dem Film, wie verbreitet die Lüge doch ist. Das wir uns ständig Dinge ansehen, in denen wir belogen werden. In Pornos wird die nie endende Geilheit der Frau dargestellt, obwohl jeder Mann der diese Streifen sieht, genau der Beweis dafür ist, dass es nicht stimmt. In den Actionfilmen wird gestorben und getötet, zur Unterhaltung! Und doch stirbt Keiner… In großen Liebesfilmen kennen sich die Schauspieler eigentlich gar nicht, usw. usf. Doch das wollen wir Menschen. Wir wollen so sein wie in diesen Filmen. Wir wollen diese Vorbilder. Obwohl es diese Vorbilder nicht gibt. Die Studios bezahlen Millionengagen an bestimmte Gesichter, um uns zu belügen. Und wir „fallen nicht nur darauf herein“, wir wollen das sogar. Wir wollen die perfekte Lüge über einen Charakter. Unsere Brad Pitts und Julia Roberts. Und an das falsche Lachen der Julia Roberts muss ich oft denken, wenn mich einer dieser Widerlinge fickt. An ihr „Pretty Woman“-Lachen. In dem sie eine Hure spielt, die von ihrem Millionär und Prinzen gerettet wird. Doch Julia Roberts war nie eine Hure. Und lacht uns dabei unecht ins Gesicht. Denen, die dieses Leben ertragen müssen… Da kann man den Film noch so sehr als „modernes Märchen“ abtun…
Märchen gehen nicht in Erfüllung. Und glaubst du daran, bleibt einzig der Hohn zurück. Der Hohn von falschen Gesichtern, die uns eine Traumwelt vorspielen…

Die Lüge ist Normalität geworden. Nicht nur in der Werbung. Nein, wir belügen auch uns. Wir machen und ertragen die schlimmsten Dinge, und dann machen wir es wie Vergewaltigungsopfer: Wir lügen aus Scham, und dann verdrängen wir die böse, böse Wirklichkeit. Und schalten mit Lügen ab. Im Kino. Bei einem Buch. Oder im Internet. Wir wollen nicht wissen… Wir wollen belogen werden…