Die „Sportfreunde Stiller“ im Roxy in Ulm, es war der 29.04.2017

20170429_210728

Jetzt auch noch die „Sportis“? Ja. Inzwischen gehe ich überall hin. Hauptsache. Es macht Spaß. Ein (bezahlter) Besuch bei den Sportis ähnelt meinem einstmaligen Konzert-Besuch bei Scooter: Das ist so weit weg von mir selbst, dass man es einfach mal gemacht haben muss. Also kaufte ich mir im Vorfeld die 6 Lieder von ihnen die mir schon immer irgendwie (heimlich) gefallen haben und hörte sie hoch und runter. Dabei stellte ich fest, dass ich diese Lieder wirklich mag. Ja. Viel zu poppig und softrockig für meinen gängigen Geschmack, na und? Man kann ja nicht immer den gleichen Mist hören. Und bei „Geschenk“ geht mir einfach das Herz auf, egal wie kitschig das Lied auch ist.

Mit den Wochen freute ich mich richtig auf den Auftritt und ganz besonders darauf, die Texte mitsingen zu können, denn seien wir mal ehrlich, wann kann man schon noch catchy deutsche Texte aus sich heraus singen?

Wie es dann oft so ist hatte ich am Tag des Geschehens gar nicht übermäßig Bock. Schon mittags in Ulm angereist und dort viel herumgerannt, viel zu viel gut gegessen und dann auch noch vorgetrunken – ich bin ja keine 35 mehr…

20170429_211001

Grob geschätzt passen so 2000 Leute in das „Roxy“, was natürlich sehr kuschelig ist – und anstrengend. Ich war jetzt schon auf hunderten Konzerten und ich musste gestern feststellen, dass man bei den Sportis genauso schlecht durch die Menge von Punkt A zu Punkt B laufen kann, wie bei den Einstürzenden Neubauten; bei den Neubauten wird extrem viel gestarrt und jeder Quadratmeter verteidigt, bei den Sportis haben dass die meist weiblichen Fans ebenso gehandelt. Komischer coincidence bei gerade diesen nicht sehr ähnlichen Bands.

Der Platz muss also „verteidigt“ werden und da steht mal also Stunden vor Anpfiff  dumpf in der Menge und langweilt sich. Merkwürdig ist: Ich bin summa summarum bestimmt schon Wochenlang vor Bühnen herumgestanden und habe auf Band-Auftritte gewartet. Jedoch vergisst man diese Zeit im Nachhinein immer wieder komplett und stellt sich eine Woche später wieder total gelangweilt und doch motiviert für das nächste happening an.  Zum Glück bin ich ein Trinker.

20170429_200545

Die Vorband der „Sportfreunde Stiller“ waren die „Kytes“. Austauschbarer Softrock auf einem angenehmen Niveau. Eine dieser idealen Vorbands die im Prinzip alles richtig machen. Nur kam ich mit der Art des Sängers nicht ganz klar, der mir ein wenig zu selbstbesoffen und bayrisch überheblich rüberkam – auch wenn er gut singen konnte. Aber. Das war mein Problem. Die machten dass ganz gut und waren mit dem Herzen dabei, was an den wenigsten Konzertbesucher vorbei ging. Außer vielleicht an Empathielosen Monstern wie mir.

Die Sportis kamen dann um 5 nach 9 auf die Bühne. Wir standen auf der „Peter“-Seite und dann ging es mit einer der beiden neuen Singles los (die andere kam eh danach), dazu wurde noch die heute du gerade vom FC Bayern eingetütete deutsche Meisterschaft gefeiert. Wenigstens von den Sportis. Dass da nicht jeder mit ihnen „Juhu!“ rufen muss ist klar und auch okay, und daran sieht man dass die Band zwar gefallen will, hier aber auch klare Kante zeigt. Mir gefällt so etwas. Auch wenn ich den FC Bayern scheiße finde.

20170429_211119

Gepackt hat es mich dann erst bei „New York, Rio, Rosenheimer“, einen meiner 6 Songs die ich hören wollte und die ich auch alle 6 präsentiert bekam. Das hat richtig Spaß gemacht und für „meine“ Songs haben sich die 40 Steine schon gelohnt.

Würde mich jemand fragen ob die „Sportfreunde Stiller“ eine sehr gute Band sind, könnte ich das gar nicht beantworten; und so geschah es dann auch. Sänger Peter fragte ziemlich am Ende in die Menge, ob denn alle Spaß hätten und ich machte mit meiner Hand die „Na ja“-Bewegung. Ich bin fast 2 Meter groß und stach da wohl aus der Menge der kleinen Mädchen ziemlich heraus, ob ich wollte oder nicht. Darauf meinte Peter, nachdem er den Mann neben mir abgefeiert hatte, dass der HERR daneben wohl nicht ganz überzeugt sei – also ich. Das stimmte aus folgendem Grund: Die Sportis haben tolle Lieder, bloß nur nicht genug davon. Zwischendurch kommen halt so austauschbare Rockblasen, die auch von der Vorband hätten sein können. Wenn man Fan ist  feiert man die Stücke selbstverständlich mit ab, als „Besucher“ (wie ich mich jetzt mal bezeichne) waren diese Stücke aber nur sehr mau und ich sehnte mich währenddessen nach einem alkoholischen Kaltgetränk. Aus Spaß sagte der Peter, jetzt fühle es sich von mir unter Druck gesetzt. Dabei war es genau anders herum.

Die Sportis sprechen zwar sehr locker mit dem Publikum (was sie häufiger und sehr sympathisch machen), ich halte aber ein Gespräch mit jemanden auf einer Bühne der 15 Mal lauter ist als du selbst für absolut sinnlos, da es immer von oben herab geschieht und es keine gleichgestellten Gesprächs-Parteien sind, weswegen man als In-der-Menge-Steher eh auf die eine oder andere Art den Kürzeren zieht (sehr analytisch ausgedrückt). Deswegen machte ich eine aufpeitschende Handbewegung und er sagte irgendwas davon, dass ich es wohl „härter“ wollte. Und im Prinzip stimmt das auch. Nur wollte ich es nicht „Sportfreunde Stiller hart“, sondern einfach nur härter und vor allem besser 😉

Der Witz ist, dass sie mit „Applaus, Applaus“ und „Ich roque“ genau das brachten was ich hören wollte. Nur sind diese Songs leider nur die Kirschen auf der Sahnetorte. Also ist meine Antwort darauf ob ich das bekommen habe was ich mir von dem Konzert erhofft habe und ob ich die Band für sehr gut halte ein klares „Jein“. Es war richtig und spaßig dorthin zu gehen. Aber nein. Noch mal brauche ich das leider nicht, obwohl ich manche Songs von ihnen abfeiere, vor mich hin singe und fast schon mechanisch dazu meine Freundin küssen muss.

20170429_212440

Die Zugaben schenkten wir uns, denn es wurde schon alles gespielt was wir hören wollten; wozu also noch Songs anhören die einem eh nicht gefallen? Und ein „54, 74, 90…“ mit Bayern München Konfetti-Regen (siehe Facebook) brauche ich nicht. Das Lied ist eines ihres Schlechtesten und wie die Ironie oft so spielt ist es ihr erfolgreichstes.

Sollte es mich mal wieder auf ein Festival verschlagen und da stehen irgendwo die Sportfreunde auf der Bühne herum, würde ich wieder hingehen. Ein Muss ist die Band leider nicht. Nicht einmal als Fc Bayern Fan würde ich behaupten. Ihre Daseinsberechtigung und ihren Platz in der deutschen Pop-Geschichte haben die drei Jungs allemal. Und ich hoffe dass sie noch lange weiter machen und guter Lieder schreiben. Sich aber auch weiterhin Kritik gefallen lassen 😉

„the xx“ live in München, es war der 24.02.2017

„The xx“ ist eine der wichtigsten Bands einer ganzen Generation. Nicht meiner Generation. Für die bin ich im Prinzip ein wenig zu alt und ich habe vor ein paar Jahren nur einmal bei ihnen hineingehört, weil sie so ultra angesagt waren. Das Konzept war damals ganz klar: Minimalistische Rock/Indie-Musik über die Liebe, die sich auf den Wechselgesang zwischen Mann und Frau stützt. Er (Simon) mit einer coolen, kalten Stimme (rauchig ohne rauchig zu sein) und sie (Romy), mit einer  reduzierten und doch umwerfend Stadion füllenden Stimme. Das erste Album: Welterfolg. Nach dem zweiten, dass fast schon zu sehr nach dem ersten klang, hätte man sie auch schon wieder in ihrer Schublade vergessen können. Wäre dann nicht das Solo-Album ihres Drummers/Keyboarders erschienen (Jamie), auf dem er mehr als geschickt, richtig bahnbrechend Musik sampelte und loopte, obwohl die gesamte elektronische Musik der letzten Jahren aus nichts anderem bestand: Jamie machte das auf seine Art einfach besser als andere, machte es zu einem ungewohnten und doch catchy Musikerlebnis. Nun also, beim dritten Album und bei der Tour dazu, haben sich diese musikalischen Ebenen vermischt und aus dem melancholischen, hingehauchten Indie-Trio ist eine Indie-Pop-Band geworden. Mit ganz viel Soul.

Da stand ich dann also, noch übelst erkältet, vollgestopft mit chemischen Hilfsmitteln. Hätte meine Freundin nicht Geburtstag gehabt, wäre ich vernünftigerweise lieber im Bett geblieben. Dann hätte ich aber auch was verpasst.

ERWARTET hatten wir eine Bühnen-Show, so wie „the xx“ auf Platte klingen. Lethargische Performance ohne große Gesten, ein Dahinblubbern der Melancholie. Und obwohl die Band natürlich ihre zu erwartenden Lieder spielte, klangen sie ganz anders.

Das hat zum einen mit dem Schall zu tun. Musik beschleunigt immer ein paar Umdrehungen, wenn man ihr live ausgesetzt wird. Die Boxen sind so etwas wie Brandbeschleuniger. Zum anderen will und wollte die Band auch poppiger klingen, weswegen die Beats sehr geschickt eingesetzt wurden und die Samples zu Überleitungen wurden; das war wirklich sehr geschickt gemacht; den „Jamie xx“, den muss man sich auch mal solo anhören. Und ganz wichtig: Romys Stimme klingt live einfach nur phantastisch. Ich würde jetzt gerne ein Video hier anhängen, doch der Live-Effekt geht in der Konserve leider absolut verloren. Am besten finde ich noch den Vergleich, wenn man seine eigene Stimme auf Tonband aufnimmt und sich sie dann anhört:  Es klingt ungewohnt, ein wenig metallisch. Und so ist es auch mit Romys Stimme auf Band, denn live und in echt ist sie einfach nur: Hammer. Und dass im Münchner Zenith, dass nicht gerade für seine besonders gute Klang-Akustik bekannt ist.

 

„The xx“ gelten als sehr schüchterne, introvertierte Band. Doch ich weiß nicht was dabei alles Show ist.  Schließlich treten sie bei ihrer Tour jeden Abend vor 6000 Leuten auf. Und kommen trotzdem noch total süß und eingeschüchtert rüber, richtig zum Knuddeln. Wobei es schon ein wenig seltsam ist wenn ein Mensch mit einer Hammerstimme die Menge umhaut und dann kaum ein Wort herausbringt, wenn es darum geht drei Sätze zu sagen… Sei es darum. Es war irgendwie ein sehr intimer Abend bei welchem man der Band ihr Image voll abkaufte.

 

Bühnenshow technisch war ich beeindruckt. Zwar war es jetzt kein absolutes Big-Player-Aufgebot was die Lichtfraktion dort oben bot, doch der geschickte Einsatz der Spiegel und der Disco-mäßig drehenden Säulen machte schon ein angenehm geiles Top-of-the-pops-Erlebnis daraus, ohne kitschig oder zu gewollt zu erscheinen. Und gerade als der große Deckenspiegel herunterfuhr und man mal sehen konnte was Jamie oben alles für Maschinen und Drums stehen hatte, aus denen er seinen Sound heraus arbeitete – anders konnte man das konzentrierte Treiben dort oben nicht deuten – machte das einiges her.

Los ging es mit „Say something loving“ und danach kam sofort ihr größter Hit und Durchbruch: „Crystalised“. Bei der 90 Minütigen Show wurde fast das komplette neue Album gespielt, auch viele alte Sachen, wobei von denen einige unter den Tisch fielen (z.B. „heart skipped a beat“), was mich überhaupt nicht störte. Das Set war einfach so dermaßen rund und gut, das mir nichts fehlte… Damit hatte ich nicht gerechnet. Und dass die Band so mega nett und familiär auftrat… Da die verletzliche Romy, oben der Handwerker Jamie. Und auf der anderen Seite der Bühne Simon, der Ruderer, der mit seinem Bass versuchte das Selbstbewusstsein der Band aufzurühren.

Natürlich wurde auch das bekannteste Intro aller Zeiten gespielt:

Schluss war dann mit „Angels“, dass gerade eben nicht perfekt auf die Bühne gebracht wurde; ein kurzer, überhaupt gar nicht peinlicher, doch intimer Moment  des Verspielens, der zu einer kurzen Unterbrechung und einer lächelnden Improvisation führte, brachte Band und Publikum endgültig zusammen. Schön.

Gar nicht schön war dagegen die Vorband. Irgendein Frickler der elektronischen Musik, der da oben sehr gekonnt an seinen Geräten herum schraubte aber nur urlangweilige „Musik“ seinen Geräten entlockte, die vom Langeweilefaktor zu einigen SPEX-CDs gepasst hätte. Das vergessen wir ganz schnell…

 

Nicht so schnell vergessen werden wir den Auftritt der Band „the xx“. Am bezeichnenden ist wohl, dass wir uns am Tag danach Musik von der Band anhörten, was nach den meisten Konzerten für mich nicht möglich ist. Normal ist man zu gesättigt mit Musik. „the xx“ haben Hunger gemacht.

Panikherz – Benjamin von Stuckrad-Barre

„Benjamin von Stuckrad-Barre (BSB)? Ist das nicht der Typ der dieses Buch mit dem Kekswichsen geschrieben hat?“ War er übrigens nicht, gedacht hatte ich das aber schon. Jetzt also so ein DROGENBUCH. Ganz furchtbar, als gäbe es davon nicht schon genug. Selbst. Wenn ich bei diversen Arzt-Besuchen in Zeitschriften mit manchmal mehr und hin wieder weniger Bilder gelesen hatte, dass das Buch so „unglaublich gut“ sein solle. In der Buchhandlung entschied ich mich – zwei Bücher – in der Hand, dann doch für Juli Zeh, was natürlich eine grauenhafte Fehlentscheidung war, danach las sich der später also doch gekaufte Benjamin gleich viel geiler.

 

Drogenbuch? Auch. Und wenn man selbst ein Suchti war, liest man solche Bücher ja mehr wie Pornografie als zur Abschreckung, wie es eigentlich auch nur Kriegs, und keine Anti-Kriegsfilme gibt, die auch nur Leute sehen die Krieg aus irgendwelchen irren Gründen geil finden (bewusst oder unterbewusst) – solange sie nicht mittendrin stehen (das ist dann wie mit den Erdbeben im Film „Texas“.

BSB ist nicht der Typ der in „Crazy“ übers Kekswichsen geschrieben hat, sondern der andere, der auch „Soloalbum“ verbrochen hat; als Buch bestimmt ganz toll, als Film eine furchtbare Klamotte, wenn auch mit guten Hauptdarstellern (Matthias und Nora), was natürlich der schlimmste Verriss für einen deutschen Film sein kann: Wenn ausschließlich die DARSTELLER gelobt werden.

 

Benjamin verarbeitet in „Panikherz“ seine Lebenssünden und philosophischen Erkenntnisse ab, was sich wirklich super weg liest. Gerade die Stellen mit den Drogen. Ich weiß nicht. Andere würde das mit den Drogen vielleicht abstoßen, für mich aber spricht er Dinge aus, die selbst ich mich geschämt habe in meinem auf „ABSOLUTE WAHRHEIT“ getrimmten Drogen-Roman „Der Text zur Nacht“ aus zu erzählen.

 

Denn Benjamin von SB beschreibt nicht nur sein langsames Abgleiten in die Sucht (was keine großen Überraschungen birgt, typische Werdegang), sondern auch diese permanente Sucht und dieses ständige Kaputtsein. Er fokussiert sich auch NICHT wie andere Autoren dieses Genres der Selbsterlösungsbücher (und dafür bin ich dankbar) darauf, wie er in absolut grenzdebilen Momenten Dreck vom Boden einer Toilette geleckt hat weil er es für Koks hielt (z.B.) oder andere absoluten Abstürze, für die man sich als Leser gleich mit schämt, nein nein, dafür aber beschreibt er phänomenal unterhaltsam dieses ständige Draufgeseihe und was das für eine verdammte Arbeit ist, tagelang wach zu sein und dabei immer unterwegs und doch in der Wohnung eingesperrt; selbst da ist immer etwas los, man ist ja ständig wach und voller Energie – an manchen Stellen habe ich mich anerkennend kaputt gelacht, vor lauter Mitgefühl. Voll peinlich, absolut zerstört, kann man keinem eigentlich erzählen: Hab ich genauso gemacht! Der totale Drogenwahn.

Ich zitiere mal Seite 292 f:

 

„Der aus Süchtigenperspektive akzeptable Mittelbau, wenngleich eindeutig zweite Liga: Das sind Leute, die regelmäßig und ohne viel Tamtam Drogen nehmen, es aber IM GRIFF haben, was man daran erkennt, dass sie ein niedliches den Ausnahmecharakter indizierendes TUWORT für Drogennehmen benutzen: FEIERN.

Der wirklich Süchtige hat das lange hinter sich. Was anderen Feier ist, ist ihm Normalität, formal feiert er durch, nur empfindet er dieses Suchtgeschufte keineswegs als Feier, es ist eine vollkommen autistische Veranstaltung. Zwar ergibt es sich, dass passager andere dabei sind, aber mit einer Sucht ist man immer ganz allein, egal, zu wievielt man ihr gerade nachkommt. Die echte Sucht ist ein ganz nach innen gerichteter Irrsinn. Je dichter, breiter, zuer, druffer ich war, desto stiller wurde ich nach außen, denn drinnen tobte der Krieg. Man hat so dermaßen zu tun mit Zähnemalmen, Blinzeln, Chancenlos-Gedankenfetzen-Verfolgen; Lichtersternchen bängen auf die Netzhaut, gern mal ein paar Stündchen gekrümmt und mit komplett angespanntem Körper in irgendeiner Ecke hängen, als sei es die Steilkurve einer Bobbahn. Da ist dann nix mehr mit Eitelkeit, Komplexen, Rollenerwartungen. Außen mag passieren was will, die Party findet inwändig statt.“

 

So isses.

BSB hat aber im Leben zum Glück mehr vorzuweisen als eine respektable Sucht nach Kokain und einen Knacks was sein eigenes Körpergewicht angeht (Stichwort: Mädchenkrankheit). Der Mann war auch Journalist, Besteller-Autor, Drehbuch-Schreiberling und Witzebastler für Harald Schmidt. Und ganz wichtig: Ein riesiger Udo Lindenberg Fan. Diese Lindenbergerei ist es, die sich wie der einzige rote Faden (außer der Sucht) durch sein Leben zieht. Udo forever, immer und überall und da muss man als Leser halt durch, auch wenn man den Typen mit Brille und Hut gar nicht so leiden kann, wie z.B. ich.  Macht aber nichts. Es fügt sich alles super zusammen und am Ende mag man Udo sogar, auch wenn Udo eher ein Symbol ist als eine wirkliche Figur, da können die zwei Freunde geworden sein wie sie wollen. Diese Liebe zum Übervater, zum Startum, Erlösung durch Popularität, das ist gleich noch eine ganz andere Ebene die da herein kommt, noch schlimmerer und amüsanterer Jugendwahn als Drogensucht und die Träume vom ewig schmalen Arsch.

 

Namedropping wird in dem Buch eh großgeschrieben, sehr toll die Szenen mit Helmut Dietl und Bret Easten Ellis: Traumhaft. Diese Übermenschen werden… Nein… Sie bleiben Übermenschen: Nur mit sehr viel Herz. Das aber mit Thomas Gottschalk. Das geht ja nun gar nicht. AufgestellteNackenhaare beim Lesen. Ein Graus. Gottschalk ist ja schon dem Namen nach das ausverbalisierte Missverständnis eines Halbgotts…

Was jedoch ganz herausfällt sind die FRAUEN in seinem Leben. Das ist schon sehr auffällig. Gerade für mich persönlich, da die FRAUEN es waren, die mich aus meiner Sucht herausholten. Nun. Ich hatte auch keine Familie wie der Benjamin sie hat und hatte, die angetreten war um ihn zu erlösen. Irgendwas soll da einmal wohl mit Anke Engelke gewesen sein. Nun ja. Mehr Intimität wird da aber auch nicht erwähnt. Komisch. Diese totale Selbstentblößung hier und dieser absolute Schutz der Partner auf der anderen Seite. Bemerkenswert. Stört nicht. Jeder wie er will – und doch bemerkenswert. Es würde auch nicht ganz zum Thema des Buchs passen, denn hier ist nur Platz für den Fan und seine Stars.

 

Der Benjamin ist kein Dummer. Und so liest sich sein Buch auch. Es macht sehr viel Spaß und ist dabei überhaupt nicht traurig, obwohl so viel Traurigkeit und menschliche Makel erzählt werden. Melancholisch vielleicht, von Trauer nur keine Spur. Man muss ja nicht gleich Trauer markieren um im Rückspiegel die Philosophie des Weltbürgers und ewigen Fans zu etablieren.

 

Das Buch ist einfach gut und rund so wie es ist. Dabei. Macht es mir gar keine Lust die anderen Bücher von Stuckrad-Barre zu lesen. Das Ding gut so wie es ist. Mehr brauche ich gar nicht. Der ist für mich auserzählt – kein zweiter Akt 😉 Das ist etwas Gutes.