D.I.M., Shantel, "die toten Crackhuren im Kofferraum" in der "Kantine" Augsburg, der 15.1.2011

Das ist mir schon seit Jahren nicht mehr passiert. Im Rückblick weiß ich nicht mal mehr genau, warum. Natürlich, selbstverständlich, klar: Es hat etwas mit Alkohol zu tun. Sonst hätte ich auch gar nicht gekotzt. Alle meine Freunde und Kumpels wunderten sich darüber, „das hast du ja noch nie gemacht“, „wusste gar nicht, dass du das kannst“ (…). Aber. Wie sagte der F? „Ich habe noch nie jemand im Gehen so souverän kotzen sehen.“ Immerhin. Souveränes Kotzen.
Kein „Übergeben“ oder „Spuken“. Das hat richtig wehgetan.

Dann ging ich wieder nach oben. Ich „riss mich zusammen“ und betrat den als „Schwimmbad“ bezeichneten oberen Floor der „Kantine“. Ein befremdlich angenehmes Gefühl überkam mich, als ich meine Leute dort beim Tanzen sah. Schöne heile Welt.
Wems schlecht geht, der sollte doch besser draußen bleiben, doch und aber: Wenn es wieder geht, mit dir und deinem Körper. Dann mach doch einfach mit. Schwing das Bein, die Hüfte; wipp mit dem Kopf, den Ellenbogen, dem Verstand. Man lacht sich INS Gesicht, tätschelt sich gegenseitig grinsend metaphorisch die Wangen mit dem Lachen, und haut nicht gehässig Ohrfeigen mäßig rein. Nein. Schon wieder ist das Lachen eine zärtliche Berührung. Nicht aggressiv, schon gar nicht boshaft.
Die Füße malen den Beat auf den Boden; die Arme zeichnen die Musik aus der Ebene der Akustik in das Reich des Sichtbaren. Man wendet sich voneinander ab, sucht sich dann wieder. Dreht sich im Kreis.
Geht´s wieder?
Geht´s gut?
Alles klar?
Bitte.
Danke.
Dann wollen wir mal weiter machen – du, wir haben gar nicht wirklich aufgehört.

Ich stelle das mir von einer Freundin gegebene Wasser ab, und lasse mich in die Musik fallen.

D.I.M. hatte bereits aufgehört an seinen MP3s herumzuschrauben. Den Typ da oben, der „Sonnebrille bei Nacht“ spielt, kenn ich nicht. Das macht jedoch nichts. Es ist total unwichtig, wer er ist.
Gerade eben, vor dieser kaputten Szene, die sich auch etwa eine halbe bis dreiviertel Stunde hinzog, war noch der J beim supernetten D.I.M. oben gestanden, und hatte den Boys Noize Mann während der „Arbeit“ voll gequatscht und besoffen beratschlagt. Den hat das dann sichtbar genervt. Der J sollte doch bitte mal Ruhe geben. Ich muss doch hier auflegen. Doch dennoch schickte er den J nicht weg, sondern wies den supersympathisch an, einen Schritt zurück zu gehen, um ihn mal „machen zu lassen“.

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Mit B war ich dazu herum gespakt auf der Tanze. Die Mundwinkel zeigten nach oben, die Augen glänzten; eigentlich ein wunderbarer Freundschaftsmoment, dabei so gesehen nichts Besonderes, denn gerade DESWEGEN waren wir ja hier. Deshalb hatten wir doch Eintritt bezahlt und die Gläser gelehrt.

Ganz am Anfang war da oben, im „Schwimmbad“, noch die letzten drei Lieder „der toten Crackhuren im Kofferraum zu hören. Die klingen etwa so wie die „Chicks on Speed“, nur waren die noch übler angezogen, konnten noch weniger singen, und der Sound war dazu noch richtig derbe überflüssig,

Deichkind für noch Ärmere. In Echt klang das sogar noch schlimmer.
Und Gott sprach und regierte: „Live ist halt immer anders. Irgendwie.“
Klare Ansage, Herr…

Unten im so genannten „Flammensaal“ war Balkandisco angesagt. Shantel legte da auf, der wohl so eine Art Berühmtheit in der Balkandisco-Szene ist, was mir sofort klar wurde, als ich den Tag zuvor zu meinem Auto ging und irgendwer irgendwo in der undurchdringlichen Dunkelheit meinte (mit Russischem Akzent): „Morgen ist Shantel bei Balkandisco in der Kantine.“ Und mir wurde sofort und ohne Umschweife klar, dass wenn ich in meiner Nachbarschaft mal Jemand als Deutscher verstehen kann, es sich um ein amtlich wichtiges Ding handeln müsste.
Balkandisco klingt so, wie man es sich vorstellt. Jenen, denen es an Vorstellungskraft fehlt hier ein Lied des Meisters himself, Shantel, was immerhin auch schon 6 Millionen Mal angeklickt wurde.

Balkan ist bei uns Pop. Warum wundert mich das nicht? ;D

Jetzt aber mal allen gespielten Rassismus und Zynismus beiseite: War eine witzige Vorstellung. Der große Flammensaal war gerammelt voll. Die Hände in der Luft und gute Laune aller Orts. Zwei „meiner“ Mädels waren extra und nur deswegen mitgekommen. Die tanzten dann da auch auf der Bühne etwas unbeholfen herum, und den Shantel freute sein Gig und machte es Spaß. Auch ein sympathischer Kerl – und weil D.I.M. schon wieder oben auflegte, und Shantel unten, das also extra und schon wieder so gebucht worden war, kann man diese Veranstaltung als die der sympathischen Plattenaufleger bezeichnen.
Ist doch sympathisch.
Der Rhythmus ist ein gewogener, wiegender Hängematten-Baumel-und-Schaukel-Takt; der Alkohol floss in Strömen, und die Leute hatten Spaß. So soll es sein. Fremde, andere Welt, doch lass da mal gut Spaß haben.
Oder noch besser: Mach doch einfach mal mit.
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Das ist kein Aufruf, kein Gute-Laune-Zwang; kein Faschismus in der Art, locker sein zu „müssen“, sich diesem endlos blöden und holen Diktat zu Unterwerfen, immer einen Scherz auf den Lippen zu haben, weil man ansonsten blöd und verkrampft ist, und nur der etwas zu sagen hat, der alles mit Leichtigkeit und Ironie nimmt, sondern einfach mal…

Schnitt

Boris Dlugosch und Fukkk Offf im Rocker33, Stuttgart, der 11.12.2010

Nach der letzten Schlägerei in der S-Bahn (Merke: Die coolste Antwort auf einen blöden Spruch, ist nicht immer die Beste; die zwei Typen kannten sich vorher nicht – 1: „Jetzt pass mal bloß auf Mann. Ich bin ein böser Serbe.“ 2: „Soll ich dir sagen warum du in Deutschland bist? Weil deine Schwuchtel von Vater vor den Kroaten davon gelaufen ist.“ Wirklich. Respekt. Coole Antwort, aber das macht man nicht, wenn man alleine gegen 6 ist. Ich habe ja auch schon ein paar Mal eine aufs Maul bekommen, doch mit dem Typen und seiner Situation wollte ich gegen kein einziges Mal davon tauschen…) fand ich bei meinem Kollegen 😉 auf dem Kanapee einen dritten Mann vor. Neben den legte ich mich dann, und konnte noch geschlagene 2 Stunden schlafen. Mein Kollege schnarchte mir durch die Ohrenstöpsel hindurch (immerhin, der lag im Bett, zwei Meter entfernt), während der dritte Mann ein Schmuser war…

Dann wurden die Nachterlebnisse ausgetauscht. Kotze und Party da, bei mir ein Dirigent, der sich ein Bier bestellte, um es sich mit mir zu teilen – ich war totalst baff, dass er ausgerechnet von dem ganzen Tisch, voll gestopft mit Musikern und Mathematikern, gerade mich danach fragte, aber ich hatte auch als Einziger ein zweites Bier bestellt. Und wirklich schüttete er mir dann mein halbes Glas voll, was ich von ihm zwar irgendwie nett, jedoch ziemlich durch und prollig fand ;D Nebenbei: Es gibt auch Bier, das in kleineren Portionen als ein halber Liter serviert wird…
Überhaupt und sowieso war ich immer noch etwas baff über die wohltuende Normalität der Leute am Tag zuvor, die einfach und endlich mal keinen Dachschaden hatten. Noch mehr als ich den dritten Mann fragte, was heute noch „geht“, worauf er antwortete: „Kiffen bis zum Umfallen. Keinen Bock heute auf Freundin. Einfach einen schönen Tag daheim.“ Das konnte ich dann natürlichst absolut verstehen, auch wenn ich kein Kiffer bin, dass es jetzt doch das Geilste wäre, sich total und megamäßig heftig weg- und abzuschießen, sich total zu zerstören, mit Nadel im Arm (ok, „H“ war jetzt nie mein Thema, das ist eher eine Metapher), verdrehten Augen, wohligen, debilen Grinsen in der Fresse, um einfach und wieder mal vor der ganzen Welt davon und wegzulaufen – und da man (wir Alle) eben müde war, kam die Frage dann auf das Pep, dass einem den Elan verabreichen könnte, heute Abend nach Stuttgart zu reisen, um im Rocker heftig zu Punken („nur gegen die Müdigkeit“ – jaja klar)
Eine prima Scheißidee also.
Also Griff zum Handy. Wo der ist, und wo sein Material. Bis dann die Stimme der Vernunft einigermaßen durchkommt und meint: „Ja ne. Das machen wir lieber nicht. Ist doch voll kaputt und blöd. Das wollten wir doch nicht mehr anfangen. Denn. Das tut weder dir noch mir gut.“ Davonlaufen bringt nichts…
Da kam mir dann auch wieder einmal zu Bewusstsein, dass ich, auch wenn ich nicht zu den Bösen gehöre, wohl nicht der Umgang für hübsche junge normale Menschen bin. Dass man ihnen und sich das nicht auch noch antun will. Die auf dem Gewissen zu haben. Die zu beschmutzten… Wobei das natürlich auch Unsinn ist. Als würde man jemand jemals irgendwie zu irgendwas gezwungen haben, dass waren immer freie Entscheidungen – das ist wie im „Traum eines lächerlichen Menschen von Dostojewskij“, ihr wisst schon was ich meine…

Bei der frühmorgendlichen Zigarette (jaja…) wurde der Schlachtplan entworfen, wie das nun mit Stuttgart laufen würde. „Schlaf ist Kommerz“, das hat ja auch der Hardy mal gesagt. Mittags mit dem Zug zu mir heim, dann ein paar Stunden Schlaf, dann weiter.
Leider blieb der Zug zwischen Augsburg und München eine geschlagene Stunde liegen, was mir teure Schlafzeit stahl (ich muss schon ziemlich fertig sein, um in einem dieser neuen Züge schlafen zu können; die sind von irgendwelchen New Age Nazis so entworfen worden, dass man nur wie ein Gepäckstück dasitzen kann, ohne die Möglichkeit, seinen Kopf irgendwohin zu beten – nebenbei, ich habe Gedanklich schon eine Schleife entworfen, die man als Kopfkissen verwenden könnte, mhm) und auf meine Anrede an den Schaffner hin bekam ich die Antwort, dass an dem Problem der Zug schuld sei, da die Politik nicht die Besten gekauft habe, um mit den Worten zu enden: „Es geht eh alles den Bach runter…“
Ermutigender ging es nicht mehr…

Nach 2,5 Stunden Schlaf fühlte ich meinen Willen zum Wahnsinn geweckt – Red Bull in den Hals schütten, duschen (was gleichzeitig geht aber einen kleinen Verdünnungseffekt hat 😉 ), der erste Schnaps, dann rein ins Auto und wieder ab zu Bahnhof.
Kurz vor 12, aber lang betrunken kamen wir vor dem Rocker an (dass der Stuttgarter Bahnhof irgendwie zerstört war, sah ich nur an der Mahnwache draußen), wo sie natürlich erst vor kurzen die Türen aufgemacht hatten, so dass es ein hohles und doofes Geschiebe in der Menge gab. Das war aber noch gar nichts zu dem Gedrücke, das an der Garderobe entstand. Dass war schon barbarisch – und unendlich blöd. Der Männerüberschuss (nehmt das bitte wörtlich) viel uns schon draußen auf, und die Herren hielten nicht sehr viel vom Schlangestehen (davon abgesehen, dass man einfach wirklich die Türen um elf aufmachen sollte, wenn man es so ausschreibt – immerhin war bis 12 nur der Eintritt billiger – dann hätte es das Problem nie gegeben; das ist wie auf dem Berlin Festival, vlt sollte ich Crowd-Manager werden…)
Das Ganze hatte für mich von Anfang an einen ziemlichen Proletentouch. Zugegeben: Die Nu Rave Sache wird niemals Hochkultur sein (will sie auch gar nicht). Dabei finde ich den Begriff „Hooligan-Disco“ trotzdem schön zerstört, aber die Szene in Stuttgart hat ein Hype-Problem. Es ist wirklich ok und cool mal Konzertartig in einem Club einen draufzumachen, doch die Energie, die bei so einem Event freigesetzt wird, sollte dann auch nicht in planlosen Fußball-Gegröle/Gehabe untergehen. Klar macht es Spaß mitten auf der Tanzfläche bei Boris Dlugosch bei kratzigen, fiependen Boys Noize Krach durch die „Wall of Death“ zu hopsen und zu pogen. Dennoch sollte dass bei den Höhepunkten der Nacht, und nicht inflationär geschehen – oder von Posern inszeniert werden; die Bierdusche musstest du machen, hä R? 😉 Aber es hat auch Spaß gemacht ;D
Es war nur einfach zu viel an Vielen. Normal bin ich der Typ, der sagt: „Umso mehr Leute, desto besser.“ Etwas zuviel war es dann doch. Ich denke noch immer gern zurück an meine erste Nacht im Rocker33 mit Mister Oizo, und das war, nun ja, natürlich, schon Gläser an die Wand, Pogo und Schrammen, Blaue Flecke und Schürfwunden am Körper, doch es war einfach nicht so platt und flach; sagen wir es so: Die Musik rief die Momente hervor, nicht der Alkohol. All das geschah im richtigen Augenblick. Ich rappelte mich lachend wieder vom Boden auf, und dann ging es weiter, weil der Sound einfach so drückend und so fordernd war, nicht weil man es „eben so macht“.

Witzig war dennoch das Gesicht meiner besten Freundin, die mit mir früher nur auf Technopartys gegangen ist, und dieses Tohuwabohu nicht kannte. „Vor einem Jahr war das doch noch ganz anders!!“ Ungläubiger Blick :)) Dennoch finde ich den Ed Banger Sound viel besser zum Feiern als das Kettensägen und Sirenengekeife der Boys Noize Ära (in der wir uns seit Anfang des Jahres befinden); es ist halt nicht so blöd und ewig das Gleiche.
Auch Herr Boris Dlugosch spulte nur – zwar gut und mit einem hohen Fun-Faktor, das will ich nicht klein reden – das Boys Noize Records Einmaleins herunter. Während man drin steht macht das Spaß, keine Frage, doch Überraschungen gab es leider gar keine. Austauschbar, schade.

Es ist so wie ich es in meinem vorvorherigen Beitrag vermutet hatte: Die Electro-Sache wird langsam inflationär. Der Zulauf ist zu groß, die Qualität der Partys nimmt leider langsam ab (noch mal: Siehe Schranz – progressiv Techno – und Minimal) – ob es da noch hilft auf das neue Album von „Justice“ zu hoffen, ist schwer zu sagen; aus dem Nu Rave/Electro wird eine Zirkusnummer. Die macht Spaß, keine Frage, aber sie hat immer weniger dieser Momente zu bieten, die ich so sehr liebe, eben, wie gestern beschrieben, diese Augenblicke der Schweißtriefenden Entrückung. Das hatte ich gestern schon auch, diesen Selbstverlust in der Musik – nicht in der Menge aber, sondern weiter hinten bei den Frauen (jaja, ich weiß wie das klingt) wo ich zu den Tunes von Fukkk Offf tanzen konnte. TANZEN darum sollte es gehen, und wenn das auch mal zu Pogo umschlägt, gern. Doch eine Nummer sollte daraus nicht werden.

Fukkk Offf spielte eher eine technoidere Art des Electro – Hands up, ja klar! – aber eben auch Tanzbar. Dennoch hätte ich mir von ihm mehr erwartet. „Rave is king“ hin oder her.
Vom Kopf her wollte ich auch einfach nur noch Abschalten, als zu Fukkk Offf abging. Beste Freundin – einmal im Jahr trifft man sich nur noch – hin oder her. Ich wollte diesen Moment der Entrückung haben, und ich bekam ihn auch. Abschalten wollte ich. Mein nerviges, handelndes Ich verlieren, um zu meiner Basis zu finden. Ich wollte glücklich sein, mit einem reinen, erledigten Gefühl der Erschöpfung in meinen Muskeln. Den Alkohol herausschwitzen, und normal werden – komisch, wenn ich nach so einem Getanze den schwer hineingeschütteten Alkohol wegverarbeitet und herausgeschwitzt habe, geht es mir immer am Besten.

Hätte ich aber gewusst, dass meine Freundin und ihre Bekannte schon um 4 Uhr gehen würden, dann wäre ich nicht ganz so vehement und lang beim Tanzen geblieben. Plötzlich war es sechs Uhr, Autodidakt spielte ein Okayeness, dabei nicht gerade überragendes Set und mein Partner lag zerstört in der Ecke – zwar wollte er sich noch etwas Aufstellen, doch das hatte allen Anschein nach wohl nicht mehr geklappt. StuppsStupps… Lebst du noch? Bist dus überhaupt

So saß man da. Müde und belustigt. Von sich selbst. Von der Szene hier. Den Leuten. Führte ein Gespräch mit einem jungen Pärchen, die erzählten dass das Rocker33 im Zuge von Stuttgart21 eingestampft werden würde, was ich durchweg als positiv ansah. Weg mit dem Alten. Her mit der Erinnerung.
Einstürzende Neubauten.
Der nächste Club kommt bestimmt. Irgendwo. Dort. Wo es keiner erwartet.

Die kleine Uffie rappte dann doch noch einen Ed Banger Song raus

Und ich saß da und lächelte.
Was war denn das wieder für eine Woche gewesen? Hard Rock, Symphonie und Electro. Irgendwie gehörst du nirgendwo dazu. Ob bei den Jungen, oder den Alten. Bist zerstört – dir gefällt das – und willst dennoch kultiviert und verkopft sein. Willst freundlich sein, und doch ein Arschloch. Geliebt und gehasst werden. Wie war das mit Nietzsche 🙂 „Man muss noch etwas Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern zu gebären“ (klar, jetzt fällt mir das Zitat ohne Problem ein 😛 ).
Dann geh doch noch mal tanzen. Mit oder ohne Sterne.
Und dann geht man. Die Musik ist scheiße, doch es macht Spaß :))
Du bist müde, aber zu aufgeweckt, um zu erlahmen.
Plötzlich sitzt man in einem Kuhkaff in seinem laufenden Auto, Polizeibeamten sehen dich an. Du nickst ihnen leise lächelnd zu. Und sie lassen dich laufen.
Ist doch noch mal gut gegangen…. Oder?

Ende Teil 2. Fassung 1.

Die Nacht nach heute – Stuttgart kaputtraven

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Ich habe den Boris noch als besten House-Dj der Nation in Erinnerung, jetzt macht er auf Boyz Noize Electro. Hm. War irgendwie zu erwarten, dass auch die „normalen“ Techno-DJs auf den Nu Rave-Hooliogan Disco-Electro-Zug irgendwann einmal aufspringen werden. Das ist dann wohl der Anfang vom Untergang der Szene.
Siehe:
Progressiv Techno (Schranz)
Minimal

Gerade hatten wir es im Dialog, dass „Extrawelt“ (bald in Augsburg) noch die richtigen guten (auch meiner Meinung nach) Minimal-Burner rausgehauen haben (wie der Hawtin), bis dann wirklich ALLE diese Musik machten, und die Qualität unter der Quantität der Produktionen zertrümmert wurde.
Dennoch freue ich mich auf einen schönen Abend, mit den unterschiedlichsten Freunden, und ein paar alte, sowie neue Gesichter, die ich dort (vlt) treffe.
So:
Here we go!

Berlin Festival 2010 – der schöne Teil :)

So, jetzt muss ich den Switch hinbekommen. Von der Wüteness 😉 zur gute Laune. Denn das war dieses Wochenende, trotz aller Verwüstungen durch das schlechte Berlin Festival Management: Wir hatten sehr viel Spaß.
Wichtig ist in dem Zusammenhang: Wir waren noch nie in Berlin, so dass wir uns von der Hauptstadt bezirzen lassen konnten; wirklich: Die Stadt und unsere eigene Gruppendynamik machten das ganze Chaos, die ganze Enttäuschung weg. Voll und ganz.
Wenn es Bands, DJs und Clubs angeht, bin ich ein Stresstyp. Ich weiß das 🙂 Alles muss gesehen, erforscht und bewertet werden – und zwar sofort :)) So wie ich es will, Menschliche Bedürfnisse – außer die Notdurft 😉 – von Anderen sind zweitrangig.
So war es früher. Und so ist es manchmal auch noch heute. Aber man wird ruhiger mit den Jahren. Nicht immer intelligenter, aber nachsichtiger. Am Ende, vielleicht sogar, auch, erträglicher? 😉 Bestimmt nicht immer.

Wir wohnten für das Wochenende etwas außerhalb von Berlin (Zehlendorf – halbe Stunde bis Mitte), wo es sehr beschaulich ist, und wir damit begannen, uns von unseren Berlinklischees zu verabschieden.
Ich stellte mir Berlin immer wie ein noch dreckigeres Frankfurt vor. Kriminalität. Verwahrlosung. Dreck. Drogen. Arbeitslosigkeit.
Tja, falsch gedacht. Ich will jetzt, da ich nur ein Wochenende lang kurz :)) die Touri-Tour durch die Hauptstadt gemacht habe, groß etwas davon erzählen, dass Berlin total anders sei, und die ganzen sozialen und real bestehenden Probleme ausblenden (Klischees kommen ja nicht von ungefähr), aber ich sah auf jeden Fall nichts davon.
Berlin ist nicht überall dreckig. Vor dem Brandenburger Tor kuckten wir uns sogar doof um, ob man hier überhaupt Rauchen und unsere Kippen wegschnippen darf. Und wie wir da so kuckten. Kiffte Einer neben uns :))
Nur aber mal so, um euch einen Eindruck von unserem Eindruck zu verschaffen.

Auch die Menschen dort, Alle die wir trafen, waren durch die Bank freundlich. Jeder, Alle die wir nach dem Weg fragten, gaben uns nett und gerne Auskunft, zückten sogar ihre I-Phones und googelten nach, wo wir denn hin müssten. Ich bewerte das im Zusammenhang mit anderen Städten mal so:
Warst du schon mal in München? 😉
Auch dort gibt es sehr nette Menschen. Sicher. Aber ein blöder Spruch am Abend ist dort garantiert garantiert.
Der schönste, wärmste Moment in dem Zusammenhang war wohl, als wir uns auf der Suche nach dem Tresor absolut verlaufen hatten, und ich total genervt zu einer Gruppe breitschultriger junger Männer mit türkisch/arabischen Hintergrund ging (das muss so um 1 Uhr Nachts gewesen sein, in einer dunklen Ecke), und die sich geradezu, ja, überschlugen uns/mir den richtigen Weg zu erklären. Dass sie uns nicht gleich hinbegleitet, oder mit ihrem eigenen Auto gefahren haben, war schon alles 😉 Ok, etwas übertrieben. Aber wahr.

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Der alte Tempelhofer Flughafen war natürlich leicht zu finden. Der erste Eindruck auch ein guter. Tolle Location für eine Party. Schlangestehen macht man auch in Berlin diszipliniert, deswegen waren wir relativ zügig schon beim Bändchen holen (sie nennen mich hinter meinen Rücken ja gerne „Bent“ – da war Bentchen holen ein Schenkelklopfer 😉 ). Dies geschah an den alten Flughafenschaltern, was schon ein alleine ein cooles Appeal hatte.

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Der Mainfloor war dann direkt am Gebäude augebaut, d.h., dieser wäre bei Regenwetter sogar überdacht gewesen (kurze Anmerkung: Das Wetter war das ganze Wochenende ideal – am Samstag sogar sommerlich). Hier mal ein paar Bilderchen, und ein Kameraschwenk.

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So eine Party auf einem Flugfeld, die hat schon was.
Adam Green spielte gerade auf der Mainstage, und verbreitete mit seiner Coverversion von „Wind of Change“ zum historischen Szenario gute Laune 🙂
Ich war nicht baff oder tief beeindruckt von all dem, aber es sah alles richtig, richtig gut aus. Auch – wir wissen, dass der Eindruck getäuscht hat 😉 – nach sehr viel Platz und Raum.
Wir machten dann das, was man halt so macht, wenn man auf einem Festival ankommt. Jacken abgeben. Einwippen. Trinken. Lächeln. Rauchen. Blödeln. Kucken.
Wir nahmen sehr viele Ausländische Touris wahr, doch das kannten wir (ich) ja schon von anderen Festivals. Deutschland ist nun einmal ein Touristenland was gute elektronische Musik angeht, deswegen trifft man dort oft mehr Kauderwelsch an, als Deutsch. Aber das ist nicht so wild. Auf dem Dancefloor zählt nur eine Sprache 🙂 Und die ist überbegrifflich und folgt nur der Grammatik des Beats.
Berlin ist in der Hinsicht schon krass. Klar. Totales Tourigebiet, was sich sehr schön in der Szenen zeigte, als wir am Sonntag Morgen den Tresor verließen, und wir kurz mitbekamen, wie der Türsteher zu Einem, der rein wollte meinte:
„Du warst doch schon öfters da.“
Und der doof glotzte und fragte: „Öh? In English?“ :))

Um halb 9 LCD Soundsystem. Mit die wichtigste Band, warum ich da war. Und sie waren super 🙂 Es war für mich wahrscheinlich das letzte Mal, dass ich James Murphy in Echt auf der Bühne erleben konnte (sie hören auf, leider), und sie waren richtig, richtig gut. Viel treibender, pumpender und stampfender als auf dem Southside, mit weniger ruhigen Nummern. Das Publikum ging zwar nicht so ab, doch was juckt es mich, was die Anderen machen? Ich hatte totalst, brutalst viel Spaß, wie MEINE Leute, und sabberte meine Nancy Whang an 😉 äh, aus der Distanz natürlich 🙂
Nach dem geilen Gig sagte ich (im Rückblick) einen sehr Verhängnisvollen Satz:
„Das war so geil, ich brauche gar nichts anderes mehr hören…“ :))

Danach blödelten wir etwas herum. Wackelten mit dem Hintern :p

Wir sahen uns das Festivalgelände an. Und suchten etwas hilflos den Berlin Floor (der machte erst später auf), spasteten etwas bei der sich bewegenden Stage zu u.a. Roxette und warteten insgesamt nur darauf, dass endlich Erol Alkan und 2manyDjs anfangen würde. Der Erol legte dann endlich mal los (Berlin Floor, ganz klein und Open-Air), und wir erfreuten uns total an seinem Set. Nicht zuviel Nu-Rave/Elektrokram, sondern schön gemischt mit Technoelementen. Das machte Fun, auch wenn es lauter hätte sein können.

Davor, zwischendrin und währenddessen hörten wir Fever Ray im besagten Hoffentlich-Spielen-Bald-2manyDjs-Floor. Aber die waren meiner Sache so nicht. Nicht einmal zum Autofahren hätte ich die mir angehört 😉 Ich trank zuviel Tequila, und hatte dann eine für die Anderen etwas anstrengende Phase (zugegeben) aber wer ohne Fehler ist… Na ja, kann passieren. Wild war es nicht.
Nach Erol ging es dann etwas früher rüber zu 2manyDjs, damit wir nicht in das Gedränge kommen würden 😉 und einen guten Platz hätten, wenn es losgeht – da standen wir nun. Etwas unpünktlich kam dann Boemklatsch auf die Bühne.
Öh wer? Warum? Die meinten dann, dass sie aus Harlem kämen (aha) und 2manyDjs gleich kommen würden. Spielten da eine viertel Stunde, und dann sagte der Veranstalter die Party ab: „Wir entlassen euch in das Berliner Nachtleben“… Das ist aber nett. Wir dachten schon, wir müssen hier bleiben….

Wir fuhren dann verwirrt und angepisst zurück in die Wohnung. Keine Informationen über den nächsten Festivaltag im Gepäck.

Mittags betourten, enterten und erforschten wir dann die Hauptstadt. Eine Mischung Wodka-Cola im Gepäck versüßte uns den Sommertag – auch vorher war es angenehm im Suffchillout in unserer schönen Wohnung herum zu hängen. Die Teamatmosphäre unseres Melt!-Teams war wirklich unzerstörbar, auch an diesem We. Keine Reiberein, nur Stichelein und schlechte Witze untereinander. Egal ob in der Wohnung. Am Brandenburgertour, oder vor dem Bundestagsgebäude, wo wir (mehr oder weniger 😉 ) Zeit verloren auf der Wiese lagen und uns vor Lachen unsere Bäuche hielten. Lachten und tranken. Uns ansahen. Uns als gemochte Menschen wahrnahmen. Es zuließen. Und verstanden, dass es gut wahr.
Diese Meinung teilten wir: Dort, hätten wir noch mehrere Stunden zubringen können.
Aber wenn man schon einmal in Berlin ist, dann macht man auch die Doppeldeckertour. Was natürlich richtig interessant war. Ich bin kein Städtereisentyp, aber das war echt sehenswert.

Wir stiegen dann extra am Checkpoint Charly früher aus, um nicht zu spät zu Soulwax zu kommen. Auf dem U-Bahn-Turn hin zum Festivalgelände sahen wir es dann im Infokanal in der Bahn, dass heute schon um 11 Schluss sein würde. Ich konnte es nicht fassen. Damit hatten wir nichts gerechnet. Ich wiederhole mich zum letzten Eintrag:
Absage des gesamten Festivals: Verständlich.
Verkürztes Programm: Das ergab und ergibt keinen Sinn.
Ich stürmte also (die Anderen teilweise hinter mich lassend) zur Hauptbühne, wo sie gerade das Schlagzeug von Soulwax abbauten.
Das ist ein Scherz oder?
Noch mal: Kein Geld zurück. Kein Wort davon am Tag zuvor. Keiner da, denn man sinnvoll zusammenschlagen konnte…

Nur noch Boys Noize, der noch etwas das Festival für uns retten konnte. Wir hatte nicht einmal Zeit uns sinnvoll warm zu trinken. Das Komische aber: Keine Wut bei uns. Keine Aggression oder Niedergeschlagen – Missmut schon – sondern wir schalteten ziemlich schnell um, ließen uns davon nicht aus der Ruhe bringen. Wir machten echt das Beste aus der Situation. Raunten uns nicht an, sondern standen darüber. Im Rückblick wundert mich meine eigene Coolness (nicht, dass ich nicht herumschrie und mich beschwerte, aber so wie ich sonst sein kann: Weit davon entfernt) – die ganze ausländischen Touris konnten das deutsche Flugblatt ohnehin nicht lesen 😉
Boys Noize war dann richtig gut. Wir tanzten und feierten – auch halbwegsnüchtern – sehr ausgelassen zu seinem fast Anderthalb Stundenset. Er war gut, zu Vergleichen mit den Crookers auf dem Melt! (ich kannte ihn schon vom Southside und aus München, live) und versöhnte uns etwas mit dem Augenblick.
Danach.
Gingen wir.
Leider sehr in die falsche Richtung, was uns aber insgesamt 3 Stunden kostete. Ich fasse es kurz zusammen: Wir waren am Ende in der richtig lautenden Straße – im falschen Stadtteil. Auch darüber gab es kein Gezeter und Gemecker. So etwas kann schon mal vorkommen, wenn man nicht Ortskundig ist.
Erster Anlaufpunkt war die Bar 25, wo das große Closing gefeiert wurde, aber da war so viel los (ewig lange Schlange, außerdem hatten wir durch unsere Odyssee sehr viel Zeit verloren), dass wir uns für den Tresor entschieden.

Der Tresor war eine einzige Freude 🙂
Wir verliebten und verknallten uns sofort in den verschlungenen, muffigen, dunklen Laden, mit seiner geilen, kaputten Akustik, und tanzten uns in der Dunkelheit in Ekstase. Zu geil dort auf der Tanzfläche herumzutollen. Nichts zu sehen. Den Rauch in der Luft zu schmecken. Dabei total abzudrehen. Aus den Boxen ein Druckvoller, Progressiver Technosound, wie ich ihn früher geliebt hatte, und immer noch tue – mit Platten die teilweise genau die richtige Reife besaßen, also 10 Jahre alt waren. Genau mein Zeug 😉 Ich tollte herum wie ein verliebter junger Hund. Powerte mich (wie die Anderen) richtig aus und stellte fest – ganz im Gegensatz was ich bisher gedacht, gelebt und gefühlt hatte: Ich mag Berlin 🙂 Und. Ich komme wieder 🙂
Es war so fett wie wir unten durch den rauchigen Gang auf den Dancefloor – so kann man das dort gar nicht nennen, in diese INDUSTRIE-HÖHLE kamen – und der Sound so heftig dreckig und geil war, und wir uns erst mal umschauen mussten, wo verdammt noch mal der DJ ist, damit wir wussten, in welche Richtung wir tanzen sollten :)) Die ganze Nacht über war es mir auch (Entschuldigung) Scheißegal, wer auflegt, und ich bin und war schon immer sehr daran interessiert, wer spielt.
Hier. War es mir total egal.
Und das war gud so 🙂
Nebenher tollte ich herum und wir redeten über früher und wie toll es war – wie toll es hier ist. In den Tresor habe ich mich echt verliebt 🙂
Minimalmusik ist nicht so meines, auch deswegen habe ich mich nicht für den „besten Club der Welt“ entschieden (das Berghain), sondern für den Tresor. Ich war nie im Berghain, und wahrscheinlich ist der Laden bestimmt etwas ganz Tolles und Besonderes, aber die Entscheidung im Vorfeld hatte ganz klar etwas mit der Musik zu tun. Nicht mit dem Hype.

Am nächsten, leider letzten Tag ging es noch einmal rein in die Innenstadt, und wir sahen uns das Holocaustdenkmal an. Auch an diesem Tag, auch in diesem Ort hatten wir sehr viel Spaß. Wir sind natürlich nicht in heuchlerischer Andacht versunken, haben dort sehr viel geblödelt, und wie ich finde, ist das auch der richtige Ort dafür.
Wir vergessen nicht. Aber. Wir leben auch weiter.
Auf dem Heimweg im Auto war er schön dem Erlebten hinterher zu reden. Zu reflektieren und es nachhallen zu lassen. Da machte es sogar Spaß am Steuer zu sitzen B)

So. Das war jetzt ein sehr langer Text, ich weiß, und insgesamt auch nicht ganz so witzig, wie ich ihn gerne gehabt hätte, aber man kann das Erlebte nicht in Worte festhalten.
Es war eine gute Zeit. Mit sehr viel Spaß, und ich werde es nicht vergessen – und freue mich schon darauf mit meinen Leuten (keine Anführungszeichen, denn das meine ich ernst, lieb und nett) wieder dorthin zu fahren.

Am Schluss spielte das Festivaldebakel keine Rolle. Nicht mal, dass ich soviel verpasst habe.
Wir haben uns selbst belohnt, für unsere Einstellung. Für unser Miteinander.
Klar wäre etwas anderes gewesen, wären wir schon oft in der Hauptstadt gewesen. Doch so. Ein voller Erfolg.
Du bekommst was du erschaffst. Und du bist. Was du warst 🙂

Berlin Festival 2010 – Schlechte Organisation, Absage und Verkürzung – Chronik eines Debakels

Vor dem privaten Teil, erst einmal der technisch/organisatorische.

Das Festivalprogramm endete am ersten Tag nicht wie geplant in den Morgenstunden, sondern bereits zwischen 2.30 und 3.00.
Was war passiert?
Gute Frage: Was war passiert?

Der Veranstalter trat auf die Bühne des NEBENFLOORS (das ist relevant) im Hangar und sagte vor dem Auftritt von 2manyDjs und Fat Boy Slim die Veranstaltung für diesen Tag ab – wir waren extra 600 Kilometer wegen 2manyDjs angereist. Die Stimmungslage könnt ihr euch vorstellen. Nicht nur unsere. WARUM aber das Festival abgesagt wurde, konnten wir uns aber nicht erklären; es gab keinen Sichtbaren Grund.

Die zwei Sperren vor den beiden NEBENFFLOORS, Hangars, waren uns sofort aufgefallen. Denn diese waren untypisch. Diese Sperren waren nicht VOR dem Festivalgelände aufgebaut, sondern AUF dem Festivalgelände, um IM Festival die Menschenströme zu kanalisieren. So etwas habe ich noch nie gesehen, und ich habe zwischen 30 bis 40 Festivals in den letzten Jahren besucht.
NORMALERWEISE ist auf dem Festivalgelände immer ein freier Zugang zwischen den Bühnen gestattet. Warum dort also eine Sperre aufbauen? Zumal das Festival auf einen FLUGFELD war, d.h. bis es dort zu einen Gedränge hätte kommen können, hätte man es vom Veranstalter her auch so einrichten können, dass man mehrere Kilometer auf das alte Tempelhofer Flugfeld hinaus laufen hätte können, so dass Millionen Menschen dort Platz gehabt hätten. Aber nein. Man baute diese Sperren auf. Aha. Wieso?

Der zweite, und entscheidende organisatorische Fehler war die Running Order AUF den Bühnen. Denn nachdem auf der großen Hauptbühne das Programm endete (mit den Editors) wollten selbstverständlich 90 Prozent der Festivalbesucher 2manyDjs und Fat boy Slim hören. Warum spielten die nicht auf der Hauptbühne? Das ist so (von der Wichtigness jetzt etwas übertrieben), wenn man die Beatles und die Rolling Stones in eine Nebenhalle stellt, und sich dann wundert, dass Alle dorthin wollen, und eben nicht zu den anderen Bühnen, wo unbekannte Acts spielen.
WAS SOLLTE DAS?
WER HAT SICH DAS AUSGEDACHT?
Und warum hat man die Sperren ganz geschlossen – ich war da. Sie haben keinen mehr rein gelassen – wenn der Hangar noch nicht mal voll war?

Wirklich: Der Hangar war (ich war dort) zu keiner Zeit überfüllt. Es gab zu keinem Zeitpunkt Gedränge, Geschiebe oder auch nur den Anflug einer Panik. Das gab es nur draußen, nachdem logischerweise alle von Hauptbühne, durch die sinnlose Sperre wollten, um die Topacts zu sehen. Es MUSSTE dort eng werden. Diese Sperre war die sich selbst erfüllende Prophezeiung, das Perpetuum Mobile, welches ein Gedränge auslösen musste. Die hatten gar keinen anderen Sinn.

Wir fassen zusammen:
Sinnlose Sperren.
Schlechte Planung des Festivalprogramms.
Künstliche Verengung des Raumes.
Schlechte Organisation.
Dazu kommt eine Null Informationspolitik vom Veranstalter (die Party ist vorbei – der Rest ist euer Problem).

Ein paar Wochen nach dem Duisburg Debakel war dem Veranstalter die Erinnerung an das Drama wohl noch zu frisch. Deswegen wurde die Veranstaltung abgebrochen, bevor es zu Schlimmerem kam. Muss denn immer erst etwas passieren? Nein. Muss es nicht. Aber es WÄRE auch nichts passiert, hätte man sich mal ein paar Gedanken zu der ganzen Geschichte gemacht, hätte man sich die Zeit genommen. Dass die Polizei die Veranstaltung lieber auflöste, als irgendetwas zu riskieren, das verstehe ich. Was die aber überhaupt auf dem Festivalgelände zu suchen hatte, ist die nächste Frage:

Ich habe 60 Euro für die Sicherheit meines Lebens und all meiner Mitbesucher bezahlt. Das war nicht wie in Duisburg, wo die Leute ohne finanziellen Aufwand auf gut Glück auf den Veranstalter gezählt haben. Ich habe dem Veranstalter finanzielle Mittel in die Hand gegeben, damit so etwas nicht passiert. Bei 10000 Besuchern, wurde – ohne die Massenhaften Sponsoren – allein so 600000 Euro zusammen getragen. Wie viel davon wurde in die Planung investiert? Wie viel in den kurzen Gedankengang, dass ein Name beliebter und bekannter ist, als der Andere? Zudem das die Leute sich nicht einfach gleichmäßig auf die anderen Bühnen verteilen, wenn die meisten Menschen Touristen sind, die extra deswegen anreisen, und bis zu Schluss bleiben – wieso hätten die vorzeitig nach hause/weg geehen sollen? Wieso hat man nicht bedacht, dass nicht alle Leute die wollten, in den Hangar gepasst hätten? (War das so? Oder weshalb gab es keinen Einlass mehr?) Und noch mal: Wieso hat man das Programm nicht nach draußen verlegt, und die 2manyDJs und Fat Boy Slim gleichzeitig spielen lassen? Zwar hätten alle gemault, dass man einen der Headliner verpasst, aber die Menschen hätten sich aufgeteilt – und wenn dies aus Lärmtechnischen Gründen nicht möglich war, warum hat man dann nicht den zweiten Hangar mit einem Headliner besetzt, und die unwichtige, schlecht besuchte Band gecancelt? Zu der niemand drängte?

Am nächsten Tag wurde das Programm verkürzt, zusammengestrichen und im 23 Uhr war Schluss. Etwa 7 Stunden früher als geplant.
Davon war am Tag zuvor KEINE Rede.
WAS SOLLTE DAS BITTE BRINGEN?
Wurde immer noch an den Sperren gedrängt?
Wo war da der Zusammenhang? Und war das nicht ein einziges Eingeständnis dafür, dass der Organisator sich eingestand, dass das Festival schlecht organisiert war?
Wir verpassten so gut wie alles, weswegen wir angereist waren. Einfach weil wir damit nicht rechnen konnten. Es ergab keinen Sinn das Festival zu erkürzen. Abbrechen – bevor es Tote gibt, da die Sicherheitslage nicht garantiert werden kann – ok. Aber verkürzen? Wozu?
Wir ließen kurz im Internet nachsehen, was los war, aber auf der Hauptseite stand überhaupt nichts, dass etwas passiert war. NICHTS. Nicht einmal jetzt. Und nicht einmal dort konnte man sehen, wann welche Band, wann welcher Künstler spielen würde. Dort gab es nur eine arrogant, selbst beweihräucherte Rede, dass man alles Menschenmögliche getan hatte, um den sicheren Festivalverlauf zu garantieren. Was nicht stimmte. Und das man doch noch am Samstag bis elf machen würde, was doch eine tolle Leistung war (was da nicht stand: Weil man doch vorher so schlecht geplant hatte…).

Was ist aber, wenn man das Programm schnell und kurzfristig, ohne Informationen für die Besucher, zusammenkürzt? Genau. Alle kommen auf einmal und drängen in einem noch kürzen Zeitfenster an die Bühnen – von dem Verteilen der Massen konnte jetzt keine Rede mehr sein. Als wir von der Hauptbühne nach Boys Noize weg wollten, war es enger als die ganze Nacht zuvor. Und die Leute gingen langsam, ohne Gestoße und Gedränge auseinander. Dort. Wo KEINE SPERRE sie daran hinderte. Wie auf jedem Festival sonst auch.
Zu lesen, dass der Organisator bei sich keine Schuld sieht, ist der blanke Hohn. Lachhaft, dass im nächsten mit noch mehr und noch größeren Aufwand geplant wird.

Geld gab es übrigens keines zurück. Irgendwann würde es eine Ausgleichveranstaltung geben – wofür man sich noch im Flugblatt selbst auf die Schulter klopfte. Man muss doch erst mal so viele Topacts noch mal bekommen.
Wie ich es schon am Einlass in Tempelhof erklärte hatte.
ICH KOMME NICHT AUS BERLIN!!!!
Wie etwa 80 Prozent aller Besucher (fast nur Touris, Engländer wie Holländer dort).
Das bringt mir/uns einen SCHEIßDRECK!!!

Aber man kann ja nicht einmal zu einer zentralen Beschwerdestelle gehen, sondern muss dann so ein armes Würstchen von Mitarbeiter anblaffen, der auch nichts dafür kann.
Hätte es dort eine zentrale Anlaufstelle zur Beschwerdeabgabe gegeben, die man einfach mal so anschreien hätte können, um sich Luft zu machen, dann wären sie von den Besuchern an diesem We massakriert worden.
Denn die Leute reagierten nicht mit Verständnis.
Weil man in diesem Kontext nicht darum bitten konnte.

Da ich draußen war, machte ich zwei Fotos von der Sperre und der Situation. Aber auch nur, weil Fever Ray, die vor 2manyDJs spielen (sollten, also wegen 2manyDJs), so langweilig waren.

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Kommen wir zum privaten Teil. Denn wir machten aus der schlechten Organisation. Dem Betrug. Der Verarasche. Der Unfähigkeit des VERANSTALTERS, das Beste.

Sound of my shoes…

Stop! Nicht Tanzen!
Halten sie die Füße still!
Stellen sie beide Schuhe ne-ben-ein-an-der auf den Boden…
DA WO ICH ES SEHEN KANN!!!

– Ja, ja. Ist ja schon gut….

Ich spar schön meine Kräfte. Halte mich fit und gesund, dieses Wochenende.
Für nächste Woche. Für die Hauptstadt. Für das Festival.
Unter anderem auch für die Brüder Dewaele
Auch bekannt unter dem Namen 2manyDJs.
Das klingt dann so:
http://www.blog.de/srv/media/dewplayer.swf?son=http://data6.blog.de/media/636/4939636_8d9884bc75_a.mp3
2 many djs at Pukkelpop 2010
Hab schon lange kein ACDC und Guns and Roses mehr auf dem Dancefloor gehört 😉
I freu mi :p

Stop! Halten sie den Kopf gerade.
NICHT mit-nik-ken.
So ist es gut…
BEIDE Füße flach auf dem Boden lassen…
Der Takt kommt auch gut ohne sie klar.
Den brauchen sie nicht mit dem Fuß mitwippen.

Ja, das wird heute Einer dieser typischen „Ich-habe-nichts-zu-sagen“-Einträge, wie ich sie bei Anderen verabscheue….
Außer. Vielleicht.
Komischerweise bekomme ich jetzt Zigaretten geschenkt, wo ich erklärt habe, dass ich jetzt doch nicht langsam mal richtig mit dem Rauchen anfange (ist übrigens ein „Herr Lehmann“-Zitat, hat das irgendwer gemerkt?) – wobei der/dir nur darauf spekulieren, dass ich zum Rauchen anfange, und sie dann von mir Schnorren können. Und nicht wieder die fast ganz abgebrannten Kippen aus meinem Aschenbecher zu Rauchen.
Ist doch eklig….
Zigaretten
Ich hoffe, ich kann heute noch einen „echten“ Text erarbeiten…
Falls nicht.
Habt einen schönen Tag, und nehmt das Leben nicht zu ernst.
Ihr wisst doch, was der große Wittgenstein gesagt hat:
„Die Logik ist transzendental.“