Greenfields Open-Air-Festival in München. Es war der 08.07.2018

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Das Problem bei einem Sonntagsfestival sind die Tage danach: Absolute Zerstörtheit. Schließlich ist man keine 17 mehr. „Siebzehn“ ist in diesem Fall keine willkürliche Zahl, denn schließlich bin ich einer der Wenigen, der 2001 auf dem ersten „Greenfields“ auf der Pferderennbahn in München/Riem dabei war. Schwer zu sagen ob man darauf stolz sein soll oder sich schämen müsste. Zur Zeit um die Jahrtausendwende waren diese „Sven Väth“-Sonntagsfestivals gerade in Mode. Sven legte auf ner Burg auf, Sven legt in ner Kiesgrube auf, Sven legt an nem See auf; natürlich auch auf dem „Love Family Park“ oder eben bei uns in München. Wo wir. 21 Jahre alt und ordentlich durch geraved, das Prinzip von solchen Tagesveranstaltungen noch gar nicht ganz verstand. Okay. Da war der Sven. Kennt man. Wegen dem ist man da. Guter Typ. Und er war der einzige der seine Platte drehen lies, bis auf einen oder ein paar Münchner Locals im Vorprogramm. Doch was sollte das mit dieser Sonne? Mit diesem freien Himmel? An einem Sonntag? Warum nicht einfach Techno-Keller oder altes Heizkraftwerk, wie sonst auch immer? Daran war doch nichts falsch gewesen…

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2018 gibt es das „Heizkraftwerk“ auch schon seit 15 Jahren nicht mehr – und das „Greenfields“ hat statt einem Floor gleich drei. Der Sven kommt aber immer noch. Wie in jedem Jahr. Auch wenn seine Sets für meinen Geschmack immer unspektakulärer geworden sind. Er hat noch diesen Spirit die Massen zu begeistern, leider fehlt es ihm aber an der gewissen Verve, dem unbedingten Willen. Er scheint etwas zu sehr in sich zu ruhen, ein wenig zu satt zu sein. Zwar sind da noch immer die famosen Einzelaktionen, das Begeisternde, dass er mit sich bringt. Am Ende aber ist er ein Schatten seiner selbst, wenn man ihn früher kannte.

2018 ist DJ-Altmeister Väth gut vergleichbar mit der deutschen Nationalmannschaft.

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Es hat ja auch seine Vorteile, dass der Sven nicht mehr alles alleine machen muss. Gerade eben richtig zur letzten halben Stunde von Kollege „Kölsch“ schlugen wir an der Mainstage auf. Der dänischer Kompakter hat mir schon auf dem „Contact Festival“ gut gefallen. Nicht zu langweilig. Nicht zu knüppelig. Schöne Töne. Verknarzte Flächen. Macht er richtig gut, der Mann mit dem furchtbaren Hut.

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Allzu viel mehr bekamen wir dann auch nicht mit. Ich fand mich zum Set von „Maceo Plex“ in der Sonne wieder. Im Liegestuhl. Die Frauen schwenkten ihren Aperol im bauchigen Echtglas. Wir chippten uns den Jägermeister rein. Große Gesten. Viel zu lautes Lachen. Peinliche Fotos. Und die Frage, wann Techno denn nun wirklich starb. Damals, als es zum ersten Mal was ZU ESSEN auf nem Techno-Festival gab. Oder jetzt, als die AOK original einen Stand auf dem Greenfields hatte. Verkehrte Welt – gekreuzte Gläser. Schön mit den Freunden in der Sonne.

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Und dann geht es weiter im Selfie-Wahn, rüber zur nächsten, schattigen Bühne, wo der Blick trotz überteuerter Getränke immer trüber wird und die Frage, ob das schon Matthias Tanzmann ist, mit „Maya Jane Coles“ beantwortet wird. Getanzt haben wir eh nicht wirklich, den ganzen Tag über nicht. Es war mehr so ein Hin-und-Her-Schmofen, wo man bei der halb abgerauchten Kippen schon an das nächste volle Glas dachte, und umgekehrt. Schlagartig, ohne wirklich zu wissen wie man dorthin gekommen ist, lagen wir dann auf DER DECKE auf dem grünen Hügel und quatschten die Leute zu. Der Torsten aus Niedersachsen war da. Später das Pärchen aus Tirol drüben beim dritten Floor. Und noch einer von sonstwo, bei dem ich mich bei aller Liebe wirklich nicht mehr daran erinnern konnte, was für einen Schwachsinn ich an den armen Kerl hin gelabert habe – egal. Lauter nette Leute von sonst wo her, wo ich mir gar nicht erklären konnte, warum die an einem fuckin Sonntag in München sind. Und alle sagten: Weil die Leute hier so nett und chillig sein. Baffheit von meiner Seite aus. Das ist zum Glück nicht mehr das München meiner Jugend, als die musikalische Qualität mir viel wichtiger war als die dort kennen gelernten Leute, da diese sich tatsächlich oft für was besseres hielten. Wir aus Nähe Augsburg waren für die immer der eigentliche Techno-Strich gewesen. 2018 hatten sich alle lieb.

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Rodhad“ bolzte mir ein wenig zu sehr. Bis wir uns alle dann doch natürlich wieder drüber beim Sven trafen. Sven Väth wie immer; Kleiner Mann ganz groß. Und dann war der Tag auch schon wieder vorbei. Hat wie immer sehr viel Spaß gemacht. Vermutlich nächstes Jahr wieder. Warum auch nicht?

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Erst am nächsten Tag, als ich die Fotos auf dem Handy durch flippte, wurde mir klar wie viele Bilder ich von uns geschossen hatte. Zahlreiche Lichtbilddokumentationen davon, wie wir immer mehr in den Suff abglitten und dabei sichtlich Spaß hatten. Gewagte These: Selfies und Gruppenbilder mit Freunden sind die eigentlichen Umarmungen in den ersten zwanzig Jahren des neuen Jahrtausends. Festgefroren auf des Displays unserer digitalen Rechtecke. Und bei aller Kritik: Irgendwie ist das doch auch was Tolles.

 

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Demonstration „Nein zum Polizeiaufgabengesetz“ in München, es war der 10.05.2018

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Die jungen Leute fand ich ganz toll an diesem Demo-Donnerstag. Wobei. Das ähnlich Gleiche habe ich auch  in meinem Text über Paris geschrieben. Wie toll ich die jungen Leute da empfand. Wahrscheinlich sagen das alle Leute über dreißig, wenn sie diesen jungen Vibe spüren, von dem sie einfach kein Teil mehr sind. Gedanken an eine selbst verschwendete, apolitische Jugend kommen in einem auf. Vielleicht jedoch, fühlte ich mich als Jugendlicher die ganze Zeit genauso. Es fehlte nur die Reflexion darüber. So oder so: Ja, die jungen Leute fand ich ganz toll auf dieser Demo gegen das neue Polizeiaufgabengesetz. Es geht schließlich auch um sie.

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Ich war schon immer Bayer und das ist außerhalb von Bayern nichts, worauf man besonders stolz sein muss. Sowieso macht es keinen Sinn auf eine Tatsache stolz zu sein, für die man durch den Zufall der Geburt nichts kann. Bayer bin ich aber trotzdem gerne. Und als Mensch im ständigen CSU-Land ist man leider viel gewohnt. CSU, das geht ja gar nicht. Ganz schlimm das diese Trottel den Begriff „Heimat“ für sich besetzen. Das stimmt aber gar nicht. Denn Heimat ist kein fest verorteter, verdrahteter Begriff der eine Partei gehört. Heimat gehört uns allen.

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SICHER muss diese Heimat sein, wenigstens ist das der Schluss, den die Partei und viele seiner Anhänger aus den Geschehnissen der letzten Jahre ziehen. Und ja, unsere Sicherheit ist bedroht. Natürlich auch durch Terrorismus und dem Zuzug von fremden Kulturen. Jedoch nicht in dem Ausmaß, dass unsere Gesellschaft das nicht aushalten würde; die neuen „Sicherheitsgesetzte“ rechtfertigt die diffuse bayrische Angst überhaupt nicht.  Denn der Bayer an sich ist ein ängstlicher Zeitgenosse. Es geht ihm viel zu gut. Er hat viel zu viel Wohlstand und Sicherheit angehäuft, um nicht ängstlich zu sein. Das ist der Schluss den ich aus den Gesprächen mit meinen Freunden gezogen habe. Alles Familienväter. Was mal wieder beweist, dass die Kleinfamilie nicht nur die Urquelle aller Heilewelt-Utopien ist, sondern auch die Triebfeder für alles Schlechte in so einer Gesellschaft, wo jeder nur an die Seinen und sich  selbst denkt. Kann man den Leuten nicht einmal übel nehmen. Dennoch. Dieses von mir oft gehörte „Wer nichts zu verbergen hat, braucht auch keine Angst vor der Polizei zu haben“, ist leider nicht richtig. Denn wir tauschen Freiheit gegen Sicherheit. Auch wenn wir das nicht akut spüren. Denn was ist morgen und übermorgen?

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Der Bayer und sein Deutschland lebt in einer sehr friedlichen, sicheren Zeit. Auch wenn wir das nicht sehen wollen. Nie ging es allen so gut wie heute. Auch wenn es natürlich allerhand Probleme gibt. Das wissen wir. Trotzdem geht es uns besser als es uns die Medien oder die Trolle einreden wollen. Und so wie Leute für unsere Rechte gestorben sind, die wir so gerne und selbstverständlich nutzen, haben wir die Pflicht aufzustehen, wenn etwas aus dem Ruder läuft. Klar. Im Nachhinein, wenn „etwas“ passiert ist, will keiner Schuld sein. SCHULD wird in einem katholischen Land wie Bayern ja immer gerne großgeschrieben. Daran dachten aber auch die zigtausenden Demonstranten auf dem Münchner Marienplatz, der so überfüllt mit Leuten und ihrer Meinung war, dass die ersten Kundgebungen aus Sicherheitsgründen gar nicht erst abgehalten wurden. Nein. Keiner von denen die hier friedlich in der Sonne standen, war ein Phantast, der nicht an „das Böse“ in der Welt glauben würde. Aber vielleicht dachte die Mehrheit der Leute hier, dass das Böse gar nicht so total ist, wie es uns immer eingeredet wird. Es gab keine Schlachtrufe von wegen: „Die Polizei muss weg! Sie braucht keiner!“ Nein. Das dachte hier keiner. Der Tenor war eher: „Bei aller Freundschaft, das geht zu weit! Wir wollen nicht dass der Staat in unsere Häuser und Computer einbrechen darf. Wir wollen nicht dass die Polizei Handgranaten einsetzen darf. Es kann nicht sein, dass man ohne Anwalt fast unendlich eingesperrt werden kann.“ Wir standen hier nicht für die Utopie eines Staates den es nicht geben kann, sondern lustiger weise sehr reaktionär für dass, was wir nicht aufgeben wollen. Unsere Freiheit gegen eure Angst. „Passieren“ kann immer was. Da ist es nicht der richtige Weg die Leute präventiv einzusperren. „Es könnte ja sein“. Nein, das kann nicht sein… Aha, und wer ist schuld wenn dann doch „was passiert“? Und wer ist schuld daran, wenn nichts passiert und trotzdem die Falschen einsperrt werden? Und was geschieht mit solchen Gesetzen in der Zukunft?

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Es war ein „bunter Protest“. Er war friedlich. Kreativ. Und sehr gut besucht. Mit 7000 von uns haben sie gerechnet. Am Ende waren wir um die 30 bis 40000. Bayern und seine Schüler und Studenten haben gezeigt, dass sie eine Stimme haben. Dass sie politisch interessiert sind und dass sie weniger Angst haben, als man ihnen einreden kann. Die Fakten sprechen gegen das neue Polizeitaufgabengesetz. Tatsächlich bringt unsere Autoindustrie – auf die wir sooo stolz sind – durch Abgase und Feinstaub in der Woche mehr Leute um, als die Terroristen im ganzen bayrischen Jahr. Aber das ist halt auch Bayern.

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Die Leute tanzten auf der Straße, klatschten und tanzten zusammen. Die Polizei hielt sich zurück und machte auf guten Kameraden. Und warum kann das nicht einfach so bleiben? Vielleicht einfach ein wenig weniger Angst. Und weniger Befugnisse. Das heißt ja auch: Weniger Arbeit für die Polizei. An die muss man doch mal denken. Bezahlt die doch lieber mal besser. Stellt mehr Leute an. Dann wird auch besser ermittelt.

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Ob die CSU sich mit solchen Gesetzen nichts selbst ins Bein schießt und die Trottel dann nicht gleich das Menschenverachtende Original wählen, bleibt abzuwarten…

Contact Festival 2017 – Rückblick und Festival-Kritik

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Dieses Jahr gab es gar keine Club-Nacht für mich. Da muss man doch was machen. Aber Nacht und so? Geht das denn nicht auch ein klein wenig anders? Schließlich bin ich 37. In dem Alter wird man beim Ecstasy kaufen schon von seinem jugendlichen Dealern gesiezt. Also warum nicht auf das verhasste Contact-Festival, bei dem ich vor ein paar Jahren einmal war. Damals gab es ein paar ordentliche Defizite in der Organisation. Es war aber auch nicht alles schlecht. Wenn es damals wie gestern nur nicht so kalt gewesen wäre… Dezember bleibt halt leider auch Dezember.

Es ist kein Geheimnis, dass ich von dem Echelon-Veranstalter nicht viel halte. Miese Preispolitik. Abzock-System „Getränkemarken“, welches man dieses mal „Token“ genannt hat, nur das Prinzip bliebt das gleiche. Außerdem konnte man die Becher nicht überall zurückgeben (nur gegen neu gefüllt austauschen) und die übrigen Marken  auch nicht da zurückgeben wo man sie gekauft hatte – sondern irgendwo ganz woanders. Die Token waren auch nicht beschriftet wie viel der einzelne Wert war (Klasse Idee halbe Tokens mit drauf zu machen, die an der einen Bar als volle akzeptiert wurden, woanders nicht) und man hatte im Prinzip überhaupt keinen wirklichen Überblick was man noch für Möglichkeiten hatte und wann man neue holen musste. Klar kam ich/wir schon gut angetrunken an. Doch sollte ein System auch für die Berauschten Sinn machen: Denn wir sind eure Kunden.

Die Schließfächer anstelle einer normalen Garderobe empfand ich als eine gute Idee. Der Raum war schön beheizt und man konnte immer ran wenn man wollte. Nur. 8 Euro für ein Schließfach? Da passten auch nicht „locker“ drei Jacken rein, wie man noch auf Facebook getönt hatte. Es ist Winter verdammt! Da passte gerade mal eine Winterjacke rein, und ein Pulli! Zu den 8 Euro kamen auch noch 5 Euro Schlüsselpfand. Dieser Pfand war das Einzige was Sinn machte…

Ne. Dass dieser Veranstalter uns tief in die Taschen greifen würde war zu erwarten.

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Die Idee mit den kostenfreien Decken zum über die Schultern legen fand ich gut. Hätten ein paar mehr sein können. Und. Was sagt es über ein Festival aus, bei dem man Decken braucht um nicht zu erfrieren? So oft sind wir dann auch nicht zwischen den Hallen gependelt. Im Kesselhaus drüben waren wir einmal. Und in diesem neu gebauten (schönen Glaskasten) auch. Optisch waren die Aufbauten okay bis hübsch. Leicht spacig. Es gab endlich auch einen kleinen Chillout-Bereich. Zum Hinsitzen. Das war angenehm. Und so manch einer nutzte die Sitzgelegenheiten. Um unter den Decken. Verschmitzt lächelnd. Drogen zu nehmen.

Über die Anlage im Zenith-Bereich wurde schon so viel gelästert: Zu Recht.

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Aber ich war ja mit Freunden da. Um Freunde-Sachen zu machen. Das funktionierte sehr gut und wir hatten Spaß an uns. Ganz besonders auf der Hinfahrt. Im Laufe des Tages flaute das ab. Der ganze Alkohol und … Machten es anstrengend. Derselbe Level ist selten zu halten. Schön aber das gleiche Niveau überhaupt mal gehabt zu haben. Jeder hat so seine Wünsche an die Nacht. Jeder seine Erwartungshaltung. Die Schnittpunkte verwischen manchmal und man muss sich mit weniger zufrieden geben.

Wir waren ja auch schon mittags aufgebrochen um gegen 15 Uhr 30 Rodhad zu hören. Der war mir aber zu dröhnend bassig. Nichts wofür man jetzt unbedingt früh anreisen musste. Hat man den gehypten Mann von vor zwei Jahren auch mal gehört. War ordentlich. Nicht mehr.

Ebenso wie bei Reinier Zonneveld. Drüben. Im Kesselhaus. Da war die Stimmung viel komprimierter, geballter. Hier hatte die Crowd auch schon zu der frühen Tageszeit Bock. Die Hände waren schon oben und… Na ja. Mehr ist von einer Crowd 2017 nicht zu erwarten. Also Hände oben, ein wenig Geschrei: Gute Sache.

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Kölsch wollte ich unbedingt hören. „Opa“ ist ein Mörderbrett und wurde nach einer Stunde von dem Mann mit Hut auch herausgehauen. Dass der Act aus Dänemark (nein, nicht aus Köln) mehr ist als ein One-Hit-Wonder bewies das darum herum aufgebaute Set. Ich fand es sehr tanzbar und es machte mir sehr viel Spaß. Es war mit das beste Set an diesem Tag. Ich war frisch und unverbraucht. Es war Zeit den Schuh fliegen zu lassen. Neben dem alten Rein/Raus-Spielchen: Rauchen und Token kaufen.

Weil meine Leute ein wenig lädiert und ich eh schon im Reiseleiter-Modus war, schob ich sie im Laufe des Tages von Bühne zu Bühne. Das ging ganz gut, weil noch nicht sooo viel los war. Ein wenig nervig war das Aufgepasse auf seine Leute zwar schon. Gehört aber halt dazu wo Gläser gekreuzt werden.

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Wir (na ja, vielleicht mehr ich) tanzten und hörten (eher die anderen) bei Uros Umek zu. Den Umek hatte ich auf meinem letzten Contact gerne gehört und auch diesmal enttäuscht er mich nicht. Sein Sound war schon immer treibender und flippiger als der normale Techno-Kram. Nicht ganz so kühl, nicht ganz so bolzig, schön 4 to the Floor mit einer leichten Prise musikalischer Gewürzmischung. Nicht das beste Set des Slowenen. War aber okay.

Süß war das back to back Set von Adam Beyer und Ida Engberg neben an. Das Schweden-Pärchen. Das war natürlich schön Bass und Rhythmus orientiert. Ein wenig holzig, ein wenig doof: Wunderbar 😀 Nicht der höchste Schwierigkeitsgrad für den Körper. Genau richtig schön zum Grinsen und Mitbouncen.

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Leider werden die Leute die auf Techno-Veranstaltungen gehen immer fauler. Man darf die gar nicht auf der Tanzfläche beobachten. Das ist eine Entwicklung die ich schon seit Jahren kopfschüttelnd kommentiere. Gestern waren die Leute aber schon extrem faul. Vielleicht. Liegt es aber auch an den Drogen. Die werden immer stärker, immer konzentrierter. So dass man gar nicht mehr die Energie hat wie ein Irrer zu dancen. Schade. Denn gerade so was musste man beim Set von Klaudia Gawlas machen. Sonst macht die Frau doch gar keinen Sinn!

Es macht immer Spaß mit ihr. Mit ihrer harten Form von Techno. Die Art von Techno, die mich vor 18, 19 Jahren zu der Musik brachte. Trotzdem (und gerade deswegen): Nach all den Jahren empfinde ich den Sound als ein wenig öde. Das kenne ich schon in- und auswendig und habe ich gerade in den Nuller Jahren viel besser gehört. Überhaupt und sowieso hat mich das musikalische Programm des Contacts daran erinnert, wie sehr ich mit dieser Art von Musik durch bin. Ja, ich liebe den ganzen Scheiß. Ja, we never stop living this way. Trotzdem muss man doch auch nicht beim immer gleichen Geknüppel stehen bleiben. Es gibt so viele verschiedene Formen von Techno (ich verwende den Begriff immer noch wie jemand aus dem Jahre 2000), von elektronischer Musik, dass ich mich mehr nach Abwechslung sehne. Die auf dem Contact nicht gegeben war. Klar ist es auch geil ein straightes Techno-Event im Jahre 2017 zu haben (es gibt ja immer noch genug davon, zum Beispiel die Time Warp in Mannheim), ich find´s dann halt ein wenig fad. Deswegen war´s das auch für uns und diese Party.

Hat Spaß gemacht. Nur mehr im Nachhinein als wirklich in der Zeit als wir da waren.

 

Gorillaz live – die Humanz-Welt-Tour in München, es war der 11.11.2017

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Als das erste Gorillaz-Album erschien war mir das ganze Projekt zu affig (haha). Der neue Albarn-Sound war seiner Zeit sehr neu und hip, was selbst ich in meiner damaligen spätjugendlichen Lebensphase anerkannte. Die Band erschuf damals mit ihrem Stil-Mix etwas einmaliges, etwas Neues. Nur. Fleming war damals so auf Techno, das so eine Kommerz-Pop-Band bei ihm nicht wirklich punkten konnte. Und dann wurde da auch noch gerappt: Ging gar nicht. Gestern, 16 Lebensjahre nach dem Erscheinen des nach der Band selbst betitelten ersten Albums, sah die Sache anders aus. Gorillaz? Sollte man sich mal anhören. Ganz schlecht sind die ja nicht. Wenn auch, okay, immer noch zu poppig. Aber Mister Damon Albarn auf der Bühne hat man nicht alle Tage. Und nicht zuletzt: Meine Freundin ist großer Gorillaz-Fan.

 

Ins Münchner Zenith fahre ich nicht nur gefühlt alle paar Monate. Die Besonderheit gestern war, dass wir  fast pünktlich zur Öffnung der Halle dort waren, um 18:30 Uhr. Trotzdem war da schon eine extrem lange Menschen/Fan-Schlange vor dem Eingang. „Das wird nichts mehr“, meinte ich betreten zu meiner Freundin und meinte damit, dass wir zu spät ankamen um noch einen Stempel zu bekommen um noch vor dem ersten Wellenbrecher direkt vor der Bühne stehen zu können, wo die Sicht auf die Bühne am besten ist. Im klammen München regnete es stark zu dem eisigen Wind, der wütend und bitter unsere Schirme auf links toste. Schlamm vom aufgewühlten Schotterpark-Platz des Zenith-Geländes klebte an unseren eiligen Schuhen. Doch. Oh Wunder. Wir ergatterten einen der erhofften limitierten Plätze vor der Bühne. Ab zum Merchandise-Stand.

Ich bin noch nie auf das Merch in einem Blog-Eintrag eingegangen, da ich aber bei Justice in Köln kein Shirt in meiner Größe bekommen habe und z.B. bei „the kills“ die Qualität der Shirts derart billig war, dass selbst die Sklaven-Kinder aus den Sweatshops in Kambodscha empört die Augen verdreht hätten, will ich auch mal erklären dass die Gorillaz-Produkte von erstklassiger Quanti- und Qualität waren. Zumindest vor dem Waschen…

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Vorband war Little Simz. Klarer Fall von überhaupt-nicht-meine-Musik. Das interessierte die Kleine die aussieht wie die von „Chewing gum“ gleich mal überhaupt nicht und walzte mit ihren Hip-Hop-Tunes nicht nur mich platt und zerrte dadurch meine Arme nach oben. Selten habe ich eine Vorband erlebt die a) so gut beim Publikum ankam und die b) sich so viel Mühe gab um die faule Crowd – die einen Haufen Geld dafür ausgegeben hat, um eine ganz andere Band zu hören – von ihrer Musik zu überzeugen. Und das machte richtig Fun. Es wurde am eigenen Körper gezeigt, dass es auch geil sein kann ein Publikum an die Hand zu nehmen.

Punkt 20 Uhr Little Simz. Punkt 21 Uhr: Gorillaz.

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Die Gorillaz kommen gerade von einer Tour durch Amerika nach Europa. Da muss sich fast die Frage stellen, ob die Band überhaupt noch richtig Bock hat auf Tour-Alltag und Live-Dates. Manche Bands spulen die Konzerte einfach nur noch ab. Die Gorillaz (zum Glück) nicht. Die hatten richtig Bock.

Es ging von der ersten Minute an richtig ab. Jetzt fragt mich nur nicht wie die Lieder im einzelnen hießen, aber es war wurde den ganzen Abend viele Sachen von der neuen, eigentlich gar nicht so umwerfenden Platte, gespielt. Doch es bewahrheitete sich wieder einmal, dass in Live-Situationen der Sound ganz anders klingt – und rockt. Bereits nach einer halben Stunde war ich total nass geschwitzt und feierte Songs ab, die ich entweder gar nicht kannte oder nur kaum; und Lieder wie „Andromeda“, die auf Platte eher melancholisch klingen, wurden zu Party-Bestien aufgeblasen. Von „We´ve got the power“  und der wahnsinnig geil live gesungenen Disco-Nummer „Strobelite“ ganz zu schweigen.

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Ich hatte mir zuvor natürlich mal ein Live-Konzert der Band angesehen und die fand ich eigentlich eher so: „Na ja“… Aber Titeln die auf Youtube eher die Luft ausgingen wie „Sex Murder Party“ waren in dem in Echt-Moment ein Hands-Up-Muss, bei dem plötzlich einer der zahlreichen Gastsänger sich in der Menge euphorisch an dir vorbei sangen.

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Auf der Bühne waren ständig 10 Leute am Arbeiten, was man hörte und fühlte. Aber man hörte und sah auch, wie viel Spaß dieser Haufen da oben hatte. Die feierten permanent sich und das Publikum ab und waren genau dass, was man von so einer Band erwarten kann: Euphorische Profis. Fast alle der Gastsänger waren am Start und so war es kein Wehrmutstropfen, wenn einmal ein Sänger nur über die Videoleinwand eingespielt wurde. Profis bei der Arbeit zuzusehen macht richtig Spaß, wenn es ihnen Spaß macht.

Ich hatte einmal so eine Situation auf dem Southside-Festival, damals, bei den Foo Fighters. Er schüttete wie aus Kübeln und die Menge feierte die Band richtig ab. Die spulten professionell ihr Programm ab: Blieben aber menschlich kalt und distanziert. Gestern sah man nur einen bis über beide Ohren grinsenden Damon Albarn der nach ein paar Songs schon komplett durchgeschwitzt war und die Menge weiter nach vorne sang und schrie.

Hier. An dieser Stelle. Kann man auch mal das Münchner Publikum loben: Oft seid ihr ein bisschen lame. Gestern aber. Brüder und Schwestern. Habt ihr einen guten Feierjob erledigt.

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Die Bands mit den unzähligen Hits spielten überraschend wenige davon. „Stylo“, „Feel good Inc“, „Clint Eastwood“. Burner wie „Dare“ oder „Dirty Harry“ fehlten leider im Programm, das mit 1,5 Stunden auch nicht überragend lang war. Mir reichte es nach dem Set aber auch. Ich hatte anderthalb Stunden mehr Spaß gehabt als bei manchen Konzerten die 2 Stunden dauern, wo 30 Minuten überflüssig waren. Tatsächlich war ich nicht auf wenigen Konzerten und dieser Gorillaz-Gig war einer der besten Live-Auftritte die ich jemals erleben durfte. Gerne mehr. Gerne mal wieder.  Und dann bitte mehr von Zebra Katz 😀

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