Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er…

Den ganzen Tag spukt schon diese Erinnerung in meinem Kopf herum.
Dieser Tag, war wunderschön. Es war einer jener Sommertage, die es jetzt nicht mehr zu geben scheint. Das Wetter war nicht drückend heiß, nicht aufzehrend trocken, wie mir der Sommer 2010 in Erinnerung blieb, sondern saftig in seiner Wärme; der Himmel war blauer, das Gras grüner, aber natürlicher, und die Wolken dicker und voller, geballter in ihrer ungreifbaren Konsistenz – dafür trieben aber nur einige davon am Himmel.
Es war ein Mehr an Mehr. Selbst das Licht…. Dieser Sommer war übervoll, in seiner Pracht…
Vielleicht lag es auch nur an meiner Jugend.

Jedenfalls.
Wir waren in unserem Jugendtreff, ein ganzer Haufen Leute, dabei irgendwie, in Momenten, jeder der Freund von Jedem, Alle miteinander, und wir sprachen über… Das weiß ich nicht mehr. Aber ich erinnere mich daran, wie ausgelassen wir waren. Wir lachten und erfreuten uns aneinander, egal worüber wir sprachen. Alle zusammen, die Mädchen und Jungs. Eine Freude, alle Freunde – kein Thema.
Dann kam Einer herein, Einer von uns, der sich einen Spaß erlauben wollte, an diesem so herrlichen, perfekten Sommertag, und sprach den Spruch: „In (Auslassungszeichen) ist das Atomkraftwerk explodiert. Wir werden Alle sterben.“ – Und ja, es gab und gibt bei uns in der Nähe in (Auslassungszeichen) ein Atomkraftwerk.
Daraufhin war erst einmal Ruhe, doch bevor die Ersten „Ha-Ha, sehr witzig“ sagen konnten fing Eine von uns, sie muss damals so um die 13 oder 14 Jahre alt gewesen sein, an zu weinen.

Das ist es, woran ich diesen ganzen Tag denken muss. Wie unglaublich rührend sie auf mich wirkte, und wie sehr diese Tränen ein Plädoyer für das Leben waren. In diesem Moment entblößte sie ihre Gefühle vor uns. Es war nicht wirklich naiv von ihr gewesen, dem (jetzt erschütterten) Scherzbold geglaubt zu haben, sondern von uns zu glauben, dass dies nie geschehen würde. Dass dieser Sommer, das dieses Leben niemals enden würde.

Aber das ist nicht die Lehre, die ich aus dieser Erinnerung gezogen habe. Ich habe verstanden, und bedauere es, dass ich niemals so am Leben gehangen habe, dass ich in dieser Situation in Tränen ausgebrochen wäre…
Ich beneide sie für das, was sie einmal war. Und fühle mich schuldig dafür, dass es jetzt nicht mehr so ist. Wenn man den Menschen ihre Naivität nimmt, zerstört man auch ein Stück ihrer Seele…

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Fernfahrer-Blah-Blah

Ich übe noch etwas… 😉 Das ist noch kein Volltext…

„Irgendwann mal werden sich die Menschen beamen können. Jawohl. So von jetzt auf hier: Zack! Da ist dann nichts mehr mit Stundenlang im Stau stehen (Habe ich erwähnt, dass wir im Stau standen?). Oder ewig wohin fahren. Wo sich Einem dann auch noch der Gedanke aufdrängt: War es das jetzt wert 3mal länger im Auto zu sitzen, als das zu machen, weswegen man unterwegs war? (war es natürlich 🙂 ). Nein. Unsere Nachfahren werden diese Probleme nicht haben. Die werden sagen: „Was? Ihr habt da ewig im Auto oder Flugzeug herumgesessen, nur um wohin zu kommen? Das war doch eine furchtbare Zeitverschwendung! Und wie gefährlich das war! Glaubtet ihr wirklich, dass eine LINIE euch vom Gegenverkehr trennen konnte? Seid ihr überhaupt verrückt gewesen? Dann auch noch fliegen. Fliegen! Wie sich das schon anhört?? Das schwingt doch Herunterfallen und Abstürzen im Wort schon mit…. Nein. Nichts ist besser als sicheres, schnelles und umweltverträgliches Beamen…““
„Hast du, wenn wir bei dem Thema sind, schon einmal darüber nachgedacht, warum die bei Raumschiff Enterprise immer mit dem Raumschiff herumgeflogen sind, und sich nicht einfach gebeamt haben? Ich meine: Wozu?“
“Hm…“
„Hm…“
Hand ans Kinn.
„Nimm die lieber mal ans Steuer.“
Da hatte er natürlich Recht. Wie wir so in meinem Twingo Richtung Stuttgart bretterten. Ich kannte den Kerl eigentlich gar nicht. Die Frau auf dem Rücksitz auch nicht. Und das Kind schon gar nicht.
„Schön ruhig das Baby“, meine ich in den Rückspiegel. „Eigentlich mag ich keine Kinder, aber im Endeffekt habe ich euch nur wegen dem Kind mitgenommen. Schon komisch.“
Sie: „Vielleicht magst du doch Kinder.“
„Das ist jetzt aber eine typische Mami-Antwort. Aber. Wahrscheinlich hast du Recht. Hm. So wie ich mich kenne, bin ich wahrscheinlich nur neidisch auf Kinder. Weil. Die Kinder sein dürfen. Ich aber nicht mehr. Das ist schon doof dieses Gefühl. Sich zu alt für etwas fühlen. Das ist doch eigentlich dumm.“
Er: „Nur natürlich.“
„Klar ist das natürlich. Aber irgendwie auch dumm. Man gibt die Kindheit auf, und bekommt dafür nur Stress und Verantwortung. Das ist doch undankbar. (Pause) Gestern habe ich einen guten Satz in einem Film gehört, wo sie auf einer Kindergeburtstagsparty sind: „Die Männer ziehen sich an wie Kinder, und die Kinder wie Superhelden.“ Fand ich toll. Da kommt dabei das Schopenhauerische „Der Mensch kann zwar tun was es will, aber kann nicht wollen, was er will“ heraus. Da der Mensch nach Schopenhauer sein eigenes Wollen… Ist ja auch egal.“
“Du trinkst eindeutig zuviel Kaffe.“
„Stimmt. Aber ohne den hätte ich euch auch gar nicht kennen gelernt.“
“Dann trinkst du gerade genug davon.“
Die Geschichte war nämlich die gewesen:
Gerade raus aus Frankfurt musste ich tanken. Super! ;D Danach ging ich zum angeschlossenen Burger King um mir noch einen Kaffee zu holen, wo ich die besagte Frau mit ihrem Kind auf dem Arm traf. Sie fragte mich halb weinend und hilflos, mit einem leicht russischen Akzent (den hättet ihr euch übrigens oben vorhin im Gespräch vorstellen müssen, habt ihr bestimmt erraten): „Fahren sie nach Stuttgart?“
Nun ja, was antwortet man darauf? Man fährt zwar nicht durch, aber doch vorbei. Ist müde und gestresst. Sieht das Kind. Mag keine Kinder. Und hat eigentlich keine Lust auf Niemanden. Also: „NEIN!!“
Dann macht man ein paar Schritte. Nippt am viel zu heißen Kaffee. Dreht sich um und sagt: „Scheiß drauf, in meinem Auto habe ich ohnehin nur Licht oder Radio (wenn ich das Licht anmache, geht mein Radio aus…). Und es wird Nacht. WENN ich euch mitnehme, dann müsst ihr mich unterhalten.“
Dieses „Unterhalten“ gipfelte schließlich darin, dass ich sie soweit brachte, dass Einer von Beiden die Kopfhörer meines MP3-Handys in die Ohren nahm, um dann bei dem Lied mitzusingen, welches er/sie wahrscheinlich gar nicht kannte. Der/die Andere musste es erraten 😀
Wir lachten uns kaputt dabei. (Die Idee ist gestohlen aus „die Nacht der Abenteuer“: Wer in diese Bar kommt, muss singen!“ :)) ). Ihr habt nicht gelebt, wenn ihr mit fremden Serben, deren Auto liegen geblieben ist und die zu einer Hochzeit müssen, dieses Lied erraten und gemeinschaftlich intoniert habt:

Ja. Im Gegensatz zu sonst war ich kontaktfreudig und ziemlich gut gelaunt. So kann das Leben weitergehen.
Warum ich die Beiden mitgenommen habe, lag am Ende wohl eher an Klaus Kinski und Dostojewski. Denn. Das Hörbuch „Traum eines lächerlichen Menschen“, hörte ich, bevor ich die Kleinfamilie traf. Am Schluss heißt es da:
“Ein Traum? Was ist ein Traum? Ist unser Leben nicht auch ein Traum? Ich sage noch mehr! Mag sich das nie verwirklichen und das Paradies nie kommen, ich werde dennoch weiterpredigen. Und dabei ist es so einfach: In einem Tag, in einer einzigen Stunde könnte alles geschaffen sein! Die Hauptsache: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst, das ist das Wichtigste, das ist alles, mehr braucht man nicht. Dann weißt du sofort, wie du dein Leben einrichten sollst. Und dabei ist es doch eine ganz alte Wahrheit, die man billionenmal gelesen und wiederholt, uns sie hat doch nicht Wurzel gefasst! „Das Bewusstsein des Lebens steht höher als das Leben, die Kenntnis der Gesetze des Glückes höher als das Glück.“ Dagegen gilt es zu kämpfen. Und ich werde kämpfen. Wenn nur alle wollen, lässt sich sofort alles einrichten.
Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“

Warum nicht auch mal ja sagen? Und über den eigenen Schatten springen?
Für mich war das jetzt mal ein Anfang… Raus aus dem Schneckenhaus – aber nur nicht zum Spinnen anfangen :b

Der Text zur Nacht (47)

Dann tanz doch einfach. Ja. Lass einfach los, und Jeden und Alles fallen. Die Last, die Schuld. Scheiß drauf! Wir sind was wir waren, doch wir werden auch das sein, was wir tun, somit, „Herr Gott noch mal“!“; Scheiß drauf – Alles was uns definiert, Alles was wir sind, Alles was uns gefangenen genommen hat, ist, doch schon so lange her… Längst vergangen, abgelaufen, rückdatiert! Zeit sich neu zu erfinden! Sich zu überwinden! Auf den Ruinen neue Tempel zu erbauen! Neuen Göttern zu huldigen, auch wenn sie alte Masken tragen…
Akzeptier dich endlich! Zerstöre dich! Dann bau dich wieder auf. Es bleibt dir gar nichts anderes übrig…
Und jetzt: tanzTANZtanz!!
Lass es raus! Lass es sein! Lass es endlich bleiben!
Lass dich endlich los…

„Wuooh“, gebe ich noch von mir, dann rutsche ich vollbrutal in der Badewanne weg und knalle verknackst/verdreht urplötzlich nach unten (-Schräglage!-) in meine Waschgelegenheit („Wump!“), die mir, als ich mich etwas verkeilt in ihr wieder finde, wie eine Menschengerechte Auflaufform erscheinen würde, wenn da nicht der Schmerz wäre; vor dem Schmerz denkt Einer noch: „So. Das war es jetzt. Nix mehr mit Tanzen. Sei froh wenn du jemals wieder laufen kannst…“ (Das wäre jetzt natürlich ein Switch, wenn ich jetzt behindert wäre, und sich die Geschichte in ein „Behindertenwohlstandsgesellschaftdrama“ verwandeln würde, obwohl, ist sie dass denn nicht bereits?).
Merke (elementar) : Die Lebensfreude im Bad herauszulassen kann selbige nachhaltig mindern…

Die Augen wischen über meinen Körper, sagen: „Ist noch Alles dran, sogar so, wie Gott es wollte.“
Das ZNS macht ein kurzes Übersichtsprotokoll, ein kleines Lageupdate, dann melden sich leider die Schmerzrezeptoren, die meinen: „Ist noch Alles dran, aber…“
Der dumpfe Schmerz in meinem Knie und meinem Rücken lässt mich leise stöhnen…
Ich steige aus der Wanne, halte mir Knie und Rücken, wische und rubble darüber wie Jackie Chan in seinen Outtakes, und warte darauf, dass der Schmerz nachlässt. Und warte. Und warte. Und warte…
Von wegen: „Lass einfach los… Lass einfach fallen… „Scheiße… Au…“

Der CD-Player macht: Zzzsss. Dann springt „Star 69“ von Fatboy Slim an. Ein Lied, das mich immer wieder zum Lachen bringt. Da ich. Etwas. Mit ihm verbinde.
Ich erinnere mich noch genau, wie wir in Frankfurt aus dem Kino herauskamen, ich (aus irgendeinem Grund) meinen Geldbeutel hervorholte und, blöd wie ich bin, ihn fallen ließ. Mein ganzes Kleingeld, was nicht wenig war, da wir in der Nacht zuvor auf, oder besser, IN dem Hafentunnel-Festival waren, und da wir (ich) ordentlich druff gewesen waren, hatte ich deswegen das ganze Kleingeld im Portmonee (Merke: Wenn du zu druff vom Ecstasy bist, ist Zählen, Denken und Rechnen eher schwer, weswegen man oft einfach einen Geldschein auf den Tresen klatscht, um sein Wasser oder Cola, „bitteäää!“, zu bezahlen, und etwas naiv auf die Ehrlichkeit der Barschlampen hofft; vergiss es…).
Mir rollt also mein ganzes Kleingeld davon, stöhne: „What the fuck“, worauf sofort ein Kollege und Mitfeierreisender das damals sehr populäre Lied von Fatboy Slim intoniert: „They know what is what! But they don´t know what is what! They just strut… WHAT THE FUCK!!“ Und um Einen Herumtanzt. :))
“Was soll´n das?” bringe ich gebückt noch hervor: „Fuck! Hilf mir!“ Worauf natürlich Alle, und wir waren damals ein ziemlicher Haufen, zu Tanzen, Lachen und Singen begannen, auf mich deutend: „THEY KNOW WHAT IS WHAT!…“ :))
Und die Sonne schien, an diesem Samstagnachmittag. Wir lachten. Zusammen. Scherzten. Lebten. Es war… Schön… Einfach nur schön.
Wir hatten die ganze Nacht durchgetanzt – abends würde es weitergehen. Dabei war da dieses beseelte Gefühl in mir. Dieses selige, selten wirklich gefühlte und gewürdigte Glück, Freunde zu haben…

Davor waren wir direkt aus dem “Schuh des Manitu” gekommen, original. Der lief zu dieser Zeit in den Lichtspielhäusern. Dabei. Eigentlich wollten wir den gar nicht sehen, aber es war so unbequem im Freibad, und dort gab es bequeme Sitze. Zu unserer eigenen Verwunderungen lachten wir uns bei dem Film total kaputt. Musste wohl an den Drogen gelegen haben…
Kein Hotelzimmer zu nehmen, sondern sich am Morgen einfach in ein Freibad zu werfen, war meine Idee gewesen. Als wir ankamen, machte das Freibad gerade auf. Niemand war da. Nur wir. Das Fiepen in den Ohren. Und die Grünfläche.
Ich weiß noch genau, wie ich nach den ein/zwei Stunden Schlaf, die mir vergönnt waren, übelst Restverstrahlt aufgewacht bin. Kleine Kinder tollten um uns herum. Mamis und Papis breiteten ihre Decken aus. Holten belegte Brote für die Kleinen heraus. Während die Pubertierenden sich scheue Blicke zuwarfen. Alles im Bikini und Halbnackt.
Dazwischen wir. In dunklen, spacigen Feieroutfits; dazu Schuhe und Jeans. Gestilt. Nachstrahlend. Verschwitzt vom Dancefloor. Stinkend. Irritiert und erschlagen wie nach einem Giftgasangriff. Erwacht auf einem fremden Planeten. Und eine scheiß Biene landet genau vor mir auf einem Gänseblümchen. „Ööööhääähhh“, bringe ich hervor, und scheuche das Vieh fort. :))
Wie im falschen Film….

Ja, der Hafentunnel 2001 war eine geile Party, denke ich mir, während ich mir mein schmerzendes Knie noch ein letztes Mal reibe. Es war wirklich eine tolle Zeit. Daran zeigt sich, dass nicht alles schlimm und übel war, was mit Drogen zu tun hat. Nein. Überhaupt nicht. Es war auch mit die beste Zeit in meinem Leben.
Wie viel Spaß wir gehabt haben.
Was für ein toller Haufen wir waren.

Ich weiß noch genau, schon die Zugfahrt war der Abschuss.

Kinder und Pornografie

Am Tag vor heute 😉 war ich zum Gesellschaftsanlässigen Fußballschauen bei einer mir vertrauten jungen Familie. Aus Lust an der Provokation ließ ich das Wort „Pornografie“ in einem etwas weiteren Zusammenhang fallen, worauf die Kids, der Junge der Familie, und der kleine „High-School-Musical“-Frisur tragende Bengel, der dort übernachtete, empört meinten, dass ich ein schmutziges Wort benutzt hätte.
Ich: „Wie jetzt? Das ist doch kein schmutziges Wort.“
Die Mama: „Wisst ihr denn überhaupt was das ist?“
Der fremde Bengel: „Ja das ist wenn sich Kinder im Internet nackt ausziehen und…“
Ich: „NEIN, nein! Vollkommen falsch. Das ist Kinderpornografie, also Pornografie für Kinder… (Ich geb es ja zu: Ich war gestern „besonders“ witzig) Das ist wirklich schmutzig und verboten.“
Der Junge: „Ich weiß was das ist. Das ist wenn Prostituierte im Film sexuelle Bewegungen machen.“ :))
Warum ich das erwähne:
Als ich letztens beim Söllner auf dem Konzert war, erzählte er uns von einer Statistik in der es heißt, dass 80 Prozent der 10 Jährigen wissen würden (meine Jungs waren elf), was Analverkehr ist, aber eben nicht einmal …(hier müsste nun irgendetwas Moralischen stehen, was ich vergessen habe). Wie verdorben doch unsere Gesellschaft sei.
Dabei ist nicht alles so schlimm, wie man uns glauben machen mag. Unsere Kinder sind in bestimmten Dingen sicherlich aufgeklärter als früher, aber sie sind immer noch Kinder, die mit gefährlichem Halbwissen herumlaufen ;D

Boys Noize in der alten Kongresshalle München,

Es stört kaum, dass du gestoßen und angerempelt wirst. Und auch diese furchtbaren Frauen, mit ihren Turnbeutel, die sie als Handtaschen verkleidet voluminös wankend auf der Tanzfläche zur Schau tragen, nun, selbst denen wünscht du nicht die Pest an den Hals, wenn sie dich beim Tanzen stören und behindern; du brüllst nur „Tasche!“ zeigst auf den Seesack in dem „das Weib“ seine unendschuldbar wichtigen Tanzutensilien über den Dancefloor schleppt, meinst: „Da müssen doch Schuhe drin sein – was willst du sonst mit dem Krempel hier? Mit deinen Disgnerstöckelchen kannst du eh nicht tanzen. Da hinten sind die Umkleiden. Duschen gibt’s leider keine“, oder schlicht „Garderoben sind da hinten“ – wie gesagt: Das sind Dinge, mit denen man fertig wird, d.h. es sind Sachverhalte bei denen man lachend zurück nerven kann.

Eine andere Kategorie sind diese ewig hohlen, blöden Kameras. Nicht die Handykameras, denn denen schenkt doch Niemand mehr Beachtung. Nein. Ich meine diesen furchtbaren „Profi“-Fotografen, die ihre Spiegelreflex- oder Profidigitalkameras immer dann in die Menge halten (von oben, frontal von vorne), wenn Durchdrehen angesagt ist. Immer diese Gier (Gier) nach den emotionalsten Bildern, die das Subjekt in der Menge entblößen, in einem Moment, in dem man als Individuum (als Masse dagegen schon) nicht wahrgenommen werden will. Meine Meinung natürlich nur, bestimmt gibt es genug, die danach lechzen – hier, jetzt, ja – beim total coolen Abgehen aufgenommen zu werden (Hey kuck mal wie toll ich tanzen kann).

Vorne, ganz ganz vorne, nervt dich das aber brutalst, dass immer in dem Moment, wenn du gelöst johlend die Schweißnassen Arme nach oben wirfst, sofort ein Fotoblitzlicht gezückt wird, oder ein rotes Aufnahmelämpchen angeht, diesen Moment festzuhalten – nicht nur dich, sondern Alle hier, und du stellst bedrückt fest: „Hey, hey! Momentchen mal. Das ist doch hier mein Moment. Das gehört mir! Warum musst du mir das weg fotografieren?“ Ganz in dem Verständnis des Verlustes der Seele, wenn man gefilmt wird; hier stimmt das irgendwie auch.
Dabei dieses depperte Gefilmt-Werden-Verständnis: „Schau mal Video, da mache ich doch gleich noch mehr Juchu!“

Wobei das mit dem Kamera geposten Abgehen, das stimmt hier nicht. Denn die Stimmung ist, wie du erwartet hast, exzessiv. Alles dreht durch und schreit, dass es eine Freude ist, während der Herr Boys Noize seine Elektro-Techno-Nu-Rave-Platten da raus haut (auch wenn du weiter nach hinten gehst, da deine bald 30 jährigen Ohren den Lautsprecherdruck kaum aushalten). Schweiß tropft von der Decke. Alles grinst und hüpft als würde morgen die Welt untergehen. Davon machst du dann auch ein Video, und denkst kurz „Widerspruch! Einspruch! Widerspruch zum gerade Gedachten“, aber nein, das stimmt nicht, findest du, da Handyvideos, egal wie blöd, verruckelt und nervend sie auch sind, mehr Realität zeigen, als eine Kamera, von denen Alle wissen: „Hoppla, jetzt wird gefilmt.“ Das manipuliert eben doch die Wirklichkeit. Etwas.

Angekommen bist du kurz bevor die Türen der “alten Kongresshalle” sich öffneten, und da du mit den Mädels hier bist, lässt du dich überreden und stellst dich einfach ganz vorne an, nicht hinten (Respekt an die Leute die vor uns kamen, ich habe selten eine so schön ausgerichtete und angestellte Menschenschlange – mindestens 50 Meter – vor einer Kasse gesehen, und kaputt gemacht), und nach dem „aktiven Anstehen“- und „Händchenhalten“-System sind wir in Null Komma gar Nichts sofort drin.

Drinnen, schöne Halle (sieht aus wie ein altes Kino oder Theater) mit schönem Lichtdisgn, etwas größer hättest du es dir vorgesellt.
Der Warm-Up-DJ macht housigen, elektronischen Sound. Das macht Lust zum Einwippen. Viel Gerede, Gelachte und Kniegeschunkle bei uns – auch dieses vollkommen neue Bekannte-Freunde-Weggehteam funktioniert recht gut; wobei es verständlich toll zu begreifen ist, wie gut es mit alten Freund(inn)en über Jahre weg Menschlich toll funktioniert, trotz und eben weil der nötigen Distanz.
Als dann Djedjotronic sein kurzes Set beginnt (der auch vom Boys Noize Label ist; Boys Noize: Gibt es als Label und als Typen), beginnen die Menschen langsam abzudrehen, zu geifern und die Luft zu verprügeln, kommt eindeutige Nu Rave Stimmung auf – um so mehr, so öfter die Musikanlage ausfällt, und danach noch brutal lauter und härter der Sound wieder hochgefahren wird – fast so, als läge Absicht dahinter (aber wer wird denn da böses Denken? 😉 ).

Kid Alex a.k.a. Boys Noize beginnt dann um 2, verprügelt die Masse mit seinem Set knappe 2 Stunden und 15 Minuten lang, und schon ist er wieder weg, etwas knapp für 17 Euro Eintritt.
Du willst seinen Auftritt nicht schlecht reden (immerhin sagte deine Begleitung über die Plattenauswahl: „Totale Zufriedenheit“), aber Überraschung gab es leider Keine. Die erste halbe Stunde war wirklich fast genauso, wie bei dem Set das ich erst hochgeladen habe:
http://www.blog.de/srv/media/dewplayer.swf?son=http://data6.blog.de/media/661/3934661_16d53f6b0b_a.mp3
2009-09-18_-_Boys_Noize_Kissy_Sell_Outs_Show_BBC_Radio_1_-_evil

Da ziehst du den Ed Banger Sound dem Jungs Muzikigen vor, da eben auch mal andere Platten, nicht nur technoide Nu-Rave-Dinger gebracht werden. Insgesamt großes „Juchu!“, du willst da nicht meckern, aber umgehauen hat es dich nicht, auch wenn du versucht hast dich in Grund und Boden zu tanzen. Schon bei dem Hereinkommen war dir klar: Das würde heute extrem heiß und stickig werden. Der Nachteil bei so einem hübschen Veranstaltungsort.

Dann fährst du gut und entspannt nach Schweißstinkend mit dem Zug nach Hause, wirfst dich (geduscht) in dein Bett, und verfluchst die kreischenden Bälger vor deinem Fenster ob ihrer glücklichen Kindheit.

Eine Nacht, die menschlich mehr Spaß gemacht hat, als musikalisch (in unserem Resümee hat Djedjotronic mit die Nacht gerettet, denn es war doch ein sehr kurzer Auftritt von Boys Noize – der bestimmt 15 Minuten nach dem Ende seines Auftritts mit einem Koffer voll Geld München verlassen hat), aber das ist ja auch ok. Es kann nicht immer total irre und super sein. Mehr als gewöhnlich „gut“ war es auf jeden Fall.

PS: Pommes im Korb 😉

Rapunzel

Ich bin ja, ich war ja, mit S gewesen, auf dem Sonne Mond Sterne Festival, und, die, hat ja (ja, ja) so lange Haare, weil: 8 Jahre gepflegt wachsen gelassen. Deswegen: Runter bis unter den Arsch, die Haare. Ich hab das gar nicht als so Besonders erachtet: Mensch. Lange Haare halt. Ok
Doch im Laufe des Festival Wochenendes wurde mir erst mal klar, dass man mit langen 8 Jahren Haaren nicht nur gut aussehen kann, sondern eben schon wieder was Besonderes ist. Dass Einen die Leute gleich darauf ansprechen: Hey, du. Süße. Wie lang sind sie denn? Toll. Und wirklich Einer (für mich witzig, für sie nur nervig): Lass mich mal so tun als ob ich an deinen Haaren ziehe, wegen Foto hier. Sah aber lustig aus…
Was ein Stress, wenn Mann/Frau nur etwas aus dem Alltagsbild fällt. Denn, obwohl, lange Haare haben ist doch wirklich nichts Außergewöhnliches. Doch so ist der Mensch. Kaum ist etwas anders, nicht mehr genormt, kommen gleich Alle gesprungen und sagen: Uija, uija.
Ich bin da ja (aha) auch nicht oft anders als Anderen. Dennoch: Da sieht man gleich wieder wie doof der Mensch ist, und, warum Kriege entstehen. Wegen Hautfarben, oder einer ordentlichen Schlammpackung Fantasie (Religion). Der Mensch ist dieser Bauer, der nur das frisst was er kennt. Und das, was er nicht fressen oder verarbeiten kann, wird gleich aus Angst gelyncht oder angebetet: Wahnsinn.
So kann der Mensch gemobbt werden, wegen großen Nasen, langen Ohren, keinen Titten, kurzen Beinen, große Glatze oder was weiß ich, was dich einzigartig macht. Dabei: Der Mensch hat es gern individuell einzigartig, aber, wie gesagt: Entweder anbeten (STARS!), oder kaputt hauen (auch auf der psychologischen Ebene). Das Menschliche Denken ist eine Scherenschnittkette, und wer aus dem Raster fällt, wird niedergemacht, oder aufgeblasen. Da reicht es schon lange Haare zu haben.
Wie blöd sind wir eigentlich?

Macht doch Alle was ihr wollt. Dann wundert sich Keiner mehr über den Anderen. Also los:
Eins, Zwo, drei, 4: INDIVIDUALITÄT, bitte :p

Sonne Mond Sterne 2009

Hassliebe. Das ist das passende Wort für mich und mein „Sonne Mond Sterne“ Festival. Und wie es so oft ist mit dem Hass, liegt der Grund für ihn weniger in dem „gehassten“ Objekt, sondern ehrlich und eigentlich in einem selbst. Denn. Der einzige Grund für meinen „Hass“ ist die gotterbärmliche Schlaflosigkeit, unter der ich jedes Mal leide, wenn ich auf meinem Lieblingsfestival ankomme. Zwar bin ich bisher (bis auf eine Ausnahme) immer der Fahrer gewesen, aber trotzdem komme und kam ich nie zur Ruhe. Auch dieses Mal. Doch mich stachelt so etwas immer mehr an, als dass es mich im Feiern behindert.
Fangen wir von vorne an.

„Es ist wie nach Hause kommen“, sagt M zu uns, als wir Freitagmittag in Saalburg aufschlagen, wo schon zigtausende ihre Zelte und Anlagen aufgebauten haben, und halb nackt in der brennenden Sonne liegen. Sie hat natürlich Recht damit. Zwar ist das Festival über die Jahre gewachsen (dort, wo wir dieses Mal campieren, hatte ich mich früher vor dem Lärm und der Schlaflosigkeit verstecken wollen – was nie geklappt hat…), doch mit ihm auch unsere Herzen. Schon einen Tag später hat man das Gefühl, als wäre man immer da gewesen, und als gäbe es nichts anderes, als dieses Festival für elektronische Musik, und das ganzjährliche Leben ist das eigentlich Trugbild. Ich weiß nicht mehr wie oft ich schon dort war, 5 oder 6 Mal – es spielt aber auch gar keine Rolle. Zwar sage ich jedes Mal: „Nie wieder.“ Doch mit einem Lächeln im Herzen füge ich hinzu: „Bis zum nächsten Mal.“

Sich mit den beiden Mädels M und S „Sonne-Mond-Sterne“-technisch zu verbünden erwies sich (da greife ich jetzt voraus) als wahrer Glücksgriff. Wir kamen gut miteinander aus, auch wenn ich (selbstverständlich) meine Schimpftriaden wenig zügelte. Das mit uns klappte vom ersten Moment an. Wir bauten gemeinsam unsere Zeltstadt auf, reflektierten aber auch darüber, wie unsinnig es ist mit der Naturbelassenheit der Location Werbung zu machen (wirklich wunderschön dort), um dann das ganze Szenario von 70000 Füßen Plattwalzen zu lassen.
Es war heiß. Viel zu heiß für meinen Geschmack. Und so zierte ich mich mit der Trinkerei anfangs etwas. „Freitag ist mein Tag“, ist mein alljährliches Motto: Ich kann immer nur Freitags trinken, da ich am Sonntag fahren muss. Deswegen drehe ich an diesem Tag immer ziemlich (total) ab. Da nehme ich mir einfach ein paar Freiheiten – die ich mir sonst nie nehmen würde. Es gab schon SMS-Freitage, wo Freunde hinter mir her rannten, und sich bei den von mir (immer im Spaß und einer gehörigen Portion Selbstironie und Schalk) angepöbelten Festivalbesuchern entschuldigten (einen schönen Gruß an Collin Fernandes von hier 😉 ) . Dieses Jahr war es nicht so extrem. Wahrscheinlich hat es mir gut getan, mit den beiden Mädchen (eigentlich Frauen) unterwegs zu sein, die mich im richtigen Moment getreten haben 🙂 Auch wenn ich bei Prodigy schon eine ziemlich große Klappe hatte :p

Ich weiß gar nicht mehr, wann genau wir runter sind. Es war ein gutes Stück bis zum Festivalsgelände selbst, aber den ersten Akt, bei dem wir kurz in große Zelt (Maincircus) reingeschlüpft sind, war Hanson & Schrempf vs Reche & Recall. Hanson & Schrempf sind ein typischer, progressiv schranziger SMS-Act, bei dem die Ossis richtig ab- und durchdrehen. Dort wird von der ersten Minute an wahnsinnig Gas gegeben, getanzt, gejohlt und geschrieen. „Sonne Mond Sterne! Wir sind wieder da!“ Und gibt dem Nächsten High 5. „Schön, dass du auch wieder da bist. Fremder.“

Nach kurzem Einwippen sind wir dann aber wieder raus, zum Zelt des Label der Labels, Sven Väths Label: Cocoon. Dort legte das Sven Väth-Abziehbildchen Frank Lorber auf, der einen groovigen Sound raus ließ, der Zeit und Raum zum Herumblödeln gab: Spaß ist doch das Wichtigste bei so einer Veranstaltung, und ich kann gar nicht verstehen, wie manche brutal böse in sich gefangen die Sache viel zu ernst nehmen. Ich sage es wieder einmal, und wiederhole mich gern:
Feiern ist Spaß haben und Tanzen. Nicht Drogen fressen.
Sich selbst nicht zu ernst nehmen. Ds sollte nicht vergessen werden.
Wir groovten und lachten dann da so also herum, bis wir uns entschieden zu The Prodigy zur Openair Mainstage zu gehen.

Die Herren aus England wollten und wollten nicht auf die Bühne kommen, und so bot sich mir (leider und zum Glück) viel zu viel Zeit um mich mit den Menschen um mich herum anzulegen und gleichzeitig anzufreunden. Ich würde mich in solchen Phasen als anstrengend bezeichnen – aber Herr Gott verdammt noch mal, es macht immer so viel Spaß…
Prodschi (Ostdeutsch ausgesprochen) kamen dann mit zwanzig Minuten Verspätung auf die Bühne (ohne ersichtlichen Grund) – und zwar erst, als sie im ganz, ganz großen Rahmen ausgepfiffen wurden (ein Hoch auf die mündigen Feierleute!). Es dauerte dann eine Weile bei mir und meinen Mitstreiterinnen (die ich natürlich verlor), bis wir den Jungs diese Frechheit vergaben (wir hätten uns gern ein paar andere Künstler angesehen, anstatt hier blöd rumzustehen). Mich hatten sie dann schließlich nach einer guten halben Stunde mit „Firestarter“, da sprang der Funke über.
Um das mal festzuhalten: Prodigy ist keine gute Live-Band. Die Performance ist elendig und unspektakulär. Das, was diese Kombo live aber so unglaublich macht, sind ihre Fans, denn die sind es, die total durchdrehen und so ein Konzert unvergesslich machen.
Ich hatte mit den Jungs noch eine Rechung offen 🙂 und hier und heute (gesund!) war das Tanzen und Pogen gar kein Problem. Es machte mir viel mehr Spaß als auf der Tour im Februar (Februar?); es war eigentlich sogar ziemlich toll, zeitweise. Dabei war es recht witzig mit anzusehen, was für Probleme diese Band im Mittelteil ihres Gigs hatte, um die kurzzeitig müde werdende Masse anzustacheln: Schon blöd wenn man immer ein Selbstläufer ist, und plötzlich was bieten muss 😉

Danach ging es M (der es schon zuvor wirklich leider nicht gut ging) immer schlechter. Sie musste zurück zum Zelt, wo sie auf S traf, die wir nicht wieder gefunden hatten. Es ist immer ein blödes Gefühl, wenn einer von meinen Leuten Krankheitsbedingt ins Zelt muss, und man selbst nichts machen kann, außer weiterzufeiern. Aber was soll man machen?
Ich bin dann rüber zu Carl Cox ins große Zelt. Der Carl hatte mich auf der diesjährigen Time Warp ziemlich enttäuscht. Zu viele Flächen und Melodien für meinen Geschmack. Doch hier lieferte er wieder ganz großes Techno-Emotions-Kino.

Er spielte harten, ehrlichen und treibenden Techno, ohne Schnörkel, aber dafür mit ein paar Hitchen eingestreut: Ich konnte gar nicht mehr aufhören zu tanzen. Es war einfach nur toll. Die Minuten verwelken wie Sekunden. Alles schwitzt und dampft. Dröhnt und poltert. Der Bass. Die Seele. Das Herz. Es störte mich nicht mal sonderlich, dass mir mein Vordermann unabsichtlich aber dennoch brutal in der Fresse schlug – ohne sich zu entschuldigen. Als ich ihn dann zur Rede stellte, versuchte er sich in einer Fremdsprache zu rechtfertigen, die ich nur allzu gut kannte, und dennoch um so weniger verstand: Druffisch.
Ich lies es dabei bewenden.
Oben immer noch der gutgelaunte Carl, der niedlich anzusehen war, total happy über jede Platte, die gut ankam, und mittanzte. Und wer den dicken schwarzen Carl kennt, der weiß, wie zum Knuddeln er in dem Moment rüberkam 🙂
carlcox
Es war ein bombastisch treibendes Set, und danach war ich glücklich und zerschwitzt. Der Alkohol war auch verflogen. Dankbar schob ich mich nach draußen.

Auf der Mainstage hüpften Deichkind herum, und ich ließ mich einfach auf die Nachtgraue Wiese fallen, und sah dem „Yippie Yippie Yeah“-Programm zu. Luftholen war angesagt. Aber ich fühlte mich auch etwas einsam und verlassen, und so nahm ich mir vor nach etwas Sven Väth dem Abend ausklingen zu lassen.
Der kam nach den Deichkindern, und ich reihte mich direkt vor der Bühne ein, wo das typische Väth-Publikum-Gerede seinen Lauf nahm: „Jetzt kommt DER Sven. Jetzt wird Alles gut. Der Baba wird’s schon richten.“ Und: „JAwohlll!“
Ich benutzte sein Intro als mein Outro, und ging um etwa 4 Uhr 15 Richtung Zelt und filmte von ganz hinten (ich ging außen herum) noch ein paar Sekunden.

Dann: Diesen elendigen Berg hinauf.

Ich legte mich in meinem Schlafsack und dachte mir sofort: Das wird nichts mit dem Schlaf. So war es dann auch.
Ich schlief den ganzen Tag nicht. Weder am Morgen. Noch am Mittag. Oder am frühen Abend. Ich meditierte vor mich hin. Schwitzte. Fluchte und hasste. Scheiß SMS. Jedes Jahr wieder das Gleiche. HASShassHASS. Zwar fehlte in meiner Erinnerung hier und da eine Minute, Sekundenschlaf, doch mehr war mir nicht vergönnt. Nur daliegen. Den Atmen regulieren. Entspannen. Und warten.

Wer nun glaubt, dass ich Samstagnacht mehr tot als lebendig auf dem Festvial herumgeeiert bin, der täuscht sich gewaltig. Sowie Freitag mein Tag ist, ist Samstag der Tag, aber dem ich meinen Willen zum Wahnsinn, zum Tanzen, auslebe wie ein Irrer. „Jetzt erst recht“ ist dann mein Motto. Und: Irgendwann fallen sie alle um.
Ich fühlte mich vom Kopf her angeschlagen, wie immer, aber ich hatte Bock zum Feiern. Da störte es mich auch überhaupt nicht, dass die Mädels nach 3 Lieder von Northern Lite lieber den Technorhythmen folgten – um halb 9 abends stand ich also schon wieder allein vor der Mainstage.
Northern Lite, Lokalmatadoren auf der SMS, zogen ihre Neopopshow ab, wobei sie wirklich (und ich konnte in dem Moment des Aufbruchs M und S verstehen) schwach anfingen. Aber dann hauten sie ihre Hits und Singles raus, und der dankbare Festivalbesucher konnte springen und singen was die Kehle und Bänder hergaben.

Ich muss wieder öfters Northern Lite hören, dachte ich mir dabei, und ließ das blöde Gefilme sein. Warum filmen, wenn man tanzen kann? 😉
Leider war der Gig viel zu schnell (und auch etwas abrupt) vorbei. Ich fand meine Mädels wieder, und wir schauten im Cocoon-Zelt vorbei. Dort konnte man sehen, wie man es nicht macht. Denn auch wenn man das tolle und exklusive Label ist, so könnte man sich doch etwas darum kümmern, dass die Menschen beim Tanzen nicht ersticken. Ich habe kein Problem mit Hitze, aber die Luft darin war einfach nur eklig zu atmen. Oben stand er unendlich dürrer Onur Özer, und M entschied (sehr weise) für uns: „Wenn ich schon schlechten Sound hören muss, dann wenigstens draußen.“

So spazierten wir am See entlang, vorbei am verankerten Party-Boot, und machten schließlich an der Second Stage halt. Dort legte irgendjemand auf, bei dem es keine Rolle spielt, wie er heißt. Klar ist Namedropping an sich Blödsinn, wenn der Sound denn gut ist, aber das war er nicht. Minimaltechno. Austauschbar aber auch nicht schlimm. Ich stand da so herum (etwas schonen musste ich meine müden Knochen dann doch) und überlegte, dass es bestimmt einige Leute gibt, die auf diesen Nebenbühnen (und davon gibt es hier einige) die ganze Nacht verbringen, um irgendeinem Niemand zuzuhören. Irgendwie ist das vom Gedanken her toll, jedoch nichts für mich.

Wir gingen dann lieber wieder in den Maincircus, wo Laurent Garnier seine Live-Band in Position brachte. Es war das gleiche fulminante Set wie auf der Time Warp. Wenn ihr die Möglichkeit habt, hört es euch in echt an. Diesen Druck und Groove, den der Meister aus Frankreich mit Trompete, Saxofon, Klarinette und jede Menge Maschinen erzeugt, muss man erlebt haben. Nicht nur gesehen, oder gehört.

Ein wahres Erlebnis.

Danach. Verlies fast das gesamte Publikum das Zelt. Doch schon strömten die ersten Irren herein, die „Oizo! Oizo“ skandierten. Wegen ihm war ich eigentlich auf das SMS gekommen. Und auch die Mädels trafen pünktlich ein. Was folgte, kann man nur die Schweißschlacht von Saalburg nennen. Der Oizo (Mr Oizo) besorgte es uns ordentlich, aber auch das Publikum gab ihm reichlich Paroli. Die Leute drehten total durch, schrieen und sprangen, johlten und kreischten, umarmten und schlugen sich. Sie feuerten sich gegenseitig an, und forderten die, die nicht tanzten zum Durchdrehen auf. Mir sprang Einer auf den Rücken und wir hopsten Huckepack durch die Menge. Dann, wieder auf dem Boden der die Welt bedeutet (die Tanzfläche) ging es weiter. Immer weiter noch vorn. Hart. Kompromisslos. Und doch spaßig. Der Schweiß tropfte von der Decke und wusch unsere Seelen rein. S meinte zu mir, die eigentlich gar keine elektronische Musik hört und trotzdem die 1,5 Stunden Wahnsinn durchhielt, beim Verlassen des Zeltes: „Ich habe noch nie so geschwitzt.“ Ich (lachend): „Toll, nicht?“
Ich selbst würde mich einen expressionistischen Tänzer nennen (4 Stunden mit den Ellenbogen wackeln hat für mich nichts mit Tanzen zu tun), und ich war voll in meinem Element. Es war der Wahnsinn. Ein 90 Minuten langer Ausnahmezustand. Wie das klingt?

Ein dickes Kompliment an die Ossis: Ihr seid die wahren Feierschweine. Und „Invaders must die“ entwickelt sich für mich langsam zu einer gern gehörten Tanznummer (richtig laut bitte schön) – irgendwie muss ich bei dem Lied immer an Afghanistan denken…
Draußen fanden wir dann auch M wieder, und wir ging rüber zu Fat Boy Slim. Meine Erwartungen an den Mann, der eigentlich Norman Cook heißt, konnte er gar nicht erfüllen. Zu Überlebensgroß ist sein Ruf, zu legendär seine Alben – und nach diesem Nu Rave Gewitter, muteten seine DJ-Künste fast konventionell an.
Sein Set war so auf die Visuellen Effekte abgestimmt, dass es mich nicht gewundert hätte, wäre da eine CD gelaufen, zu der er nur herumhampelte: Immerhin gab der da oben körperlich alles. Es wollte das die Leute Spaß hatten, und machte das, wofür er berühmt ist: „Kommerzielles Fisten“, wie er es nennt (so gesehen ist er der direkte Vorläufer des Nu Rave).

Die Visuellen Effekte waren dabei wirklich weltklasse. Gerade die Iggy Pop Einlage fand ich super. Es war insgesamt ok, aber nicht der Renner.
Und auch schon 4 Uhr. Ich sagte gut Nacht, und kletterte den Berg zum Zelt hoch. Die Mädels holten den Freitag nach, und kamen um halb 8 nach oben.
Da erwachte ich gerade, nach 3 Stunden Schlaf: Endlich!!! Schlaf!

Ich machte den Vorschlag zu fahren, und da sie ohnehin nicht mehr runter wollten, packten wir unser Zeug und fuhren los.
Natürlich wurde ich heraus gewunken, aber auf mein schnelles Angebot hin auszusteigen (nach der Kontrolle der Papiere) lies man uns weiterfahren. Rückfahrten von der SMS empfinde ich immer als witzig und befreiend. Die Stimmung ist immer gut (vielleicht gerade wegen der Übermüdung, hm… Bartkraul), und das war sie auch dieses Mal. War schön mit den Beiden :p
Ich bin vollkommen zufrieden mit diesem Jahr. Es hat eine Menge Spaß gemacht.
Und wie immer: „Nie wieder Sonne Mond Sterne.“ Doch mit einem Lächeln im Herzen füge ich hinzu: „Bis zum nächsten Mal.“