Ich sehe was, was du nicht siehst

Die Frage ist durchaus, was einen mit den Menschen noch verbindet, mit denen man sich umgibt; viel wichtiger ist die Frage, was man in Zukunft noch für gemeinsame Ideen vertritt – eine Frage, die sich irgendwie verbietet, zu sehr sind wir gefangen in der Kontinuität der Gegenwärtigkeit.

 

Das „Früher“ erscheint einem irgendwie einfacher, selbst wenn man ihm ein gewisses Gewicht zugesteht, denn „Früher“ ist vergangen, ist überlebt, ist durchgestanden und so sieht man dieses „Früher“, selbst wenn man subjektiv an sein Existenzminimum gedrängt worden war (sei es finanziell, geistig, moralisch usw. usf.), als einen Berg den man überqueren musste, um jetzt stark und erfahren sein zu können; früher sind für mich die 90ger, die Nuller Jahre, Jahre der Unschuld und ich kann nicht sagen, ob das vornehmlich mit meinem Alter und der damaligen Politiklosigkeit zusammenhängt, sprich: meiner Jugend, oder ob die Zeit damals nicht wirklich leichter war, wenigstens im direkten Umgang. Die Leute waren sich näher und ferner zu gleich. Es wusste nicht jeder fast alles über den anderen, wie es inzwischen ist, in unserer sozialen Überwachungswelt, und es war auch nicht wichtig unbedingt eine Meinung zu bestimmten Themen zu haben, ohne dafür gleich als „oberflächlich“ oder gar „ignorant“ abgestempelt zu werden. Die Menschen lebten zusammen nebeneinander her und man war weniger vom Export, weniger von der ganzen Welt und ihren Problem abhängig, betroffen und eingeengt. Dabei waren wir auch damals gut genährt, in all dem Reichtum den wir schon damals hatten, der sich nur nicht wie Überfluss anfühlte.

Wir wussten weniger – und hatten mehr davon.

 

Heute geht es dann gleich nach 5 Minuten um „Haltungen“ um Positionierungen, die uns von überall her aufgedrängt werden. Wir müssen von allem „Ahnung“ haben, damit wir auch den pointierten Witz oder das mehr oder weniger unterschwellige Geschimpfe unseres Gegenübers sofort verstehen, denn „2016“ bedeutet ja mehr als in den meisten Jahren, sich in bestimmten Schützengräben der Sprache zu bewegen. Bomben werden dauernd platzen gelassen. Sei es auch nur zwischen den Zeilen. Der Krieg scheint dauernd präsent zu sein, wie ein Film im Hintergrund abzulaufen, auch wenn man sich nur über Kleinigkeiten, richtige Nichtigkeiten unterhält. Irgendetwas trägt immer zu den Planspielen der geistigen Feldherren bei.

Diese andauernde Sprachliche Tortur verändert unsere Sicht aufeinander. Während wir früher unsere politische Meinung oft nur im stillen Kämmerchen mit uns selbst oder in der Wahlkabine abgeschottet (GEHEIM!) mit dem Staat ausmachten, werden wir nun von überall beschossen und befeuert – und ausgefragt („Das musst du doch zugeben, oder?“). Die Intelligenzia muss heute „links“ grollen, die Ängstlichen „rechts“ und zwischendrin sind die Agenten der einzig wahren Matrix, des Internets, dass die Leute die verschiedensten, aufgebrachten Halbwahrheit abschießen lässt, über die man dann kaum mehr diskutieren kann. Wir sprechen zwar darüber, wir hören uns nur nicht mehr, wie Brieffreunde in fremden Ländern, die zwar ein gemeinsames Gespräch führen, nur in verschiedenen Wirklichkeiten leben und dazu noch in einer für beide Parteien nicht Muttersprachlichen Konsenssprache führe, so dass das der zeitverzögerte Papieraustausch an der gewollten Wirklichkeit vorbeispricht.

 

Ich finde das belastend, diese Gespräche. Nicht weil ich am Ende nicht mehr einfach nur „Recht haben“ kann (und wie die meisten Leute habe ich gerne „Recht“), nein, es geht darum, dass ständig so getan werden muss, als müsste jemand am Ende jemand Recht gehabt haben; nach so einem Gespräch gibt sich kaum einer mehr respektvoll die Hände und sprich von einem „schönen Abend“. „Idiot“, „Naiv“ oder „Weltfremd“ wird man geheißen, bestenfalls.

 

Diese ständige Penetranz dieser Schützengrabengespräche bei denen es um jeden Zentimeter geht, führt zur Ausgangsfrage zurück: Was verbindet uns noch miteinander, sei es als Freunde, sei es als Gesellschaft? Ist dieser ständige Haltungsdrang nicht viel zu zersetzend, um ihn auf Dauer aushalten zu können?

 

Die „Gemäßigten“ erscheinen mir nach und nach als die einzig echten Intellektuellen, nicht weil sie Teil einer schweigenden Masse sind (was jedoch auch der Fall sein kann), sondern da sie verstehen, dass die Wahrheit nicht nur Gegen- oder Pro-Asyl, nicht nur Religion oder keine, nicht für oder gegen den Staat und auch kein Wirtschaftsmodell ist, gar nicht sein kann. Alles ist Alles. Alles hat seine Richtigkeit, seine Wertigkeit und seinen Sinn. Man muss also leider jedes Mal neu abschätzen. Nur treibt unsere diese Räson nicht voran, sie ist die ständig getriebene der Extremen. Und ich glaube, das wird noch schlimmer, bevor es besser wird.

 

Diese Welt in der wir leben, ist auf einer Droge. Und diese Droge heißt „Information“. Die Dosis, die wir uns tagtäglich davon verabreichen, ist viel zu hoch, als dass unser Geist sie richtig verarbeiten, dass wir irgendeinen momentanen Nutzen daraus ziehen könnten. Früher oder später werden wir einen Filter, einen Regulator brauchen, wie es früher die sogenannten „Leitmedien“ waren, die großen Print-Medien, die „Tagesschau“, die „Heute“-Nachrichten. Doch solange wir nicht soweit sind, leben wir in einem Wust der Wirrniss, der sich zwischen uns stellt und unsere Kommunikation miteinander entartet, wie einst zum Turme zu Babel. Und die größten Dummköpfe sind jene, die in einer fremden Sprache auf eine fremde Kultur einbrüllen, sie selbst wären im Recht.

 

Das ist das Besondere unserer Zeit: Wir brauchen Informationen und die richtige Bildung um sie begreifen zu können – weder zu viel, noch zu wenig. Denn zu viele Informationen machen den Gebildeten ebenso dumm, wie zu wenig.

Es hilft also nicht nur unzählige Informationen zu horten, man muss sie auch verarbeiten können, und dafür braucht es Zeit und Gewissenhaftigkeit. Wir müssen uns alle mehr Zeit geben um Informationen zu verstehen und sie auszulegen. Um Investitionen in die Zukunft betreiben zu können. Um echte Meinungen zu bekommen, nicht nur Reaktionen auf Umstände…

Der ganze Planet muss entschleunigt werden, nicht nur jeder für sich. Nein. Alle. Insgesamt. Aber wir fangen natürlich wie immer klein an.

Und jetzt muss ich diese Geschichte nur noch denen verkaufen, die ich für im Unrecht halte. Jene die glauben, dass Halloween eine Satansmesse ist… Obwohl, hatten solche Leute nicht schon genug Zeit? Sind 30 Jahre nicht Zeit genug? Und was mache ich mit denen?

 

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Heimat Sharing- Ein Augsburger Bürger Bühnen Stück

 

Das Gegenteil von gut ist eben nicht immer nur gutgemeint.

In diesem (ich nenne es einmal: ) „integrativen“ Theaterstück traten 14 Laiendarsteller auf.  Diese brachten ihre einzelnen Lebenswege aus verschiedenen Bereichen der BRD, der Türkei, der Mongolei, dem Senegal, Rumänen und Russland   in die Stadt Augsburg. Die Grundfrage war: Was ist Heimat? Was bedeutet sie für mich? Kann man mehrere davon haben? Kann man Heimat teilen?

 

Jeder Selbstdarsteller (im positiven Sinn) erzählte ein wenig von seiner Lebensgeschichte und trat nicht nur als Einwanderer oder Zugezogener auf, sondern – viel wichtiger – als Mensch. Ja. Das Prinzip des Stückes war den Menschen hinter dem Etikett „Ausländer“ (besser: Nicht-Augsburger) erkennbar zu machen. Und es wurde auch der Frage nachgegangen, wie das so ist mit Augsburg und seinen Ausländern. Dabei wurde auch nicht an Kritik am provinziellen Augsburger gespart, aber auch nicht am Lob der ansässigen Bürger. Ein versöhnlicher Abend sollte es sein, bei dem Fehler eingestanden und benannt wurden.

 

Alleine schon die Form war sehr ansprechend erdacht: Durch ein Zufallslos wurde man verschiedenen Gruppen zugeteilt, durch die der Besucher in drei verschiedene Bereiche des Kultur-Theaters Abraxas geleitet wurde, in der die Leute aus den verschiedensten Regionen der Welt im kleinem Rahmen von ihren Erlebnissen mit Augsburg, Bayern und Deutschland berichteten, von ihren Erfahrungen mit dem öffentlichen Verkehrsnetz, der medizinischen Versorgungen bis hin zur unterschiedlichen Ernährung; der besondere Fokus lag selbstverständlich auf die Behandlung des Einzelnen durch andere Einzelne. Das war hart und nah dran am Menschen und es war so gut wie unmöglich sich den Sympathien zu entziehen, die in einem aufkommen mussten, wenn es so sehr menschelt. Das ist etwas sehr Gutes. Und das Symbol mit dem gemeinsamen Essen welches während jeder Episode gekocht und geschnitten wurde – welches man nach dem Stück zusammen mit den Darstellern verspeißen konnte – war ein so herzerweichend simples, klares und durchaus positiv naives Symbol, dass es nur funktionieren konnte. Ja. Man verstand die Leute, die hier in erster, zweiter oder dritter Generation in Augsburg waren, ein wenig besser und auch wenn man sich ihnen nicht krass verbunden vorkam, verstand man deren Zweifel und Probleme, denn recht schnell war der innere moralische Zeiger auf dem Empathie-Manometer ganz weit oben angekommen.

Doch was sagt so ein Stück über unsere Zeit aus? Das war unsere Frage.

Natürlich braucht es Offenheit um zwischenmenschliche Grenzen zu überwinden. Und ebenso ist es wichtig zu erfahren, was für Schicksale hinter den Hunderttausenden, hinter den Millionen Menschen stehen, die jetzt nach Deutschland kommen.

Das Thema hier war die gelungene Integration und sparte dabei die zentrale Frage aus, die uns seit Monaten umtreibt: Ist diese gelungene, gegenseitige Integration auch noch dann möglich, wenn eine Millionen Menschen, vielleicht sogar zwei Millionen Menschen innerhalb von ein, zwei Jahren unkontrolliert nach Deutschland kommen? Das ist doch die Frage um die es geht. Auch wenn es selbstverständlich sehr wichtig zu erkennen ist, das Integration in den meisten Fällen sehr gut funktioniert. Denn ein Mensch ist ein Mensch ist ein Mensch. Aber Menschen brauchen Zeit um sich aneinander zu gewöhnen (was auch eine Grundaussage des Abends war) – und   meine Begleitung und mich trieb natürlich die Frage um, ob das in der gegenwärtigen Debatte, ja, in der gerade geschehenden Krise noch möglich ist? Bisher ist es geglückt und selbst hier war es nicht leicht:  Wird es auch in Zukunft funktionieren? Und zu welchem Preis? Wie weit werden wir voneinander wegtreiben, bis wir beieinander ankommen? Wie viel Opfer und Verstümmelungen müssen wir dafür in Kauf nehmen? Nicht nur moralische und ethische. Denn so manches Subjekt wird konkret psychisch und physisch davon betroffen sein.

 

Die Antwort hier lautete: Wenn wir zusammen – und doch jeder für sich – aneinander arbeiten. Dann schaffen wir das. Dennoch ist eine gewisse Skepsis bei diesem Europa ohne Grenzen mehr als angebracht. Besonders, wenn man in München am Bahnhof arbeitet, und jeden Tag die Flüchtlinge ankommen sah. Wie viel Zeit wird es brauchen bis diese Leute, bis diese Menschen integriert sind? Und ist es nicht auch berechtigt Angst zu haben, ob man selbst unter die Räder der Zeit gelangt bei dem Prozess des sich aneinander anpassen?

Ich kann auch jede Frau verstehen, die sich in diesen Tagen Tränengas kauft um sich zu schützen. Nicht weil man allen anderen nicht traut. Nein, weil man eben nicht JEDEM trauen kann. Hier erzeugt die Berichterstattung und ihr reales Fundament Ängste.

 

Der Abend war – bis auf den Herren aus Senegal – eine Zelebration des gelungenen Miteinanders. Dafür muss und sollte Zeit sein, gerade in diesen Tagen der Vorbehalten und der Sorgen unter den Deutschen. Es ist ein Abend der Versöhnung gewesen, der Hoffnung macht. Der an die Menschlichkeit in jedem von uns appelliert hat. Es war aber auch ein Abend, in dem liberale Besucher auf ein liberales Konzept getroffen sind; wieder einmal wurden weit offene Türen eingerannt.

Man sollte solche Stücke für Schulen machen. Für Arbeiter. Für die, mit den härtesten Vorurteilen. Nicht für ein Theaterpublikum.

 

Es hat Spaß und Freude gemacht den Laiendarstellern zuzusehen, zuhören und ein wenig an ihrer Biografie u schnuppern. Es hat durchaus ein wenig in mir verändert. Dennoch fühlte es sich an wie ein kleiner Anachronismus.

Doch selten an so einem so guten, gutgemeinten Kunststück teilgenommen.

 

 

 

Der Krüppel seiner eigenen Kindheit

Richtig ist: Die Vermeidungsmechanismen, welche wir anwenden um Dinge zu verhindern, vor denen wir uns schämen, sind oft auffälliger und peinlicher als der Umstand, vor dessen Entblößung wir uns fürchten.  Es liegt nur an unserer subjektive Wertung und Gewichtung darüber, was uns wichtiger ist zu verbergen. Vielleicht aber auch ausschließlich. An dem Geheimnis welches wir über unser Geheimnis machen.

 

Denn jeder schämt sich vor einer gewissen Situation, die er glaubt nicht meistern zu können, und auch wenn man sich mit den Jahren Floskeln, reaktionäres Gehabe und anderes Handwerkszeug für diese Situationen aneignet, greift dieses nicht immer. Ich glaube. In jedem Menschen steckt eine ungewisse Angst, eine schwer zu definierende Abneigung/Hilflosigkeit vor bestimmten Situationen, deren Verortung im Unterbewusstsein zu suchen ist und deren Entstehen tatsächlich (das ich so was einmal sagen würde…) in der Kindheit verborgen liegt.

Wahrscheinlich. Ist jeder der Krüppel seiner eigenen Kindheit.

Würden wir nur weniger Energie in die Vermeidung von unangenehmen Situationen stecken, sie anerkennen, offen ausleben, wären wir vermutlich glücklicher. Dumm nur, dass wir in der Kindheit dazu getrimmt werden einmal PERFEKTE Menschen zu werden. Tu dies nicht! Tu das nicht! Ein Wahnsinn! Denn mir ist nur peinlich, was mir meine eigene nicht Perfektheit radikal und ohne wenn und aber vor Augen führt. Obwohl ich ganz genau weiß, dass man nicht perfekt sein kann. Das man immer ein wenig irrt. Das man immer wieder falsch handelt.

Das ist keine Angst vor dem Versagen an sich (das wäre einmal ein unsagbar anstrengendes Leben), nein, es geht um diese paar wenigen Situationen aus unserer Kindheit, die sich auf der Netzhaut unserer Seele eingebrannt haben. Jeder hat das. Nur bei jedem handelt es sich um eine andere, wenn vielleicht doch auch ähnliche Situation (z.B. Angst vor Tieren, Kontrollverlust über Körperfunktionen, laute Geräusche, Furcht vor fremden Menschen, dunkle Straßen, die Interaktion mit dem anderen Geschlecht usw. usf.)

Die Ironie des Menschseins an sich ist, dass jeder seinen dunklen Fleck im Bewusstsein mit sich herumträgt und für solche Situationen NACHSICHT von der Umwelt mit sich erwünscht, man selbst nur leider ebenso blind ist für die dunklen Flecken der anderen Mitmenschen ist und deswegen entblöd und brutal all jene verurteilt und auslacht, die gerade ihre Schwäche zur Schau tragen, und wir sie über dieses „Abnorme Verhalten“ kategorisieren.

Das Dilemma: Die Menschheit hat zwar eine Möglichkeit gefunden um miteinander oberflächlich zu kommunizieren, nur leider ist Kommunikation ein äußerst begrenzte Möglichkeit um das Gegenüber begreifen. Dafür braucht es Jahre der intensiven gegenseitigen Studie. Und dennoch sehen wir Kommunikation als die eindeutigste Form des gegenseitigen Verständnisses an. Obwohl wir kontinuierlich aneinander vorbei reden – und leben.

 

Man sollte einfach nachsichtiger sein. Um Nachsicht zu erhalten. Nur leider. Weicht keiner. Auch nur einen Schritt zurück.

Familie, Glaube, Nation

Die wichtigen Sachen erzählt man selten. Meine Schwester hat vor ein paar Wochen, jetzt auch schon Monaten, ihre Familie verlassen. Sie hat einen neuen Typen kennen gelernt und deswegen ihre zwei Kinder von heute auf morgen zurückgelassen. Dabei ist es eine Sache wenn sie sich von ihrem Ehemann entwöhnt hat, die Kinder so von heute auf morgen verlassen (beide im unteren bis mittleren Schulalter) ist eine ganz andere Sache. Sie hat nur ein Leben, meint sie. Und auf eine gewisse Art kann ich das verstehen. Jeder hat nur ein Leben. Weshalb also unglücklich sein? Bei der Betrachtung des eigenen Unglücks und bei der folgenden Entscheidung daran was Grundlegendes ändern zu müssen, verdrängt man nur (bewusst oder gewollt unbewusst) die Folgen für das Umfeld: Dein Glück kann das Unglück für andere bedeuten.

Uns wird ständig eingeredet, dass wir uns selbstverwirklichen sollen. So gesehen hat Nietzsche recht bekommen, in dem er erklärte, dass alles was du jetzt bist oder glaubst zu sein, nicht du bist. Du musst werden wer du bist. Dabei meinte der Mann (der kein Familienmensch war) nicht seine eigene Egoismen durchzusetzen, sondern sich weiterzuentwickeln über das hinaus, was wir selbst von uns erwarten, und diese „Weiterentwicklung“ fehlinterpretieren wir Nachgeborenen mit dem Trugschluss, dass sich alles nach uns richten muss, da wir das Individuum über das Gesamte stellen, was auch ein Produkt des Zerfalls des nationalen Gedanken ist.
Nationales Denken wird bei uns regelrecht verteufelt, obwohl auch diese Form von Identität nicht per se schlimm ist, auch wenn wir das Schlimmste daraus gemacht haben. Aber wenn es keine große Leit-Identität mehr gibt, zerbricht sie auch im Kleinen, in der Familie. Eine nationale Verantwortung ist leichter abzugeben, als die familiäre – das hat einfach nur mit der Größe der Masse zu tun (in einer kleineren Masse steigt auch die Macht, von Canetti war das, glaube ich), und auch wenn ich kein familiärer Mensch bin, habe ich bisher auch bewusst die Verantwortung die eine eigene Familie zu leiten aufgeschoben. Sich erst einmal fertig entwickeln, bevor man andere mit seiner Unzufriedenheit ins Unglück stürzt.
Damit meine ich nicht, dass ich mich nach einem „Vater Staat“ und mehr Deutschland-Fahnen auf den Straßen sehne (bloß das nicht), ich bemerke nur ein Vakuum, welches wir mit Scheuklappendenken und Egoismus füllen.

Noch mal. Uns wird ständig eingeredet, dass wir uns selbst verwirklichen sollen. Die Werbung redet uns jeden Tag ein, dass wir unzufrieden sind. Mit unserem Körper, unserem Partner, unserem Haus, unserem Job, unserem Urlaub, unserer Zukunft usw. usf. Sie wollen uns ja auch ihren Krempel verkaufen und erschaffen deswegen in uns Wünsche. Doch da zieht wieder die „Fight Club“-Wahrheit: „Alles was du besitzt, besitzt irgendwann dich“. Wir sind besessen von unseren Wünschen. Unserem Hunger, unserer Geilheit, unserer Liebe. Die einzigen schwarzen Löcher die ich jeden Tag überall beobachten kann, sind die schwarzen Löcher in unseren Körpern, die alles verschlucken und absorbieren, was sie bekommen können, ohne je länger als einen halben Tag satt zu sein. Und wir machen das Spiel mit. Jeder von uns. Selbstzufriedenheit existiert nur noch in den seltensten Fällen – und wenn dann hält sich nicht lange an, oder es wird als ein grundlegend negatives Gefühl beschriebe. Es ist weder etwas Gutes noch etwas absolut Schlechtes sich in sein Schicksal zu fügen. 7 Milliarden Menschen können sich NICHT alle Selbstverwirklichen. Das wissen wir Alle. Aber jeder fühlt mit diesem Wissen ein kleines trotziges „Ich aber schon“ dazu. Und so geht der Mensch zugrunde. So werfen wir all unsere humanitären Errungenschaften über Bord.

Jede Entscheidung für eine Sache, ist eine Entscheidung gegen eine andere. Das gilt auch gerade für die, welche sich in dieser Haltlosen Welt einen Anker suchen; die Religionen sind wieder im Kommen, auch bei mir im Umfeld. Und so viele Werte Religionen auch transportieren, bleiben sie im Endeffekt intolerant. Es gibt in der Philosophie der Religionen nur Gläubige und Ungläubige. Und dabei ist es ganz gleich wie sehr man die anderen Mit-Gläubigen auch liebt: Ein kleinwenig verteufelt man die Ungläubigen immer. Auch. Wenn das nicht einmal böse gemeint ist. Sondern man sie in Wahrheit „retten“ will. Ich weiß. Liebe ist nie absolut. Toleranz auch nicht. Denn wer nur liebt und nur toleriert mag zwar ein Heiliger oder Roman-Held sein. Nur ist er kein realer Mensch mehr. Man muss Überzeugungen haben. Auch Träume. Man darf darüber aber auch nicht vergessen, was das für Auswirkungen auf das Umfeld hat, setzt man sie um. Und damit meine ich jetzt nicht einmal so Sachen wie Mülltrennung oder Klimaschutz, was uns Alle betrifft. Sondern (siehe Familie und Schwester) im direkten Umfeld.
Ich fordere nicht den Gutmenschen. Sondern eine Neu-Erstarkung der Moral, die keine Götter braucht. Was wir benötigen ist kein blinder Humanismus. Wir brauchen einen neuen Humanismus, der mit den komplexen Problemen unserer Zeit wächst und weder ein konkretes „Ja“, noch ein „Nein“ gelten lässt. In einer Welt mit 7 Milliarden Menschen wird uns ein selektionistisches Gesellschaftsdenken aufgezwungen. Das ist nicht zu ändern. Und das zu lösen ist die große Aufgabe, die sich in der Zukunft stellt.

Integration

Es wurde Nacht. Es wurde Morgen.
Ich liege im Bett und denke nach. Alleine. Wobei man in Wahrheit niemals alleine in einem Bett liegt, denn all die Gestalten über die man sich Gedanken macht, liegen auf eine komische Art mit einem hier in den Polstern. Man zankt sich mit ihnen. Man versöhnt sich. Schüttelt den Kopf. Eine komische Art Freundschaften zu pflegen, in Gedanken.

Die Wahrheit in der Wahrheit ist aber, dass man natürlich nicht mit anderen im Bett liegt, nur mit sich alleine und den Vorstellungen von und über andere, ein Puzzle an Erfahrungen und Begegnung, an Worten und Gesten, und dass in Wahrheit nicht sie zu einem sprechen, nicht sie es sind mit denen man sich unterhält, es sind nur die Vorstellungen über sie die mit einem reden, all das was man über sie weiß oder es glaubt, und im inneren Dialog mit seinen Projektionen über diese Leute, versucht man ihnen näher zu kommen, sie zu verstehen, was auch nur wieder ein Selbstbetrug ist, da man ja wirklich, wirklich nur mit sich selbst monologisiert und dadurch versucht sein Bild über die anderen zu verstehen; wir können ja nur uns selbst ergründen, niemals das Gegenüber, so sehr ist der Mensch in sich eingesperrt.
Zum Glück kann man sich sehr leicht betrügen, glaubt, dass wahre Kommunikation möglich ist.

Es wird Nacht. Und es wird Morgen.
Ich liege in meinem Bett. Draußen vor dem Fenster prasselt der Regen den Sternenstaub von den Straßen. Und es ist Ruhe. Endlich Ruhe. Und die Visionen über die anderen in meinem Kopf sind friedlich und mild. Denn ich begreife was ich ansonsten nicht verstehen will: Man muss erst sich selbst vergeben können, um es auch für andere zu ermöglichen. Dabei ist mir auch klar. Dass diese Erkenntnis sicherlich wieder verschüttet werden wird. So wie immer. Wenn das Uhrenwerk der Kommunikation beginnt mich wieder zu integrieren und mich dabei mit Einflüssen und falschen wie richtigen Fährten zu überschütten.

Meinung. Überzeugung. Hoffnung. Das bedeutet in Wahrheit: Vergangenheit. Gegenwart. Und Zukunft.

Nationalstolz

Vor einer Woche hat ein Blog-Freund die These aufgestellt, dass die Nationalisierung Deutschlands durch den Fußball von der Politik gepusht wurde; ich weiß nicht so Recht. Also denke ich jetzt mal laut:

Fakt ist, dass es dieses „Phänomen“ des neu entstandenen Nationalstolzes seit der Fußball-WM 2006 in Deutschland offenkundig gibt, auch wenn es zum Beispiel Events wie Public-Viewing schon seit der Fußballmeisterschaft davor gab. Dann gab es nach der WM natürlich auch den „Sommermärchen“-Film, wobei ich schon während der WM ein besonderes Gefühl im Lande wahrnahm. Und das ging nicht nur mir so.
Wir Deutschen haben natürlich ein besonderes Gefühl zum Nationalstolz, dessen Herkunft keiner weiteren Erklärung bedarf. Unweigerlich gibt es in den Deutschen aber auch den Drang, wieder „stolz sein zu dürfen“ und das verbindende Element Nationalmannschaft ist selbstverständlich DIE Projektionsfläche für dieses Wir-Gefühl. Und selbst große Kritiker der Deutschtümelei würden wohl eingestehen, dass das nicht per se schlecht wäre. Außerdem waren wir (was gern verdrängt wird) Jahrzehntelang ein geteiltes Land und deswegen war auch immer dieser Wunsch nach einem vereinten „Wir“ im Prinzip immer vorhanden. Jetzt will man sich (meine Meinung nach) dabei auch gutfühlen dürfen. Darf man auch.

Jedoch.

Ist es auch sehr verständlich, dass viele sich auf dem Hinblick auf unsere Vergangenheit sagen: „Wehret den Anfängen“. Ich weiß auch, dass das nervt dauernd so belehrt zu werden. „Lasst uns doch einfach feiern und Spaß miteinander haben.“ Natürlich. „Viel Spaߓ kann ich da nur sagen. Trotzdem ist jedem klar, dass aus Spaß schnell Ernst werden kann – und dass der Witz nicht jegliche Mittel heilt.

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Es gibt sicherlich Schlimmeres als einen schlechten Witz wie der hier vor dem Frankreich/Deutschland-Spiel, dennoch sollte man solche Dinge weiterspinnen: Was kommt danach? Kann ein blöder Scherz nicht die Saat für kommendes Unheil sein? Und kann der Nationalstolz nicht schnell in Nationalismus umschlagen? Sicherlich, aber ich finde bis zu einem gewissen Grad muss das eine Gesellschaft aushalten und damit leben können. Es ist eine Gradwanderung und Deppen wird es immer geben; man wird das Ganze nicht von heute auf morgen los, vielleicht sogar nie. Und wenn man bei einem Fußball-Spiel auch mal auf die „schwarzen Säue“ schimpft, hat das nicht zwangsläufig damit etwas zu tun, dass man Afrikaner nicht mag (hab ich erst erlebt bei einem Freund, dessen Adoptivkind selbst schwarz ist), sondern es geht nur um befristete Emotionen während man aufgewühlt ist – deswegen haut man nicht gleich einem Ausländer auf der Straße eines in die… Ins Gesicht.

Zum Beispiel finde ich es auch gut, dass Neymar gegen die Deutschen nicht mitspielen kann, weswegen ich es aber nicht gut finde, dass der arme Kerl gleich einen gebrochenen Wirbel hat… (Gute Besserung von hier). Ich weiß schon. In so einer Denkweise ist die Saat für schlechtes Handeln, es würde mir aber niemand unterstellen, dass ich Neymar selbst den Rücken gebrochen hätte um ihn auszuschalten. Nationalstolz ist für mich wie Pornografie: Viele kommen damit klar und wissen damit umzugeben – doch es gibt nun einmal eine Anzahl von Idioten die die Trennline zwischen Fantasie und Wirklichkeit nicht unterscheiden können, was sie zu realer Gewalt anstachelt.
Ressentiments, Klischees und Vorurteile wird es immer geben. Unterschwelliger aber nicht böse gemeinter Rassismus kann jedem Herausrutschen – ohne dass er ein Fremdenhasser ist (zu dem Thema kann und muss man Fassbinders „Angst essen Seele auf“ empfehlen, der auch diese Form von Rassismus zeigt, nicht nur die Gewalt). Ich weiß, das klingt nach Verharmlosung, ich weiß aber auch, dass wir alle nur Menschen sind und sich die Menschen nun einmal voneinander unterscheiden, leider nicht einmal die gleichen Rechte und erst recht nicht den gleichen Wohlstand oder das gleiche Aussehen genießen oder teilen: Wie sollte es möglich sein in jeder Situation darüber hinwegzusehen? Dass ist eine Utopie, aber ich bin auch dafür dieser Utopie zu folgen.

Natürlich bin ich jetzt total vom Thema abgekommen:
Wird dieses Nationaldenken durch die Nationalmannschaft von der Politik instrumentalisiert?
Man spricht immer viel darüber, dass Parteien Wählerstimmen vom „rechten Rand“ abfischen würden. Den gibt es. Alles andere wäre eine Lüge. Doch es stimmt auch, dass es einfach ein nationalkonservatives Denken gibt und ich halte es für eine demokratische Partei nicht einmal für verwunderlich die Mehrheit dazu zu bewegen, meine Partei zu wählen. Und Fußball, dieses Wir-Gefühl, vereint die Massen. Dass sind Wählerstimmen. Ist das gut und gerechtfertigt? Ich weiß nicht, doch es ist auf jeden Fall nicht verwerflich, denn die Parteien (nehmen wir die Merkel) sagt ja nicht, dass nur „Schweinsteiger“, „Müller“ und „Neuer“ Deutschland sind, sondern auch ein „Özil“ oder ein Khedira ; ebenso ist es mit den Fans, die auch nicht alle urdeutsch sind. Und das finde ich schon mal gut. Fußball verbindet ja auch und das ist schön. Das Problem ist nur, dass die Fußballer zwar gegen Rassismus sind, sie aber keine wirkliche Haltung vertreten – außer Deutschsein. Und dass ist die eigentliche Streitfrage: Was bedeutet es deutsch zu sein?

Deutschsein heißt im Jahr 2014 auch, Teil einer Konsensgesellschaft zu sein, die die gleichen oder ähnliche Wünsche hat. Wir wollen Smartphones und Weltfrieden. Sind gegen Auslandseinsätze (neudeutsch für Krieg) und hätten doch gerne eine „wichtigere Rolle für Deutschland in der Welt“. Besonders aber, sind wir ein sehr reiches Land, welches aber ständig Angst davor hat („German angst“, dafür gibt es ja ein Wort) diesen Status und den Wohlstand zu verlieren. Natürlich schottet das ab. Und das befeuert auch die Ablehnung von anderen Nationen – außer man fährt dort in den Urlaub. Wir sind aber auch ein Land der großen Koalitionen (denn wir wählen immer wieder so), des großen Konsens geworden.

Die Deutschen haben ein Schizophrenes Verhältnis zu sich selbst. Sie wollen normal sein in ihrem Selbstverständnis, können es aber nicht – doch der Wunsch scheint stetig dazu sein, der manchmal dazu führt, dass man anderen Nationen ihr Selbstverständnis neidet. Auch das finde ich normal. Vielleicht will der Deutsche wie ein Kind auch genau das haben, was er nicht hat. Hätte er es, wäre es ihm wahrscheinlich schnell langweilig. Zu aller erst sind wir nämlich damit beschäftigt Menschen zu sein, zum Deutschsein kommt man da eher selten… (Pispers).

Die Deutschtümelei wird am Stärksten durch Europa selbst und die Medien instrumentalisiert. Die anderen Europäer sind natürlich die faulen Säcke, die alle nur von unserem Geld leben, während wir so supertüchtig sind. In Europa verschwinden und verschwimmen die Nationalstaat und dass es im Umkehrschluss ein Bedürfnis nach Identität in den Mitgliedsstaat gibt, ist doch nicht verwunderlich. Es ist doch normal Angst vor einer Zukunft zu haben, die sich von der Gegenwart unterscheidet. Dazugehört Mut – oder Dummheit. Deswegen gibt es so viele und erfolgreiche rechte Parteien in Europa, und im Prinzip ist für mich Europa selbst der Grund, warum es in den Mitgliedsstaaten ein so großes Bedürfnis nach Identität gibt. Wird das instrumentalisiert? Gewiss. Aber es wundert mich nicht. Instrumentalisierungen sind nun einmal demokratisch, da die Massen zu etwas bewegt werden müssen. Die Frage ist nur, in wieweit wir es zu lassen, wie weit wird den Rattenfängern folgen.
Und – noch ein Punkt – wie sehr wir uns an die Industrie verkaufen. Denn der Markt kennt keinen Nationalstolz. Der kennt nur Absatzmärkte – und billige Lohnkosten. Die Debatten über Nationalität verdecken auch ganz gut die globalen Probleme die wir haben. Vielleicht. Sind dass die wahren Scheuklappen, die uns aufgesetzt wurden.

Ich könnte noch viel mehr dazu sagen, doch ich schreibe immer alles an einem Stück, und bin jetzt müde…

Reich frisst Arm und den Planeten gleich dazu – Reich wird gewinnen

Ich glaube irgendwann wird es so viele Menschen geben, dass die Meisten hungern oder verhungern werden, dass es nur ein Minderheit geben wird (bestimmte Staaten), die über sauberes Wasser und Nahrung verfügen werden, die sich von anderen Ländern isolieren, dass es wie immer die Schwächsten am Härtesten treffen wird, die sich gegenseitig auffressen werden; wer weiß, vielleicht züchtet sich der Mensch eines Tages selbst Menschen heran, die er verspeist, so wie heute Kindersoldaten herangezüchtet werden oder Kinder, die direkt in die Prostitution verkauft werden. Dabei glaube ich aber auch, dass dieses finstere Mittelalter, welches uns noch bevorsteht, nur eine Episode im Dasein des Planeten ist (für ihn ist es ein Augenzwinkern) und nur eine Ära in der des Menschen, stand heute: 7 Milliarden Menschen. Jeder davon ist einzigartig, doch um keinen ist es evolutionstechnisch besonders schade wenn er fehlt.

Der Mensch ist ein Parasit, der alles frisst und benutzt, was ihm in den Weg kommt. Da ist es nicht schlimm, wenn von den 7 Milliarden Parasiten sagen wir mal 3 Milliarden geopfert werden, damit der Parasit sich selbst und seinen Wirt retten kann. Und wenn es so weitergeht mit der Überbevölkerung und dem Zügellosen Kapitalismus, dann wird das passieren.

Ich finde nicht einmal, dass das ein Schreckensszenario ist. Wieso denn? Natürlich weine und trauere ich um jeden in meinem Bekanntenkreis, der stirbt. Das sind Dramen für mich. Was aber interessiert das die Evolution? Der ist das vollkommen egal. Vermutlich ist die nächste Stufe der Evolution des Menschen eine technische, und danach wird irgendwann einmal der Punkt kommen, wo die Überlebenden Milliarden sich über die… Nennen wir sie „andere Milliarden“ evolutionieren. Vielleicht ist das sogar schon im Begriff zu passieren. Lampedusa erinnert uns daran, was Evolution ist. Auch wenn jetzt alle betroffen tun. Und es natürlich wirklich eine Sauerei ist. Aber wartet mal ab, bis wir 10 Milliarden Menschen sind. Da bin ich gespannt was unsere Moral in der Zukunft noch wert ist – wahrscheinlich ist sie ein Anachronismus aus den Geschichtsbüchern. Vielleicht hat man dann eine neue Form der Moral (so wie die Amerikaner es mit ihrer „Freiheit“ gemacht haben), etwas, dass wir heute noch nicht „erreicht“ und „verstanden“ haben und das Ganze auf den Kopf stellt was wir uns heute erträumen und gutheißen, als schützenswert erachten – der Mensch hat immerhin den Humanismus zu der Zeit erfunden, als er die Indianer ausgerottet hat…
Nein, ich glaube an kein Umdenken der Menschen. Dafür sind sie viel zu egoistisch. Ich selbst natürlich auch. Aber ich glaube an die Evolution. Nicht unbedingt an den Teil mit den Affen. Sondern daran, dass der Mensch einmal im Wald oder in Höhlen lebte, und die Zivilisation nach und nach entstanden ist. Und dass ungebremste „Zivilisation“ (das Wort ist witziger weise nur positiv konnotiert) zu Städten geführt haben und dass wir unseren Lebensraum immer weiter und weiter verändern werden. Und so wie wir bestimmte Tierarten ausgerottet haben, werden eines Tages auch bestimmte Menschenarten ausgerottet werden. Nicht wegen ihrer Religion, sondern wegen ihrem Lebensraum, der sie nicht mehr ernähren können wird. Auch die Science-Fiction wird sie nicht retten, denn die Science-Fiction werden jene haben, die eh alles haben, so wie heutzutage für viele Menschen eine Wassertoilette keine Selbstverständlichkeit ist, sondern auch auf eine bestimmte Art so etwas wie Science-Fiction.
Das ist nicht schlimm. Nicht für mich. Ich kann sogar locker noch ein paar Pfunde zulegen. Bis zu einem gewissen Grad werden wir das Alle tun. Irgendwann aber wird die Evolution des Menschen, die gerade schleichend vorangeht, sichtbar werden. Auch das ist nicht schlimm. Das ist unsere Natur.