Das große Land der kleinen Leute

So wie Lars von Trier Filme über die USA gemacht hat, ohne sie je besucht zu haben, ist auch meine Meinung nur eine von vielen, die von außen sich selbst in ein Thema hinein psychologisieren, ohne einen realen Bezug oder Verantwortung zu dem Thema „Vereinigte Staaten“ zu haben. Zwar betrifft die Wahl  des US-Präsidenten jeden Menschen auf diesem Planten (mehr oder weniger), Mitspracherecht haben wir aber keines, deswegen bringt es auch nicht besonders viel sich darüber aufzuregen.

Verstehen würde ich das Ganze nur schon Recht gerne.

 

Unsere Medien haben eine eindeutige Wahlempfehlung in die Berichterstattung gemischt – und okay, ja, die Äußerungen Trumps im Wahlkampf konnten aufgeklärte Menschen wie uns nur Hillary als Siegerin annehmen lassen. Falsch gedacht. Es sind halt doch nicht diejenigen, die im TV oder in den großen Online-Medien das Wort leiten, die für ihr Land sprechen. Das ist jeder einzelne Bürger selbst. Und da ist die Stimme eines aufgeklärten Menschen ebenso viel wert wie die jedes anderen Idioten, von denen es meistens eher mehr gibt. Da kann man jetzt sagen: „So ist Demokratie.“ Oder andererseits: „Demokratie funktioniert einfach nicht.“ Demokratie funktioniert halt nur dann, wenn man es mit einem mehr oder weniger gebildeten Volk zu tun hat, dass zudem auch noch Politikinteressiert ist.

Es gibt dabei genug Gründe für viele Menschen, Politikverdrossen zu sein, ganz egal ob in Amerika oder sonst wo. Das ist auch der Grund, weshalb mich nach der ersten Überraschung der Wahlausgang gar nicht so kalt erwischt hat. Mit dem Brexit war und ist es doch das Gleiche: Es sind die vielen, vielen Verlierer der Globalisierung, die sich eine starke Regionalmacht mit heimeligen Konservativen Werten  zurückwünschen und wählen. Durch die Globalisierung ist die Welt viel zu schnell zusammen gewachsen – nur leider nicht richtig. Das macht den Menschen Angst, weswegen sie genau diese Leute wählen, die ihnen versprechen dass sie „Alles so machen wie früher“.

Den versprochenen „Change“ gab es unter Obama so gut wie gar nicht (die Gründe dafür, also die Blockaden im Kongress usw. lassen wir mal außen vor) weswegen verschwindend wenige schwarze Amerikaner und Hispanios zur Wahl gegangen sind, dafür umso mehr weiße, alte Männer, die, ebenso wie in England, wahlentscheidend waren. Diesen Politikverdruss muss sich auch Obama ankreiden. Trump steht genau dafür, was Clinton nicht ist, ein Außenseiter, der nicht im verkrusteten politischen System Amerikas feststeckt, das hat Wähler mobilisiert, denn sie wollen keine Leute, die über sie hinweg regieren, sie wollen auch keine schwierigen Lösungen für komplizierte Themen: Sie wollen einfache Lösungen – für komplizierte Themen.

 

Ich glaube auch, dass Protestwähler (wie in vielen Wahlen der jüngeren Vergangenheit) eine große Rolle gespielt haben. Wähler, die nicht vollkommen mit der Meinung des Kandidaten XY konform gehen, doch aber so gewählt haben, um „denen da oben eins auszuwischen“. Ich mutmaße, der Protestwähler ist eine der wichtigsten Wählergruppen überhaupt. Zwar denkt man sich bei ihm: „Wie blöd kann man sein? Irgendetwas wählen was einem selbst schadet, nur damit er es DENEN DA OBEN mal zeigt…“ Aber a) fühlt sich der Protestwähler von denen da oben ohnehin im Stich gelassen (siehe Globalisierungsverlierer) und b) glaubt der Protestwähler auch den Umfragen. Es ist (noch mal) wie mit dem Brexit. Damals wollten auch viele aus Protest ihre Stimme abgeben, kannten die Umfragen und die Prognosen und waren dann vom Ergebnis überrascht: Denn sie dachten nicht, dass ihre Stimme am Ende Wahlentscheidend sein würde und sie das bekommen würden, was sie wählten.

Heute wurde oft in den Medien verlautet, dass viele, die bei den Umfragen angaben nicht für Trump stimmen zu wollen, sich in Wahrheit dafür schämten, doch für ihn stimmen… Ich weiß ja nicht… Klingt mir nicht sehr schlüssig. Vielleicht sind es doch eher die Umfragen selbst und der Glauben in sie, die die Wahl beeinflussen. Also weg mit ihnen. Wozu braucht man ein mathematisches Urteil basierend auf Schätzungen vor einer Wahl? Reicht denn nicht die Wahl selbst?

 

Vielleicht sind die Gründe aber auch viel banaler: Eine Großzahl der Amerikaner sind einfach ungebildet und glauben jeden Unsinn, den man ihnen erzählt (oder verspricht). Bei dem Bildungssystem das die dort haben, wäre es nicht einmal ein Wunder. „Weltoffen“ und „aufgeschlossen“ wären jetzt nicht gerade die Begriffe, die mir zu Amerika einfallen. Und vielleicht sind die Amerikaner selbst doch mehr wie die Amerikaner, die (da schließt sich der Kreis) Lars von Trier aus den Filmen kennt, dieses Weltbild, dass dort verkörpert wird, welches ihm vollkommen ausreichte, um über die Psyche der Amerikaner zu philosophieren: Sie stehen nun einmal auf diese Geschichten von Männern, die mit wenig anfingen, sich hochgearbeitet haben, um schließlich, auch und gerade wegen ihrer fehlenden Etikette und Intelligenz, ganz oben zu stehen. Die, die es allen gezeigt haben! Wir würden wahrscheinlich nicht sagen, dass diese Leute die richtigen TYPEN sind um ein Volk zu lenken. Dort ist es anders.

Nun, wir werden sehen was geschieht. 2 Amtszeiten Bush haben wir auch überstanden.

 

Sicher ist auf jeden Fall, dass dieses Votum eine rote Karte für den Freihandel und die Freizügigkeit der Völker ist, eine rote Karte für liberales Denken und ein Zugeständnis ist, ein Zugeständnis zur Angst. Und bei dieser Melange fällt es mir schwer den Respekt gegenüber diesem Volk zu behalten. Auch, wenn (wie ich es heute bei MOBY gelesen habe) mehr Leute für Clinton gestimmt haben, die aber durch das Wahlsystem der Wahlmänner nicht zum Tragen gekommen sind. Es ist aber auch eine rote Karte gegenüber dem gebildeten Establishments, jene Leute, die arrogant und überheblich den Leuten erzählt haben, was sie zu denken haben; nicht dass das Establishment UNRECHT hätte in dem was es sagt, es geht nur darum, WIE es etwas sagt und wie die feinen Herren vom Flatscreen aus die Leute überheblich als dumm und klein abstempeln; dadurch werden kleine Menschen nur noch kleiner. Und wütender.

 

Keine Ahnung. Ich bin kein US-Amerikaner. Nur ein kleiner Handwerker aus Bayern. Aber nach dieser Wahl ist mir klar geworden, dass viel mehr in die Bildung investiert werden muss, damit die Deppen weniger werden. Und gerade in den USA ist es so, dass dort in vielen Gegenden die Bildung privatisiert wurde, dort wird ein Geschäft mit minderer Qualität aus ihr gemacht, was den Zugang zu Wissen mehr als nur erschwert hat. Was keine Ausrede ist. Denn wer wissen will, der kann sich in den meisten Ecken der Welt selber weiterbilden. Man müsste nur wollen.

 

Ich weiß nicht. Irgendwas muss man an so einem Tag wie heute schreiben… Irgendwas muss man einfach zu sagen haben. Auch wenn es vielleicht darum geht, gar nicht Konkretes sagen zu können.

 

Oben habe ich es schon einmal gesagt: Dass die einzelnen Länder der Welt nach der großen Globalisierung sich wieder auf ihre eigenen Werte berufen wollen, wundert mich nicht. Es wäre auch ein Wunder gewesen, wenn sich diese Vision von freiem Handel, Liberalität und Humanität einfach so durchgesetzt hätte, denn dafür produziert der freie Handel viel zu viele Verlierer (das Geld wandert halt weiterhin zu den Mächtigen) und liberales, humanitäres Denken macht vielen Menschen Angst. Ob das ganze Projekt jetzt gleich als gescheitert angesehen werden muss, oder ob es ein Projekt über die Jahrzehnte, ja vielleicht sogar Jahrhundert ist, das bleibt abzuwarten. Es war klar dass es Rückschläge geben würde. Und Politik wird weder in einer Nacht entschieden, noch an einem Tag gemacht. Das ist doch das Geile am Menschsein: Es bleibt stetig spannend. Welche Entscheidungen in ein paar Tagen wieder irgendwo anders auf der Welt Menschenleben kosten.

Ich sehe was, was du nicht siehst

Die Frage ist durchaus, was einen mit den Menschen noch verbindet, mit denen man sich umgibt; viel wichtiger ist die Frage, was man in Zukunft noch für gemeinsame Ideen vertritt – eine Frage, die sich irgendwie verbietet, zu sehr sind wir gefangen in der Kontinuität der Gegenwärtigkeit.

 

Das „Früher“ erscheint einem irgendwie einfacher, selbst wenn man ihm ein gewisses Gewicht zugesteht, denn „Früher“ ist vergangen, ist überlebt, ist durchgestanden und so sieht man dieses „Früher“, selbst wenn man subjektiv an sein Existenzminimum gedrängt worden war (sei es finanziell, geistig, moralisch usw. usf.), als einen Berg den man überqueren musste, um jetzt stark und erfahren sein zu können; früher sind für mich die 90ger, die Nuller Jahre, Jahre der Unschuld und ich kann nicht sagen, ob das vornehmlich mit meinem Alter und der damaligen Politiklosigkeit zusammenhängt, sprich: meiner Jugend, oder ob die Zeit damals nicht wirklich leichter war, wenigstens im direkten Umgang. Die Leute waren sich näher und ferner zu gleich. Es wusste nicht jeder fast alles über den anderen, wie es inzwischen ist, in unserer sozialen Überwachungswelt, und es war auch nicht wichtig unbedingt eine Meinung zu bestimmten Themen zu haben, ohne dafür gleich als „oberflächlich“ oder gar „ignorant“ abgestempelt zu werden. Die Menschen lebten zusammen nebeneinander her und man war weniger vom Export, weniger von der ganzen Welt und ihren Problem abhängig, betroffen und eingeengt. Dabei waren wir auch damals gut genährt, in all dem Reichtum den wir schon damals hatten, der sich nur nicht wie Überfluss anfühlte.

Wir wussten weniger – und hatten mehr davon.

 

Heute geht es dann gleich nach 5 Minuten um „Haltungen“ um Positionierungen, die uns von überall her aufgedrängt werden. Wir müssen von allem „Ahnung“ haben, damit wir auch den pointierten Witz oder das mehr oder weniger unterschwellige Geschimpfe unseres Gegenübers sofort verstehen, denn „2016“ bedeutet ja mehr als in den meisten Jahren, sich in bestimmten Schützengräben der Sprache zu bewegen. Bomben werden dauernd platzen gelassen. Sei es auch nur zwischen den Zeilen. Der Krieg scheint dauernd präsent zu sein, wie ein Film im Hintergrund abzulaufen, auch wenn man sich nur über Kleinigkeiten, richtige Nichtigkeiten unterhält. Irgendetwas trägt immer zu den Planspielen der geistigen Feldherren bei.

Diese andauernde Sprachliche Tortur verändert unsere Sicht aufeinander. Während wir früher unsere politische Meinung oft nur im stillen Kämmerchen mit uns selbst oder in der Wahlkabine abgeschottet (GEHEIM!) mit dem Staat ausmachten, werden wir nun von überall beschossen und befeuert – und ausgefragt („Das musst du doch zugeben, oder?“). Die Intelligenzia muss heute „links“ grollen, die Ängstlichen „rechts“ und zwischendrin sind die Agenten der einzig wahren Matrix, des Internets, dass die Leute die verschiedensten, aufgebrachten Halbwahrheit abschießen lässt, über die man dann kaum mehr diskutieren kann. Wir sprechen zwar darüber, wir hören uns nur nicht mehr, wie Brieffreunde in fremden Ländern, die zwar ein gemeinsames Gespräch führen, nur in verschiedenen Wirklichkeiten leben und dazu noch in einer für beide Parteien nicht Muttersprachlichen Konsenssprache führe, so dass das der zeitverzögerte Papieraustausch an der gewollten Wirklichkeit vorbeispricht.

 

Ich finde das belastend, diese Gespräche. Nicht weil ich am Ende nicht mehr einfach nur „Recht haben“ kann (und wie die meisten Leute habe ich gerne „Recht“), nein, es geht darum, dass ständig so getan werden muss, als müsste jemand am Ende jemand Recht gehabt haben; nach so einem Gespräch gibt sich kaum einer mehr respektvoll die Hände und sprich von einem „schönen Abend“. „Idiot“, „Naiv“ oder „Weltfremd“ wird man geheißen, bestenfalls.

 

Diese ständige Penetranz dieser Schützengrabengespräche bei denen es um jeden Zentimeter geht, führt zur Ausgangsfrage zurück: Was verbindet uns noch miteinander, sei es als Freunde, sei es als Gesellschaft? Ist dieser ständige Haltungsdrang nicht viel zu zersetzend, um ihn auf Dauer aushalten zu können?

 

Die „Gemäßigten“ erscheinen mir nach und nach als die einzig echten Intellektuellen, nicht weil sie Teil einer schweigenden Masse sind (was jedoch auch der Fall sein kann), sondern da sie verstehen, dass die Wahrheit nicht nur Gegen- oder Pro-Asyl, nicht nur Religion oder keine, nicht für oder gegen den Staat und auch kein Wirtschaftsmodell ist, gar nicht sein kann. Alles ist Alles. Alles hat seine Richtigkeit, seine Wertigkeit und seinen Sinn. Man muss also leider jedes Mal neu abschätzen. Nur treibt unsere diese Räson nicht voran, sie ist die ständig getriebene der Extremen. Und ich glaube, das wird noch schlimmer, bevor es besser wird.

 

Diese Welt in der wir leben, ist auf einer Droge. Und diese Droge heißt „Information“. Die Dosis, die wir uns tagtäglich davon verabreichen, ist viel zu hoch, als dass unser Geist sie richtig verarbeiten, dass wir irgendeinen momentanen Nutzen daraus ziehen könnten. Früher oder später werden wir einen Filter, einen Regulator brauchen, wie es früher die sogenannten „Leitmedien“ waren, die großen Print-Medien, die „Tagesschau“, die „Heute“-Nachrichten. Doch solange wir nicht soweit sind, leben wir in einem Wust der Wirrniss, der sich zwischen uns stellt und unsere Kommunikation miteinander entartet, wie einst zum Turme zu Babel. Und die größten Dummköpfe sind jene, die in einer fremden Sprache auf eine fremde Kultur einbrüllen, sie selbst wären im Recht.

 

Das ist das Besondere unserer Zeit: Wir brauchen Informationen und die richtige Bildung um sie begreifen zu können – weder zu viel, noch zu wenig. Denn zu viele Informationen machen den Gebildeten ebenso dumm, wie zu wenig.

Es hilft also nicht nur unzählige Informationen zu horten, man muss sie auch verarbeiten können, und dafür braucht es Zeit und Gewissenhaftigkeit. Wir müssen uns alle mehr Zeit geben um Informationen zu verstehen und sie auszulegen. Um Investitionen in die Zukunft betreiben zu können. Um echte Meinungen zu bekommen, nicht nur Reaktionen auf Umstände…

Der ganze Planet muss entschleunigt werden, nicht nur jeder für sich. Nein. Alle. Insgesamt. Aber wir fangen natürlich wie immer klein an.

Und jetzt muss ich diese Geschichte nur noch denen verkaufen, die ich für im Unrecht halte. Jene die glauben, dass Halloween eine Satansmesse ist… Obwohl, hatten solche Leute nicht schon genug Zeit? Sind 30 Jahre nicht Zeit genug? Und was mache ich mit denen?

 

Die dunkelsten Männerphantasien

Was hast du getan?

Man soll nicht in der Vergangenheit leben. Immer nach vorne schauen. Nicht zurück. In alten Wunden stochern hilft nicht. Wem nützt es schon in weißen, äußerlich verheilten Stellen auf der Haut herum zu bohren? Der Zugang ist verschlossen. Die ehedem freiliegenden Nerven haben sich regeneriert. Das Ereignis ist nur noch Erinnerung. Und als es geschah, fühlte es sich gar nicht so schlimm an. Taten werden erst durch ihre Konsequenzen wichtig.

Warum hast du es getan?

Wieso muss es eigentlich immer schwerer sein in der Gegenwart zu leben oder in die Zukunft zu blicken, als zurückzuschauen? Kann die Vergangenheit denn nicht endlich aufhören? Das ist der Grund, weshalb die Menschen jung bleiben oder es wieder werden wollen, denn „Jung sein“ heißt, nicht die Konsequenzen durchlebt zu haben.

 

Sie hatte es für Geld gemacht. Und ja, natürlich hätte man sein Geld auch anders verdienen können, nur wie? Dieses „du hättest auch was anderes machen können“ ist für außenstehende Dritte immer leicht daher gesagt. Über andere zu urteilen wenn man sie weder kennt noch versteht, ist mit das geläufigste und dümmste Merkmal der Menschen, denn die Leute wollen damit sagen: „Ich habe und hätte es anders gemacht.“  Dabei haben sie sich weder in der auslösenden Position befunden, haben nicht die gleiche Vergangenheit geteilt, noch besitzen sie die Fähigkeit, sich in andere Lebensformen hineinzuversetzen. Es gibt Situationen und Stationen in einem Lebensweg, in welchen dir alle anderen Türen verschlossen erscheinen und du dich zwangsläufig dafür entscheiden musst, das sogenannte „Falsche“ zu tun. Dein Gefühl dabei ist weder gut, noch machst du dir eine Hoffnung darauf, stolz auf das zu sein was gerade passiert. Hier. Ist die Vergangenheit ein Hoffnungsanker: Irgendwann endet jede Situation. Und mit den Konsequenzen kann man doch leben, oder? Die Tat liegt doch schon lange zurück.

 

Sie kann die Vergangenheit auch kleinreden.

Ein  Filmchen als Hauptrolle war es gewesen. Und wenn man sich durch die Umsonst-Portale im Internet klickert, sieht man es unzählige Frauen und Männer tun. In Wahrheit tun sie es die ganze Zeit. Immer und überall. Die natürlichste Sache der Welt. Und hier waren nun einmal ein oder zwei Kameras dabei. Das ist kein Big Deal. Das ist „business as usual“. Die Leute am Set waren nett, höflich, alle taten so, als wäre jeder mit jedem sympathisch und irgendwo stimmte das irgendwie. Es wurde viel Gelacht beim Dreh. Eine kleine Produktion von kleinen Leuten, für kleine Leute. Eine private Phantasie, semiprofessionell aufgezogen, eine Spinnerei und das Geld war gut und schnell verdient und selbst wenn sie ihre Würde ein wenig ablegte, kam sie sich direkt danach nicht ENTWÜRDIGT vor. Ach was. Die normalste und älteste Sache der Welt und wäre das Szenario nicht so gewesen wie es war, hätte sich auch kein Mensch daran erinnert. Wirklich. Niemand. Gar keiner… Es hätte einfach keine Rolle gespielt. Menschen beim Sex für Geld  zu filmen ist schon lange und zum Glück kein Politikum mehr.  Und weshalb muss jeder Trottel denn immer die Phantasien von anderen dermaßen überbewerten? Hat das denn nicht in Wahrheit damit zu tun, dass diese ach so moralischen Menschen, diese verklemmten Anstandsjuristen, diese „Das-musst-du-doch-genauso-sehen“-Typen, sich für ihre Phantasien schämen, oder nein! Ja! War es denn nicht so, dass sich diese LEUTE dafür schämten, GAR KEINE Phantasie zu haben?

 

Das Drehbuch… Sind wir doch einmal ehrlich: Wer interessierte sich denn bei dem Kram wirklich um das DREH-BUCH? Und am Ende wird geheiratet – oder was? Blödsinn… Es war für sie schon schwer genug die SACHEN überhaupt zu tun. Spielte der Rest dann überhaupt eine Rolle? Gut, dann war sie eben nicht professionell bei der Aufnahme gewesen und war sich nicht über die unmöglichen FOLGEN klar gewesen. Na und? War das denn in dem Fall nicht etwas Gutes kein Profi zu sein? Sie wollte es nur hinter sich bringen. Und die Stimmung am Set war gut gewesen… Und die Menschen freundlich…

Der Film zeigt nun einmal nicht die Wirklichkeit, nicht das was geschehen ist. Der Film entsteht eben erst im Schnitt. Wenn man das weiß, kann man keinem Schauspieler – und das war sie doch gewesen – einen Vorwurf machen.

 

Und der Markt verlangt nun einmal nach neuen Dingen. Und diese Produktion war bei Gott nicht die einzige, die nach dem Fall Natascha Kampusch mit den Vorstellungen der Männer spielte, was all diese Jahre in diesem Kellergefängnis wohl geschehen ist. Gewalt in sexuellen Filmen ist ohnehin ein wichtiges Thema und darüber gehört viel mehr gesprochen, als über sie und ihre Rolle. Es macht eh keinen Sinn die ganze Schuld bei ihr und ihrer fiktiven Figur abzuladen. Sie hatte es nur der Geldes wegen gemacht und ja VERDAMMT, heute würde sie das auch nicht mehr machen, nur damals… Da…  Da hatte sie keine andere Hoffnung. Hatte nichts gelernt. Nichts gehabt. Niemanden… Was hätte sie denn machen sollen? Nein, nun wirklich! Was hätte sie denn machen sollen?

 

Ab da war sie immer die Frau geblieben, die auf den Kampusch-Zug aufgesprungen ist. Die die Situation, die Qualen der armen Frau ausgenutzt hatte. Sie wurde zu der, die sich daran bereichert hatte. Aber wie bitteschön sieht denn diese BEREICHERUNG aus? War es denn in Wahrheit denn nicht so, dass diese Geschichte, diese Geschichte von dem entführten und entkommenen Mädchen und die Geschichte von ihr, der jungen Frau der keine andere Möglichkeit blieb und das nachzustellen hatte, was sich der Regisseur und der Drehbuchautor ausdachten, dass das doch eigentlich die gleiche Geschichte ist, die immer gleiche Geschichte davon, dass Frauen von Männern unterdrückt werden damit diese, und alle Männer die davon hören, ihre Phantasien ausleben können und damit Frauen entwürdigen und unterdrücken?… Wer hat denn eine Wahl? Wer hat denn ein gutes Elternhaus? Wer wird geliebt? Und wer geht denn nicht unter aller Augen verloren? Und warum muss das immer wieder und wieder so sein? Und wieso tut niemand etwas dagegen? Weshalb bezahlen die Leute sogar Geld dafür? Bis sie dich auf Youporn gar nicht mehr wahrnehmen zwischen all den Leibern und Grimassen, zwischen all den Karikaturen ihrer selbst. Mit Stolz hat das gar nichts zu tun… Wer nicht in dieser Situation ist, weiß gar nicht was Stolz und Würde ist. Wie kann man nur über sie urteilen, nachdem sie das durchgemacht hat?

 

Der Sturm hat sich gelegt. Die Medien mit ihrer scheinheiligen Moral sind woanders hingezogen. Neues Drama. Neues Leid. Neue, unverbrauchte Gesichter. Und objektiv betrachtet war ihre Woche Ruhm im Rückspiegel der unendlich gigantischen Medienmaschinerie keine große Sache. Nicht einmal eine Randnotiz. Für eine Frau auf sich alleine gestellt, kam es einer Exekution gleich. Dieses Signum geht nie wieder weg.

Du bist was du getan hast. Und in einer Welt in der nichts mehr vergessen wird, bist du gut beraten, so zu sein wie alle anderen auch. Die auf andere zeigen. Und selbst niemand sind.

Terror-TV

Am vergangenen Abend war Terror-TV angesagt. Wir hatten uns um die Flimmerkiste versammelt, in Gruppen, wie früher zu den besten Zeiten von „Wetten dass?…“ Oder noch ein wenig früher zu „epochalen Ereignissen“ wie der Mondlandung. Oder ein wenig dümmer. Wie ein Boxkampf von Muhammed Ali.

Die großen Gesellschaftlichen Echtzeitereignisse die wirklich fesseln sind nicht mehr Sportevents, denn von denen bekommt man dank Public-Viewing und Biergrölender Bierseeligkeit nicht wirklich etwas mit, nein, es sind die Echt-Zeit-Terrorevents, wie damals bei der letzten Love Parade, wo man auch in Echtzeit im Stream zusehen konnte, bei denen man sich erschrocken an wackelige Bilder klammert, um zu verstehen, was da los ist. Und nur noch verwirrter ist als zuvor.

Mein Gastgeber gestern wollte das auf N 24 sehen, eine ganz furchtbare Wahl, ständig wurde nur Panik gemacht, eine Mutmaßung musste schlimmer als die vorherige sein und unablässig wurden vom Sender Schüssen im Hintergrund abgespielt, auch wenn gar kein Video mit Schüssen gezeigt wurde. Ganz furchtbar schlimm und reißerisch das Ganze.

Neben mir eine schwangere Freundin aus München, die gerade zufällig bei uns war; das machte die Stimmung irgendwie gedrückter: In so eine Welt willst du ein Kind bekommen?

Nachrichten wurden verschickt: „Geht es dir gut?“ „Ja. Alles klar.“

Obwohl gar nichts klar war.

Außer. Dass die Bilder aus dem Fernsehen viel zu dramatisch, viel zu drastisch waren. Das musste Angst machen – und ich bin vor ein paar Tagen genau deswegen dafür eingetreten, nicht mehr Bilder von Täter und Opfern – außer es hilft den Ermittlungen – so unverblümt zu zeigen. Das Terror-TV hält uns in seinem Schwitzkasten gefangen, nur so hat dieses Medium noch die Ultimative Relevanz, die es vor dem Internet hatte.

Ja, es sollte nichts VERHEIMLICHT werden. Das verlangt ja auch keiner. Aber der Terror ist eine Krankheit, die sich ohne Schranken über Bildschirme verbreitet. Muss man sich denn so hartnäckig anstecken lassen wollen, wenn man ein paar Infos will? Geht es denn nicht ne Nummer humaner?

 

Auch das Internet zeigte sich mal wieder von seiner zersetzenden Seite. 95 Prozent der Informationen waren Desinformationen, Verwirrungen, Mutmaßungen, die einen Tag später kaum etwas mit der Wahrheit zu hatten. Hysterie Allerorts. Und wir zogen uns jede ach so noch kleine Information wie Junkies rein.

Was hat das mit uns zu tun?

Was mit der Zukunft?

Was mit der Gesellschaft?

Der Familienvater machte sehr schnell seine eindeutige Meinung klar. Und in solchen Minuten der Unklarheit ist es schwer ihm und seiner ablehnenden, rassistischen Meinung zu widersprechen. Wenn man immer wieder das Video von einem Kerl im roten Tshirt sieht, der von dem Schützen davonläuft und später mit Decke überm Kopf totgeschossen dalag. (Und ich fragte mich, was die Angehörigen dieses Menschen jetzt wohl denken müssen. Wie grausam menschenverachtend diese Unterhaltungsindustrie ist, die immer wieder und wieder und wieder diese Geschichte dieser misslungen Flucht erzählt).

 

Hätte man den Amoklauf verhindert, hätte man den Axt-Mörder nicht, wie es natürlich die BILD-Zeitung gemacht hat, zum Rockstar hoch gejazzt? Hätte dann vielleicht nicht das letzte Vorbild für den Wahnsinn gefehlt und hätte der Mörder dann nicht angefangen um sich zu schießen? Ist denn nicht gerade der Journalismus wortwörtlich die 4te GEWALT?

 

Den einzig guten Kommentar gab wohl die unverblümte Sprache des Münchners ab, der auf den feigen kleinen Niemand, den Mörder einschrie:

 

Am Ende ist der beste Ernstfall eingetreten, nicht für die Toten, nicht für die Verletzten und auch nicht für die Traumatisierten. Doch es war keine Terrorgruppe. Sondern einfach nur ein verlorenes Schaf, ein Loser, der den, der ihn ihm Video beschimpft sogar noch: Siezt.

Keine Aufmerksamkeit für Mörder

Hätte ich die Macht, würde ich die Berichterstattung über Terrorismus grundlegend ändern. Ich würde, ganz im Gegenzug zur Blöd-Zeitung

 

es verbieten Gesichter von Terroristen abzubilden. Auch nicht die konkreten Opferzahlen. Ganz einfach um potentiellen Nachahmern kein Seelen-Futter zu geben, so dass sie keinen hasserfüllten Bodycount übertreffen wollen, damit sich nicht jeder Depp denken kann „Ach ja, was für ein Milchbubi, doch der hat auch 4 Leute mit in den Tod gerissen, dann werde ich das wohl auch schaffen.“

 

Die Berichterstattung erzeugt erst Opfer und Märtyrer, je nach Blickwinkel. Denn wen keiner kennt, den fürchtet auch keiner.

 

Keine Ahnung wie es euch geht. Ich brauche keine Homestorys über Loser die andere Menschen aus der Sicherheit ihres Lebens oder gleich ganz in den Tod gerissen haben. Zwar will ich verstehen warum diese Menschen taten was sie glaubten tun zu müssen, aufgeilen am Horror des Versagertums will ich mich aber nicht. Und wann sagt die Berichterstattung denn einmal nicht, dass nicht der Einzelne schuld war, sondern wir? Das große Ganze? Es ist doch immer das Gleiche.

Keine Fotos von Mördern mehr und schon sieht der Mann neben dir, der vielleicht eine ähnliche Herkunft hat wie der Feigling, der glaubte etwas Besseres zu sein, auch gar nicht mehr so furchteinflößend aus. Keine Opferzahlen und kein Überbieten mehr an Tod. Weniger Drama Baby.

Die Norweger haben es doch mit ihrer Berichterstattung über Anders Breivik vorgemacht.

 

Ausdrücke wie „Katastrophe“ oder „Massaker“ drücken Angst aus – und Schwäche. Beides wird gegen uns ausgelegt.

Putsch und Pokemon

Am vergangenen Nachmittag spazierte ich mit meiner Freundin durch unsere kleine Stadt, wir waren auf der Suche nach Pokemon. Ein schöner Sommer-Nachmittag. Das war einen Tag nach  dem Mordanschlag in Nizza und Stunden bevor es in Istanbul zu einem Putsch gegen die Regierung kam, ebenfalls mit vielen Toten. Beides wird Terrorismus genannt – und wir sammeln Pokemon.

Von der Geschichte in Istanbul habe ich heute morgen erfahren, als ich aus dem Bett schlüpfte und auf die Toilette ging, ein Freund hatte mir es bei Whatsapp geschrieben. Natürlich war nicht mehr daran zu denken wieder ins Bett zu gehen und schlafen. Istanbul geht uns alle an. Besonders, weil ein Bekannter von mir dort Urlaub macht. Außerdem liegt der Bosporus gefühlt direkt vor meiner Haustüre, so eng ist Europa inzwischen zusammengerückt.

Nizza… War eine große Tragödie. An Tragödien in Frankreich, deren ein terroristischer Auslöser nachgesagt wird, hat man sich schnell gewöhnt. Ja wirklich. Zwar ist die Anteilnahme groß, die Franzosen sind im Moment wirklich arme Schweine, Istanbul jedoch ist neuer, aufregender, spannender. Tut mir leid, so ist da nun einmal. Wenn der Stressspiegel der Bevölkerung durch „Eilmeldungen“ der 5ten Macht ständig hochgehalten wird. „Spiegel“, „Bild“, „Zeit“ und all die anderen „Onlines“ machen den ganzen Tag nichts anderes.

Es hört ja auch gar nicht mehr aus. Seit der Ukraine scheint ständig etwas zu sein. Syrien. Terrorismus. Anschläge auf der ganzen Welt. Tote. Demonstrationen, dafür oder dagegen, so auch bei dem Putschversuch gestern. Unvermittelt schaut man fast schon aus dem Fenster, ob das Nachbarhaus nicht schon in Flammen steht, oder ob nebenan auch wirklich „black lives matters“. Es macht einen wahnsinnig dieses ständige Bombardement mit Schreckens- und Panikmeldungen. Wie soll man, nein, wie DARF man da noch ruhig schlafen? Es geht uns doch ALLE etwas an! Sicher? Schließlich war ich gestern nur Pokemon jagen…

 

Sogar hier in der Kleinstadt trafen wir kleine Grüppchen von jungen Leuten und die gerne als Junggebliebenen Genannten. Die einen sind voll dabei, die anderen grinsen ironisch, schamhaft berührt über so viel Unsinn „virtuelle Monster jagen“, aber es macht Spaß und deswegen sind sie trotzdem dabei. Was spricht dagegen Spaß zu haben?

Öffnet man Facebook sieht man sofort tausend Gründe, weshalb es fast schon eine Sünde ist in diesen Zeiten zu lachen. Freunde teilen Videos „pro Russland“, da sie gegen die USA sind, oder umgekehrt. Der Informationskrieg ist im vollen Gange  und irgendwie musst du dabei sein, irgendeine Haltung MUSST du an den Tag legen, sonst bist du draußen, sonst bist du nicht in der Gegenwart angekommen, sonst bist du ein Niemand, der sich Fremdbestimmen lässt. Dein Leben ist doch nur der Spielball der Mächtigen! Willst du das zulassen? Schließlich ist die Frage „ob wir einen neuen kalten Krieg wollen oder nicht“ an Lächerlichkeit kaum zu überbieten: Wir stecken schon lange mittendrin.

Und du gehst PO-KE-MON JAGEN!??

 

Ja, ich werde auch heute wieder ein paar von den Viechern catchen, wenn auch nicht alle. Ich halte das sogar für ziemlich vernünftig, anstatt in Angst darüber zu leben, was in der Türkei, in Frankreich, in den USA, in der Ukraine, in Syrien oder bei uns passiert oder geschehen könnte. Denn ich sehe es nicht ein mein Leben dadurch einengen zu lassen. Ich beteilige mich nicht an der Panik dieser für mich virtuellen Kriege, die, das ja auch sind. Trotz der Toten. Trotz dem Leid. Trotz den Verwundeten und Krüppeln. Wusstet ihr dass es in der Türkei seit 1960 schon vier Putsch-Versuche gab? Hat euch das früher interessiert, als die Türkei noch weit weg war und uns nun eingeredet wird, die Türkei ist 10 Kilometer entfernt? Und ist euch klar, dass es  in Deutschland (trotz all dem Nachrichten-Terror, der einen suggeriert dass man immer und überall von einem Terroristen getötet werden könnte) wahrscheinlicher ist von einem Blitz erschlagen zu werden als Opfer einer Terroristen Attacke? Und ist euch nicht klar dass es vollkommen scheißegal ist ob ihr kleinen Niemande pro Putin oder pro Obama seid oder (was ich am vernünftigsten halte) alle beide Staatenlenker als Mörder verurteilt, solange ihr nur vorgefertigte Info-Krieg-Videos einer Großmacht teilt und ihr somit nur die Meinung von anderen wiedergebt und selbst dann, wenn diese Meinung zu der euren geworden ist, nichts verändert, nichts unternommen habt und weder klüger oder besser seid als jeder andere, dem Politik am Arsch vorbeigeht?

 

Vor ein, zwei Jahren habe ich in meinem damaligen Blog noch mehr „Haltung“ gefordert, heute sieht man überall Entartungen dieses Wunsches, so als ob „Haltung“ im Inneren oder auf Faecbook etwas ändern würde, denn tatsächlich nimmt man diese „Haltung“ nur in virtuellen Räumen an, und wird Teil von virtuellen Informationskriegen, wird Soldat von irgendeinem Blödsinn, für oder gegen etwas ist im Prinzip egal. Hauptsache man ist dabei. Hauptsache man kann mitreden und sich klüger oder besser informiert fühlen als das Gegenüber; die Frage ob dies überhaupt noch möglich ist wird gar nicht mehr gestellt. Überall sieht man geteilte Bilder deren Urheber ich nicht kenne, keine eigenen Gedanken. Überall sind Feinde, allgegenwärtig scheint der Tod.

 

Ich finde virtuelle Pokemon draußen auf einer echten Straße zu suchen vernünftiger, als sich echte Angst und Panik durch virtuelle Wahrheiten aus dem Internet ins Gehirn herunterzuladen. Denn die Welt mag zwar durch die Globalisierung näher zusammengerutscht sein, ja. Doch eines ist sie nicht: Die Welt wird nicht kleiner geworden. Lasst euch das nicht einreden. Wir haben ja nicht ohne Grund über die Phrase gelacht, dass „unsere Freiheit jetzt am Hindukusch verteidigt wird“. Denn neben dem Lachen war die beste Frage die damaligen Unwissenheit die mit „Am was?“ ausgedrückt wurde.

 

Das soll natürlich nicht bedeuten, dass ich jetzt zu einer kollektiven Ignoranz aufrufen will. Bleibt informiert! Doch nur von echten Informationen, nicht von Wortfetzen, sei es von einem Zusammengeschnittenen Video wo euch ein Typ den ihr niemals vorher gesehen habt und über den ihr nichts wisst,  genau das sagt, was in euer Weltbild passt und ihr es deshalb als „Wahrheit“ erachtet, oder auch nicht vom freundlichen „Tagesschau“- oder „Heute“-Sprecher, der liebe Onkel, dem man ja vertrauen kann, weil er euch tagtäglich die Welt erklärt, mit einer Realität passend zur Eigenheimfinanzierung.

Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass es angenehm ist sich nur die Informationen herauszusuchen die einem gefallen, die einem die eigene Denke bestätigen und die dir ein gutes Gefühl geben – gerade auch, wenn sie einem eine schlechte Weltsicht vermitteln (denn man hat es ja als fast schon einziger schon lange kommen sehen). Aber es reicht einfach nicht sich nach dem Mund reden zu lassen und dem anderen darüber gar nicht mehr zuzuhören. Ja. Das ist anstrengend. Gerade in einer Welt in der so viele falsche Informationen so schnell abrufbar sind. Ja. Das ist kompliziert. Und nein. Ich weiß auch nicht alles besser: Doch ich habe wenigstens gelernt nicht zu jedem Thema sofort meine unnütze Meinung abzugeben. Lasst euch einfach Zeit für eure Haltung und werft die dann vielleicht auch mal öffentlich über den Haufen wenn ihr merkt, dass ihr vielleicht doch falsch liegt. Ich weiß. Das ist peinlich. Nur ist es besser als sich immer tiefer in irgendwelchen Unsinn zu verfangen, nur weil man einmal auf der Schiene ist.

Ich werde ja auch nicht ewig Pokemon sammeln. Das wäre genauso peinlich.