Veranstaltungskalender für das bayrische Umland

Hier ein permanent Tipp: So schnell wie möglich weg vom Land und ab in die Stadt. Schluss mit Volksmusik, Dorf-Festen und damit jeglicher Form von „langhaariger Musik“ ala „Mission Rock´n Roll“ bei der nur alte, langweilige Greise auf der Bühne stehen (die von mir aus auch tolle Musiker sind, nur eben so was von vorgestern, dass sogar Papa sich dafür schämt), die die Musik ihrer Jugend spielen.

Nein.

Geht dahin, wo EURE Musik läuft.

Junge Leute, fahrt auch regelmäßig in die Stadt und nehmt lieber den Clash der Kulturen auf euch, als in der Großstadt zu versauern oder auf dem Land zu verwesen. Immer schön in Bewegung bleiben, besonders in der geistigen. Wie wäre es denn mit Tocotronic am Samstag? 😉

 

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Kleinstadt

Tja. In der Stadt sieht man überall „coole“ gangsta tags oder Graffitis.

Bei uns auf dem Land geht man ein wenig straighter und sagen wir… einfacher an die Geschichte heran 🙂

Bei uns schreibt man  – die Metaebene übergehend – „Wir sind cool“ an freie Flächen.

So sind wir halt, nicht gerade kreativ, doch irgendwie lustig und dabei niedlich 😀

Und ja, NIEMAND ist cool der sich selbst als solches bezeichnet…

Steht mit einer Faust

Es gibt Tage an denen mich die Ländliche Dummheit die mich umgibt totalst bedrückt. Kaum stellt man so eine Feststellung in den Raum kommt immer das gleiche Gegenargument: „Aber du.“ Was so viel bedeutet: „Du hältst dich im Gegensatz zu uns für besonders schlau.“ Was natürlich ebenfalls totalster Blödsinn ist, denn wenn man sich über die Blödness von anderen mokiert, bedeutet es nicht, dass man sich selbst für so besonders toll hält, sondern nur: Das andere Leute sich einfach wie Idioten verhalten. Und das ist nun einmal Tatsache. Genauso wie es eine Tatsache ist, dass das bloße Erkennen der Dummheit von anderen nicht automatisch besonders klug ist, sondern aufmerksam, nein, eher Anstrengung, da es anstrengend ist von Deppen umgeben zu sein, die man ja sehr gern hat.
Jeder hat seine Dummheit. Und ich selbst strenge auch an. Besonders mich selbst.

So ein Blog macht auch aus jedem einen gläsernen Menschen. Ganz besonders sogar, wenn man mit der eigenen Biografie und Überzeugungen spielt, weswegen man dann doch in Schubladen gesteckt wird, in die man gar nicht reinpasst, womit das mit dem „gläsernen Menschen“ nur zum Teil stimmt. Und mir ist durchaus bewusst, dass hier Leute mitlesen, die mich kennen und die ich nicht dazu eingeladen habe hier herum zu hängen. Trotzdem (oder gerade deswegen) werde ich weder meine Art noch meinen Stil ändern. Mir ist klar dass „die Leute“ reden; was überhaupt nichts mit „Reden“ an sich zu tun hat, sondern mit „verurteilen“. Ich weiß dass, weil ich es selbst auch mache. Und. Es ist mir egal ob ihr euch euer Maul zerreißt. Das ist nun mal so wenn man Dinge von sich preisgibt: Man wird angreifbar.
Wer mir etwas zu sagen hat soll das tun, auch hinter meinem Rücken. Über mich. Dann tut es. Wie ihr wollt. Ihr Feiglinge. Und Idioten. Denn ich stehe lieber mit einer Faust, als mit der Hand vor dem Mund zu tuscheln.
Ihr widert mich an.

Der Text zur Nacht – Prolog (Teil 1 von 2) Saufbuden

Am Anfang war der Alkohol. Damit begann es. Zuvor war ich ein normaler Jugendlicher, wüst und leer. Ich hatte keinen Plan vom Leben, keine Vision, keine Clique, keine Freundin; in diesen Tagen nicht einmal eine funktionierende Familie. Meine Mutter war… fort. Und Vater hatte kein Interesse an mir und wenn er es doch gehabt hatte, besaß er nicht die Kraft davon Gebrauch zu machen.
Was man vielleicht dazu sagen muss um mich zu verstehen ist die Tatsache, dass ich vom Land komme, immer weit entfernt war vom Puls der Zeit, aufgewachsen in einem Ort, in dem es keine Umbrüche gab, sondern nur gesellschaftliche Regeln. Alkohol wurde in diesem Regelwerk zwar als Problem angesehen – jedoch auch als die Lösung. Das Trinken war normal, so normal sogar, dass man schief angesehen wurde, wenn man als Erwachsener nicht trank.
Die Geschichte zur Nacht begann in der Mitte der Neunziger Jahre, nicht an einem bestimmten Tag, nicht einmal in einem bestimmten Leben.

Während in Berlin durch eine merkwürdige Musik namens „Tekkno“ das Land emotional wiedervereint wurde, herrschte bei uns noch immer die Langhaarige Musik der Rockbands vor. „Tekkno“, das war etwas Fremdartiges für uns. Drogenmusik. Affenmusik. Musik für Dumme. Kalt. Urban. Sinnlos. Und dass ausgerechnet Scooter von den Medien als großer Techno-Hype verkauft wurden, half uns auch nicht gerade um mit der neuen Bewegung warm zu werden. Warum auch? Wir hatten doch uns. Die Rockmusik. Die Onkelz. Und den Alkohol.

Ich kann mich nicht mehr an mein erstes Bier erinnern. Auch nicht an meine erste Zigarette. Oder meine erste Ecstasy-Tablette.… Vielleicht bin ich überhaupt nicht gut daran mich an überhaupt etwas zu erinnern. Doch wenn ich die Augen schließe. Ganz still werde. Habe ich das Gefühl die Luft der Vergangenheit atmen zu können.

In der Zeit in der meine Geschichte beginnt, gab es bei uns auf dem Land keine wirklichen Jugendzentren. Schließlich gab es auch keinen Vandalismus oder eine andere Form von Jugendgewalt, wieso also hätte man sich groß um uns kümmern sollen? Denn wer nicht auffällt, dem geht es doch gut, oder? In meiner Jugendzeit (und zu meinem Erschrecken musste ich erfahren, dass das heute in den Käffern noch immer so ist) gab es Bauwagen und Buden in denen sich die Jugendlichen abseits der Ortschaft (Kleinstadt oder Dorf) trafen um zusammenzusitzen – und zu saufen. „Saufbuden“, anders kann man das nicht bezeichnen (auch wenn das natürlich schön geredet wird um sich der elterlichen Verantwortung durch Anwesenheit zu entziehen), die mit einem ratternden Aggregat versorgt wurden, dass ebenso oft nachgefüllt werden musste, wie unsere Gläser.
Da hockten dann sechs bis 7 Kerle zwischen 15 und 18 Jahren zusammen, hörten Musik, spielten Karten oder würfelten die Kneipenspiele ihrer Väter, und soffen. Auf eine gewisse Art machten sie dass, was kleine Kinder auch machen: Sie spielten die Gewohnheiten der Erwachsenen nach, ihrer Eltern, die Vorbilder waren, ohne sich dessen wahrscheinlich überhaupt klar zu sein. Man beginnt mit Bier und es endet immer im Schnaps, so wie bei jeder anständigen Beerdigung. So wie bei den richtigen, echten Erwachsenen, gestandene Männer, die mit beiden Beinen fest im Leben stehen. „Alkohol macht einen Mann aus dir“, ein Credo, was man nicht wirklich aussprechen musste. Es war mehr so eine Art Konsens. Denn es stimmt ja auch, denn so wie ein betrunkener Erwachsener wieder zum Kind wird, wird ein betrunkenes Kind auch zu einem Erwachsenen: Im Rausch gibt es keine Unterschiede. Wir lernten das recht schnell. Und es gab uns Halt die Schablonen unserer „Vorbilder“ zu benutzen.

Der Alkohol machte einen locker und fröhlich, half einem die Schmerzen zu vergessen, die nur die Pubertierenden kennen. Und Alkohol macht gesellig. Aus schlechten Witzen gute. Er hat sogar die Fähigkeit aus völlig Fremden, gute Zuhörer, ja, sogar eine Form von Freunden zu destillieren. Was davon mit „Wahrheit“ zu tun hat, hängt von jedem einzelnen ab. „Wahrheit“ ist ohnehin ein großes Thema für Betrunkene, besonders für betrunkene Jugendliche. Logisch, dass der Alkohol einem das Gefühl gibt im unklarsten Zustand über die wichtigsten Dinge des Lebens philosophieren zu können, nicht weil man dann klüger wäre, sondern da man weniger Angst und Scham davor hat, seine Meinung zu sagen. Vielleicht half es auch mit der Wahrheitsfindung, dass damals kaum Mädchen da waren. Ich weiß nicht.… Ich weiß nur, dass ich damals so um die 15 Jahre alt war, natürlich noch nicht wusste wer ich bin, doch umso inständiger darauf pochte zu wissen, wer ich sei (nur nicht einmal ansatzweise wusste, wer ich seien wollte). Im Prinzip plapperte ich wie jeder 15 Jährige mehr oder weniger das nach, was mein Umfeld mir vorgab. Dass Einzige was meinen Charakter auszeichnete, war die Auswahl des Nachgeplapperten. Und dass ich gut Saufen konnte.
Meine Einstiegsdroge war der Alkohol – und zu meiner Zeit gab es auch keine anderen. Wahrscheinlich ist das sogar noch heute so. Wo man im Supermarkt neben Dosen Ravioli und Schampon ganz selbstverständlich und ohne schiefe Blicke eine billige Flasche 0,75 Liter Wodka auf das Förderband stellen kann. Und hey, es war eine tolle Zeit. Und niemand sprach von „Gefahren“. Von Sucht. Von Schäden. Drogen waren eine Form von bösem Geheimnis, die nur schlechtes mit dir anstellen, ein Chamäleon, wie böse Figuren in den verschiedensten Märchen, deren Rolle und Auftreten klar definiert sind, von denen man aber nicht weiß, was sie genau antreibt und wie sie funktionieren. Nein. Drogen sind böse, sie machen dich kaputt. Alkohol ist gut… Klar ist der gut! Wie könnten wir sonst so viel Spaß zusammenhaben? Wie sollte etwas was uns so viel Spaß bereitete schädlich für uns sein? Nur alleine durfte man nicht trinken, denn dann hatte man ein GROßES Problem… So einfach war das.

Ich war kein Teil dieser Clique. Als ich 15 Jahre alt war, hatte ich überhaupt keine Clique. Scheiße, ich war so alleine, ich wäre auch in ne Jugendgang eingetreten oder hätte Penner angezündet, nur um irgendwo dazuzugehören – und ich bin mir sicher, ganz egal wo ich hingekommen wäre: Es hätte sich alleine durch die Beachtung und Zuneigung von anderen RICHTIG angefühlt. Reflektieren war damals nicht angesagt und natürlich ist mir die Zeit heute sehr peinlich. Denn ich hing damals mit richtigen Bauern herum. Echten Kindern von Landwirten, die ungebildet und roh waren, wenn auch nicht arm. Diese ganze eigene Art von dörflicher Dummheit, die damals von Eltern an Kinder weitergegeben wurde, wo man noch über Ausländer lachte und über BMWs philosophierte. Weiß Gott wie es heute ist!… Na ja. Es gibt jetzt ja inzwischen zum Glück überall das Internet.…
Doch dieser ganze Unsinn störte mich nicht. Das waren keine „schlechten Typen“. Das waren einfach nur Franze und Tom und Ge-Ge und wie wir uns damals nannten. Und auch wenn wir nichts miteinander gemein hatten bis auf das Klirren der Gläser wenn wir anstießen, so reichte uns das.

Wir kamen uns männlich vor und hörten die Musik unserer großen Brüder (und Schwestern), hörten Metallica, Guns and Roses oder ACDC – und natürlich die Böhsen Onkelz. Vielleicht noch die Stones oder wenn wir es melancholisch wollten Joe Cocker oder Westernhagen. Nur männlich musste es sein. So als wären wir Gefäße, in welche wir uns gegenseitig das Testosteron kippten.
Die Welt schien klar definiert. Und wir tranken nicht gegen sie an. Wir tranken mit ihr.

Bis Westbam eines Tages sagte: „Es werde Licht.“

„Sonic Empire“ kam aus den Boxen. Irgendwer hatte es mitgebracht.
„Was ischn dees?“

Die kleinen Nazis

Bei schönem Wetter kann man bei uns die Berge sehen. Seltsamerweise war das auch heute möglich. Ich vergesse das ja immer wieder, das mit dem Bergen. Da bin ich dann immer total beeindruckt, wie riesig diese Dinger am Firmament stehen, nicht wirklich bedrohlich, doch sehr monomental und Raumeinnehmend. Und ich frage mich jedes Mal wieder, warum man die sonst nicht sehen kann, so total stehen die da, und was man denn sonst so nicht sehen kann was, mit dem biblischen Balken vor den Augen, was mir da so alles entgeht, obwohl es doch so offensichtlich ist…

Meine ersten Weggeherfahrungen waren nicht die Cola-Disco als Noch-Fast-Kind (gud, da war ich auch einmal…), sondern der Besuch einer Bauwagen-Clique im Nachbarsdorf. Hier trifft das Bayern-Klischee vollkommen zu:
Da wird gesoffen bis man umfällt. Viel zu jung (damals schon) und oft auch nur im Kreise von Kerlen – obwohl – Mädchen kamen später dazu; wo sollten die auch sonst hingehen? Es gab ja nichts wohin man mit 15, 16 Jahren gehen konnte. Jugendprogramme gab es bei uns auf dem Land nicht.
Diese Bauwagen-Geschichte ist einem später immer ein wenig peinlich, doch es ist nun mal der Ort, wo das mit dem großen Feiern begann und während es mich später in die Großstädte mit ihren Clubs zog, blieben meine alten und gern vergessenen Kameraden auf dem Land. Zu denen habe ich heute überhaupt keinen Kontakt mehr, warum auch? Jedoch kann ich mir nicht vorstellen, nein, ich will mir gar nicht vorstellen wie es wohl ist, immer in diesen Saufbuden gefangen zu sein. Weil da die Freunde sind.

An die Bauwagen (war ja nicht nur einer) und Hütten hier in der Gegend habe ich gestern beim Lesen der Spex denken müssen, in der es einen brauchbaren Artikel über Rassismus gibt, wie er sich verändert hat, vom Aufmarschieren mit Glatze und Lonsdale-Klamotten mit Skin-Punk-Musik damals, bis heute, wo man einen Nazi nicht mehr an seiner Kleidung und den platten Parolen erkennen kann, da man heute auch mit Hoodie und Joint in der Babben rechts sein kann, gerade unter dem Aspekt: „Das wird man wohl noch sagen dürfen!!“ Wie gesagt, netter Artikel.

Der Bogen zum Bauwagen ist jetzt, dass damals in solchen Kreisen teilweise solches Gedankengut vertreten war. Da wurde jetzt nicht Hitler angebetet oder „der Gruߓ entrichtet, der Tenor in diesem pickligen Pre-Männerrunden war aber weites gehend klar. Das kam bestimmt aus der Dummheit der Jugend heraus und dass da viele einfach das Nachgeplappert haben, was andere (auch ihre Eltern) verzapften, deswegen sehe ich das tendenziell zwar kritisch, dabei noch nicht als tragisch. Der Mensch lebt um zu lernen und lieber überwindet man eine Phase und lernt daraus, als sein Leben lang in diesem Glauben zu verharren, dass die anderen (die Fremden) an allem schuld sind und neben Asylantenheimen mehr Straftaten passieren als anderswo in Deutschland (was nicht der Fall ist).
Meine Heimat ist aber bei grober Betrachtung immer noch genauso, wie sie in meiner Jugend war (was an sich nichts schlimmes ist, Deppen gibt es sogar mehr als genug in der Großstadt – wenn nicht sogar noch mehr als hier auf dem Land) und ich habe so meine Zweifel, ob bei uns genug für die Jugend gemacht wird, ob es nicht noch immer diese Knabenschaften mit Mofas gibt, die sich in ihrer Abgestumpftheit für die besseren Menschen halten – okay, es gibt ja auch die Linksdeppen, die in ihrem Marihuana-Wahn glauben, sie hätten die Weisheit gerade gedreht und in ihre Birnen geraucht; sind auch nicht viel besser.
Gerne würde ich einmal einen Abend mit diesen Jungs aus meiner Vergangenheit, aus denen fremde Männer wurden ein wenig quatschen, nur um zu sehen, was sie heute für eine Einstellung zu Rassismus (auch wenn sie ihn so vlt nicht nennen würden) oder Homosexualität usw. usf. haben. Wahrscheinlich würde ich viel über mich selbst lernen. Über meine eigenen Vorurteile.

Der Fremde in meinem Land

Sucht, und ihr werdet finden! Klopft an, und euch wird die Tür geöffnet!
Denn wer bittet, der bekommt. Wer sucht, der findet. Und wer anklopft, dem wird geöffnet.

So steht es im Lukas Evangelium. Klingt gut. Klingt richtig. Und es sollte auch so sein. Doch so ist es nicht. Die Medien sind voll davon, seien es die realen Fälle wie die Demonstration am Brandenburger Tor, die Lampedusa Katastrophe oder Formate wie „Auf der Flucht“ – und dieser Medienhype hat seinen Grund, denn es ist ein aktuelles Problem, dass gelöst werden muss. Dabei auch eine schwierige Debatte.

„Und wer klopft, dem wird geöffnet“.
Es wird ja nicht nur nett geklopft und nachgefragt, sondern die Menschen riskieren ihr Leben auf dem Weg nach Europa. Und wenn man die Bilder der Flüchtlinge sieht, kann man gar nicht anders als Pro Asyl sein, die menschlichen Schicksale vor Auge. Trotzdem muss ich bei dem Zusammenhang an die Szene aus „Herr Lehmann“ denken, fast die Schlussszene, als sie in der Westberliner Kneipe erfahren, dass die Berliner Mauer gefallen ist und jemand den dazu gehörigen Fernsehbeitrag nicht gerade jubilierend mit einem „Jetzt kommen die alle rüber…“ kommentiert.

„Die Würde des Menschen ist unantastbar“. Mit dieser Feststellung beginnt unser Grundgesetz, es ist aber auch eine Feststellung, die mich jedes Mal wieder vor die Frage stellt, was das ist, die Würde des Menschen? Für uns hier ist die Menschenwürde etwas vollkommen anderes als in Afrika, was mit der Kultur und dem technischen Standard zu tun hat. Dass ist kein „die-Menschen-sind-nicht-gleich“-Gerede, sondern Fakt, denn wer bei uns als arm gilt, wäre es in Nicht-Europa oder den USA noch lange nicht. Es gibt also verschiedene Realitäten und diese Realitäten zwingen Menschen zu unterschiedlichen Handlungen. Und gerade das ist das Verzwickte an „die Würde des Menschen ist unantastbar“, weil die Grundgesetzschreiber die Würde des Menschen an sich meinen (im Hinblick auf die Nazi-Greul, da bin ich mir sicher) und nicht die Würde der Deutschen – DIE eben gerade nicht. Das sollte man doch aus der Vergangenheit gelernt haben.

Wir Deutschen geben uns gern liberaler und fürsorglicher als andere Nationen. Das zeigt sich sowohl am Artenschutz (eigene Brücken für Fledermäuse, Tunnel für Frösche) oder mit unserer Toleranz anderen Religionen gegenüber, wo nur selten Kritik geübt wird, wofür das Dankeschön oft schnell ein Rassismus-Vorwurf an unsere Adresse ist, weswegen man dann bei solchen Problemen leider schnell wegsieht und Parallelgesellschaften aufkommen lässt. Die Rassismus-Keule wird meistens unbegründet und voreilig eingesetzt, weil man weiß, dass das unsere Schwäche ist. Das ist nun einmal so, und ganz egal wie blöd ich die Merkel in Wahrheit finde: Rassismus kann man ihr nicht vorwerfen.
Unsere Liberalität scheint uns schwach zu machen. Aber das stimmt nicht, so wohl im Guten als auch im Schlechten, wie unser Umgang mit Immigranten und Flüchtlingen zeigt. Es ist sogar noch viel Schlimmer: Die Deutschen wollen es RICHTIG machen. Man kann es aber nie Allen recht machen.
Wo schaut man nach wenn man es richtig machen will? Genau, in das Gesetzbuch. Zuerst natürlich einmal in das eigene. Und auch wenn unsere Gesetzbücher ziemlich aktuell gemacht wurden (im Gegensatz zum z.B. der Bibel oder dem Koran) sind sie nicht ganz auf die gegenwärtige Lage von Flüchtlingsströmen und einem vereinten Europa ausgelegt. Es wird also improvisiert – leider nicht nachgebessert. Und wenn die Politik zu improvisieren anfängt dann macht man das meistens (gerade im Merkel-Land) so, dass die Wähler das bekommen was sie wollen. Und die Flüchtlinge werden Notversorgt und wieder heimgeschickt. Die haben hier ja nichts zu melden.

Ich. Würde kein Flüchtling sein wollen. Ich. Sage es aber auch ganz ehrlich: Ich will die auch nicht alle hier haben. Das liegt daran weil ich meine, dass mit immer mehr Zuwanderung unser Lebensstandard hier sinkt und nach und nach unser System zusammenbricht, es sich verändert und wir genau die Freiheiten verlieren könnten, die uns so beliebt für Zuwanderung machen, dass wir, also das wir genau dass verlieren, was unsere Vorväter sich schwer erarbeitet haben, wofür sie teilweise gestorben sind (nein, nicht die Nazis 😛 ), denn es ist ja nicht so, dass Europa einfach aus dem Nichts zu dem Kontinent wurde, der er heute ist. Und natürlich darf man da auch nicht den Kolonialismus vergessen, den die europäischen Staaten betrieben haben. Das hat unseren Wohlstand befeuert. Aber man sollte auch nicht vergessen, wie lange das her ist. Ich kann ja auch nichts dafür, dass mein Opa in der Partei war.

Ich bin nicht dafür, dass Europa sich abschottet und die Welt sich selbst überlässt. Es gibt Gründe warum die Menschen ihre Heimat verlassen und daran muss gearbeitet und geholfen werden. Das bedeutet aber nicht dass wir jeden Flüchtling aufnehmen müssen. Denn auch wenn es uns viel, viel, viel besser geht: Wir haben keine Schuld daran, dass andere Länder sich Diktaturen leisten, die ihr eigenes Volk vertreiben. Natürlich haben wir eine Teilschuld – keine Frage – so ist das in einer globalisierten Welt. Wer Geschäfte mit Diktatoren macht, der macht sich mehr als nur die Hände schmutzig. Er ist Unterstützer. Doch es ist auch Realität, dass wir nicht die ganze Welt retten können (davon abgesehen, dass es in jedem Land immer verschiedene Strömungen gibt und „die Hilfe durch Krieg und weiche Mittel“ vieles oft nur verschlimmert, siehe Irak, Afghanistan oder die Staaten des arabischen Frühlings, wo danach auch nicht nur Friede, Freude, Eierkuchen angesagt ist).

Dabei verstehe ich sehr gut, dass die Menschen Angst vor Überfremdung haben, dass, was man bei uns gleich Rassismus nennt. Es ist doch ganz natürlich, dass Menschen, Familien, eher ein konservatives Weltbild haben und um das fürchten, was sie besitzen – ganz egal auf welchen Lebensstandard sie gerade sind. Würden jetzt tausende Deutsche in ein Dorf in Afrika gehen um dort zu leben, hätten die Afrikaner ebenso eine Angst vor Überfremdung und sähen ihren (geringen) Lebensstandard bedroht. Das kann man nicht vergleichen weil es uns so viel, viel, viel besser geht? Ich weiß nicht. Weiter:
Als damals der Streit über die Moscheen in Deutschland auf ihrem Höhepunkt war, argumentierten die Moschee-Gegner damit, dass man in der Türkei oder Saudi-Arabien auch nicht überall eine Kirche hinsetzen dürfte. Worauf die Pro Moschee Leute meinten, dass das Eine nichts mit dem Anderen zu tun hat, da Deutschland nun mal Deutschland sei und Saudi Arabien Saudi Arabien, und dass man dieses Argument nicht dauernd wiederholen solle, denn es wird dadurch nicht richtiger. „Wirklich?“ Diese Frage habe ich mir schon damals gestellt. Kann man das wirklich nicht vergleichen? Ja, wir geben uns hier liberaler und weltoffener als so mancher arabischer Staat, doch ist es deswegen automatisch falsch, wenn man von anderen das verlangt, was man selbst zugesteht? Oder ist das schon die Geschichte vom kleinen Finger und der ganzen Hand? Ich. Für mein Rechtsempfinden. Finde es schon okay wenn man sagt: Bei euch keine Kirchen, warum dann bei uns Moscheen? Eigentlich sollte der Vorwurf gar nicht gegen uns gehen, sondern gegen die Anderen, denn wer liberal genug ist andere Religionen bei sich von Grund auf als frei zu zulassen, gerade der sollte doch das Recht haben zu sagen: „Warum seid ihr so scheiße und rückwärtsgewandt, dass man das bei euch nicht darf?“ Und die Antwort darauf würde lauten, dass sie auch Angst vor Überfremdung haben. Es ist etwas ganz natürliches, da die Menschen um ihre Identität fürchten. Weniger um ihr zweites Auto. Integration bedeutet nun einmal Veränderung: Für den, der integriert aber auch für den der integriert wird. Totale Assimilation ist nun einmal kaum möglich. Und es ist zwangsläufig ein Geben und Nehmen.

Es ist ein wirklich schweres Thema und eigentlich bin ich noch total verpennt und an der einen oder anderen Stelle zu polemisch, möglich. Aber das sind nun mal Gedanken, für die ich mich nicht schäme, wenn ich sie beim flüchtigen Zeitung und Online lesen habe; zum Beispiel diese Demo vor dem Brandenburger Tor. Es ist wichtig dass es solche Demos gibt. Das denke ich mir sofort. Aber ich muss mich auch fragen, was für ein Recht dort eingeklagt wird. Ich komme ja auch nicht illegal in ein anderes Land und klage dort mein Bleiberecht ein und erpresse den Staat eines anderen Landes mit einem Hungerstreik; ja, die Not hat diese Menschen dazu getrieben so zu handeln, dennoch kann ich auf Erpressung nur mit Befremden reagieren.
Mit Befremden reagiere ich aber auch auf die Situation in Hamburg, wo in einer Art Rasterfahndung vermehrt schwarze Leute kontrolliert werden…
Gibt es ein „Richtig“ oder „Falsch“? Es geht wohl immer eher um Perspektiven und darum, wer wie betroffen ist und wer bereit ist was zu geben und wie viel davon.
Mehr als einmal habe ich schon erklärt, dass meiner Meinung nach die Deutschen als Volk nicht unbedingt erhalten bleiben müssen (weil es sie ja auch noch nicht so lange gibt), aber europäische Errungenschaften sollten nicht vergessen werden und zu viel Liberalität schadet auch dem Liberalen Gedanken von Freiheit und Gleichberechtigung. Akzeptanz ist eine Tür, die in zwei Richtungen schwingt. Und hinzubekommen, dass es bei der Geschichte nur Gewinner gibt, ist schwer bis unmöglich.

Lachen VS Berlin

Für sie war das einmal etwas Anderes. Ein Junggesellabschied in Berlin. Für Berlin war es natürlich nichts Neues. Die Beiden hatten schon nach kürzester Zeit ihre Freunde verloren, vorhin, auf der Fan-Meile, als Deutschland gegen Portugal gekickt hatte.
1: „Warum haben wir eigentlich keinen sympathischen Kapitän?“
2: „Gute Frage.“
1: „Ich meine, vorher der Ballack… Wer war davor?“
2: „Pf… Kein Plan… Matthäus?“
1: „Auch so ein Kandidat. Bei unseren Nationalteam Kapitänen wird vorher bestimmt ein Test gemacht, ob die Leute sympathisch sind. So ne Art Eignungstest. Wenn man dann durch den DURCHGEFALLEN ist, dann darf man Kapitän werden…“
2: „War der Völler nicht auch Kapitän?“
1: „Unsympathisch genug wäre er.“
2: „Dem würde ich auch mal gern Eine reinhauen…
1 (verächtlich): „Capitano…“
2: „Oh ja… Dem Klinsi würde ich auch gern mal Eine dröhnen… Moment mal? Wo sind wir hier eigentlich?“
Sie bleiben stehen und sehen sich um. Etwas hilflos.
2: „Hast du dein Smartphone mit?“
1: „Ne… Wir haben die Dinger doch extra heute weggelassen.“
2: „Aber du als Trauzeuge?“
1: „Lass uns noch ein Stück weiter gehen.“
2: „Mhm. Wie fandest du es denn auf der Fan-Meile?“
1: „Ganz ehrlich? Nicht so prickelnd. Da stehen lauter Affen rum die von Fußball keine Ahnung haben. Die total hirnlos besoffen in der Masse aufgehen wollen. Vom Spiel bekommt man ja eh kaum was mit.“
2: „Als das Tor gefallen ist fand ich das schon geil.“
1: „Das schon, ja. Aber insgesamt ist mir das zu debil. Im Stadion macht das schon Sinn. Aber auf ner Straße? Ist halt die Eventkultur in der wir leben.“
2: „Der Mensch will sich halt entgrenzen.“
1: „Das hast du aber schön gesagt… (Bleibt stehen) Du. Fragen wir mal den Herren da vorne.“
2: „Mhm.“

Der „Herr“ entpuppt sich als eine Gruppe von Homies, die mit schwer getagten Jacken, hängenden Hosen und Schultern an einer Ecke herumlungern.

1: „Entschuldigen sie? Könnten sie uns freundlicherweise sagen, wo hier die nächste U-Bahn-Station oder ein Taxistand wäre, bitteschön?“
Typ1: „Was seid ihr denn für ein Schwomo-Pärchen?“
1: „Wie meinen?“
Typ2 zeigt erst auf 2, dann auf 1: „Schwuchtel und Homo. Schwomo.“
2: „Sehr witzig (lacht sogar) Aber eigentlich bin ich Hans und er ist Peter.“ Grinst ermunternd.
Typ1: „Ihr seid Hans und Peter? Also Hans-Peter?“
Peter: „Das sind wir.“
Typ1, Typ2 und Typ3, lachen: „Muahaha!“ :)) „Hans-Peter!“ :))

Hans: „Und wer seid ihr wenn wir schon dabei sind?“
Typ1: „Ich bin Napalm. Das ist Keule. Und der ist der stille Ali.“
Hans: „Hui… Macht ihr Musik?“
Typ2: „Wir machen dir gleich Musik du Schwanzlutscher! Her mit den Kohlen! Und Handys!“
Peter (schüttelt lächelnd den Kopf): „Aber meine Herren… Wir haben kein Handy. Deswegen fragen wir doch nach dem Weg.“
Typ1: „HER MIT DEM GELD!!“
Typ3 lässt sein Springmesser blitzen.

Peter: „Du Hans…“
Hans: „Ja Peter?…“
Peter: „Ich glaube, die wollen uns ausrauben…“
Hans: „Eeeecht?“ Zu den Räubern: „Seid ihr so Ghetto-Verbrecher?“
Typ1: „Mann wir sind hier in BERLIN!!! Geld her! So läuft das hier!!!“
Hans: „Du hast Recht Peter. Die WOLLEN uns überfallen!“
Peter: „Echte Gangsta. Komm. Mach mal ein Foto! Das glauben die uns daheim nie!“
Hans: Klick.
Typ2 (baff): „Her mit dem Fotoapparat ihr Dorfschwuchteln! Verdammt noch mal… Wo haben sie euch Schpasten den rausgelassen?“
Peter: „Ich komme aus Sontheim. Hans aus Lachen. Und Spasten schreibt man ohne CH…“
Typ1: „Du kommst aus LACHEN Hans???“
Typ1, Typ2 und Typ3, lachen: „LAAACHEN!! Muahaha!“ :))
Typ2: „Okay meine zwei Dorfschwuchteln. Jetzt lasst mal die Kohlen rüberwachsen…“

Peter: „Das könnt ihr vergessen. Sontheimer Jungs stecken nicht zurück.“
Typ2: „Dann werden wir dem Sontheimer Junge mal zeigen, wie es in BÄÄRLIN! so abgeht!“

Wir müssen uns das jetzt mal vorstellen. Die beiden Landeier Hans und Peter (Mitte 20) treffen in einem dunklen Ortsteil diese Verbrecher, die schon mehr Leute abgezogen haben, als in Sontheim oder Lachen zusammen leben. Die drei Jungs sind „Legende“ auf den Straßen BÄRLINs. Coole Migranten, die gerne mal Einen durchziehen und ne Bitch klarmachen. Oder auch zwei. Sie stemmen Gewichte wie andere Menschen Bücher. Das ist die Soll-Seite.
Auf der Haben-Seite sind da Hans und Peter. Ein Trauzeuge und ein Bräutigam aus einer sehr ländlichen Gegend, wo sich nicht nur Fuchs und Hase „Gute Nacht“ sagen, sondern auch heimlich Atombombentests gemacht werden könnten, ohne das ein echter Mensch davon etwas mitbekommen würde.
Uns ist klar: Auf dem Land und in der Stadt – überall herrschen andere Gesetze.

Was nun passiert, geschieht schnell. Nach nur wenige Handgriffen, Tritten und Schwitzkästen liegen sie am Boden. Hans erklärte das Peter später so:
„Irgendwo war das ja auch klar. Ich meine. Ich habe mir erst die Serie „the wire“ angesehen. Da geht es um Polizei und so Drogenjunkies und Verkäufer, so von der Straße. Und weiß du. Diese Leute, die wirklich auf der Straße leben, die sind harte Knochen. Da geht es WIRKLICH um das Überleben. Die Typen aber da vorhin, die uns ausrauben wollten, denen geht es zu geht. Das waren keine Gangsta. Das waren Pseudo-Gangsta… Ich denke das liegt am Lebensstandard hier bei uns in Deutschland: Der ist einfach höher. Und umso höher der Lebensstandard, desto verweichlichter die Verbrecher.“
„Stimmt. Die Serie habe ich auch gesehen. Obdachlose bei uns sind normal nicht kriminell. Irgendwie kommen die schon durch bei unseren Sozialsystem. Mehr schlecht als recht, aber… Wenn man sich irgendwo melden kann, bekommt jeder Hartz-4.“
„Genau. In den Staaten ist das anders. Auf der Straße leben heißt da, wirklich um sein Leben kämpfen zu müssen. Deswegen hätten wir da echt Probleme haben können in so einer Situation, wenn es in den Staaten passiert wäre. Aber diese drei Flaschen da… Also die hätten bei uns keine einzige Bierzelt-Schlägerei überlebt…“
„Liegt vielleicht auch am Bildungsgrad. Bei uns in Bayern in die Schulbildung viel besser und anspruchsvoller.“
„Du meinst sie konnten nicht kämpfen, weil sie zu dumm waren?“
„Zu ungebildet.“
„Natürlich. Wir wollen hier doch keine Vorurteile schnüren.“
„… Also ein bisschen mehr hätte ich von denen schon erwartet. Nicht das ich mich schlagen wollte. Aber was tun sie denn so cool rum, wenn sie so schnell zu Boden gehen?“
„Vielleicht werden sie vom Sozialamt verzogen… Weil die nicht arbeiten gehen.“
„Arbeiten macht hart?“
„Immerhin macht Arbeiten ehrlich.“
„Du kannst ehrlich ganz schön zuschlagen.“
„Bin nicht stolz drauf. Ich kann auch ganz schön arbeiten…“
„Und wo ist jetzt ein Taxi?…“
„Komm. Wir fragen mal die Kerle da drüben. Die sehen ganz nett aus.“

Lachen