Bad Mum

In der Nacht ist sie mit ihren „alten“ Freundinnen unterwegs. Sie kennen sich seit bald 30 Jahren. Fast ihr ganzes Leben lang. Eigentlich waren sie Alle nie „Wooo!-Girls“ gewesen, doch das Herauskommen aus der Kindergärtlichen, Grundschulischen Tristesse machte sie dazu. Endlich konnten sie all das Fahren lassen, was sie sonst immer zu Räson brachte: „Wooo! Keine Kinder!“ Die Sekt-Gläser klirren aneinander: „Heute ist Kinderfrei! Woooo!“

Ständige, fürsorgliche  Liebe und ein gutes Vorbild-Sein ist anstrengend. Da braucht es hin und wieder… Sie weiß schon vorher, dass sie um spätestens 11 Uhr müden sein würde, da geht es den anderen ihrer Weiber aber auch nicht anders.

 

Früher – in einer Zeit bevor die Zahlen erfunden wurden und es demnach unmöglich ist, zurück zu rechnen, wie JUNG sie damals waren und wie viel Zeit vergangen ist – hatten sie doch auch die Nächte und Tage durchgemacht. Jedes Wochenende woanders. Frankfurt. München. Nürnberg. Würzburg. Manchmal auch Berlin. Kein Problem. Und waren sie heute denn nicht dass, was man heute eine MILF nannte? War das denn nicht ein Kompliment? Über 30 zu sein und immer noch potentiell erregend? Eine Hot-Mum? 30 ist heute doch kein Alter mehr. Auch, wenn sie das vor 10 Jahren selbst noch ganz anders sahen… Nein. Es liegt nicht an der Selbstwahrnehmung, und dass sie „nicht erwachsen werden“ wollten – dieses Prädikat haben die Kindsköpfigen Männer für sich gepachtet – DIE ZEITEN haben sich einfach verändert. So ist das doch. Und nicht anders. Wer hätte sich früher auch noch einen schwulen Außenminister und eine KanzlerIN vorstellen können? Und in dieser neuen Zeit, sind sie nicht mehr alt. Niemand ist mehr zu alt, wenn er sich nicht so fühlt. Oder man ist vielleicht über 40. Das sieht dann natürlich wieder ganz anders aus… Und die jungen Leute. Nun. Die sind halt einfach jünger, so wie sie schon seit 10 Jahren jünger waren.  Wen interessiert es? Und selber war man doch eigentlich blöd, dass man die alten Leute auf den Party immer schief ansah. Unreif war das. Und dumm.

 

Auf Sekt folgt Sekt. Folgt Bier. Folgt Wein-Schorle. Folgt ein Joint. Das war noch nie ein Problem. Heute natürlich auch nicht. Ist doch wie früher.

 

Nein, sie will nicht zu viel auf einmal. Und man muss das doch  verstehen: Auf was man die letzten Jahre, fast schon ein Jahrzehnt lang, verzichten musste! Immer Kind hier. Kind da. Und vorher die Schwangerschaft. Umzug. Vernunft. Erziehung. Jobwechsel. Teilzeit. Halbe Stelle – und die Kinder. Heute ist nun endlich heute. Und heute ist Kinderfrei; bei aller Liebe: „Woo!“

 

Sie tanzen sie, lachen, sie stoßen an. Bis ihr schlecht wird – das ist ja noch nie passiert. Wo kommt der denn jetzt her, der Helikopter im Kopf? Und alles dreht sich, dreht sich, dreht sich. „Ich weiß gar nicht woher das kommt“, murmelt sie noch zu ihren besten Freundinnen hin – und dann kotzt sie sich die Seele aus dem Leib. Lange. Laut. Und permanent. Nach einiger Zeit hat auch keine der besten Freundinnen mehr Lust ihre Haare zu halten oder sie aufzumuntern. Sie ist halt doch keine 20 mehr. Vielleicht fehlt es doch ein wenig an Training…

 

Währenddessen stehen die Freundinnen rauchend an der Seite und zucken mit den Schultern, tauschen Blicke und Wörter darüber, dass es doch wirklich ein jemand nervig ist, dass ihr das JEDES Mal passieren muss… Wenigstens einmal könnte sie sich doch vielleicht nicht übernehmen.

 

Inzwischen bricht und bricht sie weiter. All die Zeit hinfort die ihr durch die Kinder „verloren“ ging. All die Zeit, in der sie mehr Mutter als Frau war. Und sie bereut es inständig dass sie es heute wieder einmal ersucht hatte, keine Mutter von zwei „Kids“ zu sein, sondern eine Frau. Ihr war so unglaublich schlecht. Bitte lieber Gott…. Sie würde auch für immer eine gute Mutter bleiben… Wenn das nur endlich aufhört…

 

Guerilla: Hollywood kaputt streamen

Kevin. Ausgerechnet ein Kevin.

Das Gefühl von Eifersucht war mir schon immer fremd. Nicht da ich nie in Mädchen verliebt gewesen wäre, die mit jemand anderen zusammen war. Nein. Doch. Das kam sogar öfters vor. Doch ihre Liebe untereinander hatte ja nichts mit mir zu tun. Es war ihre Liebe, ihre Beziehung und ich wollte nie den Platz des bereits vorhandenen Freundes einnehmen. Nein. Für mich fühlte es sich so an, als gäbe es dieses Mädchen zwei Mal: Einmal die Freundin ihres Freundes und ein weiteres Mal das Mädchen, das vielleicht mit mir zusammen sein könnte. Wenn Liebe nur ein Produkt des Verstandes ist, dann konnte es auch das geben. Als eine Art Möglichkeit der Realität. Nie würde und hatte ich etwas getan, um einer Beziehung zu schaden, um „an das Mädchen heranzukommen“. Einige Freunde verstanden das nie. Warum ich da nicht „aktiver“ wurde. Im Gegenzug verstand ich nicht, wie sie es tun konnten.

Nein. Ich wollte nie das haben, was andere haben. Ich wollte MEINES haben. Meine Vorstellung davon. Genauso wie ich als Knabe nie das Spielzeug von anderen wollte oder es ihnen nicht gönnte. Ich wollte meines auch wenn ich das nicht bekam.

Nun aber trat Kevin in mein Leben.

Kevin ist jünger als ich. Sieht besser aus als ich. Und da ich keine 20 mehr bin, ist er wohl auch motivierter. Die Revolution im Kopf und im Herzen schläft irgendwann ein, wenn man nicht gejagt wird oder interniert wurde. Die Aktionen schlafen ein und auch wenn man es für sich selbst nicht eingestehen würde, arrangiert man sich ein wenig mit dem Feind. Der macht ja auch nur seinen Job.  Der hat auch seine Gründe, selbst wenn es die falschen sind. Und nach und nach tappt man in die Falle, die man anderen immer vorwirft…

Kevin war eines dieser Techno-Kids. Nicht so wie ich, mit Techno-Musik und viel Bumm-Bumm. Nein. Er wuchs so richtig in die Technologie hinein. Wer an diesen Unsinn von wegen Big-Bang-Theory glaubt würde ihn einen Nerd nennen, doch das ist ein Begriff aus den 90ger, Nuller Jahren. Kevin ist ein verdammtes Gesamtpaket. Der Super-Hippste, der Megastylisch aussieht, verbal auftrumpfen kann und bei dem hinter der durch Sprache erhitzten Luft auch noch was Handfestes herauskommt.

Sein Ding ist das Internet.

Kennen ihr diese Portale? Kinox und so? Streamt ihr illegal? Dann habt ihr sicherlich schon einmal ein Video von Kevin gesehen, denn schon als Jugendlicher war Kevin damit beschäftigt Filme mitzuschneiden und sie – auch wenn der Ausdruck ein wenig abgegriffen ist – mit der Welt zu TEILEN. Anfangs machte er das aus so ner Kleinrevolutionären Sozialistischen Denke heraus, später und älter machte er es mit System: Kevin will Hollywood zerstören, um den Planeten von der falschen, pathetischen, amerikanisierten, weichgespülten Gedankenfabrik zu befreien.

Um das zu erreichen vervielfältigt er Filme und stellt sie ins Internet. Was kurios ist. Denn für gewöhnlich versucht man, um einem Produkt zu schaden, es einzugrenzen, nicht es zu vervielfältigen. Der Gedanke dahinter ist einfach: Desto mehr Leute filme streamen, desto weniger gehen ins Kino, geben dafür Geld aus und unterstützen die Blödsinns-Produktionen. Das Problem ist nur, dass Kevin die Rechnung ohne Hollywood gemacht hat, die ganz einfach weiter Geld in die riesigen, saudummen Produktionen pumpt, und lieber die kleinen Filme, die vielleicht sogar noch irgendwie provokant und alternativ sind, kaputt gehen. Kevin erreicht also genau das Gegenteil von dem was er gewollt hat: Er streamt die Leute illegal dümmer, da er das Angebot der Filme künstlich verknappt (da die kleinen Filme weniger werden).

Wie immer weiß ich gar nicht wo die Guerilla-Schneiderin Kevin her hat.  Wahrscheinlich aus dem Internet. Passen würde es. Sie findet das was Kevin macht auch nicht gerade zu Ende gedacht, sie hat aber schon eine bessere Idee (wie immer) und sieht Kevins Potential. Mehr sogar. Sie ist BEGEISTERT von Kevin. Angela (die Guerilla-Schneiderin) war noch nie BEGEISTERT von etwas oder jemanden. Vermutlich hatte sie sich sogar als junge Frau geschworen, dass niemals ein besonderer Geist in sie fahren möge… Und jetzt haben wir den Kevin…

Es ist ihre Art wie sie von ihm spricht. Wie sie ihn berührt. Wie sie ihn ansieht. Dabei fickt sie gar nicht mit ihm. Da fällt ihre Wahl immer noch auf Koji und mich. Da sind wir noch immer der beste Untergrund für eine Idee: Ein Dreieck.

Dennoch. Kevin bleibt eine Besonderheit. Ein Wesen, das ich nicht bin auch nie sein kann. Kevin ist der wortwörtliche Alpha-Kevin. In einer positiven Auslegung für ihn.

Ich kann nicht. Mit ihm. Konkurrieren.

Die dunkelsten Männerphantasien

Was hast du getan?

Man soll nicht in der Vergangenheit leben. Immer nach vorne schauen. Nicht zurück. In alten Wunden stochern hilft nicht. Wem nützt es schon in weißen, äußerlich verheilten Stellen auf der Haut herum zu bohren? Der Zugang ist verschlossen. Die ehedem freiliegenden Nerven haben sich regeneriert. Das Ereignis ist nur noch Erinnerung. Und als es geschah, fühlte es sich gar nicht so schlimm an. Taten werden erst durch ihre Konsequenzen wichtig.

Warum hast du es getan?

Wieso muss es eigentlich immer schwerer sein in der Gegenwart zu leben oder in die Zukunft zu blicken, als zurückzuschauen? Kann die Vergangenheit denn nicht endlich aufhören? Das ist der Grund, weshalb die Menschen jung bleiben oder es wieder werden wollen, denn „Jung sein“ heißt, nicht die Konsequenzen durchlebt zu haben.

 

Sie hatte es für Geld gemacht. Und ja, natürlich hätte man sein Geld auch anders verdienen können, nur wie? Dieses „du hättest auch was anderes machen können“ ist für außenstehende Dritte immer leicht daher gesagt. Über andere zu urteilen wenn man sie weder kennt noch versteht, ist mit das geläufigste und dümmste Merkmal der Menschen, denn die Leute wollen damit sagen: „Ich habe und hätte es anders gemacht.“  Dabei haben sie sich weder in der auslösenden Position befunden, haben nicht die gleiche Vergangenheit geteilt, noch besitzen sie die Fähigkeit, sich in andere Lebensformen hineinzuversetzen. Es gibt Situationen und Stationen in einem Lebensweg, in welchen dir alle anderen Türen verschlossen erscheinen und du dich zwangsläufig dafür entscheiden musst, das sogenannte „Falsche“ zu tun. Dein Gefühl dabei ist weder gut, noch machst du dir eine Hoffnung darauf, stolz auf das zu sein was gerade passiert. Hier. Ist die Vergangenheit ein Hoffnungsanker: Irgendwann endet jede Situation. Und mit den Konsequenzen kann man doch leben, oder? Die Tat liegt doch schon lange zurück.

 

Sie kann die Vergangenheit auch kleinreden.

Ein  Filmchen als Hauptrolle war es gewesen. Und wenn man sich durch die Umsonst-Portale im Internet klickert, sieht man es unzählige Frauen und Männer tun. In Wahrheit tun sie es die ganze Zeit. Immer und überall. Die natürlichste Sache der Welt. Und hier waren nun einmal ein oder zwei Kameras dabei. Das ist kein Big Deal. Das ist „business as usual“. Die Leute am Set waren nett, höflich, alle taten so, als wäre jeder mit jedem sympathisch und irgendwo stimmte das irgendwie. Es wurde viel Gelacht beim Dreh. Eine kleine Produktion von kleinen Leuten, für kleine Leute. Eine private Phantasie, semiprofessionell aufgezogen, eine Spinnerei und das Geld war gut und schnell verdient und selbst wenn sie ihre Würde ein wenig ablegte, kam sie sich direkt danach nicht ENTWÜRDIGT vor. Ach was. Die normalste und älteste Sache der Welt und wäre das Szenario nicht so gewesen wie es war, hätte sich auch kein Mensch daran erinnert. Wirklich. Niemand. Gar keiner… Es hätte einfach keine Rolle gespielt. Menschen beim Sex für Geld  zu filmen ist schon lange und zum Glück kein Politikum mehr.  Und weshalb muss jeder Trottel denn immer die Phantasien von anderen dermaßen überbewerten? Hat das denn nicht in Wahrheit damit zu tun, dass diese ach so moralischen Menschen, diese verklemmten Anstandsjuristen, diese „Das-musst-du-doch-genauso-sehen“-Typen, sich für ihre Phantasien schämen, oder nein! Ja! War es denn nicht so, dass sich diese LEUTE dafür schämten, GAR KEINE Phantasie zu haben?

 

Das Drehbuch… Sind wir doch einmal ehrlich: Wer interessierte sich denn bei dem Kram wirklich um das DREH-BUCH? Und am Ende wird geheiratet – oder was? Blödsinn… Es war für sie schon schwer genug die SACHEN überhaupt zu tun. Spielte der Rest dann überhaupt eine Rolle? Gut, dann war sie eben nicht professionell bei der Aufnahme gewesen und war sich nicht über die unmöglichen FOLGEN klar gewesen. Na und? War das denn in dem Fall nicht etwas Gutes kein Profi zu sein? Sie wollte es nur hinter sich bringen. Und die Stimmung am Set war gut gewesen… Und die Menschen freundlich…

Der Film zeigt nun einmal nicht die Wirklichkeit, nicht das was geschehen ist. Der Film entsteht eben erst im Schnitt. Wenn man das weiß, kann man keinem Schauspieler – und das war sie doch gewesen – einen Vorwurf machen.

 

Und der Markt verlangt nun einmal nach neuen Dingen. Und diese Produktion war bei Gott nicht die einzige, die nach dem Fall Natascha Kampusch mit den Vorstellungen der Männer spielte, was all diese Jahre in diesem Kellergefängnis wohl geschehen ist. Gewalt in sexuellen Filmen ist ohnehin ein wichtiges Thema und darüber gehört viel mehr gesprochen, als über sie und ihre Rolle. Es macht eh keinen Sinn die ganze Schuld bei ihr und ihrer fiktiven Figur abzuladen. Sie hatte es nur der Geldes wegen gemacht und ja VERDAMMT, heute würde sie das auch nicht mehr machen, nur damals… Da…  Da hatte sie keine andere Hoffnung. Hatte nichts gelernt. Nichts gehabt. Niemanden… Was hätte sie denn machen sollen? Nein, nun wirklich! Was hätte sie denn machen sollen?

 

Ab da war sie immer die Frau geblieben, die auf den Kampusch-Zug aufgesprungen ist. Die die Situation, die Qualen der armen Frau ausgenutzt hatte. Sie wurde zu der, die sich daran bereichert hatte. Aber wie bitteschön sieht denn diese BEREICHERUNG aus? War es denn in Wahrheit denn nicht so, dass diese Geschichte, diese Geschichte von dem entführten und entkommenen Mädchen und die Geschichte von ihr, der jungen Frau der keine andere Möglichkeit blieb und das nachzustellen hatte, was sich der Regisseur und der Drehbuchautor ausdachten, dass das doch eigentlich die gleiche Geschichte ist, die immer gleiche Geschichte davon, dass Frauen von Männern unterdrückt werden damit diese, und alle Männer die davon hören, ihre Phantasien ausleben können und damit Frauen entwürdigen und unterdrücken?… Wer hat denn eine Wahl? Wer hat denn ein gutes Elternhaus? Wer wird geliebt? Und wer geht denn nicht unter aller Augen verloren? Und warum muss das immer wieder und wieder so sein? Und wieso tut niemand etwas dagegen? Weshalb bezahlen die Leute sogar Geld dafür? Bis sie dich auf Youporn gar nicht mehr wahrnehmen zwischen all den Leibern und Grimassen, zwischen all den Karikaturen ihrer selbst. Mit Stolz hat das gar nichts zu tun… Wer nicht in dieser Situation ist, weiß gar nicht was Stolz und Würde ist. Wie kann man nur über sie urteilen, nachdem sie das durchgemacht hat?

 

Der Sturm hat sich gelegt. Die Medien mit ihrer scheinheiligen Moral sind woanders hingezogen. Neues Drama. Neues Leid. Neue, unverbrauchte Gesichter. Und objektiv betrachtet war ihre Woche Ruhm im Rückspiegel der unendlich gigantischen Medienmaschinerie keine große Sache. Nicht einmal eine Randnotiz. Für eine Frau auf sich alleine gestellt, kam es einer Exekution gleich. Dieses Signum geht nie wieder weg.

Du bist was du getan hast. Und in einer Welt in der nichts mehr vergessen wird, bist du gut beraten, so zu sein wie alle anderen auch. Die auf andere zeigen. Und selbst niemand sind.

Grob verschätzt (Guerilla)

Ich glaube ich werde jetzt hin und wieder mal einen alten Text aus dem alten Blog reposten. Einfach weil ich ihn mag.

„„Es gibt doch nur zwei Sorten von Frauen: Schlampen, und solche, die es nicht besorgt bekommen. Also hässliche Schlampen““, dazu lacht er, wie Arschlöcher lachen: Ihr wisst wie……
Ich habe eigentlich gar keinen Bock um mit dem Typen zu Reden, doch es ist ja für einen guten Zweck, oder? Nun. Was macht man nicht für Freunde?
„„Frauen wollen Abenteuer, einfach, weil sie langweilig sind. Nicht so wie wir Kerle!““ dabei lacht er und drischt mit seiner Tatze auf meinen nicht gerade schmächtigen Oberschenkel, dass es kracht. „“UND DANN rennen sie zu ihren Freundinnen und quatschen das Ganze noch einmal durch. Erst kauen sie dir Einen ab, dann kauen sie es noch einmal durch!!““
Wieder dieses Lachen…
Er ist wirklich schrecklich, doch deswegen hat er das nun auch nicht verdient…

Die Guerilla-Schneiderin hat Andre vor ein paar Wochen kennen gelernt. In diesem Hip Hop Laden, vlt erinnert ihr euch an die Geschichte. Die 2 sind dann in die Kiste, und dagegen würde ja nichts sprechen, doch er hat sie dann ziemlich kalt abserviert. Eine Kerbe mehr für ihn, trotz all seiner Beteuerungen und Versprechungen, die er ihr vorher gemacht hat.
Andre ist bestimmt kein hässlicher Kerl, dass muss ich ihm zugestehen. Er ist sehr schwarz, muskulös und groß, fast, wie aus einem Bilderbuch. Oder einem dieser Fassbinder-Filme. Er kam aus Marokko und spricht die deutsche Sprache fließend, nur wenn er bei Frauen Eindruck hinterlassen will, lässt er seinen Akzent durchkommen. Er mag Frauen. Ohne ihn wirklich zu kennen würde ich behaupten, dass Frauen für ihn dass sind, was bei mir die Drogen.

„“Und mit deiner Angela ist das auch nicht anders.“…“
„“Sie mag es nicht so besonders, wenn man sie ANGELA nennt.“…“
„“Jaja. Die SCHNEIDERIN. (Lachen: Muahaha) GUERILLA-SCHNEIDERIN!!! (Muahaha). Frauen gehören doch einfach nur an den Herd, bevor sie sich solchen Unsinn einfallen lassen. So einen Nonsens gibt es auch nur bei euch (Muahaha).““
Ich sage nichts, denke mir aber nur: „Ich würde mich ja nicht mit ihr anlegen… Wirklich nicht…“..
Wir trinken Bier, was sonst? Bier mit Schnaps – wie auch sonst?
Mir geht dieser ganze Wir-sind-Männer-Verbrüderungsnonsen ziemlich auf den Sack.… Warum einem Kerl vertrauen, nur, weil er Kerl ist? Nur, weil er mit einem ein, zwei Bierchen trinkt?
Ich dachte, das Zeug wirkt schneller……

„“Und dann so Einer wie ich (er bleckt die Zähne), ein Afrikaner…!  Dass ist es doch genau, was sie wollen! Bei mir ist genau da alles groß, wo es groß sein soll!““
Ich gähne. Kucke auf das Handy. Dann nicke ich. „Mhm.“…
„„Diese Fotzen!“…“
Da sehe ich (endlich), wie sein Blick trüber wird und er Probleme bekommt, das Bier auf den Tresen zu stellen. Er denkt sich nichts dabei. Ich schon.
„“Weißt du, bei uns kannst du so nicht mit Frauen umgehen. Aber hier…! Die WOLLEN es doch so, weil ihr Leben so langweilig ist! Als ich hier ankam dachte ich auch, dass meine Kumpels die Frauen ausnutzen, doch wer nutzt da eigentlich WEN aus? Immerhin bekommen sie etwas Exotisches. Und wenn ihr deutschen Flachwichser etwas Exotisches wollt, dann geht ihr in´n Puff.““

Mein Blick trifft ihn von der Seite, und er tut mir wirklich leid. Dieses wandelnde Klischee.… Oder bin ich etwa neidisch auf seinen Erfolg bei Frauen? Ich weiß nicht…. Vielleicht lief in meiner Erziehung etwas falsch, und ich respektiere die Frauen zu sehr.… Hoppla!… Jetzt werde ich wohl langsam auch betrunken…
Und schon (endlich!) kippt Andre um.

Ein paar Stunden später sitze ich vor der Glotze und sehe mir das Fußballspiel an. Wir sind in einer Wohnung von Freunden – Freunden der Guerilla-Schneiderin – und Andre liegt da drüben. Ich selbst habe nie GHB genommen, obwohl ich mir in meinem Leben schon jeden möglichen Mist gegeben habe. Doch irgendwie hat mit dem Alter die Experimentierfreudigkeit aufgehört. Meine Abenteuer sollen berechenbar sein, was sagt das über meine Abenteuer aus?…. Doch wo ich mir den armen Andre da drüben ansehen habe ich das Gefühl, dass Abenteuer manchmal auch einfach böse Enden. Das hier ist nicht Hollywood. „Nein verdammt“, denke ich mir bei dem Anblick, „dass ist bestimmt nicht Hollywood.“ Angeekelt wende ich meinen Blick ab.
Was die Schneiderin sich da ausgedacht hat, ist zu krass für meinen Geschmack. Doch. Sie wollte ein Zeichen setzen. Und das macht jetzt ihre Digitalkamera. Ich kann verstehen, dass sie wütend ist. Und wie ich dabei zusehe, wie die zwei Typen den armen Andre beackern, kann ich nur festhalten, dass die Schneiderin wirklich wütend ist. Ich korrigiere: Wütend war. Jetzt. Hat sie ein genussvolles, diabolisches Lächeln im Gesicht.

Liquid Extasy, oder GHB, ist die Vergewaltigerdroge. Nimmst du zu viel, oder mit Alk, haut es dich um. Das haben schon einige Typen bei armen Frauen eingesetzt. Das ist wirklich das Letzte was es gibt. Die Armen wissen gar nicht was ihnen geschieht. Manchmal erfahren sie es nur im Nachhinein. Durch Krankheiten oder Schwangerschaften…. Vergewaltigung ist einfach nur zum Kotzen. Ob Kind, Frau oder (wie in diesem Fall) Mann, es ist einfach das Hinterletzte. Und das sie das auch noch filmt, wie die zwei Typen es dem Andre besorgen – besser: Es sich an Andre besorgen – ist der Gipfel. Sie geht zu weit, schon wieder.… Vielleicht hat Andre es auch gefilmt, wie er sie gefickt hat. Ich weiß es nicht. Schüttle nur den Kopf und sehe weiter mein Fußballspiel an.

In manchen Kulturen wird die Männlichkeit sehr hochgehalten. Wer da als Homosexuell gilt, ist ein Opfer. „Vogelfrei“, wie man früher sagte.
Das Liquid habe ich ihr besorgt, aber, und das sage ich jetzt: „Das war das einzige Mal, dass ich bei so etwas mitmache“, sie nickt nur und grinst.
Es soll ein Mahnmal sein. Eine Revanche. Für alle Frauen, die er erniedrigt hat.
„Mir wird schlecht“, meine ich, und gehe. Zu Koji. Vielleicht etwas Musik machen. Einfach
Normalität finden…… In was für einer Zeit leben wir eigentlich?

Bea – die Weltreisende

Bea ist der egoistischste Mensch den ich kenne. Dabei ist sie ungeheuer sympathisch. Sie ist kein falscher aufgesetzter Charakter, sie handelt nicht aus Berechnung, auch wenn man das meinen könnte. Sie spielt nicht mit ihrer Aura. Ihre Sympathie ist ihr einfach angeboren. Ein wenig setzt ihr Gegenüber es ihr aber auch einfach voraus, durch diese Wohl-Fühl-Aura die Bea ausstrahlt. Klischees werden vom Gegenüber gesehen und in Details gefunden, die unweigerlich da, in Wahrheit aber nicht frappierend wichtig sind. „Bea, die Hippie-Tussi“, so wird sie oft bezeichnet.

Die „Hippie-Tussi“ bezieht sich auf ihren Kleidungsstil, die Batik-Klamotten, die alten, wirklich abgewetzten und gealterten Jeans, die nichts mit künstlich abgeschrubbten Designer-Jeans zu tun haben. Und selbstverständlich ist sie die Hippie-Tussi wegen ihrer blonden langen Haare, die ihr bis „über den Arsch gehen“ – das ist wenigstens der Ausdruck der Männer dafür. Trotz dieser langen Haare erinnert sie gar nicht an eine deutsche Frau, nicht an die Lorelei. Sie wirkt amerikanisch. Zudem lacht sie viel. Und sie ist gut anzusehen. Ihr Anblick und ihr sorgloses Auftreten wirft uns zurück in die 60ger Jahre des vergangenen Jahrhundert, als alles möglich schien und die Menschheit in eine neue Zeitrechnung aufbrach. Was wird wohl kommen nach der Revolution?

Die Frage war nicht ob es ein Utopia geben würde, sondern nur, wie schön es werden wird, oder etwa noch schöner als man sich vorstellt könnte? Keiner dachte an Dystopien. Keiner dachte an den Kater danach. Dass alles noch viel schlimmer kommen könnte, als es vorher war. Keiner hatte ein Auge für das, was hinter dem blonden Hippie-Mädchen steckte, das lachte, strahlte und meinte, man solle sich locker machen. Denn zu jedem Image das wir so sehen wollen, wir gelernt haben es zu sehen, gibt es eine wahre Geschichte, die nicht viel mit dem Abbild zu tun haben. Hinter jedem Symbol steckt ein Mensch.

 

Die Wahrheit ist auch, dass Bea Weltreisende ist. Bea war schon auf jedem Kontinent der Welt, in dem die Sonne mehr Hitze produziert, als dass sie ruht. Afrika, Lateinamerika, Asien, Australien sowieso; Australien, dieses Schnellrestaurant für die Fernwehvortäuschenden. Der Kontinent der zerplatzen Träume, dem Bea jede realness absprach, da „aussteigen“ dort industriell betrieben wird. Ganz im Gegensatz zu Afrika.

 

Bea war überall, wo du schon immer hinwolltest. Sie stand auf jedem Postkarten-Klischee, eroberte jedes kleine, versteckte, geheime Landschaftswunder, nachdem du dich sehnst. Vom weißen Strand über die schwarzen Berge.  Sie hat Nationen erkundet, die du bewunderst, und noch mehrere von jenen, vor denen du Angst hast. Bea hat die Welt gesehen, erlebt und blieb unverletzt (bis auf dem Ausschlag des Fernwehs selbst, der immer wieder in ihren Gehirnwindungen zu jucken beginnt).  Ja. Am Ende war sie einfach nur wieder da. Unsere Bea. In denselben Klamotten wie immer. Mit Augen, die uns sahen und gleichzeitig durch uns hindurch blickten. Wie lange war sie diesmal weg gewesen? Ach ja. 9 Monate. Und was bei uns so los war? Nicht so viel eigentlich…

Zwar fragt man dann viel nach: Was hast du alles erlebt? Was hast du gesehen? Wen hast du getroffen? Ging es dir gut? Wobei die Frage in Wahrheit lauten sollte: Was treibt dich immer wieder davon und warum hält dich nichts hier?

 

Bea ist in meinem Alter. Und sie hat kein Haus. Keinen festen Wohnsitz. Keinen Ex-Mann. Kein Kind. Sie hat alle Freiheiten die wir nicht haben. Sie besitzt nichts. Und wird von nichts besessen. Das Einzige was wir mit ihr teilen ist eine Form der Vergangenheit. Sie ist hier geboren. Sie ist hier aufgewachsen.

Irgendetwas muss passiert sein. Damit…

 

Man kann nicht so leben ohne ein Egoist zu sein. Ich weiß nicht, gibt es eine gute Form des Egoismus? Eine verzeihbare, wie eine Krankheit für die man nichts kann? Du kannst nicht immer wieder dein bürgerliches Leben zurücklassen, alle Brücken abbrechen, die du in den Reisepausen errichtet hast und jenen keine Verletzungen zufügen, die sich dir nahe fühlen. Du kannst nicht immerzu fortgehen ohne Beziehungen in die Oberflächlichkeit gleiten zu lassen, in dem du sie einfrierst, um sie bei Gelegenheit wieder aufzutauen. Das muss man können. Das muss man wollen. Das muss man auch müssen müssen.

Um tatsächlich frei zu sein, musst du egoistisch sein. Das ist die Wahrheit. Auch die Hippies waren egoistisch. Sie dachten weder an später, noch an ihre Eltern. Sie dachten nur an sich. Und wie unglaublich stark sie sich fühlten. Was sie bewegen und für sich erleben konnten. Und 70 Jahre später feiern wir immer noch ihren Mut.

Tränengas gegen Dummheit

Niedergeknüppelt von Edelstahl-Tanks, die befüllt und entleert werden wollen; ausgezehrt von rasenden Pumpen, die aufheulen, wenn sie ihre Arbeit verrichten; erdrosselt von zu viel CO2, dass wir zum Leerdrücken der Behälter benötigen; genötigt von der Uhr, die immer zu wenig Zeit anzeigt; geschafft also liege ich auf meinem U-förmigen Kanapee, mit „Fenster auf“, und versuche „Erschlagt die Armen“ von Shumona Sinha zu lesen, eine tieftraurige Erzählung aus Frankreich über das Flüchtlingsproblem mit autobiografischen Zügen, die natürlich überhaupt nicht zu meiner Ermunterung beitragen würde, wenn da nicht der unglaublich tolle Stil wäre, in dem das Buch verfasst wurde. Liest sich also super. Dieses Elend. Der Welt.

Nur zur Ruhe komme ich nicht.

Draußen schreien die Kinder. Direkt vor meinem Fenster. Ich könnte sie mit kleinen, trockenen Papierbällen bewerfen, so nahe sind sie. Die Kinder schreien und plärren, plärren und schreien, und schreien und plärren, nur unterbrochen von dem mahlendem Geräusch von Hartplastikreifen, die über den Asphalt mahlen wie diese Planierraupe über die Totenschädel am Anfang des „Terminators“. Wenigstens fühlt es sich in meiner Seele so an.

Die Kinder schreien die ganze Zeit. Mutter schreit hinterher. Pause. Dann wird weiter geschrien. Immer im Kreis herum.

Mir reicht es.

 

Ich mache die Glotze an und dort laufen Nachrichten. Nachrichten aus Brasilien. Auch dort wird geschrien was das Zeug herhält. Es wird eine Demonstration gezeigt, nicht Olympia, irgendwie aber scheint dass aber doch das Gleiche zu sein. Eine Stimme aus dem Off erklärt, dass die Leute mit ihren Masken, die gerade mit Tränengas beschossen werden bis die Phalanx aus Polizeisoldaten in ihren Kunststoffpanzern auf sie Jagd machen, für ein besseres Sozialsystem und für mehr Bildung demonstrieren.

Ich denke mir dazu: „Ganz logisch eigentlich. Die Ungebildeten wollen mehr Bildung. Und weil sie gänzlich ungebildet sind, demonstrieren sie mit Gewalt. Woher sollen sie es denn besser wissen?  Wie könnten sie mit Worten oder Parolen argumentieren? Wer sollte ihnen schon vorstehen? Und welche Sprache müsste der Rädelsführer sprechen? Sie sind doch dumm und sozial schwach. Sie wissen es nicht besser.“ Und weiter: „Das ist die vernünftigste Demonstration die ich je gesehen habe.“

ZAPP mache ich die Glotze aus und bin ein wenig traurig, selbst nicht so vernünftig zu sein wie die Brasilianer, die sich dabei (was man auch nicht vergessen sollte) auf der anderen Hand auch gänzlich unfair und unsportlich allen anderen Olympia-Nationen gegenüber verhalten, da die Brasilianischen Zuschauer alle anderen Konkurrenzländer ausbuhen. Das müssen dann wohl die gebildeten Brasilianer sein.

 

Vor meinem Fenster schreit nur noch ein Kind: „BINO!“ Schreit das Mädchen. Oder vielleicht ist es auch ein Junge. Zu kindisch spitz ist die Stimme, um wirklich eine Unterscheidung fällen zu können. Wenigstens ich kann es nicht. „BIIIIIIINO!“ „Biiiiiiiiiinooooooooooo!“  Bino ist wohl ein Tier. Eine Katze, sicherlich. Ein Hund ist blöd genug, der hätte reagiert. Es klingt ein wenig traurig, wie ein Sirenen-Ruf aus einem Märchen, nach Walt Disney. Nach Feivel der Mauswanderer.

„Biiiiiiiinoooo!“

Die Stille vor dem nächsten Ruf.

Wieso versteht das Kind nicht, dass die Katze nicht zu ihr kommen will? Wahrscheinlich sitzt oder liegt Bino da sogar irgendwo, außer Reich-, doch in Sichtweite des Kindes, und zuckt nicht mal mit den Schnurrhaaren wegen den Aufmerksamkeitsversuchen des Kindes. „Bi-NO!“ Da kommt ja richtig Musik hinein.

Und dann ist es mir klar. Wird mir das Offensichtliche verständlich. Das Kind kann es gar nicht besser wissen, woher denn auch? Den ganzen Tag wird das Kind von der Mutter genauso gerufen. Da hat der/die Kleine es her. Da wurde es angelernt: Mama war´s. Weitergegeben von Mutter zu Kind, die es irgendwann einmal ihrem Kind weitergibt. Und so weiter. Über Generationen hinweg. Das Traurige an der Situation ist nur, dass dieses ganze Geschrei, dieses ganze Gebrüll überhaupt nichts bringt. Da können sich Kinder und Mütter die Kehlen wundbrüllen: Da reagiert keiner. Erst wenn der Brüllende aktiv wird, auf das Kind oder die Katzw zu springt, kommt Realität in die Bude. So lange könnt ihr brüllen wie ihr wollte. Und das machen sie auch. Sie brüllen und rufen und gestikulieren, wie sie es schon seit Jahrhunderten machen. Dabei rufen sie nicht einander Worte zu, sondern Befehle aneinander vorbei. Konditioniert darauf zu brüllen und gleichzeitig nicht zuzuhören.

Ich schaue aus dem Fenster und gucke, ob da nicht auch gleich Tränengas abgeschossen wird. Leider nein.

Ein Gespräch unter Verrückten

„…sich Sisyphos als GLÜCKLICHEN Menschen vorstellen ist doch mit dass Bescheuertste was es gibt. Das ist purer Kapitalismus-Sprech.“

„Ich fand aber schon immer, dass bei dem Satz viel Ironie mit dabei ist. Und damit eben auch Kritik.“

„Galgenhumor, so würde ich das nennen.“

„Aber der Mensch BRAUCHT doch auch eine Tätigkeit. Eine Aufgabe.“

„Ach was. Das glaubt man nur, da man sich so einen Unsinn hat anlernen lassen. Wenn du konditioniert bist den ganzen Tag zu schuften, dann will man auch schuften – sonst fehlt dir was.“

„Arbeit macht frei.“

„War klar. Der musste jetzt kommen. ABER: Wenn man das auf den Sisyphos bezieht, stimmt es auch irgendwie. Der Mensch ist gefangen in dem Wahn eine Tätigkeit zu brauchen.“

„Aber sonst verroht man doch. Stell dir doch mal eine dauerhaft untätige Gruppe von Menschen vor. Die werden doch asozial. Die sind dann das Pack, so wie wir es kennen.“

„Wie die Tiere und so will der Mensch ja nicht sein. Aber meine Theorie ist ja, dass Tiere ohnehin viel freier sind als wir Menschen.“

„Hm… Kann ich mir nicht vorstellen. Ich hätte heute Morgen nämlich Wurstsalat.“

„Haha. Ich meine jetzt nicht diese Form von Massentierhaltung. Sondern vom Geist her. Was gibt es denn besseres als ein kleines Gehirn zu haben, dass schnell vergisst?“

„Na ja, ein sprichwörtlich GROßES Hirn zu haben, mit dem man sich viel merken kann.“

„Und genau das ist falsch.“
„Was ist denn so geil dran wie ne Fliege vor ne Fensterscheibe zu fliegen bis sie schließlich verendet?“

„Aber Fliege ist ein gutes Beispiel. Einer Fliege kannst du mit deiner tausendfach schwereren Hand eine mitgeben und trotzdem ist sie 30 Sekunden später schon wieder bei dir, da sie von deinem Geruch angezogen wird.“

„Toll.“

„Die Fliege hat einfach kein Gedächtnis um sich an die Situation zu erinnern. Die denkt erst „Au“. Und dann hat sie auch das schon wieder vergessen. Und was macht der Mensch? Der Mensch ist einfach nur ein Idiot der viel zu wenig vergisst. Und das, was er glaubt vergessen zu haben, beeinflusst ihn dann auch noch unterbewusst. Das ist doch furchtbar! Wer würde da nicht gerne eine Fliege sein?“

„Weil es ja auch gute Seiten hat ein Mensch zu sein.“

„Und die wären? Wie ein Idiot jeden Tag den Stein den Berg hoch zu schuften und ihn wieder hinab rollen zu lassen, um dann am Wochenende ein Bier auf die ganze Schinderei zu trinken? Come on…“

„Hm.“

„Ja hm.“

„Aber die Fliege ist doch deswegen unfrei, da sie sich an nichts erinnern kann. Sie wird immer wieder von deinem Geruch angezogen wie du gesagt hast.“

„Und der Mensch dagegen weiß zwar – und GLAUBT zu wissen – warum er etwas macht, kommt aus der Geschichte aber auch nicht raus. Da bin ich doch lieber ein dummes Tier, das sich nicht mehr erinnern kann warum es Schmerz hat oder weshalb es einmal Schmerz erleiden musste. Sie vergisst sofort und deswegen ist sie frei. Im Prinzip ist sie ihr ganzes, kurzes Leben lang sehr glücklich.“

„Ich glaube nicht das Fliegen so was wie Glück kennen.“

„Umgekehrt gefragt: Ist es überhaupt GUT Glück zu kennen? Macht uns das kleine Glück nicht erst Recht zu Sklaven?!!!“

„Puh… Du…“

„Und weißt du, weißt du, weißt du! Sisyphos war auch nur ein Mensch. Er war zwar mal König, von…“

„Tja, frag mich nicht.“

„Von irgend so was Griechischem… ABER er musste den Stein erst als Strafe für seine Taten nach dem Tod immer wieder den Berg hinauf wälzen. Und jetzt frage ich dich: Was mussten wir erleiden, um das schon zu Lebzeiten erdulden zu müssen?!!!“