Kinder sind auch nur Menschen

These: Wer in Deutschland im Jahr 2014 kein Humanist war, ist ein Arschloch. So sehe ich das. Die Problematik ist nur, dass man es z.B. im Jahr 2050 rückblickend bedauern könnte, dass die Gesellschaft so humanistisch war, siehe Überbevölkerung und Ausbeutung der Rohstoffe mit denen man künftige Generationen auch noch versorgen müsste. Ja. Jetzt ist es unmenschlich zu sagen, dass man sich nicht um seine Mitmenschen kümmern soll, wenn sie von einem anderen Kontinent aus in die „erste Welt“ fliehen, in 30 bis 50 Jahren könnte man es eine Dummheit nennen, diese Politik betrieben zu haben, da man sich Probleme für die Zukunft aufhalst. Das ist wie mit der Rente, wo die Politik die Probleme auch einfach nur auf „später“ verschiebt um sich jetzt gut vor den Bürgern dazustellen.
Es geht um Nachhaltigkeit und was in Zukunft wichtig und richtig ist, nicht nur für die Gegenwart. Es geht um eines der schwierigsten Felder der Wissenschaft überhaupt: Um die Zukunftsforschung. Und der ist leider nicht mit Hochrechnung alleine beizukommen…

Also: Könnte es in 50 Jahren ein Fehler gewesen sein keine ablehnende Haltung zur Zuwanderung zu haben? Wenn man ehrlich und vernunftbegabt ist lautet die Antwort: Ja. Natürlich. Das kann ein riesiger Fehler sein.
Aber: Kann es genau richtig gewesen sein eine zustimmende Haltung zur Zuwanderung und Asyl-Politik zu haben? Ja natürlich. Das auch!
Man weiß weder beim Pro noch beim Contra was kommen wird. Es spielen viele Faktoren die, die Zukunft bestimmen zusammen. Und es ist vollkommen falsch (wie oben angeteasert) einfach nur unsere Erfolge aus der Vergangenheit auf die Zukunft hochzurechnen, um sich dann ängstlich den Kopf zu kratzen: „Früher gab es aber schon weniger Ausländer in Deutschland, wenn die in Zukunft auch nicht da sind, wird die Zukunft für Deutschland und Europa bestimmt besser als mit ihnen.“
Na ja. FRÜHER gab es aber noch einiges mehr als nur die Wirtschaftswunderjahre und immer steigenden Wohlstand. Ursprung dieses Wohlstands war ein Vernichtungskrieg, nicht einfach nur „vernünftiges nationales Wirtschaften“, das vergisst man ganz gern. Die Gesellschaft wurde also fast auf 0 heruntergefahren, damit der Wohlstand explodieren konnte. Prinzipiell konnte es nach dem Krieg nur besser werden und selbstverständlich ist es schwerer ein großes Reich zu verwalten, als es auf die Beine zu stellen – deswegen entstehen doch alle paar Dekaden irgendwo auf der Welt neue Großmächte, die nach ein paar Jahrzehnten wieder kollabieren.
Nichts ist schwerer zu bewerkstelligen als eine sichere Zukunft. Und da der Mensch nur die eigene Vergangenheit kennt, beruft er sich darauf: „Früher war immer alles besser. Wenigstens so insgesamt…“

Grausam will niemand sein, weswegen der Mensch zu differenzieren gelernt hat: Es gibt „gute“ Flüchtlinge und die „schlechten“. „Gute“ sind die, die vor Krieg fliehen. „Schlechte“ sind jene, die wegen schlechten wirtschaftlichen Bedingungen in ihrem Heimatland fliehen; die sollen doch lieber daheim bleiben. Soooo schlecht geht´s denen doch nicht…
Im Prinzip gibt es noch eine dritte Form, die „politisch Verfolgten“, die in ihrem Heimatland nicht sicher leben können, denen traut aber keiner so richtig – so was muss man auch erst mal beweisen!

„Gute“ Flüchtlinge können also nichts dafür wenn sie fliehen, da zuhause Krieg herrscht. Das kann man noch verstehen. Vielleicht sind diese Flüchtlinge auch deswegen gut, weil die Weltgemeinschaft sich nicht in die Konflikte in den Kriegsländern einmischt und die Weltgemeinschaft damit ihr moralisches schlechtes Gewissen zeigt. Man könnte da ja intervenieren und helfen. Weil es einem aber lieber ist sich herauszuhalten und innenpolitisch gut dazu stehen, nimmt man halt (wenn es unbedingt sein muss) ein paar Flüchtlinge von dort auf. So grausam will man dann doch nicht sein…

„Schlechte“ Flüchtlinge sind die, die nicht in ihrer Heimat für einen Hungerlohn arbeiten wollen und nur auf Wohlstand aus sind – und den nehmen sie uns weg! Es gibt ja nicht genug Wohlstand für alle… Oder? Na ja… Wenn ich auf Hartz-4 wäre hätte ich auch keine Lust wenn noch mehr Arme in das Land kommen und ich deswegen fürchten muss, dass mein Beitragssatz gesenkt wird. Das ist so zwar nicht richtig, da ist dennoch irgendwie ein kausaler Gedankengang dabei. Nur. Das Vermögen ist ja nicht nur auf den Mittelstand und das (blödes Wort) Prekariat verteilt, sondern eher die Reichen haben das viele, viele Geld und die sind vom Elend der Welt kaum betroffen. Wirklich. Ich kann diese Pegida-Typen schon verstehen, wenn sie sagen: „Ich habe mein Leben lang gearbeitet und bekomme kaum mehr dafür als irgendso´n Flüchtling, das ist unfair.“ Das ist auch nicht besonders fair. Der Denkfehler ist nur, dass der Flüchtling dir nichts wegnimmt oder ihm zu viel gegeben wird, sondern dass der Staat einfach nicht fair wirtschaftet. Flüchtlinge können wir noch ohne Probleme eine ganze Menge aufnehmen. Wir könnten sogar ein bedingungsloses Grundeinkommen für Alle einführen wenn wir wollten. Das Problem ist nur, dass das wirtschaftlich und politisch nicht gewollt ist, da hier mehr an Firmeninteressen gedacht werden, als an den einzelnen der sich sein Leben lang kaputt gearbeitet hat oder der nicht arbeiten konnte – oder durfte. Die „Bösen“ sind nicht die armen Schweine die über die Meere fliehen. Auch nicht die Arbeitslosen. Die „Bösen“ sind die, die dich ausplündern und nicht am Wohlstand teilhaben lassen.
Ich bin auch gegen das bedingungslose Grundeinkommen, weil ich mir ja auch denke: „Nur wer arbeitet soll auch was dafür bekommen.“ Trotzdem weiß ich selbst, dass das eine sehr reaktionäre und veraltete Haltung ist.

Und wenn wir schon bei mir sind: Als ich vorhin auf dem Handy las, dass die Flüchtlinge auf diesem sogenannten „Geisterfrachter“ „Ezadeen“, der letzte Woche aus Syrien ohne Kapitän aufgefangen wurde, alle um die 8000 Euro bezahlt haben, denkt der Populist in mir natürlich auch: „Mhm. Wer so viel zahlt, dem kann es ja nicht ganz schlecht gehen.“ Und in dem Moment lasse ich natürlich unter den Tisch fallen, dass diese 8000 Euro höchstwahrscheinlich ALLES waren, was die Familien dieser Leute zusammentragen konnte, dass die jetzt pleite sind und darauf hoffen, dass die Flüchtlinge in Europa viel Geld verdienen um das dann in die Heimat zu schicken. Was sind für mich dagegen 8000 Euro? Kein Pappenstil. Doch auch nicht die Welt. Und auch nicht die Summe meines gesamten Besitzes und erst Recht nicht der meiner gesamten Familie…
Ich bin vor solchen Gedankengängen nicht gefeilt. Doch als normaldenkender Mensch sollte man einen Gedankengang auch zu Ende denken können:
Das sind keine „bösen“ Flüchtlinge. Die wollen uns nicht unseren Wohlstand wegnehmen! Die wollen daran TEILHABEN. Und wenn man sieht wie dekadent die reichsten 5% des Landes geworden sind, kann man doch nur sagen: „Noch ist Platz. Kommt rein und helft unser Land zu verbessern.“

Ich versuche das jetzt mal hier mit hinein zu nehmen:

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Solche Bilder wie ich sie heute Morgen auf Facebook fand, sind selbstverständlich purer Populismus: Wer ist schon für Gewalt gegen Kinder? Es gibt zwar diese Gewalt und es gut darauf aufmerksam zu machen, doch so ein Post ist totaler Quatsch, denn kein Kinderschläger wird damit aufhören sein Kind zu schlagen, nur weil ein Pseudo-Gutmensch dieses Bild „geteilt“ hat. ABER. Ich finde es ist ein gutes Indiz dafür, was für verschobene Ansichten wir über den Humanismus an sich haben. Denn Humanismus bedeutet ja nicht, dass man Frauen und Kinder mehr schützen muss (klar, Kinder brauchen mehr Hilfe, da sie nicht für sich alleine sorgen können, doch ein Kinderleben ist auch „nur“ ein Menschenleben), sondern dass alle Menschen gleich sind und das jedem die gleichen Rechte und Hilfe zusteht. Ganz gleich ob er Mann, Frau, Kind oder schwarz oder weiß ist.

Kinder sind aber ein guter Aufhänger. Sie erzeugen Emotionen und besonders Schutzmechanismen im Kopf springen an. Deswegen habe ich vor vielen Jahren auch eine Patenschaft für ein Kind übernommen – wohlwissend, dass ich nicht nur dem Kind helfe, sondern seiner ganzen Familie: Ich schicke Geld zu einer armen Familie in einem anderen Land. Und das ist genau dass, was die Leute machen wollen, die über die Meere in unser Land fliehen, und das soll böse und schlecht sein?
Die wollen nicht alles zurücklassen was sie liebten und wo sie aufgewachsen sind, nur um bei uns Flachbildfernseher zu kaufen und Nutten zu bumsen, sondern die machen das um ihre Familie, um ihre Kinder in der Heimat zu unterstützen. Kinderarmut ist ebenso Gewalt gegen Kinder – das ist die Aussage von solchen Bildern. Nur wollen wir das nicht sehen. Weil wir uns auf eine bestimmte Form von Humanismus konzentrieren: Auf uns selbst. Wir wollen dass es UNS gut geht. UNSEREN Kindern. Und das ist nur natürlich. Man sollte nur nicht vergessen, dass es den Flüchtlingen um nichts anderes geht: Darf man diesen Leuten das Recht absprechen sich für eine bessere Zukunft ihrer Kinder stark zu machen?

Wie gesagt: Keiner weiß was kommt. Vielleicht ist es ein großer Fehler zu tolerant und zu humanistisch zu sein. Vielleicht wäre es klüger zigtausende Leichen im Mittelmeer zu finden, anstatt diese Leute nach Europa zu lassen, wo sie nicht nur an unserem Wohlstand teilhaben, sondern dazu beitragen dass der Planet eines Tages so überbevölkert ist, dass es durch den Klimawandel zu Naturkatastrophen und/oder zu Wirtschaftskriegen kommt, bei der weit mehr Menschen sterben, als jetzt… Doch wer weiß schon was kommt? Denn das ist die gleiche Logik wie die Behauptung, dass es im Prinzip doch gut sei das so viele Juden und Menschen im zweiten Weltkrieg starben, sonst wären wir jetzt schon viel überbevölkerter… So kann man auch aus dem Holocaust etwas „Gutes“ herbeireden… Wollen wir das? Und wer gibt uns die Garantie?

Nein. Ich glaube. Dass es in unserer Gegenwart das Einzigrichtige ist, ein mitfühlender und helfender Mensch zu sein. Ganz egal was in 50 Jahren ist. Was da sein könnte. Ich habe keine Angst vor der Zukunft. Nicht weil mich eh nichts Schlimmes erwarten würde. Auch mein Leben kann noch „schlimm“ werden. Doch die Zukunft wird kommen. Und die Vergangenheit wird dann zeigen, wer wir waren. Und lieber bin ich ein schlechter Vorfahre einer künftigen Generation weil ich zu viel Mitgefühl hatte, als ein Nazi-Sympathisant wie unsere Vorfahren.

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Tagebuch der Brüder Goncourt plus Kommentar zu "Das wird man doch wohl noch sagen dürfen"

15.11.1870

„Sodann macht er sich daran, hübsch und geistreich den kommenden Heroismus zu verspotten, dazu sich selbst, der bereit ist, sich töten zu lassen, ja schliesslich verspottet er sogar den Patriotismus seiner eigenen Artikel. Dieser Spott, immer dieser Spott – daran sterben wir, daran mehr als an irgend etwas anderem. Und ich schmeichle mir, der erste gewesen zu sein, der das aufgeschrieben hat.“

Das halte ich für einen guten Kommentar zu allgegenwärtigen Zynismus unserer Zeit, wohlgemerkt notiert vor fast 150 Jahren… Und damit meine ich einen resignativen Zynismus, keinen förderlichen.

Wobei. In heutigen Tagen muss man das dazusagen. Das ich überzeugt bin von einem humanen, europäischen Patriotismus, nicht diesem Fremdenhassenden nationalen Scheiß der uns mal wieder auf den Straßen begegnet, der gegen verfolgte Asylanten wettert und sich dabei so liberal und offen fühlt, nur weil man dazusagt: „Das wird man doch wohl noch sagen dürfen.“ Man darf alles sagen – man darf aber auch wissen und verstehen WAS man sagt und WARUM man etwas sagt und was es aus dir macht, wenn du bestimmte Dinge sagst.
Angst ist eine verständliche Sache – nur – ihr wisst wie der Fassbinder-Film heißt: „Angst essen Seele auf“ und das stimmt heute wie vor 40 Jahren. Also lasst euch nicht von eurer eigenen Angst zerstören und bleibt menschlich. Das ist es was eure Kinder brauchen – keine vorgelebte Verachtung, die aus Erste-Welt-Bäuchen hervorgärt…

Pro-Ukraine

Was ich bei den Pro-Putin-Verstehern nicht verstehe: Wie kann man argumentieren, dass es auch bei den Aussagen der Ukrainern Ungereimheiten gibt, und sie deswegen mehr lügen als die Russen und sie nur eine Marionette Europas sind? Das erste Opfer eines Krieges ist immer die Wahrheit, und wer wirklich glaubt, dass es in einem Krieg nur DIE GUTEN und DIE BÖSEN gibt, der sollte vlt lieber Star Wars oder Harry Potter weiter schauen, anstatt sich über Politik zu äußern.
Fakt ist das die Russen in ein souveränes Land einmarschiert sind; das ist keine Propaganda sondern Tatsache. Und wie kann man die ganze Zeit über die Ost-Ukraine debattieren und mutmaßen, was da passiert (echte Separatisten? Falsche Russen?), wenn man nur sehen muss was auf der Krim geschehen ist, wo Putin nach ein paar Monaten eine russische Militärparade abgehalten hat?

Ach so: Die Separatisten wollten ja zu Russland! Komisch… Die meisten Separatisten die ich kenne, die wollten einen eigenen Staat gründen – und nicht sich einem anderen Land anschließen… Wie muss man sich das den vorstellen? Wenn der deutsche Teil der Schweiz oder von Österreich kein Bock mehr auf ihre Regierung hätten, würden die auch einfach zu den Waffen greifen und – ohne Deutschland zu fragen – sich Deutschland anschließen wollen? Ohne die deutsche Regierung überhaupt zu fragen? Das ist so unglaublich lächerlich.
Putin ist in die Ukraine eingeschritten, da er Angst vor „Ethnischen Säuberungen“ hatte, da die Ukrainer die Russen dort töten wollten – aha… Gab es solche Säuberungen? Gab es überhaupt Übergriffe? Oder war es nicht so dass Putin nach dem Verlust seine Marionette Wiktor Janukowytsch es mit der Angst bekam, seine Kontrolle über die Ukraine zu verlieren und sich diesen Bull-Shit ausdachte, in dem er Soldaten in Zivilkleidung steckte und sie über die Grenze schickte?

Und das Lächerlichste ist der stetige Hinweis, dass es sehr wohl radikale Rechte in der Ukraine gäbe; Potzblitz! Ausländerfeindliche Ukrainer! Was ist denn das für ein Land! Wo es unter anderem Ausländerfeinde gibt?!!! So was würde es in Deutschland nie geben! Oder in Österreich. Oder in Dänemark. Oder in Polen… Außer es sind gerade Demonstrationen angesagt. Oder ach ja: WAHLEN.

Wisst ihr: Man kann gegen eine Nato-Mitgliedschaft der Ukraine sein, gegen ihren Beitritt zur europäischen Union – euch kann die Ukraine scheißegal sein. Wieso aber argumentiert ihr dann mit dieser bekloppten Putin-Propaganda? Die Ukrainer sind keine Heiligen, dennoch muss man sehen dass sie die Europäischen Werte wollen und dafür kämpfen. Doch wir Europäer reden schon lange nicht mehr über unsere Werte, sondern darüber, was uns die doofen Ukrainer kosten. Die Hände machen wir uns nicht mehr schmutzig. Nicht mal am IS. Früher hätte es ein NATO-Bündnis gegeben, heute liefert man Waffen; ich finde das ist eine schöne Parabel darüber, wie sich Europa verändert hat. Früher hätte man „Kampfhandlungen“ aufgenommen, als es wirklich noch Werte gab, außer Europa zusammenzuhalten. Heute liefert man Waffen – man exportiert also Geld um damit moralische Löcher zu stopfen (und umsonst gibt die Waffen-Lobby die Knarren bestimmt nicht raus, da geht es nur um Geld-Macherei durch das Elend anderer, denn es ist für Waffen-Lobby gar nicht so schlecht wenn Waffen an Menschen verkauft werden, die damit nicht richtig ausgebildet sind und keine militärische Struktur besitzen), während man daheim die Hände über dem Kopf zusammen schlägt über „Barbarei“ zetert und mit der gleichen Dekadenz weiterlebt wie bisher.

Keiner will Krieg. Russland nicht, die Ukraine nicht und die Europäer schon gar nicht, nur, die Russen wissen dass die anderen den Krieg nicht wollen, deswegen können sie sich weit aus dem Fenster lehnen. „Offener Pazifismus“ mag von den Eltern als richtiges Erziehungsmittel für ihre Kinder gelten, doch wenn das Kind auf dem Schulhof auf die Rowdies trifft, in eine Konfrontation kommt, um dann davon anzufangen, dass der der Gewalt ausübt der Dumme ist und am Ende dann doch immer den Kürzeren zieht, dann wir dem Kind sehr schnell klar werden, dass die moralische Überlegenheit für einen selbst auch bedeuten kann: Ganz schön eins auf die Fresse zu bekommen.
Es mag zwar ehrenhaft sein mit offenen Karten zu spielen, leider bringt es nur wenig, wenn man der Einzige am Tisch ist, der das macht.

Future War 198x – Zeichentrick-Film (Anime) über den dritten Weltkrieg

Dieser Film hat mich in meiner Kindheit sehr geprägt, da ich auch viel zu jung war um ihn zu sehen. Seitdem hatte ich in der Nacht immer Angst wenn ich Flugzeuge über unser Haus donnern hörte, weil ich dachte, der dritte Weltkrieg wäre ausgebrochen.
Trotzdem halte ich den Film für sehr wichtig, da es eben nicht nur der mir einzige bekannte Film über den dritten Weltkrieg ist, sondern weil darin der Krieg zu keinem einzigen Zeitpunkt idealisiert wird und es auch keine heldenhafte Nation gibt.

Es wird vom großen Krieg zwischen den USA und den UDSSR erzählt, zwischen NATO- und Warschauer-Pakt-Staaten, der dabei nicht nur ein Krieg der konventionellen Waffen ist, sondern in einen erschreckenden Atom-Krieg mündet, der schließlich sogar auch noch im All ausgetragen wird, im großen Finale (was weniger mit Science-Fiction zu tun hat als man im ersten Moment glaubt, immerhin sollen die Russen im Moment einen neuen Killer-Satelliten in der Umlaufbahn haben), in der Wataru mit einer an ein Raumschiff montierten Laserkanone versucht die Atom-Raketen abzuschießen, die von einem Erdteil auf den anderen zusteuern.

Der Held ist Japaner, seine Freundin Amerikanerin und trotzdem werden die Russen nicht einfach als „böse“ und die Amerikaner als die „Guten“ dargestellt (auch wenn der Präsident schon sehr aus sieht wie ein Kennedy). Es gibt furchtbare Gewaltdarstellungen, nicht weil es so grausam, sondern so bedrückend realistisch für mich als Kind war. Ein Teil der Handlung spielt auch in Deutschland. Wir waren nun einmal die Grenze zum Osten und wie die Panzer der Russen das Land plattwalzen war damals gar nicht so abwegig – und wenn man an die Ukraine denkt überkommt einen das Schaudern.

Der Film schreckt ab und dazu wird im Prinzip die gleiche Erzählweise verwendet wie Emmerich es mit seinen Katastrophen-Filmen macht, was hier einen guten Film ausmacht, bei Emmerich nerven die kleinen menschlichen Dramen nur. Warum das hier funktioniert? Weil die Figuren einfach verrecken. Da wird kein Hund gerettet oder sonstiger Rücksicht auf den Zuschauer genommen: Am Ende gibt es fast keine Großstadt mehr auf dem Planeten, die nicht dem Erdboden gleichgemacht wurde – die Erde ist vergiftet und zerstört.

Es ist schade das Hollywood sich mit seinen Möglichkeiten nie an so ein Projekt getraut hatte, sondern die „Menschheit“ gegen Aliens kämpfen lässt, nur um dann leichte Unterhaltung zu servieren. Krieg ist keine leichte Unterhaltung. Und was für eine Stimmung damals in der Welt herrschte zeigt schon der Titel an, in dem ein „198x“ steht, das X steht für das Jahr, in der der Krieg hätte ausbrechen können.

Leider konnte ich nur eine japanische Version des Films auf Youtube auftreiben. Es gibt keine Veröffentlichung auf DVD und die auf VHS habe ich schon lange nicht mehr. Schade.

Wir sind die Guten!

Vor zwei Jahren quatschten wir mit einer Bekannten aus den USA über die Besiedelung Amerikas – und wir lernten dabei, wie unterschiedlich die Perspektiven sind. Wir kamen über den Genozid an den Indianern auf das Thema und unsere US-Bekannte erklärte, dass die bösen Europäer die Indianer umgebracht haben, da könnten (Subtext) die Amerikaner doch nichts für; ich konnte mich vor Lachen kaum halten: „Die habt ihr schön selbst kalt gemacht. Aber am Ende sind wohl doch immer wir schuld.“ „Na ja“, murmelte sie darauf: „Irgendwie sind wir doch alle Europäer.“ Klar, ganz plötzlich, wenn es um Schuldzuweisungen geht.

Die lernen das bestimmt so in der Schule und ganz falsch ist es ja nicht. Es waren natürlich die Europäer, in dem Fall jedoch nicht meine Vorfahren, sondern jene, die drüben geblieben sind. Höchstwahrscheinlich ist dass die Perspektive der Amerikaner: Die bösen Europäer haben die Indianer mitleidlos niedergemetzelt und danach kamen die Siedler mit ihren Planwagen und haben das Land fruchtbar gemacht, genauso wie in den Cowboy-und-Indianer-Filmen der 50ger Jahre. Hollywood-Filmen, natürlich. Die bösen Europäer lösten sich daraufhin in Luft auf oder wurden bei der Boston Tea-Party über die Ozean allesamt heimgeschickt. Zurückblieben sind nur: Helden… Es geht doch nichts über ein einfaches Weltbild in dem man sich als „die Guten“ sehen kann. Das ist ein amerikanisches Phänomen, doch nicht nur. Deswegen komme ich auf die ganze Geschichte.

Wenn ich mich so bei mir und meinem Freundeskreis umsehe, sehe ich konservative und angepasste Menschen, und selbst wenn ich versuche so etwas wie „Haltung“ zu haben (Betonung auf „versuchen“…) bin ich selbstverständlich nichts anderes. Ich kann mir hier die Finger blutig schreiben: Es wird nichts ändern. Überhaupt. Gar nichts. Und wenn man zurückblickt auf das Europa unserer Zeit, dass sich schön raushält und Themen wie Asylpolitik und Kriege einfach wegschiebt, kann man im Nachhinein leicht sagen: „Dafür konnte ich doch nichts. Ich habe niemandem etwas getan. Habe ganz normal und friedlich mein Leben gelebt, meinen Mitmenschen geholfen und immer eine Stimme gehabt.“ Jedoch. So haben die Besiedler der Staaten sicherlich auch gedacht:
„Wir wollen keinem was Böses, im Gegenteil. Wir wollen nur einen Ort für UNSERE Familie und für uns SELBST. Was ist daran verkehrt? Haben wir denn kein Recht darauf glücklich z sein? Das ist doch jetzt UNSER Land! Wir haben es urbargemacht. Das ist jetzt unsere Heimat. Und die verteidigen wir auch. Gegen die Bösen!“ Sprich: Gegen alle anderen. So könnte Israel mit seiner Siedlungspolitik auch argumentieren.
Ohne Zweifel, das ist ein einfaches Weltbild.

Doch auch wenn ich keine Kinder und noch keine eigene Familie habe (aber die Empfindung darüber), verstehe ich diesen Gedankengang: Man will schützen was man liebt. Der Rest. Wird ausgeklammert. Steht an zweiter Stelle. „Wir wollen doch niemanden was böses.“ „Was kann ich für eure Probleme?“
Die Menschen vergessen schnell. Auch US-Präsident Obama. Denn wer nicht ganz blöd ist weiß, woher die IS-Krieger kommen. Die Amerikaner haben das Problem selbst geschaffen, durch das Chaos was sie selbst verursacht haben. Es ist zynisch, doch Kurden vergasen unter Saddam war noch human gegen all das was danach kam.
Die USA als Weltpolizei? Alleine der Gedankengang ist schon ein Irrtum, denn die Streitmächte der USA waren nie die Polizei der Welt, sondern die STREITMÄCHTE DER USA. Immer ging es um US-Interessen. Darum, die vereinigten Staaten zu schützen oder zu bereichern. Deswegen kann man als Präsident auch sagen: „Wir haben euer Land befreit – gut, es ist kaputt und ich kann euch jetzt schon einen Bürgerkrieg vorhersagen (wie damals in Afghanistan, wo dann auch die Taliban die Macht übernommen haben – nebenbei erwähnt auch mit Waffen der USA, Geschichte wiederholt sich) – doch der Rest ist euer Problem. Es sind genug Amerikaner für eure Freiheit gestorben. Tschüss dann. Und bitte: Ruft nicht an wenn es Probleme gibt.“
Komisch dass die Dankbarkeit sich im Irak in Grenzen hält, wo doch die Guten so viel GUTES getan haben…

Dennoch ist es die gleiche Ausrede, die wir später haben werden: Wir konnten nicht mehr machen. Und die Bösen waren eh die anderen. Am besten sollen alle so sein und werden wie wir selbst. Dann leben wir im Himmelreich auf Erden.
Bis wir. Im eigenen Müll ersticken.

IS-Terroristen, Separatisten – und die Vernunft

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Solche Propaganda sieht man in den letzten Tagen häufiger, gerade auf Facebook; die Plattform in der Ironie/Satire als Politikum verwendet wird. Was mich zum Grübel brachte ist die Selbstverständlichkeit mit der diese Propaganda von den Leuten angenommen wird. Wobei. Die IS-Terroristen im Irak und Syrien so dermaßen entgegen unserer westlichen Werte wüten, dass es fast unmöglich ist als „Normaldenkender“ irgendeine Form von Empathie für diese Menschen zu empfinden. Der Konsens, sei es in der Weltpolitik oder auf der Straße, ist klar: „Die müssen weg.“ Wenn man es aber genau betrachtet sind die IS-Terroristen nichts anderes als Separatisten, die ihren eigenen Staat gründen wollen.

„Separatisten“. Vielleicht das Wort (oder das Un-Wort) des Jahres. Wir kennen den Begriff aus dem Ukraine-Konflikt und die sogenannten „Separatisten“ haben (oder hatten?) viele Sympathisanten in Deutschland, denn einige meiner Mitbürger haben das Gefühl, dass diese Unterdrückten vlt Recht haben. Die wollen gar nicht nach Europa, die wollen lieber Russen sein. Ob das jetzt Quatsch ist oder nicht, lassen wir jetzt mal außen vor. Jedenfalls gibt es für diese Separatisten Sympathien und Verständnis – für die IS Leute nicht. Die werden nicht einmal Separatisen genannt, sondern einfach nur Terroristen.

Der „Terrorist“ oder „Terrorismus“ sind in den letzten 15 Jahren mit zu den interessantesten Begriffen gereift, da man nach dem 11.9 fast jeden Feind eine bestimmten Gesellschaft passenderweise so bezeichnen konnte (nicht nur die Amerikaner Islamisten, sondern auch die Widerstandskämpfer in Tschetschenien von den Russen usw. usf.), und um Terroristen „auszuschalten“ ist jedes Mittel Recht; für Terroristen gelten andere Maßstäbe, andere Regeln, sprich keine Gesetze – ganz einfach weil die Genfer-Konvention nicht greift, denn damals gab es den Begriff noch nicht. Für Terroristen gelten keine Menschenrechte, wenigstens hat man das Gefühl. Sie „verstehen“ nur DIE eine Sprache. Sie sind durchtrieben von der Unvernunft der westlichen Gesellschaftsordnung gegenüber.

Wer „Terrorist“ ist, „Revolutionär“ oder „Widerstandskämpfer“, dass entscheiden für uns die Medien oder die Politik, denn die Grenzen sind schon längst verschwommen. Rein technisch gesehen hätte man die Demonstranten auf dem Maidan oder im Giysi-Park in Istanbul auch als Terroristen bezeichnen können, was Erdogan und Janukowitsch nebenbei auch getan haben – nur wurde der Eine dafür verlacht und aus dem Land gejagt, während der Andere unter tosendem Applaus wiedergewählt wurde, DIREKT vom Volk wohlgemerkt. Bei uns wurden sie „Demonstranten“ genannt, was positiv konnotiert ist…

Vergleicht man die Separatisten aus der Ukraine mit den IS-Terroristen, fällt zunächst auf, dass die „Gotteskrieger“ im Irak viel brutaler vorgehen als es die Separatisten Putins machen. Das ist der Grund warum die Leute im Westen denken, dass die Islamisten weg müssen. Sie sind nicht nur religiös, sondern sie sind religiös bis zur bloßen Unvernunft. „Wahnsinnig“ könnte man es auch nennen, wohingegen die Separatisten durchaus ein vernünftiges Anliegen zu haben scheinen – wobei beide Strömung Anti-Westlich sind und dessen Werte ablehnen (ich weiß, der Vergleich ist dünn, doch ich halte im Zeichen der permanenten Berichterstattung über die beiden Krisen den Versuch eines Vergleichs als gerechtfertigt).
Der beste Grund um die Russen in der Ukraine (das sind sie oder sie gerne wären: Russen) sympathisch zu finden, ist Putin selbst. a) Weil sich die Menschen nach einem starken Führer, dem starken Mann, sehnen (das Wort „Führer“ wurde mit Absicht verwendet) und b) der bloße Umstand, dass Putin Atomwaffen besitzt (das Fundament seiner Macht). Denn wer über Atomwaffen und eine große Streitmacht verfügt, dem kommt man eher mit Vernunft (und auch mit Sympathie 😉 ) als ein paar Tausend Revolutionären, die mit abgeschlagenen Köpfen von unbewaffneten Gefangenen die Scharia durchsetzen wollen. Der Westen ist fast gezwungen mit Vernunft auf Putin zu antworten, da die Unvernunft einen Weltkrieg zur Folge haben könnte – den weder Putin noch der Westen will. IS-Terroristen kann man locker aus der Luft bombardieren, denn es sind zwar viele, doch sie sind schlecht bewaffnet. Sie zu töten wird uns als „Alternativlos“ verkauft. Außerdem sind sie barbarisch – und fanatisch (ein Wort, das aufgeklärte Weichlinge wie uns am allermeisten abstößt).

Ich meine, die IS-Terroristen sind auch Wahnsinnige, oder? Sie wollen dass wir leben wie vor 1000 Jahren, dass wir Frauen wie Untermenschen behandeln und an ihren Gott glauben, der uns unseren Alltag mit seinen Gesetzen vorgibt. Dabei… Ich kann auch verstehen, dass man die westliche Lebensart als „wahnsinnig“ begreift, denn was wir als eine allumfassende, demokratische Freiheit verstehen, ist für Strenggläubige (welcher Konfession auch immer) ein totaler Verfall aller Werte. Für sie gibt es nicht Schlimmeres als in einer Welt zu leben, in der ihre Kinder verführt werden und zu Hedonisten oder Drogensüchtigen verkommen könnten – während wir im Westen so tun, als sei es der Höhepunkt der Evolution nur seinen Instinkten nachzugeben, wenigstens im Urlaub oder am Wochenende – das ist unser wahrer Verdienst. Auch das ist Wahnsinn, doch ein Wahnsinn, der von uns zwar vordergründig verurteilt wird (Flatrate Ficken wie Saufen zum Beispiel), doch auch beschmunzelt.
Es geht wie immer um Extreme. Gegen „normale Gläubige“ hätte von uns bestimmt niemand etwas, also Gläubige, die ihren Glauben leben, doch niemanden damit belästigen. Umgekehrt wäre es so mit den „normalen Atheisten“, auf die dann der Spruch zutreffen würde: „Was jeder bei sich daheim macht, geht mich nichts an.“ Das wäre der Konsens. Doch dieser Konsens ist nicht möglich, da sich Gesellschaften nicht beim kleinsten gemeinsamen Nenner treffen, sondern sich aneinander hochschaukeln. Es geht um die Verlierer in den Gesellschaften – und diese werden zu Extremisten, sei es in der Religion aber auch in der freien Gesellschaft. Es geht um Maßlosigkeit und die gipfelt immer in Unvernunft – und Unvernunft ist in der Gesellschaft auf die eine oder andere Art immer Menschenverachtend. Wer maßlos religiös ist, toleriert seine Mitmenschen ebenso wenig wie derjenige, der maßlos seine Freiheiten auslebt.

Was ist normal? Was ist entartet (dekadent)? Antwort: Es sind immer die anderen, die entartet sind. Man selbst ist natürlich, normal, lebt das bessere Leben, hat die bessere Moral. So denken wohl auch die Leute von der „Scharia-Polizei“, die in Wuppertal die Leute ermahnten keinen Alkohol zu trinken, keine Musik zu hören oder Glücksspiel zu betreiben; „wir wollen ja nur Gutes für die Menschen.“ Und wer würde nicht sagen, dass Glücksspiel und Alkoholismus im Prinzip etwas Schlechtes ist? (Die Bank gewinnt ja immer…) Doch es ist maßlos dies mit einer „Scharia-Polizei“ durchsetzen zu wollen. Es ist eine entartete Antwort auf durchaus entartet Zustände. Und dank der Angst vor IS-Terroristen bekamen die Salafisten-Spinner so viel Aufmerksamkeit, dass das ganze Land über sie spricht.
Wenn aber die „Styling-Polizei“ von Pro-7 durch die Münchner Innenstadt zieht und ein „Experte“ den Leuten vorschreibt, wie sie sich anzuziehen hätten, stört/interessiert das keine alte Sau; Quatsch ist Beides, und wenn nicht der Sachverhalt der „Nötigung“ besteht, ist sogar beider Schwachsinn (Scharia- wie Styling-Polizei) erlaubt. Es geht nur um das Gefühl zu der Sache, denn vor der Scharia hat man als Normalbürger Angst, Style-Tipps nimmt man dafür dankend an. Es geht um die Perspektive auf die Dinge.
Ebenso mit dem Männlichkeitsding den Russen gegenüber, denn der deutsche Mann steht total auf die Macho-Art der Russen, wo Männer noch „richtige Männer“ sind. Das schafft Sympathien: „Der Putin, der macht das einfach.“ Überspitzt gesagt machen die Islamisten nichts anderes als Machos: Nur krasser. Sie sind die „wahren Machos“, die absoluten Männer, weil bei ihnen Frauen rein gar nichts zu sagen haben – dennoch liegt der Sympathie-Wert den Terroristen gegenüber fast bei Null… Warum? Weil wir dem einen Gedankengang folgen können, da er unseren Werten ähnelt, während der andere dem zuwider läuft…

Um Extreme: Darum geht es. Und wir brauchen keine Extreme, weswegen es meiner Meinung nach in der Gesellschaft eine permanente Deeskalation geben müsste. Nicht nur bei uns in Deutschland, in Europa, sondern überall. Deswegen würde es mich gerade jetzt interessieren, was die normalen Muslime in unserem Land über die IS-Mörder sagen würden. Ich will keinen Krieg und keine Hetze mehr im Netz und im TV, ich will wissen was die „normalen“ Menschen sagen, will hören wie Deeskalation klingt und damit kein Gerede über Parallelgesellschaft oder Unterschichten-Hip-Hop, der sich in Gewalt gegen Schwächere oder andere ergötzt. Das würde ich stark finden. Wir müssen endlich den Extremen das Mirco aus dem Gesicht nehmen und die große schweigende, die friedliche Masse zu Wort kommen lassen.
Dabei glaube ich nicht, dass man den IS-Mördern mit Vernunft kommen kann. Wirklich nicht. Denn sie leben in einer ganz anderen Welt als wir. Und dass ist es, was wir, der Westen und die Russen gemeinsam haben: Eine ähnliche Vorstellung von Vernunft – wenn auch nicht die Gleiche. Deswegen kann man verhandeln. Weil man vernünftig sein kann. Deshalb sind die einen SEPARATISTEN und die anderen TERRORISTEN, weil ein Dialog mit Separatisten möglich ist – mit Religiösen Fanatikern nicht, da ihre Vernunft nicht von dieser Welt ist.

Den Mördern kann man leider nur mit Gewalt begegnen, jene aber, die noch keine Mörder sind, doch auf dem besten Weg dahin, denen muss man mit Worten kommen, das ist die einzige Chance. Darin sollte unsere Gesellschaft investieren. In Bildung. Nicht nur in Bomben. Denn nur wer fähig zum Didaktischen Denken ist, kann auch sein Gegenüber akzeptieren. Nicht nur die Religionen müssen sich öffnen, sondern auch wir, diejenigen, die an eine Form von Freiheit glauben. Und wir dürfen uns nicht dazu drängen lassen, dass wir unsere Freiheit für Sicherheit opfern, denn Sicherheit erlangt man nicht durch Überwachung, Gewalt und Ausgrenzung, sondern man muss fähig sein sich selbst zu verändern. Wenn wir unsere Freiheit schon für etwas schmälern müssen, dann für die Freiheit der anderen – denn dadurch werden wir auch Sicherheit erlangen. Es geht um einen Konsens. Und Israel/Palästina ist unser schlechtes Vorbild dafür, den Konsens niemals zu erreichen. Der Fall dort ist exemplarisch: Zwei Extreme stehen sich gegenüber. Und das Einzige was sich dort entwickelt ist der Hass.
Es gibt drei Lösungsmöglichkeiten: Entweder lernt man zusammen zu leben oder die eine Partei löscht die andere aus – oder – man lebt in Angst in Schrecken bis ans Ende aller Zeit.