Putsch und Pokemon

Am vergangenen Nachmittag spazierte ich mit meiner Freundin durch unsere kleine Stadt, wir waren auf der Suche nach Pokemon. Ein schöner Sommer-Nachmittag. Das war einen Tag nach  dem Mordanschlag in Nizza und Stunden bevor es in Istanbul zu einem Putsch gegen die Regierung kam, ebenfalls mit vielen Toten. Beides wird Terrorismus genannt – und wir sammeln Pokemon.

Von der Geschichte in Istanbul habe ich heute morgen erfahren, als ich aus dem Bett schlüpfte und auf die Toilette ging, ein Freund hatte mir es bei Whatsapp geschrieben. Natürlich war nicht mehr daran zu denken wieder ins Bett zu gehen und schlafen. Istanbul geht uns alle an. Besonders, weil ein Bekannter von mir dort Urlaub macht. Außerdem liegt der Bosporus gefühlt direkt vor meiner Haustüre, so eng ist Europa inzwischen zusammengerückt.

Nizza… War eine große Tragödie. An Tragödien in Frankreich, deren ein terroristischer Auslöser nachgesagt wird, hat man sich schnell gewöhnt. Ja wirklich. Zwar ist die Anteilnahme groß, die Franzosen sind im Moment wirklich arme Schweine, Istanbul jedoch ist neuer, aufregender, spannender. Tut mir leid, so ist da nun einmal. Wenn der Stressspiegel der Bevölkerung durch „Eilmeldungen“ der 5ten Macht ständig hochgehalten wird. „Spiegel“, „Bild“, „Zeit“ und all die anderen „Onlines“ machen den ganzen Tag nichts anderes.

Es hört ja auch gar nicht mehr aus. Seit der Ukraine scheint ständig etwas zu sein. Syrien. Terrorismus. Anschläge auf der ganzen Welt. Tote. Demonstrationen, dafür oder dagegen, so auch bei dem Putschversuch gestern. Unvermittelt schaut man fast schon aus dem Fenster, ob das Nachbarhaus nicht schon in Flammen steht, oder ob nebenan auch wirklich „black lives matters“. Es macht einen wahnsinnig dieses ständige Bombardement mit Schreckens- und Panikmeldungen. Wie soll man, nein, wie DARF man da noch ruhig schlafen? Es geht uns doch ALLE etwas an! Sicher? Schließlich war ich gestern nur Pokemon jagen…

 

Sogar hier in der Kleinstadt trafen wir kleine Grüppchen von jungen Leuten und die gerne als Junggebliebenen Genannten. Die einen sind voll dabei, die anderen grinsen ironisch, schamhaft berührt über so viel Unsinn „virtuelle Monster jagen“, aber es macht Spaß und deswegen sind sie trotzdem dabei. Was spricht dagegen Spaß zu haben?

Öffnet man Facebook sieht man sofort tausend Gründe, weshalb es fast schon eine Sünde ist in diesen Zeiten zu lachen. Freunde teilen Videos „pro Russland“, da sie gegen die USA sind, oder umgekehrt. Der Informationskrieg ist im vollen Gange  und irgendwie musst du dabei sein, irgendeine Haltung MUSST du an den Tag legen, sonst bist du draußen, sonst bist du nicht in der Gegenwart angekommen, sonst bist du ein Niemand, der sich Fremdbestimmen lässt. Dein Leben ist doch nur der Spielball der Mächtigen! Willst du das zulassen? Schließlich ist die Frage „ob wir einen neuen kalten Krieg wollen oder nicht“ an Lächerlichkeit kaum zu überbieten: Wir stecken schon lange mittendrin.

Und du gehst PO-KE-MON JAGEN!??

 

Ja, ich werde auch heute wieder ein paar von den Viechern catchen, wenn auch nicht alle. Ich halte das sogar für ziemlich vernünftig, anstatt in Angst darüber zu leben, was in der Türkei, in Frankreich, in den USA, in der Ukraine, in Syrien oder bei uns passiert oder geschehen könnte. Denn ich sehe es nicht ein mein Leben dadurch einengen zu lassen. Ich beteilige mich nicht an der Panik dieser für mich virtuellen Kriege, die, das ja auch sind. Trotz der Toten. Trotz dem Leid. Trotz den Verwundeten und Krüppeln. Wusstet ihr dass es in der Türkei seit 1960 schon vier Putsch-Versuche gab? Hat euch das früher interessiert, als die Türkei noch weit weg war und uns nun eingeredet wird, die Türkei ist 10 Kilometer entfernt? Und ist euch klar, dass es  in Deutschland (trotz all dem Nachrichten-Terror, der einen suggeriert dass man immer und überall von einem Terroristen getötet werden könnte) wahrscheinlicher ist von einem Blitz erschlagen zu werden als Opfer einer Terroristen Attacke? Und ist euch nicht klar dass es vollkommen scheißegal ist ob ihr kleinen Niemande pro Putin oder pro Obama seid oder (was ich am vernünftigsten halte) alle beide Staatenlenker als Mörder verurteilt, solange ihr nur vorgefertigte Info-Krieg-Videos einer Großmacht teilt und ihr somit nur die Meinung von anderen wiedergebt und selbst dann, wenn diese Meinung zu der euren geworden ist, nichts verändert, nichts unternommen habt und weder klüger oder besser seid als jeder andere, dem Politik am Arsch vorbeigeht?

 

Vor ein, zwei Jahren habe ich in meinem damaligen Blog noch mehr „Haltung“ gefordert, heute sieht man überall Entartungen dieses Wunsches, so als ob „Haltung“ im Inneren oder auf Faecbook etwas ändern würde, denn tatsächlich nimmt man diese „Haltung“ nur in virtuellen Räumen an, und wird Teil von virtuellen Informationskriegen, wird Soldat von irgendeinem Blödsinn, für oder gegen etwas ist im Prinzip egal. Hauptsache man ist dabei. Hauptsache man kann mitreden und sich klüger oder besser informiert fühlen als das Gegenüber; die Frage ob dies überhaupt noch möglich ist wird gar nicht mehr gestellt. Überall sieht man geteilte Bilder deren Urheber ich nicht kenne, keine eigenen Gedanken. Überall sind Feinde, allgegenwärtig scheint der Tod.

 

Ich finde virtuelle Pokemon draußen auf einer echten Straße zu suchen vernünftiger, als sich echte Angst und Panik durch virtuelle Wahrheiten aus dem Internet ins Gehirn herunterzuladen. Denn die Welt mag zwar durch die Globalisierung näher zusammengerutscht sein, ja. Doch eines ist sie nicht: Die Welt wird nicht kleiner geworden. Lasst euch das nicht einreden. Wir haben ja nicht ohne Grund über die Phrase gelacht, dass „unsere Freiheit jetzt am Hindukusch verteidigt wird“. Denn neben dem Lachen war die beste Frage die damaligen Unwissenheit die mit „Am was?“ ausgedrückt wurde.

 

Das soll natürlich nicht bedeuten, dass ich jetzt zu einer kollektiven Ignoranz aufrufen will. Bleibt informiert! Doch nur von echten Informationen, nicht von Wortfetzen, sei es von einem Zusammengeschnittenen Video wo euch ein Typ den ihr niemals vorher gesehen habt und über den ihr nichts wisst,  genau das sagt, was in euer Weltbild passt und ihr es deshalb als „Wahrheit“ erachtet, oder auch nicht vom freundlichen „Tagesschau“- oder „Heute“-Sprecher, der liebe Onkel, dem man ja vertrauen kann, weil er euch tagtäglich die Welt erklärt, mit einer Realität passend zur Eigenheimfinanzierung.

Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass es angenehm ist sich nur die Informationen herauszusuchen die einem gefallen, die einem die eigene Denke bestätigen und die dir ein gutes Gefühl geben – gerade auch, wenn sie einem eine schlechte Weltsicht vermitteln (denn man hat es ja als fast schon einziger schon lange kommen sehen). Aber es reicht einfach nicht sich nach dem Mund reden zu lassen und dem anderen darüber gar nicht mehr zuzuhören. Ja. Das ist anstrengend. Gerade in einer Welt in der so viele falsche Informationen so schnell abrufbar sind. Ja. Das ist kompliziert. Und nein. Ich weiß auch nicht alles besser: Doch ich habe wenigstens gelernt nicht zu jedem Thema sofort meine unnütze Meinung abzugeben. Lasst euch einfach Zeit für eure Haltung und werft die dann vielleicht auch mal öffentlich über den Haufen wenn ihr merkt, dass ihr vielleicht doch falsch liegt. Ich weiß. Das ist peinlich. Nur ist es besser als sich immer tiefer in irgendwelchen Unsinn zu verfangen, nur weil man einmal auf der Schiene ist.

Ich werde ja auch nicht ewig Pokemon sammeln. Das wäre genauso peinlich.

Großvaters Vermächtnis

Tommy braucht Hilfe, denn Tommy zieht mit seiner Freundin in das Haus seines Großvaters. Sein Großvater, der Alois, hatte das Haus in den 50ger Jahren, nach der Kriegs-Gefangenschaft, mit seinen eigenen Händen gebaut. Er hatte es nicht nur mit dem Architekten GEPLANT wie das heute der Fall ist, den Bau dann ÜBERWACHT, wie es einem der Gastgeber im frisch errichteten Eigenheim in unseren Tagen mit Whiskey-Glas in der Hand so stolz erzählt, als hätte er selbst die Ziegel geschlagen und nicht nur ausgesucht. Nein. Der Alois hat das mit seinen Brüdern und Freunden alles selbst gemacht, vom Ausheben des Kellers bis zum Legen der Ziegel auf dem Dach. Mit jenen Brüdern und Freunden, die der Krieg ihm gelassen hatte.

„Scheiß alter Dreck“, flucht Steve draußen im Gang, wie er da versucht neue Kabel in die Wände zu ziehen, „alle Schächte sind total überladen mit diesen Schrottkabeln!“ „Vor 60 Jahren hat man halt noch anders gearbeitet als heute. Und es hat ja bis heute gut gehalten“, meint Tommy dazu, ein wenig trotzig, ein wenig peinlich berührt und doch ebenso ein kleines bisschen stolz auf seinen Großvater. Durch seiner Hände Arbeit.

 

Ich bekomme davon gar nichts mit. Drinnen im Haus zerlege ich mit weitausholenden Schlägen die Küche. Vor jedem Hieb überlege ich mir die Mathematisch richtige Schlagrichtung um die Nägel und den Leim zu überlisten, dann KRACH! und die Küche geht ein klein wenig mehr ihrem Ende im Bauschutt entgegen.

Im Esszimmer hängen noch schwarzweiß Bilder von einem wüst schnauzbärtigen Mann im Nietzsche-Stil und einer hübschen, Bäuerlichen Frau in Schürze und Kopftuch. Den Ur-Großeltern von Tommy. Die den Krieg nicht überlebt haben. Tommy weiß nicht einmal mehr, welchen Krieg.

 

Der Alois, Tommys Opa, war nie mehr wirklich aus der Gefangenschaft, aus dem zweiten Weltkrieg zurückgekehrt. Ja. Er hat dieses Haus gebaut. Hat seinen Sohn bekommen. Den Bruno, den Vater von Thomas, der für uns der der „Tommy“ ist. Und dennoch war der sogenannte „Lois“, wenn auch körperlich unversehrt, geistig extrem kriegsversehrt, ständig betrunken durch dieses alte Haus  gelaufen. Die Geschichten und Erinnerungen von Tod und Angst in seinem Kopf. Eingebrannt wie eine Prägesignatur bei einem Zuchtrind; er würde immer dem Krieg gehören. Tommy hat mir so einiges über seinen Großvater erzählt. Und. Es hatte mich sehr an meinen eigenen Opa erinnert. Hieb! KRACH! Geht die Vergangenheit und all ihre Schmerzen zugrunde.

Es staubt in der Küche. Noch mehr im Bad. Wo der Metin die Fließen von den Wänden meißelt. Und wir Alle atmen den Staub der Vergangenheit ein. Räuspern uns. Und spucken aus.

 

Als die Küche verschlagen ist und wir deren Überreste draußen in den großen, anonymen, alten Metall-Container geworfen haben (ich habe noch nie einen NEUEN Bauschuttcontainer gesehen), gehe ich in die Küche und nehme mir den großen Eichenholzschrank vor. Tommy hilft mir ihn so in den Raum zu legen, dass ich ihn am Leichtesten in seine Einzelteile zerschlagen kann. Plötzlich.

Als ich die Rückwand zertrümmere. Fällt eine große Schatulle heraus. Der Holzwandschrank hatte eine verstecke Zwischenwand. Tommy und ich machen „Oho!“ Gesten und Gesichter.

In der großen Schatulle – ich weiß gar nicht ob das Wort SCHA-Tulle passend ist, es ist nur das einzige Wort was mir dazu einfällt – sind alte Fotos. NACKTBILDER, vergilbt. Amateur-Aufnahmen. Und Tommy lacht mich peinlich berührt an: „Das ist meine Großmutter!“

„Der Lois, der alte Schelm“, lache ich. „Das braucht dir nicht peinlich sein…“ Ich überlege, dann weiter: „Du Tommy. Du musst mir einen Gefallen tun wenn ich mal sterbe.“

„Hm?“ Geistesabwesend:  „Tun ist schlechtes Deutsch.“

„Wenn ich mal tot bin, dann geh durch die Wohnung, Haus, wie auch immer und vernichte den ganzen Porno-Kram der bei mir herumliegt.“

„Echt? Du hast noch Porno-Kram?“

„Ähm. Ich meine. Lösche meine Festplatte.“

„Versprochen Großer.“

Unter den Fotos von Oma, in der sie vielleicht Mitte 20 gewesen sein muss, sind noch andere Fotos. Sie sind alt, dabei aber erkennbar neuer als die von der nackten Großmutter. Sie haben einen Rot-Stich. Vielleicht aus den 60gern? Siebzigern? Darauf sind eine junge Frau. Sie sieht nicht sehr glücklich aus. Da so an den Stuhl gefesselt. Irgendwer hat sie geschlagen. Eine schöne junge Frau. Toller, wirklich geiler Körper, gutes Gesicht. Komische, veraltete Frisur.

„What the fuck?…“ Tommy schaut mich an. Und darunter sind noch mehr Fotos. Polaroids. Die noch AKTUELLER sind. Wieder eine junge, hübsche Frau. Eher. Ein Mädchen. Wieder wurde sie an den gleichen Stuhl gefesselt. Wieder wurde sie geschlagen.

Als ich den Hintergrund sehe, murmle ich, nicht erschrocken, abwesend: „Das ist doch hier im Keller oder?“

Tommy und ich sehen uns an. Ganz unten in der Box ist: „Hanf?“ Tommy ist verwirrt, hält mir das hin, was er für Hanf-Fasern hält. Nicht der zum Rauchen. Sondern so einer, mit dem man Dampf-Leitungen isoliert.

Ich: „Tommy. Das ist kein Hanf.“

Und er: „Das sind Haare!“

Er lässt sie fallen. Auch die Schatulle. Und wir stehen da. Sprachlos. Während Metin drüben die Fließen von der Wand meißelt das es nur so staubt.

Ich bin es, der als erstes die Sprache wiederfindet: „Ich glaube, dein Opa hat dir nicht JEDE Geschichte über den Krieg erzählt.“

Und Tommy meint nur Kreidebleich: „Wir sollten uns den Garten mal genauer ansehen.“

Gewalt gegen Männer

Boah war ich gestern/heute besoffen… Bin immer noch voll zerstört, am Limit. Dennoch will ich diesen Gedanken zu Ende bringen, den ich im vorherigen Eintrag aufgegriffen habe:
Wenn Frauen mit sensiblen Männer spielen, ihnen Hoffnungen machen, sie ausnutzen, nur um sich mit ihnen die Zeit zu vertreiben und ohne sich jemals wirklich auf sie einlassen zu wollen, dass das eine Form von Gewalttätigkeit gegenüber Männern. Ich weiß. Das klingt auf den ersten Moment lächerlich, weil dieses Verhalten komischerweise immer noch als unmännlich gilt: Wenn ein Mann einer Frau hinterherläuft und sich ausnutzen lässt, hat kaum jemand Respekt vor ihnen und sie sind auch von Außenstehenden ein Opfer von Spott – aber dennoch sind sie auch Menschen mit Gefühlen denen Gewalt wiederfährt, eine psychische.

In einer Gesellschaft in der weites gehend die Körperliche Züchtigung ausgerottet ist, werden andere Formen von Gewalt angewendet. Leider geht es selten ohne. Und wenn man den eindeutig körperlich stärkeren Mann seine physische Kraft nimmt, ist er meiner Meinung nach anfälliger gegen psychische Gewalt als die Frauen… Klingt jetzt nach einem jammernden Frauen-Hasser-Text. Nun. Das ist sicherlich eine Pauschalisierung, über die man trotzdem auch mal sprechen sollte.
Sensible Menschen sind an sich sind mehr von psychischer Gewalt bedroht – das liegt auf der Hand. Wenn man jedoch die physisch Schwächeren vor den physisch Stärkeren und deren Gewalt-Potential schützt und einen Verstoß dagegen nicht nur gesellschaftlich ächtet, es sogar staatlich verbietet, müsste das auch auf der psychischen Ebene eine Rolle spielen, hier ist aber die Grau-Zone zwischen dem was okay ist und was nicht viel unübersichtlicher. Und im Zweifelsfall nimmt man die Opfer nicht ernst. Ich weiß das, weil ich mich durchaus auch als Täter empfinde, jetzt nicht im sexuellen Spiel, in dem ich für die Raubkatzen der Weiblichkeit lange Zeit ein Opfer war, sondern im zwischenmenschlichen Geltungsdranggeschehen, wo ich viel zu oft viel zu hart gegen sensible Menschen ausgeteilt habe. War doch alles gar nicht böse gemeint. Die sollen sich doch nicht so haben… So läuft das. Man kann die Gewalt im Nachhinein herunter reden, da die Seele zwar blaue Flecken bekommen, wir das aber nicht sehen können.

Es ist ein schwieriges Feld. Was ist noch Flirten? Was ist Unsicherheit? Was ist ernstgemeint? Und was ist kalt und berechnend? Im Zwischenmenschlichen wird viel zu wenig gesprochen und dafür viel zu viel interpretiert und damit missverstanden. Und wie gesagt: Durch die Schönheitsindustrie wird der Mann ständig mit Reizen überflutet, die er nicht richtig einordnen und im ersten Moment gar nicht wirklich entschlüsseln will. Alleine auf den Gedanken dass es eine Metaebene im Auftreten einer Frau gibt, kommen die meisten Kerle nicht. Und nein, ich will jetzt natürlich auch nicht behaupten, dass es im Umkehrschluss okay wäre, wenn Männer ihre psychische Unterlegenheit mit physischen Mittel durchsetzen – keinesfalls!

Die Frauen suchen die Männer aus, in dem sie sich (wie in der Tierwelt) auffällig präsentieren. In unserer Gesellschaft entscheidet am Ende die Frau mit wem sie ins Bett geht und damit sind wir beim schönen Wort Entscheidungsgewalt gelandet. Durch ihre Selektion übt sie auf die Versager des Castings Gewalt aus, ebenso wie der Mann seine Kontrahenten um die begehrte Frau früher mit Gewalt ausstach (wortwörtlich). Da ist immer eine gewisse Form von Gewalt mit ihm Spiel, auch wenn die Frauen das so nicht sehen wollen, denn für sie scheint (ich bin ja keine Frau) das Ganze mehr ein Spiel als alles andere zu sein. Und jeder Mensch wird gerne begehrt – das kann man wiederum niemanden vorwerfen…
Es geht sogar schon so weit – wie ich es gestern/heute beobachtet habe – dass die Männern die der Ehre erliegen einer Frau den Hof machen zu dürfen, sich dadurch für Hengste und Aufreißer halten, obwohl sie es nur der Gnade des Weibchens verdanken überhaupt mit ihr reden zu dürfen. Und der Mann ist ein Idiot der sich gleich für den Geilsten überhaupt hält, für das Alphamännchen, und sieht gar nicht das er zwar der Außerwählte ist, es aber nur ist, weil die „Göttin“ das ab nickt wie der Imperator in der Arena, der über Leben und Tod entscheidet. Macht birgt immer auch Gewalt und je nach dem Grad des Verlustes ist es auch gewalttätiger Akt gegen den, der dank der Ungnade aus dem Spiel ist…
Wer Macht hat sollte damit weise umgehen…

Oder kurz gesagt: Ich bin froh dass ich aus dem Spiel erst einmal heraus bin, da ich in einer sehr, sehr glücklichen Beziehung stecke.

Die Hochzeit meines Vaters

Eines Tages kann man sich gar keine Nachrichten mehr im Fernsehen ansehen. Die Welt scheint immer schlechter zu werden. Krieg gab es zwar schon immer und ich glaube nicht dass es nach Mao, Hitler und Stalin noch eine Möglichkeit gibt den Härtegrad der Verbrechen gegen die Menschlichkeit noch zu erhöhen. In unserer Gegenwart jedoch, in unserer Zukunft sowieso, gibt und wird es scheinbar immer mehr Menschen geben, die sich gegenseitig Gewalt antun können und dies auch machen werden. Das ist eine ganz einfache Rechnung: Umso mehr Menschen, desto mehr Grüppchenbildungen und Individualisierung des Denkens wird es geben, so dass es für Gruppen und Einzelne immer mehr „Andere“ geben wird, die man als Feinde ansehen, hassen, verdammen, verletzten und am Ende töten kann, wirklich KANN, nicht könnte. Das viel zu viel an Menschen sorgt für noch mehr Tod und Hass…. Heute in Damaskus, im Jemen, übermorgen woanders und überall. Und wir sind unfähig dafür Lösungen zu finden, nicht nur weil es uns zu gut geht (was dennoch stimmt), sondern auch weil die Menschheit die Globalisierung noch nie unter Kontrolle hatte und deswegen nicht schnell genug auf die Probleme reagieren kann die sich daraus ergeben, und wenn sie es versucht nur alte Lösungen auffährt ohne zu begreifen, dass eine sich ständig ändernde Welt andere Lösungen braucht, als eine Welt im Stillstand, mit den immer gleichen regionalen Problemen…

Ich wolle nur noch schnell die „Tagesschau“ sehen und dann im heißen Badewannenwasser „Mehr als laut – DJs erzählen“ von Jürgen Teipel lesen, dazu analog das Buch „Analog“ (ich weiß ich bin sehr witzig) von Thomas Meineke, nur wenn man gerade im Fernsehen das blanke Elend der Menschheit gesehen hat, das Flüchtlingslager in Jarkmuk, welches UN-Generalsekretär Ban wörtlich als „innersten Kreis der Hölle“ bezeichnet hat, fühlt sich die Lektüre von DJ-Erzählungen schon im Vorfeld absolut banal an. Auch wenn ich weiß, dass das einfach nur eine gewisse Art von Leben ist, um die es dort geht, DJ-Leben halt, Wohlstandsleben, ähnlich wie meines und ganz gleich wie sehr die erzählenden DJs ist diesem Spoken-Words-Büchlein um die Welt jetten und überall Freude und Party verbreiten, während sie die tollsten Orte und Menschen kennen lernen, so ist ihr Leben im Flieger und im Club vielleicht sogar noch banaler als mein eigenes, denn es ist ein Missverständnis wenn man annimmt, dass ein Leben dadurch weniger banal ist, nur weil man durch die Welt fliegt…

Heute war die Hochzeit meines Vaters, so heißt ja auch der Eintrag. Es war ein schöner Tag und wir hatten ein nettes, friedliches Familienfest, bei dem wie immer die Kinder die Stimmung gemacht haben – vlt doch lieber die Kinder, als nur der Alkohol. Auch das kommt mir jetzt banal vor. Hochzeiten sind banal, Familien, Wünsche… Alles ist banal, selbst unsere Träume, unser Lachen, unser Glück – und doch ist es so viel wert und kostbar, wenn man es mit dem Leben derer vergleicht, die weniger bis nichts haben, die gerade verhungern, verdursten, verbluten… Verrecken… Das Glück ist banal… Ebenso wie der Tod… Ich weiß nicht… Wenn man abgestumpft genug ist, dann vermutlich auch der Tod…

Wir entscheiden selbst was uns wichtig ist, das ist ein Zeichen unserer Freiheit, das Komische ist nur, dass wir uns für so merkwürdige Dinge entscheiden, offensichtliche Banalität wie das neueste Smartphone, oder andere banale Sachen, wie an einen Gott zu glauben und deswegen damit zu beginnen den zu hassen und zu erniedrigen, der vor dir steht, den man nicht wegdiskutieren kann, den man sogar anfassen könnte, und den man am Ende vlt totschlägt, weil man eine andere Vorstellung von einem „richtigen“ Leben im Kopf hat, als der arme Hund vor dir, der an etwas anderes GLAUBT und ebenso wenig weiß wie du. Dabei: Wer nicht mehr über „richtig“ oder „falsch“ diskutieren kann, wird immer zum Täter; ja, es ist wirklich banal wegen seinen Überzeugungen – die man meistens auch nur von anderen hat – zu töten. Das ist so alt wie die Menschheit selbst. Wir sind Hinterwäldler mit weiterentwickelten Steinschleudern und WLAN…

Wir waren heute zwei Familien bestehende aus banalen Menschen, die sich banale Dinge sagten, über banale Witze lachten und banale Essen aßen. Unser Trink- und Rauchverhalten war banal. Auch unsere Beziehungen, unsere offen ausgetragene Liebe zueinander. Das ist nichts Besonderes. Auch wenn jeder von ihnen auf eine gewisse Weise ein Teil von mir ist. Und wir Alle – jeder einzelne Mensch auf dem Erdball – in Wahrheit ein verficktes Unikat. Sogar unsere hochgeschätzte Subjektivität ist eine Banalität, da jeder Mensch einzigartig ist… Es hängt damit zusammen, wer wir sind und was wir sein wollen… Es geht wie so oft um „Respekt“, denn Respekt macht aus uns mehr als nur irgendwelche austauschbare Leute, sondern echte Menschen…
Und ich respektiere die Entscheidung meines Vaters, mit 67, nach einem Jahr der Trauer, seine Langjährige Lebenspartnerin zu ehelichen. Ich finde, dass das Wichtig ist. Ihre Entscheidung. Sowie die meine.
Und nein: Heute kein Happy End.

Anti-NATO-Demo zur Sicherheitskonferenz in München 2015

Dieses Jahr war auf der Anti-NATO-Demo anlässlich zur Sicherheitskonferenz der NATO-Staaten mehr los als die letzten Jahre, Grund dafür ist der Krieg in der Ukraine. Ich bin zwei Jahre lang selbst überzeugt mit marschiert, die letzten Jahre schon nicht mehr und hätte man mich dieses Jahr jemand gefragt, wäre ich aus Überzeugung nicht mit auf die Straße gegangen, nicht weil ich die NATO nun als tollen Verein empfinde, sondern weil mir bereits im Vorfeld klar war (und wie es hier in der TAZ bestätigt wurde), dass eine differenzierte Auseinandersetzung zum Thema Ukraine nicht stattfinden würde.

Leute, ihr könnt gegen die NATO sein, gegen Krieg, das ist gut und Recht (das meine ich wörtlich), sich aber im falschen Umkehrschluss damit auf die Seite von Russland zu begeben, nur weil man gegen die NATO ist, ist so vollkommen verblödet und dumm, dass es fast nur zum Schreien ist; dabei sind es nicht nur diese Demonstranten auf der Straße, sondern zigtausende Leute in Deutschland die sich aus Wut über die Amerikaner und ihre eigene Regierung kategorisch auf die Seite Russlands stellen und wer so sehr die eigene Regierung und die normalen Menschen aus der Ukraine hasst, der kann meiner Meinung nach gern nach Russland gehen und dort das „bessere“ Leben als hier führen. Jedem seine Meinung, doch wenn diese nur aus blanker Wut und Enttäuschung besteht, aus purem Egoismus ohne Empathie, dann habe ich dafür kein Verständnis. Das sind nur „Gutmenschen“, die möglichst für sich die Welt gut haben wollen, für ihr eigenes Leben Didaktisches Denken sollte jeder von uns drauf haben und auch den Willen es anzuwenden.

Ich bin und war nie ein Fan von Angela Merkel, ihre Ukraine-Politik finde ich indes gut – nur sollte sie Waffen an die Ukraine liefern. Früher oder später werden sie ohnehin von Ländern aus Osteuropa geliefert werden, da diese Länder Angst haben vor Russland, davor, wozu Russland in der Vergangenheit fähig war. Und jetzt kommt mir nicht mit der „Deutschen Vergangenheit“. Das kann man nicht vergleichen. Deutschland ist nicht das Land, dass es vor 70 Jahren war, doch Putins Russland gebärdet sich seinen Nachbarn gegenüber so (man denke z.B. an Ossetien), als wäre wir noch in Zeiten der Sowjetunion. Diese Zeit aber ist vorbei und Russland hat kein Recht in einem souveränen Land Krieg zu führen. Da brauchen unsere „Intellektuellen“ gar nicht von „Kultureller Verbundenheit“ und Zugehörigkeit mit der Ukraine sprechen, denn die Sowjetunion ist vor bereits 20 Jahren zerfallen, die Ukraine ist ein eigenständiger Staat und lehnt in Angedenken der Verbrechen die die Russen nach dem zweiten Weltkrieg (wie fast alle ehemaligen Sowjetstaaten) Russland ab. Und noch mal zum Mitschreiben: Russland ist nicht die Sowjetunion!
Putins Russland wird nicht vom Westen militärisch bedroht, sondern durch seinen Freiheitlichen Lebensstil und davor, dass dieser Wirkung beim eigenen Volk zeigt – ich weiß, ich wiederhole mich, doch das kann man wohl nicht oft genug sagen.

Wir überlegen übrigens dieses Jahr Kiew zu besuchen. Und ihr könnt mich jetzt schon warnen vor den ganzen ultranationalen Extremisten die ich dort treffen werde. Komisch… In Russland, Frankreich, Griechenland und Deutschland demonstrieren ständig die Ultrarechten – von solchen Demos habe ich in der Ukraine nie gehört…
Das ist noch nicht fix, mal sehen was der KRIEG so macht und welche Möglichkeiten einem da so bleiben. Fakt ist: Die Ukraine ist meiner Meinung nach das interessantes Urlaubsland der Welt. Wenn man nicht gleich Angst haben muss erschossen zu werden. Scheint ja ohnehin ein beliebtes Urlaubsziel zu sein: Die Russen sind schon da.

Herz aus Stahl

wäre ein richtig guter Film, wenn man am Ende bei den Figuren geblieben und nicht „300“ im zweiten Weltkrieg nachgestellt hätte. Totaler amerikanischer Patriotismus-Blödsinn… Schade. Anders scheint es aber nicht zu gehen in den amerikanischen Helden-Köpfen mit den unbeugsamen Supersoldaten.
In nem Zeitungsartikel habe ich gelesen wie stolz das Produktionsteam darüber, dass die Veteranen so zufrieden mit der Authentizität des Filmes waren. Nur. Als Veteran würde ich mich auch lieber als Superheld dargestellt sehen. Und nicht als Kriegsmacht die ziemlich spät in den Krieg eingegriffen hat und gegen einen Feind kämpfte, der kaum mehr Nachschub und Soldaten hatte und an mehrere Fronten gleichzeitig kämpfte, eben nicht nur gegen die wackeren Amis.

Ansonsten wäre der Film echt gut gewesen, gerade die Schauspieler. Shia LaBeouf hat mir gut gefallen. Der macht sich der Junge.