Das Gegenteil von Sexismus ist Feminimus

„Dich haben sie schon voll erwischt mit ihren Feminismus-Scheiß, oder?“

Das Kokain tropfte ihm bei Sprechen aus dem Glatzkopf, bis sich kleine Bäche bildeten, die an ihm herabliefen und niedertropften. Ebenso wie vorhin in der Dunkelheit des Kinos.

Wir hatten uns am Kino-Dienstag den „Independence Day 2“ angesehen, einer der schlimmsten Filme die man sich als menschliches Wesen überhaupt geben kann, so Rand voll Dummheit angefüllt fühlte sich die maximale Blödheit an, die wir uns da im Provinzlichtspielhaus reinzogen.

Schon da maulte und krakelte der Hartz-4-Prolet ein paar Sitze neben uns in dem fast leeren Kino, über die Entwicklung der Gesellschaft ab. Lauthals. Als im neuen Trailer zum Star Wars Spin-Of wieder eine Frau die Hauptrolle spielt, was für den Typen gar nicht ginge. „In was für einer abgefuckte Welt leben wir überhaupt? Frauen können doch nichts!“ Sein debiles Gerede feuerte er aber in einer angenehmen Dosis ab, so dass man sich gut dazwischen erholen konnte, wohl auch sein von mir aus in etwa 6 Jahre alter Sohn, der nebendran die Welt von Papa Prolo erklärt bekam. Und ganz sicher nicht zum ersten Mal. Im Film war eine Frau Präsidentin, und von so „einer dummen Sau konnten ja nur so bescheuerte Entscheidungen getroffen werden“, und „was ein Blödsinn! Als könnten Frauen so Flugzeug fliegen!“ Komischerweise kommentierte der Möchtegern-Macho das schwule Pärchen im Film nur mit einem: „Der aus dem ersten Teil soll jetzt plötzlich SCHWUL sein? Na… Auch egal…“

Dabei war der Film wirklich, wirklich grausam schlecht. Sogar die Projektoren flimmerten nur ein extrem schlechtes dreidimensionales Bild an die Leinwand und wieder zurück auf unsere Brillen. Hier im Kino fühlte man sich mehr „Unter Haltung“, als unterhalten.

 

Im Auto auf dem Rückweg setzte mein stark schwitzender Freund nach: „Der Gegenteil von Feminismus ist doch Sexismus.“ Da musste ich dann wirklich lachen: „Wasn Blödsinn… Was wäre denn wenn Frauen sexistisch sind?“

Er fuhr einfach fort, wild mit dem ganzen Körper polternd, während ich am Fahren war: „Jetzt sag mir mal EINE Sache die Frauen BESSER machen als Männer! Nur EINE!“

„Also meiner Ansicht nach machen Männer die Dinge auch nur schneller, aber falsch. Frauen brauchen länger und bis dahin sind die Männer mit ihrem Murks auch schon fertig. Das relativiert sich.“

„Höhö.“

„Keine Ahnung wer Sachen besser macht. Macht überhaupt wer Sachen besser? Die Unis sind auf jeden Fall voll mit Frauen. Und das spricht doch Bände. Und warum nicht? Und weshalb sollte ich mir nicht Frauen ansehen, die die Welt retten? Ich meine. Ich habe mir 34 Jahre lang angesehen wie irgendwelche durchtrainierten Honks im Lendenschurz die Welt gerettet haben – und mit denen kann ich mich auch nicht mehr identifizieren seitdem ich 12 bin. Weshalb sollen jetzt nicht Frauen die Welt retten, solche, die keine Titten aber dafür Abitur haben könnten. Ich meine, wir werden ja nicht von vollbusigen Klischee Katzenbergers gerettet.“

„Da ist was dran. Aber der Film kommt sicherlich auch noch.“

„Welcher?“
„Dieser Katzenberger-Film.“

„Na und? Schlimmer als der Film gerade wäre der auch nicht… Ich finde intelligente Frauen sexy. Verdammt noch mal, ich finde sogar intelligente Typen sexy, wenn sie nicht den Klugscheißer geben. Fühlst DU dich etwa von Idioten angezogen?“

„Der Film war wirklich scheiße.“ Themenwechsel.

„Oh ja.“

„Der war wirklich der letzte Dreck. Ich war erst auf der Party von der ich dir erzählt habe. Promi-Party.“

„Ach ja, da wollte ich eh noch wissen was da herauskam.“

„Auf jeden Fall waren da Weiber. HAMMER-Weiber! Und ich bin da mit einer ins Gespräch gekommen. Und die: Super erfolgreich, unglaublich geil anzusehen und auch noch knapp größer als wir zwei.“

„Und wir sind ja nun wirklich eher die Spitze der Evolution.“

„Genau. Und wir haben dann da rumgequatscht und ich hab ihr erzählt, WARUM sie keinen Mann ab bekommt.“

„Die wollte das hören?“

„Brennend.

Und dabei ist es doch so offensichtlich. „Hör mal“, hab ich ihr gesagt, „Du siehst aus wie ein Model, verdienst mehr als die Kerle und bis noch einen Kopf größer als sie – was denkst du denn was die Kerle glauben, dass sie dir bieten können? Die haben ANGST vor DIR!“ Und da hat sie dann so geguckt. Ich glaube. Der hat noch nie jemand so die Wahrheit gesagt.“

„Aber du hast verdammt Recht Mann.“
„Klar habe ich Recht.“

„Aber muss ein Mann einer Frau immer was zu bieten haben?“

„Ja logisch! Mann!“

„Wieso? Frauen haben vielen Männer doch auch nicht viel zu bieten als gut auszusehen, und die Typen mit dem vielen Geld und den Gehirnmuskeln hängen mit denen rum.“

„Du meinst dass ein Mann sich prostituieren soll wie eine Frau?“

„Ich würde es jetzt nicht gleich PROSTITUIEREN nennen…“

„Mann, das ist doch sexistisch wenn ein Mann sich SO aufführen muss um ne Alte klar zu machen!“

„Ne mein Großer“, da muss ich lachen und klatsche ihm auf sein Knie, „Da ist Feminismus dann wirklich mal Sexismus. Wegen Gegenteil und so.“

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Falsche Familienmitglieder

Warum sterben dieses Jahr so viele Stars? Lemmy Kilmister. Prince. David Bowie. Muhammed Ali. Götz George. Der verdammte, einzigartige Muhammed Ali. Onkel Buds Spencer.

Seiner Vermutung nach hat diese Häufung mit der Popularisierung bestimmter Teile der Gesellschaft zu tun. Populäre Gesellschaftschichten gab es schon immer. Am Anfang der Stammesführer. Dann Könige. Prinzen. Später wurden sogar Frauen wichtig. Es handelte sich dabei nur immer um einen eingegrenzten Bereich. Eine Elite. Und heute, ach was, seit Jahrzehnten, dank dem Kino, Radio, dank dem Fernsehen gibt es immer mehr populäre Menschen in unserer Wahrnehmung. Einen König und einen Promi unterscheidet bei nüchterner Betrachtung nicht viel: Beide leben und handeln durch die Aura, die ihnen andere zusprechen. Jeder ist nur ein Mensch, dessen Macht ihm andere zusprechen und ihn deswegen achten. Ein König ist auch nur ein Mensch. Und nicht einmal Brad Pitt wer Besonderes. Und da wir in einer popularisierten Gesellschaft leben die irgendwann ihren Anfang nahm und in welcher theoretisch jeder berühmt werden kann, ist es kein Wunder das man schließlich an einen Punkt gelangt, an denen die Stars von Gestern beginnen reihenhaft weg zu sterben. So ist das, wenn man inflationär mit dem Begriff, vor allem mit dem Gefühl für  „große Menschen“ umgeht.

Lemmy war der Fuck-Off-Rebel. Prince und David Bowie standen für die Befreiung der Sexualität durch Musik. Götz George war der, der die „Scheiße“ aus Duisburg Salonfähig machte. Ali war der erste schwarze Superstar. Und Buds Spencer war… Der HELD unserer Kindheit. Was zum Teufel das auch  bedeuten soll.

Auf eine gewisse Art waren sie alle Vorbilder. Prototypen dafür, was wir sein wollten. Nicht jeder im Einzelnen. Keiner war ein Held. Zusammengenommen jedoch waren sie DIE Helden, die unsere Gesellschaft einschneidend geprägt haben. In einer Zeit wie unserer, in denen es keine realen Vorbilder mehr für Menschen gibt, waren sie wenigstens die Hologramme davon. Man darf ja auch nicht vergessen, dass kaum einer von uns diese Leute wirklich gekannt hat. Sie standen einfach nur für etwas – und das reichte schon. Sie waren jemand für uns, mit Visionen aufgeladenen Leuchttürme unserer Wünsche.  Ja, im Prinzip waren sie eigentlich nur Wunschvorstellungen für uns, wie zuvor Sagenhelden oder andere Leute, die es in Wahrheit gar nicht geben musste. Mit Bedeutungen aufgeladene Monolithen der Austauschbarkeit.

 

Er ist traurig bei jeder einzelnen Todesnachricht. Egal ob Lemmy, Prince oder Bowie. Er fühlt jeden dieser Tode wie den Verlust eines Familienmitglieds. Diese Stars waren immer für ihn da gewesen. Diese Helden hatten ihn immer umgeben. Sie hatten sich nie beschwert wenn er launisch oder wütend war. Sie hatten ihm immer das Richtige eingeflüstert, zu jeder Lebenslage. Nicht so wie seine echten Freunde und Verwandte.

Fakt ist doch, dass er öfter Götz George dabei zugesehen hatte wie man Menschen behandelt, als seinem großen Bruder. Es stimmt auch, dass er mehr Zeit dabei verbrachte hatte als Kind Buds Spencer bei seinen zweifelhaften Abenteuern zuzusehen, als mit seinem eigenen Großvater zu verbringen. Und sein Großvater war weit weniger gewalttätig als dieser aggressiver Italiener, der zwar in sich zu ruhen schien, doch viele Leute zusammenschlug.  Und sein Großvater war im Krieg gewesen. Er hatte häufiger mit Prince und David Bowie über den Wolken geschwebt, als mit seinen Freunden. Und mit Lemmy konnte man so wunderbar krass rebellieren.

Ja. Jede einzelne Todesnachricht hatte ihn mehr geschockt als die Beerdigungen aller seiner Großeltern. Seine Großeltern waren alle nur irgendwelche Menschen gewesen. Sie lebten und starben – für nichts. Für was hatte dagegen ein Lemmy Kilmister gelebt! Oder der unglaubliche Muhammed Ali!

 

Er weiß nichts von meiner Meinung, dass wir Menschen nur so wahrnehmen, wie wir sie mit Wert aufladen. Welche Macht wir ihnen zugestehen. Und würde ich ihm die Frage stellen, weshalb er nicht seinen Großvater mit diesen Werten bedacht hat, würde er mich nur verwirrt ansehen. Was hat das Eine denn mit dem Anderen zu tun?

Schon in seiner Kindheit hat er sich von seiner Familie abgewandt und eine neue gefunden. In diesem Punkt kommt das „Superstar“-System einer Sekte gleich.

Hikkimori

Die letzten Tage habe ich mich ziemlich rar gemacht. Ich wollte mich mit keinen Themen auseinandersetzen, auch mit keinen Menschen, wollte mich nicht streiten, nicht aufregen; einfach meinem eigenen Blues nach gehen.

Dabei habe ich – wie wir alle wohl – viel über die Ereignisse in Köln nachgedacht, wie man sich selbst bis dahin positioniert hat und ob man an seiner Grundeinstellung Nuancen oder mehr ändern muss.

 

Ich habe viele Mangas gelesen „I am a hero“ von Kengo Hanazawa (aus dem ich auch die Überschrift für den Blog-Eintrag gezogen habe; ein Hikkimori ist jemand, der über Monate und Jahre seine Wohnung nicht verlässt und meistens noch bei seinen Eltern lebt – so ähnlich habe ich mich die Woche verhalten), „Orion“ von Masamune Shirow (der mich davor erschreckt hat, wie unglaublich viele Elemente er von diesem Fantasy/Mystik-Quark in seinen genialen Manga „Ghost in the shell – man machine interface“ übernommen hat) und das ebenfalls sehr alte „Sarah“ von Katsuhiro Otomo, dessen Dystopie damals so abstrus wirkte, und heute schon wieder realistische Elemente enthält.

 

„Unschuld“ von Jonathan Franzen habe ich auch gelesen, will und kann ich nicht empfehlen, da es zu sehr wie seine alten Büchern klingt und mit dieses Beziehungswirrwarr dieses Mal tierisch auf die Nerven ging. „Freiheit“ war ja noch super. „Unschuld“ nur noch ein typischer Franzen. Wie ein Bild in einer Galerie, an dem du vorbeiläufst, es noch nie vorher gesehen hast, doch den Pinselstrich, die Technik,  erkennst und darauf teilweise bewundernd und doch ein wenig abschätzig sagen kannst: „Ah, ein Franzen…“

 

„The revenant“ mit DiCaprio und Tom Hardy ist ein absolut unglaublich fotografierter, gespielter und inszenierter Film, nur diese Survival-Handlung ist so überholt und unneu (erinnerte mich an einen Charles Bronson Film, wie hieß der noch gleich?), dass es langweilt. Es ist mir auch egal ob die Geschichte auf einer wahren Begebenheit beruht: So erzählt wie sie hier von Gonzales Iñárritu erzählt wird, ist sie einfach unglaubwürdig; es mag ja sein das der Protagonist alle Tortouren überlebt hat, hier musste er aber nur ein wenig Luft holen – in der Eiseskälte! – nen Fisch essen und schon ging es wieder ab dafür!…

Ich habe viel – passend zum Blues – „Cat Power“ und „Sun Kil Moon“ gehört, und mich auch ein wenig an meinem neuen Roman versucht, konnte das Ergebnis aber nur hassen…

Ansonsten viel „RocketbeansTV“ und „Almost Daily“ gesehen und mich schon wieder vor der Berichterstattung zu „Schulz und Böhmermann“ geekelt; zu viel Hype stößt mich immer ab, besonders wenn es nur um ein Format geht, welches es vor ein paar Jahren eh schon gab. Und den Schulz, den ich früher sehr „gefeiert“ habe, kann ich jetzt kaum mehr ertragen. Na. Ich sehe mir heute Abend die erste Folge mal an. Gibt’s ab 20.15 im Stream. Vielleicht ist der Herr wieder ein wenig heruntergekommen…

Dagegen sind die Rocketbeans viel angenehmer, frischer, unverbrauchter, wenn auch nicht so stylisch oder pointiert wie Böhmermann. Dafür fehlt es da nicht an der Menschlichkeit. Und das ist ja das Krasse heutzutage, dass man sich Hikkimori mäßig zuhause einsperren kann und man durch diese virtuellen Freunde das Gefühl hat, nicht alleine zu sein. Okay, das ist wohl der Witz, den ein Hikkimori ausmacht.

 

Morgen dann wieder Arbeit. Mitte der Woche geht es dann aber auch wieder heim nach Bochum.

Bewerbung – Eintrag 3 – Victoria

Jetzt war mal also dagewesen, beim Vorstellungsgespräch. Mein Auftritt war nicht perfekt und schwer verbesserungswürdig, wobei das Faszinosum am Ende nicht das an sich typische „Wir-melden-uns“ war, sondern: „Überlegen sie es sich ein, zwei Nächte und sagen sie dann ob sie wollen.“
Wie jetzt? Ich soll entscheiden? Hmm….

Der einzige Haken an der Story ist nur, dass ich nicht für jetzt sofort einen Job suche, sondern erst in ein paar Monaten. Was gar nicht so leicht ist, weil scheinbar nicht nur bei mir im aktuellen Betrieb scheinbar keiner auch nur vom Vormittag ab bis zum Nachmittag plant, sondern die Aufgaben dann erledigt werden, wenn sie anfallen – und DANN sofort mit richtig Krawall und Hektik. Was hier im konkreten Fall bedeutet hätte, sofort die alte Arbeit zu kündigen und der Firma damit entgegenzukommen. Ohne Rücksicht auf eigene Lebensplanung, Interessen und den psychologischen Abwägungen der Möglichkeiten

Ich, nein wir können nicht so schnell alles hinwerfen und wegen der Belange eines Betriebs unser Leben über den Haufen werfen. Diese Erkenntnis war kein leichter Weg. Der Wahnsinn sitzt einem während man die Hand am Kinn hat, ständig auf der Schulter. Und schon nagt es einem, dass man diese Chance, diesen Vorteil ungenutzt lässt. Das Damokles-Schwert der Zukunft über einem. Oder ein kleiner Troll der mit dem Zeigefinger pendelt und sagt: „HättestduHättestduHättestdu.“
So schnell wird man vom Suchenden zum Getriebenen. Inklusive Richtigkeitsmachwahn. Kontrollfreakereien. Sozialen Abstiegsvisionen. Und am allerschlimmsten: Dem Ende der Liebe.

Gestern zudem viel im Zug durch Deutschland gewurmt. Spät wurde es auch noch und es ist Zeit sich mal tüchtigst auszuschlafen. Heute musste die normale Arbeit weiter niedergerungen werden. Rücksicht nimmt da zwar keiner, scheißfreundlich sind aber alle.

Ach so. Im Kino waren wir am Wochenende auch. „Victoria“ haben wir gesehen. Echt guter Film. Die Filmpreise hat der ehrlich verdient gehabt. Schon lange hat mich kein Film mehr im Kino so dermaßen gepackt.

Jeder will ein Superheld sein

In einer Zeit ohne echte Helden ist es kein Wunder, wenn erwachsene Menschen sich im Kino und im TV „Superhelden“ ansehen, damit sie überhaupt so eine Art moralischen Kompass vorgelebt bekommen.

In einer Welt des Realismus und der Mittelmäßigkeit, sehnen sich die Menschen nach Idealen auch und besonders dadurch, dass auch dem Letzten auseinandergelegt und verdeutlicht wurde, dass sein subjektives Handeln niemals „gut“ sein kann ob der gesamtgesellschaftlichen Konsequenzen die dadurch entstehen, außer man arbeitet gerade für „Ärzte ohne Grenzen“.

Der glückliche Drogensüchtige (angefangen bei den wenige echten Junkies bis hin zu den zig Millionen Dauerkiffer und den Alkoholikern die trotz ihrer Sucht ihr Leben „gebacken“ bekommen) und der durch lebensfokussiere Elternhaft Blindkappentragende Infantile , sind die ignoranten Abbilder eines waren freien Menschen geworden, den die Globalisierung mit ihrer detaillierten Zerstörung von Utopien uns übrig gelassen hat; Superheros made by Pixar. Unterhaltung für jung UND alt. Vorurteilsfreie, ideale Unter-Haltung die mit der Wirklichkeit nichts zu tun hat und deswegen allgegenwärtig und Massentauglich ist. Verdrängung ist Pop geworden, ganz gleich was jeder unter der Oberfläche seines Schädelknochens auch denken mag.

Ganz egal wie fest man auch behauptet wie sehr das Land und die Welt mit Deppen bevölkert ist -und die Kommentare unter Videos und Zeitungsartikel scheinen uns da zu bestätigen – ist uns auch verständlich, unsere Ansichten über die Idioten aus der Online-Nachbarschaft sind nur kurze Fragmente, digitale Lichtblitze von komplexen Lebewesen, die enttäuscht sind über die Mittelmäßigkeit ihres Daseins, während sie auf der anderen Hand gar nicht so schlimm dumm und ignorant sind, wie uns ihre Kommentarfetzen, ihre digitalen Lebenszeichen und vorgegaukelten Daseinsberechtigungen, glauben machen würden, denn im direkten Gespräch mit kausalen Gesetzen sind nur die wenigsten Menschen so grausam abstoßend, wie sie uns im Netz begegnen, wo sie ihre wahre Intelligenz gut und gern hinter einem Pseudonym verstecken können.

Idioten und Abgöttern indes hat es immer gegeben. Sie wird es auch in Zukunft geben. In einer neuen digitalen Zeit voll Allgegenwärtigkeit und Betroffenheit von allem und jedem, in der kein Kommentar zu keiner Zeit von niemanden verschont wird, müssen wir lernen dass die Menschen nicht nur schwarz und weiß sind, ganz gleich wie wenig Einblick uns das digitale Palaver in die Psyche der Menschen uns auch geben mag. Mensch sein heißt immer auch ein Wesen mit ambivalenten Fähigkeiten zu sein, ganz gleich wie stumpf dass auch zu Tage treten mag.
Sprach- und Wortlosigkeit bei kompletter äußerlicher Anpassung an gesellschaftliche Konventionen muss nicht bedeuten, zufrieden oder glücklich mit dem Status Quo zu sein, während das Gegenteil wiederum nicht bedeuten muss, dass man den Status Quo ablehnt, vielleicht sind sogar die größten gesellschaftlichen Kritiker diejenigen, die am glücklichsten über das Chaos der Gegenwart sind. Ja. Nein. Der Mensch ist meistens nicht das was er scheint; er ist so ähnlich wie Nestlé: Die Verpackung und das Produkt scheinen Top zu sein, nur bei genauerer Betrachtung merkt man, dass der Inhalt moralisch dem Gegenteil dessen entspricht, was man sich erwünscht, ja, erträumt hätte – und dennoch lässt man sich gern blenden. Der Traum übereinander gehört ebenso zum Menschen, wie sie seine Tatsächlichkeit. Zwei Seiten einer Medaille also, der Mensch der mehr ist als er sagen und zeigen kann, und sein Gegenteil, dass viel, viel weniger ist als Schauspiel über seine selbstreflektierte Nachhaltigkeit. Jeder ein Narr auf seine Weise.

Das Kino also beschert uns den modernen Superhelden als zerrissene Figur mit Superkräften und inneren Fehlern, menschliche Superhelden, mit denen wir uns nicht nur identifizieren können, sondern sogar müssen. Der Superheld als kleinster gemeinsamer Nenner. Das ist die Zeit in der wir leben. Der Superheld, der nichts mit uns und der Wahrheit gemein hat. Und der wir so gerne währen.

Kunst/Protest-Projekt gegen Peter Jackson

Weniger esoterisch als gestern geht es heute weiter:
Heute endet unser Kunst/Protest-Projekt gegen die Filme aus dem Herr der Ringe Universum von Peter Jackson, das heißt wir werden uns wie bei jedem Hobbit-Film gut ansaufen, da man diese Volksverdummung nur so ertragen kann. Was wir bisher bei jedem dieser Filme so gemacht haben. Klar kann man jetzt sagen: Was bringt das? Doch so ist das mit den Protesten und der Kunst: Viel wird übersehen oder erst gar nicht beachtet. Wichtig empfinde ich es trotzdem, denn HdR steht für mich für eine ganz besondere Form von Volksverblödung:

Die Erschaffung einer Flucht- und Parallelwelt für Erwachsene (Jugendliche und Kinder dürfen das, das sind ja noch keine fertigen Menschen), was sogar soweit geht, bis sie sich wie Kinder im Wald verkleiden und den Quatsch nachspielen. Ohne Frage: Spaß macht das bestimmt. Doch so stelle ich mir mündige Bürger nicht vor.

Dazu hier gleich mal etwas Trinkmusik:

Nachtrag:

Es ist schon strange wenn man am Anfang vom dritten Teil nichts versteht, da man zu besoffen war um sich an Teil 2 zu erinnern…