Demonstration „Nein zum Polizeiaufgabengesetz“ in München, es war der 10.05.2018

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Die jungen Leute fand ich ganz toll an diesem Demo-Donnerstag. Wobei. Das ähnlich Gleiche habe ich auch  in meinem Text über Paris geschrieben. Wie toll ich die jungen Leute da empfand. Wahrscheinlich sagen das alle Leute über dreißig, wenn sie diesen jungen Vibe spüren, von dem sie einfach kein Teil mehr sind. Gedanken an eine selbst verschwendete, apolitische Jugend kommen in einem auf. Vielleicht jedoch, fühlte ich mich als Jugendlicher die ganze Zeit genauso. Es fehlte nur die Reflexion darüber. So oder so: Ja, die jungen Leute fand ich ganz toll auf dieser Demo gegen das neue Polizeiaufgabengesetz. Es geht schließlich auch um sie.

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Ich war schon immer Bayer und das ist außerhalb von Bayern nichts, worauf man besonders stolz sein muss. Sowieso macht es keinen Sinn auf eine Tatsache stolz zu sein, für die man durch den Zufall der Geburt nichts kann. Bayer bin ich aber trotzdem gerne. Und als Mensch im ständigen CSU-Land ist man leider viel gewohnt. CSU, das geht ja gar nicht. Ganz schlimm das diese Trottel den Begriff „Heimat“ für sich besetzen. Das stimmt aber gar nicht. Denn Heimat ist kein fest verorteter, verdrahteter Begriff der eine Partei gehört. Heimat gehört uns allen.

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SICHER muss diese Heimat sein, wenigstens ist das der Schluss, den die Partei und viele seiner Anhänger aus den Geschehnissen der letzten Jahre ziehen. Und ja, unsere Sicherheit ist bedroht. Natürlich auch durch Terrorismus und dem Zuzug von fremden Kulturen. Jedoch nicht in dem Ausmaß, dass unsere Gesellschaft das nicht aushalten würde; die neuen „Sicherheitsgesetzte“ rechtfertigt die diffuse bayrische Angst überhaupt nicht.  Denn der Bayer an sich ist ein ängstlicher Zeitgenosse. Es geht ihm viel zu gut. Er hat viel zu viel Wohlstand und Sicherheit angehäuft, um nicht ängstlich zu sein. Das ist der Schluss den ich aus den Gesprächen mit meinen Freunden gezogen habe. Alles Familienväter. Was mal wieder beweist, dass die Kleinfamilie nicht nur die Urquelle aller Heilewelt-Utopien ist, sondern auch die Triebfeder für alles Schlechte in so einer Gesellschaft, wo jeder nur an die Seinen und sich  selbst denkt. Kann man den Leuten nicht einmal übel nehmen. Dennoch. Dieses von mir oft gehörte „Wer nichts zu verbergen hat, braucht auch keine Angst vor der Polizei zu haben“, ist leider nicht richtig. Denn wir tauschen Freiheit gegen Sicherheit. Auch wenn wir das nicht akut spüren. Denn was ist morgen und übermorgen?

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Der Bayer und sein Deutschland lebt in einer sehr friedlichen, sicheren Zeit. Auch wenn wir das nicht sehen wollen. Nie ging es allen so gut wie heute. Auch wenn es natürlich allerhand Probleme gibt. Das wissen wir. Trotzdem geht es uns besser als es uns die Medien oder die Trolle einreden wollen. Und so wie Leute für unsere Rechte gestorben sind, die wir so gerne und selbstverständlich nutzen, haben wir die Pflicht aufzustehen, wenn etwas aus dem Ruder läuft. Klar. Im Nachhinein, wenn „etwas“ passiert ist, will keiner Schuld sein. SCHULD wird in einem katholischen Land wie Bayern ja immer gerne großgeschrieben. Daran dachten aber auch die zigtausenden Demonstranten auf dem Münchner Marienplatz, der so überfüllt mit Leuten und ihrer Meinung war, dass die ersten Kundgebungen aus Sicherheitsgründen gar nicht erst abgehalten wurden. Nein. Keiner von denen die hier friedlich in der Sonne standen, war ein Phantast, der nicht an „das Böse“ in der Welt glauben würde. Aber vielleicht dachte die Mehrheit der Leute hier, dass das Böse gar nicht so total ist, wie es uns immer eingeredet wird. Es gab keine Schlachtrufe von wegen: „Die Polizei muss weg! Sie braucht keiner!“ Nein. Das dachte hier keiner. Der Tenor war eher: „Bei aller Freundschaft, das geht zu weit! Wir wollen nicht dass der Staat in unsere Häuser und Computer einbrechen darf. Wir wollen nicht dass die Polizei Handgranaten einsetzen darf. Es kann nicht sein, dass man ohne Anwalt fast unendlich eingesperrt werden kann.“ Wir standen hier nicht für die Utopie eines Staates den es nicht geben kann, sondern lustiger weise sehr reaktionär für dass, was wir nicht aufgeben wollen. Unsere Freiheit gegen eure Angst. „Passieren“ kann immer was. Da ist es nicht der richtige Weg die Leute präventiv einzusperren. „Es könnte ja sein“. Nein, das kann nicht sein… Aha, und wer ist schuld wenn dann doch „was passiert“? Und wer ist schuld daran, wenn nichts passiert und trotzdem die Falschen einsperrt werden? Und was geschieht mit solchen Gesetzen in der Zukunft?

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Es war ein „bunter Protest“. Er war friedlich. Kreativ. Und sehr gut besucht. Mit 7000 von uns haben sie gerechnet. Am Ende waren wir um die 30 bis 40000. Bayern und seine Schüler und Studenten haben gezeigt, dass sie eine Stimme haben. Dass sie politisch interessiert sind und dass sie weniger Angst haben, als man ihnen einreden kann. Die Fakten sprechen gegen das neue Polizeitaufgabengesetz. Tatsächlich bringt unsere Autoindustrie – auf die wir sooo stolz sind – durch Abgase und Feinstaub in der Woche mehr Leute um, als die Terroristen im ganzen bayrischen Jahr. Aber das ist halt auch Bayern.

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Die Leute tanzten auf der Straße, klatschten und tanzten zusammen. Die Polizei hielt sich zurück und machte auf guten Kameraden. Und warum kann das nicht einfach so bleiben? Vielleicht einfach ein wenig weniger Angst. Und weniger Befugnisse. Das heißt ja auch: Weniger Arbeit für die Polizei. An die muss man doch mal denken. Bezahlt die doch lieber mal besser. Stellt mehr Leute an. Dann wird auch besser ermittelt.

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Ob die CSU sich mit solchen Gesetzen nichts selbst ins Bein schießt und die Trottel dann nicht gleich das Menschenverachtende Original wählen, bleibt abzuwarten…

Das ewige Leben

Ich habe mir gestern den Film „Das ewige Leben“ mit Josef Hader angesehen, ganz, obwohl ich nur die Anfangssequenz sehen wollte. Der vierte Film um Simon Brenner (gespielt von Josef Hader) beginnt damit, dass der Brenner am Bodensatz der Gesellschaft angekommen ist. Er ist seit Jahren arbeitslos, ist nicht mehr sozialversichert, hat kaum Anspruch auf Rente und ist selbstverständlich finanziell total abgebrannt. Familie hat er auch keine die sich um ihn kümmern könnte, doch beim Thema „Familie“ erinnert er sich an ein altes Haus welches er geerbt hat, in Graz, zu welchem er in der erwähnten Eröffnungsszene mit dem Zug fährt.

Es schüttet wie aus Kübeln und als der bis auf die Knochen durchnässte Brenner das Häuschen erreicht, hat dieses ein Loch im Dach (durch das es natürlich hineinregnet) und keinen Strom. Er setzt sich an den dunklen Küchentisch, blickt ins Nirgendwo, und setzt dann, um im Haus wenigstens etwas gegen die Kälte zu unternehmen, seine Wintermütze auf. Dann wird der Titel des Filmes eingeblendet, quasi als Kommentar zur Szene: „Das ewige Leben“.

Dieses Bild fand ich schon damals im Kino ungeheuer traurig und stark.

Gestern fragte ich mich, wieso wir das überhaupt wollen: Ewig Leben. Denn unterbewusst leben wir so, als würden wir es ewig können, dieses leben,  auch wenn wir es vielleicht gar nicht bewusst wollen. Alle wollen krampfhaft lange leben, ganz egal wie lebenswert dieses Hiersein überhaupt ist. Oder ob es. Sich dabei nicht eher um einen Fluch handelt. Dieses scheinbar ewige Leben.

Wenn man jung ist hält man sich für unsterblich. Man denkt nicht allzu viel über die Zukunft nach und geht an seine Körperlichen und Physischen Grenzen, ohne Gnade und Rücksicht auf sich selbst; man nimmt die Verluste gerne in Kauf. Wenigstens war das in meiner Jugend so. Vielleicht war das noch eine andere Generation. Keine Ahnung. Oberflächlich wird heute auf jeden Fall viel mehr vernünftelt.

Die Zukunft und die mit ihr verbundenen Probleme sind weit entfernt und man denkt recht wenig an die unterschwelligen Ergebnisse seines Handelns. Zwar habe ich immer gewusst, dass mein Tun Konsequenzen haben würde, richtig geglaubt habe ich es aber nie. Wer wollte schon ernsthaft 50 werden?

Am liebsten wäre ich einfach mit 27 tot umgefallen. Ein finaler Schlag gegen mich Selbst, oder anders ausgedrückt: Die Erlösung.

Dieses Feeling von damals hing damit zusammen, dass ich mit mir und meinem Leben unglücklich war und ich es mir schwer mit allen möglichen Mitteln „besorgte“, um die Trauer und den Schmerz zu überspielen, nicht das Leben zu leben, das ich gerne hätte. Unterbewusst wollte ich vielleicht gar nicht mehr leben, auf jeden Fall (und ganz sicher) nicht ewig. Das Leben läuft in Wellen ab, in Phasen, und das ist kein Geheimnis. Irgendwie weiß das jeder, dass es gute und schlechte Tage gibt, sehen und verstehen will das dann aber auch irgendwie kaum jemand. Bist du in einer schlechten Phase, glaubst du, dass es nie wieder besser werden kann, und auch in guten Zeiten bist du blind für das Unglück, welches vielleicht schon vor deiner Türe steht. Ich wusste nie wo ich in 5 Jahren bin.

Die Freunde um mich herum bekamen Kinder, finanzierten Häuser, bauten sich ein bürgerliches Leben auf, und ich blieb immer 20 Jahre alt und goss die Kübel meines Daseins achtlos ins Nichts. Was für eine überschwänglich gute und sorglose Zeit, und doch: Was für eine Verschwendung.

Jetzt sitze ich da, mit meinem abgenutzten Körper und schon jetzt mit den Folgen meines Tuns (kaputter Rücken, meine nervöse, unausgeglichene Art) und will mich gar nicht mehr verschwenden, sondern im Gegenteil, alles festhalten und gutmachen, was ich verschwendet habe, nur leider kann man ausgeschüttetes Wasser nicht mehr mit den Händen zurück in den Eimer kratzen.

Mir tut es nicht leid was ich 13 Jahre meines Lebens getan habe, ich würde es aber gerne anders gemacht haben, schonender, angenehmer, für mich und für die Menschen, die mich heute ertragen müssen. Die Zeit kann man aber nicht umkehren. Wohl aber kann man daran arbeiten.

Ich sehne mich nach der bürgerlichen (wenn auch nicht gleich konservativen) Ruhe die ich so lange so sehr abgelehnt habe und freue mich auf ein besseres, geordneteres Leben. Ironie, Ironie. Nun wo ich schon lange, aber immer noch glücklich, verliebt bin, will ich plötzlich ewig leben. Und spüre doch jeden Tag auf eine andere Weise, dass das nicht der Fall sein wird.

Das Leben ist Fluch und Glück zugleich. Und man braucht jemanden im Leben, um das eigene Dasein in den koordinationslosen Gewässern der Möglichkeiten auf Kurs zu halten. Das Leben braucht einen konstanten Sinn. Denn egal was für überbordende Erfahrungen du einmal gemacht hast. Du kannst sie doch nicht mitnehmen. In das Später. Wenn du alt, greise und wund an deinem Küchentisch sitzt und das scheinbar ewige Leben als Last, oder aber als schöne Offenbarung erlebst. Denn auch in Zukunft zählt nur das JETZT, und ob es lebenswert ist. Genauso wie mit und vor 20 Jahren. Nur gab es damals eine Gegenwart ohne Vergangenheit. Heute und in Zukunft wird es nur eine Gegenwart durch Vergangenheit geben. Und ich freue mich darauf. Und bin dankbar, dass der Zug noch nicht abgefahren.

Und zum Glück.

Will ich immer noch nicht so sein, wie die anderen.

Discopumper

Sieht man sich die heutigen männlichen Jugendlichen auf einem „Rave“ (Unwort) an, sehen sie aus wie aufpumpte, überstylte, homosexuelle Proleten-Langweiler aus den 90gern.

Es ist fast so, als hätten sich die Stylisten der Gegenwart, die Gogo-Tänzer aus alten Love Parade Umzügen als Vorbild genommen, um der Jugend von heute ein Idealbild von Männlichkeit vorzugaukeln, um zu sagen: So hat man auszusehen. Leider wurden diese „Parade-Menschen“ in den 90gern vom Fernsehen dafür bezahlt um so auszusehen, und so sehen die Jungen heute aus: Wie vom Fernsehen gekauft. Von RTL 2.
Und wie es so will hat die Jugend für sich selbst einen ironischen Begriff parat: Discopumper. (sprich Jugendliche/Männer, die nur ins Fitness-Studio gehen um ihre Muskeln für die Disco aufzupumpen)

Homosexualität ist nichts Besonderes mehr, gut so! Die Rechte wurden hart erkämpft und schwer verdient. Und kaum jemand würde heute noch den heilsamen und kreativen Einfluss von queerer Mode und Lebens-Stil auf unsere Gesellschaft leugnen. Wieso aber muss man als Hetero sämtliche männliche Attribute über Bord werfen und diesem queeren Chick huldigen? Wieso will man überhaupt wie ein „Berlin – Tag & Nacht“-Prolet aussehen?
Oder anders gefragt: Wenn man schon Vorbilder braucht um sein Ego zu definieren (haha), wieso sucht man sich keine richtigen?

Es geht nicht darum als Mann wieder mehr Macho zu sein. Das ist zu kurz gedacht. Männer sind mehr als nur Weicheier oder Machos, ganz egal was dir dein Testosteron einflüstert.
Männer sollten komplett sein.

Das Problem mit den Discopumpern ist leider, dass sie sich stylen wie Homosexuelle, und sich dabei fühlen wie Machos, ja, Homosexuelle nicht einmal als Menschen zweiter Klasse durchgehen lassen und verspotten, wenn auch nicht mehr so krass wie ihre großen Brüder davor… Die Verpackung ist mal wieder nicht der Inhalt.

Der Look von Männer und Frauen wird sich immer ähnlicher. Das finde ich im Prinzip sehr gut. Wieso aber muss das Mittelding zwischen Mann und Frau die gestylte Schlampe sein – und nicht ein Hybrid mit Stil und Klasse?
Ihr tragt Esprit – habt aber keinen…

Fitness ist ne gute Sache. Man sollte aber nicht nur Gewichte stemmen, sondern auch ein paar Bücher. Hört doch mal ein paar Hörbücher auf dem Stepper…

Minimal Techno anyone?

Das ist Musik zum Tanzen, nicht zum „Auf-den-Break-warten-und-dann-dem-DJ-winken“. Und ja verdammt: Minimal ist Techno ihr Klappstühle!

Und wenn es meine letzte Mission auf Blog.de ist: Die jungen Leute müssen wieder richtig Tanzen und aufhören wie aufgepumpte Schwule aus den 90gern an ihrer Bionade mit einem Schuss Wodka zu nuckeln. Ihr Flaschen!

Was mit der Jugend nicht stimmt, hier am Beispiel: DJ Mehdi – Pocket Piano (Joakim Remix)

Das ist genau das was ich meine: Diese faule Meute die nur auf ihren Hands-Up-Moment wartet. Dabei ist das so ein schönes Ich-reiß-mir-beim-Tanzen-Arme-und-Beine-aus-dem-Körper-Brett von DJ Mehdi; so gesehen ist der arme Kerl gerade noch früh genug verstorben, um solche Auswüchse nicht mehr miterleben zu müssen.

TANZEN LEUTE! Nicht WINKEN!!!!!!!!!!!!!

Und schwitzen und stinken! Nicht in ne verfickte Kamera lächeln. Das ist eure Jugend! Macht mehr daraus als Bilder! Ihr inszeniert hier keine Pornografie der Bilder. Das ist gar nicht euer Auftrag. Euer Auftrag ist los zu lassen, nicht darzustellen!

Junge Christen auf Drogen

Man kommt ja herum. Gut, vielleicht kommen die Leute über Umwegen auch eher zu einem als man selbst zu ihnen, auf jeden Fall hört das nie auf mit den neuen Erfahrungen. Nach meiner Episode bei den neuen Christen von „Hoffnung Deutschland“, sind wieder neue „neue Christen“ in meinem Bekanntenkreis unterwegs; okay, „Hoffnung Deutschland“ ist jetzt auch wieder 4 Jahre her und die Brücken dazu wurden gründlichst und mit chinesischer Präzision abgerissen. Diese neuen Neuen Christen kommen durch die Hintertür und mein Bezug dazu ist ein vollkommen anderer, denn es sind Dritte für mich.

Weiß Gott, ich habe genug über meinen Glauben bei und während der „Hoffnung Deutschland“-Phase gesprochen und entweder man kommt Gott dadurch elementar näher oder aber es scheitert und man wird wie von einem gleichmagnetischen Pol abgestoßen, was (das ist ja jetzt wohl offensichtlich) bei mir der Fall war. Deswegen stehe ich den Christen eher skeptisch gegenüber, gerade neuen Formationen und Auslegungen.
Eine Freundin von mir sympathisiert mit so einem Verein und obwohl mich das befremdet, ist es natürlich vollkommen okay und ihre Sache. Das muss man akzeptieren, denn man selbst will auch in seiner Lebensart akzeptiert werden. Das Problem ist nur, dass sich Leute unter neuen Einflüssen verändern, was natürlich kein Freund will (jeder will seine Menschen immer so haben, wie er sie lieben gelernt hat), denn Veränderung heißt so gut wie immer von einem weg; dabei spielt es keine Rolle ob eine alte Freundin eher später die Drogen und das Feiern entdeckt oder eine andere Freundin in Jesus Christus den Erlöser findet: Veränderung bedeutet Beides und diese geht jedes Mal mit Melancholie und Schmerzen einher… Hm, wenn ich mir diese beiden frischen Biografien der Beiden – Drogen vs. Glauben – so ansehe, klingt das fast schon konstruiert. So exemplarisch ist das.
Es geht aber auch Beides zur gleichen Zeit.

Ich saß da nach dem Kino auf dem Kanapee meiner alten Freundin das voll war (und ist) mit Katzen- und Hundehaaren, mit den dazugehörigen Katzen und dem Hund, streichelte entspannte um mich herum alles was mich mit großen Augen freudig anglotzte, schnurrte oder winselte, sah dabei „Mein bester Feind“. Dann kamen die neuen Freunde meiner Freundin herein, die sich von der Kirche und teilweise schon vorher kennen. Eine große junge Frau. Und der Typ, den ich (wie es heute so ist) von Facebook schon kannte. Die große junge Frau fing erst einmal darüber zu jammern, dass sie gestern Ecstasy genommen hätte, heute in der Arbeit war und nun ganz schön zerstört wäre. Und ich im Kopf so hoppla, die ist ja ganz schön zutraulich. Er hat dann auch sofort erzählt, früher, Drogen und so. MDMA wäre doch am Geilsten. Jetzt nur noch Kiffen, ob nichts hier wäre? Da sitzt man dann leicht befremdet. Hier. In einem Kaff nicht weitentfernt von meinem, wo jeder, jeden kennt zumindest über ein paar Ecken. Und hier wird ja eher auf Geheiminis mit dem Konsum gemacht. Wenigstens macht das meine Generation. Befremden setzte ein, aber auch Humor. Die junge Kaputte war nämlich erst 19 Jahre alt (was sich später herausstellte) und wir sahen uns fast schon entgeistert an, als ich auf die Erstfrage erklärte, 34 zu sein. Noch schlimmer wurde es dann, als man sich klar wurde, dass man sich (natürlich) vom Sehen her kennt. Wo sie arbeitet, arbeite ich auch in der Nähe. Wir kaufen gegenseitig beieinander ein.
Die Stimmung war dann eher so angeberisch von denen, die Schiene, wie geil Drogen sind und wie viel Spaß man damit haben kann. Daran. Beteiligte ich mich zwar (auch ich Depp will scheinbar noch „cool“ sein), doch nur mit halben Wahrheiten. Viel mehr trieb mich der Gedanke um, was meine redselige Freundin über mich so alles erzählt wenn ich nicht dabei bin… Hm…

Da die sich alle vom Gebet her kennen, lag das Thema natürlich auf der Hand und jetzt wurde es dann doch befremdlich, als sie darüber zu scherzen begannen, dass sie im Gottesdienst oft gerne einen Kiffen würden und wie viel Bock auf Drogen sie hätten; dann Lachten sie ein wenig die anderen Gemeindemitglieder und deren Ticks aus. Strange. Das war nicht boshaft. Es passte nur nicht zu ihrem engagierten Glauben, den sie dann (Switch) doch wieder ins Gespräch einbrachten und für den sie für heute (weil Sonntag) noch am PC einiges vorbereiten mussten.
Sehr strange das Ganze.

Einfach komisch dieses Bestreben cool und jung sein zu wollen, und dabei auch den christlichen Glauben zu leben. Das kam bei mir ein wenig halbärschig an, klar, ich kannte ja auch die ebenfalls netten Ultra-Christen von „Hoffnung Deutschland“. Die tranken damals nicht mal Bier und standen dem sehr abwertend gegenüber – ich fand das nicht einmal unsympathisch, weil Haltung, wenn auch nicht meine.
Wahrscheinlich aber denke ich in die vollkommen falsche Richtung, denn ich kenne meine Freundin und wenn die um cool (im Sinne von Drogen) sein zu will, muss sie schon Geschichten von vor 10 Jahren reaktiviere; „weißt du noch?“ Ja. Man redet halt gerne darüber um sich zu positionieren, da wird dann aber auch mehr geredet als gemacht. Okay. Die Eine hatte erst den Tag davor ein Teilchen gespachtelt, aber so what? Die war ja auch ein Jahrzehnt jünger als wir. Ja. Nein. Solche Gespräche sind oft eine Farce, da man einen gemeinsamen Nenner sucht, da man akzeptiert werden will. Und das nervt. Gerade wenn man sich das erste Mal sieht. Da schwingt sofort wieder so eine Art Gruppenzwang mit. Entblößungs- und Entblödungszwang.

Eine Jugendkultur des Glaubens gemischt mit der Jugendkultur des Feierns ist schwer zu vereinen. Da prallt der krasse Hedonismus auf ein konservatives, hier christliches Weltbild. Das passt nicht zusammen. Man kann ja auch Spaß haben, ohne Drogen. Es müssen sich nicht alle Kulturen zwanghaft vermischen. Ich weiß. Das Leben selbst vermischt jede Kultur, wenn die Zeitgerade lange genug ist. Aber lasst die Kaputten doch einfach fröhlich kaputt, und die Gläubigen fröhlich am Frommen sein. Diese Bitte wird sich nur nicht halten. Alles wird weichgespült, Alles verfremdet, was man mal wieder (oh Mutter aller Beispiele) an der Dance-Kultur sehen kann, wo früher alles Drogen und Kaputt und sozial Asozial war, jetzt aber lauter durchtrainierte Kinder mit eher homosexuellen Fitness-Aussehen (obwohl sie straight sind) zu einer vermischten und vermanschten Parallel-Dance-Musik ala David Guetta oder Robin Schulz tanzt. Ja. Nein. Vielleicht sind die Christen auf Drogen mit ihren Pop-Dance-Scheiß schon wieder viel weiter als ich… Alles wird Mainstream. Alles wird Pop. Die Grenzen sind schon lange nicht mehr so krass definiert.
Und in Wahrheit bin ich vom Kopf her längst ein Ewiggestriger…

Das leichte Leben ist köstlich

Wenn ich jetzt behaupte, dass ich dadurch weil ich kaum mehr Bücher lese und so gut wie gar nicht mehr schreibe, dümmer werde, ist das fast schon ein Schritt in die Arroganz-Fall; für wen hält sich der Typ denn? So oder so. In Wahrheit ist es nur eine Feststellung, die ich an mir selbst ausmache. Und je weniger ich schreibe und richtig lese – scheiß auf diese Pseudo-Nachrichten die ich mir auf dem Smartphone wie Junk Food reinziehe – umso simpler empfinde ich mich. Meine Gedankengänge waren vorher schon nicht einmalig, okay, sie waren aber da. Jetzt zieht da immer mehr eine wohlige Ödnis ein.

Man lebt ja gut wenn man nur so vor sich hinlebt, nur an sich denkt. An seine Freundin. Klar. Ich habe Sachen in meinem Leben vor mir die geregelt werden müssen. Keine kleinen Dinge für mich. Etwas. Was mein Leben jetzt doch langsam real umkrempeln könnte. Nicht nur in der Reflexion darüber. Es sind keine Projektionen einer ungewissen Zukunft mehr. Sondern real verfügbare Kartenhäuser… Nun. Es geht mir sehr gut. Zu gut. So ist das halt wenn man sich treiben lässt im Stillstand der eigenen Selbstzufriedenheit. Aber man muss das Ich nun einmal auch hassen können, damit man wenigstens versucht ein „besserer Mensch“ zu sein. Ohne den Monolog ist auch ein guter Dialog nicht möglich. Wenigstens ist das meine Erfahrung.

Es ist schön ein dankbarer Konsument zu sein. Ich gönne mir Dinge. Ganz bewusst. Früher dachte ich mir: „Geht doch nicht.“ Weil Haltung. Aber wenn man die Haltung ein wenig schleifen lässt. Und sich angenehm berauscht mit einem Glas Jim Beam Honig in der Hand zurücklehnt. Abschaltet. Und die Glotze einschaltet. Und keine Fragen stellt. Zuhört. Ohne zu hinterfragen. Kann man das Leben eines „erste Welt-Menschen“ sehr gut genießen. Eine neue Freiheit ist zu spüren. Die Haltung von bisher erscheint einem plötzlich wie das realere Gefängnis. Und was soll der ganze Kram mit der sozialen, politischen Bildung, wenn man im Prinzip eh nichts verändert? Unwissenheit mag eine Sünde sein, nur wer fühlt sich freier und lebendiger als ein Sünder, der die Belastung des Glaubens verloren hat? Wie ein Soldat der nicht mehr seinem Lehnsherrn dienen muss. Wie eine Arbeitsbiene, die nicht mehr dem Gruppenzwang erlegen ist und einfach im Bett bleibt. Wie ein Arzt, der sich an seinen Eid nicht mehr gebunden fühlt. Wie ein Kerl, nachdem die Scheidung endlich durch ist…

Das leichte Leben ist köstlich. Und je älter man wird, desto selbstverständlicher fühlt sich diese Kost an. Ideale sind dazu da um über Bord geworfen zu werden. Und je älter der Körper wird, desto angenehmer will er behandelt werden, auch von den Idealen… (Und Menschen wurden früher nicht so alt… Vielleicht liegt es daran, dass wir solche Probleme haben… Wer weiß?) Ich weiß nur, dass ich gerne wieder mehr schreiben und lesen wollen würde. Und auch. Dass ich dann deswegen auch kein besserer Mensch wäre. Mich aber wenigstens so fühle. Können wir mehr im Leben erreichen als das?

Audiogate Festival 2015, Traijal Harrel und Bodensee Urlaub

Do the dance.

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Nachdem ich Jahrzehntelang selbst und liebend gerne sehr viel getanzt habe, dachte ich, ich müsse dann doch einmal eine Tanz-Performance sehen, so ein Kunstding, so ein „Boah“-Ding, nicht diese üble Verarsche, die aus dem Fernseher kommt und von dem junge Jugendliche (Kinder) denken, dass so tolles Getanze aussehen müsse.
Vorweg: Ich komme aus einer Welt, in der Tanzen nach gar nichts AUSSEHEN muss. Es muss nur in eine Richtung wirken – nach innen.
Aber wenn wir schon ein paar Tage in Bregenz verbringen und es dort im Festspielhaus nichts anders zu sehen gibt als TRAIJAL HARREL, einem queeren Tänzer (queer bedeutet hier im kulturellen Sinn „schwul/bi“ oder „transsexuell“) aus New York, der „modern dance“ mit „voguen“ verbindet („Voguen“ ist das was Models auf dem Laufsteg machen, dieses „Posieren“), dann wird das schon nicht ganz so übel sein und als am Anfang die „Nationalhymne“ der Gruppe gesungen wurde, Britney Spears „Hit me baby one more time“ – als a cappella Version – war das ja noch ganz witzig. Wie alle dazu aufstanden. Hand aufs Herz. Und. Als die ersten 15 Minuten wirklich beeindruckende Tanzperformances abgefackelt wurde, dachte man größeres erwarten zu können – falsch gedacht. Das anschließende „Voguen“ war so derbe schlecht und wirklich wahrlich nervig auf die Bühne gebracht, dass der halbe Balkon vor dem Auftritt floh. Keine Ahnung wie es unten auf dem Parkett aussah. Wir auch. DENN ES GIBT DINGE DIE MAN EINMAL IM LEBEN GEMACHT HABEN MUSS, hier: Eine Theater/Tanz/Kunst-Performance aus Protest früher verlassen.
Da wunderte man sich gar nicht mehr, dass schwule/transsexuelle Kunst so einen schlechten Ruf hat. Und das Schlimmste daran war, dass man ja vom Anfang her wusste: Die können voll toll Tanzen. Machen sie nur leider nicht. Die Stimmung hing also mal wieder nach unten. Die Mundwinkel nach oben.

Die nächsten zwei Tage dann das volle Bodensee-Touri-Programm. Rauf auf den Berg. Runter in den Tunnel. Übers Wasser. Ins Museum („Nolte“). Von Österreich. Nach Deutschland. Nach Österreich. Und wieder zurück. In den Hafen. Vorher noch ins Kino. Davor im Wildpark. Durch die Altstadt. Und was steht sonst noch an? Ach so. Ja genau. Die Demonstration gegen Monsanto.

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Es war Sonntag geworden. An diesem Sonntag wurde – wie jedes Jahr an einer anderen Location – das „Audiogate Festival“ veranstaltet. Ich war bereits die letzten zwei Jahre auf der Party, und es war eigentlich immer ganz gut gewesen. Nie legendär. Eine angenehme Tagesveranstaltung. Bei der man auch gut chillen konnte. Was für uns gestern extrem wichtig war, nach dem ganzen Touri-Kram. Fast wären wir vor Müdigkeit gar nicht mehr gekommen. Aber wieso nicht? Sich einfach auf eine Decke werfen, bei den Hangers. Und ein wenig, wenn auch nicht bei idealem Wetter, herumzuliegen und gelegentlich Tanzen zu gehen. RICHTIG Tanzen, nicht voguen. Und das Line-Up war dabei auch okay. Ziemlich üblich und dadurch gar nicht verdächtig. Bei den bisherigen Audogates war das immer so gut möglich. Dazu. KANNTE ich ja die Location, denn wahrlich: Ich habe dort am Memmingerberg, wo dieses Mal der harte Beat seinen Sinn unter Beweis stellte, meinen Bundeswehrdienst abgeleistet. Damals. Wirklich: Damals. Vor 14 Jahren. Und ich war auch die erste Generation derer Soldaten, die dazu beitrugen die Kaserne leerzuräumen. Heute ist dort kein Luftwaffenstützpunkt mehr, sondern nur ein kleiner Flughafen. Und neben und an diesem Flughafen wurde also gestern nun gefeiert: Toll! Wenn aus allen Kriegsanlagen irgendwann einmal nur sozialintegrale Projekte werden könnten…

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Blöd war nur schon vom Anfang an, dass jeder, der nicht wie wir mit dem Auto anreiste, um die ganze Start- und Landebahn außen herum gehen musste, und das sind ein paar Kilometer. Blöd war auch die Größe des Festivals. Dort sind zwar zigtausende Quadratmeter-Fläche, die sich in ungenutzten Wald- und Wiesen erstrecken, dort wo sich natürlich auch heute auch noch die ganzen ungenutzten Hangars verstecken, die früher die Tornados beherbergten. Leider nur. Durfte dort nur ein Hangar und ein wenig Wiese für die Party genutzt werden, weshalb die Party keine schöne, chillige Party mehr war, sondern arg an ein Spektakel der Massenmenschhaltung erinnerte. Platz zum chillig in auf der Wiese liegen war faktisch für mehr als 3 Liege-Decken nicht vorhanden – hinter der Würstchenbude. Es war einfach nur eine dieser austauschbaren Techno-Kirmes. Echelon lässt grüßen. Sehr schade und dabei schon deprimierend.

Ich will gar nicht sagen das schlechte Techno-Stimmung am Start gewesen wäre. Ein wenig arg dark und alt sahen die Leute im Vortageslicht dabei schon aus, wie sie ein wenig missmutig durch den Jahrmarkt der Stände hin und her pendelten. Etwas schien man das Lachen dort verpfändet zu haben. Was auch meiner Freundin so ging, da sie nur die Ulmer Wiesen kannte, wo das Audiogate schon einmal gemacht wurde, und wie entspannt sommerlich es damals war, dort unter den Bäumen zu liegen, während unten die elektronischen Alt- und Allstars ihr Stelldichein gaben…

Im Hangar war es düster und wüst – und komisch – was sich draußen so schlecht gelaunt und eher grantig präsentierte, war hier drinnen im Beat vollkommen richtig und gut. Es war nämlich so, dass hier drinnen um gerade einmal 15 Uhr die jungen Wilden schon am Tanzen und Freuen waren, während draußen die abgewichsten Profis auf die Nacht und ihre Helden warteten. Das toll Tolle an so einem Hangar ist der Asphalt; nirgendwo sonst kannst du so geil auf Techno tanzen, wie auf Asphalt. Ada benannte nach dieser Weisheit einmal eine ihrer Platten: I love asphalt. Die Frau weiß wovon sie spricht.
Die BUNTEN BUMMLER, gern gesehene Audiogate-Hitzköpfe, gaben einen guten Rhythmus vor. Wir. Nahmen ihn gerne an. Fast. Wären wir ja auch gar nicht hergekommen. Und ich freute mich sehr darüber, dort nüchtern zu tanzen. Und dieses Tanzen. Mehr auszuleben, als dieses dichte Herumgefuchtele. Scheiß auf dich Traijal Harrel. Das ist Freiheit. Das ist Glück. Ohne Vorschriften. Und wenn ich will. Dann kann ich sehr gut Tanzen – ich lasse mich selbst nur viel zu selten dazu kommen. Ganz wichtig war auch, der viele Platz dazu.

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Wir waren müde. Es war der Sonntag eines langen Urlaubswochenendes. Und nach ein wenig Sitzen gingen wir rüber ins peinliche Piss-Zelt zu Freund LÜTZENKIRCHEN. Der viel knackiger und verspielter Auflegte, als jemals zuvor als ich ihn gehört habe, was ihm sehr gut stand. In diesem lächerlichen Zelt mit dem Wiesenboden; da hatte man also seine Wiese gehabt. Das Dumme ist nur, dass auf Wiese Tanzen sehr anstrengend ist – auf Wiese liegen wäre uns da viel lieber gewesen.

Drüben im Bunker haute TOBI NEUMANN noch voll rein. Stumpfer und deswegen auch schöner Techno. Und ich wusste. Ich war müde. Und ich würde nicht mehr lange hier bleiben. Es war gerade erst 19 Uhr geworden. Und die jungen Leute lachten und strömten in den Bunker um die Wette. Und es war schön dort. In dieser Melancholie der eigenen Vergangenheit zu schweben. In der Bewegung. Im Jetzt. Wo das Gehirn wegen des Tanzes Glückshormone ausstrahlte. In meinen müden Körper. Auf dem Asphalt. Hier im Dunklen und im Laut wurde ich, wurden wir, viel angelacht, und wir hatten den Schock längst überwunden, diesen Kultur-Schock, nachdem wir fast frei Tage in Bregenz und Lindau gewesen waren, wo es so dermaßen überaltert und damit still gewesen war, und jetzt, dieses Gestoße und Gebretter; Beides ist schön. Man muss nur JA sagen…

Oben der Tobi. Der irgendwie immer dünner geworden ist wenn man ihn sieht. Jetzt sieht der langsam schon aus wie einer dieser Vampire aus „From dusk till dawn“. Diese billigen Vampire aus der End-Szene, wie eine dieser Schauspieler in diesen lächerlichen Gummi-Anzügen, die auf die billigeste Art und Weise in dem Film explodieren, sobald das Sonnenlicht sie trifft. So ein Typ stand da oben. Und er freute sich, als sich schon um 19 Uhr die Leute mit ihm lauthals freuten, da die Musik zum Freuen war… Man jubelt. Dann geht es weiter. Und die Seele jubelt weiter. Hebt die Hände und schleuderte die Füße um die eigene Mitte…

Ich habe mich dann ziemlich bald für das Fahren entschieden. Kein Frank Lorber mehr. Keine Gayle San. Kein DJ Hell. Keine Ali von Tiefschwarz… Es war leider nicht der chillige Nachmittag/Abend in der Natur, wie wir es uns erhofft hatten, und dann war es doch noch schön. In der Musik. Im Lärm. Im Frieden. Es war ein langes Wochenende für mich. Rauf auf den Berg. Runter auf den See. Von der Stille in den Lärm. Und als ich dann endlich auf meinem Kanapee angekommen war. Schlief ich sofort an. Noch mit der Jacke an. Um Nachts um viertel vor 4 wieder aufstehen zu müssen.

Fiktionen sind Lügen anhand von "Almost famous"- Der Film

An diesem Film sieht man, was an Hollywood-Filmen alles falsch läuft. Diese aufgeblasenen, falschen Mythen und Träume die dort plattgebügelt verwurstet werden, die einem aber am Ende das Gefühl geben, man habe einen guten und unterhaltsamen Film gesehen, der ECHTE Gefühl transportiert oder in einem wachruft – Bull Shit.

Der ganze Film ist eine heiter, lächerliche Traumblase voller infantiler Moral, die als ganz große Coming-Of-Age-Geschichte (der Junge, das Mädchen, die Band) inszeniert wird und genau die Hollywood-Plattitüden verkauft, die unser eigenes Leben dagegen blass und farblos zurücklassen, da wir diese Hyperrealität niemals erreichen können. Das geht nur auf der Leinwand.
Dieses Versöhnliche und niemals ganz Kaputte, die kleinen Lügen, die uns glauben machen sollen, dass das Leben so ist oder so zu sein hat. Aber es wird weder das wahre Business gezeigt, noch die wahre Drogenrealitäten. Es ist eine Onaniervorlage für Alt-Hypes und jene, die „gerne in dieser Zeit gelebt hätten“. Eine grausame Verklärung, aufgeblasen auf 2 Stunden, Pop-Corn kompatibel verpackt.

Und ihr meint vielleicht: Hey, das ist ne Komödie! Ein 15 jähriger Junge der als Autor für das „Rolling Stone“ eine aufstrebende Rockband auf Tour begleitet – das kann man doch nicht ernst nehmen! Das ist doch nur das Vehikel um eine Geschichte über das Erwachsenwerden, Liebe und Freundschaft zu erzählen…
Und ich meine darauf: Hey! Man kann viele Geschichten über das Erwachsenwerden, Liebe und Freundschaften erzählen, aber ich kenne niemanden, der so erwachsen geworden ist! Das ist nicht die Realität. Erwachsenwerden ist ganz anders. Es ist brutal, hart und sicherlich auch schön: Aber leichte Erkenntnisse und Geschenke gibt es dabei keine.
Es mag Menschen geben, die die Leben der Menschen in „Komödien“ und „Tragödien“ einteilen, oder in einen Mix daraus, doch in Wahrheit ist es doch eher so, dass wir uns von Komödien keine schalen Lebensweisheiten auftischen lassen sollten – denn sie lügen. Sie verklären nicht weniger als die Wahrheiten, weil sie die Menschen nicht überfordern wollen. Im Gegenteil. Und das ist das Format.
Ihr mögt sagen: Das ist Unterhaltung.
Ich sage: Mit so was hält man die Menschen gefangen: Unter-Haltung.
Solche Utopien (denn nichts mehr ist es) wie dieser gut gemeinte Film sind schlimmer als alles andere, weil sie dumme Träume schaffen, sie sogar konservieren. „Feel-Good-Filme“ sind das Schlimmste überhaupt. Weil sie von der Philosophie vom Unkomplizierten, von der leichten Erlösung handeln. Nicht einmal der Dreck ist dort wirklich schmutzig.
Niemand wird in die falsche Zeit geboren. Das liegt nur daran, weil wir uns die Vergangenheit schöner ausmalen oder erzählen lassen, als sie jemals war. Dieses ganze Glück, diese Fülle an Wahn – das gibt es heute auch noch. Nur wir brauchen einen Melancholischen Rahmen um es zu erkennen. Das was wir brauchen sind vorgefertigte Dialoge, die uns die Überzeugungen einhämmern. Ich glaube aber: Das Erwachsenwerden kann man nicht erzählt bekommen. Das ist etwas, was hinter der Seele abläuft. Man braucht Worte ohne Worte. Und mich kotzt diese Mystifizierung von Rock, Hippies, Drogen und Sex einfach an. Und wisst ihr warum? Weil ich selbst lange genug darauf hereingefallen bin.

Wir verdrängen es ganz gern: Fiktionen sind Lügen. Nicht mehr, meistens sogar noch viel weniger. Traut ihren Lügen nicht. Erst Recht nicht. Um euch von ihnen unterhalten zu lassen.