Verdammte humanistische Gutmenschen!!

Er sagt:

„Es geht nicht darum wie viel wir essen, wie das Alles angebaut wird, was man den Bauern zahlt, den Lohnarbeitern, ob das Sklavenarbeiter oder Kinder sind. Es geht auch nicht darum wie wir unser Vieh behandeln, ob wir das Reihenweise abschlachten, ihm Antibiotika geben, es schlagen, Hormone hinein pumpen und die am Ende selbst mit fressen, oder weg werfen. Auch ob unser Getreide überdüngt wird, die Äpfel gespritzt oder irgendein Anti-Irgendwas-Mittel eingesetzt wird, dass den Boden verpestet und damit wieder uns… Es ist auch vollkommen egal ob wir unseren Müll trennen, keine Plastikflaschen mehr verwenden sondern Mehrweg-Produkte, ob wir unser Essen selbst anbauen.

Es ist egal. Denn dabei geht es nur darum einen Prozess aufzuschieben, der nicht aufzuhalten ist. Und jeder weiß es, wenn er nicht total verblödet ist.

Du kannst noch so viel Plastik aus den Meeren fischen, keine fossilen Brennstoffe mehr benutzen und gegen Tierhaltung sein. Du kannst sogar der Supervegetarier, der Superveganer werden, nichts mehr essen, was einen Schatten wirft: Es spielt einfach keine Rolle. Wirklich nicht.

Es ist nicht der Wohlstand der die Welt zugrunde richtet. Es ist der Humanismus. Die Mitmenschlichkeit. Denn wer jedem anderen auf dem Planeten zugesteht, dass dieser die gleichen Rechten und Vorzüge erhalten soll wie er selbst, mag ohne Zweifel ein guter, ein vorzüglicher Mensch, ja, ein Menschenfreund sein, diese globale Gleichberechtigung aller Wesen ist jedoch auch der Untergang der Menschheit wie wir sie kennen. Der Mensch wird nicht die Erde zerstören. Dafür ist er gar nicht stark und groß genug, denn das Leben wird – über die Jahrmillionen – wieder einen Weg finden zurückzukehren, dafür reichen, wenn Darwin Recht behält, das Überleben von Kleinstlebewesen. Doch der Mensch wird die Menschheit zerstören. Er wird sie vergiften, ertränken, und sich früher oder später gegenseitig auffressen, was er jetzt schon auf die eine oder andere Art macht. Das ist die Wahrheit. Und es mag der Menschheit ein paar Jahre bringen, wenn wir alle brav unseren Müll trennen. Und es wird sicherlich helfen, wenn wir eines Tages einen anderen Planeten urbar machen – dort aber werden wir nach demselben Prinzip verfahren:

Zuviel Population für zu wenig Raum. Das Pop-pen ist das Problem.

Und doch ist das Poppen genau das, was den Menschen ausmacht. Sein einziger Traum. Sex bis zum Umfallen und so viele Kinder wie man will.

Es gibt keine gegenteilige Bezeichnung zum Kindersegen. „Kinder sind ja so toll“. „Sie sind unsere Zukunft.“ „Sie sind unser Glück.“ Es gab Zeiten, da stimmte das. Doch wie dankbar werden unsere Kinder sein, wenn wir immer mehr Kinder in die Welt setzen? Wenn wir nicht nur die virtuellen Privatsphäre abschaffen, sondern die reale gleich mit, in dem wir so viele Kinder zeugen, dass es nur noch einen begrenzten Lebensraum gibt? Und all diese mehr oder weniger glücklichen Nachfahren wollen selbst immer mehr Kinder bekommen, denn schließlich wollen sie selbst auch glücklich sein! Und wer kann ihnen dieses Glück auch vergällen, denn schließlich sind wir Humanisten und stehen ihnen dieses Glück, unser Glück, ihnen auch zu! Bis es irgendwann einmal nicht mehr geht. Es werden Kriege folgen. Seuchen. Mord und Totschlag. Das wird das „Finstere Mittelalter der Menschheit“. Und nicht der Kapitalismus und die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen wird daran Schuld tragen. Nein. „Schuld“ hat die Menschenliebe. Weil man jeden Deppen so sehr liebt, wie sich selbst – ganz egal ob DER einen liebt.

Das Kapital wie wir es kennen, nimmt keine Rücksicht auf den Menschen, außer denjenigen, der es besitzt. Der Kapitalist, der Reiche,  wird sich einen schönen Ort einrichten, in dem er gut leben kann. Und das ist richtig so. Er wird sich eine Blase schaffen, die er sich verdient hat. Alle anderen müssen draußen bleiben. Und das ist klug. Denn wenn man alle Heuschrecken gleichzeitig in das Paradies lässt, was wird dann geschehen? Oder anders gefragt: Was geschieht wenn man nur eine EINZIGE Heuschrecke hineinlässt? Werden dann mit der Zeit  nicht daraus zwei oder drei werden? Und wie geht die Geschichte weiter? Was wird aus den Sklaven von einst, mit denen wir Mitleid hatten? Seht nach Amerika. Seht nach Frankreich. Was aus all der „Nächstenliebe“ geworden ist…

Nächstenliebe muss man sich leisten können.

Denn der Nächste will das, was du hast. Nein. Er will es dir nicht wegnehmen. Der Nächste ist kein schlechter Kerl. Der Fremde ist nicht der Böse. Er will nur das GLEICHE haben wir du. Denn er denkt, er ist wie du. Und du behandelst ihn doch auch wie dich! Also wird er dir, nach und nach, das wegnehmen was du hast. Weil er so ist. Wie du. Du würdest doch genau das Gleiche wollen, wie du, oder? Du bist doch auch nicht schlechter. Siehst du, da haben wir es schon.

Wir brauchen Mauern um uns zu retten. Keine Brücken. Eine Brücke braucht man nur, um sich aus dem selbstverschuldeten Elend zu retten. Und ich kann nichts dafür, wenn irgendwo Krieg ist. Ich habe niemanden dazu gezwungen, Waffen zu kaufen oder auf wen zu schießen. Unsere Wirtschaft sagt nur: „Hier, das ist ein gutes Gewehr, bei seiner Handhabung wirst du keine Probleme bekommen.“ Seit wann ist Qualität ein Grund dafür, jemanden die Schuld zuzuschieben? Würden diese Leute nicht ihre eigenen Gewehre benutzen, wenn sie könnten? Natürlich würden sie das. Sie kaufen nicht unsere Waffen weil wir so nett sind, sondern weil sie gut schießen. Würde jemand anders sie herstellen, würden sie, sie dort kaufen. Ganz sicher.

Und welcher Flüchtling holt schon seine Familie nach? Ich bitte euch… Unsere Großeltern wissen wie man flüchtet. Mit nichts am Leib als dem nackten Überleben und die Kinder aufm Arm. Nachzug von Familien… Was sind denn das für Flüchtlinge? Und was ist das für ein lächerlicher Krieg? Unsere Gesellschaft wollen die unterwandern. Dass sind doch ALLE IS-Terroristen! Unsere Regierung verschweigt uns das nur! Und ich weiß aus sicherer Quelle – ein Freund von mir ist Polizist und war in München dabei – wie viel mehr Frauen da am Bahnhof vergewaltigt wurden; die dürfen nur nicht darüber sprechen. Weil die Regierung versucht die Leute ruhig zu halten, und die ficken unsere schönen jungen, weißen Frauen! Und denkt mal an die Schwulen! Wir holen uns den Henker ins eigene Land!

Nach und nach baut sich hier eine Parallelgesellschaft, mit Moscheen und Kopftuchmädchen auf und mit allem drum und dran…. Und stelle euch mal vor, WIR würden in der Türkei eine katholische Kirche hinstellen wollen! Hahaha! Hahahahahaha!“, lachte er, trank seine Binoade aus und ging auf die Straße mit seinem Plakat, auf dem stand: „Genug ist genug!“ Und brüllte: „Wir sind das Volk“

Meine Kollegin und ich sahen uns ein wenig ratlos an. Ich dann so: „Na ja. Mit dem Thema Überbevölkerung hat er wirklich recht gehabt.“

Sie: „Ja. Irgendwann wird es wohl viel zu viele Menschen geben. Wieso dann aber die Ausländer als erstes wegmüssen?“
„Das war doch schon immer so.“

„Verdammte humanistische Gutmenschen seid ihr!“ brüllte uns sein Kollege, der immer noch am Tisch saß, bisher aber nichts gesagt hatte.

Sie: „Wieso? Wir sagen doch, dass er Recht hat, dass viele Menschen weggehören, um den Rest zu retten. Ist es da nicht egal, welche Menschen weggehören?“

Und der Kollege brüllt nur: „Die ANDEREN gehören weg!“

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Familie, Glaube, Nation

Die wichtigen Sachen erzählt man selten. Meine Schwester hat vor ein paar Wochen, jetzt auch schon Monaten, ihre Familie verlassen. Sie hat einen neuen Typen kennen gelernt und deswegen ihre zwei Kinder von heute auf morgen zurückgelassen. Dabei ist es eine Sache wenn sie sich von ihrem Ehemann entwöhnt hat, die Kinder so von heute auf morgen verlassen (beide im unteren bis mittleren Schulalter) ist eine ganz andere Sache. Sie hat nur ein Leben, meint sie. Und auf eine gewisse Art kann ich das verstehen. Jeder hat nur ein Leben. Weshalb also unglücklich sein? Bei der Betrachtung des eigenen Unglücks und bei der folgenden Entscheidung daran was Grundlegendes ändern zu müssen, verdrängt man nur (bewusst oder gewollt unbewusst) die Folgen für das Umfeld: Dein Glück kann das Unglück für andere bedeuten.

Uns wird ständig eingeredet, dass wir uns selbstverwirklichen sollen. So gesehen hat Nietzsche recht bekommen, in dem er erklärte, dass alles was du jetzt bist oder glaubst zu sein, nicht du bist. Du musst werden wer du bist. Dabei meinte der Mann (der kein Familienmensch war) nicht seine eigene Egoismen durchzusetzen, sondern sich weiterzuentwickeln über das hinaus, was wir selbst von uns erwarten, und diese „Weiterentwicklung“ fehlinterpretieren wir Nachgeborenen mit dem Trugschluss, dass sich alles nach uns richten muss, da wir das Individuum über das Gesamte stellen, was auch ein Produkt des Zerfalls des nationalen Gedanken ist.
Nationales Denken wird bei uns regelrecht verteufelt, obwohl auch diese Form von Identität nicht per se schlimm ist, auch wenn wir das Schlimmste daraus gemacht haben. Aber wenn es keine große Leit-Identität mehr gibt, zerbricht sie auch im Kleinen, in der Familie. Eine nationale Verantwortung ist leichter abzugeben, als die familiäre – das hat einfach nur mit der Größe der Masse zu tun (in einer kleineren Masse steigt auch die Macht, von Canetti war das, glaube ich), und auch wenn ich kein familiärer Mensch bin, habe ich bisher auch bewusst die Verantwortung die eine eigene Familie zu leiten aufgeschoben. Sich erst einmal fertig entwickeln, bevor man andere mit seiner Unzufriedenheit ins Unglück stürzt.
Damit meine ich nicht, dass ich mich nach einem „Vater Staat“ und mehr Deutschland-Fahnen auf den Straßen sehne (bloß das nicht), ich bemerke nur ein Vakuum, welches wir mit Scheuklappendenken und Egoismus füllen.

Noch mal. Uns wird ständig eingeredet, dass wir uns selbst verwirklichen sollen. Die Werbung redet uns jeden Tag ein, dass wir unzufrieden sind. Mit unserem Körper, unserem Partner, unserem Haus, unserem Job, unserem Urlaub, unserer Zukunft usw. usf. Sie wollen uns ja auch ihren Krempel verkaufen und erschaffen deswegen in uns Wünsche. Doch da zieht wieder die „Fight Club“-Wahrheit: „Alles was du besitzt, besitzt irgendwann dich“. Wir sind besessen von unseren Wünschen. Unserem Hunger, unserer Geilheit, unserer Liebe. Die einzigen schwarzen Löcher die ich jeden Tag überall beobachten kann, sind die schwarzen Löcher in unseren Körpern, die alles verschlucken und absorbieren, was sie bekommen können, ohne je länger als einen halben Tag satt zu sein. Und wir machen das Spiel mit. Jeder von uns. Selbstzufriedenheit existiert nur noch in den seltensten Fällen – und wenn dann hält sich nicht lange an, oder es wird als ein grundlegend negatives Gefühl beschriebe. Es ist weder etwas Gutes noch etwas absolut Schlechtes sich in sein Schicksal zu fügen. 7 Milliarden Menschen können sich NICHT alle Selbstverwirklichen. Das wissen wir Alle. Aber jeder fühlt mit diesem Wissen ein kleines trotziges „Ich aber schon“ dazu. Und so geht der Mensch zugrunde. So werfen wir all unsere humanitären Errungenschaften über Bord.

Jede Entscheidung für eine Sache, ist eine Entscheidung gegen eine andere. Das gilt auch gerade für die, welche sich in dieser Haltlosen Welt einen Anker suchen; die Religionen sind wieder im Kommen, auch bei mir im Umfeld. Und so viele Werte Religionen auch transportieren, bleiben sie im Endeffekt intolerant. Es gibt in der Philosophie der Religionen nur Gläubige und Ungläubige. Und dabei ist es ganz gleich wie sehr man die anderen Mit-Gläubigen auch liebt: Ein kleinwenig verteufelt man die Ungläubigen immer. Auch. Wenn das nicht einmal böse gemeint ist. Sondern man sie in Wahrheit „retten“ will. Ich weiß. Liebe ist nie absolut. Toleranz auch nicht. Denn wer nur liebt und nur toleriert mag zwar ein Heiliger oder Roman-Held sein. Nur ist er kein realer Mensch mehr. Man muss Überzeugungen haben. Auch Träume. Man darf darüber aber auch nicht vergessen, was das für Auswirkungen auf das Umfeld hat, setzt man sie um. Und damit meine ich jetzt nicht einmal so Sachen wie Mülltrennung oder Klimaschutz, was uns Alle betrifft. Sondern (siehe Familie und Schwester) im direkten Umfeld.
Ich fordere nicht den Gutmenschen. Sondern eine Neu-Erstarkung der Moral, die keine Götter braucht. Was wir benötigen ist kein blinder Humanismus. Wir brauchen einen neuen Humanismus, der mit den komplexen Problemen unserer Zeit wächst und weder ein konkretes „Ja“, noch ein „Nein“ gelten lässt. In einer Welt mit 7 Milliarden Menschen wird uns ein selektionistisches Gesellschaftsdenken aufgezwungen. Das ist nicht zu ändern. Und das zu lösen ist die große Aufgabe, die sich in der Zukunft stellt.

Traumjob und Traummensch

Ich bin noch bis morgen krankgeschrieben, und da habe ich mir den neuen Roman von Carlos Ruiz Zafon geholt (der Limonow ist gut, aber nach 10 Seiten lege ich ihn immer weg) und ich erinnere mich vage an ein Zitat von Zafon (aus einem der beiden Vorgängerbücher), welches eine Internet-Freundin in einem Forum in ihrem Profil geschrieben hat. Irgendwie ging es darum, das man als junger Erwachsener nicht nur entscheiden muss mit irgendetwas sein Geld zu verdienen, sondern auch darum, es mit etwas zu machen, was einen erfüllt.

Vorher habe ich mir einen Vollkornsemmel geholt. Früher hat man das gesagt: „Ein Vollkornsemmel, bitte.“ Und man bekam einen. Heute bekommt man darauf nur eine Gegenfrage: „Den mit Kürbiskern? Roggen? Mehrkorn? Dinkelstange? Kümmelbrötchen? Kornspitz? Weltmeister?“ Usw. Usf.
FRÜHER war das anders. Da gab es eben nur Semmel. Brezen. Brot. Und das war es im Prinzip auch so. Und das Gleiche war auch so mit dem Süßkram.
Das ganze Thema beschränkt sich ja nicht nur auf die Bäckerei – es ist mit allen Dingen so. Spezialisierungen wohin man sieht. „Starbucks“ ist dafür das beste Beispiel – von wegen einfach nur Kaffee – oder jede nur erdenkliche Getränkesorte (wie hätten sie ihr Wasser denn gerne? Still, Medium oder Spritzig? Mit Aroma? Mit viel Kalzium? Usw. usf.), Inneneinrichtung, Mode, Autos, Handys, Musikgeschmack, Schmuck, Menschen – ALLES. Alles wird immer mehr spezialisiert und damit individualisiert. Jeder Geschmack wird noch delikater ausgeleuchtet und es muss noch IMMER mehr Geschmack erzeugt generiert werden, damit es WIRKLICH Geschmackvoll zusammenpasst.

Ich bin ein Mann und ich bin ziemlich Old School. Für mich braucht es im Prinzip keine zigtausend Kaffeesorten bei Starbucks, keine Millionen Salatsorten, keine großartige verschiedenen Menüs beim Fast Food Restaurant – und total abgenervt bin ich von „Subways“, wo ich nach all der Fragerei immer total fertig bin und freiwillig eine Tüte Chips dazukaufe, da ich nervlich total am Ende bin…
Kurz: Es ist ganz nett die Wahl zu haben, aber wieso muss man immer und überall Alles spezialisieren?

Sicher. Das liegt an der Globalisierung. Das musste auch unser Bundestagsvizepräsident Thierse feststellen. Worte. Werden exportiert. Aber auch Essgewohnheiten und Kultur. Das ist weder schlecht noch unnormal. Das ist der Lauf der Dinge. Dennoch frage ich mich, warum man jeden Quatsch kennen muss, um dann nicht gleich als Volltrottel und Hinterwäldler dazu stehen. Ganz ehrlich (auch wenn es sau doof klingt): Ich will gar nicht alles wissen (Das klingt jetzt wie ein Simpsons-Zitat, darum geht es aber nicht: „Es gibt viele Dinge die wir nicht wissen wollen; ganz wichtige Dinge sogar!“ :)) ). Das ist jetzt keine Absage an „Multikulti“, sondern an den Terror des überzogenen Individualismus.
Damit. Hat der Eintrag hier ja angefangen:

Früher. Da konnte auch nicht jeder werden was er will. Klar, man konnte sich bemühen, hatte Träume aber man hatte nicht den einen Traumberuf (in der Kindheit vielleicht) und stellte sich dann quer oder verlor den Lebenssinn, wenn man eben nicht Anwalt, Arzt oder Filmstar wurde, sondern doch in einer Fabrik arbeiten musste, Pakete austrug (das finde ich sehr witzig) oder sonst etwas. Ich glaube, man sah auch nicht so sehr auf Jobs wie Müllmann, Verkäufer/in im Supermarkt oder dergleichen herab. Es war normal. Jemand musste diese Jobs machen und das tat dann auch jemand. Es gibt eben nicht nur Traumberufe – deswegen konnte man dennoch ein sehr glückliches Leben führen.
Heute wird einem immer mehr und mehr ein Elitedenken vorgeführt. Die Schere zwischen „Arm und Reich“ – und für die, die nicht viel Geld haben: Die Scheren zwischen „Hübsch und Hässlich“, „Cool und Langweilig“, „Fick oder ungefickt“. Das gab es ja schon immer. Doch heute geht es viel extremer darum, und, es kommt immer mehr auf die Verpackung an – auf den Stil.
Okay, in letzter Zeit darf man ja modisch „Alles“, im Prinzip aber wird immer mehr spezialisiert. Und: „Hauptsache Auffallen“ – dies aber nur durch modische Uniformität (kurz: Alle sehen besonders aus, aber auch im eher gleichen Look), und wehe man läuft so herum wie die Jugend in den 50gern des letzten Jahrhunderts oder dem Jahrhundert davor. Man darf eben nicht Alles. Es wird nur so getan.

So sind die Menschen also geworden. Nerds oder Freaks. Sexy oder Intellektuell. Schick oder Hippie-Stil. Und für Alles gibt es DEN Modestempel, z.B.: „So haben Emos auszusehen“. Es ist mehr Look als Gefühl. Auch bei den Rockern oder bei den Bankern. Die Oberfläche macht den Unterschied. Und auch wenn der Traum von der Rock/Popstar-Karriere nichts geworden ist. Nun. Man kann sich doch wenigstens so anziehen und fühlen. Es geht gar nicht mehr um Wirklichkeit, sondern um ein Gefühl der Wirklichkeit. Um Individualität. Denn wie man aussieht und wo man sich dazu denkt, das ist man auch. Wirklich? Gibt es diese Traummenschen als die wir uns sehen nicht nur in unseren Träumen?

Das Ganze ist jetzt irgendwie abgedriftet. Im Prinzip wollte ich nur sagen, dass Semmeln (Brötchen, von mir aus 😛 ) immer Semmel seien werden, ganz egal mit was für Körner, Salz oder sonstigen Zutaten sie gemacht oder belegt wurden. Und dass es auch mit den Menschen so ist. Ganz egal wie toll und wichtig sie sich vorkommen oder verkleiden. Menschen sind immer Menschen. Und es gibt keinen real existierenden Übermenschen, auch wenn wir diese Daseinsform anstreben sollten. Es ist nicht die Form wie du die Haare trägst. Was du arbeitest. Was du für Musik hörst, was du liest oder ob du ins Kino oder Theater gehst.
Und ich finde wirklich dass sich nicht jedes Arschloch wie etwas Besonders vorkommen sollte.
Wir sind nichts Besonderes. Ganz egal was uns Walt Disney auch eingeredet hat. Wir werden nicht alle Filmstars, Prinzessinnen oder Pornodarsteller. Und das ist auch gut so. Denn Erfüllung ist mehr als nur Arbeit und/oder Liebe.
Semmel sind Semmel. Menschen sind Menschen.
Fertig.

Strategien gegen Vernunft sind Strategien gegen Architektur

Einmal als ich ein kleiner Junge war, ging ich mit meinem Onkel im Wald spazieren. Am Wegesrand fanden wir etwas Kleines, Vogelähnliches. Fast ganz nackt und fast ganz blind war es. Es macht auch Vogelgeräusche, irgendwie. Wenn auch nur noch vertrocknete.
Mein Onkel erklärte mir, dass das kleine Vögelchen aus dem Nest gefallen wäre, obwohl es noch gar nicht bereit dazu gewesen wäre, es zu verlassen. Jetzt läge das unfertige Vöglein hier in der Sonne und würde langsam qualvoll sterben. Ich wollte es mit nachhause nehmen. Es aufziehen. Darauf lachte mein Onkel nur: Das seien Kindergedanken, dass sollte ich mir aus dem Kopf schlagen, denn das würde nicht funktionieren – nur ein Kind würde so denken, kein Erwachsener, der die Welt kennt.
Daraufhin zertrat er das kleine Vögelein mit seinem rechten, schweren Schuh. Ganz schnell und grausam. Das sei das Humanste, was man für das Tier hätte machen können, sprach er.

Und ich verstand.
Dass das „Humanste“ nicht zwangsläufig das Richtige ist, sondern nur die Philosophie und Logik der gesunden Menschen, das Menschlichkeit jede Debatte erstickt und keine Frage nach der Richtigkeit erlaubt und dass womöglich der Humanismus am Ende Alles zerstören wird, was richtig und natürlich ist auf dieser Welt.

Humanitas

Was?

Der gängig moderne Mensch scheint, so weit es ihm möglich ist, sich wenig an der Anwesenheit seiner Mitmenschen zu erfreuen. Jeder fährt (ein- und weggesperrt) mit seinem eigenen Auto herum, anstatt durch die Gegend zu schlendern und Leute treffen zu wollen. Man schiebt einsam und egoistisch „seinen“ Einkaufswagen durch die Gesichtslosen Supermärkte, und auch an der Kasse erwartet einen kein nettes Schwätzchen mit der Kassenkraft, sondern da muss man sich sputen, da dank Elektroscannerlesegeräten die Waren so schnell in die nicht vorhandene Auslaufzone geschleudert werden, dass man kaum hinterher kommt. Zuhause wird im Singel-Haushalt existiert. Ruhe ist angesagt.
Ich bin dabei keine Ausnahme, und ich empfinde es als nicht weiter schlimm. Im Gegenteil.

Einer der wenigen Orte, an denen man sich nicht der Öffentlichkeit und seinen Mitmenschen entziehen kann, ist die Bahn – fast möchte ich behaupten, dass öffentliche Verkehrsmittel die Wirklichkeitsnahesten Räume unserer Zeit sind. Alle Gesellschaftsschichten (bis auf die Superreichen) nutzen sie, von den Schulkindern, über die Groß/Kleinfamilie, zu den jugendlichen Suffköppen, bis hin zu den Rentnern – Geschäftsreisende nicht zu vergessen. Nirgendwo anders ist man so nah dran am Mitmenschen, wie hier. Ob man will oder nicht.

Ich denk mir dann immer: „Sei doch nicht von vorne herein so ablehnend. Begegne den Menschen mit einem Lächeln, denk dir nicht sofort, dass du deine Ruhe willst, und dass man dich bloß nicht anquatschen soll. Natürlich kannst du dich nicht daran erinnern, jemals ein nettes bis angenehmes Gespräch mit wildfremden Leuten in einem Zug geführt zu haben. Aber es kam bestimmt einmal vor. Also kuck sie nicht böse an. Stier nicht allzu abwertend in deine Zeitung/Handy. Und lass dich einfach mal darauf ein.“

Als ich vor 10 Tagen mit dem ersten Zug am Morgen von München heraus fuhr, funktionierten meine Selbstbestärkungstechniken nicht im Geringsten, wobei sich bewahrheitete, dass jedes Konzept seine Grenzen besitzt. Ich saß auf meinem Platz, den schlafenden S vor mir, und wurde während meines Schlafversuches dem besoffenen Idiotengerede einer Gruppe jugendlicher Kerle zuteil, dass mich so zur Weißglut trieb, dass ich sie allesamt am Liebsten erschossen hätte (Iiiii, die hätte ich nicht anfassen wollen, deswegen kein Messer oder per Hand erdrosseln). Ein dummes Gelalle mit blöden, untergründigen Proletenwitzen (die natürlich in schallendes Gelächter mündeten), dazu Hip-Hop Marke „Ich fick alle Schlampen“, „Frauen sind Huren“ und „Ich bin der Geilste“ vom Handy intoniert, und widerliches Zungenherausstrecken plus Leckbewegungen/geräusche, wenn eine Frau/Mädchen unser Abteil passierte – das nur um den Gesamteindruck abzurunden.

Es war wirklich furchtbar. Und was für mich am Furchtbarsten war ist jene Erkenntnis, dass ich mich in Nichts von diesem Haufen Menschenmüll unterschied. Am Ende meines Lebens würde ich die gleichen Gefühle und Emotionen, dieselben „Hochs“ und „Tiefs“ durchlebt haben, selbst meine Liebe und mein Hass sind im Endeffekt ohne Unterschied zu dem, was sie genauso benennen. Grauenhafter Sachverhalt: Die Menschen sind gleich. Und während Frauen sich noch wenigstens ob ihres Geschlechts in dieser Situation hätten herausreden könnten, blieb mir nicht einmal mehr das.
Zwar unterscheide ich mich in meinen Erfahrungen, meiner Vergangenheit und ein paar Genkombinationen von dem besoffenen Pack – doch was ist das schon?

„Vielleicht“, ging ich in mich, „vielleicht habe ich mich selbst einfach zu sehr verzogen. Zu sehr verhätschelt. Immer ziehe ich mich von den wirklichen Menschen zurück. Sobald ich aus der Arbeit komme. Ich hänge dann in meinen bestimmten Umgebungen herum, die auf ihre gewisse Art bereinigt sind. Freunde, eine bestimmte Art von sozialen Musikräumen (Clubs, Konzerte), bei denen ich auf einen bestimmten Typus Mensch treffe (zwar kann man den Clubgänger nicht kategorisieren, dennoch ist ein gewisses Denken, eine gewisse Grundhaltung mit ein- und vorprogrammiert), Familie, das Fernsehen (wo sich größtenteils nur vorzeigbare Menschen bewegen– auch eine schöne Form von unterschwelliger Selektion, ein Rassismus des guten Aussehens) und schließlich das Internet, wo sich die Menschen selbst erschaffen können, mit ihren Texten, nachbearbeiteten Fotos oder sich hinter Avataren und Icons verstecken. Was hast du erwartet? DAS (im Zug) ist die Wirklichkeit! Das sind die Reality-TV-Gesichter, über die im Fernsehen ein Balken über das Gesicht gelegt wird. Nicht um sie unkenntlich zu machen und ihre Privatsphäre zu schützen, sondern um den Zuschauer nicht zu vergraulen, den wer würde nicht umschalten, wenn er die ungeschönte Wirklichkeit auch noch auf der Mattscheibe ertragen muss? Wahrscheinlich sind deswegen auch die Simpsons so erfolgreich: Weil sie gezeichnet sind, und keine echten Menschen. Sie altern nicht, und nerven auch nicht mit ihrer Mimik. Sie sind bereinigt und konstruiert wie gelbe Götter. Herrlich unmenschlich, wie könnte man sie nicht lieben? Darum lieben viele Leute ihre Haustiere… Weg, nur schnell weg hier…“

Am nächsten Abend fuhr ich dann wieder mit dem Zug von München nach hause, und da ich brutal übermüdet war, hörte ich (als ob ich in einem Zug schlafen könnte…) dem Gespräch einer benachbarten Sitzgruppe zu.
Dort beschrieb und erklärte sich eine junge Frau (fast noch ein Mädchen) einer Gruppe Jungs; sie sei Pennerin, lebe seit ein paar Jahren auf der Straße, besser gesagt, im Zug, denn sie hätte eine Karte (einen Behindertenausweis, worum sie ihn besaß, erklärte sie nicht), der es ihr ermöglichte umsonst mit der Bahn zu reisen. Und deswegen fährt sie mit dem Zug durch Deutschland, fast ohne Unterlass. Ist doch besser als auf der Straße. Mit Toilette. Ob sie denn nicht heute bei einem der Kollegen übernachten könnte. Mit ihrem Mitreisenden. Den hätte sie vorhin in Nürnberg gerade kennen gelernt, und Einen dürfe sie mit ihrer Zauberfahrkarte mitnehmen. Aus den Antworten ihrer Gesprächspartner hörte ich heraus, dass sie lieber ihr allein eine Übernachtungsmöglichkeit angeboten hätten…

Bei der Erzählung ihres Lebensstils musste ich irgendwie an Henry Miller denken, der (amerikanische) Schriftsteller meiner Jugend, wie er die verschiedensten Jobs angenommen hatte, und Erfahrungen sammelte, Leute kennen lernte, und in dem Zusammenhang auch daran, dass ich einmal dachte (ganz Roman-tiker), dass es doch toll wäre, immer wieder irgendwo ein Praktikum zu machen, herum zu kommen, und somit Einblicke zu bekommen. Zu lernen. Und zu verstehen – und dass dieser jugendliche, längst verebbte Impuls in mir überhaupt nicht zu dem MIR von gestern Morgen, zu meiner unmenschlichen Menschenfeindlichkeit passte, das genaue Gegenteil davon war.

Was?

Konterevolutionär

Wie „konterevolutionär“? Tippfehler? Hat der Depp da ein „R“ vergessen?
Hat er nicht.
Denn bei grobschlächtiger Betrachtung ist unsere Wohlstandsgesellschaft Darwinistischer grober Unfug, denn nicht mehr der stärkste, fähigste und klügste Mensch setzt sich durch, sondern, meiner Prämisse folgend, sondern auch eine ganze Reihe von Hochstaplern, Menschen, die vorgeben, dass sie besondere, evolutionär wichtige Gaben besitzen; dazu jene, die einfach nur Geld besitzen oder durch den Humanismus mitgezogen werden.

Auf den Gedanken kam ich über ein Promibeispiel. Irgendwie dachte ich an Brad Pitt und Angelina Jolie (ich könnte auch andere Beispiele nennen), und an ihre adoptierten Kindern, und kam auf dem Gedanken, dass das doch alles Falsch ist.

Von Schauspielern (egal wie viel Sympathien ich für sie auch hege) halte ich im Prinzip nicht viel. Sie geben nur eine Rolle wieder, die ein Anderer für sie erfunden hat, stellen sie gemäß ihres Charakters mehr oder wenig variiert dar, und streichen dafür (Hollywood) zweistellige Millionenbeträge ein (Dollar wie Euro) – auch wenn es Einige sicherlich zu einer gewissen Profession gebracht haben.
Wo ist da die Leistung?
Wo die darwinistische Rechtfertigung dafür?

Unsere Gesellschaft entwickelt sich dahingehend, dass Schausteller (wozu ich Schauspieler zähle) zu Vorbildern, Helden und (quasi) Übermenschen stilisiert werden (dabei hätte ich auch ein Sportlerbeispiel wählen können, wobei dass schon mehr mit Leistung, und weniger mit Sympathien zu tun hat), die der Menschheit nichts zu bieten haben, als sich selbst. Ein Image, dem die Menschen hinterher jubeln. Es ist pure, vergoldete (platinierte) Selbstdarstellung.
Wo ist da der darwinistische Sinn? Oder ist es eine Entartung dessen? Entwickelt sich unsere multimedial globalisierte Welt gesellschaftlich/menschlich evolutionär zurück? Oder besser ausgedrückt: Ist der Mensch nicht gemacht für die moderne Welt, noch nicht aus seinem Höhlenlebenmenschendasein herausgewachsen? Denn was hier honoriert wird ist nicht im darwinistischen Sinn der Weiterentwicklung und Verbesserung der Arten (des Menschen), sondern eine Stagnation, da Leistungen anerkannt und hochgehalten werden, die nicht zur Verbesserung der Menschheit beitragen, sondern zu dessen Gegenteil.

Der Mensch (sowie dieser Planet) ist nicht am Ende der Evolution angekommen. Wir sind nicht die „Krönung der Schöpfung“, und deswegen sollten wir uns auch einmal überlegen, wo das Ganze hinführt, denn wir honorieren nicht nur Selbstdarsteller, sondern wir sind zu Humanisten geworden – was als die höchste Errungenschaft der westlichen Welt angepriesen wird, der im Individualismus gipfelt (es ist nämlich auf gar keinen Fall natürlich, dass der Mensch humanistisch ist, was paradox ist, denn wenn nicht er Humanist ist, wer dann?). Deswegen habe ich auch das „Brad Pitt und Angelina Jolie“ Beispiel gewählt, da sie nicht nur Steinreiche Schauspieler sind, sondern auch Kinder aus Dritte Weltländern bei sich aufnehmen, um sie an ihrem Reichtum teilhaben zu lassen. Humanistisch gesehen: Applaus. Doch vom darwinistischen Standpunkt betrachtet, gerät da etwas aus dem Takt.

Wir sind fast alle Humanisten, Manche mehr, Andere weniger. Denn im Endeffekt handeln wir mehr oder weniger nach dem Kants kategorischem Imperativ (Zusammengefasst: „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“), auch wenn wir ihn an einigen Stellen beugen, um besser wegzukommen – natürlich sind wir nicht alle Humanisten.
Das Problem mit dem Humanismus ist nur, dass er uns auf Dauer nirgendwohin führt. Denn der Mensch, der früher Darwin folgend ausselektiert worden wäre (durch Krankheiten, Armut etc.) wird heute am Leben gehalten, was zur Folge hat, dass wir wie ein Virus den Planeten zerstören und über bevölkern. Was für eine Ironie: Im Humanismus liegt das Saatkorn unseres Untergangs. Unsere größte Errungenschaft.
Wenn man aber ganz Nietzsche-like daher kommt und sagt: „Der Schwache mach den Starken schwach, der Kranke den Gesunden krank“, gerät man schnell in Ecke des Menschenfeindes. Ich plädiere hier natürlich nicht zur „Vernichtung des Lebens unterwerten Lebens“, wie die Nationalsozialisten schlussfolgerten, aber die Frage sollte doch erlaubt sein, wohin der Humanismus führt? Führt er nicht zwangsläufig zu einer Degeneration der Menschheit? Oder zum vollständigen (oder quartalsmäßigen) Untergang derselben?

Ist der Mensch mit seiner Schlussfolgerung des Humanismus, wirklich richtig in der Moderne angekommen? Oder sitzt er geistig immer noch im Mittelalter fest und hält Ideale hoch, die in der Gegenwart zwar menschlich bedeutsam und wichtig sind (immerhin ist jedes Leben schützens- und erhaltenswert), aber auf Dauer mehr schaden, als erreichen?

Die Medizin und die Kultur haben unser Leben besser gemacht. Wir sind sorgenloser, leben länger, mit weniger Leid. Die Meisten von uns sind für gleiche Chancen, und gleiches Recht für Alle (moralisch, solange eigene Interessen nicht beschädigt werden…). „Und wer nicht für Mindestlohn ist, ist ein Arschloch.“ Doch wo führt das hin, dieses gleiche Recht für Alle? Zu neuen evolutionären Höhenflügen, bedingt durch die technischen Möglichkeiten der letzten Jahrzehnten, oder ist gerade dies ein Katalysator für den Untergang, die Degeneration…