Zoot Woman "Star Climbing Wintertour 2015"

Wir sind in Stuttgart dabei 🙂

16.1. BE – Antwerp
17.1. DE – Hannover
18.1. DE – Hamburg
19.1. DE – Berlin
20.1. PL – Warsaw
21.1. PL – Poznan
22.1. DE – Dresden
23.1. DE – Leipzig
24.1 CZ – Prague
26.1. AT – Vienna
27.1. DE – Munich
28.1. AT – Salzburg
29.1. CH – Zurich
30.1. DE – Stuttgart
31.1. DE – Freiburg
01.2. DE – Erlangen
02.2. DE – Frankfurt
03.2. DE – Cologne
04.2. FR – Paris
04.3. ES – Barcelona
05.3. ES – Madrid

Und ich fand die schon gut bevor ich überhaupt wusste das Jacques Lu Cont a.k.a Stuart Price da mitmacht 🙂

Beim BVB im Signal Iduna Park in Dortmund

Wie fängt man so eine kleine Geschichte an, die im Prinzip doch für mich persönlich etwas ziemlich großes ist? Schließlich komme ich nicht aus dem Pott, nicht einmal aus dem Westen. Soll ich davon erzählen wie unangenehm es in den letzten 17 Jahren hin und wieder war als Bayer ein Fan von Borussia Dortmund zu sein? Wobei: Bei „Fan“ wird immer gleich dieses Extrem dazu gedacht, dieser Wahn, dass in meiner Wohnung überall BVB-Kram rumstehen und hängen würde – so ein Unsinn.
Der BVB war zwar immer „mein Verein“, doch wenn man nicht direkt von dort kommt und es keine unmittelbare Nähe gibt, hat so eine Beziehung Höhen und Tiefen, wobei ich mit festem Tastendruck und überzeugter Stimme dazu sagen muss und will, dass ich auch zu den Dortmundern gehalten habe, als es Mitte des letzten Jahrzehnts ziemlich übel für sie aussah. „Ein Mann – ein Verein“ – das war schon immer mein Motto und wird es auch bleiben.

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Vielleicht aber fange ich die Geschichte anders an. Und zwar mit dem Artikel von Moritz von Uslar zum Thema „Berghain“, denn schließlich ist „Techno“ ein wichtiges Thema in meinem Blog. Von Uslar meinte in seinem „Zeit“-Artikel, dass das Berghain einer der 5 Orte in Deutschland sei, die man wirklich gesehen haben sollte. Davon abgesehen das mich als alter Techno-Liebhaber das Berghain überhaupt nicht interessiert (gehypte Laden langweilen mich, außerdem: „Bochum, Augsburg und Schwerin – sind deutsche Städte wie Berlin“…) fand ich es voll daneben einen Club zu den sehenswertesten Orten der Nation zu erklären (obwohl das meiner Feier-Seele schmeichelt), nur aber wegen dem einen Grund nicht: Es darf nicht jeder rein. Was nicht einmal die ganze Wahrheit ist: Es dürfen nur sehr wenige rein. Da stimmt doch was vom Gedankengang her nicht.
Für mich war der „Signal Iduna Park“ in Dortmund schon einer dieser 5 Orte, bevor ich dort überhaupt war – und er hat mich nicht enttäuscht. Und selbstverständlich geht es nicht um das Stadion aus Stahl und Beton welches ich sehen wollte, sondern das Stadion gefüllt mit Menschen. Denn darum geht es: Um Menschen, die Orte zu etwas besonderem machen. Ansonsten wäre das Berghain auch nur eine Industrie-Ruine.

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Dabei ist es gar nicht soooo einfach für Dortmund ein Ticket zu bekommen, was nicht nur an der momentanen Beliebtheit und dem Erfolg zu messen ist. Dortmund ist eine Fußball-Stadt, das merkt man total wenn man dort unterwegs ist. Fußball ist dort in der Mitte der Gesellschaft angekommen und es tragen nicht nur die Proleten BVB-Insignien, sondern so ziemlich alle. In München dagegen denkt man sich wenn man einen Fußball-Fan sieht: Was für ein asozialer Bauer. Das ich jetzt überhaupt auf Fußball stehe ist schon strange. Frei nach der Redensart: „Essen ist der Sex des Alters“, ist „Fußball so etwas wie der Techno meines Alters“… Mal sehen ob das auch stimmt.
Da ist es auch nicht verwunderlich, dass (bitte korrigiert mich, habe das Letztens in der Doku gehört) es alleine 55.000 Dauerkarten-Besitzer für die Bundesliga-Session gibt – ein wenig über 80.000 Leute passen rein. So leicht kann man sich also keine Karte rauslassen…

Man überlegt da natürlich was bei Viagogo zu kaufen, einen Zweithändler, nur ist das Problem, dass die Karten da doppelt so teuer sind UND man noch Gebühren dazuzahlen muss, was aus der Geschichte einen teuren Spaß macht. Am Ende haben wir sie bei eBay gekauft (obwohl, ich bekam sie ja geschenkt, die Karte 🙂 ) was auch nicht gerade billig war. Es ist halt einfacher wenn man vor Ort lebt oder jemanden kennt, der ne Jahreskarte hat.

„Das beste Stadion der Welt“, zumindest Deutschlands, Europas, so sagt man. Das liegt vor allem an der „Süd“, also der Süd-Tribüne, allesamt Stehplätze und ich wollte mir das zumindest (dafür bekommt man nicht einfach so ein Ticket), von gegenüber ansehen – und es ist wirklich beeindruckend wenn die Leute dort in Wallung kommen, man nennt sie nicht umsonst „die gelbe Wand“.

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Wir waren beim Bundesliga-Spiel letzten Samstag, gegen Freiburg. Unsere Plätze waren… Ganz oben und ganz hinten. Nun ja. Da will man nicht meckern, immerhin war man im Stadion und hatte einen perfekten Blick auf das gesamte Spielfeld – leider nur waren die Protagonisten auf dem Platz kaum im Detail zu erkennen.
Dort oben ist der Platz für die Touris würde ich behaupten, denn um uns herum (wir machten es natürlich auch) wurden einige Selfies geschossen und man freute sich, überhaupt dabei zu sein, bei diesem großen, legendären Verein in seinem Stadion. Der BVB ist schon lange eine internationale Marke geworden mit Fans auf dem ganzen Planeten, und vielleicht sind ansonsten auch Asiaten im Stadion, nur vielen sie mir an dem Tag besonders auf, da es immerhin das erste Spiel von Shinji Kagawa war, der nach zwei Jahren Abwesenheit wieder für die Dortmunder auflief: Und frenetisch bejubelt wurde.

Einen kleinen Exkurs über Aufrichtigkeit die im Pott sehr geschätzt wird:
Kagawas Traum war es schon immer in England zu spielen, und als ManU ihn haben wollte, war für ihn den Schritt klar. Er hatte das klar formuliert und somit war es traurig für die Dortmunder als er ging – doch es war okay. Als Mario Götze den BVB Richtung München verließ, war nichts okay, da es an der Aufrichtigkeit von Seiten Götzes fehlte. Er stellte sich als Borussa dar, ging dann aber (still und heimlich vermittelt) nach Bayern, weswegen er als Verräter gilt. Bei Lewandowski (der den Dortmundern wahrscheinlich schmerzlicher fehlen wird als Götze) ist es ähnlich, denn der Robert hat sich bis zum letzten Spiel für Dortmund zerrissen und seine Absichten klar benannt – so was wird akzeptiert.
Ich meine einfach, dass es da auf die Feinheit ankommt, um Courage, um Ehrlichkeit. Die Leute im Pott sind Fußballverrückt, weil dass ihr Leben bereichert und lebenswerter macht (das lasse ich jetzt mal so stehen und werte es nicht ab, was leicht wäre, denn schwer arbeiten und wenig Geld haben ist nichts was nur im Ruhrgebiet der Fall ist) und deswegen brauchen die Leute dort Identifikationsfiguren, und wenn dann jemand wie Manuel Neuer als Schalker sich hinstellt und singt: „Ich würde nie zum FC Bayern gehen“ um ein halbes Jahr später dort einen Vertrag zu unterzeichnen, dann ist es das RECHT der Leute sauer zu sein. Wahrlich: Das ist meine Meinung. Denn ich ticke auch so.

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Das Vorprogramm vor dem Spiel ist eine große Sause. Man ist mindestens eine Stunde vorher im Stadion und singt/grölt/hüpft/trinkt sich sein. Da werden Fahnen geschwenkt und Hymnen auf den Verein gesungen – und natürlich das legendäre „You never walk alone“, dass vor jedem Heimspielt intoniert wird, aus dem Herzen heraus gesungen. Es ist fast schon fanatisch religiös dieses ganze Brimborium. Auch ein klein wenig erschreckend. Hat mich an die „Mayday“ erinnert, die ebenfalls in Dortmund stattfindet. Das Motto scheint hier zu sein: Wir machen nicht viele Großveranstaltungen – die aber richtig.
Das Spiel wurde 3 zu 1 gewonnen – ich glaube, das sagt schon alles über die Stimmung im Signal Iduna Park. Die Menschen lagen sich in den Armen, es wurde gejubelt, gesungen und gefeiert, nicht nur aber maßgeblich von der Süd aus. Wir auf der Gegenseite klatschten mehr und warfen das zu uns rübergedonnerte „B!V!B!“ dröhnend zurück. Manchmal. Mit dem Blick auf „die Süd“ und wie die Menschen dort sprangen und Stimmung machten. Musste man die Bewunderung über den Anblick abschütteln. Sich wachrütteln. Um sich selbst daran zu erinnern: Ach Fußball wird ja auch noch gespielt!

Die erste Viertelstunde war die Spannung für mich körperlich spürbar, obwohl, es nur ein Bundesliga-Spiel war. Es war nicht nur die Menge der 80 Tausend Menschen, die Masseneuphorie, die Lautstärke, sondern auch all der Schweiß und die Hormone, die Pheromone, die man einatmete. Könnte man das in Flaschen abfüllen und verkaufen, wäre es wohl mit eine der besten Drogen überhaupt.

So. Ich bin müde 😉 Die Deutsche Bahn hat mich gestern geärgert
Man zahlt dort (wie in den meisten modernen Stadien) mit einer Chip-Karte die man dort für 2 Euro leihen kann, und Toiletten gibt es auf jedem Stockwerk, ebenso wie Bier/Essen. Alles lief dort sehr gesittet ab, was wichtig ist, da die Ränge sehr steil gebaut sind und man schon ein wenig Sorgen haben könnte, nach einem Stoß zu stürzen.

Also es war super und toll – und wir gehen noch mal hin 🙂 Ganz sicher.

Eine kleine Anekdote noch: Als wir nach dem Spiel (ich im Trikot) noch durch die Fußgängerzone zu einer Gasthofbrauerei gingen, fragt mich eine alte Frau wie der BVB gespielt hätte, einfach so, Ich: „Gewonnen“ und sie: „UND WIE HOCH?!“ Das würde dir in München nicht passieren…

Das Spiel:

Auto.Matic.Open 2014 Party-Rückblick

Mit den Automatic-Veranstaltungen kann man mich sonst jagen, da dort stumpfer Fahrtstuhlsound läuft, der vieles in mir auslöst, nur keine überschwänglichen Emotionen. Mit den Jahren habe ich gelernt und akzeptiert, dass diese Musik, dieser Minimal-Sound in Augsburg einfach beliebt ist und es im Prinzip nun mal keine Rolle spielt, ob mir das passt oder nicht: Es ist halt so. Blöd nur das Augsburg die einzig erwähnenswerte „Großstadt“ in meiner Gegend ist und das gerade dort eine Minimal-Hochburg entstanden ist. Deswegen war ich noch nie auf dem Auto.Matic.Open, der Open-Air-Party zur Automatic-Idee. Dieses Jahr sind wir dann doch hin, nicht wegen der Musik (obwohl ich Gui Boratto schon immer gern mal hören wollte), sondern wegen den Freunden die dort alljährlich hin pilgern. Und so komisch es klingt: Normal mag ich es nicht tausend bekannte Gesichter auf einer Party zu treffen. Ich habe es lieber kleiner dosiert mit der Menschlichkeit, sprich persönlicher, Zeitintensiver im Gespräch und eben nicht dieses oberflächliche „Shake hands, what´s up? – und tschüß!“ Gestern hat das aber sehr viel Freude gemacht.

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Open-Air-Partys leiden an dem Problem des Guten-Wetter-Zwangs. Zwar meinten die Automatic-Leute zuvor auf Facebook, dass „es kein schlechtes Wetter sondern nur schlechte Kleidung gibt“, doch die Aussage ist in sich blöd, denn, man macht diese Veranstaltungen nicht von ungefähr nicht im Winter…
Wir fuhren im Platzregen los und hofften darauf, dass die Veranstalter klug genug wären das Kesselhaus für die Gäste zu öffnen während es draußen regnete, denn das Open-Air wird direkt auf dem sonstigen Parkplatz des Clubs veranstaltet – und wir wurden nicht enttäuscht. Es war trocken und geschützt da drinnen, während sich draußen der Himmel ausweinte. Die ersten Bierflaschen wurden soweit gebracht, dass man sie in die Brauerei zurückschicken konnte. Auch die ersten kurzen Jägermeister kribbelten im Hals. Da war es etwa 16 Uhr.
Das Kesselhaus bei Tag zu sehen hatte auch seinen besonderen Flair, dass kannte man so auch gar nicht.

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Auch von außen kannte ich das Gesicht des Taggebäudes nicht, denn der Anstrich der Fassade unterliegt der Idee, das Kesselhaus „assliger“ erscheinen zu lassen, was am Ende eher den Eindruck einer schlechten Filmkulisse erzeugte, möglicherweise aus so einem Reallife/Cartoon Freak Out – Mash-Up wie in „Falsches Spiel mit Roger Rabbit“ und so lächerlich der Monolith da auch in der Ortschaft herumsteht, so passend ist das natürlich auch, Beispiel für das surreale Treiben, also Erleben von Wirklichkeit dass in so einem Ort von statten geht.

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Daniel Bortz und Sascha Sibler legten auf, nicht B2B wie ausgeschrieben, sondern der Eine drinnen, der Andere draußen. Wer wo auflegte war für den Besucher ziemlich egal, austauschbar aber annehmbar war das, ganz okay weil es zu erwarten war.
Wir machten also dass was ich oben schon angedeutet habe, Freunde und Bekannte treffen, Quatschen, das berühmte Lachen, und womöglich hätte man sich auch ein wenig mehr Zeit nehmen sollen um Menschen näher und besser kennenzulernen, diejenigen, die man sonst fast nur vom Sehen und von Facebook her kennt, wie fahrende Musikanten, nein, fahrende Tänzer, die es von Party zu Party, von Nacht zu Nacht zieht; Sympathiebekundungen von hier einmal für die Gesichter, für die man sich sonst zu wenig Zeit und Aufmerksamkeit nimmt.

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Bei Super Flu ging dann die Sonne auf. Nicht musikalisch, da blieb das DJ-Duo ihrem Kurs treu, der ebenfalls sehr minimalistisch und nicht gerade kickend ist, doch auch das nicht wirklich auf einem ärgerlichen Niveau (es ist ja schon lange nicht mehr so deep wie vor ein paar Jahren noch) – und die Sonne tat ihr übriges. Das Volk sah den Sonnengott und begann in Anerbetung zu tanzen und zu jubelieren. Gut fühlte sich das an, die warmen Sonnenstrahlen und der Sound. Somit. Konnte die Party jetzt wirklich losgehen.

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Man wirbelte und rotierte wie ein angeschlagener Kreisel umher – von Freunden zur Freundin, von Bier zu Zigarette, von Currywurst zu Jägermeister – behielt aber immer die Balance und kam nie ins Straucheln.
Der folgende Musikalische Unterhalter, Gui Boratto, ist in schon deswegen in Augsburg Kult, weil am Ende der Veranstaltungen im jetzt auch schon lange geschlossenen Kerosin-Club immer diese eine Platte von Boratto lief, „beautiful life“, wenn zum Schluss das Licht angemacht wurde um die Leute in ihr tristes Alltagsdasein zu entlassen, und der Gui machte dass wirklich sehr gut mit seinem Sound, extrem tanzbar (wenn der verfickte Kiesboden nicht gewesen wäre – warum ist der da eigentlich Lila?), angedeutet Techhousig und melodiös. Dazu die Sonne. Das hat einfach Vergnügen bereitet. Hin und wieder wurde eine Hand geschüttelt oder jemand schrie erfreut über ein Wiedersehen auf, während Gui scheinbar hochkonzentriert und mit äußerster Disziplin an seinen Maschinen drehte. Da wirkte er sehr deutsch, der Brasilianer.

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Das „Festival-Gelände“ war ein wenig lieblos gestaltet. Klar. Es war alles da was man brauchte (auch die übliche kleine Verwirrung die zu so einer Party gehört; hier: Die Toiletten durften mal hier und mal dort und dann wieder nur draußen benutzt werden), es mangelte an nichts (vielleicht an Sitzplätzen) doch das war es auch schon. Hier also auch eher „Minimal“, doch kein Grund zur Beschwerde.
Wir sind dann raus um Cola zu trinken, ja echt jetzt! Ich bin noch nie auf einem Festival/Party zu einem Auto gelaufen um dort n Kracherl zu trinken, sondern (natürlich) nur wegen dem Konsum. Dem Herumhantieren im Auto mit Chemischen Stoffen. Das macht doch auch Sinn. Aber Cola? Hm…
Da draußen erwartete uns dann so eine Art Parkplatz-Rave wie man ihn von der Mayday her kennt, was soll denn das? Warum tun die das? Und warum trifft das Wort „Rave“ nie auf Augsburg zu? Egal. Nett. War es dennoch.

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Mano Le Tough spielte die Party mit seinem Sound ziemlich in die Belanglosigkeit. Nicht dass auf dem Automatic wie irr gefeiert worden wäre (normal würde ich sagen) doch ab seinem DJ-Set zeigten der Alkohol und die Drogen wohl langsam Wirkung (auch bei mir) und man wurde fauler und lies sich sacken, der Sound lud nun wirklich nicht zum Tanzen ein. Wir verquatschten uns und leerten die Becher, schimpften auf sturzbesoffene Engländer (schmiss alles um und trug Gehörstöpsel – auf ner Technoparty! In meinem Land! Der spinnt wohl) und wunderten uns über die komischen Paarungen, die so ein Tag produziert, während weiterhin Leute gefunden und verloren wurden wie Autoschlüssel daheim. Es machte schon sehr viel Spaß. Die Musik aber, spielte keine wirkliche Rolle.

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Beim Headliner „Ame“ (die französische Seele) standen wir dann auch wieder in der gutgelaunten Menge auf dem gefühlten Floor. Ame sind normalerweise zwei, doch die machen wohl auf Tiefschwarz, so dass nur einer dort oben arbeitete und ich weiß nicht ob dass der Gleiche war, den wir erst in München gehört hatten, vom Sound her aber war das echt (wie immer bei Ame) annehmbar und war für uns ein guter Ausklang für die Nacht. Tanzen, blödeln, rumlachen. So soll das sein. Wir hatten nicht vor bis in die Morgenstunden zu tanzen, sondern verließen um halb elf rum das Gelände, verschenkten unsere Bändchen und ließen es gut sein.
Hatte Spaß gemacht und man kann wirklich auch dann mal gehen, wenn es am besten ist. Der Alk hätte uns früher oder später eh die Füße weggezogen – und dann hätten wir keinen Zug mehr nachhause gehabt.

War ein witziger und spaßiger Tag, auch wenn es nicht die schönste und tollste Party war.

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Amokläufer und andere Mörder

Wieso machen sich 320 Deutsche auf um im Irak einen Gottesstaat zu errichten? Weshalb ziehen diese Männer in den Krieg? Haben sie hier denn nicht alles was sie brauchen? Sogar viel zu viel von allem? Leben wir denn nicht im Überfluss? Im Überfluss der Dinge: Ja. Im Überfluss der Werte: Nein. Den Menschen fehlt das gewisse Etwas wofür sie leben können, besonders Männer benötigen eine Sache, für die sie kämpfen, für die sie sogar sterben wollen; solche Werte werden gesucht, auch wenn der Mensch sich Ersatz-Götzen sucht wie Sex, Partys oder das neueste Smartphone von Apple; „Spaߓ und „Unterhaltung“ sind unsere Götter geworden und ihnen opfern wir unser Leben. Das klingt lächerlich, doch der Mensch muss für sich (jeder für sich) das Vakuum füllen, dass ihm die Moderne aufgedrängt hat.
(Dieser Text hier wäre der zweite Teil zur letzten Kurzgeschichte gewesen, auch wenn es jetzt eine vollkommen eigenständige Geschichte ist)

Amokläufer und viele Serienmörder sind faul und feige. Dem war sich Kevin schon immer klar. Was macht denn so ein Amokläufer? Er bringt sich in eine exponierte Situation, nutzt den Überraschungseffekt und benutzt Beides, um somit Menschen zu töten. Es ist keine faire Situation, da das Opfer weder bewaffnet noch vorbereitet ist. Amokläufer sind Feiglinge. Denn es ist nicht so wie in einer Kneipenschläger-Situation, wo dem Gegenüber die Möglichkeit gegeben wird, sich selbst an der Situation hochzuschaukeln um seinem Naturell nach zu handeln (Kampf oder Deeskalation).
Diesen Umstand begreift der Amokläufer nicht, da er in seiner eigenen, abgeschotteten Welt lebt, die einem Fass gleicht, dass durch Jahrelange Erniedrigung bis zum Überlaufen gebracht wird und sich der Mörder schließlich an der Welt „rächt“; was natürlich genauso eine subjektive Sichtweise ist, da das Umfeld den (meistens toten) Täter im Nachhinein als ruhig und introvertiert beschreibt, nicht einmal als wirklichen Außenseiter. Noch ein Beweis für die Feigheit eines Amokläufers, Kevins Denken nach. Denn es handelt sich nicht wirklich um „Rache“. Es ist ein Minderwertigkeitskomplex, den man überwinden müsste.
Der wichtigste Grund um Amokläufer und so manchen Serienmörder (nebenbei tötet ein „Massenmörder“ viele Menschen auf einmal, was oft mit dem „Mehrfachmörder“ verwechselt wird, der auch viele Menschen tötet, wobei dies aber über einen längeren Zeitraum geschieht) als feige zu empfinden ist die Tatsache, dass Amokläufer Schusswaffen verwenden, die Waffen der Feiglinge, da man oft und schnell schießen kann, aus einer sicheren Distanz heraus, während die „Gegner“ unbewaffnet sind. Welcher Amokläufer tötet mit einer Axt auf einem Schulgelände 10 Menschen? Wer würde sich das trauen?
Wie es aber oft so ist, verabscheute Kevin genau das, was er am Meisten wollte: Töten.

Kevin hielt sich für einen besonderen Menschen. Einen Auserwählten. Auch er lebte eher zurückgezogen, las Nietzsche und hatte seinen ganz eigenen Blick auf die Welt. Kevin war kein Erlöser. Er war nur ein ganz normaler Mensch, ein Mensch aber, der etwas Besonderes verstanden hatte. Kevin war 19 zu diesem Zeitpunkt. Ein Alter der Auserwählten. Die Jugend schafft Auserwählte…
Es war noch gar nicht lange her, dass er von einer Weltreise zurückgekehrt war, in der ihm die Menschen erst sehr nah kamen und später sehr fremd geworden waren. Er lebte bei den Einheimischen. Ernährte sich von Früchten und Wild – und ihm wurde gezeigt, wie man auf die Jagd ging, wie man selbst einen Bogen baut, wie man sich anpirscht. Wie man tötet, um zu Überleben.

Bisher war Kevin nur im Kopf ein anderer Mensch. Taten mussten folgen. Und Kevin war sich klar, was die einzige Tat sein konnte, um sich zu einem wahrhaft besonderen Menschen zu machen: Er musste einen anderen Menschen töten, um sich so (quasi als Metapher) über die Menschheit zu erheben. Jagen konnte er, und was war die schwerste Jagd? Und er wusste, dass er im Vorteil war. Andere Mörder sind faul – und feige. Sie verlassen sich auf Schusswaffen und gekaufte Messer, Dinge, die man schwer erwerben, zurückverfolgen kann und Spuren hinterlassen. Kevin aber konnte sich seine Waffe selbst bauen. Ganz ohne 3-D-Drucker. Und ein guter Jäger lässt sich Zeit. Er hinterlässt falsche Spuren. Über Monate sammelte er aus dem Müll von Friseur-Läden Haare, die er später weitläufig im Wald verstreute. Denn nach der Jagd würde er zum Gejagten werden und einen Mörder fängt man a) über das Motiv und b) über seine Gene. Beides wollte er im Unklaren lassen.

Schließlich legte er sich auf die Lauer, mit Schuhen, die ihm zu groß waren (die er ausgestopft hatte), in Kleidung, die er später Verbrennen wollte. Er ließ sich in einem Waldstück nieder – und wartete. Es wäre ihm lieber gewesen, er hätte sich an seine Beute anschleichen können. Im Wald liegen und ein armes Tier abknallen das zufällig vorbeikommt, hatte er noch nie als Ehrenhaft empfunden, genauso wenig wie Angeln. Doch seine eigene Sicherheit ließ ihm keine andere Wahl. So musste er nur warten, warten bis ein Mensch vorbeikam, den er einen Pfeil verpassen konnte. Er war nicht aufgeregt, sondern ganz ruhig. Wobei es gelogen wäre, dass er nicht aufgeregt war, als er den ersten Kerl sah und Kevin den Bogen spannte und so schnell und sicher schoss, dass es ihn selbst überraschte. Der Pfeil traf den alten Mann im Hals und durchbohrte ihn. Der Mann fiel hin (nicht so wie in den Filmen, sondern er sackte einfach zusammen) und gurgelte sein Leben aus sich heraus. Kevin pirschte sich langsam näher und gab dem Mann den Gnadenschuss. Er fühlte sich nicht toll dabei. Nicht befreit. Nicht besser. Es fühlte sich einfach nur komisch an. Da war kein „Kick“, wie er es in den Büchern über Serienmörder gelesen hatte. Es war einfach nur abstoßend und traurig.
Der Mann war sicherlich schon im Rentenalter, hatte bestimmt Kinder, vielleicht sogar schon Enkelkinder. Und Kevin hatte ihn erlegt… Nein. Kevin kam sich nicht toll vor. Nicht besser. Sondern wie ein Feigling.

Er ließ die selbstgemachten Pfeile zurück (er konnte sich nicht vorstellen den ersten Pfeil aus dem Hals zu ziehen) und ging durch den Wald zurück zu seinem Rucksack (verstreute dabei die Haare und warf eine Brille weg, die er einem Schulkameraden gestohlen hatte), wo er mit der mitgebrachten Säge seinen Bogen und die Pfeile in kleine Stücke zersägte, die nun gut in seinen Rucksack passten. Dann fuhr er mit dem Fahrrad die paar Kilometer zu seinem Auto und von dort die knappen 30 Kilometer nach Hause. Niemand würde ihn erwischen. Er hatte es perfekt geplant. Nur musste er das Lernen, was so manche Dschihadist lernen müssen, nämlich dass Worte nicht Taten sind, denn mit Worten muss man nicht leben, mit Taten sehr wohl.
Kevin hatte sich nicht selbst geadelt. Er war kein besonderer Mensch. Und sein Vakuum der Werte in dieser wertlosen Gesellschaft war ein für alle Mal gefüllt: Es ließ ihn nie wieder los. Dieses Gurgeln. Das Gurgeln der Schuld.

Audiogate Allgäu – Aftermovie

Hm. Sieht man auch selten. Der Regelfall bei „Aftermovies“ ist, die Party als die Tollste auf der Welt darzustellen, obwohl es unglaublich Mängel und Ärgernisse gab. Hier beim Audiogate Allgäu ist zum ersten Mal (für mich) der Aftermovie schlechter als die Party

Wir wollen bei aller Überzeugung auch nicht vergessen, wie sie entgegen des Time-Tables die Leute um 12 Uhr rausgeworfen haben, obwohl die Party bis 3 Uhr ausgeschrieben war. Bis dahin hat es jedoch Spaß gemacht…

Spring Breakers

Manchmal liebe ich die Bewertungen und Kommentare auf Amazon. Da bewerten die „Spring Breakers“ schlecht, weil sie sich „so etwas wie Projekt X erhofft haben“ und weil dem nicht so ist, soll es ein schlechter Film sein. Aha ;D Ok :)) Ich mag „King Kong“ auch nicht. Dachte, das wär ein Abenteuerfilm doch in Wahrheit geht es da nur um diesen blöden Affen… Konsequenz: Null Punkte.
Klar ne?

„Spring Breakers“ fängt genauso an, wie man sich ein Werk mit diesem Titel vorstellen würde. Ballermann-Amerikaner, die sich mit Alkohol am Strand und an Pools volllaufen lassen, nackte Titten und prolliger Partysound von Skrillex („Scary Monsters“, eines der drei Lieder die ich von ihm kenne…); fand ich furchtbar abstoßend. Nicht dass ich nicht auf hübsche fast nackte Teeny-Frauen/Mädchen stehen würde, doch diese Ballermannsche der US-Amerikanischen Partykultur finde ich einfach nur zum Kotzen: Die Amis können nicht einmal richtig feiern.
Bei Amazon habe ich natürlich gelernt, dass viele deutsche Ballermann-Menschen dass richtig geil finden – nur den Rest vom Film nicht. Und den finde ich – auch wenn er sich zieht und streckenweise wirklich langweilig und misslungen ist – sehenswert. Denn „Spring Breakers“ geht es eben nicht nur um die Oberfläche des Events – Ficken und Drogen – sondern das Drehbuch ist mehr eine Art Metapher darauf, was dort geschieht.
Die Handlung an sich kann man nicht ernst nehmen (besonders im letzten Drittel), wenn man sie objektiv betrachtet, nur, sieht man das Ganze als den moralischen Verfall der Hauptdarstellerinnen an, ergibt es Sinn. „Spring Breakers“ ist ein intellektueller Film – wer hätte das gedacht? Denn es geht in Wahrheit nicht um sexy Mädels in Rosafarbenen Sturmhauben, die Verbrecher über den Haufen schießen, sondern um das Überschreiten einer Grenze, um den Punkt, wenn die Melange aus Sex und Drogen nicht mehr witzig ist und Menschen abstürzen, „draufgehen“, was hier bedeutet ihren sicheren Lebensweg zu verlassen und auf die schiefe Bahn zu kommen.

Und James Franco muss man einfach gern haben. Er spielt seine Rolle so Over-the-top, dass sie sich schon wieder realistisch anfühlt und am Ende (ist das jetzt ein SPOILER? Hm… dann hört besser aufzulesen) sind es wieder einmal die Frauen, die sagen wohin die Richtung geht und den Männern nur den Glauben darüber lassen, sie hätten die Fäden in der Hand (nicht dass das immer so ist im Gesellschaftlichen Sinn, doch in einer Welt in der Mann und Frau gleichberechtigte Partner sind und der Mann den viel dumpferen und wahlloseren Sexualtrieb hat als die Frau, kann sich die Frau es immer leisten zu selektieren – Männer werben meistens nur und hoffen darauf erhört zu werden). SPOILER ENDE, na ja, war kein richtiger Spoiler…)

Es ist kein Film der Spaß macht. Mehr wie eine Art Soft-Porno, bei dem man im Prinzip genau dass nicht bekommt, was man erwartet. Und das halte ich für sehr gelungen und ebenso realistisch.

Die Königstherme in Königsbrunn – und ich

Wenn man die Therme in Bad Wörishofen gewohnt ist, ist die Königstherme in Königsbrunn (nahe Augsburg) ganz furchtbar und eklig. Das Flair der Therme ist insgesamt ziemlich schmuddelig, wobei ich jetzt nicht von ABGERISSEN sprechen würde, so jetzt auch nicht gleich. Man hat nicht das Gefühl, man würde sich bei einem Badegang dort etwas holen und gleich auch noch mitnehmen. Ne. Es ist einfach – besonders im Vergleich zur anderen Therme – nur schal und abstoßend. Das Gebäude ist älter, wenn auch noch nicht als alt zu bezeichnen; irgendwie musste ich die ganze Zeit an die Olympischen Spiele in München 72 denken, dass hier in Königsbrunn ein Wellnessbereich für die Reichen und Mächtigen der Welt hätte sein können, und für damals wäre alle supermodern gewesen, voller beeindruckter Leute. Jetzt halt nicht mehr.
Ich weiß, ich gehe mit der Therme ziemlich hart ins Gericht, doch wenn man schon mit dem Namen „König“ auftrumpfen will… So wie das König Pilsener nicht „das König der Biere“ ist – bei weitem nicht.

Das Ganze ist sehr Familienfreundlich, sprich: Für mich mit Freundin stressig. Da kann man nicht entspannt im Blubberwasser sitzen ohne dass da ein paar Kinder hereinspringen oder dich (noch schlimmer) vollquatschen: „Hallo. Mein Name ist Paula, ich bin 3 Jahre alt. Mein Bruder heißt Niels und ist SOOO alt (hält 7 Finger hin) und geht jetzt bald zur Schule. Und das ist eine Brille mit der man auch Unterwasser sehen kann.“ Ist ja geil. Für mich sind Kinder ja immer noch wie Hunde – voll süß und nett wenn sie ein paar Meter weiter weg sind. Für Familien aber voll super geeignet hier. Muss man echt sagen, da ist es auch voll okay wenn die Paula alleine allen in so nem Becken auf den Sack geht (wörtlich) und Mama nach 15 Minuten irgendwann mal auftaucht, guckt, und wieder geht. Kommt ja auch nicht weg so n Kind.

Zu den Rutschen kann ich nichts sagen, da bin ich wie Machete: Fleming rutscht nicht.
Bestimmt aber auch total Familienfreundlich.

Negativ:
Es gibt kaum Blubberwasserstellen wo man sich hinlegen kann. Meistens sitzt man da und das ist eher scheiße und nicht so gut zum Chillen. Und teilweise ist es auch eklig schimmelig, wobei ich in einem Hygienebereich arbeite und so was vlt nur mir ins Auge springt. Ist trotzdem nicht so geil.
Das bekommt man für 17 Euronen.

Für 24 Euro (1 Euro Aufschlag weil Sonntag oder Feiertag) darf man überall rein. Das Beste (also das einzig Erträgliche) ist der Bereich mit dem Solebecken, der als Neubau zu bezeichnen ist. Hier war der Ort wo man richtig Ruhe hatte und wirklich entspannen konnte – auch wenn das Wasser nicht gerade besonders Solehaltig war. Egal. Hier. War es schön.

Kommen wir zum Schlimmsten: Der Saunabereich. Der Fairness wegen sollte ich dazu sagen, dass ich Sauna nicht mag. Erstens weil ich früher nicht gern schwitzte (also wenn man plump und sinnlos dasitzt, Schweiß durch Bewegung dagegen ist vollkommen okay für mich, weil natürlich), daran jedoch habe ich mich gewöhnt, es soll ja gesund sein, deswegen bin ich ja auch rein. Zweitens lehne ich diesen Moment der Nacktheit ab. Das hat nichts damit zu tun, dass ich mich jetzt so dramatisch für meinen Körper oder (im Speziellen) mein Gemächt schämen würde, nein, so prüde bin ich nicht – ich empfinde es einfach als asozial nackt herumzulaufen. Selbstverständlich ist mir der Hygieneaspekt klar und das ist natürlich mehr als nur sinnvoll, sondern auch logisch, dennoch bevorzuge ich Textilsaunen; so etwas gibt es hier nicht.

Die ganze Atmosphäre in diesem Olympia-72 artigen Saunabau erinnerte mich eher an einen schlechten und üblen Swingerclub. Nein. Das ist kein Witz. Die lächerlichen Laken mit denen die Fenster verhängt sind, die griechisch/römischen Bilder an den Wänden und an der Decke (da hat man es mit der Authentizität nicht ganz so genau genommen), die alten Fließen, das Licht und natürlich die alten Menschen, die im Alter anfangen zu ihrem Körper zu stehen – das fühlte sich einfach brutal asozial an, wobei ein Saunabereich für meinen Geschmack schon wunderschön gemacht sein muss, um überhaupt nicht schmuddelig herüber zu kommen. Das Dampfbad erinnerte mich an ein türkisches Bad, nicht die modernen, sondern die aus den Mafiafilmen…
Ich habe es dort nicht lange ausgehalten, der Flair war einfach richtig assi. Dann doch lieber wieder runter. Wo mir ein Kind im Becken entgegenkam, dass ständig Wasser in den Mund nahm, es ausspuckte und so auf mich zu paddelte.
„Hallo Paula.“

Das Essen war nicht teuer und das war auch dem Preis angemessen. Als ich einen Kaffee bestellte durfte ich ihn mir sogar selber aus dem Automaten lassen: Danke sehr freundlich… Machen sie sich nur keine Mühe…

Kurz: Ich fand es scheiße. Das Geld hätte ich lieber in ein XBOX-Spiel gesteckt, da hätte ich mehr davon gehabt. Sogar mehr Erholung.

Verschwende deine Jugend?

Das ist nicht nur der Titel eines Lieds von D.A.F., eines Kult-Buches und eines eher mauen Films mit Jessica Schwarz, sondern zu aller erst ein zweischneidiges Statement.
Als Jugendlicher klingt das natürlich besonders cool: „Verschwende deine Jugend“. Das klingt nach besonders verrückt zu sein in den Jugendjahren, einzigartig, die Welt steht einem offen, „Wir sind die Sorglosen, Wir sind die wilde Jugend“, also Dübel angezündet und Dosenbier auf – ab geht´s in ein Lebensgefühl, dass man mit Mitte 20 gar nicht mehr verstehen kann, auch wenn man in dem Alter noch irrtümlich meint, dazuzugehören („Mööp!“ Denk- und Gewohnheitsfehler).
Schön.

Es bedeutet aber noch mehr. Denn. „Verschwende deine Jugend“ heißt ja nicht „Verschwende dein Leben“, sondern stoß dir die Hörner ab und sei danach genau und ebenso ein Langweiler und Mensch wie deine Eltern. Mit „Aussteigen“ hat das nichts zu tun. Nicht einmal mehr mit Revolution, obwohl Ende der Siebziger, Anfang der Achtziger so ein Statement immer noch einen Revolutionären Charakter hatte (besser: Haben wollte), denn es geht in dem Kult-Buch um die Punk und New Wave Szene in Deutschland, die mit 15 bis 20 Jähriger Verspätung immer noch in der Tradition und Nachfolge der Hippie-Jahre stehen. Und ohne die (von mir so verhassten) Hippies gebe es keine Jugendbewegung, die sich von ihren Eltern emanzipieren will – seitdem jeden Tag und jede Generation aufs Neue (ein Witz).
Natürlich ist das Ganze furios gescheitert. So gewaltig sogar, dass heute zwar die Jugend die Trends im sozialen Leben setzt; mehr als das Lebensgefühl: Das ganze Leben bis auf die wichtigsten Dinge gegen die, die Hippies revolutionieren wollten, nämlich die Politik und die Wirtschaft, vor denen wir jeden Tag wie maulende kleine Kinder mit I-Pad und Wodka Red Bull in der Hand auf die Knie gehen. Für mich ist das wie mit der Utopie eines Kommunistischen Staats und der Kommunistischen Wirklichkeit – Das Gegenteil von Gut ist Gutgemeint. So ist es auch mit der neuen Weltordnung der Jugendlichen (im Westen natürlich)

„Verschwende deine Jugend“ war damals vielleicht ein starker Ausspruch, heute ist es nur noch ein konservatives Branding für „die wilden Jahren“ (nicht zu verwechseln mit dem Film „das wilde Leben“ – wenn ich Uschi Obermaier sehe „könnte ich gar nicht so viel essen, wie ich kotzen will“, nur so am Rande), die in dieser unseren Zeit jeder irgendwie mitmacht. Seien es Drogen, Feiern, Alkohol oder eben als junge Frau sich jeden Tag einen anderen Kerl aussuchen zu können (während die Männer wie Tiere auf alles draufhüpfen was sich dafür hergibt – und die Männer denken immer noch sie wären die, die die Frauen aussuchen; Mann bist du blöd). Es bedeutet aber auch, dass nach der Jugend ein angepasstes Leben zu folgen hat. Schön arbeiten und wählen gehen, die letzten Lebensjahre geht man dann auch wieder in die Kirche, denn „man weiß ja nie…“
Ja. „Verschwende deine Jugend“ ist ein Ausdruck für ein konservatives Leben: ALLE machen es auf die eine oder andere Art.

Nicht konservativ wäre es jetzt, wenn man eine brave Jugend hat, sich gut ausbilden lässt und später Millionen verdient, um eben dann (ganz „Wolf of Wallstreet“ like ) auf die Kacke zu hauen und die ganzen spießigen Ex-Revoluzzer über den Tisch zu ziehen. Und ja, ich finde Wallstreet-Broker auch widerlich und würde die meisten davon am liebsten mit nem Knüppel bearbeiten weil sie nur egomanische Schweine sind. Doch darum geht es nicht. Es geht nicht um mich, sondern darum, dass ich natürlich Teil des Problems bin (wenn man denn hier von einem „Problem“ sprechen will, vielleicht eher ein Umstand). Teil dieses angepassten Irrtums, unangepasst zu sein. Möglicherweise ist das eben genau der große Irrtum all jener Menschen die ich kenne und die jetzt „anders“ sein wollen. Es gibt einfach kein „anders“ mehr. Und ich bin mir noch nicht im Klaren darüber ob das nun ein Segen oder ein Fluch ist.

Neurotisch

Ich zähle zu den Menschen, die sich furchtbar schnell von Dingen stressen lassen. Zahnarzt- oder Werkstattbesuche sind mir verhasst, Versicherungsdinge arten immer in innere Widerstände und Kämpfe aus, zum Wertstoffhof zu fahren macht mich irre und selbst das geliebte Feiern ist mir oft in der vorherigen Vorstellung darüber ein Graus (nicht mehr wenn ich dort bin). Einfach. Weil ich in den Situationen reagieren muss und mein Umfeld nicht beeinflussen kann, sondern umgekehrt beeinflusst werde, da dir Sachen dort so zu laufen haben, wie sie laufen. Das Programmatische der Situationen terrorisiert mich, „weil alles so zu sein hat“. Erledigt wird natürlich dennoch jeder Unsinn, doch ich fühle mich unwohl, unfrei, in der Welt selbst gefangen. Wie mit dem Urlaub, wo man hinkommt und die Menschen eine Vorstellung davon haben, wie sie dort leben und wie man sich dort zu verhalten hat – wie kann man sich da nur entspannen und abschalten?
Urlaub ist für mich an Orten und in Szenen zu walten, in denen man sich nicht rechtfertigen muss. Das sind private Momente; so sollte Entspannung sein, Freiheit, denn Freiheit war und ist für mich schon immer das Private, mindestens das Anonyme. Situationen, wo man es keinem Recht machen muss. Urlaub ist Privatsache für mich. Heute ist Urlaub. Ich radle auf dem Hometrainer und sehe mir die neuen Blu-Ray Extras zu Fassbinders „Despair“ an. Lese „Spex“ oder „Der bleiche König“ von David Foster Wallace. „Ruhig und langweilig“ mag das für den anderen sein; für mich ist das vor Allem „unkontrolliert“. Die Hölle sind ja immer noch die anderen. Seid ihr. Weil Harmonie unmöglich ist über einen längeren Zeitraum.
Dabei brauche ich die Regeln um mich im Umkehrschluss frei zu fühlen…

Digitales Gelächter

Bestimmt liegt es an mir. Das Alter ja, ja. Oder die Einschnitte in der Kindheit Schrägstrich Jugend. Vielleicht auch weil ich früher zu wenig gegrübelt habe, dann zu viel, worauf die „Weder/Noch“-Phase kam. Wenn nicht, liegt es doch an „DER Zeit“. Der Globalisierung. Die vielen Anderen.
Es ist uns schon ein paar Mal dieses Jahr beim Feiern aufgefallen; vielleicht redeten wir es uns auch ein: Die Jugend lacht weniger. Anders.
Total blöde Aussage natürlich. Was weiß ich schon von der Jugend? Möglich dass auch alle 10 Jahre anders gelacht wird, über andere Dinge: Auf jeden Fall.

Wir sind überreizt. Damit meine ich nicht nur die Jugend, sondern auch mich und dich, ja, gerade dich, du bist ja auch im Internet unterwegs und „ziehst dir diese Info rein“. Es mag an der Masse der Infos liegen, die bald schon immer und überall als Entertainment verkauft werden: Witzig muss es sein. Denn ohne Humor werden keine Endorphine freigesetzt und man „teilt“ die Info (den Witz) dann nicht. Und dass ist doch das, was die meisten Internet-User antreibt, nämlich die Urquelle eines Hypes zu sein; vor 10 Jahren wollte man noch unbedingt ins Fernsehen, heute will man sich eben so präsentieren. Wie aber beim Fernsehen nur ein begrenzter Sendeplatz zur Verfügung steht, ist auch die Konkurrenz im Internet erheblich. In Wahrheit ist nirgendwo die Konkurrenz größer, weswegen ein Internetstar keine große Halbwertszeit hat. WENN man es mal geschafft hat.

Es will nicht jeder gleich ein Internetstar werden, sondern einfach nur in seinem Umfeld für die lustigen Posts und Sprüche bekannt sein. Das treibt die Menschen an, macht irgendwie (obwohl es nur um einen Diebstahl – oder Neudeutsch: Weiterverlinken – handelt) sympathisch: „Der ist lustig. Der hat meinen Humor. AUF DEN TYPEN KÖNNEN WIR UNS EINIGEN.“ Daran ist nichts zu verachten. Das ist bis zu einem gewissen Grad natürlich. Ich halte es nur für bedenklich, wenn man von überall mit virtuellen Sparwitzen zugedonnert wird. Das Gehirn verkümmert, finde ich. Es überreizt. Härtet ab. Wird vielleicht sogar süchtig davon. Das ist mit dem Humor gewiss genauso wie mit der Internetpornografie: Es ist zu viel von allem. Zu viel Internetpornografie stumpft ab, das sagt die Wissenschaft und bestimmt stumpft auch zu viel Humor ab – jetzt kommt einer dieser großartigen Vergleiche in diesem Zusammenhang, dieses „Früher“. Okay, dann wollen wir mal.

„Früher hat man nur hin und wieder und dann RICHTIG gelacht, heute immer mal wieder ein bisschen, dafür häufiger.“ Diese „Früher/Heute“-Vergleiche wonach der Internetkonsum uns auffrisst sind mir normal ein Graus, weil sie genau dort geteilt werden, wo das Übel haust: Im Internet. Es kann da auch niemand einfach mal die Fresse halt sondern muss zum Schein Kontra bieten, wodurch er auch nur ein Teil der Maschine ist. Egal. Unwahr ist es aber beileibe nicht. Wir wissen ja, dass das Internet uns verändert. Nicht nur unsere Art zu denken, zu fühlen und zu reagieren („Hab ich schon gesehen.“), sondern auch wie wir leben. Damit meine ich nicht das Starren in eine flache Kunststoffbox, sondern dieser allgegenwärtige Faschismus des Spaßes: „Ein bisschen Spaß muss sein.“ Diese Erkenntnis ist nicht neu, drängt sich für mein Gefühl aber immer mehr in den Vordergrund, während die großen Kritiker des Westen aus den islamischen Ländern jeglichen Humor abgesprochen wird. Das sind ja eh die Bösen. Und. Die Bösen lachen nicht. Weiter: Ihre scheinbare Unfähigkeit für Entspannung und Humor macht sie für uns verdächtig. Umgekehrt ist das natürlich genauso, denn wie kann man Menschen ernst nehmen, die nichts mehr ernst nehmen? Unsere liberale Haltung strahlt Schwäche aus, da sie keine Werte transportiert. Dabei: Wir sind nicht schwach. Aber. Wir sind überheblich.

Unser Kurzzeitgedächtnis wird immer schlechter. Jeden Tag braucht es eine neue Meldung auf unseren Smartphones, ganz egal ob sie wichtig oder unwichtig ist. Und was vor zwei Wochen war – wen interessiert dass denn? Gibt es Fukushima etwa immer noch? Wie geht es eigentlich den Mönchen in Tibet jetzt? Interessiert das wen? Wir sind faul und gemütlich geworden in unserem Luxus, alle Infos zu bekommen (auch wenn wir sie gestohlen haben – oder sie von uns gestohlen wurden), weswegen wir vergessen, dass es nicht Unternehmen wie Apple, Microsoft oder Samsung waren, die uns die Freiheit gaben so zu leben, wie wir leben, sondern Staaten. Unsere Heimatstaaten und das man für die Rechte der freien Rede usw. schwer und blutig kämpfen musste. Wir sprechen von „Grundrechten“, doch selbst diese sind keine garantierten Rechte im Wandel der Zeit. Und so wie man das Recht auf freie Rede verlieren kann (wir sind dabei es zu verlieren, gerade weil wir dachten, dass das Internet sicher sei – naiv eigentlich), so kann man auch die Fähigkeit verlieren richtig zu lachen. Was soll man tun?
Ganz einfach.
Internet ausmachen. Ganz klar.
Ich bin mir nicht sicher, ob das wirklich der richtige Weg ist. Denn das Internet ist nicht auszuschalten. Du kannst dich als kleiner Borg zwar mal abkapseln, insgesamt jedoch bringt das nicht viel – aber wer interessiert sich schon noch für das große Ganze? (anders gefragt: Wer würde von uns noch für eine „höhere Idee“ sterben?) Neue Medien verändern die Menschen. So wie der Buchdruck. Das Telefon. Ihr wisst schon.

Eigentlich leben wir in einer sehr spannenden Zeit, in einer Ära der Scheidewege. Wir leben in Tagen, die von Science Fiction Autoren teilweise vorher gesagt wurden; wie sich aber der Mensch und die Technik entwickeln werden, kann niemand sagen. Ob wir wie in Star Treck im Einklang mit der Technologie leben werden, oder wie in Ghost in the Shell selbst in der Digitalisierung verschwinden…

Das ist jetzt ganz schön viel Blahblah dafür, dass ich einfach nur zum wiederholten Male sagen will, dass mir der Faschismus des Humors auf die Nerven geht. Der Humor und gerade der Zynismus unserer Zeit hat alles und jeden verspotten lassen, in jeder Situation; nichts ist mehr heilig. Das kann man jetzt als sehr demokratisch und aufgeschlossen empfinden, als eine pure Errungenschaft (was es zum Teil auch ist), doch ich bemängele immer mehr die Respektlosigkeit des „Was witzig ist, ist auch erlaubt“. Jeder Spott soll also erlaubt sein, wenn man darüber lachen kann, denn der Verspottete ist dann auch noch schnell – zu allem Spott – jemand, der den Spaß nicht vertragen kann. Ich weiß nicht ob man jeder Spaß ertragen muss. Und ob ein Faustschlag manchmal nicht die bessere Antwort auf einen schlechten Witz ist, als sich mit Worten zu wehren.
Es geht um Würde.
Gerade in einer Gesellschaft, die sich hinter Nicknames versteckt (sie Südkorea), aber auch im täglich im Umgang.
Es muss noch heilige Momente geben. Auch online.

Für jemanden wie mich ist es zynisch so einen Text zu schreiben, da ich über einen sehr bösen und erniedrigenden Humor verfügen kann. Dabei sehe ich – wenn auch im Nachhinein – was falscher Humor anrichten kann, denn jede Aussage über einen anderen (Scherz hin oder her) ist immer auch ein Urteil. Ob es ein falsches oder gerechtes Urteil ist, spielt schnell keine Rolle mehr. Gerade im anonymen oder wenn es um eine Figur des öffentlichen Lebens geht. Wenigstens stand ich immer für meine Sprüche gerade, Rede und Antwort. Man sollte auch niemanden verspotten und sich dann weiter lachend entschuldigen: Man nimmt dem Verspotteten so die letzte Würde: Die der Wut.

Es gibt eine Zeit des Lachens. So wie eine Zeit des Weines. So war es schon immer. Und bei echten Gefühlen wird es immer so bleiben – oder? Die Digitalisierung lässt die Grenzen verschwimmen. Alles ist öffentlich, auch wenn nur ÜBER einen gesprochen wird. Nicht mehr mit einem.
Wirklich eine sehr interessante Zeit in der wir leben, gerade auch deswegen, weil die jetzigen digitalen Natives nicht verstehen, dass sie mit den Jahren auch wieder von der nächsten Generation digtal natives verdrängt werden. Der Netz und der Mensch sind in Bewegung. Beides verändert sich. Nichts bleibt stehen.