Gute Soldaten

Die Männer meiner Generation scheinen gute Soldaten auf den Schlachtfeldern der Ehe zu sein. Denn immer wieder höre ich Geschichten darüber, wie sie sich auch unter schwierigsten Umständen zu der Ehe mit ihren Frauen bekennen. „Getrennt“ wird sich meistens von weiblicher Seite aus. Das soll nicht heißen, dass es im Umkehrschluss die bösen Frauen sind, die die guten deutschen Ehen kaputt machen und ihren Egoismus durchziehen. Zum Unglück Zweier gehören meistens mehr als die beteiligten zwei Personen. Dennoch und trotzdem höre ich von vielen verlassenen männlichen Freunden, Bekannten und Familienmitgliedern, dass sie, obwohl sie betrogen und/oder verlassen wurden, weiter zu ihrer Frau stehen, deshalb der Ausdruck der „guten Soldaten“; in guten wie in schlechten Zeiten, bereit Verletzungen zu verzeihen und weiter einer höheren Sache zu dienen.

Wenn man sich diese angeknacksten, manchmal sogar gebrochenen Persönlichkeiten ansieht, fällt es mir schwer eine Lanze für den Feminismus zu brechen und den „starken Frauen“ weiter zu applaudieren, nur, was ist eine „starke Frau“? Ist ihre Selbstbestimmung der einzige Grad-Messer ihrer „Stärke“?

Als überzeugter Humanist finde ich, dass starke selbstbestimmte Frauen menschlich bleiben sollten in ihrem Umgang mit ihrem Umfeld, denn wie man mit seinem Ex-Partner umgeht, ganz gleich ob man eine Frau oder ein Mann ist, ist das wahre Abbild eines Charakters. Wie wir mit Menschen umgehen, die wir nicht mehr lieben doch einmal geliebt haben, zeigt an, was für Menschen wir wirklich sind. „Starke Frauen“ haben für mich eine faire, rücksichtsvolle Haltung. „Starke Männer“ ebenso. Respekt kann man nicht nur einfordern. Man muss ihn auch geben. Denn sich auf Gedeih und Verderb durchsetzen zu wollen, ist  auch ein Zeichen von Schwäche.

Manche Beziehungen müssen enden. Und Verletzungen wird es immer geben.

Viele der Männer die verlassen wurden, lassen sich gehen. In Folge dessen werden sie von ihrem Umfeld als „Weicheier“ bezeichnet. Ich weiß gar nicht warum man immer stark und dominant sein muss. Sei es als Mann oder Frau. Lieber doch ein ehrlicher Mensch in seinen Gefühlen und angreifbar, als ein Arschloch.

Dann immer dieses Ding mit der „Selbstverwirklichung“. Kann denn Selbstverwirklichung nicht auch bedeuten seinen Partner zu lieben? Reicht das denn nicht? Und wieso wird diese Liebe dann als Unterwerfung und Schwäche gedeutet? Nur, weil sie ein anderer ausnutzen kann? Das ist doch keine Schwäche. Das ist Hingabe. Und zur Hingabe gehört mehr Mut als nur an sich selbst zu Denken und dies dann als Stärke zu begreifen. „Mut“ und „Schwäche“ tauschen ebenso oft die Seiten der Wahrnehmung, wie die Begriffe „Glück“ und „Unglück“.

Die dunkelsten Männerphantasien

Was hast du getan?

Man soll nicht in der Vergangenheit leben. Immer nach vorne schauen. Nicht zurück. In alten Wunden stochern hilft nicht. Wem nützt es schon in weißen, äußerlich verheilten Stellen auf der Haut herum zu bohren? Der Zugang ist verschlossen. Die ehedem freiliegenden Nerven haben sich regeneriert. Das Ereignis ist nur noch Erinnerung. Und als es geschah, fühlte es sich gar nicht so schlimm an. Taten werden erst durch ihre Konsequenzen wichtig.

Warum hast du es getan?

Wieso muss es eigentlich immer schwerer sein in der Gegenwart zu leben oder in die Zukunft zu blicken, als zurückzuschauen? Kann die Vergangenheit denn nicht endlich aufhören? Das ist der Grund, weshalb die Menschen jung bleiben oder es wieder werden wollen, denn „Jung sein“ heißt, nicht die Konsequenzen durchlebt zu haben.

 

Sie hatte es für Geld gemacht. Und ja, natürlich hätte man sein Geld auch anders verdienen können, nur wie? Dieses „du hättest auch was anderes machen können“ ist für außenstehende Dritte immer leicht daher gesagt. Über andere zu urteilen wenn man sie weder kennt noch versteht, ist mit das geläufigste und dümmste Merkmal der Menschen, denn die Leute wollen damit sagen: „Ich habe und hätte es anders gemacht.“  Dabei haben sie sich weder in der auslösenden Position befunden, haben nicht die gleiche Vergangenheit geteilt, noch besitzen sie die Fähigkeit, sich in andere Lebensformen hineinzuversetzen. Es gibt Situationen und Stationen in einem Lebensweg, in welchen dir alle anderen Türen verschlossen erscheinen und du dich zwangsläufig dafür entscheiden musst, das sogenannte „Falsche“ zu tun. Dein Gefühl dabei ist weder gut, noch machst du dir eine Hoffnung darauf, stolz auf das zu sein was gerade passiert. Hier. Ist die Vergangenheit ein Hoffnungsanker: Irgendwann endet jede Situation. Und mit den Konsequenzen kann man doch leben, oder? Die Tat liegt doch schon lange zurück.

 

Sie kann die Vergangenheit auch kleinreden.

Ein  Filmchen als Hauptrolle war es gewesen. Und wenn man sich durch die Umsonst-Portale im Internet klickert, sieht man es unzählige Frauen und Männer tun. In Wahrheit tun sie es die ganze Zeit. Immer und überall. Die natürlichste Sache der Welt. Und hier waren nun einmal ein oder zwei Kameras dabei. Das ist kein Big Deal. Das ist „business as usual“. Die Leute am Set waren nett, höflich, alle taten so, als wäre jeder mit jedem sympathisch und irgendwo stimmte das irgendwie. Es wurde viel Gelacht beim Dreh. Eine kleine Produktion von kleinen Leuten, für kleine Leute. Eine private Phantasie, semiprofessionell aufgezogen, eine Spinnerei und das Geld war gut und schnell verdient und selbst wenn sie ihre Würde ein wenig ablegte, kam sie sich direkt danach nicht ENTWÜRDIGT vor. Ach was. Die normalste und älteste Sache der Welt und wäre das Szenario nicht so gewesen wie es war, hätte sich auch kein Mensch daran erinnert. Wirklich. Niemand. Gar keiner… Es hätte einfach keine Rolle gespielt. Menschen beim Sex für Geld  zu filmen ist schon lange und zum Glück kein Politikum mehr.  Und weshalb muss jeder Trottel denn immer die Phantasien von anderen dermaßen überbewerten? Hat das denn nicht in Wahrheit damit zu tun, dass diese ach so moralischen Menschen, diese verklemmten Anstandsjuristen, diese „Das-musst-du-doch-genauso-sehen“-Typen, sich für ihre Phantasien schämen, oder nein! Ja! War es denn nicht so, dass sich diese LEUTE dafür schämten, GAR KEINE Phantasie zu haben?

 

Das Drehbuch… Sind wir doch einmal ehrlich: Wer interessierte sich denn bei dem Kram wirklich um das DREH-BUCH? Und am Ende wird geheiratet – oder was? Blödsinn… Es war für sie schon schwer genug die SACHEN überhaupt zu tun. Spielte der Rest dann überhaupt eine Rolle? Gut, dann war sie eben nicht professionell bei der Aufnahme gewesen und war sich nicht über die unmöglichen FOLGEN klar gewesen. Na und? War das denn in dem Fall nicht etwas Gutes kein Profi zu sein? Sie wollte es nur hinter sich bringen. Und die Stimmung am Set war gut gewesen… Und die Menschen freundlich…

Der Film zeigt nun einmal nicht die Wirklichkeit, nicht das was geschehen ist. Der Film entsteht eben erst im Schnitt. Wenn man das weiß, kann man keinem Schauspieler – und das war sie doch gewesen – einen Vorwurf machen.

 

Und der Markt verlangt nun einmal nach neuen Dingen. Und diese Produktion war bei Gott nicht die einzige, die nach dem Fall Natascha Kampusch mit den Vorstellungen der Männer spielte, was all diese Jahre in diesem Kellergefängnis wohl geschehen ist. Gewalt in sexuellen Filmen ist ohnehin ein wichtiges Thema und darüber gehört viel mehr gesprochen, als über sie und ihre Rolle. Es macht eh keinen Sinn die ganze Schuld bei ihr und ihrer fiktiven Figur abzuladen. Sie hatte es nur der Geldes wegen gemacht und ja VERDAMMT, heute würde sie das auch nicht mehr machen, nur damals… Da…  Da hatte sie keine andere Hoffnung. Hatte nichts gelernt. Nichts gehabt. Niemanden… Was hätte sie denn machen sollen? Nein, nun wirklich! Was hätte sie denn machen sollen?

 

Ab da war sie immer die Frau geblieben, die auf den Kampusch-Zug aufgesprungen ist. Die die Situation, die Qualen der armen Frau ausgenutzt hatte. Sie wurde zu der, die sich daran bereichert hatte. Aber wie bitteschön sieht denn diese BEREICHERUNG aus? War es denn in Wahrheit denn nicht so, dass diese Geschichte, diese Geschichte von dem entführten und entkommenen Mädchen und die Geschichte von ihr, der jungen Frau der keine andere Möglichkeit blieb und das nachzustellen hatte, was sich der Regisseur und der Drehbuchautor ausdachten, dass das doch eigentlich die gleiche Geschichte ist, die immer gleiche Geschichte davon, dass Frauen von Männern unterdrückt werden damit diese, und alle Männer die davon hören, ihre Phantasien ausleben können und damit Frauen entwürdigen und unterdrücken?… Wer hat denn eine Wahl? Wer hat denn ein gutes Elternhaus? Wer wird geliebt? Und wer geht denn nicht unter aller Augen verloren? Und warum muss das immer wieder und wieder so sein? Und wieso tut niemand etwas dagegen? Weshalb bezahlen die Leute sogar Geld dafür? Bis sie dich auf Youporn gar nicht mehr wahrnehmen zwischen all den Leibern und Grimassen, zwischen all den Karikaturen ihrer selbst. Mit Stolz hat das gar nichts zu tun… Wer nicht in dieser Situation ist, weiß gar nicht was Stolz und Würde ist. Wie kann man nur über sie urteilen, nachdem sie das durchgemacht hat?

 

Der Sturm hat sich gelegt. Die Medien mit ihrer scheinheiligen Moral sind woanders hingezogen. Neues Drama. Neues Leid. Neue, unverbrauchte Gesichter. Und objektiv betrachtet war ihre Woche Ruhm im Rückspiegel der unendlich gigantischen Medienmaschinerie keine große Sache. Nicht einmal eine Randnotiz. Für eine Frau auf sich alleine gestellt, kam es einer Exekution gleich. Dieses Signum geht nie wieder weg.

Du bist was du getan hast. Und in einer Welt in der nichts mehr vergessen wird, bist du gut beraten, so zu sein wie alle anderen auch. Die auf andere zeigen. Und selbst niemand sind.

Das Gegenteil von Sexismus ist Feminimus

„Dich haben sie schon voll erwischt mit ihren Feminismus-Scheiß, oder?“

Das Kokain tropfte ihm bei Sprechen aus dem Glatzkopf, bis sich kleine Bäche bildeten, die an ihm herabliefen und niedertropften. Ebenso wie vorhin in der Dunkelheit des Kinos.

Wir hatten uns am Kino-Dienstag den „Independence Day 2“ angesehen, einer der schlimmsten Filme die man sich als menschliches Wesen überhaupt geben kann, so Rand voll Dummheit angefüllt fühlte sich die maximale Blödheit an, die wir uns da im Provinzlichtspielhaus reinzogen.

Schon da maulte und krakelte der Hartz-4-Prolet ein paar Sitze neben uns in dem fast leeren Kino, über die Entwicklung der Gesellschaft ab. Lauthals. Als im neuen Trailer zum Star Wars Spin-Of wieder eine Frau die Hauptrolle spielt, was für den Typen gar nicht ginge. „In was für einer abgefuckte Welt leben wir überhaupt? Frauen können doch nichts!“ Sein debiles Gerede feuerte er aber in einer angenehmen Dosis ab, so dass man sich gut dazwischen erholen konnte, wohl auch sein von mir aus in etwa 6 Jahre alter Sohn, der nebendran die Welt von Papa Prolo erklärt bekam. Und ganz sicher nicht zum ersten Mal. Im Film war eine Frau Präsidentin, und von so „einer dummen Sau konnten ja nur so bescheuerte Entscheidungen getroffen werden“, und „was ein Blödsinn! Als könnten Frauen so Flugzeug fliegen!“ Komischerweise kommentierte der Möchtegern-Macho das schwule Pärchen im Film nur mit einem: „Der aus dem ersten Teil soll jetzt plötzlich SCHWUL sein? Na… Auch egal…“

Dabei war der Film wirklich, wirklich grausam schlecht. Sogar die Projektoren flimmerten nur ein extrem schlechtes dreidimensionales Bild an die Leinwand und wieder zurück auf unsere Brillen. Hier im Kino fühlte man sich mehr „Unter Haltung“, als unterhalten.

 

Im Auto auf dem Rückweg setzte mein stark schwitzender Freund nach: „Der Gegenteil von Feminismus ist doch Sexismus.“ Da musste ich dann wirklich lachen: „Wasn Blödsinn… Was wäre denn wenn Frauen sexistisch sind?“

Er fuhr einfach fort, wild mit dem ganzen Körper polternd, während ich am Fahren war: „Jetzt sag mir mal EINE Sache die Frauen BESSER machen als Männer! Nur EINE!“

„Also meiner Ansicht nach machen Männer die Dinge auch nur schneller, aber falsch. Frauen brauchen länger und bis dahin sind die Männer mit ihrem Murks auch schon fertig. Das relativiert sich.“

„Höhö.“

„Keine Ahnung wer Sachen besser macht. Macht überhaupt wer Sachen besser? Die Unis sind auf jeden Fall voll mit Frauen. Und das spricht doch Bände. Und warum nicht? Und weshalb sollte ich mir nicht Frauen ansehen, die die Welt retten? Ich meine. Ich habe mir 34 Jahre lang angesehen wie irgendwelche durchtrainierten Honks im Lendenschurz die Welt gerettet haben – und mit denen kann ich mich auch nicht mehr identifizieren seitdem ich 12 bin. Weshalb sollen jetzt nicht Frauen die Welt retten, solche, die keine Titten aber dafür Abitur haben könnten. Ich meine, wir werden ja nicht von vollbusigen Klischee Katzenbergers gerettet.“

„Da ist was dran. Aber der Film kommt sicherlich auch noch.“

„Welcher?“
„Dieser Katzenberger-Film.“

„Na und? Schlimmer als der Film gerade wäre der auch nicht… Ich finde intelligente Frauen sexy. Verdammt noch mal, ich finde sogar intelligente Typen sexy, wenn sie nicht den Klugscheißer geben. Fühlst DU dich etwa von Idioten angezogen?“

„Der Film war wirklich scheiße.“ Themenwechsel.

„Oh ja.“

„Der war wirklich der letzte Dreck. Ich war erst auf der Party von der ich dir erzählt habe. Promi-Party.“

„Ach ja, da wollte ich eh noch wissen was da herauskam.“

„Auf jeden Fall waren da Weiber. HAMMER-Weiber! Und ich bin da mit einer ins Gespräch gekommen. Und die: Super erfolgreich, unglaublich geil anzusehen und auch noch knapp größer als wir zwei.“

„Und wir sind ja nun wirklich eher die Spitze der Evolution.“

„Genau. Und wir haben dann da rumgequatscht und ich hab ihr erzählt, WARUM sie keinen Mann ab bekommt.“

„Die wollte das hören?“

„Brennend.

Und dabei ist es doch so offensichtlich. „Hör mal“, hab ich ihr gesagt, „Du siehst aus wie ein Model, verdienst mehr als die Kerle und bis noch einen Kopf größer als sie – was denkst du denn was die Kerle glauben, dass sie dir bieten können? Die haben ANGST vor DIR!“ Und da hat sie dann so geguckt. Ich glaube. Der hat noch nie jemand so die Wahrheit gesagt.“

„Aber du hast verdammt Recht Mann.“
„Klar habe ich Recht.“

„Aber muss ein Mann einer Frau immer was zu bieten haben?“

„Ja logisch! Mann!“

„Wieso? Frauen haben vielen Männer doch auch nicht viel zu bieten als gut auszusehen, und die Typen mit dem vielen Geld und den Gehirnmuskeln hängen mit denen rum.“

„Du meinst dass ein Mann sich prostituieren soll wie eine Frau?“

„Ich würde es jetzt nicht gleich PROSTITUIEREN nennen…“

„Mann, das ist doch sexistisch wenn ein Mann sich SO aufführen muss um ne Alte klar zu machen!“

„Ne mein Großer“, da muss ich lachen und klatsche ihm auf sein Knie, „Da ist Feminismus dann wirklich mal Sexismus. Wegen Gegenteil und so.“

Damisch

Ich bin mehr ein Sexist als ich von mir selbst annahm. Auf die Frage wie ich mich heute in der Arbeit  fühle mit meiner Gehirnerschütterung, kam mir nur das Wort „damisch“ treffend vor.

Damisch wird von „Dame“ abgeleitet und  bedeutet  (herzlich gemeint nur dennoch: ) „leicht doof“,  jedoch auch „schwindelig“.

Irgendwie  ist das Wort furchtbar dumm u zum Glück antiquiert. Einen gewissen Charme hat es leider doch… So weit bin ich also noch nicht in meiner Aufklärung wie ich dachte…

Inszenierte Würde

Neben lächerlichen Mittelalter-Erzählungen lese ich dieses Wochenende die „Vogue“. Es war gar nicht so leicht das Magazin bei mir im Kaff zu besorgen. Mit Mode habe ich nicht viel zu tun und lebte in meinen Jugendjahren bis Ende 20 in totaler Verachtung gegenüber dieser aufgesetzten Scheinwelt, die die Menschen nur gleich machen will – und da der Mensch an sich nun einmal eher hässlich (oder versteckt schön) ist, eher Komplexe ausgelöst werden, als Wirklichkeit dargestellt.

Die Mode-Interviews der SPEX gefielen mir komischerweise sehr und nun habe ich mir also versuchsweise die „Vogue“ gekauft, die – was die meisten Männer nicht wissen – zu 90 Prozent aus Werbeanzeigen  der bekanntesten und dadurch besten Mode-Labels besteht (Prada, Chanel, Ralph Lauren, Gucci, Dior und wie sie alle heißen). Da wird viel geblättert und geschaut, wenn man den Sinn danach und die Augen dafür besitzt.

Doch  die zwei, drei Interviews fand ich sehr gut, mit Santigold (Musikerin), Schweighöfer & Florian David Fitz (Schauspieler) und Nicolas Ghesquiére (Modeschöpfer für Louis Vuitton). Unter der Woche blätterte ich auch durch das Gegenstück zur Vogue, den „Playboy“, und obwohl ich dort die Interviews ansonsten sehr mag, waren die mit Til Schweiger und Ben Stiller (beide Schauspieler) einfach nur doof und belanglos (wie man sich nun einmal Interviews mit Schweiger und Stiller vorstellt…)

 

Natürlich habe ich auch jetzt nichts für Haute Couture übrig, das ist mir viel zu abgehoben, doch ich verstehe langsam den Gedanken dahinter, die Idee dieser Scheinwelt, die man nur nicht zu ernst nehmen darf – was die Menschen leider machen, seien es die Kunden oder die Schöpfer. Denn für mein Befinden ist ein negativer Nebeneffekt des Feminismus (den ich ansonsten gut heiße – wenn es denn bedeutet, gleiche Rechte und Möglichkeiten für beide Geschlechter), dass es immer weniger „Damen“  und „Herren“ gibt. Die Geschlechter vermischen sich und manchmal kann man vom Gestus der Sprache und des Verhaltens kaum mehr zwischen Mann und Frau unterscheiden. Das ist natürlich eine Errungenschaft, doch diese vernichtet leider auch dieses typisch weibliche oder männliche, dass in unserer Zeit heruntergeschraubt wird auf den Begriff der „Tussi“ (weiblich) und des „Proleten“ (männlich). Wobei man doch durchaus sehr weiblich oder sehr typisch männlich sein kann, ohne wie eine Nutte oder ein Hafenarbeiter herumzulaufen, zu denken, oder zu fühlen. Ich vermisse das Intellektuelle Auftreten beider Geschlechter, auch in dem Stil wie man sich kleidet. Dieser ganzheitlichen Komposition, wie man sich gibt, aber auch handelt. Denn auch wenn der Hipster (gibt’s den außerhalb Berlins überhaupt noch? Das ist so 2012…) natürlich sehr Stilbewusst aussieht, lässt er meistens einen gewissen Grad von Männlichkeit in seinen Fähigkeiten wie in seiner Bildung vermissen (da kann der Bart noch so lang und gepflegt sein). Und auch bei den Frauen hat man mehr das Gefühl eines Entweder/Oders.

Von Würde in Stil und Sprache ganz zu schweigen.

 

Weiterhin ist die Mode-Industrie immer sexistisch. Der Punkt ist aber, dass sie das schon immer sein wollte. Sie ist eine Traumwelt, eine Kunstwelt, die immer nur als Vorbild dienen kann, nie als wirkliche Realität, auch wenn die sogenannten Superreichen glauben mit ihrem Geld diese Attitüde kaufen zu können – Träume lassen sich aber nicht nachkaufen. Sie lassen sich nur inszenieren und jede Inszenierung ist nur Abbild von etwas, was in Wahrheit nur im Kopf passiert. Diese Mode-Welt ist für mich eine Inszenierung einer Meditation von Würde; es geht darum wie man Würde darstellen würde, nicht wie man sie erreicht (denn man kann leicht Würdevoll sein ohne jemals teure Kleidung, Make-Up oder Autos zu fahren, nur, von außen ist es dann nicht zu erkennen, und der Umkehrschluss liegt eh auf der Hand: Du kannst dich noch so mit vielen Markenklamotten eindecken und jede Form von Würde vermissen lassen).

Die Mode-Welt ist die einzige Utopie einer „besseren Menschheit“, von der uns vorgespielt wird, an ihr teilnehmen zu können.

„James Bond“ ist der Prototyp dieser Welt, der immer gut aussehende Mann der im richtigen Moment immer zupacken kann – auch wenn er nicht gerade sehr vergeistigt daher kommt (na ja, wir als Publikum müssen uns ja noch mit ihm identifizieren können 😉 ).

 

Das kann man als abgehoben, blöde und vor allem überflüssig empfinden. Das ist legitim. Ebenso legitim ist es aber auch, dass einem dieses prollige Wir-sind-Alle-gleich-Getue auf die Nerven geht; ja, natürlich sind alle Menschen gleich! Jeder Mensch ist genauso kostbar wie der andere – jeder! Aber es ist dennoch legitim sich geschmackvoll zu verhalten und einige Stil-Regeln zu beachten, um sich ein wenig individueller zu fühlen. Und das Merkwürdige ist, dass sich in unserer Gesellschaft JEDER für unglaublich individuell hält (kommt mir jetzt ja nicht damit, dass jeder Mensch ein Individuum ist, darum geht es hier nicht), sich aber fast alle gleich verhalten und kleiden (gerade die Hipster und Tussis). Niemand will als zu abgehoben oder arrogant herüberkommen, so als ob das etwas Schlimmes wäre! Nein. Ich empfinde es als viel schlimmer wenn die Menschen sich sehr gewöhnlich und „natürlich“ geben und dann leider auch so denken, denn das sind dann diese Leute, die keine anderen Meinung zulassen und glauben mit ihrer ungebildeten Bauernschläue den wirren Gutmenschen und „abgehobenen Individualisten“ einen entscheidenden Schritt voraus zu sein, da denen ihre Bildung im Weg steht.

 

Aber nein, das ist für mich kein Grund ein Jackett für 2000 Euro zu kaufen oder Schuhe für 500, nur um mich so zu fühlen als wäre ich etwas „Besseres“. Nein. Es geht darum ein wenig in einer Traumwelt zu leben und nicht nur dumpf vor sich her, in dem man nicht nur simple Funktionalkleidung von „H & M“ oder sonst wo trägt, von der jeder weiß wie die hergestellt wird, sie aber billig und damit plötzlich gut ist.

Es geht darum Stil zu haben. Und die einzige Form von zur Schau getragenem Stil ist für mich die Kunst-Welt der Mode.   Es geht um Attitüde an sich. Nicht um Schuhe, Hosen,  oder Blusen/Hemden… Es geht um Würde. Auch wenn der Kontext dieser Form von Würde leider nur auf das Äußere begrenzt wird. Schöner wäre es, wenn es in Wahrheit um zur Schau getragenen Intellektualität gehen würde – doch davon sind wir leider weit entfernt und deswegen wir meine Vorstellung von Mode meine eigene, kleine Traumwelt bleiben. Für immer.  Und weil es nur ein Traum ist, laufe ich als modisches Desaster herum…

In die falsche Haut geboren

Er stellt sein Glas ab.

1: Hast du schon einmal davon gehört, dass Menschen davon überzeugt sind im falschen Körper geboren worden zu sein?

2: Ja du Intelligenzbestie. Das nennt sich transsexuell. Bist du? Transsexuell?

1: Ich? Nein. Ich habe nur vorhin dieses Mädchen da kennen gelernt. Diana.

2: Die Jana oder Diana?

1: Wie? Die Diana halt…

2: Okay.

Sie nicken sich zu. Das Glas an den Mund. Die Party ist vorbei. Die Alkoholleichen liegen auf den Kanapees wie an den strandgespülte, grobmotorische Säugetiergiganten aus den Weltmeeren herum, ohne Ahnung, wie sie dorthin gekommen sind, ohne Hoffnung an ihrer Situation etwas ändern zu können.

Die Beiden: Mittendrin.

2: Und was hat Diana erzählt?

1: Dass sie früher mal ein Kerl war.

2: Echt jetzt? Ist ja krass.

1 (fuchtelnde Handbewegung) : Die hieß Derrick oder so… Vielleicht auch Dirk.

2: Puh…

1: Ja. Aber ne. Das passt schon. Die meinte, die fühlte sich ihr Leben lang unglücklich so mit Schwanz und… Bartwuchs… Und seitdem sie ne Frau ist… „Paff“ geht es ihr gut. Keine Depressionen mehr. Alles supi.

2: Ich wusste schon immer das Möpse gut  sind gegen Depressionen… Und ist sie scharf? Diana?

1: Die Jana oder der Typ der jetzt Diana ist?

2: Diana. Mänsch.

1: Ehrlich gesagt gar nicht übel. Könnte Mann sich überlegen.

2: Cool. Nein ehrlich. Finde ich sehr cool…  Hast du die Nummer?

1: Jupp… Wo ich jetzt aber gerade so beim Pissen stand.

2: Mhm.

1: So mit Schwanz in der Hand.

2: Mhm. Schon klar. So genau brauche ich es nicht…

1: Ich meine. Ich habe schon oft davon gehört, dass Menschen sich in den falschen Körper geboren fühlen. Kommt nicht oft vor, passiert aber.

2: Ja und? Hast du noch ne Kippe?

1: Ne… Also… (mit den Händen und Armen erklärend) Wenn es also Typen gibt, die sich eigentlich als Frauen fühlen und wenn…

2: Das zahlt sogar die Krankenkasse hab ich gehört! Ist ne ECHT Krankheit, kein Luxus-Schmarrn!

1: Ja genau. Also. Wenn sich Menschen im falschen Geschlecht fühlen, gibt es dann Leute, die sich in der falschen Haut fühlen?

2: Ja zwangsläufig, das Eine…

1: Ne… Ne… Meine ich nicht so… Sondern NUR in der falschen Haut. Nicht dieses Sex-Ding.

2: Du meinst so ein Rassending?

1: Ja, jetzt hast du´s….

2: Also ein Weißer fühlt sich so als Schwarzer?

1: Zum Beispiel.

2: So wie Michael Jackson?

1: Der hatte doch so ne Hautkrankheit.

2: Awa. Das wird bloß behauptet. „Vitilgo“ oder so. Das sind so Pigmentstörungen. Aber das ist Bullshit.

1: Echt jetzt?

2: Ja. Weil. Wenn man Pigmentstörung hat, ist die Haut fleckig und nicht gleichmäßig total weiß. Das ist genau das was du meinst: Der Michel wollte ein Weißer sein.

1: Puh… Wäre ein ganz schön prominentes Beispiel.

2: Ja aber warum nicht?

1: Ja warum nicht?

2: Man sagt doch immer, dass die Weißen die Welt regieren? Warum sollte man nicht vom Kopf her ein Weißer sein wollen? Und vom Herzen her auch?

1: Weil man sich auch weiß verhalten kann, ohne weiß zu sein.

2: Was ist denn das für ein Argument? Du kannst dich auch wie eine Frau verhalten, ohne eine Pussy zu haben.

1: Hm…. (Pause) Aber das ist doch so ein Sex-Ding.

2: Es muss doch nicht Alles immer mit Sex zu tun haben! Der Mensch kann sich doch nicht nur über sein GE-NE-TAL definieren!

1: Is aber so…

2: Ich glaube aber du hast Recht.

1: Womit?

2: Ja dass es Leute gibt die in die falsche Haut geboren sind. Und deswegen unglücklich sind… Die können von der Seele her nichts anfangen mit diesem Klischee-Weißen/Schwarzen/Asiaten-Zeug das sie jeden Tag im Spiegel anstarrt. Die Menschen fühlen sich in sich selbst fremd. Weiß ist man doch nicht. Weiß wird man gemacht. Das ist doch mit dem Mann/Frauen-Ding genauso…

1: Samuel Jackson hat mal über Tarantino gesagt, dass der gerne schwarz wäre…

2: Schon wieder ein Jackson!

1: Pff… Poh….

2: Ich glaube das ist so ne Krankheit, die die Leute haben und die noch gar nicht erforscht ist. Die sind depri drauf, wissen aber gar nicht warum.

1: Der Michel hat sich ja auch die Nase operieren lassen…

2: Der sprach nicht einmal mehr schwarz…

1: Denn das sind die Schlimmsten. Weißt du?

2: Genau. Die ärmsten Säue sind die, deren Krankheit noch nicht entdeckt ist und die darunter leiden. Alle lachen die aus. Gib dir mal den und so! Das ist wie auf dem Land wenn da ne Transe herumläuft. So mit dem Finger drauf zeigen.

1: Poh… Ich glaube wir sind da etwas ganz Großem auf der Spur… Denk doch mal an die ganzen Rassisten und Faschos in Deutschland. Ich glaube. Die wären in Wahrheit auch gerne so drauf wie die Araber die sie hassen. So mit Zwangsheirat für Weiber und so. Und dass die nichts dürfen wo was der Mann dagegen hat… Ja. Ich glaube viele von denen wären gerne so arabisch im Aussehen und Verhalten, WISSEN aber gar nicht dass sie krank sind!

2: Puh… Das ist jetzt aber schön (er macht stapelnde Handbewegungen mit den Handkanten). Too much…

1: Auf jeden Fall wäre die Welt eine bessere, wenn der Mensch sich aussuchen dürfte, in welcher Hautfarbe er leben will…

2: Ja Mann… Weißt du? Ich glaube wir haben gerade eine Krankheit diagnosti… Diagnostie-Irgendwas, an der die ganze Menschheit leidet. Nicht nur der Michael oder der Tarantino.