Justice in Köln, die „Woman“-Welt-Tournee, es war der 21.10.2017

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„Kööööln! Ihr seid Scheiße!“ brüllt der Prolet von hinten in die Menge. Von den 50 Leuten in Rufnähe drehen sich 10 um und sehen mich an. Ja. Richtig gesehen. Das war ich. Ich grinse sie an. Und weil ich fast 2 Meter groß und im Moment ziemlich verschwitzt bin, drehen sie sich einfach nur mit einem Schulterzucken um. „Köln“ war aber auch wirklich scheiße. Justice waren geil.

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Sie sei auch enttäuscht von der Menge gewesen, versuchte meine Freundin später zu relativieren, aber es sei nun einmal so, dass die Leute heute weniger Tanzen und nur noch die Arme heben. Den kollektiven Durchdrehwahn gäbe es heute doch kaum mehr. Auch. Wenn wir Beide das gerade gemacht hatten. Es geht ja, wenn man will und sich nicht von den Langweilern runterziehen lässt. Das Kölner Publikum kifft halt lieber, trinkt viel zu kleine Biere (die man dann ständig neu holen muss – sehr klug) und sieht sich lieber ein Konzert konzentriert an, als es abzufeiern. Die ideale Zielgruppe für VR (virtuelle Realität) : Sich bloß nicht schmutzig machen oder richtig aktiv werden. Mir. Taten die Leute leid. So wie wir ihnen wohl leid taten. Wie wir da schrien, lachten, grölten, applaudierten. Dazu mussten wir uns erst einmal ein Plätzchen finden in dem zwar nicht ausverkauften, doch sehr vollen Palladium.

Wie war denn nun die Performance von Justice? Wie zu erwarten, sehr gut. Ich hatte mich auch ein wenig selbst gespoilert. Hatte schon ein wenig den Auftritt der Franzosen auf dem Glastonbury-Festival auf Youtube gestreamt, der aber nicht das gesamte Tour-Live-Set beinhaltet. „Alten“ Fans fehlt auf den beiden letzten Alben die liebgewonnene Ed-Banger Härte und doch weiß es das Duo bei seinen Live-Auftritten die Melodien und die Poppigkeit ihrer neuen Platten mit den Krawall-Hymnen ihrer Anfangszeit in Einklang zu bringen. Es kann also jeder zufrieden damit sein was da geboten wurde: Die Tänzer, die Gaffer, die Mitklatscher und Musikliebhaber. Die Bühnen-Show ist mit den Jahren größer und immer blinkender geworden. Quadrate, Sterne und Lichtsäule müssen das kompensieren, was früher durch die Soundgewalten unanschaulich rausgebrettert wurde. Das. Ist wohl ein Zeichen der Zeit.

Ich war ja auch auf der letzten Tour (die zum ersten Album kenne ich nur von der DVD) und ich muss sagen dass mir diese Tour besser gefällt. Sie ist runder und mehr bei sich selbst angekommen. Das zweite, schwache Album wurde fast folgerichtig komplett ausgeklammert. Bis auf „Audio, Video, Disco“ und „Civilization“. „New Lands“ hat mir dann aber doch gefehlt.

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Das Aufwärm-Programm war von Breakbot himfelf. Sehr Disco natürlich. Und wir so eingepfercht in der Menschenmenge. Schmoften da so herum. Lachten. Mit unseren neu kennen gelernten Portionsfreunden aus Gelsenkirchen. Nette Leute.  Mit viel zu kleinen Bierchen stießen wir an.

Eine Stunde später schrie und sang ich mir die Seele aus dem Leib. Einfach, weil es sein musste. Es muss manchmal auch so sein, dass es egal sein muss was der vor oder hinter dir über dich denkt.

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Justice wechselten bei den Zugaben auch noch kurz das Setting. Stellten sich hinter die Menge. Um wieder nach vorne zurück zu laufen. „Randy“ wurde gespielt. Und „stop“. Dazu noch eine kurze Erinnerung an den Anfang des Auftritts, der mit „safe and sound“ und „do the dance“ startete und ebenso damit endete.

Ein guter Abend. Ohne Überraschungen. So muss das. Aber ich bleibe dabei: Schämt euch Köln. Da habt ihr einen Tag zuvor in der „live music hall“ noch viel besser ausgesehen.

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Und so sieht das als Video von woanders aus:

 

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Absolution – 4 – Auf Drogen Menschen sehen, die gar nicht da sind

Sie setzten sich auf eine der Bänke. Chris hörte nicht auf zu reden. Bis nach und nach. Verzögert. Die Wirkung seiner zweiten Pillen einsetzte und ihm die Worte aus dem Mund stahl. Oder war es bereits die dritte Pille für Chris? Berauscht und geistig verschoben saßen die ungleichen Freunde beisammen. Verdrehten die Augen. Und mahlten spastisch mit ihren Kiefern.

Aus seinen halb geöffneten Augen konnte Paul einen kurzen Moment lang Stevo erkennen. Stevo ging lachend mit ein paar Frauen die Paul nicht kannte zur Bar,  und bestellte Getränke. „Komisch“, dachte etwas in Paul. „Stevo ist doch gar nicht mitgekommen. Heute… Der ist doch bei seiner Schwester geblieben….“ Paul versuchte durch den Stevo-Reiz seinen Gummiartigen Körper in eine halbwegs gerade und aufrechte Position zu bringen. Kniff dabei die Augen zusammen. Zwinkerte dabei unwillkürlich, um seine Augen zu schärfen. Ja. Das war Stevo dort drüben. Eindeutig. Was machte der denn nun doch hier? Wie war er?… Ein paar aggressive Augenzwinkerreien später erkannte Paul dann doch, dass er den Kerl dort doch nicht kannte. Das war definitiv NICHT Stevo. Da hatte er sich getäuscht. Verguckt. Wie war denn?… Peinlich berührt sah er zu Chris an seiner Seite. Der hatte von Pauls geistigen Irrtum natürlich nichts bemerkt. Wie sollte er auch? Beruhigt und doch… Ein kleinwenig Restirritiert sank Paul wieder in sich zusammen und genoss weiter seinen Rausch.  Sollte ihm sein Verstand ruhig Streiche spielen. Das. War es ihm wert.

Absolution – 3 – Verliebt in Sarah

Paul folgte seinem Freund Chris. Sie wanden sich wie zwei Schlangen ihre Bahn an den stehenden oder tanzenden Leuten vorbei. Paul folgte Chris. Denn er war viel zu druff um die Initiative zu ergreifen. Er traute sich aus einem natürlichen, inneren Bedürfnis heraus nicht einmal die anderen Club-Besucher auch nur mit seinem Körper zu streifen. So zart fühlte sich seine berauschte Seele an. Die Misubishis hatten ihn ganz „gentle“ gemacht.

An der breiten und langen Club-Bar waren ein Bestell- und ein Anlehnplatz frei. Paul lehnte sich erschöpft beseelt an. Chris bestellte die Getränke. Irgendwie schien Chris alles zu machen. Immer. Die ganze Zeit. Dabei und vielleicht gerade deswegen bekam er nicht den Respekt den er dafür verdient hätte. Merkwürdig. Dass das Nichts-Tun für andere mehr Respekt auslösen kann, als sich selbst hinzugeben. Das Bier das Chris Paul reichte war super kalt und von Wasser beschlagen, so als ob der Barkeeper direkt in eine Fernsehwerbung gegriffen hätte um es dann Chris zu geben. Dieses Bier. War in diesem Moment. Das beste Getränk der ganzen Welt. Paul war Chris unendlich dankbar dafür. Doch Chris wollte auch etwas für sein Geschenk. Etwas ungleich wertvolleres: Chris wollte das Paul zuhörte. „Zuhören“ ist kostbarer als „Sprechen“.

So hörte Paul Chris Worten zu. Die nicht gerade eine große Überraschung verbargen. Denn Chris war verliebt in Sarah. Genau. In die Sarah. Die Schönheit ihres Clans. Die Frau. Die so fantastisch aussah, dass sie mit ihrem Aussehen jede Club-Tür für sie öffnen konnte.

Sarah war der mächtigste Mensch den Paul kannte. Das war schon immer so gewesen. Sarah hatte diese Macht, diese Aura, die die Welt um sie herum krümmt. Die sie in diesem ganz besonderen Licht darstellte. Sarah war schön, wenn nicht fast perfekt. Sarah war das Schönheitsideal. Nicht eines dieser Schönheitsideale, die sich im Laufe der Jahrzehnte ändern, so wie es sich von großen Brüsten und breiteren, „weiblicheren“ Hüften zu schlanker Taille, breiten Wangenknochen und Laufstegsehnigen Schultern entwickelt. Nein. Sarah würde immer als Schönheit betrachtet werden, vielleicht mal mehr oder weniger. Aber ihre Schönheit würde die Jahrhunderte überstehen, ganz egal wie der Feminismus auch abgehen würde: Ihre fantastische Äußerlichkeit würde sie immer objektifizieren.

Das war schon in ihrer Kindheit so gewesen, in ihrer Jugend, sowie auch zu diesem Zeitpunkt im Club, wo sie eine Frau in der zweiten Hälfte der 20ger war. Nur war sie ebenso verloren an das Märchen von Peter Pan, wie es die „verlorenen Jungs“ in der Geschichte waren. Sarah war nicht Wendy. Denn Wendy hat Peter Pan nie geliebt…

Sarah wollte nie erwachsen werden. Und ihr unbedingter Wille Spaß zu haben, machte aus ihr eine sehnige, blonde Drogenschönheit, ohne Kinder, ohne festen Mann und obwohl sie einen hatte, doch nie zu jemanden mit festen Wohnsitz. Sarah war wie ein Groupie der Rolling Stones: Seit einer Ewigkeit on Tour. Bis die Tour der Lebensinhalt wird.

 

Sie wollte immer nur Spaß haben, so wie alle das wollen, und was spräche schon dagegen? Nur wenn einem durch das Aussehen alle Türen offenstehen und man überall in dunklere und hellere Ecken vordringen kann, verändert das einen. Die Macht wird zu einer Natürlichkeit. Und plötzlich wird man von seiner Umgebung „leicht“ genannt. So werden Menschen schnell beurteilt, die leicht im Leben voran kommen. Die Dinge geschenkt bekommen weil sie etwas ausstrahlen. Weil sie etwas bekommen können, was für uns unerreichbar ist. Sie werden zu „leichten Frauen“, da es für uns so unfassbar schwer erscheint, das Gleiche zu bekommen. Und ganz egal ob das stimmt oder nicht, solche Behauptungen können zu Prophezeiungen werden, denen wir nicht entkommen können.  Nur fragt hinterher niemand, ob zuvor die Henne oder da Ei da war. Später, war Sarah immer so gewesen.

 

Getuschelt wurde schon früh. Das ist die Kehrseite der Schönheit. Sie nennt sich „Phantasie“. Denn wer so aussieht, bei dem stellen sich die Jungs und besonders die Mädchen, alles vor. Ihr Urteil ist ebenso klar, wie vernichtend es ist. Sarah war für ihr Umfeld immer wie eine Griechische Göttin: Makellos und doch menschlich.  Viel zu menschlich. Personifiziert. Besonders wenn man ein Mädchen ist, das gerne Lacht. Und mit den „bösen Jungs“ (die wie immer nur die ein wenig „älteren Jungs“ waren, sich aber ganz böse fühlten und gaben) mitgeht. Die Phantasie der anderen machte Sarah zu dem, was sie noch gar nicht war. Das fing klein an.

Sarah war die Erste, die Jungs auf den Mund küsste. Sie war die Erste, die mit Zunge küsste. Und selbstverständlich war sie die Erste, die ihn in den Mund nahm.

 

Nicht dass Sarah selbst solche Geschichten über sich erzählte. Nein. Auf jeden Fall nicht zu Anfang. Aber was soll ein Kerl der mit so einer klassischen Schönheit intim wird, denn anderes erzählen? Der blöde Kerl muss die Schönheit auf sein Niveau herunterziehen. Er muss sie beschmutzen um in ihrem Licht nicht zu verglühen. So wurde geredet. Nach und nach. Mehr und mehr. Und irgendwann dachte sich unsere Sarah, dass wenn sie schon von keinem mehr als Heilige betrachtet wird, sie auch keine sein muss. Sie wollte Spaß haben, sich amüsieren und was sprach dagegen? War es denn wirklich so eine Bürde im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen? Sarah war nicht dumm. Kein Mensch ist wirklich dumm. Und nur ein anderes Weltbild als andere zu haben, macht dich nicht zu einer dummen Schlampe. Das sagen nur Leute, die neidisch sind, die sich einer komischen Moral unterwerfen, weil sie innerlich hässlicher sind als in ihrem durchschnittlichen Äußeren. Manche Leute wollen dich einfach nur mit Dreck bewerfen, um dich auf ihr Niveau herunterzuziehen.

 

Es ist  nicht leicht eine Schönheit unter den Gewöhnlichen zu sein. Es ist nicht leicht von jedem angestarrt und reduziert zu werden. Da spielt es auch keine Rolle ob man die Situation einfach als leicht und gegeben betrachtet, ob man über sie hinweg lächelt. Was einem auch wieder als gewisse „Begrenztheit“ ausgelegt wird. Schöne Menschen tun sich viel schwerer gemocht und als „authentisch“ betrachtet zu werden, als der Durchschnitt. Schönheit hat immer auch den Ruf der Falschheit. Und der Stumpfheit. Das mag sogar stimmen, nur liegt diese „Falschheit“ nicht in der DNA der Schönheit begraben. Die „Falschheit“ liegt darin, dass man das Richtige im Falschen ist. Die Perle im Durchschnitt. Und so wird eine Perle vom Pöbel gerne aus Unwissenheit und Verachtung als „Fälschung“ deklariert und deklassiert, ohne dass sie sich überhaupt die Mühe machen sie wirklich anzusehen. Es ist leicht darüber zu urteilen, was man niemals haben wird.

Deswegen mochte Sarah die Partydrogen. Nicht weil die Männer auf Drogen nicht weniger geil oder die Frauen auch nur ansatzweise weniger schnippisch und neidisch wären. Aber auf Drogen ist ab einem gewissen Punkt eh alles egal. Irgendwann kippt die Stimmung, alle fühlen sich gleich. Auf einer Situation unter Drogen, kann sich selbst eine Schönheit mit einem Normalo richtig normal unterhalten. Die Blödheits-Urteils-Schranke zwischen einander ist weg. Und du bist nur der, der du bist. Nicht einmal mehr Frau oder Mann. Es sind nur zwei Menschen die sich unterhalten. Die miteinander tanzen, rauchen, trinken… Es mag sein dass die Drogen Sarah nicht schöner machten, sie erlösten sie aber auch von ihrer Schönheit. Sie machte sie menschlich. Für sich und für andere. Wenigstens für eine gewisse Zeit. Bis zu der Zeit, in der das Herz eines Freundes auf sie aufmerksam wurde.

Chris sah in ihr nicht dass was die Leute über sie erzählen. Nicht einmal dass, was er über sie wusste. Chris sah nur die Göttin in ihr. Und das war es was er Paul erzählte. Der da so lehnte. Und nur zuhörte und doch gleich wieder vergas. Der das alles total schön fand was sein Freund ihm da erzählte – die Tablette wirkte immer stärker in ihm, anstelle an Kraft zu verlieren – und dabei doch sehr tragisch. Sarah. War einfach nicht die Liga von Chris. Im Guten wie im Schlechten. Und das Schlimme daran war, das Chris das wusste. Chris war bewusst, dass das Leben kein „romantische Komödie“ war, in der der Held irgendwann alle Grenzen überwindet. Ganz sicher war Chris auch kein Held.

Ecstasy für Mama und Papa

Ich mach‘ mir die Welt – widdewidde wie sie mir gefällt …

 

Vor etwa 2 Jahren schrieb mich auf Facebook eine Frau an, die ich nicht kannte. Wenigstens glaubte ich es in der ersten Zeit, dass ich sie noch nirgends getroffen oder gesehen hätte. Durch ihre Hartnäckigkeit und bei genauerer Betrachtung „kannte“ ich sie dann doch, aus einem anderen Leben. Sie war die Freundin eines Bekannten, nur ist sie die Frau. Keines wirklichen Freundes, einer jener Partyjünger, die man als alter Raver in seinem Umfeld hat und „der halt irgendwie dabei ist“, so wie ich für ihn halt irgendwie dabei war. Ein Freund von Freunden. Man geht zusammen in der Gruppe weg, kennt sich oberflächlich. Tanzt zusammen. Klinkt die Teile. Hat Spaß. Und „Auf Wiedersehen“.

Seine Freundin hatte ich vielleicht 2 bis 3 Mal getroffen und deswegen kaum eine Erinnerung an sie, nur das er sie im Feierkontext kennen gelernt hatte, in einem Club in München in den wir fast jedes Wochenende fuhren. Dann war das Pärchen weg. Irgendwas mit eigenem Kind. Bis hierhin eine normale Geschichte Ende 90ger, Anfang der Nuller Jahre.

 

„Auf Facebook schreiben einem immer die falschen Leute aus der Vergangenheit“ dachte ich mir damals, oder wie oft hat dich schon eine scharfe Mieze angeschrieben, in die du vor vielen Jahren verliebt warst und die jetzt, aus Gründen, die sie selbst kaum kennen kann, jetzt also ganz plötzlich auch sehr an dir interessiert ist; und selbstverständlich sieht sie noch BESSER aus als damals, nicht gealtert, sondern gereift, gerade da, wo es wichtig ist… Also nein. Solche Geschichten schreibt Facebook nicht. Wenigstens bei niemanden den ich kenne. Obwohl ich dort mit einigen Hochstaplern und Lügnern befreundet bin.

 

Die Frau, deren Name und Gesicht mir nichts sagte, holte mich über ein Bild ihres Mannes in das Boot unseres gemeinsamen Verständnisses: Aha. Oh je. Das ist „der schnelle Tobi“.

Der schnelle Tobi war niemals so schnell und so sehr auf Drogen wie der Name vermuten lässt. Nur hin und wieder halt, ein lustiger Kerl, der mir jedoch wie erwähnt immer ein wenig fremd geblieben ist.

Sie würden wieder feiern gehen, ob ich da mitmachen würde? Ich so als alter Haudegen.

Und ich im Kopf so: „Na ja… Muss jetzt auch nicht sein…  Es gibt ja auch Gründe warum das auseinander ging. Eigentlich hab ich schon Freunde. Aber. Unhöflich will ich auch nicht wirken.“ Feiern heißt hier, also wieder mit Drogen. Das war ganz klar herauszulesen. Was nicht schlimm ist, da kenne ich ganz andere, aber Leute die Kinder haben und nach 15 Jahren (Scheiße sind wir Alle alt geworden!) wieder damit anfangen, davon habe ich noch nie gehört. Irgendwie klingt das asozial. Irgendwie kaputt. So mit Kindern. Da stimmt doch was nicht. Doch auch aber dem Argument, dass man jetzt 15 Jahre clean war und jetzt wieder ein bisschen Spaß haben möchte, konnte ich folgen. Schließlich waren die 15 Jahre brav. Da sollte man jetzt doch mit Drogen umgehen können… Bei mir sind und waren es keine 15 Monate her.

Also schob ich diese Reunion eine Weile vor mir her. Hin und wieder Geplausche über den Facebook-Messenger, bis irgendwann doch die Party kam, wo man sich traf.

 

Eine Open-Air-Party auf der die beiden Schatten aus der Vergangenheit mit Freunden druff herum bogen, ich dagegen wie immer gut angetrunken, insgesamt: Alle freundlich und offen. Und da machte es „Klick“. Viel Gerede über Früher. Und noch mehr Verwunderung darüber, dass man im Gegensatz zu damals sich jetzt so PRÄCHTIG versteht. Jeder für sich war halt doch nicht nur gealtert, sondern gereift. Erwachsenen Spaß hatten wir zusammen, gerade und weil wir nicht nüchtern waren.

Gerne mal wieder.

 

Meine anderen Freunde, die, die Frau vom schnellen Tobi und ihn selbst noch von früher kannten, jetzt auch Kinder haben nur keine Drogen mehr nehmen, waren skeptisch. „Drogen? Mit Kindern?“ „Die nehmen die Drogen ja nicht MIT ihren Kindern. Die haben das super unter Kontrolle und sind super nett. Die brauchen halt wieder ein wenig WÜRZE in ihrem Leben.“ „Ich weiß ja nicht… So mit Kindern… Da ist doch irgendwas im Busch. Und irgendwann lernt sie dann jemand kennen und lässt ihn stehen.“ „Warum ausgerechnet sie? Wurscht… Sollen wir nicht mal gemeinsam mit denen was machen? Denn eigentlich sind das früher EURE Freunde gewesen, nicht meine.“ „Ja klar. Super. Cool. Machen wir dann irgendwann mal.“ Dazu kam es natürlich nie.

Bei mir schon. Ich ging mit denen feiern und mochte sie sehr. Ihre offene und nette Art. Man fand sich gegenseitig super sympathisch. Hatte den gleichen schwarzen Humor. Und kam gar nicht mehr davon los sich darüber zu wundern, dass man sich jetzt im Gegensatz zu früher so toll versteht; absolut unverständlich schien das zu sein und ebenso groß war die Freude darüber, dass das jetzt so anders ist. Ein paar Stunden später dann, auf XTC, in der totalen Prallness. Verstand man sich natürlich total und super gut. Nur vorher. Komisch. Vorher hatte man sich sogar noch besser verstanden. Ohne die Drogen im Kopf. Eine gelungene Nacht.

„Das wiederholen wir mal!“

„Gerne!“

Ganz nah kam man sich da. So geöffnet wie man sich fühlt, wenn… In dieser emotionalen Ehrlichkeit der Dichtness, die die Grenzen zwischen dem Du und dem Ich verschwimmen lässt. Obwohl vorher fast noch besser war. Das Gespräch und das echte geteilte Lachen. Die Klarheit der Verständnis.

 

Meine anderen Freunde blieben dabei: Der schnelle Tobi? Geiler Typ, damals. Jetzt klingt das irgendwie so asozial… Da kann man kein Verständnis für haben. Jetzt. In dem Alter. Und du (also ich) hast halt keine Kinder. Lass mal. Da ist doch eh was im Busch.

 

Und ich verstand das gar nicht. Wie die Menschen kein Interesse an denen haben können. Obwohl ich anfangs selbst so war. Und jetzt. Voller Naivität. Wo ich doch so offen war. Wollte und konnte ich nicht erkennen, dass da eben doch mehr, dass es da eben doch Probleme gab, dass es da immer auch GRÜNDE geben muss, warum…

 

Und ich mach‘ mir die Welt – widdewidde wie sie mir gefällt …

 

Und deswegen ist alles gut gelaufen. Wir haben es allen anderen gezeigt. Den Zweiflern. Den konservativen Kleinfamilien-Fetischisten. Die aus ihrer Gefangenschaft, wie Dinge zu haben und zu sein sind, nicht heraus kommen können. Die mit dieser unterschwelligen Angst vor der Zukunft leben, nur nicht aus der Rolle zu fallen. In Panik vor jenen Erkenntnissen, für die man  einen Schritt zurückgehen muss, jedoch auch zwei nach vorne kommt.

Abenteuer enden nicht wie in Filmen mit der Hochzeit oder einer Geburt, mit Kindergarten und aufgeschlagenen  Knien, den ersten Pickeln und der Revolution gegen jene, die einen ihr Leben lang geliebt und erzogen haben. Da ist mehr. Da sind doch auch die Personen selbst. Der Typ, den sie früher „den schnellen Tobi“ nannten. Und die Frau, die er geheiratet hat. Eltern sind auch Menschen. Jeder für sich alleine. Und Beide zusammen.

 

Und ich mache mir die Welt… In meinem kunterbunten…

Bad Mum

In der Nacht ist sie mit ihren „alten“ Freundinnen unterwegs. Sie kennen sich seit bald 30 Jahren. Fast ihr ganzes Leben lang. Eigentlich waren sie Alle nie „Wooo!-Girls“ gewesen, doch das Herauskommen aus der Kindergärtlichen, Grundschulischen Tristesse machte sie dazu. Endlich konnten sie all das Fahren lassen, was sie sonst immer zu Räson brachte: „Wooo! Keine Kinder!“ Die Sekt-Gläser klirren aneinander: „Heute ist Kinderfrei! Woooo!“

Ständige, fürsorgliche  Liebe und ein gutes Vorbild-Sein ist anstrengend. Da braucht es hin und wieder… Sie weiß schon vorher, dass sie um spätestens 11 Uhr müden sein würde, da geht es den anderen ihrer Weiber aber auch nicht anders.

 

Früher – in einer Zeit bevor die Zahlen erfunden wurden und es demnach unmöglich ist, zurück zu rechnen, wie JUNG sie damals waren und wie viel Zeit vergangen ist – hatten sie doch auch die Nächte und Tage durchgemacht. Jedes Wochenende woanders. Frankfurt. München. Nürnberg. Würzburg. Manchmal auch Berlin. Kein Problem. Und waren sie heute denn nicht dass, was man heute eine MILF nannte? War das denn nicht ein Kompliment? Über 30 zu sein und immer noch potentiell erregend? Eine Hot-Mum? 30 ist heute doch kein Alter mehr. Auch, wenn sie das vor 10 Jahren selbst noch ganz anders sahen… Nein. Es liegt nicht an der Selbstwahrnehmung, und dass sie „nicht erwachsen werden“ wollten – dieses Prädikat haben die Kindsköpfigen Männer für sich gepachtet – DIE ZEITEN haben sich einfach verändert. So ist das doch. Und nicht anders. Wer hätte sich früher auch noch einen schwulen Außenminister und eine KanzlerIN vorstellen können? Und in dieser neuen Zeit, sind sie nicht mehr alt. Niemand ist mehr zu alt, wenn er sich nicht so fühlt. Oder man ist vielleicht über 40. Das sieht dann natürlich wieder ganz anders aus… Und die jungen Leute. Nun. Die sind halt einfach jünger, so wie sie schon seit 10 Jahren jünger waren.  Wen interessiert es? Und selber war man doch eigentlich blöd, dass man die alten Leute auf den Party immer schief ansah. Unreif war das. Und dumm.

 

Auf Sekt folgt Sekt. Folgt Bier. Folgt Wein-Schorle. Folgt ein Joint. Das war noch nie ein Problem. Heute natürlich auch nicht. Ist doch wie früher.

 

Nein, sie will nicht zu viel auf einmal. Und man muss das doch  verstehen: Auf was man die letzten Jahre, fast schon ein Jahrzehnt lang, verzichten musste! Immer Kind hier. Kind da. Und vorher die Schwangerschaft. Umzug. Vernunft. Erziehung. Jobwechsel. Teilzeit. Halbe Stelle – und die Kinder. Heute ist nun endlich heute. Und heute ist Kinderfrei; bei aller Liebe: „Woo!“

 

Sie tanzen sie, lachen, sie stoßen an. Bis ihr schlecht wird – das ist ja noch nie passiert. Wo kommt der denn jetzt her, der Helikopter im Kopf? Und alles dreht sich, dreht sich, dreht sich. „Ich weiß gar nicht woher das kommt“, murmelt sie noch zu ihren besten Freundinnen hin – und dann kotzt sie sich die Seele aus dem Leib. Lange. Laut. Und permanent. Nach einiger Zeit hat auch keine der besten Freundinnen mehr Lust ihre Haare zu halten oder sie aufzumuntern. Sie ist halt doch keine 20 mehr. Vielleicht fehlt es doch ein wenig an Training…

 

Währenddessen stehen die Freundinnen rauchend an der Seite und zucken mit den Schultern, tauschen Blicke und Wörter darüber, dass es doch wirklich ein jemand nervig ist, dass ihr das JEDES Mal passieren muss… Wenigstens einmal könnte sie sich doch vielleicht nicht übernehmen.

 

Inzwischen bricht und bricht sie weiter. All die Zeit hinfort die ihr durch die Kinder „verloren“ ging. All die Zeit, in der sie mehr Mutter als Frau war. Und sie bereut es inständig dass sie es heute wieder einmal ersucht hatte, keine Mutter von zwei „Kids“ zu sein, sondern eine Frau. Ihr war so unglaublich schlecht. Bitte lieber Gott…. Sie würde auch für immer eine gute Mutter bleiben… Wenn das nur endlich aufhört…

 

„The kills“ live in München, es war der 26.10.2016

Jedes Jahr um meinen Geburtstag herum gehen meine Freundin und ich zum Konzert einer Band, die wir entweder kaum oder gar nicht kennen. Bisher waren wir bei „Cäthe“, „The/Das“ und bei „Star Sailor“. Das waren sehr übersichtlich besuchte Konzerte, bei denen wir mehr herum blödelten als uns mit der Musik zu beschäftigen. Das macht sehr viel Vergnügen und ist einfach nicht so ernst und andächtig wie bei Konzerten von Bands, die man „verehrt“.

„The kills“ dagegen, sind eine Band aus der letzten Kategorie, die kannten und mochten wir schon vorher, was, in diesem Zusammenhang, eher problematisch ist, denn die verdammten „Kills“ sind nicht nur eine mehr oder weniger populäre Band: Die sind sogar richtig gut und werden auch so besucht.

Deswegen war auf dem Konzert schon von Beginn an viel zu viel los um in unsere Blödelkategorie zu fallen. Nun. Es gibt schlimmeres oder? Schließlich hat man eine Weltklasse Band auf der Bühne. Das ist doch auch was Tolles.

Mit dieser Motivation standen wir mitten in der Menge, eingeklemmt, und meiner eher kleineren Freundin wurde ziemlich schnell schlecht. Ärgerlich, kann aber passieren. So war das nur nicht geplant.

Wir verdrückten uns auf die Tribüne und sahen uns die Show von hinten, nicht aus der Menge heraus. Hier. Kann man aber wenigstens Tanzen. Und Atmen.

Und an alle Rollstuhlfahrenden Kollegen: Warum nutzt ihr nicht solche Tribünen um euch ein Konzert anzusehen? Mitten in der Menge stehend seid ihr einfach im Weg – klar: Ihr habt das gleiche Recht dort zu sein wie jeder andere Mensch auch, nur ist eine Konzertmenge fast wie ein eigenständiges Lebewesen, denn die Körper bewegen sich, wie Wasserpflanzen, wie Algen, die sich in der Strömung des Wassers fügen; oder wie in einem Verkehrsstau: Auch der Verkehr hat eine Erinnerung… Egal 😉 Sicher ist, dass wenn in einer Menschenmenge die wenig sieht und nur in eine Richtung schaut, ein befestigter, nicht leicht zu sehender Fremdkörper in der Mitte einer Menschenansammlung verborgen ist (können ja auch Taschen auf dem Boden oder sitzende Leute sein), dass zu Unfällen führen kann; drüber stolpern und fallen ist vorprogrammiert.  Also geht doch bitte auf die Tribüne, wenn schon mal eine vorhanden ist. Ihr seht ja auch was.

(Zum Foto: Verlegt mal eure Kabel besser)

Von der Tribüne aus konnte man ein sehr gutes Konzert einer guten Band verfolgen. Das war super, machte richtig Laune. Nur. Sah man leider auch, dass das Publikum in München ganz furchtbar lethargisch war. Da ging. Gar nichts.

Schon im Vorfeld musste man einfach wahrnehmen, wie hoch die Hipster-Dichte heute Abend war, was gar nicht so schlimm ist, nur sahen viele Stilo-Männer so aus, als würden sie den Look von Jamie Hince kopieren, seines Zeichen Gitarrist der Band (die Band besteht im Prinzip nur aus zwei Leuten, ihm und der Sängerin Alison Mosshart) und baldiger Ex-Mann von  Kate Moss, der weiß also wie man sich gut anzieht. Gut dastehen ist eine Sache, die die Münchner klasse beherrschten. Gut Stimmung machen aber überhaupt nicht, deswegen verleihe ich heute den Preis für das schlechteste Publikum 2016 an diese Lahmärsche in München: Ihr habt nichts getan und gerade deshalb habt ihr ihn verdient! Das goldene… Ähm nein, der Preis für das schlechteste Publikum geht an euch!

Von oben herab  konnten wir uns über diese Leute kaputt lachen, tanzend, mit Bier und Jägermeister in der Hand (zumindest ich). Da waren wir auch wieder bei meinen furchtbaren Geburtstagskonzerten. Das Publikum riss es in diese Richtung. Diese Heringe in der Dose.

Und die „Kills“ selbst?

Die waren ehrlich gesagt richtig super. Alison Mosshart kann richtig singen, genauso wie auf Platte, und live krachte die Gitarre von Jamie Hince viel mehr rein – ein echt schweineguter Gitarrist. Am Besten gefielen mir „Future starts slow“ und „Sibirian Nights“, obwohl ich das vorher gar nicht sooo toll fand. Am Meisten freute ich mich über „U.R.A. Fever“, das erste Lied was ich von ihnen kennen lernen durfte. Da war sogar mal auf ner Spex-CD ein gutes Lied drauf 😉

 

Für uns war es – auch wenn der Start ein wenig holprig war – ein gelungener Abend. Geile Musik, viel Platz, auch wenn man dieses Mal nicht so nah an der Band war, dass man sie anfassen konnte. Na und? Ich verstehe einfach nicht wie die Leute sich zu cool dafür finden, um auf einem Konzert mehr zu machen als mit dem Kopf zu nicken und nebenher auf Facebook zu verlinken, was man gerade für eine Megacoole Band hört (was die „Kills“ sind) und wie geil man selbst ist, die zu kennen und auch noch hier zu sein…

 

Sei es drum. Tolle Band. Tolle Musik. Viel Spaß. Und wie immer bei dieser alljährlichen Konzertreihe bei mir: Zu viel Alkohol. Ich habe später noch besoffen den Roadies geholfen ihr Zeug zu verladen. Nun ja… Räusper.. 😉

Bin gespannt wo  und bei welcher Band wir nächstes Jahr aufschlagen. In Dortmund, Essen, Bochum und München waren wir jetzt ja schon an diesem komischen Jahrestag…

 

(Und: Die Vorband war „Georgia“. Die war auch gut. Was man von Vorbands selten behaupten kann. Hat ganz schön viel Power diese Frau)