Hans Söllner und Böhse Onkelz – Verschwörungstheoretiker in Zeiten der Krise

Es ist ganz gut in diesen Tag die Schriftstellerei als Hobby zu haben. Jeden freien Tag schreibe ich an meinem neuen Buch „Stereotyp“. Einmal in der Woche versuche ich einen passablen Blog-Eintrag zu schreiben. Das Wichtigste ist dabei, Spaß am Schreiben zu haben. Diesen einmal-in-der-Woche-Gedanken hatte ich schon vor Corona. In Corona-Zeiten ist es nur schwer, sich nicht aufzuregen und den Spaß wirklich zu finden. Es geht uns doch allen gleich. Wir haben verlernt Langeweile auszuhalten und scrollen viel zu viel durch das Handy. Und. Posten und teilen komisches Zeug.

Viele Jahre hatte ich absichtlich Facebook-Freunde, mit denen ich nicht die gleiche Meinung teile. Anfangs waren das mehr entfernte Bekannte, mit denen man nicht viel zu tun hat. Facebook-Freunde. Keine echten Freunde halt. Mit der „Flüchtlingskrise“ bemerkten viele von uns, dass sie (auch gerade über die „sozialen“ Medien) auch nicht die Meinung von guten, echten Freunden teilen. Das muss man aushalten. Das ist Freundschaft. Und das musste ich lernen. Nicht aushalten muss aber nicht, wenn die irgendeinen Quatsch posten. Dazu kann man sich äußern. Öffentlich und privat. Auch das ist Freundschaft, die die anderen aushalten müssen. Zurzeit jedoch kicke ich viele Freunde raus oder schalte sie auf stumm. Manchmal ist es einfach zu dumm oder anstrengend. Wie gesagt. Meinung darf und sollte jeder haben. Ich muss mir das aber nicht geben, wenn es zu abdreht ist.

Hans Söllner war so etwas wie der Held meiner Jugend. Ein Mann, der sich was traut. Ebenso wie die Böhsen Onkelz. Ebenfalls „die Band, die sich traut Dinge auszusprechen, worüber andere nur schweigen“. Als Jugendlicher hat mich das sehr beeindruckt und geprägt. Ich bin tatsächlich jemand geworden, der offen seine Meinung äußert und sich deswegen einige Türen verbaut und Freunde verloren hat. Deswegen werde ich nicht gleich als Held gefeiert wie die Onkelz und der Söllner (kennt man den außerhalb Bayerns überhaupt noch?). ich bin einfach nur ein Typ. Irgendein Kerl. Ich lebe mit meinem Image. Verdiene aber nicht daran, wie die Onkelz, die sich dem absolut verlogenen Ausverkauf hingegeben haben (siehe Band reunion. Verarsche der eigenen Fans). Oder Hans Söllner. Mit dem es das Finanzielle nicht annähernd so gut gemeint hat. Da gibt es interessante Dokus und Youtube Videos. Schaut mal rein, wenn ihr wie ich Jahrzehntelang den Söllner aus den Augen verloren habt.

Der Söllner lebte immer von seinem Image, nicht anders zu können. Und ich glaub ihm das sogar. In vielen Dingen der Meinungsfreiheit war er ein Vorreiter. Er bestand darauf seine Meinung vertreten zu dürfen und hat sich selbst damit finanziell ruiniert. Davor kann man jetzt Respekt haben oder ihn auslachen. Das steht jedem frei. Dieser Aspekt ist auch nicht das Thema meines Textes. Und ich will vorweg gleich sagen, dass ich dem Mann nichts Böses will. Wie gesagt. Er glaubt sicherlich zu denken, er könne nicht anders. Genauso wie er sich Jahrzehnte lang für das Kiffen eingesetzt hat, bevor es en Vogue war. Ich mag weder Kiffer noch kiffen an sich (dann nehmt doch gleich LSD wenn ihr was LERNEN wollt), er hat das aber durchgezogen mit all dem Gegenwind, den es in einem Freistaat wie Bayern geben musste. Wie gesagt. Dafür kann man Respekt haben oder ihn beschimpfen. Er selbst sagt, er habe inzwischen mit dem Kiffen aufgehört: Mir doch egal ob der kifft oder nicht.

Auf Hans Söllner bin ich durch Facebook wieder aufmerksam geworden. Ist schon ein paar Jahre her. Dort wurden seine Statements geteilt und ich war nicht wenig überrascht, als er sich als Impfgegner präsentierte. Ich finde das tatsächlich ziemlich lächerlich. Denn auch wenn Impfen natürlich gefährlich sein kann (kein Medikament wirkt bei allen Menschen gleich), haben uns die Impfungen an sich ziemlich den Arsch gerettet. In Zeiten von Corona hört man auch überraschend wenig von den Impfgegnern. Hm. Genauso wie sich die öffentliche Meinung zu Dietmar Hopp recht schnell geändert hat… Und ich denke mir halt, okay, das ist nicht besonders helle Herr Söllner. Er hat dann genauso argumentiert, wie er immer argumentiert: Man solle nachdenken und sich nichts vorschreiben lassen. Darüber musste ich leise schmunzeln. Hier geht es ja nicht darum eine faschistische Rassentrennung abzuschaffen oder gleiche Bezahlung für alle Geschlechter. Ne. Es geht um Impfungen. Es ist mir nie in den Kopf gegangen, warum das ein Streitthema geworden ist.

Mit Corona habe ich es verstanden. Denn auch jetzt plädiert Hans Söllner auf Facebook dafür, sich nicht an Verbote zu Halten und Rauszugehen. Verstehe ich nicht. Der Söllner ist wie ich Bayer. Noch dürfen wir draußen spaziergehen. Oder verstehe ich da was falsch? Dann fabuliert er davon, dass Leute die keine Angst haben, anderen Angst machen. Ich sag es zum 1000sten Mal: Meine Frau ist Arzt. Die arbeitet in diesen Wochen quasi an der Front. Für uns alle. Und wusstest ihr, dass in Italien schon 60 Ärzte und 2000 Leute in der Pflege an Corona gestorben sind? Meine Frau hatte die Zahlen und das wären dann in etwa ein Viertel aller Corona-Toten in Italien. Klar machen wir uns Sorgen. Aber Angst? Die Menschen haben weniger Angst, als der Musiker sich das vorstellt oder uns attestiert. Man kann auch Angst mit Vernunft verwechseln. Der Herr Söllner hat immer vor den gleichen Dingen Angst. Dass DIE DA OBEN mit uns machen was sie wollen. Aha. Ich glaube nur, kein Politiker in Deutschland will eine Ausgangssperre. Weil die sind eh mehr oder weniger von der Wirtschaft gekauft (siehe Wählerstimmen). Das schadet den Politikern nur. Und Söder dann mit Orban vergleichen Herr Söllner. Geh bitte. Warum nicht gleich mit Hitler?

Das Söllner-Problem ist die Söllner-Methode: Die da oben haben Unrecht. Der kleine Mann hat Recht. Und das ist Quatsch, wenn man sieht was „der kleine Mann“ so wählt und denkt. Pauschalisierungen helfen da halt nicht. Ich bin auch kein Freund von Markus Söder. Der hat sich auch nie dafür beworben, man of the year zu werden. Dennoch halte ich sein Vorgehen für richtig. Es gibt sogar Vergleichsbeispiele. Siehe China und Singapur. Das sind natürlich keine gewählten Demokratien. Das sind Diktaturen. Aber ihr Vorgehen hat funktioniert. Wahrscheinlich auch deswegen, weil es dort keine Defätisten gibt, die in Krisenzeiten gegen das Allgemeinwohl schießen. Ich habe auch erst ein Video gesehen von diesem KenFM-Typen. Der hat sich original ein Gitter vor die Kamera gestellt und gesagt, man dafür nichts mehr sagen. MAN DARF ALLES SAGEN! Man oder frau dürfen halt auch darauf antworten. Es ist vollkommen richtig Politiker eines Landes kritisch zu betrachten, die eine Notstandsgesetzgebung in Kraft treten lassen. Es sollte jedoch auch hinterfragt werden, ob das sinnvoll ist. Und ja. Der Mainstream kann durchaus im Recht sein. Mainstream macht nicht zwangsläufig alles falsch. Man muss differenzieren können. Es geht nämlich nicht nur um die Corona-Toten selbst. Es geht auch darum, wie viele Menschen sterben müssen, weil es Corona gibt. Nicht verstanden? Schon jetzt, wo unser medizinischen System noch nicht zusammengebrochen ist, sterben Menschen WEGEN Corona. Nicht AN Corona (das aber auch). Wichtige Operation werden schon jetzt nicht mehr gemacht. Da wird dann gesagt okay. Der Mann/die Frau ist über 80, da machen wir die Operation nicht mehr, da wir Kapazitäten freihalten müssen. Ich hab das aus erster Hand. Schon jetzt wird selektiert. Und wenn das große Sterben erst einmal losgeht (wir hoffen alle, das es nicht geschieht), werden nicht mehr nur die Leute an Corona sterben, es sterben auch die, die nicht behandelt werden können, da wegen Corona die Kapazitäten erschöpft sind. Es geht schon lange nicht mehr wer direkt an Corona stirbt. Noch mal: Es sterben Leute wegen Corona, obwohl sie es gar nicht haben.

Aber immer alles in Frage stellen. Immer alles anzweifeln. Das ist das Lebensmodel von Hans Söllner. Die Masse ist dumm. Man selbst Im Recht. Das typischen Bild eines Verschwörungstheoretischen Kiffers. Ein alter weißer Mann. Der Recht haben will. Und wichtig sein will. Hier geht es schon lange nicht mehr um „Aufstehen“. Auch nicht um Vernunft. Mein Blog heißt ja „Strategien gegen Vernunft“, da ich mal ein Buch geschrieben habe mit der Forderung, man möge doch bitte die gängige Vernunft in Frage stellen, um zu einer besseren, neuen Vernunft zu gelangen. Heute liest sich so ein Wunsch wie ein ad absurdum. Die neue Vernunft scheint nämlich nur der eigene Egoismus zu sein, da keiner der alten weißen Männer bereit ist, seine Position zu hinterfragen oder zu ändern. Seien es die Obrigkeitshassenden Kiffer. Oder die Friday for future beschimpfenden Leute, die alle, die den Planeten retten wollen, als Wahnsinnige und Naivlinge darstellen. Die neue Vernunft scheinen Fake News zu sein, die sich an allem orientieren was Gefühl ist. Nur nicht an Wissenschaft und Zahlen (da hat der Benecke neulich ganz schon Eindruck hinterlassen).

Die Geister die ich rief. Alter frustrierter weißer Mann. Du bist zu dem geworden, was du am meisten hasst.

In dem Zusammenhang kann mir gerne mal jemand sagen, was die verlogenen Böhsen Onkelz (die Bands die immer so ehrlich war haha) jetzt über ihre „Medien-Schelten“ sagen. Ist ihre in Teilen natürlich auch verständlich Kritik zu den Medien, diese nur lächerlich oft auf jedem Album aggressiv wiederholt haben, inzwischen dazu übergegangen, dass auf ihren Konzerten „Lügenpresse!“ gebrüllt wird? Schreibt so was doch mal in die Kommentare Leute. Würde mich interessieren…

Und weißt du was. Hans. Ich gehe jetzt spazieren. Weil ich das darf. Genauso wie du. Nur hab ich wirklich keine Angst, im Gegensatz zu dir. Und dann. Dann bleibe ich im Haus. Weil ich mir Sorgen um andere Menschen mache. Weil ich das will.

Newsfeed

Ich bin ein Latzhosen-Typ. Das heißt, ich trage in der Arbeit eine Latzhose. In der Brusttasche dieser Hose steckt den ganzen Tag mein Handy, mit welchen ich in der Gegend herumrenne. Die meiste Zeit komme ich nicht dazu darauf zu sehen, manchmal fahre ich aber mit dem Aufzug in eine andere Etage, oder ich warte vor dem PC bis irgendein Arbeitsschritt beendet ist, bevor ich weiter renne. Zu diesen Gelegenheiten ziehe ich schon absolut automatisch und unterbewusst mein Smartphone heraus und wische mich durch „Facebook“ oder schreibe meinen „Freunden“, was bedeutet, dass ich mir die meiste Zeit die neuesten Meldungen auf Facebook ansehe. Und heute traf es mich wie ein Faustschlag.

 

Wieder war ich im Aufzug unterwegs, wieder zog ich mechanisch mein Handy hervor und wischte so durch Facebook, vorbei an Meldungen dass die neue Platte von „Alt-J“ bald erscheint, dass „Bloody Beetroots“ endlich mal wieder live auftritt oder dass die gesamten deutschen Medien den „Ghost in the shell“-Film ziemlich verrissen haben, obwohl ich den sehr mag. Und da traf es mich: „Was mache ich hier überhaupt?“

 

Ich scrolle durch meine Facebook-News.

Okay, was siehst du dabei?

Na Dinge die meine Abonnements posten.

Und was ist das?

Oh… Scheiße… Das ist zu 90 Prozent Werbung… Für eine Tour. Für eine Platte. Für einen Film. Für eine Zeitschrift die den Film bewertet. Wo wieder Werbung kommt…

 

Klar, wir haben auch echte Freunde bei Facebook oder lesen richtige Nachrichten. Aber den meisten Content macht Werbung aus, auch wenn man glaubt nur den neuesten Scheiß von Jan Böhmermann zu erfahren – der auch nur wieder Werbung für sich und seine blöde Show macht (okay, in erster Linie für sich).

Das ist das Phänomen Facebook:

Während wir zuhause vor der Glotze sitzen und jeden Werbeblock genervt weg zappen, nutze ich jede Sekunde die mir meine Horrorarbeit zum Entspannen lässt um: Mir Werbung anzusehen. Und ich mache das gerne und fühle mich dadurch sogar entspannt, unterhalten und „informiert“

Wie blöd ist das eigentlich?

Und wie sehr verblöden habe ich mich lassen?

Inszenierte Persönlichkeiten

Die Industrie hilft dir dabei ein guter Junkie zu sein. Der „gute Junkie“ ist auf Drogen, er kommt aber auch seinen gesellschaftlichen Verpflichtungen nach. Der gute Junkie kann sich Hilfsmittel aus dem Internet besorgen, um fit für die Arbeit zu sein oder wenigstens so auszusehen. Selbstoptimierung im Gegenzug zur Selbstzerstörung. Der gute Junkie kann auch so viel Rauchen wie er will, die Industrie hat er geschafft die Zähne perlendweiß glänzen zu lassen, während einen der Krebs unerkannt beginnt aufzufressen und die Adern spröde werden. Wer den Körperlichen Verfall aus dem Bewusstsein des Menschen bringt, der hilft ihm sich selbst zu belügen, was noch nie besonders schwer war. Gerade nicht bei einem Junkie.

Den Anschein bewahren ist heute ganz leicht. Du kannst dich unter den Big Brother Augen von Facebook gut verstecken, falls du Lust hast dich richtig zu inszenieren. Und ich glaube die meisten Leute sind schwer damit beschäftigt Normalität zu inszenieren, während die andere Hälfte der User ihre eingebildete „Besonderheit“ hoch laden. Die Frage ist schon lange nicht mehr was Facebook über uns weiß. Die Frage ist eher, wie gut wir Facebook in Wahrheit belügen. Denn unser Innerstes finden wir nicht in unseren Posts und Likes auf der Zuckerberg-Seite, die finden wir in unseren Amazon-Accounts und Kreditkartenrechnungen.

 

Unsere Persönlichkeit in den sozialen Netzwerken ist eine Inszenierung und die Ansammlung dieser Fake-Persönlichkeiten ist eine Identitätsblase, von der dein Gegenüber denkt, sie wäre real. Die Ironie ist: Umso mehr Leute behaupten das ihre Inszenierung Realität ist, desto mehr Leute GLAUBEN, dass das die Wahrheit ist, wodurch Dinge gehypt werden, hinter denen kein Mensch wirklich steht. Anders kann ich mir den Siegeszug von Minimal-Music und EDM eh nicht erklären…

 

Ja. Der Deckmantel dem wir für unsere geheime Sucht – und das müssen nicht zwangsläufig Drogen sein, von mir aus Pornografie, sexuelle Vorlieben oder andere Verhaltensweisen, vor denen du dich in deiner Arbeit, der Uni oder vor deinen schämst- überstreifen (Mama und Papa sollen NIE davon erfahren) verändert die Welt. Und die Lüge wird zur Wahrheit. Sie verselbstständigt sich.  Das ist nicht einmal schlimm. Aber wenn wir eine falsche Welt inszenieren müssen um uns zu schützen und diese Wirklichkeit wahr werden kann, und wir diese Lüge ablehnen, weshalb lügen wir überhaupt um uns zu schützen? Denn von Schutz kann keine Rede sein. Unser Schutzinstinkt treibt uns in eine Ecke, in der wir nie stehen wollten.

Wir halten uns für ach so liberal. Sind es nur leider überhaupt nicht.

Die Lagerhalle des Lebens

Bei Magendarm-Problemen besucht man nicht nur ständig die Toilette, man muss auch irgendwie sonst das Leben selbst mit all seinen Bedürfnissen voranbringen. Man frisst also Knäckebrot, trinkt Kamillen-Tee und säuft Brühen (die man als pulvrige Bouillons von einem Subunternehmen (Maggi) eines der bösesten Unternehmen der Welt überhaupt ersteht, dessen Hauptbestandteile  Jodsalz und Geschmacksverstärker beinhalten), versucht etwas am Rechner zu machen oder ein vor Wochen begonnenes Buch zu lesen, aber nach der ersten halben Seite David Foster Wallace stellt man fest, dass man dem Mann überhaupt nicht folgen kann, da seine Sätze länger sind als mein gebündeltes, hochkonzentriertes Aufmerksamkeitsvermögen, und auch mein liebstes Familienmitglied (der PC) erweist sich in diesen Zeiten als anstrengender Freund.

Als einzig logische Lösung für Probleme dieser Art, hat der Herr schon vor Urzeiten die linearen Unterhaltungsmedien auf den Weg gebracht, weswegen ich mich auf mein Kanapee fallen ließ und mir die leichteste aller leichtesten Unterhaltungsshows im Fernsehen ansah: „Storage Wars“ auf Sport 1; was auch immer das mit Sport zu tun hat.

In dieser Show werden verlassene Lagerstätten (Garagen, wie man sie aus Filmen oder „Breaking Bad“ kennt) an den Meistbietenden versteigert, ohne dass die Leute wirklich wissen was darin ist. Jede Sendung ist irgendwo auch ein Spiegelbild der Gesellschaft und wenn das wahr ist, ist die USA ein furchtbarer Ort voller stumpfer Wesen, die glauben dass alles was alt ist, auch viel Gewinn einbringt, da sie dem Glauben verfallen sind, dass man nicht richtig arbeiten muss, sondern es braucht nur den richtigen Riecher und Glück, um somit – american way of life – einen höchstmöglichen Gewinn für ein wenig Wagnis zu bekommen. Denn. In fast jedem Lager ist (Überraschung, Überraschung) irgendwas Verstaubtes versteckt, dass unter großen „Ahs“ und „Ohs“ hervorgekramt wird und den Tag rettet, da irgendein blöder (aber sehr kultiviert und handwerklich erfahren wirkender) Sammler oder Verkäufer damit einen „Haufen Geld“ machen kann. Furchtbar bescheuert das Ganze. Und damit sind wir noch nicht einmal bei den abstoßenden Protagonisten selbst angekommen, die dort mehr breit als hoch durch das Bild wanken, nur um sich besonders toll zu fühlen wenn sie ein Lager erstanden haben oder aber weil sie  gerade dem anderen Mitbieter den Preis hochgetrieben haben, was dann wiederum in echten (also eher inszenierten) Handgreiflichkeiten endet. Und das gucken dann so Leute wie ich, die halbdebil von Krankheit gezeichnet sind, oder halbdebil vom Arbeiten nachhause kommen um einmal „abzuschalten“ oder aber in Wahrheit wirklich eher ganz debil sind und so was gerne sehen, während sich ihr Leben selbst nicht abspielt…

Da man sich sowas ja nicht am Stück ansehen kann, scrollte ich an meinem Handy hilflos (fast schon apathisch) auf Facebook herum und sah mir die Posts von irgendwelchen Laras und Lulus an, die ich in Wahrheit kaum kenne (aber doch zu meinen sozialen „Freunden“ zähle), von denen ich nur weiß, dass sie früher gerne auf „normale“ Sachen feiern gingen und jetzt dem großen Techno-Electro-Bum-Bum verfallen sind, wie ich früher auch.

Wir leben in einer Zeit der Selfie-Kultur und da wundert es mich gar nicht, dass die Gesichter dieser einstmals jungen und nicht unattraktiven Frauen durch ein oder zwei Jahre Feierei immer dünner, kantiger und ausgezehrter werden – und die das scheinbar nicht einmal bemerken, auch nicht all die anderen „Liker“ dieser Bilder, diese abstoßend geilen Typen, die keine Frau abbekommen oder nicht an sich binden können, und solche Selfies für mehr benutzen als nur dem blanken Ansehen und gut-finden; die Kommentare unter solchen Bilder haben ja selten was mit einer objektiven Wahrheit zu tun. Und ich denke mir „Mhm.“ Denn ich kann das ja verstehen, diesen Spaß am sich zugrunde richten. Aber mit der Erfahrung des Alters denke ich mir auch: „Schade“.

Die Feierei mit all seinem Spaß ist nämlich auch so eine Art Lagerverkauf. Man verkauft sich selbst an das Vergnügen, an die geilen Erlebnisse auf und neben der Tanzfläche, mit und ohne Drogen, meistens dann aber doch mit viel Alkohol. Feiern ist eine ganz eigene Kultur, die man wie die Menschenopfer zwecks göttlicher Verehrung, zum Beispiel zur Zeiten der Mayas in Lateinamerika, als reinen Wahnsinn abzutun kann, oder aber, man ist Maya, lebt 2000 vor Christus und hat einfach Spaß und Freude an dem Kulturellen Ding, weil es genau den Nerv trifft, den man liebt und mag, denn ja, es ist zerstörerisch, ja, wir werden ein paar Freunde dabei verlieren, aber verdammt noch mal versteht denn keiner was für ein unglaublicher Spaß das Ganze ist?

So wird nach und nach dein ganzes Lager deiner Persönlichkeit leer geräumt. An den Höchstbietenden, wobei man oft nicht weiß ob der Höchstbietende, die treibende Kraft, der anderen oder man selbst ist. Erst kommen die großen, alten, teuren, wichtigen Sachen weg (nicht zuletzt, das ist ein Irrglaube), wofür man sich andere Dinge kauft, die nur auf den ersten Blick etwas schäbiger aussehen. Und nach und nach wird das gesamte Lager leer geräumt bis nicht mehr viel übrig bleibt, außer den Mist den man selbst nicht besonders an sich mag und ein Haufen Make-Up an Lügen, um sich selbst noch ertragen zu können; in den ganz krassen Fällen.

Das ist jetzt gar nicht so schlimm oder fatalistisch gedacht. Normale Leute mit ein wenig Power fangen sich davon auch wieder. Man muss nur aufpassen, dass man das Lager immer wieder schön auffüllt mit anderen schönen Sachen. Und das man es sich nicht von den letzten Vollpfosten und Idioten leermachen lässt, jene, die beim Bieten statt „Hier“, „Boom!“ rufen; das sind die gleichen Deppen, die auf Facebook einen Link für eine Party posten und ebenfalls „Boom!“ drunter schreiben.

Ja, nein. Manchmal muss man das Lager leerräumen, entrümpeln. Sich völlig neu aufstellen. Nur geht es immer um die Art und Weise wie man das macht. Nachhaltigkeit und Qualität ist wichtig. Also lasst euch nicht mit zu vielen Deppen ein. Die von Kultur, Kunst und Liebe keine Ahnung haben, sondern nur einen  möglichst hohen Gewinn daraus ziehen wollen. Die wollen euch einfach nur Ficken (Gewinnmachen) und weiterziehen. Aber das hat mit dem Kern des Lebens nichts zu tun. Und auch nicht mit der Aussage der Feierei.

Facebook

Ich empfinde es als durchaus amüsant auf Facebook einem Journalisten in Berlin zu schreiben (den ich abonniert habe und mit dem ich nicht befreundet bin), der gerade in der Panorama Bar zu Radio Slave nach eigener Aussage total am „RAVEN“ ist und der sich dank Smartphone und den neuen Technologien mit Kommentaren von mir aus dem verdösten Bayern auseinandersetzen muss, während er im hippsten Club der Welt ist und es einfach mal gut sein lassen könnte…
Vlt sollte man das Smartphone einfach mal auslassen 😉

Like wenn du die Teile noch kennst

Klar kenne ich Teile… Ihr auch?

FB_IMG_1432540260594

Doch Spaß mit XTC beiseite: Weshalb sollte ein Vernunftbegabter Mensch auf einen „Gefällt mit“-Button drücken nur weil er Süßkram, Pumuckl oder anderen Industrie-Hype-Quatsch aus der Vergangenheit sieht, etwa, weil der am Ende „melancholische Gefühle“ bei ihm auslöst? Das ist doch mit das Traurigste was es gibt…

Bitte. Lasst das einfach.

Das Verhalten von Frauen auf Facebook

Sieht man sich die Facebook-Chronik von zum Beispiel alten, eigentlich im Kopf längst vergessenen Klassenkameradinnen an, zeigt sich meistens der immer gleiche Verlauf:

Am Anfang sind da viele Bilder wo man glücklich und froh mit dem Freund posiert, worauf (nicht immer, doch häufig) romantisch inszenierte Ehepaar-Fotos von der Hochzeit folgen, bis schließlich ein Kind in das Leben tritt – und plötzlich gibt es kein einziges Foto mehr vom Mann sondern nur noch von Kind und Mutter.
Im Prinzip ist das ein Lehrstück über Psychologie, Liebe und Sehnsüchte: Da läuft doch was falsch.

Kafkaeske Abgründe im Alpenblick Idyll

Die neue Zeit bietet neue Möglichkeiten, neue Aufreger. Vorhin im Bett, kurz nach dem Erwachen, geht der Blick zuerst auf Facebook (wie jeden Morgen – was hat man sich früher denn eigentlich angesehen nach dem Erwachen? Etwa den Kerl neben sich?), auf die Time-Line, oder heißt das Pinwand? Nicht einmal das weiß ich… Nun, diese Übersicht mit den Anzeigen von Freunden und Sachen die man ge-like-de, also abonniert hat und dort sehe ich dass ein Realschulkamerad von mir mit dem ich befreundet bin, hier auf Facebook, den ich jedoch seit Jahrzehnten nicht mehr gesprochen habe, nicht einmal im sozialen Netzwerk, den ich nur einmal getroffen habe, in der Stadt, auf einer Art Kinderstadtfest, wo er neidisch auf meine junge Freundin gegafft hat, während er sein Kind an der Hand hielt, dieser als Vermögensberater arbeitende und von mir deswegen im inneren Karteischrank als Verbrecher und Lügner verortete Mensch, von dem ich nur weiß, wie stolz er auf Facebook darüber ist im Winter nach Kitzbühel zu fahren um dort mit den Reichen und Mächtigen zu Trinken, wahrscheinlich um sich ebenfalls so zu fühlen, um zu glauben, er sei ein Teil von Reichtum und Macht, weswegen ich mich frage, warum man so was sein wollen würde, so ein Steigbügelhalter der Arbeitgebervereinigung, dieser Mann hat nun endlich beim Heimatverein in meiner Heimatstadt bei einer kleinen Fotoserie auf „gefällt mir“ geklickt, da dort der seit einer Weile der bei uns residierende Multimillionär ein Haus im Stadtkern auch meiner Stadt restaurieren ließ, um dort eine Pizzeria zu eröffnen, zu lassen.

Gestern sah ich vor dem Schlafengehen Michael Hanekes Gesellschaftsscherenschnitt „Code: Unbekannt“, jetzt bevor ich anfing zu schreiben und danach sicherlich weiter bis zum Ende, das Standbild der Play Station 3 zeigt den in Wahrheit schon lange verstorbenen Ulrich Mühe schreiend im Schnee, nach Barnabas, werde ich Michael Hanekes Verfilmung des sicherlich einflussreichsten Romans auf mich in meiner Entwicklung ansehen, Kafkas „Das Schloss“, und als ich gerade in den Extras Hanekes und Mühes Worte zu Kafka und seinem Jahrtausendwerk hörte, fühlte ich mich wieder ganz 16 oder 15 Jährig, als ich nichts verstand von der Welt, von Deutschland, vom bayrischen Miteinander, und das kafkaeske Werk mir wie ein Leitfaden schien für eine Welt, in der es viele Leerstellen ob der vielen „Warums“ gibt, auf die es in Wahrheit keine Antwort gibt, sondern nur Gehorsam und Boshaftigkeit – wo ich emotional wieder beim Vermögensberater angekommen war. Beim Vermögensberater und seinem Brötchen-König, dem Millionär, bei dem eine gute Freundin von mir arbeiten durfte (was sonst?) und die ihn und die seinen in guter Erinnerung wiedergab, weswegen ich ihn nicht verunglimpfen will, denn ich kenne den Mann gar nicht. Und eine Pizzeria zu unterstützen ist das Gegenteil von „schlecht“.

Dennoch schlägt sich der Bogen vom Brötchen-König meiner Heimatstadtidylle, der grinsend mit seiner Frau aus der Ortschaft, die zwar seine Tochter sein könnte, dass für mich aber überhaupt gar keine Rolle spielt, wohl aber vielleicht als Metapher von der Kleinstadt in Bayern, hin zum Großbürgertum stehen KÖNNTE, wie die Gruppe also und endlich auf dem bei Facebook geteilten und „Gefällt mir“ gedrücktem Bild posiert hin zum Haneke mit seinem Film „Code: Unbekannt“ unter dessen Eindruck ich gestern einschlief, in welchem es darum geht (meiner Meinung nach) dass die Gesellschaftliche Übersetzung zueinander IN einer Gesellschaft einfach fehlt und man deswegen in großen Missverständnissen, Angst, falsch gemeinter Gutness doch auch Bosheit zueinander agiert, und wie ich endlich den Brötchen-König im Haus mit der neuen Fassade lachend mit Frau und Belegschaft posieren sah, hatte ich das Gefühl eines kafkaesken Moments, da dieses von mir wohlbekannte Gebäude selbstverständlich auch ein Teil meiner Drogen-Fortsetzungsromans hier im Blog mit dem Arbeitstitel und „tag“ benannte „Text zur Nacht“ sein könnte und in was für Paralleluniversen man auf dem bayrischen Land doch lebt, wo die Drogenkaputtness und dieses rotköpfige, Bluthochdruck-Grinsen der Vermögenden Hand in Hand geht und was der Herr Brötchen-König wohl zu der Drogenwahrheit der Kleinstadt sagen würde, diesem Geschwür, dass in lauten Bässen aus Autos und aus 2-Zimmer, Küche, Bad hier aus dem Mittelbürgerlichen Untergrund hervor wummert.
Ob man das nicht sehen will, oder, ob darüber überhaupt nachgedacht wird, wir sind hier SO SEHR Idylle, dass es so etwas hier gar nicht geben sollte, ja, ob der Heimatverein auf dem Auge blind ist oder sich blindstellt und der Verein eben nur zur Heimat erklärt, was ihm in den Kram passt, nämlich die Idylle, nicht die Wahrheit des sich chemisch verbesserten Wegschießens, dass ich viele Jahre so geil und wirklich fand, so geil sogar, dass dieses Feierleben zu MEINER Kultur geworden ist, auch zu meine Spiegelbild meiner Heimat, wo unter der Hand alles zu bekommen war und was wir so auch gut und toll fanden. Damals brauchte es hier auch noch keinen Brötchen-König und die Stadt sah langweilig und kaputt aus, doch nur für all jene, die nicht wussten an welche Tür man klopfen musste um Zutritt zur Zauberwelt zu bekommen. Das meine ich ganz ernst: Meine Jugend hätte man vergolden sollen. So toll war das.

Sollte ich eines Tages wirklich so ein wenig Erfolg haben mit meinem Büchlein über Drogen (was ein Traum ist, vlt auch ein Albtraum) würde ich nicht müde werden zu betonen, WOHER ich komme, wie das Kaff heißt und wie kaputt und verlogen das Ganze ist – während der Heimatverein mit seinem Brötchen-König sicherlich und ganz bestimmt alles leugnen würde, weil man sich die schöne heile Welt gut und daherredet so wie man sie sehen will, in purer Verachtung der Wirklichkeit und der Tatsachen, wie sie vorhanden sind. Einen Lügner würde man mich nennen. Und ich sie ebenso.
Der gesellschaftliche Kommunikativ zueinander wäre eben jener unbekannte Code. Kafkaeske Abgründe im Alpenblick Idyll. Welches da ist – und doch nicht.