Stereotyp – 2 – Nietzsches Drogen hatten längst zu wirken begonnen

Paul verließ seinen Sitzplatz und holte sich an der Bar von einer mit silbernen Glitzer im ganzen Gesicht bestückten und geschminkten Transfrau unbestimmbaren Alters ein „Bio-Bier“. Nach dem ersten Schluck aus der Flasche konnte Paul zwar nicht herausschmecken was an diesem Bier „Bio“ sein sollte, um jedoch nicht aufzufallen stellte er keine Frage nach der Andersartigkeit dieses Bieres zu anderen Bieren und gab dafür der Transfrau einen vollen Euro Trinkgeld. Überraschenderweise freute sich die Dame über das Trinkgeld so sehr, dass es Paul schon wieder leidtat es gegeben zu haben. Scheinbar war es in diesen Hippie/Hipster-Kreisen alles andere als normal mehr für andere auszugeben, als nötig.  Irgendwie war es gar nicht so einfach in so einem Club nicht aufzufallen. Wenigstens wenn man so auftrat die Paul. Zwei Räume und einen Pulk von lachenden, schwatzenden und lauftanzenden Menschen später, machte er an einer mit grünem Flokati überzogenen Sitzecke halt und setzte sich abermals zu den Techno-Raver-Leuten. Es war nicht mehr ganz so laut wie an dem Platz mit dem Kachelofen, so dass auch die Technoschrei-Affen sich viel weniger anschrien als gerade eben. Der Bass wummerte nur dumpf abgeschirmt durch die dicken Wände vom Nebenraum her. Paul nahm einen Schluck von seinem Bio-Bier; der Gerstensaft tat ihm richtig gut. Vielleicht war es nicht die klügste Idee sich hier und jetzt in der „Wilden Barbara“ zu betrinken. Doch das Bier half ihm trotzdem den Stressdruck auf seinen Kopf zu vermindern. Wie lange müsste er wohl hierbleiben? Missmutig sah Paul umher. Die Techno-Raver würden sicherlich noch mindestens bis Montagmittag durch die Räume der „Barbara“ stolpern. Zeit hatte Paul also genug. Es erzeugte ein sehr ironisches Gefühl in ihm sich geradehier vor der Polizei zu verstecken, denn bis vor 5 Stunden hätte er noch über die als von einigen als „geschützten Räume“ bezeichneten Techno-Clubs Berlins gelacht. Dem zum Trotz war durch die Geschehnisse dieses Tages die „Wilde Barbara“ für ihn zu einem ebensolchen geschützten Zufluchtsort geworden. Darauf gab er sich noch einen Schluck Bio-Bier. Auf die Ironie. Auf Berlin.

„Wusstest du, dass Ungarn die meisten Pornodarsteller pro Millionen Einwohner hat?“ Die Frage galt nicht Paul, auch wenn der Kerl rechts neben ihn Paul angesprochen hatte und ihn dazu ansah. Tatsächlich sprach der Kerl mit Bürstenhaarschnitt und einem tatsächlichen Friedrich Nietzsche Oberlippenbart mit der Dame, die eine Sitz-Etage hinter Paul saß, doch da der Nietzsche-Bart-Träger durch seinen offensichtlichen Zustand nicht mehr fähig war sich mit seinem Körper ganz zu ihr umzudrehen ohne von der Sitzecke zu fallen, blickte er dafür im Austausch Paul an. Nietzsches Drogen hatten längst zu wirken begonnen.

„Sollen wir?“ Paul machte mit seinen beiden zwei Zeigefingern eine Tauschgeste auf sich und die junge Frau hinter ihm, worauf der Kerl mit Nietzsche-Bart nur den Kopf schüttelte:

„Ich glaubäää… Die Annalena macht eh gerade Pause.“ Dabei kniff der verstrahlte Technodepp die Augen zusammen um die genaue Situation bei seiner Freundin zu entschlüsseln. Auch wenn er sie sicherlich weder aus diesem Winkel, noch mit diesen Augen, erkennen konnte.

Paul überlegte eine Sekunde lang, in welcher er den Kopf ein paar Zentimeter in Richtung „Annalena“ wendete, ob er sich zu der Frau umdrehen sollte. Dann beließ er es doch dabei. Lieber nahm er noch einen kräftigen Schluck aus der fast leeren Bierflasche.

„Wusstest du?“ fragte der Typ von rechts. Paul ignorierte den Nietzsche-Kerl mit seinem offensichtlichen Laber-Flash, bis Nietzsche schließlich mit seinem Gesicht so nah an Paul herankam, so dass dieser den jenen nicht mehr ignorieren konnte und der Kerl die Frage einfach noch einmal wiederholte: „Wusstest du?“

„WAS! Weiß ich?“ Paul hatte Nietzsche immer gehasst. Wieso konnte die Welt ihn nicht einfach in Ruhe lassen? War der Tag denn nicht so schon schlimm genug? Mussten die banalen Leben der anderen immer aus ihren Mündern sprudeln? Konnte denn keiner sehen, wie scheiße es Paul gerade ging?

Der Typ grinste ihn an: „Wusstest du das Lewandowsko 90 Prozent aller Tore beim Fc Bayern schießt? Hä? Wusstest du?“
„Nein! Ich habe es nicht so mit Fußball.“

„Ist aber so. Weißt du? Und ich denke mir… Ja… Ich denke mir. Ich meine“, der Typ kramte eine Zigarette hervor und bot auch Paul eine an, der mit einem Auch-schon-egal-Gesichtsausdruck die Fluppe nahm und diese sich von dem Kerl anfeuern ließ, „was ich meine. Ist“, fuhr der Nietzsche-Kerl fort, „WARUM bricht dem Lewandosko keiner die Beine? Verstehst du? Ich meine. Im Fußball steckt so viel Geld! Hat der irgendwie so Personenschützer? Ich meine. Wenn man dem die Beine bricht, wer schießt dann die Tore für den FC Bayern? Und. Ich meine. Wo würden die dann in der Tabelle stehen? Da geht es doch um MILLIONEN! Ich meine. Ist doch krass. Neunzig Prozent aller Tore! So viel Geld! Wettmafia! Champions League!“

Und weil es Paul egal war nickte er nur und sagte: „Ja. Das hast du schon recht.“ Darauf nickte der andere Kerl auch nur. Wohlwissend jemand gefunden zu haben, der ihn verstand. Die beiden rauchten. Währenddessen zogen die jungen Leute schreiend und tobend an ihnen vorbei. Viel weniger wild und hedonistisch wirkend als sie sich in diesem Moment selbst gerade fühlten. Mit ihren Bieren in der Hand und den chemischen Substanzen in der Nase. Dazu die gängigen klischeehaften Instagram-Bilder über sich und dieser Welt im Kopf, die ihnen vorgaben wie sie diese Welt zu sehen und zu erleben hatten. Alle Leute hier waren offensichtlich mit den gleichen Wünschen aufgeladen, die nur vom eigenen Sex und Erfolg handelten. Und ebenso sehr wie sie sich danach verzehrten, verleugneten sie ihre eigenen Triebe den anderen Menschen gegenüber. Dies hier, war die Hippie-Hölle. Die dunkle Seite des Mondes. In der jeder sich selbst vorgaukelte nach einer subjektiven, persönlichen wie allgemeinen Freiheit zu streben – um am Ende nur zu wollen, was jeder erstrebt. Das war weder schlimm, nur menschlich. Jedoch unendlich langweilig. Eine Jugend im Swinger-Club. Und wenn sie dann erwachsen wurden, wollten sie gerade deswegen das Haus am See. Wenigstens hatte Paul so immer über diese Berghain-Trottel gedacht. Die „Wilde Barbara“, die nach Jane Fonda in „Barbarella“ benannt war, füllte sich mit jeder Minute mit noch mehr glücklich grinsenden Jugendlichen. Die ausgelassene Stimmung der einfachen Leute strömte regelrecht in die für sie heiligen Räume. Selbst Paul konnte fühlen, wie sich der Club mehr und mehr mit weltvergessener Euphorie und bedingungslosem Feierwillen auflud. Überall waren Männer, Frauen, Musik; Hände, Gläser, Gelächter. Alles war und schien in Bewegung und konnte nicht die Finger voneinander lassen.

„Und frohen Jahrestag!“, lachte ihn der Kerl mit dem merkwürdigen Bart plötzlich euphorisch an, nachdem der sich kurz um seine Freundin Annalena gekümmert hatte. „Ja dir auch!“ lächelte Paul den Typen verkniffen an, der ihn darauf gleich herzlich und warm umarmte. Darüber musste Paul tatsächlich Lachen. So weit weg war die Welt dort draußen für ihn inzwischen schon. Die Bahn. Die Bullen. Die Hunde. Vielleicht ein Hubschrauber… Es war doch eh schon alles egal. Egal und unabänderlich. Was das Gleiche war… Nun war er hier. In Sicherheit.

„Deiner Freundin“, meinte Paul mit dem rechten Daumen nach hinten. „Geht es der gut?“

„Ist nicht meine Freundin! Sie ist meine Schwester!“

„Ah, okay? Geht es der gut?“

„Sie ist meine Schwester!“ brüllte der Schreiaffe und schüttelte dabei dumm seinen Kopf hin und her.
Darauf musste Paul wieder Lachen, diesmal sogar ehrlich. Vielleicht waren diese Techno-Clubs gar nicht mal so übel wie er immer gedacht hatte. Wahrscheinlich war es in diesen Zeiten gar nicht einmal die schlechteste Wahl vor der Wirklichkeit in die Drogenbeseelte Dummheit dieser Szene zu fliehen, um einfach nur zu Tanzen und Schwachsinn daherreden. Und wenn Paul irgendwo sicher vor der Polizei sein sollte, dann sicherlich an solch einem Ort. Weiß Gott: Es bestand sogar die Möglichkeit, dass ihn vorhin niemand gesehen hatte. Schließlich war Paul mindestens eine, wenn nicht zwei Stunden lang danach in der Schlange vor der „Wilden Barbara“ gestanden, um sich in der Menge zu verstecken. Zur Erinnerung: In diesen Clubs werden am Eingang sogar die Handykameras abgeklebt! Sogar Mark Zuckerberg musste draußen bleiben. Was sollte Paul jetzt noch passieren? Dass was geschehen war, konnte er ohnehin nicht mehr rückgängig machen.  Vielleicht brauchte er nur ein weiteres Bier. Und noch eines. Und noch eines. Und noch… Immerhin hatte er es bis hierhin geschafft. Auch wenn… Paul stellte sein leeres Bier auf den Boden, zu seinen Füßen. Für ihn hätte es schlimmer kommen können. Er nickte unbewusst ein wenig zu dem stumpfen Techno-Beat mit, der nicht aufhören wollte durch die Wände zu wummern. Hier und da fiel ihm eine hübsche Frau auf. Klar. Das alles war immer noch saublöd, hier. Aber. Wer nicht draußen ist, ist drinnen.

„Wir sind ja ewig angestanden“, laberflashte der Nietzsche-Imitator ihn wieder mit seiner nassen Aussprache voll.

„Ja, ich auch. Normal“, gab Paul zurück.

„Ja ne! Anna… Lena… Und ich waren fast drin. So richtig fast drin. Ganz vorne. Nur noch die Security-Schranke. Dann kamen die Bullen zu den Türstehis. Und dann war erst mal zu. So direkt vor uns. Ich meine. Da haben wir zwei richtig Pech gehabt. Halbe Stunde! Halbe Stunde noch mal. Standen wir da. Man kann schon richtig Pech im Leben haben. Ich meine. Wir waren ja fast drin.“

Paul wurde es schlagartig eiskalt. Die Welt zog sich ebenso zusammen wie seine Brustkorb. Ebenso wie seine Kehle. Er hielt die Luft an und japste mit dünner Stimme: „Was wollten die Bullen denn?“
„Ach!“ gab Nietzsche angewidert zurück. „Nix wichtiges. Bullenzeug. Suchten halt irgend so einen… Deppen. Irgendwas mit nem Zug. Wohl da hat sich… Da hat sich wohl irgend so ein Idiot vor den Zug geworfen. Meine ich. Irgendwo. So ein Kerl.“

Pauls Bewusstsein erinnerte sich mit einem Mal an den Schock, den er vor ein paar Stunden erlitten hatte. Noch einmal fühlte er den Aufschlag. Dieses dumpfe Klatschen, welches die Bahn erzeugt hatte, was sich ganz anders anhörte, als in einem Film. Durch die Erzählung des Nietzsche-Typen war es für Paul so, als würde die Zeit mit einmal stehen bleiben. Die Techno-Raver froren in ihren Bewegungen auf den Flokati-Bänken und im schummrigen Flur ebenso ein, wie die Musik aus den Boxen und das Licht aus den Computern. Selbst Pauls Herz verkrampfte sich, als wäre sein Herz eine Schallplatte und eine große, böse Hand Dämonenhand hätte sich auf den Plattenspieler des Lebens gelegt um mit dem erwartbaren dumpfen, stöhnenden Geräusch die Platte anzuhalten. Ein Horrorgefühlmoment der ganz besonderen Klasse. Die Welt stand still. Und es tat weh.

„Wer hat sich vor den Zug geworfen?“ war Pauls Frage, als er wieder die Kontrolle über sich zurückgewann und seine innere Schallplatten jaulend wieder anlief. Viel schneller und hektischer als noch gerade bevor sie gestoppt wurde. Sein Herz raste.

„Keine Ahnung“, Nietzsches Hände nahmen die Ahnungslos-Haltung an. „Weiß nicht. Ich meine. Niemand kennt seinen Namen.“

Paul stand im gleichen Moment auf, wie die Panik aus seinen Fingerspitzen gleich einem Stromschlag in seinen Kopf schoss. Die Raver-Welt längst wieder aus ihrer Starre gelöst. Es war laut. Hektisch. Unübersichtlich. Wild. Und… Dumm. Und in diese dumme, laute Wildheit der „Wilden Barbara“ sagte Paul zu sich und zu niemanden anderen in den Krach des Planten „Barbara“ der ihn umschlossen hielt: „Ich kenne seinen Namen.“

Dies ist die Geschichte von Paul Fleming. Tatsächlich beginnt seine Geschichte weder an diesem Tag, noch wird sie hier enden. Ebenso wenig ist Paul Fleming sein echter Name.

Entwurf vs. endgültiges Cover „Verlorene Jungs“

Vor einem Jahr habe ich lange überlegt für welche Version des Covers ich mich entscheiden soll. Im Endeffekt wurde es dann die untere Ausgabe, da mir die obere als zu dunkel erschien.

Ich mache meine Cover nicht selbst, sondern lasse sie von einer Freundin einer Freundin anfertigen, die ich auch nur über das Telefon und Whatsapp kenne. Bei dem Thema Malerei und Gestaltung, bei dem ich selbst nicht fähig bin etwas brauchbares zu produzieren, muss man meiner Meinung nach auch die Zügel aus der Hand geben können. Mir war von vornherein klar, nicht genau das Ergebnis zu bekommen würde, wie ich es im Kopf hatte. Diese Freundin einer Freundin fertigt auch größtenteils Cover und Designs für Kinderbücher an – was man dem Cover von „Verlorene Junge“ auch stark ansieht. Dennoch hat sie sich gut an meine Vorgaben gehalten und ich bin sehr zufrieden. Auch wenn das Cover viel braver aussieht als das Buch tatsächlich ist.

Ich wollte eine ein wenig an van Gogh angelehnte Kleinstadt bei Nacht, über die Ecstasy-Tabletten wie Monde schweben (deswegen ein Herz, ein Halbmond, eine Sonne auf den Monden). Leider nur erkennen den Ecstasy-Vergleich die wenigstens Betrachter. Das ist einerseits ärgerlich, andererseits wollte ich keine zu platten und offensichtlichen Drogen-Abbildungen auf dem Buchumschlag. Eine Art künstlerischer Wert war mir wichtiger, als ein sofortiger „Ja eh“-Moment.

Sowieso würde ich es jedem einmal empfehlen einer wildfremden Person am Telefon zu erklären, dass man gerne Monde aus Ecstasy auf seinem Cover hat. Sie wusste nicht einmal wie Ecstasy aussieht. Das löste eine mega peinliche, wie ebenso lustige Gefühlsreaktion bei mir auch. Und auch sie hat herzlich gelacht. In ihrer Welt kommen Menschen wie ich nicht vor.

Mein Techno- und Drogen-Roman „Verlorene Jungs“ ist weiterhin umsonst auf Bookrix und in vielen anderen eBook-Shops über diesen Link hier erhältlich.

Stereotyp – 1 – Techno ist etwas für Idioten

Am „Jahrestag der Gründung der vereinigten Staaten von Europa“, befand sich Paul Fleming in einem Technoclub. Ausgerechnet Techno. Paul hatte diesen Techno-Raver-Unsinn schon immer gehasst.  Diese furchtbare elektronische Nicht-Musik, die von allen, die sie „abfeiern“, auch nur mit bewusstseinsvermindernden Drogen ertragen werden kann. Wenn man sich den unmündigen Bürger einmal zugute führen wollte, musste man nur in einen Techno-Club gehen und sich die Gesichter dieser Wohlstandskrüppel zu Gemüte führen. Mit ihren panisch starrenden, schlicht wahnsinnigen Augen. Den sinnlos mahlenden Kiefern. Und ihrer verschwitzten, pickeligen Haut. Manche Menschen trugen ihren Charakter tatsächlich im Gesicht.  Von dem Unsinn, den diese Unmenschen von sich gaben, einmal ganz zu schweigen. Denn wenn sie nicht wie selbstverliebt geile Roboter stakkatohaft tanzten, erbrachen sich die „Raver“ aufeinander mit ihrer ekelhaft feuchten, brülllauten Aussprache. Ganze Sturzbäche von geistiger Galle spien sie sich ständig gegenseitig in ihre Gesichter. Ohne Luft zu holen. Ohne nachzudenken. Doch wohin hätte Paul in so einer Situation in Berlin auch sonst gehen sollen?

„Bumsvoll“ war der Laden. Diesen Ausdruck hatte einer dieser Techno-Schreiaffen vorhin Paul gegenüber gebraucht, was der nur fade lächelnd abgenickt hatte. Diese verdammten Feiertage. Es war so schon schlimm in diesen „Läden“, wie die Techno-Affen ihre Clubs nannten, an den Feiertagen war es nur noch umso schlimmer. Paul konnte vor lauter Touristen kaum die Hand vor den Augen sehen. Dann hatte der dumme Techno-Schreiaffe noch zwei, drei weitere Male auf die Bumsvolligkeit des Ladens hingewiesen. Er schrie Paul weiter an, was für eine furchtbare Situation das sei in den Berliner Technoclubs.  Vor lauter Bumsvolligkeit traf man kaum mehr normale Menschen, also ECHTE Berliner in den angesagten, also guten Läden. Da müssten Typen wie er und Paul doch ein kleinwenig zusammenhalten, lachte und spuckte der Typ weiter. Paul. Nickte dem schwitzenden, stierenden Kerl einfach nur zu. Denn ganz egal wie furchtbar sich dieser Techno-Raver-Unsinn für ihn anfühlte: Draußen, im Vorher seines Lebens war es noch viel furchtbarer gewesen. Was konnte es da schaden mit einem ihm wildfremden Kerl via Jägermeister Bruderschaft zu trinken? Der Jägermeister riss Paul die Augen auf. Der Fremde lachte ihn brüderlich an. Klapste ihm auf die Schulter und frohlockte lachend: „Geht doch!“

Der Laden in dem sie sich befanden und in welchem sich die Menschen wie Kälber in einer Schlachtanlage drängten, hieß „Wilde Barbara“. Die „Wilde Barbara“ entsprach der dritten Generation von Techno-Clubs.  Nach den verbotenen illegalen Raves und nach den danach legal angemieteten Industriehallen, waren ganze, ehemalige Wohnhäuser das neueste Dinge in Berlin. Es gab nicht mehr den Hauptfloor mit dem Main-DJ. Im Jahre 2015 war auf jedem Stockwerk, in jedem Raum Party angesagt. Überall wurde gefeiert und so etwas Ähnliches wie getanzt. Alles war durchzogen mit dieser Mega-Underground-Berlin-Attitüde, die sich durch abgeklebte Handykameras und verrücktes Level-Design der einzelnen Locations wiederspiegelte. Jeder Raum musste als Event ein wenig aus dem Rahmen gefallen erscheinen, ohne allzu sehr zu irritieren. Da stand dann also ein alte Leute-Sofa und -Tisch neben einer Art Kachelofen in einem Folterkeller, dafür hingen die Klischee-Gittern und -Ketten an den Wänden. Dazu lief monotoner Minimal-Sound oder angesagter House von einem jedem Anwesenden unbekannten DJ, der gerade durch seine Unbekanntheit in diesem Räumen den Spirit eines Weltklasse-DJs anhaftete, ganz gemäß dem Berliner Motto: Hauptsache Underground – nur nicht zu berühmt sein. Die Besucher, die im gefühlten Alter von 18 bis 88 waren, saßen auf dem Sofa, dem Tisch und auf dem Kachelofen herum, schrien sich gegenseitig an, lachten ein Lachen, dass wegen der Druck aus den Boxen nirgendwo ankam und zeigten sich gegenseitig auf ihren Smartphones Bilder von Ecstasy, welches sie gerade im Begriff waren zu kaufen oder vor einer Stunde, fünf Tagen oder zwei Jahren gekauft hatten. Was diese Techno-Haus-Clubs nun von Großraumdiskos mit mehreren Floors und Sangria unterschied, konnte Paul beim besten Willen nicht erkennen. Er war aber weiß Gott auch nicht die Zielgruppe dieses Drogenlochs, in der nun schon zum zweiten Mal ein Rudel von halbnackten Feuerschluckern durch die Gänge zog und warme Luft verbreitete. Paul sollte es recht. Dies. War genau das, was er jetzt brauchte. Hier war jeder so sehr mit sich selbst beschäftigt, dass ihn sicherlich keiner wiedererkennen würde. Ob er Ketamin wolle? Er mit ihm, da drüber auf der Toilette? Sein neuer „Freund“ geiferte ihn an. „Nein danke.“ Dass waren die ersten Worte, die Paul Fleming in diesem Laden von sich gab, und doch fasten sie alles was er sah treffend zusammen. Sein Schreiaffen-Freund stand auf und verschwand „auf Toilette“. Währenddessen schwang sich ein etwa 20 Jähriger Kerl mit Hippster-Bart und roten Haaren voller Bartwichse auf die oberste Stufe des Kachelofens, zog sein Shirt aus und brüllte etwas unverständliches in die leicht amüsierte Menge, bevor er fast umgehend vom Ofen abrutschte und Kopfüber auf den Boden knallte. Vermutlich hatte ihm ein Reiseführer-Vlog so ein Verhalten in einem Berliner Technoclub nahegelegt. Hashtag: Echtesberlin. Die Raver dankten es ihm mit hämischen Gelächter. Paul schüttelte nur den Kopf und dachte an die Worte seines Freundes Niti: „Wenn der Erfolg den wenigen Recht gibt, gibt der Misserfolg den vielen Unrecht.“

Bemerkenswert

Die Bücher „Absolution“ und „Verlorene Jungs“ von Paul Fleming umsonst in ihrem eBook-Shop

Dies ist ein am Seitenanfang fixierter Beitrag.

Die Bücher sind ganz einfach in eurem eBook-Shop frei zum Download erhältlich (außer via Amazon, da Amazon keine Bücher für 0 Euro anbietet) – oder noch schneller über mein Bookrix-Profil, welches ihr über diesen farbig markierten Link anklicken könnt.

Ich habe mich für die „Umsonst-für-alle-Variante“ entschieden, da eh nicht viel Geld für mich dabei herausspringt und ich lieber gelesen werde, als mehr schlecht als recht 10 Euro im Monat damit zu verdienen. Etwas zu verschenken fällt schließlich keine Aussage über die Qualität des Geschenks.

Viel Spaß damit!

Absolution 50 – Sex wie Liebe

Wo bist du mit deinen Gedanken, Paul?“

Kathas Kopf lag ruhig auf Pauls nackter Brust. Ihr lockiges, braunes Haar wogte sachte im Takt seines Atems.  Das Fenster stand offen. Der Rollladen war von Paul soweit herabgelassen worden, dass er genau nicht die Unterseite des Fensters verdunkelte. Von außerhalb des Gebäudes brandete das gedämpfte Gelächter aller Wahrscheinlichkeit nach, spielender Kinder an. Ihre Sorglosigkeit klang naiv und frei, gleich Wellen, die nach einer langen Reise durch die Ozeane dieser Welt letzten Endes spielerisch an Land schwappten.

Paul streichelte verträumt mechanisch mit seiner linken Hand sanft über Kathas entblößten Rücken. Ihre Haut war perfekt und straff. Hier und da ein Leberfleck oder ein anderes Alleinstellungsmerkmal, die jeden Menschen zu einer perfekten, einzigartigen Schneeflocke formen.

„Woran soll ich denn denken?“

Sie lagen in seiner Wohnung. In seinem Bett. Eng aneinandergeschmiegt. Nackt. So nah, wie sie sich zwei Menschen nur sein können. Ihre Blicke hingen sorglos verloren am weiß gestrichenen Mauerwerk von Pauls Wohnung. Mal schlossen sie die Augen. Mal sahen sie sich an, ohne sich in ihre Gesichter blicken zu müssen.

„Ich merke doch, wenn du…“

„Wenn ich was?“
„Wenn du abwesend bist.“

Ein kurzer Moment der Stille trat ein. Selbst die Kinder, irgendwo im Hof vor dem Haus holten kurz Luft. Dann:

„Tatsächlich habe ich mich schon seit langer Zeit nicht mehr so sehr in einem Moment gefühlt, wie jetzt.“

„Ja aber… Manchmal… Da bist du wie… Wie weg…“

Paul seufzte Tonlos. Sein rhythmisches Stricheln wurde unterbrochen. Gern hätte er nun in Kathas Augen geblickt. Fast hätte er sie zart an ihrem Kinn berührt, ihr Gesicht zu dem seinen gezogen, sie geküsst und ihr versprochen, dass alles gut sei. Doch er beließ es dabei. Denn zu schön war dieser Moment. Hier im Bett. So aneinander geschlungen. Denn solche Momente. Solche Nähe. Solch ein Glück. Können dir die Drogen nicht geben. Keine Phantasie. Kein Kick. Keine Abfahrt. Diese Momente. Ehrliche Augenblicke. Erschienen Paul als außerordentlich selten in einem Menschenleben. Dies hier waren die Momente, bevor die Liebe zueinander ausgesprochen wurde. Bevor alles unwiderruflich den Bach hinuntergingen. Dies hier. War Liebe. Auch wenn weder Paul noch Katha sich darüber im Klaren waren, ob sie den anderen wirklich…

„Es passiert viel… Durcheinander…“

„Was denn?“

„Ach… Lass doch mal gut sein.“

Eine Pause entstand. Noch kein Moment der Distanz. Ein Luftholen, in welchem Paul kurz in sich hineinfühlen musste, wie weit er bereit war für Katha die Türe zu seinem Selbst zu öffnen.

„Weißt du“, fuhr er dann schließlich fort, als seine Finger wieder über ihre Haut tanzten. „Da ist diese Geschichte mit dem Fettsack und Chris. Da wurde was an die Scheiben des Bosporus geschmiert.“ Paul erzählte die Story von Chris und Fettsack, denn die Geschichte von Ylva konnte er unter keinen Umständen erzählen. Auch. Wenn sie sich langsam ebenso echt anfühlte, wie die Probleme seines Freundes Fettsack. Paul wusste durch die Jahre seiner Drogensucht, dass die beste Lüge nicht die war, die Wahrheit verfälscht darzustellen. Dabei verstrickt man sich mit der Zeit nur immer wieder und weiter in Widersprüche. Nein. Katha war schließlich nicht Pauls erste Freundin. Die beste Lüge besteht darin, wenn man der Frage ausweicht und einfach über einen ganz anderen Sachverhalt spricht.  Ein klassisches Ablenkungsmanöver.

„Ich hab keine Ahnung ob er wirklich was mit Sarah hat.“ Katha drehte sich etwas herum und sah Paul von seinem Brustkorb aus an. „Sie hat mir nichts davon erzählt. Wieso auch? Sarah war schon immer ein wenig…“ Katha lächelte. In Pauls Augen deswegen, da sie zu nett dafür war über Sarahs Lebenswandeln zu urteilen. Oh wie gütig und brav Katha doch war. Und dass zu einer Frau wie Sarah, die Katha in ihrer Abwesenheit oft nur herablassend in Bezug auf ihren Job als „die Fleischfachverkäuferin“ betitelte. Brave, schöne, perfekte Katha. Pauls Erektion kehrte schlagartig zurück. Wie konnte er nicht verrückt nach ihr sein?

„Auf jeden Fall kann Chris das mit dem Bosporus nicht gewesen sein.“
„Und? Warum nicht?“
„Weil er mit Koji und mir unterwegs war.“

Paul sah sie abschätzend an. Worauf Katha gespielt genervt die Augen verdrehte. „Der Kumpel von Miguel. Du weißt doch.“

„Der uns damals die Mitsubishi-Teile vertickt hat.“

„Na ja… SO kann man sich die Leute auch merken… Aber ja.“

Katha strahlte ihn an. „Also kann der Chris das nicht mit der Fensterscheibe gewesen sein.“

„Da bin ich jetzt aber baff. Hefig. Irgendwie… Ich war mir so verdammt… Und was haben du, Chris und Koji in der Nacht gemacht?“

„Na was schon?“ lachte sie ihn überzogen albern an. „Ich hab mit Beiden gefickt!“ Worauf sie ihn auf den Mund schmatzte und sich lachend von ihm abwand und unter der Bettdecke versteckte „Blöde Kuh“, schmollte Paul eine Sekunde lang, bevor er damit begann seine vor Freude kreischende Freundin aus der Decke zu wühlen und sie von hinten durch zu kitzeln. Der Rest war atemloses Gelächter, der ziemlich schnell in atemlosen Sex überging.

Erschöpft lagen sie danach wieder zusammen. In Löffelchen-Stellung. Während draußen vor dem Haus die Kinder nicht müde wurden zu Lachen. Das mit Chris waren gute Nachrichten, dachte Paul für sich. Vielleicht sollte er sich mehr mit Katha unterhalten.  Und am Ende würde alles gut werden. Und hauptsächlich sollte er sich weniger Gedanken über die Probleme anderer machen. Im Moment waren die wichtigen Dinge im Leben gefragt. Und zwar. Wo und was er und seine Freundin gleich zu Abendessen sollten. Vor solche Dinge sollte das Leben gemacht sein.

Absolution 49,5 – Alles wieder auf Anfang?

„Also alles wieder auf Anfang…“

„Kommst du noch mit zu mir?“
„Ins Bosporus? Klar… Warum?“

„Das Übliche.“

„Das Übliche“ bestand wie zu erwarten aus dem Einatmen von Kokain. Obwohl er relativ oft mit dem Fettsack kokste, kamen sich die Beiden in der dadurch erweckten Geistesfassung selten näher. Selten war Paul so gefühlskalt wie auf Kokain. Und immer. Immer wurde der Fettsack auf dem Zeug geil. Seine Finger tappten dann geheimnisvollen Mustern folgend über sein Smartphone. Schrieb er seiner Frau? Wo war die überhaupt? Hatte die irgendwer noch einmal gesehen? Gab es die noch? Oder schrieb er vielleicht Sarah? Oder sonst wem? Und warum musste der Fettsack die Frau vom Baader so krass anpacken? So richtig tief sein. So richtig tief… Was lief hier eigentlich im Genauen? Jedoch. Es interessierte Paul in dem Ausmaß, in dem es ihm egal war. Sein Mund öffnete sich ein paar Mal in dem Versuch seine Fragen zu formulieren – er ließ es dann doch lieber wieder sein.  Das Kokain verschluckte seine Gedanken. Auch schon egal. Er konzentrierte sich lieber darauf Katha eine Whatsapp mit vielen küssenden Smileys zu schicken. Und auf die nächste Line.

Vitali und Vladimir. Die beiden Klitschko-Stuntdoubles. Waren gar nicht erst mit Hinaufgekommen. Dafür war Bobby noch aufgetaucht. Und es wurde geredet. Über die Aktion von geradeeben. Und sonst eh irgendwie alles. Eine Szene wie auf Valium.

Bobby beglückwünschte Paul zu seiner Beziehung zu Katha. Was Paul peinlich war. Während der Fettsack Paul schon wieder davor warnte, dass Frauen einen nur kontrollieren wollen. Frauen seien nur da, um hart gefickt zu werden. Das ist nun mal so. Und Paul dachte an Sarah. Und er dachte an Chris. Und an eine Fensterscheibe, die eingeschlagen wurde.

„Am besten in den Arsch. Damit sie wissen wo der Hammer hängt.“ Dabei drehte sich der vom Koks wie ein Irrer schwitzende Fettsack einen Long-Paper-Joint. Paul und Bobby sahen sich zweifelnd an. Und ohne dass sie es aussprechen mussten, wunderten sie sich darüber, was aus ihrem Freund Fettsack geworden ist. Aus diesem Typen. Der immer so gerne gelacht hat.

Dann begann Bobby coole Scheiße zu erzählen.

Und Katha.

Schickte Paul ein GIF zu. In dem zwei Katzen miteinander kuscheln.

Absolution 49 – Ansage an die Konkurrenz

Der Fettsack bahnte sich wie ein geisteskranker Pac-Man seinen Weg in das Haus: Immer den Gang entlang. Scheinbar hatte er keine Ahnung wohin er musste, das „body count“-Kommando hinterher. Die Frau – vermutlich die Hausherrin – wurde auch von Paul sofort hinter sich gelassen, dabei schenkte nur er ihr ein entschuldigendes, leicht peinlich berührtes Lächeln. Vielleicht war dieses Lächeln sogar der Grund, warum die Frau noch einen weiteren Moment zögerte, bevor sie wie irre zu Schreien begann. Ein, zwei falsche Abbiegungen und dunkle, ideenlos normal eingerichtete Räume später, fand der Fettsack die Person die er suchte, der Hauptgrund und Mittelpunkt ihrer abendlichen Aktion: Den Baader. Und obwohl Paul den Herren Baader noch niemals jemals irgendwo bewusst gesehen hatte, weder auf der Straße noch in der Zeitung, klingelte es jetzt in seinem Kopf, um welchen Kerl es sich hier in Fettsacks Kopf drehte. Der Typ war der Besitzer der „Metzgerei Baader“, einem kleinen Konkurrenten des Fettsacks-Imperiums. An normalen Tagen wäre der kleine Leberkäspanscher für Fettsack nicht einmal der Rede wert gewesen, außer es ginge um miese Qualität und verfettete Produkte, schlechte Haltung; was man nun einmal so über die Konkurrenz so behauptet. Paul fand die Wurst vom Baader aber auch nicht so geil. Tatsächlich viel zu fettig. Jedoch war Paul auch klar, dass es hier nicht mehr nur um die Wurst ging. Jetzt ging es um Alles.

Der Baader machte das, was die meisten Deutschen ohne bewusste Probleme an einem Mittwochabend taten. Er saß in seinem Wohnzimmer vor der Glotze und aß. Ein halbes Hähnchen mit Kartoffelsalat. Der ganze Raum roch danach. Schön würzig. Vielleicht war der Baader doch nicht so ein schlechter Metzger wie der Fettsack immer behauptete. Auf das anstürmende „body count“-Kommando reagierte er ebenfalls so, wie man es von den meisten Deutschen erwarten konnte. Er sank erschrocken in sein eigenes Sofa und war baff vor Schreck. Fettsack: „Jetzt pass mal auf du mieser kleiner Wichser! Was schreibst du an meine Wand?! Was schreibst du an meine Waaaand!!! Was du an meine Wand schreibst?!“ Der Fettsack war mit seinem Kommando zwischen Tisch und Fernseher stehen geblieben, zeigte mit seinem nackten Finger auf dem Mann und schrie. Die Türsteher-Menschen neben sich. Irgendwo daneben stand Paul. Ganz daneben, noch in der Türe die Frau, bei der es sich wohl um Frau Baader handelte. Im Fernseher RTL. Über dem Sofa ein Bild von „Hundertwasser“. Der alte Baader, Mitte 50, dick, dreiviertel Glatze, Brillenträger, war bisher sicherlich jeden Tag der Herr über sein eigenes Leben gewesen – bis zu diesem Zeitpunkt. Fürchterlich erschrocken und traumatisiert brachte er nur ein wiederholtes: Ich… Ich… Ich… Ich…“ hervor, dass den Fettsack nicht sehr beeindruckte. Der stemmte nur seinen rechten Fuß mit der ganzen Sohle auf den Fernsehtisch, ohne dabei (Zufall) den Hähnchenteller zu berühren, lehnte sich nach vorne, drohte weiter mit seinem Zeigefinger und machte die Ansage: „Wenn ich NOCHMAL! IRGENDWAS! An meiner Wand lese! Mit dem du versuchst mein GESCHÄFT zu ruinieren! Dann mach ich dich ALLE! Ich schick meine Russen vorbei! Und dann nehmen sie deine Bude auseinander!“

Hier. Legte der Fettsack eine kleine theatralische Pause ein. Wahrscheinlich nur so, damit der Baader die Info verarbeiten konnte. Jedoch. Sagte einer der Russen mit starken Akzent in die Stille:

„Wir sind keine Russen…“
Der Fettsack: „WAS?!“

„Wir sind keine Russen. Wir sind Ukrainer.“
Der Fettsack drehte sich entnervt um und sah den Typen an. Mit fragenden Händen raunte er zu dem Kerl: „Das spielt doch über KEINE ROLLE!“

Der Sprecher des „body count“-Kommandos entgegnete darauf nur: „Für uns schon!“

Der Fettsack wirbelte wieder zu Baader herum und fragte ihn amüsiert: „Interessiert dich ob die Russen sind oder nicht?“ Der brachte nur ein „Äh“ hervor. „Oder sie Frau Baader?“ an Frau Baader gewandt. Die schüttelte nur eingeschüchtert mit dem Kopf, da sie nun auch noch Teil der Szene wurde. Wieder an den Kerl gewandt: „Es ist jetzt gerade nicht so wichtig…“ Etwas beruhigt und scheinbar sogar von der Szene belustigt wandte er sich wieder dem sprachlosen Baader zu. Wollte etwas sagen, dann kam ihm ein Gedanke, worauf er sich Paul zuwandte: „Die Klitschkos sind doch Ukrainer, oder?“

Paul: „Ähm. Tja. Tatsächlich stimmt das…“

Der Fettsack wirbelte wieder herum.

„WENN DU NOCH EINMAL IRGENDEINEN SCHEISSDRECK AN MEINE WAND SCHREIBST! DANN SCHICKE ICH DIR MEINE KLITSCHKOS AUF DEN HALS, VERSTANDEN!“ brüllte darauf der Fettsack wieder auf den Baader ein. Der Baader wurde darauf noch bleicher, seine Frau klammerte sich ängstlich an den Türrahmen ihrer Wohnzimmertüre und die Ukrainer lächelten ein wenig ob ihrer Bezeichnung als Klitschkos; das klang schon viel besser.

Baader: Nickte.

Und der Fettsack. Zuckte mit den Schultern. Drehte sich um und sagte ruhig und ausgelassen: „Okay. Wir sind hier fertig.“  Das „body count“-Kommando machte sich wieder auf den Weg nach draußen. Nur Paul konnte es sich nicht verkneifen noch zu bemerken: „Und ganz ehrlich: Hundertwasser ist scheiße.“ Der Fettsack tätschelte noch im Hinausgehen den Knackarsch der Frau vom Baader. Packte richtig tief rein.

Als die Autotüren wieder ins Schloss dumpften meinte der Fettsack ganz ausgeglichen und sichtlich selbstzufrieden: „Das lief ja ganz ordentlich.“

Paul verzog daraufhin den Mund zu einer abschätzigen Grimasse in Richtung seines Freundes und sprach: „Aber das mit dem Fenster. Das war der nicht…“

„Jupp“, stimmte der Fettsack zu. „Glaube ich auch nicht.“