Kurz mal ins Internet gekotzt

„Wir müssen unbedingt KETAMIN nehmen!“

„Wie? Was? Ne du… Lass mal.“

„Ja wie jetzt? Das ist voll lustig! Da kann man nicht mehr Sprechen! Wir haben uns so kaputt gelacht. Mann, Mann… Wenn der Fleming nur dabei gewesen wäre, habe ich mir da gedacht. Aussprechen konnte ich es ja nicht…“

„Ne du… Ich bin 35…“

„FÜNFunddreißig fünfunddreißig 35… Ist doch egal.“

„Ich habe keinen Bock mehr auf neue Drogen. Ich will einfach nur das was ich kenne, und gut. Obwohl. Eigentlich will ich gar nichts. Eigentlich will ich nur meine Ruhe…“

„Das bist doch gar nicht DU der da aus dir spricht! Das ist deine FREUNDIN.“

„So ein Blödsinn. Hör mir auf mit deinem Pferdeberuhigungsmitteln.“

 

Ich mache Skype zu.

Ganz schön anstrengend, diese Videostream-Konferenzen vom bayrischen Land nach Berlin. Irgendwo sind diese Gespräche auch immer mehr Zeitreise als mir lieb ist. Hm.

Die Gedanken schweifen ab. Danke Alice Wunder mit deinem Ecstasy-Monat. Schon ist man wieder im Thema drin. Gestern wir Beide noch am Handy. Und mir fallen die von ihm selbst gesprochen Worten von Rainald Goetz bei seinem „Heute morgen“-Hörbuch ein, die Stelle wo es heißt:

 

„Und so liege ich da also in der Hell-Night im Suicide, im Garten, des nach Klo-Containern stinkenden Outdoor-Suicides, unter den Bäumen im Gras, irgendwo bei oder unter den sogenannten Hackeschen Höfen, in Mitte, wie hier gesagt wird, in Berlin, und breche da vor mich hin, und denke: das paßt schon. Das tut mir jetzt gut.

Irgendwann hört das Würgen auf, die Krämpfe werden seltener, und ich schaue ruhig auf den quer im Bild liegenden Baumstumpf, Baumstamm vor mir. Zu erschöpft, das jetzt genauer zu untersuchen, zu verstehen. Von hinten kommt wer, fragt, ob er helfen kann, und ich drehe mich ganz leicht hoch mit aller Kraft, vorsichtig, und sage sehr geordnet: „Nein, vielen Danke. Ich raste nur ein bisschen hier.“

 

Daran muss ich denken und weiß mich zu erinnern, dass auf XTC nicht einmal das Kotzen schlimm war. Nicht gerade angenehm, nur auch nicht schlimm. Die Droge ist wie die Mama die vorbei kommt – die MA-MA ich niemals hatte – die aufwischt und sagt: „Jetzt ist aber wieder gut.“ Und das ist es dann auch. Kein Drama. Der Rausch geht weiter.

 

Blöde Melancholie. Und doch. So wie ich hier sitze und daran zurückdenke, hier, in meiner Baseball-Jacke. Bin das noch ich?

 

Tags darauf sehen meine Freundin und ich „Batman versus Superman“. Ich mag den Film; sie schaut gelangweilt ins Handy. Ich mag die Erzählung wegen diesem Konflikt zwischen Übermensch und Mensch, auch wegen dieser Vorstellung, das quasi ein Gott unter uns weilt und wir deswegen unsere gesamte Existenz hinterfragen (witziger weise lese ich im Moment auch noch „Es ist nicht leicht ein Gott zu sein“ von den Strugatzki-Brüdern, ähnliches Thema). Mir egal wie andere den Film werten. Filmfehler hin oder her.

Superman, der Supermann, der eigentlich nur ein normaler Farmer-Junge sein will. Und Batman, das traumatisierte Millionärs-Kindchen, das immer Superheld sein will. Und ist. Nur ausgestattet mit einer einzigen, doch allzu weltlichen  Superkraft: Er ist unermesslich reich.

Interessanter Konflikt…

Das sind auch die zwei Herzen die in meiner Brust schlagen: Auf der einen Seite will man auch FÜMPFund30 noch Superdrogen-Feierman sein. Auf der anderen der brave Kerl mit studierter Freundin, der sich auf seine Bildungsbürgerlichkeit einen herunterholt und leicht abschätzig die Nase rümpft, wenn neben ihm eine Drogenleiche liegt. Total lächerlich. Das Männer immer Beides sein wollen und nichts davon richtig können.

Ich dachte. Ich kotze das schnell mal ins Internet. Dann ist wieder gut.

Panikherz – Benjamin von Stuckrad-Barre

„Benjamin von Stuckrad-Barre (BSB)? Ist das nicht der Typ der dieses Buch mit dem Kekswichsen geschrieben hat?“ War er übrigens nicht, gedacht hatte ich das aber schon. Jetzt also so ein DROGENBUCH. Ganz furchtbar, als gäbe es davon nicht schon genug. Selbst. Wenn ich bei diversen Arzt-Besuchen in Zeitschriften mit manchmal mehr und hin wieder weniger Bilder gelesen hatte, dass das Buch so „unglaublich gut“ sein solle. In der Buchhandlung entschied ich mich – zwei Bücher – in der Hand, dann doch für Juli Zeh, was natürlich eine grauenhafte Fehlentscheidung war, danach las sich der später also doch gekaufte Benjamin gleich viel geiler.

 

Drogenbuch? Auch. Und wenn man selbst ein Suchti war, liest man solche Bücher ja mehr wie Pornografie als zur Abschreckung, wie es eigentlich auch nur Kriegs, und keine Anti-Kriegsfilme gibt, die auch nur Leute sehen die Krieg aus irgendwelchen irren Gründen geil finden (bewusst oder unterbewusst) – solange sie nicht mittendrin stehen (das ist dann wie mit den Erdbeben im Film „Texas“.

BSB ist nicht der Typ der in „Crazy“ übers Kekswichsen geschrieben hat, sondern der andere, der auch „Soloalbum“ verbrochen hat; als Buch bestimmt ganz toll, als Film eine furchtbare Klamotte, wenn auch mit guten Hauptdarstellern (Matthias und Nora), was natürlich der schlimmste Verriss für einen deutschen Film sein kann: Wenn ausschließlich die DARSTELLER gelobt werden.

 

Benjamin verarbeitet in „Panikherz“ seine Lebenssünden und philosophischen Erkenntnisse ab, was sich wirklich super weg liest. Gerade die Stellen mit den Drogen. Ich weiß nicht. Andere würde das mit den Drogen vielleicht abstoßen, für mich aber spricht er Dinge aus, die selbst ich mich geschämt habe in meinem auf „ABSOLUTE WAHRHEIT“ getrimmten Drogen-Roman „Der Text zur Nacht“ aus zu erzählen.

 

Denn Benjamin von SB beschreibt nicht nur sein langsames Abgleiten in die Sucht (was keine großen Überraschungen birgt, typische Werdegang), sondern auch diese permanente Sucht und dieses ständige Kaputtsein. Er fokussiert sich auch NICHT wie andere Autoren dieses Genres der Selbsterlösungsbücher (und dafür bin ich dankbar) darauf, wie er in absolut grenzdebilen Momenten Dreck vom Boden einer Toilette geleckt hat weil er es für Koks hielt (z.B.) oder andere absoluten Abstürze, für die man sich als Leser gleich mit schämt, nein nein, dafür aber beschreibt er phänomenal unterhaltsam dieses ständige Draufgeseihe und was das für eine verdammte Arbeit ist, tagelang wach zu sein und dabei immer unterwegs und doch in der Wohnung eingesperrt; selbst da ist immer etwas los, man ist ja ständig wach und voller Energie – an manchen Stellen habe ich mich anerkennend kaputt gelacht, vor lauter Mitgefühl. Voll peinlich, absolut zerstört, kann man keinem eigentlich erzählen: Hab ich genauso gemacht! Der totale Drogenwahn.

Ich zitiere mal Seite 292 f:

 

„Der aus Süchtigenperspektive akzeptable Mittelbau, wenngleich eindeutig zweite Liga: Das sind Leute, die regelmäßig und ohne viel Tamtam Drogen nehmen, es aber IM GRIFF haben, was man daran erkennt, dass sie ein niedliches den Ausnahmecharakter indizierendes TUWORT für Drogennehmen benutzen: FEIERN.

Der wirklich Süchtige hat das lange hinter sich. Was anderen Feier ist, ist ihm Normalität, formal feiert er durch, nur empfindet er dieses Suchtgeschufte keineswegs als Feier, es ist eine vollkommen autistische Veranstaltung. Zwar ergibt es sich, dass passager andere dabei sind, aber mit einer Sucht ist man immer ganz allein, egal, zu wievielt man ihr gerade nachkommt. Die echte Sucht ist ein ganz nach innen gerichteter Irrsinn. Je dichter, breiter, zuer, druffer ich war, desto stiller wurde ich nach außen, denn drinnen tobte der Krieg. Man hat so dermaßen zu tun mit Zähnemalmen, Blinzeln, Chancenlos-Gedankenfetzen-Verfolgen; Lichtersternchen bängen auf die Netzhaut, gern mal ein paar Stündchen gekrümmt und mit komplett angespanntem Körper in irgendeiner Ecke hängen, als sei es die Steilkurve einer Bobbahn. Da ist dann nix mehr mit Eitelkeit, Komplexen, Rollenerwartungen. Außen mag passieren was will, die Party findet inwändig statt.“

 

So isses.

BSB hat aber im Leben zum Glück mehr vorzuweisen als eine respektable Sucht nach Kokain und einen Knacks was sein eigenes Körpergewicht angeht (Stichwort: Mädchenkrankheit). Der Mann war auch Journalist, Besteller-Autor, Drehbuch-Schreiberling und Witzebastler für Harald Schmidt. Und ganz wichtig: Ein riesiger Udo Lindenberg Fan. Diese Lindenbergerei ist es, die sich wie der einzige rote Faden (außer der Sucht) durch sein Leben zieht. Udo forever, immer und überall und da muss man als Leser halt durch, auch wenn man den Typen mit Brille und Hut gar nicht so leiden kann, wie z.B. ich.  Macht aber nichts. Es fügt sich alles super zusammen und am Ende mag man Udo sogar, auch wenn Udo eher ein Symbol ist als eine wirkliche Figur, da können die zwei Freunde geworden sein wie sie wollen. Diese Liebe zum Übervater, zum Startum, Erlösung durch Popularität, das ist gleich noch eine ganz andere Ebene die da herein kommt, noch schlimmerer und amüsanterer Jugendwahn als Drogensucht und die Träume vom ewig schmalen Arsch.

 

Namedropping wird in dem Buch eh großgeschrieben, sehr toll die Szenen mit Helmut Dietl und Bret Easten Ellis: Traumhaft. Diese Übermenschen werden… Nein… Sie bleiben Übermenschen: Nur mit sehr viel Herz. Das aber mit Thomas Gottschalk. Das geht ja nun gar nicht. AufgestellteNackenhaare beim Lesen. Ein Graus. Gottschalk ist ja schon dem Namen nach das ausverbalisierte Missverständnis eines Halbgotts…

Was jedoch ganz herausfällt sind die FRAUEN in seinem Leben. Das ist schon sehr auffällig. Gerade für mich persönlich, da die FRAUEN es waren, die mich aus meiner Sucht herausholten. Nun. Ich hatte auch keine Familie wie der Benjamin sie hat und hatte, die angetreten war um ihn zu erlösen. Irgendwas soll da einmal wohl mit Anke Engelke gewesen sein. Nun ja. Mehr Intimität wird da aber auch nicht erwähnt. Komisch. Diese totale Selbstentblößung hier und dieser absolute Schutz der Partner auf der anderen Seite. Bemerkenswert. Stört nicht. Jeder wie er will – und doch bemerkenswert. Es würde auch nicht ganz zum Thema des Buchs passen, denn hier ist nur Platz für den Fan und seine Stars.

 

Der Benjamin ist kein Dummer. Und so liest sich sein Buch auch. Es macht sehr viel Spaß und ist dabei überhaupt nicht traurig, obwohl so viel Traurigkeit und menschliche Makel erzählt werden. Melancholisch vielleicht, von Trauer nur keine Spur. Man muss ja nicht gleich Trauer markieren um im Rückspiegel die Philosophie des Weltbürgers und ewigen Fans zu etablieren.

 

Das Buch ist einfach gut und rund so wie es ist. Dabei. Macht es mir gar keine Lust die anderen Bücher von Stuckrad-Barre zu lesen. Das Ding gut so wie es ist. Mehr brauche ich gar nicht. Der ist für mich auserzählt – kein zweiter Akt 😉 Das ist etwas Gutes.

Juli Zeh lügt

Gerade lesen wir – in diesem Fall wirklich WIR – Bücher von Juli Zeh. Meine Freundin liest „Spieltrieb“, dass sie aus meinem Bücherregal genommen hat, ich bin an Zehs neuem Roman „Unterleuten“, welches bald irgendwo im gleichen Regal stehen wird.

Ich mochte „Spieltrieb“ nicht wirklich, auch wenn ich es nicht ganz furchtbar fand. Danach hatte ich aber auch keine Lust weitere Werke der Autorin zu lesen. Ein paar Jahre später sah ich sie auf Kulturzeit und da kam sie zwar nicht gerade sympathisch doch sehr „authentisch“ 😉 herüber. Also warum der Autorin die einen klaren, fast schon wuchtigen Charakter ausstrahlt (nicht von der Optik, liebe Sexisten) nicht noch einmal eine Chance geben?

Meine Freundin findet „Spieltrieb“ auch nicht so toll. Es is gut. Es ist lesenswert. Es ist jedoch auch viel zu konstruiert. So spricht kein Jugendlicher mit einem anderen, auch kein Hochbegabter mit einem anderen – und meine Freundin muss es wissen, denn sie ist und war hochbegabt und geht jedes Jahr zu deren Big Jahresevents, die dann auch gleich ein ganzes Pfingstwochenende andauern. Für mein Befinden ist es nicht einmal ein Problem das die Bücher so konstruiert wirken – jedes Buch ist eine Konstruktion – es ist viel mehr das Gefühl das man auf jeder Seite (nicht gleich in jedem Satz) das Gefühl vermittelt bekommt, dass sich die Autorin für ach so klug hält.

Das merkt man auch in ihrem neuen Roman über das Dörfchen „Unterleuten“, in welchem sie verschiedene Parteien einer Dorfgemeinschaft als quasi reduzierten (oder doch aufgeblähten) Gesellschaftsroman darstellt. Sie paktiert mit ihm, der mit dem. Und die einen und die anderen haben schon seit Jahrzehnten Streit weil sich kein Mensch die Zeit gibt nach der wahren Kausalität der Menschen zu fragen: Warum bist du wie du bist und warum machst du daraus aus mir der, der ich bin?

Das macht sie gut. Wirklich. Das ist auch lesenswert und unterhaltsam – aber es liest sich insgesamt wie eine große Lüge, die aus kleinen Wahrheiten aufgebaut ist. Juli Zeh lügt und ich denke nicht, dass sie das aus böser Absicht macht. Es sind Notlügen um ein großes Konstrukt darzustellen, dass man bei einem groben Blick auf die Situation so deuten mag, nur entspricht es nicht der Wahrheit. Die Menschen sind zwar auch so, sie sind es nur nicht.

Ich weiß gar nicht warum mir das immer bei der Frau Zeh so übel aufstößt. Wahrscheinlich liegt es daran, wie groß sie doch im Kleinen scheitert.

Fairerweise muss ich sagen, dass ich erst zweidrittel des Buches gelesen habe und falls sie mich noch überzeugen sollte, werde ich mich gerne entschuldigen und meine Meinung ändern. Denn ebenso wenig wie man ein Buch nach seinem Umschlag beurteilen sollte, darf man ein Buch nicht nach seinem Anfang beurteilen. Nur. Der Ton der Erzählung ist jedes Mal so überlegen, so strukturiert, dass es mich wundern würde wenn es noch zu echten Überraschungen kommen kann.

Deswegen lesen „die Leute“ diese Bücher. Diese Bildungsbürgerbücher. Weil sie sich und ihre Intelligenz bestätigt fühlen. Sie mögen diese Klischees, so wie andere Kunden wegen ähnlicher Figurenzeichnungen „Fantasy“-Romane verschlingen; man fühlt sich und sein Weltbild bestätigt. Ich weiß nicht einmal ob das schlimm ist. Ich könnte nicht einmal sagen, ob das bei anderen Autoren überhaupt anders ist, geschweige denn anders sein kann. Nur bei Zeh fühlt es sich so offensichtlich an. So Kopfgeboren. Notlügen eben.

Bei den Amazon-Bewertung zu „Unterleuten“ habe ich gerade beim Überflug den Satz gesehen: „So hätte es seien können.“ Ja. So ist es. So war es nur nicht. So ist es mit der Meinung zu „Unterleuten“ genauso, wie es sich mit den Figuren und der Handlung in dem Roman verhält.

 

Nachtrag:

In Wahrheit ist es nicht mehr als eine schnöde Kopie von Stephan Kings „Needful things“ nur ohne Teufel u auf pseudo intellektuell gebürstet…

Hikkimori

Die letzten Tage habe ich mich ziemlich rar gemacht. Ich wollte mich mit keinen Themen auseinandersetzen, auch mit keinen Menschen, wollte mich nicht streiten, nicht aufregen; einfach meinem eigenen Blues nach gehen.

Dabei habe ich – wie wir alle wohl – viel über die Ereignisse in Köln nachgedacht, wie man sich selbst bis dahin positioniert hat und ob man an seiner Grundeinstellung Nuancen oder mehr ändern muss.

 

Ich habe viele Mangas gelesen „I am a hero“ von Kengo Hanazawa (aus dem ich auch die Überschrift für den Blog-Eintrag gezogen habe; ein Hikkimori ist jemand, der über Monate und Jahre seine Wohnung nicht verlässt und meistens noch bei seinen Eltern lebt – so ähnlich habe ich mich die Woche verhalten), „Orion“ von Masamune Shirow (der mich davor erschreckt hat, wie unglaublich viele Elemente er von diesem Fantasy/Mystik-Quark in seinen genialen Manga „Ghost in the shell – man machine interface“ übernommen hat) und das ebenfalls sehr alte „Sarah“ von Katsuhiro Otomo, dessen Dystopie damals so abstrus wirkte, und heute schon wieder realistische Elemente enthält.

 

„Unschuld“ von Jonathan Franzen habe ich auch gelesen, will und kann ich nicht empfehlen, da es zu sehr wie seine alten Büchern klingt und mit dieses Beziehungswirrwarr dieses Mal tierisch auf die Nerven ging. „Freiheit“ war ja noch super. „Unschuld“ nur noch ein typischer Franzen. Wie ein Bild in einer Galerie, an dem du vorbeiläufst, es noch nie vorher gesehen hast, doch den Pinselstrich, die Technik,  erkennst und darauf teilweise bewundernd und doch ein wenig abschätzig sagen kannst: „Ah, ein Franzen…“

 

„The revenant“ mit DiCaprio und Tom Hardy ist ein absolut unglaublich fotografierter, gespielter und inszenierter Film, nur diese Survival-Handlung ist so überholt und unneu (erinnerte mich an einen Charles Bronson Film, wie hieß der noch gleich?), dass es langweilt. Es ist mir auch egal ob die Geschichte auf einer wahren Begebenheit beruht: So erzählt wie sie hier von Gonzales Iñárritu erzählt wird, ist sie einfach unglaubwürdig; es mag ja sein das der Protagonist alle Tortouren überlebt hat, hier musste er aber nur ein wenig Luft holen – in der Eiseskälte! – nen Fisch essen und schon ging es wieder ab dafür!…

Ich habe viel – passend zum Blues – „Cat Power“ und „Sun Kil Moon“ gehört, und mich auch ein wenig an meinem neuen Roman versucht, konnte das Ergebnis aber nur hassen…

Ansonsten viel „RocketbeansTV“ und „Almost Daily“ gesehen und mich schon wieder vor der Berichterstattung zu „Schulz und Böhmermann“ geekelt; zu viel Hype stößt mich immer ab, besonders wenn es nur um ein Format geht, welches es vor ein paar Jahren eh schon gab. Und den Schulz, den ich früher sehr „gefeiert“ habe, kann ich jetzt kaum mehr ertragen. Na. Ich sehe mir heute Abend die erste Folge mal an. Gibt’s ab 20.15 im Stream. Vielleicht ist der Herr wieder ein wenig heruntergekommen…

Dagegen sind die Rocketbeans viel angenehmer, frischer, unverbrauchter, wenn auch nicht so stylisch oder pointiert wie Böhmermann. Dafür fehlt es da nicht an der Menschlichkeit. Und das ist ja das Krasse heutzutage, dass man sich Hikkimori mäßig zuhause einsperren kann und man durch diese virtuellen Freunde das Gefühl hat, nicht alleine zu sein. Okay, das ist wohl der Witz, den ein Hikkimori ausmacht.

 

Morgen dann wieder Arbeit. Mitte der Woche geht es dann aber auch wieder heim nach Bochum.

Heute morgen

Arbeit – 2 Stunden länger. ReWe. Salat. Harald Schmidt – Supermarkt auf Youtube. Hannibal, Staffel 3 Folge Eins, „Antipasto“, überraschend gut, die letzte Staffel hat mir ja nicht so gefallen, Mads Mikkelson – tollste europäischer Schauspieler, wenn nicht überhaupt. Versuch am Roman. Diesen nenne ich als Arbeitstitel „Absolution“. Leicht am Roman ist alles, was nicht erfunden werden muss, der Fantasy-Teil ist bretthart zu schreiben – ist doch nicht so einfach da in den Drive zu kommen. Beim Friseur. Müde. Fast eingenickt. Im Radio die Geschichte über den Amok-Läufer in Bayern. Hatte ich gar nicht mitbekommen. Der Schütze war im Schützenverein. Soso. Der Chef hat gut geschnitten, wenn auch gelangweilt. Ist der eigentlich noch bei der FDP? Nebenan schläft sitzend einer der schwarzen Asylanten auf nem Sofa-Kissen am Hof an der Straße und ich denke mir – genau, mach mal Pause. Beim Heimfahren schon wieder den DJ LÜTZENKIRCHEN mit Familie gesehen. Der verfolgt mich. Es kann doch nicht mehr nur Zufall sein. Ich hier in der Kleinstadt, während er doch sonst große Welt. Norma. Red Bull. Alles voller ziemlich übergewichtiger, kaputter Leute. Eher kaputt vom Leben und vom Arbeiten, als vom Nichtstun. Da war auch. Die ehemalige beste Freundin meines Bruders. Trinkgeld an der Kasse. Erkauft Freude darüber, die sich doch irgendwie ehrlich anfühlt. Daheim Hannibal. Staffel 3 Folge Zwei. „Primavera“ Erst geärgert, dann gefreut. Doch nicht so ein Beschiss wie möglicherweise bei Game of Thrones, Staffel 5 Finale. Hugh Dancy nervt, altes Weichei. Sehr positive Überraschung: Gillian Anderson. Verängstigte Erotik. Hätte man ihr nach Akte X nie zugetraut. Mit Berlin geschrieben. Mit meiner Liebsten geschrieben. Hausarbeit. Am Roman versucht. Am Blog. Draußen in der Sonne: David Foster Wallace – In aller Vertrautheit. XBOX 360. Spec Ops – The Line. Der einzige Anti-Kriegs-3th-Person-Shooter. Ein Anti-Kriegsspiel bei dem man schlechte Laune bekommen SOLL und dennoch und gerade deswegen viele Leute erschießt. Heute: Die weiße Phosphor-Szene, in der man „versehentlich“ unschuldige Zivilisten bombardiert. Tolles Spiel, da deprinierend – hat nur nichts einge“spiel“. Am TV. Mit Berlin geschrieben. Mit Berlin geplant. In zwei Wochen Kantine Augburg. Essen: Vegetarische Lasagne von Norma; nicht so geil. Fertignudeln; auch nicht. Mit K geschrieben wegen heute abend. K Muss in die Anästhesie. Mit Liebster geschrieben. Wodka Gorbatschow Lemon aus der Dose getrunken. Auf Facebook mit Metin befreundet. Mit Liebster geschrieben. Hannibal, Staffel 3 Folge Drei angefangen. „Secondo“ Dann Badewanne. Gelesen. Rainald Goetz: Klage. Jetzt am Blog.

Schande

Rainald Goetz erhält den Büchner Preis

Der nicht weniger als der wichtigste deutsche Literatur-Preis ist. Dazu auch noch dotiert auf 50.000 Euro.

Da Goetz mein deutschsprachiger Lieblingsautor ist, gönne ich dem Mann selbstverständlich jeden Preis – wie es der Zufall so will lese ich gerade sporadisch von ihm „Klage“, sein Internet-Tagebuch, welches er vom Februar 2007 ab ein Jahr geführt hat (es gibt hier auch im Blog einen Tag der KLAGE heißt, was natürlich eine Referenz ist) – auch wenn mich sein neuester Zyklus (nennen wir ihn den „blauen“) nicht so sehr gepackt hat wie sein Techno- und Pop-Zyklus.

Rainald Goetz hat einen unmittelbaren Einfluss auf mich und mein Leben gehabt, wirklich, ohne ihn hätte ich NIEMALS mit der Techno-Feierei begonnen, denn, ich bin wahrlich durch das Lesen zum Feiern gekommen, am Anfang war die Vision, der Sound und dessen Sog kam erst viel später.
Ich weiß noch wie ich auf meiner ersten Nature One „Rave“ von ihm gelesen habe, als mein Kollege schlief. Morgens. Draußen der Dauerregen.
Zudem hat der Mann mit seiner Art zu schreiben auch meinen Stil über Jahre weg sehr beeinflusst, wobei das nun auch schon wieder (bei mir) länger rückgängig ist; mein Stil ist eher im Verfall begriffen, was verschiedene Gründe hat, vor allem durch den Arbeits-, also durch den Lebensdruck.

Davon abgesehen ist mir dieser hektische Autor, dem die Worte nur so aus Mund schießen und welchem dabei doch die Kunst der Scherzens (auch nach eigener Aussage) total abgeht, mit seiner ungeheuer sprühenden Intellektualität und der überbordenden Wortgewandtheit, seinem ganz eigenen Form Charme und seiner unermüdlicher Bissigkeit und Klugscheißerei einfach nur ungeheuer sympathisch; besonders die von ihm selbst eingesprochenen Hörbücher haben da auch einen großen Anteil geleistet. Immer wieder gern blättere und lese ich in seinem „Abfall für Alle“, seinem Internet-Tagebuch über das Jahr 1998. Eines der besten Deutschsprachigen Bücher, da dort so viel mit Form und Sprache gearbeitet und versucht wird, dass es einfach nur eine Freude ist.

Das Goetzsche Wesen hat mich seit Jahrzehnten sehr beeindruckt und geprägt. Diese Verbindung aus Verkopfheit und Lebenswillen. Darin war er mir immer ein großes Vorbild. Den Doktor Rainald Goetz hat bewiesen, dass die Feierei Intelligenz nicht ausschließen muss.

Also Glückwunsch Rainald. Und hau die 50 Tausend auf den Kopf. Die hast du dir verdient 😉

Imperium von Christian Kracht

Mit Freude und Spaß gelesen und für gut befunden. Besonders wegen dieser ganz tollen, antimodernen Sprache, für die sich der Herr Kracht vom Herr Dietz (im SPIEGEL) – auch, nicht nur – anhören musste, dass er ein rassistisches Weltbild besitze; kann ich hier überhaupt nicht herauslesen. Im Gegenteil. Diesen Zivilisationsekel in „Imperium“ fand ich besonders gelungen. Den generellen Deutschlandhass des „Heldens“ sehr nachvollziehbar. Wobei, man könnte auch sehr gut Deutschland hassen und ein Rassist sein. Na egal… Dieses Buch zeigt keine rassistischen Züge, nicht einmal in der Metaebene, auf der hier einiges los ist.

Kracht lässt nebenbei noch ein paar historische Figuren durch das Bild laufen, wie z.B. den Nazi-Maler Nolde; da waren wir erst in Lindau bei einer kleinen Ausstellung und der Herr Nolde ist schon ein lustige Figur, Vollblut-Rassist war der und im Prinzip ein vorbildlicher Nazi, nur bewerteten die Nazi seine Bilder nicht als vor-bild-lich, nein, sie nannten sie entartet und belegten den armen Nazi-Nolde mit Berufsverbot, dumm gelaufen für den Nazi-Fanboy…
Solche Figuren huschen angenehm luftig durch die Erzählung und mit seiner ganzen Klugheit und Beobachtungsgabe, macht Kracht in seinem historischen Roman „Imperium“ (er spielt maßgeblich kurz vor Ausbruch des ersten Weltkrieges auf einer deutsche Koloni) alles richtig, viel und noch mehr als Daniel Kehlmann, dessen „Vermessung der Welt“ ich zwar ganz nett aber auch ein wenig schal und mau fand, wenn auch gut weg zu lesen. So für die Bildungsbürgermasse halt. Hm… Darf man jetzt über Kehlmann lästern, wo der doch von jüdischer Abstammung ist? Klar. Darf man das. Hat mit den Büchern ja nichts zu tun. Hm. Wäre ich berühmt würden aber findige Arschlöcher, die sich Journalisten schimpfen, mir daraus einen Strick drehen. Da lob ich mir doch mal meine Unbekanntness durch welche ich alles sagen und meinen darf wie mir es passt – auch nicht schlecht.

Also: Gutes Buch. Der Kracht jetzt. Netter Abenteuer-Roman für Fortgeschrittene.