Boys Noize ft. Marteria & Haftbefehl – „Disco Inferno“

Einerseits vielleicht eines der schlimmstschlechten Lieder des ganzen Jahres. Andererseits funktioniert die Platte in einem Live-Set von Boys-Noize sehr gut. Ihr wisst schon: Dunkler Keller in Berlin. Industrie-Ruine. Aufwärmendes Tanz.Fleisch, welches matt auf Haut prallt.

Boysnoize Records 10 Jahres Party im MMA mit 2manyDjs und Boys Noize, es war der 14.05.2015

Irgendwann kommt das Alter, in dem man zwar noch Feiern gehen will, es aber am liebsten schon hinter sich hätte und auf eine erfolgreiche Nacht – ganz gleich in welcher Hinsicht – zurückblicken kann, ohne all die Strapazen vor sich zu haben. Im Besonderen: Das Reisen. In dem Alter, in meinem Alter, freut man sich am Morgen, während einem der Kater durchs Gehirn rumpelt, dass man nur einen verdammt vehementen Druck auf den Ohren hat und kein beschissenes Pfeifen auf den Ohren. Und diese Drecks Schlaflosigkeit… Wie lange habe ich geschlafen? 3 Stunden? Na immerhin mehr als nichts.
Über eine Dekade feiern hinterlässt nun einmal seine Spuren und wenn man wie ich immer noch auf dem Land lebt, endet die Party erst wirklich, wenn man die Haustüre hinter sich schließt und einen Stundenlangen Weg hinter sich hat. Ganz ehrlich? Mir reicht es jetzt erst mal wieder mit der Feierei, obwohl es gar nicht so ausufernd war. Gestern. Man muss einfach keine harte Sau mehr sein, mit Mitte dreißig. Meine Peak-Time ist einfach nicht mehr von 2 bis um 4 Uhr.

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Genug gejammert.

Der 10-Jahre-Boys-Noize-Label-Tour-Zirkus war gestern in München angekommen, im „Mixed Munich Arts“, eine Location, von der ich noch nie was gehört hatte. Eine dieser alten Industrie-Anlagen, die immer sehr gut taugen für elektronische Musik. Sympathisch alleine schon wegen der Verbindungstunnel von (hier) Halle zu Club. Auch wenn solche Locations an sich jetzt auch fast schon der Standard sind. Umgehauen hat es mich nicht. Ganz nett. Und verdammt viele Toiletten: Fast in jedem Eck.

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Nur. Wenn die Decken so hoch sind muss man die Anlage schon verdammt gut ausbalancieren um überhaupt einen annehmbaren Sound zu haben, was ich dem MMA jetzt leider NICHT unterstellen kann, könnte aber schlimmer sein. Sehr nervig sind dabei diese langen Schlauchlevel-Räume, wo man sich durch die halbe Menschheit durch zwängen muss um zu seinem Partner in Crime kommen zu wollen, der eben da steht – und nicht woanders. Ja. Es war voll und das Tanzen ziemlich beklemmt, wenn auch zum Glück nicht ganz so krass wie bei Digitalism.

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Das DJ-Pult steht im MMA nicht am Ende des Raums, sondern ein wenig weiter vorne, was den Vorteil hat um die DJs „herumtanzen“ zu können, oder so wie ich z.B. David Dewaele von den 2manyDJs die Hand zu schütteln während er sich auf den Weg zur Arbeit macht; netter Kerl, freundliches Lachen.
Fun Fact: Boys Noize hatte ich keinen Bock die Hand zu geben – warum auch? :))

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10 Jahre Boys Noize Label wurden also gefeiert und Mann, Mann Leute wie die Zeit doch vergeht. Gerade stand Alex Ridha noch vor uns als Teil von „Kid Alex“ und probierte da herum, jetzt hat der „Junge“ auch schon wieder 10 Jahre sein Label unter seinem neuen Pseudonym Boys Noize und mit seinem Sound durchaus nicht nur die Tanzflächen der ganzen Welt beschallt, sonder auch beeinflusst. Er ist dick im Geschäft mit den ganz großen der elektronischen Musik. Jedoch. Das hörte man in dieser Nacht mit seinen Label-Buddys jetzt nicht so brutal raus. Es war weniger Electro und mehr Techno als erwartet (wenigstens von meiner Seite aus), und damit fast schon automatisch eher Sound für (Hoppla ein Wortwitz) Jungs, dem sich auch seine Belgischen Kollegen von den 2manyDJs (a.k.a. Soulwax) leider anschlossen, und nicht ganz so Diskomäßig und clashig auflegten, wie sie es ansonsten machen. Schade, aber immer noch gut, wenn auch nicht wirklich so geil wie auf dem Utopia letztes Jahr. Dennoch. Am Ende drehten sie den Swag gut auf.
Boys Noize selbst klang in der Zeit als ich unten in der Menge ein wenig tanzte, oder vlt doch eher umher geschoben wurde, so:

Das ist jetzt nicht repräsentativ für sein ganzes Set. Aber. Es ist auch die Wahrheit. Und das sollte man bedenken bevor man seine Arbeit total euphorisch über alle Höhen lobt. Ich fands nett das wieder gepogt wurde; saublöd finde ich diese bekloppe Circle-Scheiße, denn die ist so was von doof und überflüssig, tausendmal erwähnt: Nur weil ihr im Kreis hopsen wollt muss man andere Leute nicht zur Seite drängen.
Ein wenig allzu nahtlos reihte sich vorher das „back to back“ DJ-Set von Housemeister und Pilo ein. Schade eigentlich. Bei denen wäre mehr drin gewesen.

Schön und viel angenehmer fand ich die Zeit vor dem Getanze. Oben. Draußen. Auf den Red-Bull-Sitz-Säcken. Mit Freunden und Fremden im Gespräch, über… Und es war gut und homogen, wie es nur an solchen Orten sein kann, an den Menschen die besonderen Augen haben, wo die real Distanz zwischen einander für ein paar Stunden verschwindet. Später war das nicht mehr möglich, da der Regen solche Momente unmöglich machte. Und auch der Alkohol und die Drogen die Stimmung kurzzeitig dazu brachten, ein wenig zu kippen. Aber auch das gehört zur Nacht. Die im Rückblick eine gute, spaßige, aber auch keine legendäre war (was sie weder immer sein kann, noch muss). Auf jeden Fall war das fürs Erste meine letzte Nacht auf dem Dancefloor.