Stereotyp – 2 – Nietzsches Drogen hatten längst zu wirken begonnen

Paul verließ seinen Sitzplatz und holte sich an der Bar von einer mit silbernen Glitzer im ganzen Gesicht bestückten und geschminkten Transfrau unbestimmbaren Alters ein „Bio-Bier“. Nach dem ersten Schluck aus der Flasche konnte Paul zwar nicht herausschmecken was an diesem Bier „Bio“ sein sollte, um jedoch nicht aufzufallen stellte er keine Frage nach der Andersartigkeit dieses Bieres zu anderen Bieren und gab dafür der Transfrau einen vollen Euro Trinkgeld. Überraschenderweise freute sich die Dame über das Trinkgeld so sehr, dass es Paul schon wieder leidtat es gegeben zu haben. Scheinbar war es in diesen Hippie/Hipster-Kreisen alles andere als normal mehr für andere auszugeben, als nötig.  Irgendwie war es gar nicht so einfach in so einem Club nicht aufzufallen. Wenigstens wenn man so auftrat die Paul. Zwei Räume und einen Pulk von lachenden, schwatzenden und lauftanzenden Menschen später, machte er an einer mit grünem Flokati überzogenen Sitzecke halt und setzte sich abermals zu den Techno-Raver-Leuten. Es war nicht mehr ganz so laut wie an dem Platz mit dem Kachelofen, so dass auch die Technoschrei-Affen sich viel weniger anschrien als gerade eben. Der Bass wummerte nur dumpf abgeschirmt durch die dicken Wände vom Nebenraum her. Paul nahm einen Schluck von seinem Bio-Bier; der Gerstensaft tat ihm richtig gut. Vielleicht war es nicht die klügste Idee sich hier und jetzt in der „Wilden Barbara“ zu betrinken. Doch das Bier half ihm trotzdem den Stressdruck auf seinen Kopf zu vermindern. Wie lange müsste er wohl hierbleiben? Missmutig sah Paul umher. Die Techno-Raver würden sicherlich noch mindestens bis Montagmittag durch die Räume der „Barbara“ stolpern. Zeit hatte Paul also genug. Es erzeugte ein sehr ironisches Gefühl in ihm sich geradehier vor der Polizei zu verstecken, denn bis vor 5 Stunden hätte er noch über die als von einigen als „geschützten Räume“ bezeichneten Techno-Clubs Berlins gelacht. Dem zum Trotz war durch die Geschehnisse dieses Tages die „Wilde Barbara“ für ihn zu einem ebensolchen geschützten Zufluchtsort geworden. Darauf gab er sich noch einen Schluck Bio-Bier. Auf die Ironie. Auf Berlin.

„Wusstest du, dass Ungarn die meisten Pornodarsteller pro Millionen Einwohner hat?“ Die Frage galt nicht Paul, auch wenn der Kerl rechts neben ihn Paul angesprochen hatte und ihn dazu ansah. Tatsächlich sprach der Kerl mit Bürstenhaarschnitt und einem tatsächlichen Friedrich Nietzsche Oberlippenbart mit der Dame, die eine Sitz-Etage hinter Paul saß, doch da der Nietzsche-Bart-Träger durch seinen offensichtlichen Zustand nicht mehr fähig war sich mit seinem Körper ganz zu ihr umzudrehen ohne von der Sitzecke zu fallen, blickte er dafür im Austausch Paul an. Nietzsches Drogen hatten längst zu wirken begonnen.

„Sollen wir?“ Paul machte mit seinen beiden zwei Zeigefingern eine Tauschgeste auf sich und die junge Frau hinter ihm, worauf der Kerl mit Nietzsche-Bart nur den Kopf schüttelte:

„Ich glaubäää… Die Annalena macht eh gerade Pause.“ Dabei kniff der verstrahlte Technodepp die Augen zusammen um die genaue Situation bei seiner Freundin zu entschlüsseln. Auch wenn er sie sicherlich weder aus diesem Winkel, noch mit diesen Augen, erkennen konnte.

Paul überlegte eine Sekunde lang, in welcher er den Kopf ein paar Zentimeter in Richtung „Annalena“ wendete, ob er sich zu der Frau umdrehen sollte. Dann beließ er es doch dabei. Lieber nahm er noch einen kräftigen Schluck aus der fast leeren Bierflasche.

„Wusstest du?“ fragte der Typ von rechts. Paul ignorierte den Nietzsche-Kerl mit seinem offensichtlichen Laber-Flash, bis Nietzsche schließlich mit seinem Gesicht so nah an Paul herankam, so dass dieser den jenen nicht mehr ignorieren konnte und der Kerl die Frage einfach noch einmal wiederholte: „Wusstest du?“

„WAS! Weiß ich?“ Paul hatte Nietzsche immer gehasst. Wieso konnte die Welt ihn nicht einfach in Ruhe lassen? War der Tag denn nicht so schon schlimm genug? Mussten die banalen Leben der anderen immer aus ihren Mündern sprudeln? Konnte denn keiner sehen, wie scheiße es Paul gerade ging?

Der Typ grinste ihn an: „Wusstest du das Lewandowsko 90 Prozent aller Tore beim Fc Bayern schießt? Hä? Wusstest du?“
„Nein! Ich habe es nicht so mit Fußball.“

„Ist aber so. Weißt du? Und ich denke mir… Ja… Ich denke mir. Ich meine“, der Typ kramte eine Zigarette hervor und bot auch Paul eine an, der mit einem Auch-schon-egal-Gesichtsausdruck die Fluppe nahm und diese sich von dem Kerl anfeuern ließ, „was ich meine. Ist“, fuhr der Nietzsche-Kerl fort, „WARUM bricht dem Lewandosko keiner die Beine? Verstehst du? Ich meine. Im Fußball steckt so viel Geld! Hat der irgendwie so Personenschützer? Ich meine. Wenn man dem die Beine bricht, wer schießt dann die Tore für den FC Bayern? Und. Ich meine. Wo würden die dann in der Tabelle stehen? Da geht es doch um MILLIONEN! Ich meine. Ist doch krass. Neunzig Prozent aller Tore! So viel Geld! Wettmafia! Champions League!“

Und weil es Paul egal war nickte er nur und sagte: „Ja. Das hast du schon recht.“ Darauf nickte der andere Kerl auch nur. Wohlwissend jemand gefunden zu haben, der ihn verstand. Die beiden rauchten. Währenddessen zogen die jungen Leute schreiend und tobend an ihnen vorbei. Viel weniger wild und hedonistisch wirkend als sie sich in diesem Moment selbst gerade fühlten. Mit ihren Bieren in der Hand und den chemischen Substanzen in der Nase. Dazu die gängigen klischeehaften Instagram-Bilder über sich und dieser Welt im Kopf, die ihnen vorgaben wie sie diese Welt zu sehen und zu erleben hatten. Alle Leute hier waren offensichtlich mit den gleichen Wünschen aufgeladen, die nur vom eigenen Sex und Erfolg handelten. Und ebenso sehr wie sie sich danach verzehrten, verleugneten sie ihre eigenen Triebe den anderen Menschen gegenüber. Dies hier, war die Hippie-Hölle. Die dunkle Seite des Mondes. In der jeder sich selbst vorgaukelte nach einer subjektiven, persönlichen wie allgemeinen Freiheit zu streben – um am Ende nur zu wollen, was jeder erstrebt. Das war weder schlimm, nur menschlich. Jedoch unendlich langweilig. Eine Jugend im Swinger-Club. Und wenn sie dann erwachsen wurden, wollten sie gerade deswegen das Haus am See. Wenigstens hatte Paul so immer über diese Berghain-Trottel gedacht. Die „Wilde Barbara“, die nach Jane Fonda in „Barbarella“ benannt war, füllte sich mit jeder Minute mit noch mehr glücklich grinsenden Jugendlichen. Die ausgelassene Stimmung der einfachen Leute strömte regelrecht in die für sie heiligen Räume. Selbst Paul konnte fühlen, wie sich der Club mehr und mehr mit weltvergessener Euphorie und bedingungslosem Feierwillen auflud. Überall waren Männer, Frauen, Musik; Hände, Gläser, Gelächter. Alles war und schien in Bewegung und konnte nicht die Finger voneinander lassen.

„Und frohen Jahrestag!“, lachte ihn der Kerl mit dem merkwürdigen Bart plötzlich euphorisch an, nachdem der sich kurz um seine Freundin Annalena gekümmert hatte. „Ja dir auch!“ lächelte Paul den Typen verkniffen an, der ihn darauf gleich herzlich und warm umarmte. Darüber musste Paul tatsächlich Lachen. So weit weg war die Welt dort draußen für ihn inzwischen schon. Die Bahn. Die Bullen. Die Hunde. Vielleicht ein Hubschrauber… Es war doch eh schon alles egal. Egal und unabänderlich. Was das Gleiche war… Nun war er hier. In Sicherheit.

„Deiner Freundin“, meinte Paul mit dem rechten Daumen nach hinten. „Geht es der gut?“

„Ist nicht meine Freundin! Sie ist meine Schwester!“

„Ah, okay? Geht es der gut?“

„Sie ist meine Schwester!“ brüllte der Schreiaffe und schüttelte dabei dumm seinen Kopf hin und her.
Darauf musste Paul wieder Lachen, diesmal sogar ehrlich. Vielleicht waren diese Techno-Clubs gar nicht mal so übel wie er immer gedacht hatte. Wahrscheinlich war es in diesen Zeiten gar nicht einmal die schlechteste Wahl vor der Wirklichkeit in die Drogenbeseelte Dummheit dieser Szene zu fliehen, um einfach nur zu Tanzen und Schwachsinn daherreden. Und wenn Paul irgendwo sicher vor der Polizei sein sollte, dann sicherlich an solch einem Ort. Weiß Gott: Es bestand sogar die Möglichkeit, dass ihn vorhin niemand gesehen hatte. Schließlich war Paul mindestens eine, wenn nicht zwei Stunden lang danach in der Schlange vor der „Wilden Barbara“ gestanden, um sich in der Menge zu verstecken. Zur Erinnerung: In diesen Clubs werden am Eingang sogar die Handykameras abgeklebt! Sogar Mark Zuckerberg musste draußen bleiben. Was sollte Paul jetzt noch passieren? Dass was geschehen war, konnte er ohnehin nicht mehr rückgängig machen.  Vielleicht brauchte er nur ein weiteres Bier. Und noch eines. Und noch eines. Und noch… Immerhin hatte er es bis hierhin geschafft. Auch wenn… Paul stellte sein leeres Bier auf den Boden, zu seinen Füßen. Für ihn hätte es schlimmer kommen können. Er nickte unbewusst ein wenig zu dem stumpfen Techno-Beat mit, der nicht aufhören wollte durch die Wände zu wummern. Hier und da fiel ihm eine hübsche Frau auf. Klar. Das alles war immer noch saublöd, hier. Aber. Wer nicht draußen ist, ist drinnen.

„Wir sind ja ewig angestanden“, laberflashte der Nietzsche-Imitator ihn wieder mit seiner nassen Aussprache voll.

„Ja, ich auch. Normal“, gab Paul zurück.

„Ja ne! Anna… Lena… Und ich waren fast drin. So richtig fast drin. Ganz vorne. Nur noch die Security-Schranke. Dann kamen die Bullen zu den Türstehis. Und dann war erst mal zu. So direkt vor uns. Ich meine. Da haben wir zwei richtig Pech gehabt. Halbe Stunde! Halbe Stunde noch mal. Standen wir da. Man kann schon richtig Pech im Leben haben. Ich meine. Wir waren ja fast drin.“

Paul wurde es schlagartig eiskalt. Die Welt zog sich ebenso zusammen wie seine Brustkorb. Ebenso wie seine Kehle. Er hielt die Luft an und japste mit dünner Stimme: „Was wollten die Bullen denn?“
„Ach!“ gab Nietzsche angewidert zurück. „Nix wichtiges. Bullenzeug. Suchten halt irgend so einen… Deppen. Irgendwas mit nem Zug. Wohl da hat sich… Da hat sich wohl irgend so ein Idiot vor den Zug geworfen. Meine ich. Irgendwo. So ein Kerl.“

Pauls Bewusstsein erinnerte sich mit einem Mal an den Schock, den er vor ein paar Stunden erlitten hatte. Noch einmal fühlte er den Aufschlag. Dieses dumpfe Klatschen, welches die Bahn erzeugt hatte, was sich ganz anders anhörte, als in einem Film. Durch die Erzählung des Nietzsche-Typen war es für Paul so, als würde die Zeit mit einmal stehen bleiben. Die Techno-Raver froren in ihren Bewegungen auf den Flokati-Bänken und im schummrigen Flur ebenso ein, wie die Musik aus den Boxen und das Licht aus den Computern. Selbst Pauls Herz verkrampfte sich, als wäre sein Herz eine Schallplatte und eine große, böse Hand Dämonenhand hätte sich auf den Plattenspieler des Lebens gelegt um mit dem erwartbaren dumpfen, stöhnenden Geräusch die Platte anzuhalten. Ein Horrorgefühlmoment der ganz besonderen Klasse. Die Welt stand still. Und es tat weh.

„Wer hat sich vor den Zug geworfen?“ war Pauls Frage, als er wieder die Kontrolle über sich zurückgewann und seine innere Schallplatten jaulend wieder anlief. Viel schneller und hektischer als noch gerade bevor sie gestoppt wurde. Sein Herz raste.

„Keine Ahnung“, Nietzsches Hände nahmen die Ahnungslos-Haltung an. „Weiß nicht. Ich meine. Niemand kennt seinen Namen.“

Paul stand im gleichen Moment auf, wie die Panik aus seinen Fingerspitzen gleich einem Stromschlag in seinen Kopf schoss. Die Raver-Welt längst wieder aus ihrer Starre gelöst. Es war laut. Hektisch. Unübersichtlich. Wild. Und… Dumm. Und in diese dumme, laute Wildheit der „Wilden Barbara“ sagte Paul zu sich und zu niemanden anderen in den Krach des Planten „Barbara“ der ihn umschlossen hielt: „Ich kenne seinen Namen.“

Dies ist die Geschichte von Paul Fleming. Tatsächlich beginnt seine Geschichte weder an diesem Tag, noch wird sie hier enden. Ebenso wenig ist Paul Fleming sein echter Name.

Stereotyp – 1 – Techno ist etwas für Idioten

Am „Jahrestag der Gründung der vereinigten Staaten von Europa“, befand sich Paul Fleming in einem Technoclub. Ausgerechnet Techno. Paul hatte diesen Techno-Raver-Unsinn schon immer gehasst.  Diese furchtbare elektronische Nicht-Musik, die von allen, die sie „abfeiern“, auch nur mit bewusstseinsvermindernden Drogen ertragen werden kann. Wenn man sich den unmündigen Bürger einmal zugute führen wollte, musste man nur in einen Techno-Club gehen und sich die Gesichter dieser Wohlstandskrüppel zu Gemüte führen. Mit ihren panisch starrenden, schlicht wahnsinnigen Augen. Den sinnlos mahlenden Kiefern. Und ihrer verschwitzten, pickeligen Haut. Manche Menschen trugen ihren Charakter tatsächlich im Gesicht.  Von dem Unsinn, den diese Unmenschen von sich gaben, einmal ganz zu schweigen. Denn wenn sie nicht wie selbstverliebt geile Roboter stakkatohaft tanzten, erbrachen sich die „Raver“ aufeinander mit ihrer ekelhaft feuchten, brülllauten Aussprache. Ganze Sturzbäche von geistiger Galle spien sie sich ständig gegenseitig in ihre Gesichter. Ohne Luft zu holen. Ohne nachzudenken. Doch wohin hätte Paul in so einer Situation in Berlin auch sonst gehen sollen?

„Bumsvoll“ war der Laden. Diesen Ausdruck hatte einer dieser Techno-Schreiaffen vorhin Paul gegenüber gebraucht, was der nur fade lächelnd abgenickt hatte. Diese verdammten Feiertage. Es war so schon schlimm in diesen „Läden“, wie die Techno-Affen ihre Clubs nannten, an den Feiertagen war es nur noch umso schlimmer. Paul konnte vor lauter Touristen kaum die Hand vor den Augen sehen. Dann hatte der dumme Techno-Schreiaffe noch zwei, drei weitere Male auf die Bumsvolligkeit des Ladens hingewiesen. Er schrie Paul weiter an, was für eine furchtbare Situation das sei in den Berliner Technoclubs.  Vor lauter Bumsvolligkeit traf man kaum mehr normale Menschen, also ECHTE Berliner in den angesagten, also guten Läden. Da müssten Typen wie er und Paul doch ein kleinwenig zusammenhalten, lachte und spuckte der Typ weiter. Paul. Nickte dem schwitzenden, stierenden Kerl einfach nur zu. Denn ganz egal wie furchtbar sich dieser Techno-Raver-Unsinn für ihn anfühlte: Draußen, im Vorher seines Lebens war es noch viel furchtbarer gewesen. Was konnte es da schaden mit einem ihm wildfremden Kerl via Jägermeister Bruderschaft zu trinken? Der Jägermeister riss Paul die Augen auf. Der Fremde lachte ihn brüderlich an. Klapste ihm auf die Schulter und frohlockte lachend: „Geht doch!“

Der Laden in dem sie sich befanden und in welchem sich die Menschen wie Kälber in einer Schlachtanlage drängten, hieß „Wilde Barbara“. Die „Wilde Barbara“ entsprach der dritten Generation von Techno-Clubs.  Nach den verbotenen illegalen Raves und nach den danach legal angemieteten Industriehallen, waren ganze, ehemalige Wohnhäuser das neueste Dinge in Berlin. Es gab nicht mehr den Hauptfloor mit dem Main-DJ. Im Jahre 2015 war auf jedem Stockwerk, in jedem Raum Party angesagt. Überall wurde gefeiert und so etwas Ähnliches wie getanzt. Alles war durchzogen mit dieser Mega-Underground-Berlin-Attitüde, die sich durch abgeklebte Handykameras und verrücktes Level-Design der einzelnen Locations wiederspiegelte. Jeder Raum musste als Event ein wenig aus dem Rahmen gefallen erscheinen, ohne allzu sehr zu irritieren. Da stand dann also ein alte Leute-Sofa und -Tisch neben einer Art Kachelofen in einem Folterkeller, dafür hingen die Klischee-Gittern und -Ketten an den Wänden. Dazu lief monotoner Minimal-Sound oder angesagter House von einem jedem Anwesenden unbekannten DJ, der gerade durch seine Unbekanntheit in diesem Räumen den Spirit eines Weltklasse-DJs anhaftete, ganz gemäß dem Berliner Motto: Hauptsache Underground – nur nicht zu berühmt sein. Die Besucher, die im gefühlten Alter von 18 bis 88 waren, saßen auf dem Sofa, dem Tisch und auf dem Kachelofen herum, schrien sich gegenseitig an, lachten ein Lachen, dass wegen der Druck aus den Boxen nirgendwo ankam und zeigten sich gegenseitig auf ihren Smartphones Bilder von Ecstasy, welches sie gerade im Begriff waren zu kaufen oder vor einer Stunde, fünf Tagen oder zwei Jahren gekauft hatten. Was diese Techno-Haus-Clubs nun von Großraumdiskos mit mehreren Floors und Sangria unterschied, konnte Paul beim besten Willen nicht erkennen. Er war aber weiß Gott auch nicht die Zielgruppe dieses Drogenlochs, in der nun schon zum zweiten Mal ein Rudel von halbnackten Feuerschluckern durch die Gänge zog und warme Luft verbreitete. Paul sollte es recht. Dies. War genau das, was er jetzt brauchte. Hier war jeder so sehr mit sich selbst beschäftigt, dass ihn sicherlich keiner wiedererkennen würde. Ob er Ketamin wolle? Er mit ihm, da drüber auf der Toilette? Sein neuer „Freund“ geiferte ihn an. „Nein danke.“ Dass waren die ersten Worte, die Paul Fleming in diesem Laden von sich gab, und doch fasten sie alles was er sah treffend zusammen. Sein Schreiaffen-Freund stand auf und verschwand „auf Toilette“. Währenddessen schwang sich ein etwa 20 Jähriger Kerl mit Hippster-Bart und roten Haaren voller Bartwichse auf die oberste Stufe des Kachelofens, zog sein Shirt aus und brüllte etwas unverständliches in die leicht amüsierte Menge, bevor er fast umgehend vom Ofen abrutschte und Kopfüber auf den Boden knallte. Vermutlich hatte ihm ein Reiseführer-Vlog so ein Verhalten in einem Berliner Technoclub nahegelegt. Hashtag: Echtesberlin. Die Raver dankten es ihm mit hämischen Gelächter. Paul schüttelte nur den Kopf und dachte an die Worte seines Freundes Niti: „Wenn der Erfolg den wenigen Recht gibt, gibt der Misserfolg den vielen Unrecht.“

Ketamin in der „Wilden Renate“ in Berlin

Wie das halt so ist. Man reist durch die ganze verdammte Republik, durch die ganze abgefuckte Provinz, um schließlich in der Hauptstadt von Ostdeutschland anzukommen. So was merkt man nämlich ganz schnell wenn man durch den Osten fährt, dass Berlin nämlich vor allem die Hauptstadt von Ostdeutschland ist. Vom Rest ist man ziemlich weit entfernt. WEST-Berlin hin oder her. Das hier ist der Osten. Nirgendwo gibt es so viele antisemitische Überfälle in der Bundesrepublik. Ganz klares Ossi-Ding. Oder Dortmund. Aber da bin ich das letzte Wochenende ja nicht hin.

Ich habe eh keinen Plan warum Berlin immer als so tolerant dargestellt wird, denn, nirgendwo wird man auf offener Straße so grundlos und saublöd angemacht wie hier. Das gibt es nicht einmal in Bayern. So was ist doch konservativ. Leute blöd anwichsen wegen nichts. Okay. Meistens ist es dann auch wirklich eh egal was für ne Hautfarbe oder Geschlecht das verabscheute Gegenüber dann hat: Hier hasst einfach jeder jeden. Wenn nicht jeder jedem gerade scheißegal ist. Was dann mit Toleranz verwechselt wird.

Von meinem hierher gezogenem Kollegen bekomme ich erst Mal eine rein gewürgt: „Hör auf so schwäbisch zu sprechen! Das mögen die Leute hier nicht!“ Und ich: „Was willsch denn du? Ich komm hald von da. S´sagt ja auch keiner was wenn einer von Berlin runter kommt: Red mal gscheid. Du Penner. Ich hasse dich, weil du mir die Nachbarschaft gentrifizierst.“ Weil Gentrifizierung. Das weiß der Berliner nicht, der zu 90 Prozent vom verhassten Toursimus lebt, gibt es eben auch in München, Stuttgart, Augsburg: Überall. Da musst du dann halt schon ins Ruhrgebiet oder in den Osten gehen um dem zu entkommen.. Da bekommst du dann halt auch deinen liebgewonnen Antisemitismus.

Die Berliner Clubs hängen mir schon lange zum Hals raus. Trotzdem gehen wir da natürlich hin. Was in der ersten Nacht immer problematisch ist: Ich bin noch gar nicht vom Kopf her angekommen und muss mich dann von irgendwelchen Arschgeburten an der Türe beurteilen lassen. Mag ich nicht. Wir wollten dann ins „Suicide“. Weil aber Liebesparade (Irgendwas) in Berlin war, war da ein gutes Line-Up gebucht. Nichts gewesen mit der leichten und schnellen Türe. Also dann doch gleich in „die wilde Renate“. Letztes Mal waren wir noch bei der Neueröffnung beim Club gegenüber, in der „Magdalena“; gibt es schon nicht mehr. An der Tür dann also Anstehen und blöde Blicke von blöden Türstehern. Die zwar gar nichts für den Umstand können, trotzdem das Gesicht des beschissenen Berlins sind. Klar. Man will nicht jeden Deppen im Club haben. Doch so was ist halt auch keine Lösung. Wir kommen dann rein, weil mein Kollege sagt, wir sind „Bordell-Nacht-Besucher“. Das ist da so ne Partyreihe. Und dann wird man gleich angegoscht, wegen mir wäre man fast nicht rein gekommen. Ich stand da nur. Und hab nichts gesagt: Aber nach der Ansage hat man gleich gar keinen Bock mehr. Da fährt man durch die ganze verschissene Republik zum Freund, und darf sich von dem Anhören, dass man Schuld ist irgendwo nicht reinzukommen: Was ist dir wichtiger? Die saublöde Location – oder der Freund der einen besucht? Das Ketamin was man drinnen kaufen kann. Ach so. Ja klar. Liebe steht im Raum…

Drinnen also erst Mal Streit. Immer der gleiche Streit über Erwartungshaltungen von dem oder von mir. Müßiges Thema. Das ewiggleiche. Bis man es dann gut sein lässt.

In der „Renate“ darf nicht gefilmt oder fotografiert werden. Da muss man dann wie im Kindergarten seine Handykameras abkleben.

Die Renate ist aber auch ne coole Location. Sehr Berlin like und ich mag ja Club mäßiges Sightseeing. Da bin ich gerne Tourist. Was dem einen sein Eiffelturm. Ist mir mein Cocoon-Club. Ultraschall. Watergate. Oder hier halt der „Salon – zur wilden Renate“. Die Renate ist einfach nur ein mehrstöckiges, verwinkeltes Haus, mit kleinen Zimmerchen, in denen zwar Floors sind, da aber irgendwie wieder Wohnzimmer und Club-Atmo in einem Mit Beichtstuhl und Vulva. Für so was ist Berlin bekannt. Ist auch ehrlich gesagt ganz cool. Gerade wenn man früh genug kommt, um mit zu erleben, wie die Floors nacheinander öffnen. Wie ein Fächer, der sich ausbreitet. Das war cool und machte Spaß. Auch wenn ich nicht auf Krawall gebürstet war. Mit Ende dreißig. Braucht man halt ein paar Stunden um anzukommen.

Der Freund war dann natürlich weg. Ketamin für sich kaufen. Und ich wippte und nippt da so. Alleine. Während die jungen Leute um mich herum feierten. Ich kam mir da schon ziemlich einsam und alt vor. Kein Wunder.

Der Freund kam dann zurück. Plärrte einen an, dass er jetzt Keta hätte. Und dass man nun gefälligst mitkommen solle. Auf Toilette. Zum Nehmen. Und ich: Näh. Ich hab genug Quatsch genommen. Jetzt reicht es aber. Ich will nichts Neues mehr ausprobieren. Ich will einfach nur am Leben sein. Und mich daran freuen.

Ich holte mir dann nen Longdrink und gab Trinkgeld (so euphorisch wie die sich bedankt haben, kommt dass da einmal im Jahr vor) und suchte und fand meinen Freund. Ehrlich gesagt weiß ich nicht viel über Ketamin. „Nahtod-Erfahrungen“ und „Pferdeberuhigungsmittel“ kommen mir in den Sinn. Beobachtet habe ich so was nie. Wie so etwas aussieht?

Mein Kollege stand mit weit ausgebreiteten Armen in der Ecke von einem kleinem Floor (roter, grüner Raum – was weiß ich) und hielt sich damit alle anderen Menschen vom Leib. Seine Zunge war mehr als träge. Der Verstand entrückt. „ÜÜÜäää üüüäää ääää“. Mehr kam da eigentlich nicht raus. Ich setzte ihn dann lieber auf ein Sofa. Wo er mir irgendwas davon erzählte, dass er das Universum sehen könnte. Tiefere Einblicke in unglaubliche Verhältnisse, wurden da behauptet. Mit einer Gestik, die er von einem irischem Dorftrunkenbold aus dem 18ten Jahrhundert gelernt zu haben schien. Der war vollkommen hinüber. Absolut. Vollkommen. Hinüber. Er torkelte und fiel über alles was da war (Menschen, Möbel, Emotionen) und war einfach total im Arsch. Ich übertreibe nicht wenn ich sage, dass Johnny Depp bei seiner Darstellung des Äther-Rausches in „Fear and Loathing in Las Vegas“ nüchterner und beherrschter rüberkam als mein Freund auf Ketamin. Ich dachte dann irgendwie, dass es eine gute Idee wäre ihn an die frische Luft zu bringen – was sich mehr als schwierig gestaltete, wenn man durch den ganzen Club im ersten Stock muss. Der war vollkommen hinüber. Kugelte am Boden herum. Blieb da einfach liegen. Gerne hätte ich sein Verhalten gefilmt – nur gerade wegen solchen Aktionen ist das Filmen hier verboten.

Ehrlich. Ich gehe jetzt bald seit 20 Jahren auf Techno weg. Habe mehr Drogen genommen und Druffis gesehen, als es sichtbare Sterne am Himmel gibt. So etwas. Ist mir jedoch noch nie untergekommen. Er lag dann da in ausgelaufenem Bier wie ein Schildkröte auf dem Rücken, in so einem kleinem Boot, was da als Zierde in der Gegend herumsteht. Klar kann man sich da auch rein setzen und schön drauf sein und die Sterne bewundern. Oder halt voll im Arsch sein und Stöhnen. Seine total Überdosierung wurde mir dann zu blöd. Ich stellte ihn irgendwann auf die Beine. Machte ihm die Jacke zu. Und brachte ihn irgendwie nach draußen. Wo wir einen netten schwarzen Taxi-Fahrer fanden, der auch solche Ruinen von Menschen nach hause fährt.

Die Tage danach waren sehr schön in Berlin. Der erste Tag. War von unermesslichem Grauen durchzogen. Nicht weil es so „unglaublich heftig war“. Ne. Es war eher unglaublich langweilig. Denn so ein Verhalten ist bei weitem nicht abendfüllend.

Wenn euch mein Beitrag zur „Wilden Renate“ gefallen hat, empfehle ich euch meinen Roman „Verlorene Jungs“. In dem erzähle ich am Beispiel eines verrückt/normalen Wochenendes von meinem durchgeknallten Techno- und Drogenleben. Klickt entweder hier bei Amazon oder hier Bookrix rein, von wo aus ihr auf weitere eBook-Shops Zugriff bekommt.

Viel Spaß damit!

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Absolution – 2 – Tanzen auf Ecstasy

Paul, um den es hier gehen soll, tanzte bald schon wieder alleine auf der stickigen Tanzfläche des „Ultraschalls“.  Nicht wirklich „alleine“. Die Tanzfläche war voll und wenn man nicht achtgab, konnte man sehr schnell die Person neben sich anrempeln und in ihrem Tanz stören. Es waren noch nicht die Jahre der überfüllten, geradezu überrannten Tanzflächen. Noch akzeptierte man den Raum den der Nächste benötigte um sich zu entfalten. Noch trampelte niemand auf der Moral dessen mit den gleichen Rechten herum. Paul tanzte nur für sich. Dafür war er nach München gereist. Er hatte das mit seinen Freunden getan und ja, dieses Feierreisen war hauptsächlich ein Freundschaftsding. Dennoch waren es genau solche Momente wie diese hier, die ihn immer wieder in die Clubs der großen, großen Stadt zogen. Paul liebte es zu Tanzen. Paul liebte diese Form von Freiheit. Wenn keiner etwas von dir will und die Musik dich in eine andere Welt saugt. Dass war Pauls Urlaub. Seine Freiheit. Seine Liebe. Für ihn waren diese Geschehnisse vorhin – die Umarmung mit Katha, die Bildung des magischen Kreises – nur Episoden der Nacht. Schönes Beiwerk. Tatsächlich aber war er nur zum Tanzen hierhergekommen. Darum ging es.

 

Katha hatte ihn noch angelacht. Dann war sie in dem falschen Nebel verschwunden, der wie eine Wand auf der Tanzfläche lag. Rein faktisch sah Paul gar nichts. Da war nur der Sound. Und der dicke, dicke Nebel. Hin und wieder blitzte etwas. Ein Arm flog vorbei. Eine wüste Gestalt… Irgendwo… Wäre er noch fähig zu Assoziieren, hätte er an Carpenters „Der Nebel“ denken können. Oder an ein schottisches Hochmoor. „American Werewolf“. Oder so. Die Optik war auf jeden Fall sehr spuky. Aber das war ihm natürlich total egal. Das Ecstasy schob ihn brutal voran. Und er fand es schön gerade Katha bei sich gehabt zu haben. Die süße, schöne, kleine Katha. Mit ihrem ehrlich schönem Lachen. Und den gelockten Haaren. Eine Frau, ein Mädchen mit 20 Jahren. Das aus ihrem Herzen heraus strahlen konnte. Und nein. Das konnte nicht nur die Wirkung des Ecstasys sein. Die  so genannten „Teile“ machen Dinge ja nicht schöner, sondern nur offensichtlicher… Er könnte gar nicht sagen, ob das stimmte… Auf alle, alle, alle, alle Fälle ging es ihm sehr gut. Ihm ging es leuchtend… Blendend. Wunderbar.

 

Als er begann im hellen, dicken Wolkennebel im Keller des Ultraschalls zu tanzen, wunderte er sich fast, wie leicht sich die gerade so schweren Arme fühlten, wie angenehm zart er sie zum harten Beat um seinen Körper gleiten lassen konnte. Er fühlte sich wie eine schwebende Sternschnuppe. Ein elektrisch geladenes Teilchen… Teilchen… Haha. Dabei musste er schmunzeln… Ohne auch nur eine Sekunde mit dem Getanzte innezuhalten. Ein Sonnenteilchen voller Glück. Und ja. Ihm war klar wie klischeehaft druff das schon wieder klang. Aber das war er. Ein Wesen voller Glück. Voller Energie. Jenseits von Gut und Böse. Ein Schmetterling. Ein Engel. Von sich selbst. Und von der Welt. Völlig losgelöst.

 

Er tanzte.

 

Der Nebel wurde mal mehr, mal weniger. Und bei dem Versuch die gekachelte Tanzfläche der alten Industrieanlage zu ein wenig zu durchlaufen. Verlief er sich… Auf diesen 30 Quadratmetern. Irrte er umher. Sah und trag niemanden. Was vollkommen unmöglich war. Und dabei war es doch auch ganz egal. So gut war das Gute. So schön war das… Schöne… Er würde gerne jetzt… Katha in die Arme nehmen. Gar nicht mehr. Nur einander festhalten. Und glücklich sein. Jenseits von Sex. Jenseits von allen Versprechen. Jenseits von Bindungen oder Zeit. Einfach nur hier, und jetzt. Und gut.

Er blieb stehen. Und tanzte weiter.

Nichts destotrotz zauberte es Paul ein Lächeln auf seine Lippen, als er neben sich Chris wahrnahm. Chris schien ihn – möglicherweise – schon eine Weile zu beobachten. Ob der Zeitraum in diesem Moment eine halbe oder gar fünf Minuten ausmachte, spielte in diesem Zustand keine Rolle. Pauls Verwunderung war kurz und sofort verflogen. Er mochte Chris. Auf Droge sowieso noch mehr als ohnehin. Was kein Grund für Paul war das Tanzen einzustellen. Sein Körper machte einfach weiter und wenn Chris Lust dazu verspüren würde, würde er mitmachen. Chris aber stand einfach nur da und rauchte seine Zigarette. Paul konnte und wollte auch gar nicht wirklich erkennen, was für ein Gesicht der Chris da zog. Es spielte auch gar keine Rolle. Die Musik, die Bewegung und die Droge bereiteten ihm genug Vergnügen um einfach weiter zu machen. Und als der im Untergrund weltberühmte DJ eine noch aufpeitschendere Platte spielte, musste Paul Chris einfach angrinsen. Dazu beschleunigte er seine Bewegungen. Chris grinste ihn aufmunternd an. Bis. Bis Chris sich zu ihm vorneüberbeugte und leicht nass in sein Ohr brüllte: „Lass mal hochgehen!“. Ohne zu Zögern nickte Paul seinem Freund zu. Er war inzwischen so drauf, dass jede Aktion eine gute Aktion zu sein schien. Das zweite Ecstasy-Tablettchen mit dem Misubishi-Symbol zu essen war ihm in dem Moment vor 20 Minuten wie eine blöde Idee vorgekommen – natürlich hatte er es trotzdem gemacht. Hatte die von einem dunklen Drogenimperium selbst gestanzte Tablette aus Chris verschwitzter schmutziger Hand in seinen Mund genommen. Sie hinunter gespült.

„Hochgehen“ war eindeutig ein Ausdruck dafür um an die große Bar zu gehen.

Absolution – 1 – Mit Freunden beim Feiern

„Was ist los mit dir?! Träumst du?!“ Katha streifte ihre Haare hinter ihr linkes Ohr zurück. Lachte ihn dabei an. Das Sekunden genau programmiert Licht der Scheinwerfer huschte über sie hinweg und erleuchtete ihr von innen heraus strahlendes Gesicht. Er huscht über ihre großen lachenden Augen. Ihren wunderbaren Mund mit den fröhlich entblößten Zähnen. Dann war das Licht fort. Nur das Lachen blieb. Ein Lachen. So einnehmend und wunderschön, dass es kein Licht benötigt um vorhanden zu sein. Paul strahlte zurück. Das Scheinwerferlicht war nun mit ihm. Einen Augenblick lang fühlten sie sich wie zwei große schöne Sonnen, die ihr Feuer ineinander reflektierten. Unvermittelt nahm irgendwer den anderen in die Arme. Es spielte auch gar keine Rolle, wer die erste Bewegung machte. Denn bei solchen Umarmungen gibt es keinen Auslöser. Nur das Gefühl einen Menschen den man mag in seinen warm verschwitzen Armen zu halten. Der Techno-Sound hämmerte über sie hinweg.

Sie trennten sich voneinander und tanzten ein wenig wild zu dem Techno-Beat. Wie man es seit jeher so macht. Miteinander. Und jeder für sich alleine. Bis einen weiteren Augenblick später, die anderen Freunde von irgendwoher absolut plötzlich zu ihnen kamen und sich mit ihnen freuten. Und tanzten. Es war einer dieser Momente, in dem sich die gesamte sichtbare Welt daran erfreute, vorhanden zu sein. Selbst der falsche Nebel freute sich. Ebenso wie die von warmen Schweiß nassen Fließen an den Wänden. Aus den Maschinen klackerte dazu stakkato mäßiges Geklacker. Während der Beat und der Bass ihren Körpern automatische Bewegungen vorgaben. Überall war Rhythmus. Eine heitere Diktatur. Alles was geschah, musste so geschehen. Geschah ohne Kraftaufwendung. Ohne Plan. Ohne Wiederstand. Ein unbeteiligter Beobachter, ein Vernunft- und Tagmensch, mochte die Szene in dem finster verrauchten, stinkenden Techno-Club als hart, kalt und rau, gar „Lebensfeindlich“  missverstehen, was nur daran liegen könnte, dass er das Glück in den Menschen nicht verstand. Dieses Treiben hier war alles andere als kalt und rau. Es war alles andere als lebensfeindlich. Es war das pure Glück. Ein Himmelreich. Unter der Erde. In einem alten Industriekeller. Den wahrhaftig. Die Gebrüder Grimm hatten gelogen. Und Kinder haben keine Ahnung von den Märchenlandschaften der Erwachsenen.

Dann schrie irgendwo wer. Und plötzlich schrien alle mit. Im programmierten Licht. Im inszenierten Nebel. Im Geschepper der Maschinen. Ein Gefühl wie im Garten Eden.

Irgendwer von den Freunden hatte Wasser dabei; es wird herumgereicht. Alle freuen sich. Ja geil jetzt! Wasser! Bis die Flasche leer war. Kein Wunder dass es am Ende nicht der schöne Miguel war der den letzten Schluck aus der Flasche nahm und dann ein wenig überrumpelt in seiner Dichtheit damit herum stand. Es war Chris. Der kleine deplatzierte Chris. Der schon immer nie ganz zu einer Gruppe gehört hatte und durch seine Erlebnisse und Erfahrungen einen viel reflektierten Charakter mit sich herumtrug als der gutaussehende Miguel. Miguel, der Südländer. Der Student. Ein Sammelsurium an Charme und Bildung, die sich profaner weise nie bis in seine Seele erstreckte. Natürlich war es Chris der ein klein wenig überfordert mit der leeren Glasflasche dastand. Im Nebel umher blickte. Bis er schließlich ein paar Meter entfernt einen Stehtisch erspähte und die Flasche dort hintrug. Währenddessen hatte sich Miguel längst zwischen die Frauen geschlichen und je eine mit einem Arm umfasst. Natürlich hatte er den letzten Schluck für Chris „übrig gelassen“. Zum Wassertragen war er zu wichtig. Auch wenn er das selbst gar nicht mehr wahr nahm. Chris kam zurück und stellte sich an die Seite.

In dem Kreis den sie nun bildeten gab es kein wirkliches Gespräch. Auch wenn ein paar Fetzen durch den brülllauten Sound hin und her gerufen wurden. Sie lachten sich nur an. Glücklich. Verstehend. Dicht. Es war jetzt genau der richtige Zeitpunkt nachdem sie zusammen und jeder für sich das Ecstasy genommen hatten, dass Chris in einer fast einstündigen Suche im Club aufgestellt hatte. Wahrscheinlich war dies auch der richtigste und genauste Zeitpunkt ihrer gemeinsamen Freundschaft, wie sie druff so im Halbkreis dastanden. Wie das Auge eines Orkans. IM Auge eines Orkans. Der aus ihrem eigenem Glück und  dem aufgewühlten Darumherum bestand. Tosend und still zugleich. Sicherlich würde sich ihre Freundschaft nie wieder so klar und intensiv anfühlen wie in diesem ehrlichen Moment auf Droge. Nichts könnte jetzt. In diesem Augenblick  der klarsten Wahrheit. Ihren Kreis durchbrechen.

Und dann war es auch schon wieder vorbei.

Schwierige Freundschaften

Vor nun auch schon ein paar Wochen war ich in Berlin. Ich besuchte dort einen Freund und diese Besuche waren in den letzten Jahren nie besonders leicht. Einerseits lag das an unserer schwierigen Beziehung zueinander, die gerade durch die Freundschaft eine anstrengende Komponente zweier Magneten besitzt, die sich je nach Jahreszeit abstoßen und dann doch wieder anziehen, andererseits an unseren persönlichen Ichs, an unserer Subjektivität, in der jeder sein eigenes Leben lebt das er in die Beziehung zum Anderen mit hinein bringt. Ich für meinen Teil lasse meine Probleme selten heraus, versuche mir daran die Schuld zu geben und sie im Stillen zu verarbeiten. Im Gegenzug ist es aber nicht so, dass er seine Probleme ständig herauslässt und anderen die Schuld gibt. Es kommt mir eher so vor, dass ich bei meinen Besuchen oft der Tropfen bin, der sein Fass zum Überlaufen bringt. Das ist sowohl schade als auch ehrenvoll für mich. Vor allem ist es sehr anstrengend. Für beide Seiten.

Wir sind nun einmal nicht mehr die Kerle, die wir vor 10, 15 oder 20 Jahren waren und ich will das auch nicht zurück. Nichts sollte vergangener als die eigene Vergangenheit sein. Mit nichts sollte man mehr im Reinen sein als mit dem vergangen Ich. Und mit nichts ist vermutlich schwerer klar zu kommen.

 

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In der gewissen Nacht gingen wir also zu den „Suicide Girls“, einer Burlesque – Tanzshow aus Amerika in „Huxleys neuen Welt“, die Kriese begann schon vorher. Denn Alkohol ist auch schon unter 60 Prozent ein Brandbeschleuniger. Nach dem Auftritt der ewig strahlenden, lachenden Damen  die mit ihren Titten und Ärschen wackelten und ein wenig Ruhe in unseren Sturm der Freundschaft brachten, schlug mein Freund auf mich ein, so sehr, dass mir gleich Bahnmitarbeiter zur Hilfe kommen wollten, die die Szene aus ihrem Fenster beobachteten; ich hab sie einfach weg gewunken. Mir war klar, dass das vom physischen Gewalt-Faktor kein Problem für mich war, auch wenn mein Freund es durchaus ernst meinte und mir ein paar Tage später noch immer einige Stelle am Körper „weh taten“. Dabei war mir auch klar, dass es in Wahrheit gar nicht um mich ging in seiner Wut, denn er warf mir vor „den ersten tollen Abend seit langem“ kaputt zu machen. Was ihn so wütend machte war nicht dieser typischen Tropfen zu viel, also diese Nacht und unsere Auseinandersetzung, es war sein Leben darum herum: „Der erste tolle Abend seit langem“ bedeutet im Umkehrschluss…

An diesem Punkt hätte ich noch Mitgefühl haben können, als er später einfach so aus der U-Bahn sprang und mich in ihr zurückließ – ohne Handy, nachts, in einer mir absolut fremden Großstadt, keine Ahnung wie ich nachhause kommen sollte oder auch nur in die Wohnung  meines Freundes von der ich a) keine Ahnung hatte wie ich dort überhaupt hingelangen sollte, in welchen Stadtteil ich überhaupt fahren musste und b) wie ich aus ihr meinen Autoschlüssel heraus bekommen könnte – war es mit dem Mitgefühl vorbei. Er hatte mich einfach zurückgelassen, mich, seinen Freund, der extra wegen ihm 8 Stunden mit dem Auto zu ihm gefahren war, und zwar deswegen, weil er mit seinem eigenen Leben unzufrieden war.  Na vielen Dank aber auch.

 

Später sagte ich noch Dinge wie man sie so sagt wenn man wütend ist,“ dass es das war!“, dass man sich nie wieder sieht, usw, usf. Während man noch etwas später halt doch noch über Whatsapp die Verbindung hält. Meine Freundin nimmt mich schon gar nicht mehr ernst wegen meiner Inkonsequenz. Möglich das sie Recht hat. Ich weiß nicht. Ich bin nicht gut darin Beziehungen zu beenden.

 

Gestern war ich zum Schwimmen im Hallenbad. Ich bin dort alleine hingegangen (wie jeden Wochentag in meinem Urlaub) und habe dort zwischen den Rentnern und vor allem den älteren Damen meine Bahnen gezogen. Und egal wie alt eine Frau ist und egal wie wenig Interesse von einem selbst besteht, noch ob ich bewusst überhaupt einen Gedanken daran verschwendet hätte, kommt mir das andauernde Lächeln der alten Damen unglaublich wohlwollend und interessiert vor. Ein wahrer Mann kennt nun mal keine Höflichkeiten vom anderen Geschlecht. Totaler Unsinn, ich weiß. Bei uns ist es gerade anders herum: Wir müssen uns darüber klar werden, dass das nur Höflichkeit ist, und nicht mehr. Während ansonsten von der „versteckten Sexualität“ die Rede ist. Ich kam mir also unglaublich anziehend und männlich in dieser Oma-Gesellschaft vor und musste daran denken, dass ich bei meinem vorletzten Berlin Besuch meinem Freund druff erzählt hatte (hatte damit angegeben) mit wem ich schon „was hatte“, was natürlich eine unglaublich blöde Idee war, da man druff nicht gerade gut argumentieren kann – und – weil wir natürlich immer auf die gleichen Frauen und Mädchen gestanden hatten. Mit den meisten Frauen war nicht viel passiert und selbst wenn, dann war das nun wirklich 20 Jahre her. Das war schon gar nicht mehr wahr. Die Meisten von denen sind inzwischen aus unserem Leben verschwunden oder verheiratet (was das Gleiche ist) und deswegen spielte es für mich keine große Rolle, lange, lange her – wenn es überhaupt passiert ist (man redet sich mir Jahren dann doch einiges ein – besonders wenn man Drogen nimmt – und vergisst auch wieder sehr viel – besonders wenn man Drogen nimmt). Ausformulieren konnte ich das aber nicht, zu sehr schepperte das XTC in meiner Birne und zu peinlich war mir das Ganze im Nachhinein. Und auch er sagte ja selbst, dass das keine große Geschichte sei – bis ich Monate später, als er am Bahnsteig auf mich einschlug eine Ahnung davon bekam, dass dem wohl doch nicht so war. Ich hatte – ganz Inception mäßig – einen Gedanken in seinen Kopf gepflanzt, und jeder denkt seine Gedanken auf seine eigene Art zu Ende. Und plötzlich vergleicht man sein Leben mit einem anderen, auch wenn der Vergleich nur eine Erfindung, eine Illusion ist, denn im Kopfkino über den anderen sind die Bilder immer größer, knackiger und auch erfolgreicher, als in der Realität, da wird dann aus ein wenig realer Grabscherei ein Halbstündiger Hardcore Porno. Und so kommt eines zum anderen. Und der Freund, den man bisher in eine Schublade kategorisiert hatte, ist plötzlich etwas ganz anderes. Von einer Minute auf die nächste.

 

Das sind Zeilen, die zu nichts führen. Ich will niemanden denunzieren, will mich nicht profilieren. Ich mache mich ja meistens eher kleiner als das ich bin. Ich will es einfach nur aus mir heraushaben. Dieses Missverständnis in der Freundschaft. Dieses Ungleichgewicht. Dass es in Wahrheit gar nicht gibt. Diese Irrtümer übereinander.

 

Es ist bald Weihnachten und so kitschig das klingt, würde ich mir jetzt einfach eine Zeit der Besinnung und Vergebung wünschen. Eine Zeit, in der man einfach mal gut sein lässt und sich selbst nicht an anderen misst, sondern sein Gegenüber akzeptiert. Du bist du, weil du bist wer du bist. Und ich bin ich, weil ich der werden musste, der ich bin. Die Menschen sollten sich nicht vergleichen, da jeder auf seine Art lächerlich ist. Da jeder sein Paket zu tragen hat. Nur verbirgt es der eine, während der andere nicht aufhören kann über sein Glück oder über seine Probleme zu reden.

Wir sind alle nur Menschen. Und wir könnten – noch kitschiger – alle einfach Freunde sein.

Der Terroranschlag in Berlin und seine Gewinner und Verlierer

Am 10.03.2006 raste nicht weit von hier ein Kleintransporter ungebremst in einer Trauergemeinde. Der Fahrer hatte einen Herzinfarkt erlitten und töte damit 3 Menschen und verletzte 50 schwer. Daran musste ich denken als gestern die Meldung durch getickert wurde, dass ein LKW mit hoher Geschwindigkeit in einen Weihnachtsmarkt in Berlin gerast ist und (Stand heute, am Tage danach) 12 Menschen tötete und ebenfalls 50 schwer verletzte.

Meine Freundin und ich sprachen diese Woche darüber, dass wir letztes Jahr an Silvester in München einer Terrorwarnung ausgesetzt waren und was für ein Zufall das war, dass wir am Neujahrstag genau in dem gleichen Mc Donalds waren, in dem Monate später ein einzelner Amokläufer wahllos sein Feuer auf Passanten eröffnete (noch heute liegen dort Blumen um der Toten zu gedenken).

Ein leichtes Gefühl von Terror glaube ich deswegen zu kennen und deshalb würde ich nicht in den Tenor einstimmen, dass der Terror jetzt auch UNS erreicht hat. Für mein Gefühl spielt es keine Rolle ob Leute in Frankreich oder Berlin von fahrenden Mordmaschinen getötet werden: Es ist gleich schlimm. Es ist für mich die gleiche Gesellschaft.

Schlimm, tragisch, unmenschlich, wahnhaft und viel zu unfair ist so ein Terroranschlag immer. Und vor allem feige. Wobei ich aus meiner Warte heraus gar nicht sagen kann (Stand jetzt) aus welchen Motiven der Mörder gehandelt hat, der (das folgt alles meinem Wissensstand nach) den Fahrer des LKWs töte und das Gefährt stahl um damit zu töten. Sicher ist, dass es aus Hass auf unsere Gesellschaft geschah. Religiöse Motive drängen sich auf, die drängten sich aber auch auf bei dem Amokschützen in München und bei dem absichtlichen Absturz des German Wings Flugzeug auf. Noch. Wissen wir so gut wie gar nichts. Halbinformationen hängen im Raum, nach denen der Attentäter aus Pakistan kommen soll, hier schon straffällig war und mehrfach seinen Namen gewechselt haben soll (wobei man inzwischen nicht einmal mehr sicher ist, ob sie den richtigen Mann haben).

Für meinen Begriff gibt es Terroranschläge – und Terroranschläge. Eine Form des Terroranschlags ist die einer Organisation, Al-Qaida am 11ten September von mir aus. Die andere Form ist der irre Einzeltäter. Ich finde, das sind zwei unterschiedliche Dinge, auch wenn es am Ergebnis nicht viel ändert, dem Tod und das Leid der Opfer. Der Unterschied ist, dass man gegen eine Organisation vorgehen kann, gegen Einzeltäter ist dieser Kampf fast sinnlos. Organisationen kann man infiltrieren, sie verfolgen und zerschlagen. Der Einzeltäter ist einfach nur einer unter Millionen. Ironischer weise ist es schwerer einen Einzelnen aufzuhalten, als eine ganze Organisation.

Sollte es sich beim dem Mörder um einen Menschen handeln, der in Deutschland Schutz gesucht hat, greift natürlich die AFD-Rhetorik, die wie immer nach solchen Gewalttaten um sich greift. Ja, dann hat dieser Mensch den Schutz den wir ihm geboten haben ausgenutzt um Mitbürger wie dich und mich zu ermorden. Das ist schlimm. Und ja. Es sind Millionen Menschen zu uns gekommen und ja, rein Mathematisch gesehen besteht ein erhöhtes Gefahrenpotential, dass es viele Gewalttäter unter diesen Flüchtlingen gibt (so wie es immer ein erhöhtes Gefahrenpotential gibt, wenn viele Menschen irgendwohin kommen, schließlich steigt mit jedem Menschen das statistische Risiko einer Kriminellen Tat, egal aus welcher Kultur er kommt u welche Hautfarbe er hat). Das ist nicht von der Hand zu weisen. Richtig ist aber auch. Das verhälnismäßig wenige der Flüchtlinge  Straftaten begehen (außer der Straftat, sich illegal in diesem Land aufzuhalten, was auch schon ein Teil der Statistik ausmacht). Und wenn wir schon bei unfairer Mathematik sind, was wäre geschehen wenn wir (gerundet) eine Millionen Menschen nicht nach Europa gelassen hätten, und deswegen davon (geschätzt) 30000 gestorben wären? Wie viele Tote Flüchtlinge ist dann ein Europäer wert? Diese Mathematik ist Menschenverachtend. Doch wer A sagt…

Ich will diesen Anschlag nicht kleinreden. Ich glaube, dass das niemand macht – auch wenn ihr Menschen wie mich als Gutmenschen verlacht – das hat auch keiner bei den Terror-Anschlägen in Paris gemacht.  Nur bei dem was im Bataclan geschehen ist, fühlte ich mich mehr angegriffen als bei dem was jetzt in Berlin passiert ist, denn Feiern und auf Konzerte gehen ist nun einmal meine Lebensart. Und ich habe nicht damit aufgehört auf Konzerte zu gehen, nur weil es verrückte Menschen auf der Welt gibt. Auf Weihnachtsmärkte gehe ich eigentlich nicht. Und ich werde jetzt auch nicht anfangen demonstrativ Glühwein zu saufen und mich auch noch dabei abzulichten, um unsere freiheitlichen Werte zu unterstreichen. Was für ein Unsinn. Es gilt das Gleiche. Heute wie damals. Ja. Ihr könnte uns töten. Ja. Ihr könnt uns erschrecken. Aber nein. Wir werden uns nicht ändern.

Und es ist und bleibt ein feiger Mord, der nichts mit dem Begriff „Märtyrer“ zu tun hat, wenn man Leute hinterrücks erschießt oder überfährt. JEDE Religion verurteilt das.

Ich habe die AFD erwähnt, die natürlich gleich wieder „Merkel“ (so wird die Kanzlerin sogar jetzt schon in der Tagesschau genannt) und den Flüchtlingen die Schuld gibt. Wäre dieser Mann ohne MERKEL hier? Man weiß es nicht. Ganz egal wie sich die Umstände in der nächsten Zeit klären: Die direkte Schuld hat bis jetzt und in alle Zeit der, der tötet. Und jene, die hetzen, sei es in einer Regierungspartei, der Opposition oder auf der Straße. Hat derjenige Schuld der Mitleid hat? Der Mitgefühl zeigt? In anderen Kulturen mag dies der Fall sein. Vielleicht wird es auch bei uns irgendwann soweit kommen, wenn die Gefühllosen gewinnen. Jene, die Menschen hassen weil sie anders sind. Weil sie die falsche Religion haben. Oder die falsche Hautfarbe. Noch ist er aber zum Glück nicht soweit.

Ich fand es auch nicht gut dass so viele Flüchtlinge unregistriert in dieses Land kamen; zu ändern ist es jetzt nicht mehr. Da könnt ihr noch so viel Hass verbreiten und mit dem Hass genau das erzeugen, was ihr euch vorgestellt habt: Eure selbsterfüllenden Prophezeiungen. Das ist ja der Witz an solchen Organisationen wie der AFD, dass sie nicht sinnvoll gegen das Ankämpfen was sie befürchten, nein, sie forcieren die Entwicklung lieber um am Ende sagen zu können: Seht wie Recht wir hatten. Doch wer wirklich Angst um dieses Land hat, der muss gegen die Angst ankämpfen, gegen den Terror arbeiten und keinen Gewinn daraus schlagen.

So werden wir Alle verlieren.