Urlaub in Japan

Am Ende siegt die Menschlichkeit.

Am Anfang waren wir überfordert durch die Wucht, mit der uns die größte Stadt der Welt traf. Gegen Tokyo (ich bevorzuge die Internationale Schreibweise) ist Berlin eine Kleinstadt – und Augsburg ein Einfamilienhaus. Als Deutscher ist man beeindruckt von der Skyline Frankfurts. Im globalen Bezug zur Megastadt Tokyo ist das mehr als süß. Egal an welchem Punkt und auf welcher Linie der Metro wir auch ausstiegen: Hochhaus um Hochhaus um Hochhaus. Eine Stadt wie ein Mond aus Stahl und Zement. Fast nirgendwo sind Tiere zu sehen; die Kinder fotografierten die seltenen Tauben auf der Straße. Nicht einmal Insekten haben wir gesehen. Eine Asphalt gewordene Dystopie der Urbanisierung. Dies war unser erster Eindruck, am ersten Tag, an dem wir tatsächlich von einem leichten Erdbeben geweckt wurden.

Die Japaner bevölkern diesen Moloch, der dich einsaugt und verschluckt wie ein Golem, wie eine Herde emsiger Ameisen. Sie wuseln überall in Horden umher und wirken dabei nur für das uninteressierte Auge unorganisiert. Jeder schein seinen Platz zu haben in diesem Gefüge, in dem – ganz Shintoismus –  jeder auf alles Acht gibt, in dem wir alle Teil von etwas ganz Großen sind. Und doch: Nur ein unwichtiges Detail, ohne dass das große Ganze ohne Verdauungsbeschwerden weiter existieren könnte. Die Tokyoter erschienen uns die ersten Tage als sehr einsame Wesen, wie (mir fällt kein besserer Vergleich ein) die „Stachelschweine“ in Schopenhauers berühmter Erzählung, in welchem die Tiere nur durch ihre distanzierte Nähe auf Distanz überleben können. Das war beeindruckend und erschreckend zu gleich. Diese unglaublich höflichen Menschen, die sich niemals unentschuldigt, wenn auch nur aus Unachtsamkeit, gegenseitig an den Schultern treffen können –  und dabei und vielleicht gerade wegen ihrer sozialen Möglichkeiten so unnahbar wirkten. Tatsächlich: Höflichkeit kann auch ein Schutzschild gegen zu viel Intimität sein.

Auf ewig hat sich für mich der Moment in meinen Kopf eingebrannt, als wir an einer Kreuzung in Yotsuya standen, meine Frau und ich, und wir, ganz normal europäisch ausgelassen miteinander redeten. Bis wir. Die Stille hörten. Umgeben von vielleicht tausend Menschen bemerkten wir wie ein im eigenen Leib rumpelndes Herz, dass niemand außer uns Worte an jemand anderen richtete. Während die Motoren der Automatik- und Electroautos schwiegen. Totenstillen in der 31 Millionenstadt. Wir konnten den seichten Wind hören, den man in einer normalen Großstadt höchsten unbewusst auf der Haut spürt. Nur unterbrochen von dem lächerlich lauten Geklacker eines voll funktionstüchtigen Fahrrads, welches über den Fahrradweg an uns vorbei zog. Die Ampeln sprangen auf Grün. Und der Herzschlag der Megacity nahm wieder seinen normalen Rhythmus auf. Meine Frau und ich sahen uns an. Gänsehaut. Was war denn hier gerade passiert?

Den Kulturschock schüttelten wir zum Glück recht schnell ab. Auslöser dafür war eine Filmreife-Szene, als wir oben im 52ten Stock des Hyatt-Hotels, in der New York Bar, in welcher auch große Teile des Filmes „Lost in Translation“ gedreht wurden, unsere Ehrfurcht der Stadt gegenüber verloren. Die Bar mit ihrem westlichen Ambiente verhielt sich indirekt proportional zum dem unfassbaren Ausblick, der sich von dort oben über das nächtlich leuchtende Tokyo bot. Von hier oben sah die unendliche Stadt aus, als wäre sie aus der berühmten Flugszene von „Blade Runner“ entsprungen. Ein filmreifer „Boah“-Moment, der uns ironischerweise stark erdete. Unbewusst erfüllte in diesem Augenblick die Kunst ihre eigentliche Aufgabe, dem Betrachter die Wirklichkeit besser zu erklären. Und wir stießen auf die unbändige Gier diese Stadt zu erkunden. Ein Teil von ihr zu werden. Außerdem war es Nacht. Und nachts ist Tokyo ein ganz anderer Ort als Tagsüber. Denn nachts findet der Tokyioter sein Lachen wieder.

Die bisher von ihrer Umwelt isoliert wirkenden Japaner erwiesen sich nicht nur als höfliche, sondern auch als sehr freundliche und gefühlsoffene Menschen, die alles dafür taten, um sich mit ihrem Gegenüber auseinander zu setzen; um sich mit ihm anzufreunden. Man muss die Leute nur freundlich ansprechen. Alle freuten sich darüber. Sei es in den kleinen Bars und Gassen von „Golden Gai“, in der größten Show der Welt im Nebenblitzlicht-Gedonner des „Robot Restaurants“, in der VR-Zone Shinjuku, als ich mit 7 Japanern in einer virtuellen Schießerei 4 gegen 4 spielte (und ich kein Wort von ihrem grauenvollen Englisch verstand), oder nach dem unglaublichen unjapanischen Geschiebe und Gedränge im Womb-Club zum DJ-Set von Diplo, als wir total erledigt unten auf dem 2ten Floor chillten. Jede/r freute sich über ein normales Gespräch mit Menschen, die aus einem anderen Kulturkreis kamen. Als fast zwei Meter großer Blonder mit blauen Augen stach ich zwangsläufig hervor. Berührungsprobleme gab es dennoch keine.

Später in Kyoto schon gar nicht mehr. Endlich entkommen aus der Megastadt an einem Ort, an dem Japaner Urlaub machen. Wo sich Schrein an Tempel, und der Kraiser-Palast an die unglaubliche Bergkulisse reiht. Als echter Bayer erklärte ich später meinen Freunden und Arbeitskollegen auf die Frage hin, wie schön es in Kyoto sei, meinen Eindruck mit einer kleinen Metapher: „Schloss Neuschwanstein schön“. Und jeder insgeheim auf das Märchen-Schloss stolze Bayer antwortete fasziniert: „Wirklich?“ Ja. Wirklich. Kyoto muss man gesehen haben. Und die unglaubliche Färbung der Bäume im Herbst muss man (Entschuldigung) erlebt haben.

Am Ende freute ich mit wieder nach Tokyo zurück zu kommen. Das Manga-Viertel Akihabara. Die verrückte Einkaufsmeile in Harajuku. Beides Orte in denen die Japaner die Möglichkeit finden, aus denen sich selbst auferlegten Konventionen auszubrechen. Denn die bunte Manga-Welt, für die, die Japaner in der ganzen Welt berühmt sind, wird nur von den Allerwenigsten öffentlich ausgelebt. Auch dort ist Manga-Welt eine pure Phantasiewelt, in der sich die Menschen vor dem tristen Alltag flüchten. Als Tourist sind diese Orte dennoch sehr unterhaltsam zu sehen. Nicht nur wegen Manga und Anime. Sondern auch wegen ihren verrückten Cafés, in denen man mit z.B. Katzen, Eulen und Igeln entspannen kann.

Was von diesem Trip nach Japan in Erinnerung bleibt sind für mich aber nicht die traditionellen Sehenswürdigkeiten oder das verrückte Neon-Doppelleben der Japaner. Nicht einmal die Schönheit der Natur. Nein. Tatsächlich ist es die Menschlichkeit und die Freude am leicht versetzten Blick auf die Welt des anderen, der mir in Erinnerung bleiben wird. Kein BESSERES Leben, wie man in Deutschland oder in Bayern gerne wertet. Sondern einfach nur ein wenig anders. Nicht richtiger oder falscher. Auf kein Weise. Diese Erkenntnis wird in mir länger überdauern, als jeder tolle Schrein den ich gesehen habe. Die Menschen hinter den Monumenten.

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Meine Wut darüber, dass der amerikanische „Ghost in the Shell“-Film floppt

Die amerikanische Version von „Ghost in the Shell“ (Gits) ist kein überragender Film geworden, aber ein sehr guter. Das Problem für einen Fan der ersten Stunde wie mich ist der Plot des Films, wobei man als echter und ehrlicher Fan, dem der Erfolg des gesamten Projekts am Herzen liegt, hier Zugeständnisse machen sollte:

Für ein globales Publikum, für die breite Masse, muss man den Anspruch ans Publikum herunterfahren. Ja. Das Produkt wird verwässert. Ja. Der Anime hat mehr Tiefe und das ist auch dessen Stärke; wer aber die Serie und den Manga mag, kommt auch damit klar, dass manche Dinge etwas softer angegangen werden, denn dort war auch mehr Platz für Spaß und Albernheiten.

Und ganz wichtig: Die Geschichte des Animes ist nicht die der amerikanischen Verfilmung. Der Film von Rupert Sanders ergänzt das Gits-Universum. Er ist mehr als ein Aufguss.

Über die Optik des amerikanischen Filmes gibt es keine Debatte: Die ist Atemberaubend.

Dass der Film nun ein eindeutiger Kassenflop ist, kommt für Fans wie mich einem Desaster gleich, denn Gits ist und war auch ein Pilot-Projekt für sämtliche nachkommende Manga- und Anime-Verfilmungen. Wenn so ein Projekt, dass 120 Millionen-Dollar gekostet hat, baden geht, bedeutet dass  das ähnliche andere Projekte nicht realisiert oder billiger veranschlagt werden, was im Bezug auf einen neuen „Akira“-Film eine Katastrophe ist, da der Film nun einmal viel Geld für seine Realisierung braucht, denn ein „Akira“ in billig geht nicht. Diese Dystopien kosten einfach Geld.

Sollte „Gits“ wirklich wegen dem lächerlichen Vorwurf des „white washings“ vom Kunden nicht angenommen worden sein, bekomme ich echt das Kotzen, denn einer Geschichte mit so einem internationalen Setting (egal ob im Manga oder im Anime) so etwas vorzuwerfen, ist absolut lächerlich – und wer den fertigen Film gesehen hat weiß zudem, dass es unbegründet ist. Ja. „Scarlett Johansson“ spielt die Hauptrolle in einem Film dessen Vorlage von Japanern für Japaner gemacht wurde, aber, bereits damals wurde die Figur des „Majors“ als jemand beschrieben, die sich, da sie keinen menschlichen Körper – „Shell“ –  mehr besitzt, ihren Verstand – „Ghost“ – in einen menschlich anmutenden Cyborg-Körper transferieren ließ; und dabei bevorzugt sie KAUKASISCHE Modelle. So viel zum Thema „white washing“. Warum der Major eigentlich „Kusanagi“ heißt wird im amerikanischen Film erklärt. Das Problem mit der Erklärung ist nur, dass sie der Dreh- und Angelpunkt im fertigen Film ist, und dass im Vorfeld zu spoilern hätte den ganzen Kino-Besuch überflüssig gemacht.

Dass man einen Film dieser Größenordnung mit einem Super-Star besetzen muss, ist logisch und  verständlich und Johansson spielt den Major wirklich gut. Ihr kann man keinen Vorwurf machen. Vorwürfe kann man nur denen machen, die keine Ahnung von der Materie haben und stur behaupten: „Ja ne. Eine japanische Geschichte muss auch japanische Hauptdarsteller haben.“ Das ist Unsinn. Wer wie ich viele Mangas liest weiß, dass die Figuren oft nicht als pure Japaner angelegt sind, sondern als Hybridwesen, die fast immer internationale Züge tragen (siehe hier z.B. „Attack on titan“ wo die Realverfilmung optisch nichts mit den Mangas zu tun hat, obwohl dort nur Japaner besetzt wurden), oft sogar keine japanischen Namen; Mangas orientieren sich am internationalen Markt. Bezeichnenderweise spielt die Handlung nie in Tokio sondern in „Newport City“.

Besonders auffällig ist das im Gits von 2017 an der Figur des „Togusa“ zu erkennen, der von einem japanischen Darsteller wortwörtlich verkörpert wird – und nicht einmal ansatzweise so aussieht wie sein „Original“ im Anime oder Manga.

Außerdem: Was ist das für ein Vorwurf? Warum muss ein japanischer Film ausschließlich mit Japanern besetzt sein? Sind amerikanische Filme nur mit Amerikanern besetzt? Das ist lächerlich… Würde es sich bei „Gits“ um eine der unzähligen Bibel-Verfilmungen Hollywoods handeln, wäre der Vorwurf gerechtfertigt (Moses, Jesus und so weiter sollten wie Araber aussehen, nicht wie „Christian Bale“ und Konsorten), bei einer Dystopie über eine Zukunftswelt in der die Kulturen verschmolzen sind, macht dieser Vorwurf aber keinen Sinn, dann könnte man das „Blade Runner“ auch vorwerfen.

Ich mag den amerikanischen „Ghost in the Shell“, auch wenn ich Manga und Animes bevorzuge. Aber mich haben schon immer mehr die Nischen mit Anspruch interessiert, und dass kann man von „Otto Normalverbraucher“ halt nicht erwarten; ja, hier stelle ich mich wirklich mal in den Vordergrund. Der globale „Otto Normalverbraucher“ will nun einmal tumbe Aktion-Filme sehen, die nicht mehr sind als blanker Trash. Und das ist auch okay so. Ich habe mir in meiner Jugend auch gerne die Schwarzenegger-Vehikel angesehen. Nur hätte ich nicht behauptet, dass diese Filme wirklich gut sind. Sie sind was sie sind, sie erfüllen ihren Zweck, es ist gute Unterhaltung. Aber kein guter Film. Und schon gar kein Meisterwerk. So wie kein Film mit „Vin Diesel“ ein guter Film ist und auch kein einziger der „Marvel“-Klötze. Das ist leichteste Unterhaltung ohne jeglichen Anspruch und in einer Welt wie der unseren in denen die Menschen fast ein wenig von ihrem tristen Schicksal abgelenkt werden müssen, braucht es auch so „Colosseum-Unterhaltung“, in der Menschen und gute Vorsätze dem Pöbel aus Spaß-Gründen zum Frass vorgeworfen werden. Hirn aus: Danke schön. Viel Vergnügen Otto!

Nur ist es schon sehr anstrengend andauernd mit diesem Müll zugeschissen zu werden, der immer nach dem gleichen Prinzip funktioniert und jetzt nicht einmal mehr die Perspektive zu bekommen, anspruchsvollere Unterhaltung erwarten zu können. Denn das ist „Ghost in the Shell“ und hätte es mit dem zweiten amerikanischen Film werden können: Anspruchsvolle Unterhaltung. Zum Mitdenken und Mitfühlen. Aktion-Filme, die dem Zuschauer auch mal Fragen aufgeben. „Inception“ ist darin das Vorbild. Und von solchen Filmen hätte ich sehr gerne mehr gesehen.

GHOST IN THE SHELL – Official Teaser Trailer (2017) mit Scarlett Johansson

Ich bin ein Mann. Deswegen stehe ich auf Scarlett Johansson. Von der sollte es eh viel mehr geben (junge, ältere – ALLE). Nur als „Major“ Motoko Kusanagi in Masmamune Shirows Meisterwerk (MEISTERWERK!!!) „Ghost in the Shell“… Ich weiß nicht…

Bei dem Thema bin ich nicht nur Fan, da bin ich Nerd. Und auch wenn die ersten Teaser nicht den schlechtesten Eindruck hinterlassen, zeigt sich hier auch ein eindeutiges Problem: Menschen sind zu menschlich um Figuren aus dieser Welt zu spielen. Gerade so ne Hammerbombentraumfrau wie die gute Frau Johansson.

Der größte Kritikpunkt am Anime „Ghost in the Shell“ aus dem Jahre 1995 (ich weiß noch wie ich mit 14 wohl als einer von gerade mal 100 Jugendlichen in ganz Deutschland auf den Film hingefiebert habe, kannte man hier ja nicht, das war VOR der Globalisierung) war immer, dass der Film zu kalt sei. Die Figuren agieren und wirken abstoßend und kühl. Die Zuschauerdeppen (wir) wollen sich doch mit den Figuren identifizieren (warum sollte man das eigentlich wollen?) Auch die philosophische Grundstimmung war nicht jeder Manns Sache. Die Kritik ist richtig. Das sollte aber auch so sein. Gegen „GitS“ war der ebenfalls legendäre und auch kühle“Blade Runner“ im Vergleich ein Hippie-Movie von Russ Meyer (auch ein guter Mann, nur eine andere Geschichte).

 

An sich ist die Besetzung von Johansson sehr logisch. Sie ist ein Promi und erfüllt die Körperlichen Merkmale der Figur. Nein. Es geht gar nicht um Johansson an sich, es geht darum, ob dieser Film überhaupt in „life action“ umzusetzen ist, da er viel zu futuristisch ist; ganz im Gegensatz zum anderen epochalen (ja, heute wird alles ein wenig superlativiert) Anime „Akira“, für dessen Verfilmung man nur unglaublich Film Geld benötigen würde, um ihn glaubhaft darzustellen. Denn dort handeln Menschen, keine Maschinen. Das Dilemma von Johanssons Charakter ist aber, dass sie selbst kein Mensch mehr ist, nur ihr Gehirn entspricht dem eines Menschen, was sie vor die Frage stellt: Was bin ich und was bedeutet es menschlich zu sein? Kann ich mir selbst noch trauen oder bin ich fremdgesteuert? Was bedeutet es nur die Summe von Informationen und elektrischen Impulsen zu sein?

 

Der Film wird natürlich angesehen. I freu mi drauf!

 

Er beruht nebenbei NICHT auf dem Anime „Ghost in the Shell“, nein, er beruht auf der Serie, nicht auf dem Spielfilm (was wohl wegen des Endes des Animes auch verständlich ist) und wir werden der Lösung des Falls vom „Lachenden Mann“ beiwohnen. Wir dürfen gespannt sein, ob das auch in einem Spielfilm funktioniert.

 

Hier noch mal der Anime von 1995:

Nicht gut, jedoch auch nicht ganz schlecht gealtert, von der Optik her. Story mäßig war der seiner Zeit unglaublich weit voraus 🙂

(Macht den Untertitel an)

Future War 198x – Zeichentrick-Film (Anime) über den dritten Weltkrieg

Dieser Film hat mich in meiner Kindheit sehr geprägt, da ich auch viel zu jung war um ihn zu sehen. Seitdem hatte ich in der Nacht immer Angst wenn ich Flugzeuge über unser Haus donnern hörte, weil ich dachte, der dritte Weltkrieg wäre ausgebrochen.
Trotzdem halte ich den Film für sehr wichtig, da es eben nicht nur der mir einzige bekannte Film über den dritten Weltkrieg ist, sondern weil darin der Krieg zu keinem einzigen Zeitpunkt idealisiert wird und es auch keine heldenhafte Nation gibt.

Es wird vom großen Krieg zwischen den USA und den UDSSR erzählt, zwischen NATO- und Warschauer-Pakt-Staaten, der dabei nicht nur ein Krieg der konventionellen Waffen ist, sondern in einen erschreckenden Atom-Krieg mündet, der schließlich sogar auch noch im All ausgetragen wird, im großen Finale (was weniger mit Science-Fiction zu tun hat als man im ersten Moment glaubt, immerhin sollen die Russen im Moment einen neuen Killer-Satelliten in der Umlaufbahn haben), in der Wataru mit einer an ein Raumschiff montierten Laserkanone versucht die Atom-Raketen abzuschießen, die von einem Erdteil auf den anderen zusteuern.

Der Held ist Japaner, seine Freundin Amerikanerin und trotzdem werden die Russen nicht einfach als „böse“ und die Amerikaner als die „Guten“ dargestellt (auch wenn der Präsident schon sehr aus sieht wie ein Kennedy). Es gibt furchtbare Gewaltdarstellungen, nicht weil es so grausam, sondern so bedrückend realistisch für mich als Kind war. Ein Teil der Handlung spielt auch in Deutschland. Wir waren nun einmal die Grenze zum Osten und wie die Panzer der Russen das Land plattwalzen war damals gar nicht so abwegig – und wenn man an die Ukraine denkt überkommt einen das Schaudern.

Der Film schreckt ab und dazu wird im Prinzip die gleiche Erzählweise verwendet wie Emmerich es mit seinen Katastrophen-Filmen macht, was hier einen guten Film ausmacht, bei Emmerich nerven die kleinen menschlichen Dramen nur. Warum das hier funktioniert? Weil die Figuren einfach verrecken. Da wird kein Hund gerettet oder sonstiger Rücksicht auf den Zuschauer genommen: Am Ende gibt es fast keine Großstadt mehr auf dem Planeten, die nicht dem Erdboden gleichgemacht wurde – die Erde ist vergiftet und zerstört.

Es ist schade das Hollywood sich mit seinen Möglichkeiten nie an so ein Projekt getraut hatte, sondern die „Menschheit“ gegen Aliens kämpfen lässt, nur um dann leichte Unterhaltung zu servieren. Krieg ist keine leichte Unterhaltung. Und was für eine Stimmung damals in der Welt herrschte zeigt schon der Titel an, in dem ein „198x“ steht, das X steht für das Jahr, in der der Krieg hätte ausbrechen können.

Leider konnte ich nur eine japanische Version des Films auf Youtube auftreiben. Es gibt keine Veröffentlichung auf DVD und die auf VHS habe ich schon lange nicht mehr. Schade.