Meine Lieblingsserie zur Zeit: „Atlanta“

Da hat mein Frau geschimpft: „Jetzt haben wir Prime, Netflix, Sky go und wenn wir uns anmelden würden durch den blöden Gutschein auch noch Maxdome ein halbes Jahr umsonst – und du kaufst dir eine Serie!“

Da hat sie Recht. Es gibt so viel unfuckinfassbar viel Content anzusehen, dass man nur noch vor der Glotze sitzen könnte. Trotzdem. Durch das „This is america“-Video bin ich auf Donald Glover aufmerksam geworden, habe ihn im Internet gestalkt (der Mann ist Schauspieler, Comedian und Musiker) und bin immer noch hellauf begeistert. Denn „Atlanta“ ist so dermaßen gut und dicht geschrieben, dass es eine Freude ist. Klar. Die Schauspieler sind auch toll, das Setting das packenste seit „the wire“ und es fühlt sich einfach verdammt „real“ an („real“ bitte Englisch lesen, bin gerade auf meinem Anglizismen-Trip). Und dabei so on point geschrieben. So lustig, dramatisch und gesellschaftskritisch zu gleich.

Wisst ihr.

Ich habe mir erst „4Blocks“ angesehen, eine deutsche Serie, die echt nicht verkehrt ist und eigentlich nicht viel mit „Atlanta“ zu tun hat, außer, dass es im kriminellen Milieu spielt. Wobei „4Blocks“ schon wieder sehr „Tatort“ ist. Trotzdem habe ich „4Blocks“ sehr gemocht. Frederick Lau hat es halt rausgerissen. Während Kida Khodr Ramadan eine genauso schlechte Perfomance abliefert, wie meine Rechtschreibkünste: Kann man machen, ist aber scheiße. Im Vergleich zu „Atlanta“ ist das aber leider handwerklicher Müll. Viel zu schwammig. Überhaupt nicht innovativ. Denn „4Blocks“ traut sich leider nichts, außer Krimi. Man hätte da so vieles mit rein nehmen können, hätte man dem Zuschauer noch mehr zugetraut. Na. Vlt gibt es ja mal ne zweite Staffel von „4Blocks“.

Worum geht es eigentlich in „Atlanta“? Ganz knapp gesagt um einen armen Jungen („arm“ ist hier wörtlich zu sehen), der durch und mit seinem Cousin im Rap-Buisness durchstarten will. Doch. Das ist gar nicht so einfach.

Wie gesagt. Seht es euch an. Ich habe sehr viel Spaß damit.

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Darum ist GHOST IN THE SHELL so wichtig

Kann man ruhig mal teilen und ansehen – für euch Unwissende dort draußen 😉

 

Mit begleitet der Anime und Manga schon mein ganzes Leben lange und hat mich in Bezug darauf beeinflusst, was ich von einem Film erwarten kann, was Story, Optik und Forderungen an den Zuschauern angeht.

 

Die Metaebene zu „the hateful 8“

Wir waren gestern bei „the hateful 8“ im Kino und gingen ein wenig unbefriedigt aus dem Kino. Nach den „Basterds“ und „Django“ hatte ich einen Film mit einem großen Kniff erwartet und den hat „the hateful 8“ nur auf der Metaebene. Das ist nichts Schlimmes. Die „höhere Ebene“ ist nur so versteckt, dass sie dem „gewöhnlichen“ Kino-Zuschauer einfach verborgen bleibt. Der sieht nur ein paar Leute die sich über den Haufen schießen und das mit einem ordentlichen Gore- Anteil. Es ist sogar so viel Blut, dass sie der Handlung nicht hilft, sondern einen ziemlich blind für das macht, was die Protagonisten  sagen und tun.

 

Der folgende Text wird einige Spoiler enthalten, also ab hier nicht weiterlesen wenn man den Film noch sehen will. Und bei dem Rest gehe ich davon aus, dass er den Film gesehen hat.

 

Tarantino schafft es in diesem Dialoghaltigen Film nicht, gute Dialoge zu schreiben. Die Figuren sind einem weites gehend ziemlich egal und bis auf die Erzählung (plus Rückblende/oder ist es nur eine Vision?) von Samuel ist der ganze Film  kaum auf einen Moment verdichtet. Es zieht sich über die komplette Handlung. Das ist natürlich eine Verbeugung vor „Spiel mir das Lied vom Tod“ oder anderen Genre-Klassikern, es verlangt einem aber auch viel Geduld ab. Das ist sicherlich vom Regisseur gewollt, ist nur für den selbigen ziemlich schwach, wenn man seine anderen Filme mag.

 

Jede Figur in diesem Film ist böse und handelt unmoralisch. Nur ein Protagonist entwickelt sich wirklich weiter und am Ende sind entweder alle Tod oder dem Tod geweiht. Eine direkte Moral die Tarantino dir ins Gesicht ledert, gibt es also nicht. Das geschieht auf einer anderen Weise.

„The hateful 8“ ist eine Parabel über Kopfgeldjäger/Gesetzeshütern, die auf Verbrecher treffen. Doch es ist mehr. Es eine Geschichte über Rassismus und noch viel mehr darüber, dass auch „Gesetzesvertreter“ schlimmere Verbrecher sein können, als die Leute, die sie jagen. Das folgende „10 kleine (Pardon) Negerlein“-Prinzip nimmt der Geschichte nur die Tiefe, da die Figuren an sich gar keine Möglichkeit haben um sich zu entwickeln, was zeigt, dass Tarantino in der Enge einer Hütte keine packendes Kammerspiel inszenieren kann, weswegen er auf der einen Hand kein guter Theaterregisseur wäre. Auf der anderen Hand will er das auch gar nicht unter Beweis stellen.

Tarantino benutzt die Figuren um eine Geschichte über Amerika zu erzählen, über Polizeigewalt, über deren Willkür, jedoch auch über Rassismus, in welcher der Schwarze aber auch nicht einfach nur der „Gute“ ist (erinnert euch an die Szene, in der Samuel erzählt, wie der Kerl ihm seinen dicken schwarzen Schwanz lutscht, und tauscht hier die Rolle aus, schwarz gegen weiß, und überdenkt wer sich hier wem für einen Decke erniedrigt, im gesellschaftlichen Sinn).

 

Die beiden roten Faden die sich durch die Geschichte ziehen, sind die Selbstjustiz und die Lüge; nicht umsonst lässt er den „Engländer“ die Geschichte des Henkers erzählen, der seinen Job ohne Emotionen nachgeht, nur für Geld, als Broterwerb, was sein Handwerk zu einem gerechten Handwerk macht, da er ohne persönlichen Bezug oder Urteil ans Werk geht, während die Selbstjustiz immer nur eine unfaire Form von Rache ist, die auf Selbstbefriedigung setzt, und eben nicht auf kühle Gerechtigkeit, und aus dieser Geschichte wird schlussendlich in der vorletzten Einstellung der berühmte Schuh, während sich die beiden „Helden“ am Ende darüber kaputt lachen (man kann sich bei dem Gelächter sogar eine passende blutige Erektion in ihren Hosen vorstellen), wie Daisy an dem Galgen stirbt, dessen Strick sie selbst halten, ja, „der Henker“ (Kurt Russel) war gerecht, sie sind es aber nicht, sie verstehen nicht den Unterschied zwischen einem Urteil und Meuchelmord; und nicht umsonst lässt Tarantino kurz vor dem Tod aus dem gefälschten Lincoln-Brief vorlesen, dessen Echtheit der naive Henker länger als Wahrheit voraussetzt (eine weiter Möglichkeit zur Interpretation: Man muss naiv sein um einem Schriftstück/dem Gesetz zu vertrauen), und nicht umsonst sind die meisten Charaktere nicht das, was sie am Anfang vorgeben zu sein, teilweise dürfen die Schauspielerischen Handlung gar nicht zur vorgegebenen Vita der Hüttenbewohner passen.

 

Ja. Tarantino hat auf der Metaebene den Swag voll aufgedreht (es gibt schließlich noch mehr davon, man erinnere sich daran, dass der verlogene Lincoln-Brief der Samuel-Figur das Leben gerettet hat und er dazu meint, dass ein schwarzes Mann solche Dinge braucht um gehört zu werden usw. usf.) doch man muss sich wirklich hinsetzten und über das Ganze noch einmal tüchtig nachdenken. Macht man das nicht, sieht man nur einen hohlen Plot, in der nach dem Vorbild von Anime/Mangas, oder japanischen Regisseuren wie Takashi Miike oder nach Kitano die Menschen praktisch zerfetzt werden oder teilweise explodieren. Und der Clou dass einer im Keller versteckt war… Nun ja. Das ist kein Twist, das ist einfach Verarsche des Zuschauers (denn wenn ich schon weiß das vermutlich ein Verräter unter den Leuten ist, trinke ich nicht jeden Kaffee und schaue sicherlich auch mal im Keller nach…), denn die Erzählung macht absichtlich den Anschein, dass es sich nur um die Leute im Raum  dreht…

Wer nicht genau hinsieht, findet hier nur eine hohle, wenn auch brutale Handlung. Und ohne arrogant wirken zu wollen, das machen die meisten Leute auch nicht. Deswegen gefiel ihnen auch der meiner Meinung nach dürftige „Django“, der zwar ein perfekter Unterhaltungsfilm mit typischen Tarantino-Momente und grandiosen Schauspielern war und ist, auf der Meta-Ebene jedoch nichts zu erzählen hatte – außer das ein Schwarzer Kopfgeldjäger war. Nun ja. Das trägt auch keinen ganzen Film.

Nein. Ja. Nach dem Kino fand ich „the hateful 8“ wirklich mehr als dürftig. Aber er hat etwas. Und sollte reichlich für Diskussionen mit den Kumpels auf dem Heimweg sorgen.

Fiktionen sind Lügen anhand von "Almost famous"- Der Film

An diesem Film sieht man, was an Hollywood-Filmen alles falsch läuft. Diese aufgeblasenen, falschen Mythen und Träume die dort plattgebügelt verwurstet werden, die einem aber am Ende das Gefühl geben, man habe einen guten und unterhaltsamen Film gesehen, der ECHTE Gefühl transportiert oder in einem wachruft – Bull Shit.

Der ganze Film ist eine heiter, lächerliche Traumblase voller infantiler Moral, die als ganz große Coming-Of-Age-Geschichte (der Junge, das Mädchen, die Band) inszeniert wird und genau die Hollywood-Plattitüden verkauft, die unser eigenes Leben dagegen blass und farblos zurücklassen, da wir diese Hyperrealität niemals erreichen können. Das geht nur auf der Leinwand.
Dieses Versöhnliche und niemals ganz Kaputte, die kleinen Lügen, die uns glauben machen sollen, dass das Leben so ist oder so zu sein hat. Aber es wird weder das wahre Business gezeigt, noch die wahre Drogenrealitäten. Es ist eine Onaniervorlage für Alt-Hypes und jene, die „gerne in dieser Zeit gelebt hätten“. Eine grausame Verklärung, aufgeblasen auf 2 Stunden, Pop-Corn kompatibel verpackt.

Und ihr meint vielleicht: Hey, das ist ne Komödie! Ein 15 jähriger Junge der als Autor für das „Rolling Stone“ eine aufstrebende Rockband auf Tour begleitet – das kann man doch nicht ernst nehmen! Das ist doch nur das Vehikel um eine Geschichte über das Erwachsenwerden, Liebe und Freundschaft zu erzählen…
Und ich meine darauf: Hey! Man kann viele Geschichten über das Erwachsenwerden, Liebe und Freundschaften erzählen, aber ich kenne niemanden, der so erwachsen geworden ist! Das ist nicht die Realität. Erwachsenwerden ist ganz anders. Es ist brutal, hart und sicherlich auch schön: Aber leichte Erkenntnisse und Geschenke gibt es dabei keine.
Es mag Menschen geben, die die Leben der Menschen in „Komödien“ und „Tragödien“ einteilen, oder in einen Mix daraus, doch in Wahrheit ist es doch eher so, dass wir uns von Komödien keine schalen Lebensweisheiten auftischen lassen sollten – denn sie lügen. Sie verklären nicht weniger als die Wahrheiten, weil sie die Menschen nicht überfordern wollen. Im Gegenteil. Und das ist das Format.
Ihr mögt sagen: Das ist Unterhaltung.
Ich sage: Mit so was hält man die Menschen gefangen: Unter-Haltung.
Solche Utopien (denn nichts mehr ist es) wie dieser gut gemeinte Film sind schlimmer als alles andere, weil sie dumme Träume schaffen, sie sogar konservieren. „Feel-Good-Filme“ sind das Schlimmste überhaupt. Weil sie von der Philosophie vom Unkomplizierten, von der leichten Erlösung handeln. Nicht einmal der Dreck ist dort wirklich schmutzig.
Niemand wird in die falsche Zeit geboren. Das liegt nur daran, weil wir uns die Vergangenheit schöner ausmalen oder erzählen lassen, als sie jemals war. Dieses ganze Glück, diese Fülle an Wahn – das gibt es heute auch noch. Nur wir brauchen einen Melancholischen Rahmen um es zu erkennen. Das was wir brauchen sind vorgefertigte Dialoge, die uns die Überzeugungen einhämmern. Ich glaube aber: Das Erwachsenwerden kann man nicht erzählt bekommen. Das ist etwas, was hinter der Seele abläuft. Man braucht Worte ohne Worte. Und mich kotzt diese Mystifizierung von Rock, Hippies, Drogen und Sex einfach an. Und wisst ihr warum? Weil ich selbst lange genug darauf hereingefallen bin.

Wir verdrängen es ganz gern: Fiktionen sind Lügen. Nicht mehr, meistens sogar noch viel weniger. Traut ihren Lügen nicht. Erst Recht nicht. Um euch von ihnen unterhalten zu lassen.

Future War 198x – Zeichentrick-Film (Anime) über den dritten Weltkrieg

Dieser Film hat mich in meiner Kindheit sehr geprägt, da ich auch viel zu jung war um ihn zu sehen. Seitdem hatte ich in der Nacht immer Angst wenn ich Flugzeuge über unser Haus donnern hörte, weil ich dachte, der dritte Weltkrieg wäre ausgebrochen.
Trotzdem halte ich den Film für sehr wichtig, da es eben nicht nur der mir einzige bekannte Film über den dritten Weltkrieg ist, sondern weil darin der Krieg zu keinem einzigen Zeitpunkt idealisiert wird und es auch keine heldenhafte Nation gibt.

Es wird vom großen Krieg zwischen den USA und den UDSSR erzählt, zwischen NATO- und Warschauer-Pakt-Staaten, der dabei nicht nur ein Krieg der konventionellen Waffen ist, sondern in einen erschreckenden Atom-Krieg mündet, der schließlich sogar auch noch im All ausgetragen wird, im großen Finale (was weniger mit Science-Fiction zu tun hat als man im ersten Moment glaubt, immerhin sollen die Russen im Moment einen neuen Killer-Satelliten in der Umlaufbahn haben), in der Wataru mit einer an ein Raumschiff montierten Laserkanone versucht die Atom-Raketen abzuschießen, die von einem Erdteil auf den anderen zusteuern.

Der Held ist Japaner, seine Freundin Amerikanerin und trotzdem werden die Russen nicht einfach als „böse“ und die Amerikaner als die „Guten“ dargestellt (auch wenn der Präsident schon sehr aus sieht wie ein Kennedy). Es gibt furchtbare Gewaltdarstellungen, nicht weil es so grausam, sondern so bedrückend realistisch für mich als Kind war. Ein Teil der Handlung spielt auch in Deutschland. Wir waren nun einmal die Grenze zum Osten und wie die Panzer der Russen das Land plattwalzen war damals gar nicht so abwegig – und wenn man an die Ukraine denkt überkommt einen das Schaudern.

Der Film schreckt ab und dazu wird im Prinzip die gleiche Erzählweise verwendet wie Emmerich es mit seinen Katastrophen-Filmen macht, was hier einen guten Film ausmacht, bei Emmerich nerven die kleinen menschlichen Dramen nur. Warum das hier funktioniert? Weil die Figuren einfach verrecken. Da wird kein Hund gerettet oder sonstiger Rücksicht auf den Zuschauer genommen: Am Ende gibt es fast keine Großstadt mehr auf dem Planeten, die nicht dem Erdboden gleichgemacht wurde – die Erde ist vergiftet und zerstört.

Es ist schade das Hollywood sich mit seinen Möglichkeiten nie an so ein Projekt getraut hatte, sondern die „Menschheit“ gegen Aliens kämpfen lässt, nur um dann leichte Unterhaltung zu servieren. Krieg ist keine leichte Unterhaltung. Und was für eine Stimmung damals in der Welt herrschte zeigt schon der Titel an, in dem ein „198x“ steht, das X steht für das Jahr, in der der Krieg hätte ausbrechen können.

Leider konnte ich nur eine japanische Version des Films auf Youtube auftreiben. Es gibt keine Veröffentlichung auf DVD und die auf VHS habe ich schon lange nicht mehr. Schade.

Wofür wir kämpfen – Demokratie!

Das dritte Buch von Hardt und Negri
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„Heute sitzen beispielsweise mehr als 12 Prozent aller männlichen Afroamerikaner zwischen 20 und 30 Jahren in Haft. Wie Michelle Alexander vorrechnet, befinden sich heute mehr Afroamerikaner in Gefängnissen als Mitte des 19. Jahrhunderts in der Sklaverei. Kritiker bezeichnen diese rassistische Verzerrung als Rückkehr des Plantagensystems oder als neue Form von Rassentrennung.“