Wie die Industrie unsere Lebensmittel schützt

 

An meinem neuen Buch schreibe ich dank Corona wie ein Bekloppter. Die meisten Probleme für meine Handlung kann ich aus dem Internet wegrecherchieren. Internet: Ganz tolle Sache. Wir haben uns so sehr daran gewöhnt, wie toll das Internet ist, dass wir es gar nicht mehr so wahrnehmen. In all seiner Geilheit der Informationsvorkommen. Extrem praktisch und hilfreich. Und eben nicht nur die Geburtsstätte von Hass, Dummheit und Fehlinformationen. Leider kann man nur nicht alles im Internet recherchieren. Für mein Buch wollte ich ganz praktisch wissen:

Kann man ein Produkt in einem Supermarkt kaufen, um dann diese gekaufte Ware in einem anderen Supermarkt noch einmal auf die Kasse zu legen? Also: Kann man für ein und dieselbe Ware zweimal bezahlen?

Ich dachte okay. Höchstwahrscheinlich zieht der/die Kassierer/in das Produkt über den Scanner und es wird via Strichcode nur der Preis angezeigt und abgerechnet. Dabei leben wir in einer digitalen Gegenwart. Ich selbst komme aus dem Lebensmittelbereich und ich weiß was Chargen-Rückverfolgungen sind; jedes Produkt (sagen wir eine Zahnpasta-Tube) ist Teil einer bestimmten Produktionscharge. So eine Charge (bestehend aus z.B. einer Palette Zahnpasta-Tuben) wird von der Produktionsfirma ausgeliefert und kann im Fall der Fälle zurückverfolgt oder zurückgerufen werden. Bei jeder einzelnen Zahnpasta kann man also genau ermitteln, aus welcher Charge sie kommt, wann und wo sie hergestellt wurde. Sogar genau welche Grundstoffe und Produktionsmittel verwendet wurden, die wiederum aus anderen Chargen hervorgegangen sind. Dazu kommen die Mengenbestände in den Supermärkten selbst. Wenn mehr verkauft wird als vorhanden, müsste es doch auffallen. Wird dies also alles vernachlässigt und nur im Fall der Fälle abgerufen – oder „stört“ meine von einem Supermarkt in den Anderen gebrachte Zahnpasta-Packung am Supermarkt-Scanner den geregelten Zahlungsablauf?

Meine „Helden“ im Buch kaufen sich ein Produkt. Öffnen es. Verändern es. Und bringen es dann wieder in einen Supermarkt. Theoretisch würde sogar das gleiche Geschäft für die Aktion ausreichen. Bei der beispielhaften Zahnpaste müsste man den Alu-Verschluss von der Tube lösen und ihn nach der Behandlung einfach wieder ankleben. Theoretisch könnte man ganze Ravioli-Dosen austauschen und/oder behandeln, um sie danach wieder in den Supermarkt zu bringen. So ein papier-Etikett ist schnell gewechselt. Denn kaum jemand achtet ja darauf, ob man ein Produkt in den Supermarkt MITBRINGT. Denn kein normaler Mensch will im Zweifelsfall für das gleiche Produkt doppelt bezahlen. Also geht das? Oder sind unsere Produkte so gut geschützt, dass die Kasse zu blinken anfängt und sagt: Dieses Produkt kenne ich nicht! Das Produkt von diesem unschuldig involvierten Kunden könnte vergiftet sein!

Also bin ich zu „Rewe“ und habe mir eine Packung „Odol-med 3“ Zahnpasta gekauft. Habe sie in den „Edeka“ mitgenommen und geschaut was passiert. Natürlich habe ich im „Edeka“ noch ein paar andere Sache dazugelegt. Und als ich dann leicht nervös am Fließband an der Kasse stand, stellte ich zu meiner Belustigung fest, wie alt und langweilig ich geworden bin. Vor 10 Jahren habe ich noch Drogen gekauft, ständig eine große Klappe riskiert und bin keinem Streit aus dem Weg gegangen (Motto: Wenn ihr Ärger wollt, den könnt ihr haben!) und nun fühle ich Depp mich wie ein kleiner James Bond, nur weil ich eine Zahnpasta-Packung zweimal kaufe. Toller Held! Lange Rede, Sinn kurz: Ja, es funktioniert. Du kannst ohne Problem Produkte zuhause öffnen und sie wieder in den Supermarkt mitbringen. Was es damit genau auf sich hat, könnt ihr irgendwann in meinem neuen Buch erfahren. Aber. Habt ihr nicht auch von diesen irren Leuten gehört, die im Supermarkt Produkte vergiften? Mit Spritzen oder sie öffnen sie oder was weiß ich…. Warum machen die Trottel das vor Ort? Und warum schützt uns die Industrie nicht vor solchen Anschlägen? Die Daten werden eh erfasst. Die Chargen sind bekannt. Wahrscheinlich ist ihnen die Sicherheit ihrer Kunden einfach zu teuer.

Wir müssen Bier werden

Unterhalten sich zwei Bierbrauer.

1: „Mann, Mann, Mann, ich bin so fertig… Mir tut alles weh, ich kann nicht mehr… Ich bräuchte mal einen Tag Urlaub, aber geht natürlich gar nichts… Von ner WOCHE wage ich gar nicht zu träumen.“

2: „Warst du beim Meister?“

1: „Ja klar, da geht gar nichts…“

2: „Du gehst da auch mit der Voll-Kommen Falschen Perspektive ran. Du musst BIER werden!“

1: „Äh… Wie bitte?“

2: „Ist doch ganz einfach. Stehst du vorm Chef und sagst: „Hier. Aua. Blöd.“ Interessierst das natürlich keine Sau.“

1: „Aber wirklich auch gar keine Sau.“

2: „Stell dir aber mal vor, er ist er, und du bist ein Bier.“

1: „ÖH…“

2: „So isses. Er würde sagen: „Guten Tag liebes Bier, wie geht es dir denn heute?“ Und dann „Oh, du siehst aber trüb oder dünn aus, was ist denn mit dir los?“ Und sofort würde es LOS GEHEN! Er würde nachsehen ob du dich wohl fühlst. Stehst du unter zu viel Druck, oder zu wenig? Bist du sauer, lass doch mal den PH-Wert prüfen, Farbe.“

1: „Zwischen 8 und 10?“

2: „Den Unterschied sieht sowieso keiner. Weiter. „Ist dir zu kalt?“ „Bist du zu warm?“ „Brauchst du vielleicht ein wenig Ruhe? Sollen wir dich noch ein wenig lagern?“

1: „Gärt es etwa in dir? Bist du ein Jungspund?“

2: „Jetzt genau hast du es. Und wenn er dann anfängt alle möglichen biologischen Untersuchungen mit dir zu machen, holt es bestimmt ein Gerät um deine Gase zu kontrollieren, Alkohol, was weiß ich. Und weißt du was?“

1: „Hm?“

2: Sollte ihm der Wert nicht passen, wird er sogar ein ZWEITES Gerät anschleppen, weil: Das andere Gerät könnte ja defekt sein! So viel Zeit und Mühe wird er in dich investieren!“

1: „Dann würde er wohl noch nachsehen wo ich war. Ob ich mit dem Auto gefahren bin, wie viel da von mir reinpasst und würde die Nummernschilder checken.“

2: „Steht ja auch alles im Computer. Die totale Nachverfolgung, und wenn du so ein Bier wärst, würde auch noch JEDER Raum nach dir gereinigt oder sterilisiert werden.“

1: „Der Hammer. „Lass das Etikett hängen, Kleiner, das bekommen wir schon wieder hin.“

2: „Stimmt der Code auch mit dem Datum überein?“

1: „Und am Ende ist eh alles egal. Wert passt nicht? Na dann wirst du trotzdem verkauft: Merkt eh keiner.“

2: „So ist es. Wenn es dir also das nächst Mal schlecht geht, dann denk daran, dass du zum Bier werden musst, damit sich jemand für dich interessiert.“

1: „Jeder mag Bier. Also mag jeder mich.“

2: „Genau so ist es. Und wer kein Bier mag, mit dem stimmt was nicht.“

1: „Allzu viel besser fühle ich mich jetzt aber auch nicht…“
2: „So ist das halt im Kapitalismus. Um das Produkt geht es, nicht um Menschen.“

1: „Deswegen demonstrieren sie wohl auch gegen TITIP und CETA und nicht für die Menschlichkeit. Produktrechte werden ausgehandelt, keine Menschenrechte.“

2: „Kein Schwein interessiert es wie du dich fühlst: Außer du wirst zum Produkt.“
1: „Willkommen im Krankenhaus.“

Dismaland -der Anti-Themenpark von Banksy – Trailer

Banksy ist zurück (das scheibt man so, „weg“ war der ja nie…) mit seinem Anti-Themenpark „Dimaland“, den er in England mit seinen und den Werken anderer Künstler auf die Beine gestellt hat.

Somit wäre sogar England mal wieder eine Reise wert. Banksy nämlich, muss man mögen. Geht gar nicht anders.

Wo Schönheit regiert, regiert der Faschismus

Alles muss gut aussehen. Besser: Alles muss richtig aussehen. Wer sagt das? Ich sage das, denn ich bin der kleine Mann in deinem Kopf, der Spion, den die Außenwelt in deine Vernunft gepflanzt hat. Dank Film, TV und vor allem Werbung (mein ewiges Thema) sind wir so indoktriniert worden, dass die Welt in ein gewisses Raster passen muss, sonst nehmen wir sie nicht ernst. Das beginnt beim sich stetig ändernden Schönheitsideal der Mode und geht weiter über die Politik und deren „Fortsetzung mit anderen Mitteln“, was auch ein Grund ist, weswegen manche unserer Mitmenschen es zum Beispiel es den bei uns hilfesuchenden Asylanten ganz rot und schlecht ankreiden, wenn sie ein neues Handy besitzen, womit sie zuhause im Krieg anrufen; besser wäre es für mich, den kleinen Mann im Kopf, hätten diese schwarzen Asylanten noch zerrissene Klamotten an und Handys, die Nokia einstmals in Bochum produziert hat. Das würde in mein Weltbild passen.

Sind solche Vorstellungen von Flüchtlingen und deren Mobilfunkgeräten dumm? Finde ich jetzt gar nicht, denn unsere Meinungen und unser Verständnis über Bilder und deren Aussagenkraft, ihrer Funktion, wurden uns Jahrzehntelang in die Innenseite unseres Schädels gemeißelt, ironischer weise von den ganzen Hilfsorganisationen die um unsere Spenden oder sogar um eine Patenschaft für schwarze Kinder mit aufgeblähten Bäuchen und mit Fliegen im Gesicht geworben haben. Jetzt sind diese Kinder plötzlich groß geworden, laufen hier über die Straße, und haben statt Fliegen im Gesicht ein nagelneues Smartphone am Ohr. Die Gutmenschenmedien kommen dann schnell mit einer Neid-Debatte daher (was teilweise stimmt), übersehen dabei aber auch gerne die Macht der Bilder, deren sie sich selbst bedienen.

Die Medien sind in einer Medienwelt selbstverständlich Teil des Problems. Einerseits wollen sie informieren und (leider) auch unterhalten, andererseits müssen sie auch mit anderen Medien um Aufmerksamkeit konkurrieren und geben dabei ihre „Ideale“ auf – für viele Kritiker der Medienlandschaft wird der Begriff „Ideal“ ohnehin nur noch ironisch verwendet. Wie bindet man also die Aufmerksamkeit der Zuschauer (Konsumenten) am besten an einen Beitrag? Genau, mit den Klischees von Worten und Bilder, idealerweise noch mit Über- oder Extraklischees, d.h. mit reißerischen Bildern – und mit einer Prise Sex und Humor. Das kann man jetzt einfach nur verteufeln und ablehnen, okay, dennoch hat die Berichterstattung durch die Medien eine gewisse Vorbildfunktion für unser Denken. Denn. Siehe oben. Die Art wie etwas gezeigt wird indoktriniert unser Verständnis davon, wie die Welt zu funktionieren hat.

Für manche ist das so schlimm, dass sie sich „alternative Medien“ suchen die zwar neue Denkansätze verfolgen, leider aber immer noch schlimmer politisch verortet und Klischee beladener sind, als all die „Mainstream-Medien“. Hier wird RICHTIG Meinung gemacht.

„Propaganda“ ist kein Kriegsbegriff mehr. Er ist ein Dauerzustand. Deswegen gibt es zu jeder Nachricht im Jahr 2015 eine oder gleich mehrere „alternative Sichtweisen“ auf den gleichen Bericht. Im Prinzip ist das eine gute Sache, denn es hat auch eine demokratische Komponente. Das Problem ist nur dass der Hauptteil der Propaganda nicht „vom Volke“ ausgeht, sondern von der Wirtschaft. Wir leben in einer kapitalistischen Welt die nach kapitalistischen Regeln funktioniert. Der, der das Geld hat (also nicht mehr DER Einzelne, sondern DIE Unternehmen) hat die Macht über die Bilder. Ein hohes Gut wie ich hier behaupte. Denn die Propaganda der Bilder, der schönen heilen (gar nicht neuen) Welt oder der Hölle auf Erden, kommt schließlich doch immer beim Volke an – und dem wird Angst gemacht. Angst vor der Zukunft. Und es ist genau diese Angst, die die Menschen mit Fremdenhass auf die Straße treibt oder sich in ihren Wohnungen oder auf ihren Partys und Urlauben einsperren lässt, wo sie auf Facebook einen „geilen Ausnahmezustand“ feiern und markieren, den es nur in ihrer Wahrnehmungsblase gibt. Denn wir sind Getriebene der Bilder. Wir fliehen vor ihnen in den Konsum um uns selbst einzureden, dass es gar nicht so schlimm ist.

Das die Politik sich schon längst an die Wirtschaft verkauft hat ist eine gängige Floskel. Denn ansonsten würde „unsere Kanzlerin“ sich auch zu den großen Themen bekenne und die Probleme „anpacken“. Zur Flüchtlingsproblematik hört man von ihr aber fast gar nichts. Nur dass die Rüstungsexporte mal wieder gestiegen sind und damit (über kurz oder lang) noch mehr Flüchtlinge nach Europa getrieben werden – und Europa ist unser aller Problem. Das sollten wir inzwischen verstanden haben. Da ist es natürlich leichter auf die Bilder der bösen Nazi-Demonstranten zu schimpfen und bei ihnen das Problem abzuladen, anstatt zu sagen, „Ja, na ja… Wenn wir weniger Waffen verkaufen, kommen wohl auch weniger Flüchtlinge zu uns, kostet halt Arbeitsplätze“. Und den Verlust von Arbeitsplätzen kann sich kein Politiker leisten. Arbeitsplätze sind seine goldene Währung zur Wiederwahl. Wir sind soweit gekommen, dass der Arbeitsplatz selbst zum Erhalt des Systems in dem wir leben nicht nur beiträgt, nein, er erhält das System. Was wäre eigentlich wenn die Leute in der Masse sagen würden: „Ich unterstütze mit meiner Arbeitskraft dieses System nicht mehr!“ und sie würden die Arbeit niederlegen? Das wäre doch die wahre Revolution in einem kapitalistischen System; dem Kapitalismus zu entsagen.

Natürlich und leider macht das keiner. Wir kennen ja die Bilder aus dem Assi-TV – so wollen wir nicht enden. Wir wollen unser „schönes Leben“, wollen uns Dinge leisten können wie, Kleidung, Urlaube, Partys, Drogen, Smartphones, Play Stations, Autos, oder auch nur um so viel essen zu können wie wir wollen. Verhungern müsste bei uns aber eigentlich keiner. Nur ist die Angst vor dem sozialen Abstieg eine der größten Hysterien, die in Deutschland umgehen. Ich kann das natürlich auch verstehen. Bin ja selbst ein Sicherheitsfanatiker. Und der Witz an der Geschichte ist ohnehin, dass immer mehr Menschen sowieso aus dem System Arbeit ausgeschlossen werden, da wir an einem Punkt angekommen sind, in dem das Geld seltsamerweise gar keine Arbeitskräfte mehr benötigt um sich selbst zu erwirtschaften… Deutschland ist keine Insel mehr. Und eine globale Revolte gegen den Kapitalismus wird es nicht geben. Denn während es uns gut genug geht um zu revoltieren, geht es anderen schlecht genug, um sich gerne in dieses System zu begeben und unseren Platz einzunehmen.

Hups.
Manche Texte flutschen einem ein wenig durch die Finger. Ich hatte vor, mehr über die Ästhetik der Bilder zu schreiben, wie wir abhängig sind von Vorgaben. Was schön ist. Und was nicht. Und was alleine durch seinen Look einen höheren Wert besitzt als Dinge die zwar nicht „schlechter verarbeitet sind“, nein, die einfach nur ein schlichteres Design besitzen, innerlich wie äußerlich. Von Menschen, die ihr Leben lang einsam und schlecht gefickt bleiben, nur weil sie nicht so aussehen wie unsere Photoshop-Schönheiten oder unsere Fernsehsternchen, die vor ihren Aufnahmen stundenlang an einem Ort verweilen, den man nicht umsonst die „Maske“ nennt…

Ja. Die Bilder nehmen uns unsere Phantasie. Sei es im Kino („das ist aber schlecht animiert“ – was so viel heißt wie: „Das glaube ich nicht“) oder auf der so genannten Straße, im Job, im Bett, im so genannten EIGENheim…
Die Bilder nehmen uns die Träume. Denn dort wo Schönheit regiert, regiert der Faschismus.

Das Streben nach Schönheit und Unsterblichkeit

Bei manchen Themen weiß ich gar nicht mehr, ob ich die hier schon abgearbeitet habe oder dann doch nicht…

Jedenfalls war ich gerade wieder auf meinem Fahrrad-Hometrainer zuhause „unterwegs“, wie seit Anfang des Jahres 2015 fast jeden Tag. Ich strampel da gerne (wirklich: GERNE) so ne halbe Stunde am Tag, höre Musik und schwitze mir eins. Weil. Ich hab ja Probleme mit dem Rücken – nicht so Mario Barth mäßig, der vielleicht deswegen „Rücken“ hat weil seine Sportwagensammlung zu viel Oldtimer führt, der also keine Ahnung hat wie sich Schmerzen von zu viel Arbeit anfühlen – und Bewegung hilft da. Und natürlich und selbstverständlich wundere ich mich, genauer: HASSE ich mich für diesen wiedermaligen Switch in meinem Leben, dem Sportlichkeitsdenken erlegen zu sein, welches ich früher so total ablehnt hatte, diesen Fitness-Wahn, gestreut, induziert und als Wahrheit verkauft durch die Werbe- und Schönheitsprodukte-Hersteller, ja, genau die, die uns sagen wann unsere Schwanz hart oder unsere Muschi feucht werden soll… Und jetzt bin ich also auch so ein Depp der dafür schwitzt um besser für seine Freundin auszusehen – und noch schlimmer: Um länger und gesünder zu leben. Ein Wahnsinn!

Erstens natürlich deswegen, weil ich viele Jahre mühevollste Totalarbeit darin verwendet habe mich und meinen Körper (was dasselbe ist) ausgiebig durch Drogen und Alkohol zu zerstören, während zweitens die Menschen eh immer älter werden – doch was ist das für ein Älterwerden? Ich bin jetzt zwar weder so alt noch in der Position um wirklich Ahnung zu haben, was jedoch auch viele Menschen auch aus mir nicht davon abhält eine unqualifizierte Meinung abzugeben… Räusper… Sind wir also mal ehrlich: Muss ein Mensch wirklich hundert Jahre alt werden? Und ist das nicht nur ein Ausdruck dieser Form von Egoismus der Gesellschaft, den ich hier die ganze Zeit hier eh anprangere? Da muss ich gleich an meinen Vater denken, der weites gehend deswegen alt werden will, um vom Staat möglichst viel Rente abzugreifen; schließlich hat er auch sein Leben lang eingezahlt. Nun. Immerhin kann er so noch denken, bei meiner Generation sieht das anders aus…
Jedenfalls ist weder der Mensch an sich noch der Planet selbst dafür gedacht, dass ein Mensch 100 Jahre alt wird.

Außerdem macht Sport dumm. Und das meine ich jetzt abseits jeder Lukas Podolski Polemik. Nein, durch diese tretende Schwitzerei geht so dermaßen der Kopf aus, dass man fast schon glauben könnte, dass man durch den Schönheitswahn einfach nur schön und dumm gehalten werden soll – angepasst und fit bis zum Tod… Ein guter Freund und Kollege sieht darin eine Form der Befreiung vom täglichen Stress, kann ich intellektuell natürlich verstehen, doch ein Befreiung von Gedanken kann auch Dauer nicht gut sein… Der Fitness-Wahn macht aus uns doch nur angepasste, schöne Abnick-Zomies, die sich für unsterblich halten, obwohl sie schon lange tot sind… Und dennoch werde ich weiter in die Pedale steigen; nicht nur wegen dem Rücken.

Moritz Bleibtreu über seine McDonalds-Werbung – Erklärungsversuche

Leider kann man das Video nicht einbetten. Hier kann man es sich ansehen/anhören

Es ist schon noch ein Unterschied ob man was konsumiert oder ob man dafür Werbung macht, denn so gesehen wäre jeder der bei Mc Donalds isst und gesehen wird, ein potentieller Werbeträger. Klar da kann man so theoretisch auch argumentieren (bei einem vollen Lokal denkt man ja auch eher, dass das Essen dort gut ist), aber wenn ich eine rauche oder nen Schnaps kippe, heißt das nicht das ich will das die Leute das Gleiche machen, eine Vorbild- ist nicht gleich eine gewollte Werbefunktion – und wenn man sich für eine Werbung verkauft, ist es nun mal so, dass man damit aussagt: Ich will das ihr dahin geht und die mehr Fleisch-Brötchen verkaufen. Weil ich die gut finde.

Das Argument: Ich kann dann die Filme machen und meinen Lebensstil so leben wie ich will ist verständlich. Jeder hat ja seinen Preis. Wenn man aber in den Filmen das Gegenteil von dem verkörpert wofür man Werbung macht, darf man sich am Ende auch nicht wundern wenn einem die Leute das übel nehmen. Bleibtreu lebt zwar wie wir Alle von dem Geld welches jeder auf seine Weise verdient, wenn das Geld jedoch durch die Popularität eines Image entsteht die man darstellt, ist es recht töricht sich über die öffentliche Meinung zu ärgern, wenn diese sich zwangsläufig an dem Kontrast stören muss der nun auftritt; schließlich bekommt Bleibtreu für seine Filme ja das Geld dafür (jeder von uns an der Kino-Kasse oder bei dem Kauf einer DVD die seinen Marktwert erhält), weil wir ihn so sehen wollen wie er sich in den Filmen darstellt. Natürlich herrschen da beim Publikum falsche Vorstellung vor – die er bisher gerne bedient hat.

Das Publikum selbst ist natürlich schizophren: Sie leben nicht so wie sie es von anderen verlangen – aber wenn sie es nicht schaffen, dann sollen wenigstens ihre Vorbilder moralisch auf ihrer Seite sein, was man ihnen dabei aber nicht übel nehmen kann. So funktioniert das halt nun mal. Und das eigentlich Blöde an der ganzen (jetzt auch schon alten) Geschichte ist, dass Bleibtreu und die anderen aus der Mc Donalds-Werbung das vorher wussten – und ihr Publikum nicht ernst genommen haben…

Karl Albrecht war kein Robin Hood

Bei so einer Schlagzeile bekomme ich die Wut

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Nein Herr Kamps, dies hier hat nichts mit NEID zu tun. Es geht nicht darum, dass ich den Albrecht-Brüdern ihr gigantisches Vermögen nicht gegönnt hätte. Im Gegenteil. Da ist sicherlich auch Respekt da, denn der Mythos Albrecht beinhaltet zu forderst und allererst die Wahrheit vom kleinen Krämerladen der Familie, welcher Ursprung für das gigantische Imperium wurde. Natürlich. Die Ironie dabei ist nur, dass die Albrechts mit ihrem Discounter-Geschäftsmodell alle anderen kleine Krämerladen in Deutschland kaputt gemacht haben. Und das ist Fakt. Jetzt kann man natürlich argumentieren, dass früher oder später ein anderer mit dem gleichen Geschäftsmodell dahergekommen wäre, und dass es im Prinzip gar keine Rolle spielt, wer denn nun das Spar-Prinzip in die Köpfe der Deutschen meißelte – „Hauptsache ein Deutscher“ mag man sich gedacht haben. Wirklich? Macht es das besser?

Denn Dumping-Preise gehen auch mit Dumping-Löhnen Hand in Hand. Es wird mehr auf Quantität als auf Qualität gesetzt und die Wahrheit das kleine Unternehmen oder Familienbetriebe da nicht mithalten können, müsste sich nun auf jeden Fall auch bis zum Letzten herumgesprochen haben. Das Verrückte ist, dass für viele Leute „Aldi“ deswegen als „sozial“ gilt, weil es dort so billig ist einzukaufen; dieses billige Einkaufen macht aber Arbeitsplätze kaputt und lässt jene unter unmenschlichen Bedingungen produzieren, die irgendwo in der Ferne für die Rabatte schwitzen und schuften müssen: Ist das sozial? Das Prinzip-Discounter ist ein Teufelskreislauf, denn niedrige Preise verlangen nach niedrigen Löhnen und niedrigen Herstellungskosten – und in einer Welt in der der Kunde noch Produzent war, bedeutete es eben nur an der Oberfläche eine Steigerung der Lebensqualität.
Dabei ist nicht von der Hand zu weisen, dass Aldis Erfolgsgeschichte auch die Erfolgsgeschichte der Deutschen war, denn direktproportional zum Umsatz von Aldi, stieg auch das Vermögen der Deutschen. Das ist kein Zufall. Es liegt auch daran, dass die Produkte im Ausland billig hergestellt und hier verkauft wurden. So läuft das nun einmal. Wenn die Albrecht Brüder vom reichsten Prozent Deutschland (dem fast ganz Deutschland gehört), wiederrum nur das Reichste ein Prozent waren, so ist Deutschland mit seinem Reichtum auch nur das eine Prozent der Reichsten des globalen Vermögens, in einer Welt voller armer und immer ärmer werdenden Ländern, also Menschen, ganz egal was man uns auch von „steigender Lebensqualität“ erzählt.

Woher kommen denn die 18,5 Milliarden Vermögen des Verstorbenen Karl Albrecht? Hat er es den Reichen genommen und den Armen gegeben? Nein, er hat es den Armen gegeben – und den noch Ärmeren genommen. Man bekommt kein Vermögen von 18 Milliarden, in dem man fair vorgeht. Wobei. Ich will den Brüdern nicht unterstellen, dass sie BÖSE Zwecke verfolgten, als sie den Mut der Unternehmer zeigten und sich ihr Imperium quasi mit den eigenen Händen aufbauten. Noch einmal: Davor habe ich den höchsten Respekt. Das System dass sie aufbauten, IST aber (siehe Teufelskreislauf) ein Teil der globalen Probleme der Welt geworden und nun einfach wie die BILD zu sagen, dass ein großer, ehrenwerter Unternehmer von uns gegangen ist, dem unser aller Respekt dient, ist sowohl eine halbe Wahrheit, als auch eine halbe Lüge. BILD, die sich so gerne als der Anwalt des kleines Mannes gibt, geht es dabei natürlich nur um den mächtigen Anzeigen-Kunden Aldi; sicherlich ist auch Ehrfurcht und Kriecherei vor der Größe des Unternehmens dabei. Aber in meiner Welt. Für mich. Gibt der Erfolg den Albrecht Brüdern nicht per se Recht.

Jeder weiß dass die reichsten Menschen immer reicher und die Armen immer ärmer werden, und diese Armen kaufen bei Aldi ein. Sie freuen sich darüber, „sich auch einmal etwas leisten zu können“, in Wahrheit aber vernichten sie sich selbst und ihre Arbeitsplätze, da es in Deutschland viel zu teuer wäre solche Produkte bei unseren Lohnkosten herzustellen. Es ist lächerlich. Es ist traurig.

Die Entwicklung die durch die Discounter eingesetzt hat, scheint an diesem Punkt unserer Geschichte unumkehrbar. Niemand will mehr viel Geld für Essen oder sonst etwas ausgeben (Ein Stück Fleisch kostet weniger als ein Kaffee im Lokal! Was denk ihr denn wo die Massentierhaltung herkommt?), weil man sparen will. Doch man spart es sich am eignen Körper, am eigenen Geldbeutel ab, man bescheißt sich selbst. Aber wo soll man denn einkaufen wenn nicht beim Discounter? Das ist es ja: Es gibt fast nichts anderes mehr. Man hätte schon viel früher gegenlenken müssen, als die Krämerläden (ich erinnere mich noch an sie) vom SUPER-Markt plattgemacht wurden. Sie hatten keine Chance. Und mit dem Verschwinden der kleinen Läden, ging auch ein Stück Menschlichkeit verloren, denn es gibt keinen Ansprechpartner mehr – weswegen wir wohl die Geschäfte selbst personifizieren: Ich geh dann mal zum Aldi, zum Lidl, zum Netto. Keine sagt: Ich bin mal beim Supermarkt. Waren sind nur noch gesichtslose Produkte für uns, genauso wie die Orte an denen wir sie einkaufen. Hauptsache billig. Geiz ist ja geil – auch bei den eigenen Lohnkosten, wenigstens hat man uns das glauben gemacht. Das ist freie Marktwirtschaft. Von SOZIAL keine Rede.

Über die Toten nur Gutes. Ja. Man sollte nicht Nachtreten. Die Wahrheit bleibt dennoch die Wahrheit. Und die Geschichte vom kleinen ehrlichen Mann zum Milliardär kommt nicht einmal in Hollywood ohne Haken aus…