Es spielt eine Rolle, von wem wir sexuell belästigt werden

Die schlimm dümmsten Beiträge zu einem Thema, welches gesellschaftlich kontrovers diskutiert wird, haben diesen Ton, von wegen: „Ich will nichts beschönigen, aber…“ Dennoch wird mein kleiner Text genau in jene Sparte rutschen. Dabei will ich gar nichts falsch machen – was die schlimmsten Kommentare zu einem Thema überhaupt sind. Wir sind hier aber bei „Strategien gegen Vernunft“, da muss man auch einmal im Halbjahr auf gängige weise unvernünftig sein.

„Sexuelle Belästigung“ ist das Thema 2017. Es ist eine große und ebenso wichtige Debatte, die da geführt wird. Diese Debatte läuft nun auch schon so lange, dass ich gar nicht mehr darauf eingehen will, wie und durch was sie in Gang gesetzt wurde. Das ist bekannt. Die Frage die mich und alle Männer und Frauen damit am Meisten beschäftigt ist (oder sie sollte es sein) was mein Part in diesem Spiel ist, also wie habe ich mich verhalten? Was habe ich getan? Was nicht? Und wenn dann, was habe ich daraus gelernt?

Ich war nie ein Heiliger, dachte jedoch, mich bei dem Thema auf die Seite „der guten Männer“ stellen zu können. Frauen habe ich immer respektiert und habe sie seit jeher als gleichwertig zu Männern gesehen. Sie waren für mich nie Freiwild, auch wenn ich sie natürlich objektifiziert habe. Ich glaube, dass es in Gedanken auch gar nicht möglich ist, dass nicht zu tun. Gerade in der Jugend, wenn die Hormone der Verstand nahezu überwältigen. Die Frage ist dann nur, was man herauslässt. Wie man damit umgeht. Es ist ja und sollte nie ein Verbrechen sein, wenn man durch einen Mitmenschen geil wird. Das gehört zum Menschsein dazu. Gedanken, Wünsche und Triebe sind frei. Und auch jetzt fallen mir sofort einige Frauen ein, deren Körper und Aussehen nicht anders als in meine geistige Kategorie „Gerät“ passen. Das hatte bei mir nur immer auch mit einer gewissen Form von Anbetung zu tun, als in dem Wunsch Frauen zu erniedrigen, d.h. auf mein Niveau herunterzuholen. Etwas, was die Machtmenschen mit Minderwertigkeitskomplex in Hollywood und sonst wo getan haben. Ja. Ich glaube dass die falsche Ausübung von Macht so gut wie immer mit einem Minderwertigkeitskomplex zu tun haben, von dem keiner von uns frei ist. Wir kommen nicht als fertige Menschen auf die Welt sondern machen uns zu denen, die wir sind; in diesem Zusammenhang vermeide ich die Formulierung: „Wir werden zu etwas gemacht.“ Das mit den äußeren Einflüssen die uns formen ist natürlich richtig. Hier will ich aber diese Ausrede nicht gelten lassen. Denn selbst wenn wir von außen beeinflusst und geformt werden, liegt es doch an uns was wir daraus machen. „Ich konnte nicht anders“ ist beim Charakter keine Ausrede. Denn wenn wir dachten wir konnten nicht anders, liegt es auch daran, dass wir den leichteren Weg in unserer Entwicklung gewählt haben. Man muss nicht alternativlos ein Verbrecher oder Drogensüchtiger werden, nur weil man in solchen Kreisen aufgewachsen ist. Jeder hat die Wahl. Doch ganz gleich was diese Wahl am Ende mit uns gemacht hat, ist in uns dieser kleine Punkt, dieser kleine oder große Haufen an Erfahrungen, an Komplexen, die unser späteres Verhalten in Machtpositionen erklärt. Es ist keine Rechtfertigung zu sagen, dass weil wir in der Jugend ausgelacht oder nicht gefickt wurden, wir im späteren Leben genau deswegen Frauen erniedrigt oder misshandelt haben. Oder Männer. Es ist keine Rechtfertigung. Aber eine Erklärung. Menschen sind nie von Grund auf Böse. Sie haben Gründe für das was sie tun. Auch wenn im seltensten Fall die Gründe schlimmer sind als das folgende Resultat daraus. Ich glaube diese Gründe, diese Komplexe, häufen sich über die Jahre, über die Jahrzehnte an, werden immer größer und größer, da wir sie nie verarbeiten wollen, da es zu peinlich ist, darüber zu sprechen, und irgendwann ist der Berg aus der Wut der Jugend oder der Kindheit groß genug, um ein ihm angemessenes Verbrechen zu begehen. Und wie es so ist mit Verbrechen für die man nicht bestraft oder belangt wird (das ist ja schon so als Kind wenn man zum ersten Mal lügt), handelt man wieder so. Okay. Das ist jetzt mal wieder ganz schöne Küchenpsychologie. So aber. Erkläre ich es mir. Ich, der gar keine Ahnung davon hat in einer Machtposition  anderen Menschen gegenüber zu sein.

 

Und selbst das ist eine Lüge. Sicherlich war auch ich schon in Machtpositionen Leuten gegenüber, habe es so aber nicht wahr genommen. Und ich weiß auch, dass ich mich nicht immer korrekt verhalten habe. Sei es Freunden gegenüber, die ich Alpha-Männer mäßig dominieren musste. Oder Frauen gegenüber, die ich nicht immer korrekt behandelt habe. Ich glaube nicht, dass ich ein TÄTER bin. Aber wahrscheinlich ist es auch so, dass ich selbst das gar nicht einschätzen kann. Keiner kann von sich selbst sagen, ob er Täter ist. Das müssen die anderen entscheiden. Ich selbst kann nur sagen, ob ich nicht doch einige Dinge im Leben hätte anders machen sollen.

Sex ist ein schwieriges Thema. Denn zuerst dreht sich alles um Sex. Und dann um Macht. Über diese beiden Themen kann man natürlich den Hauptbegriff LIEBE schreiben, doch die Liebe ist so ein heiliger, also ein schwammiger, Begriff, dass er alles und nichts aussagt…

Über mich selbst würde ich sagen, dass ich Fehler gemacht habe. Auch wissentlich. Ich daraus aber die richtigen Schlüsse gezogen habe. Ich war in meiner Schulzeit ja auch dass, was ich heute einen „Bully“ nennen würde. In meiner Jugend war ich schon ein ziemlicher Prolet und Alpha-Depp, der andere gemobbt hat. Das tut mir im Rückblick sehr leid. Aber ich musste das auch tun, um heute der zu werden, der ich bin. Das ist keine Entschuldigung. Doch es war leider ein Weg, den ich gehen musste. Wie gesagt. Niemand kommt fertig auf die Welt. Und wahrscheinlich ist dies die Erklärung dafür, warum wir Menschen keine Heiligen sind. Wir alle tragen die Narben der Vergangenheit an uns. Wir alle sind Täter und Opfer zu gleich. Auch und im besonderen in sexuellen Dingen. Daran müssen wir arbeiten. Und deswegen ist diese Debatte auch so wichtig.

Die eigentliche Sache, auf die ich mit dem ersten Absatz einleiten wollte, ist eine andere. Ich sah mir vorhin auf Bild (jaja) ein Textchen über die Prominenten aus Hollywood an, denen sexuelle Gewalt oder Übergriffe nachgesagt wurden. Und mir fiel auf, dass diese Machtmenschen entweder a) nicht gerade schön gewachsen waren, oder aber  b)  sie haben gleichgeschlechtliche Grenzen überschritten haben, also Homosexuelle Männer haben Heterosexuelle begrabscht. Auffällig ist doch – ohne das Thema bagatellisieren zu wollen – dass sich keine Frauen melden, die von den Brad Pitts dieser Welt sexuell belästigt wurden…

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Harry G – die Harry die Ehre-Tour 2017

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Harry G? Was ist das denn für ein blöder Künstlername? Markus Stoll – der Name, der auf Harrys Ausweis steht – wurde eigentlich in Regensburg geboren, baut aber seine ganze Kunstfigur auf dem Umstand auf, dass Harry G aus München kommt und dort lebt. Googelt man ihn wird er gerne als Grantler beschrieben, also als jemanden, der eher mies drauf ist und sich über die bestehenden Lebensverhältnis beschwert – auf humorvolle Art. Mit spitzbübischer, teilweise frecher Chuzpe haut der Harry gerade die Themen raus, die nicht gerade besonders anecken und bei der jeder mit kann.  Jeder. Wenigstens war das letztens so. Hier bei uns in Bayern. Als er in meinem Landkreis-Dorf auftrat. Verprellt hat der Harry da niemanden, auch wenn er ein wenig gemein war zu den Leuten im Publikum und sich gastronomische wie kulturelle Minderheiten aussuchte über die er seine Späßchen machte.

Über Veganer, Radfahrer, Tinder, die Mama die nicht mit dem Smartphone klar kommt oder das unerträgliche, jedoch scheinbar dazugehörende Thema Mann/Frau wurde sich auf der Bühne ausgelassen; und selbst verfreilich über den Unterschied von uns Bayern zum Rest der Welt. Da konnte wirklich jeder im Saal mit – und schon sind wir wieder bei dem Thema angekommen, dass mich in letzter Zeit ein wenig verfolgt: Dem kleinsten gemeinsamen Nenner der Dinge. Humor für Nutella und Weißwurst-Liebhaber. Angegriffen musste sich wirklich keiner vorkommen. Dafür ist der Harry zu schlau, seine Bosheiten zu nett. Und – um die ewige Redewendung von Harry G zu verwenden – ICH SACH A MAL SO: Der Harry G ist wie der Freund den jeder hat, der die ehrlichsten und damit verletzensten Dinge in einer kleinen Runden offen zu dir sagen darf, worauf deine Freunde über dich, aber auch MIT dir Lachen. Ein wenig möchte man ihm dafür aufs Maul hauen. Aber irgendwie kann man ihm nicht böse sein.

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Den Harry kenne ich erst seit ein paar Monaten. Ich habe nach dem neuen „Blitz“-Club in München auf Youtube gesucht und wurde dann aus Mangel an Suchergebnissen auf ein Video von ihm aufmerksam, in dem er sich über die Müncher Clubszene lustig macht. Und das war es auch. Lustig. Besonders wenn man im gleichen Jahrgang wie er ist und einen ähnlichen Blick auf die Clubs hat – nur Berlin finde ich im Gegensatz zu ihm im direkten Vergleich eher langweilig, weil die Leute nur noch in die Mega-Clubs reinkommen wollen und drinnen dann vor lauter (hier O-Ton Boris Becker aus der AOL-Werbung) „Ich bin drin. Gibt´s ja gar nicht…“ Das Feiern vergessen.

Die Meisten seiner anderen Videos sind eher so na ja… Aber auch nicht ganz scheiße.

Wie halt so die Witze auf Facebook sind. Die Plattform, die ihn erst bekannt gemacht hat.

So war dann auch sein Abendprogramm. Die Witze sind eigentlich gar nicht so gut. Wenn man ehrlich ist. Seine schelmische, schnelle Art die Dinger rauszuhauen, macht da aber viel wett. Und ICH SAG MAL SO: Ein paar Pointen waren richtig gut. Aber das Publikum auch sehr willig. Man kommt ja ins Kabarett/Comedy-Programm um zu Lachen, weswegen man da viel mitnimmt, worüber man sonst die Augen verdreht. Weil da eben doch diese besondere Kabarett-Stimmung aufkommt.

 

Auf dem Nachhause-Weg meinten meine Freundin und ich, dass wir so ein Programm sicher auch schreiben könnten. Es aber niemals so präsentiert bekommen würden. Ob man dafür dann gleich 30 Euro verlangen muss: Fraglich.

Es war ein netter Abend in der Provinz. Schee wars. Am Ende gingen die dicken Wohlstandsfrauen und ihre Hemdsärmligen Männer zufrieden nachhause. Stimmung: Der Harry ist doch ein Pfundskerl. Plus einem überhaupt nicht hinterfragen „Mia san mia“. Nur I will halt id so sein wie ihr…

Für meinen Geschmack kann der Herr Stoll irgendwann auch mal ein ernstes Thema aufgreifen und für was stehen, was nicht scheißegal, aber dafür amüsant ist.

Gorillaz live – die Humanz-Welt-Tour in München, es war der 11.11.2017

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Als das erste Gorillaz-Album erschien war mir das ganze Projekt zu affig (haha). Der neue Albarn-Sound war seiner Zeit sehr neu und hip, was selbst ich in meiner damaligen spätjugendlichen Lebensphase anerkannte. Die Band erschuf damals mit ihrem Stil-Mix etwas einmaliges, etwas Neues. Nur. Fleming war damals so auf Techno, das so eine Kommerz-Pop-Band bei ihm nicht wirklich punkten konnte. Und dann wurde da auch noch gerappt: Ging gar nicht. Gestern, 16 Lebensjahre nach dem Erscheinen des nach der Band selbst betitelten ersten Albums, sah die Sache anders aus. Gorillaz? Sollte man sich mal anhören. Ganz schlecht sind die ja nicht. Wenn auch, okay, immer noch zu poppig. Aber Mister Damon Albarn auf der Bühne hat man nicht alle Tage. Und nicht zuletzt: Meine Freundin ist großer Gorillaz-Fan.

 

Ins Münchner Zenith fahre ich nicht nur gefühlt alle paar Monate. Die Besonderheit gestern war, dass wir  fast pünktlich zur Öffnung der Halle dort waren, um 18:30 Uhr. Trotzdem war da schon eine extrem lange Menschen/Fan-Schlange vor dem Eingang. „Das wird nichts mehr“, meinte ich betreten zu meiner Freundin und meinte damit, dass wir zu spät ankamen um noch einen Stempel zu bekommen um noch vor dem ersten Wellenbrecher direkt vor der Bühne stehen zu können, wo die Sicht auf die Bühne am besten ist. Im klammen München regnete es stark zu dem eisigen Wind, der wütend und bitter unsere Schirme auf links toste. Schlamm vom aufgewühlten Schotterpark-Platz des Zenith-Geländes klebte an unseren eiligen Schuhen. Doch. Oh Wunder. Wir ergatterten einen der erhofften limitierten Plätze vor der Bühne. Ab zum Merchandise-Stand.

Ich bin noch nie auf das Merch in einem Blog-Eintrag eingegangen, da ich aber bei Justice in Köln kein Shirt in meiner Größe bekommen habe und z.B. bei „the kills“ die Qualität der Shirts derart billig war, dass selbst die Sklaven-Kinder aus den Sweatshops in Kambodscha empört die Augen verdreht hätten, will ich auch mal erklären dass die Gorillaz-Produkte von erstklassiger Quanti- und Qualität waren. Zumindest vor dem Waschen…

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Vorband war Little Simz. Klarer Fall von überhaupt-nicht-meine-Musik. Das interessierte die Kleine die aussieht wie die von „Chewing gum“ gleich mal überhaupt nicht und walzte mit ihren Hip-Hop-Tunes nicht nur mich platt und zerrte dadurch meine Arme nach oben. Selten habe ich eine Vorband erlebt die a) so gut beim Publikum ankam und die b) sich so viel Mühe gab um die faule Crowd – die einen Haufen Geld dafür ausgegeben hat, um eine ganz andere Band zu hören – von ihrer Musik zu überzeugen. Und das machte richtig Fun. Es wurde am eigenen Körper gezeigt, dass es auch geil sein kann ein Publikum an die Hand zu nehmen.

Punkt 20 Uhr Little Simz. Punkt 21 Uhr: Gorillaz.

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Die Gorillaz kommen gerade von einer Tour durch Amerika nach Europa. Da muss sich fast die Frage stellen, ob die Band überhaupt noch richtig Bock hat auf Tour-Alltag und Live-Dates. Manche Bands spulen die Konzerte einfach nur noch ab. Die Gorillaz (zum Glück) nicht. Die hatten richtig Bock.

Es ging von der ersten Minute an richtig ab. Jetzt fragt mich nur nicht wie die Lieder im einzelnen hießen, aber es war wurde den ganzen Abend viele Sachen von der neuen, eigentlich gar nicht so umwerfenden Platte, gespielt. Doch es bewahrheitete sich wieder einmal, dass in Live-Situationen der Sound ganz anders klingt – und rockt. Bereits nach einer halben Stunde war ich total nass geschwitzt und feierte Songs ab, die ich entweder gar nicht kannte oder nur kaum; und Lieder wie „Andromeda“, die auf Platte eher melancholisch klingen, wurden zu Party-Bestien aufgeblasen. Von „We´ve got the power“  und der wahnsinnig geil live gesungenen Disco-Nummer „Strobelite“ ganz zu schweigen.

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Ich hatte mir zuvor natürlich mal ein Live-Konzert der Band angesehen und die fand ich eigentlich eher so: „Na ja“… Aber Titeln die auf Youtube eher die Luft ausgingen wie „Sex Murder Party“ waren in dem in Echt-Moment ein Hands-Up-Muss, bei dem plötzlich einer der zahlreichen Gastsänger sich in der Menge euphorisch an dir vorbei sangen.

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Auf der Bühne waren ständig 10 Leute am Arbeiten, was man hörte und fühlte. Aber man hörte und sah auch, wie viel Spaß dieser Haufen da oben hatte. Die feierten permanent sich und das Publikum ab und waren genau dass, was man von so einer Band erwarten kann: Euphorische Profis. Fast alle der Gastsänger waren am Start und so war es kein Wehrmutstropfen, wenn einmal ein Sänger nur über die Videoleinwand eingespielt wurde. Profis bei der Arbeit zuzusehen macht richtig Spaß, wenn es ihnen Spaß macht.

Ich hatte einmal so eine Situation auf dem Southside-Festival, damals, bei den Foo Fighters. Er schüttete wie aus Kübeln und die Menge feierte die Band richtig ab. Die spulten professionell ihr Programm ab: Blieben aber menschlich kalt und distanziert. Gestern sah man nur einen bis über beide Ohren grinsenden Damon Albarn der nach ein paar Songs schon komplett durchgeschwitzt war und die Menge weiter nach vorne sang und schrie.

Hier. An dieser Stelle. Kann man auch mal das Münchner Publikum loben: Oft seid ihr ein bisschen lame. Gestern aber. Brüder und Schwestern. Habt ihr einen guten Feierjob erledigt.

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Die Bands mit den unzähligen Hits spielten überraschend wenige davon. „Stylo“, „Feel good Inc“, „Clint Eastwood“. Burner wie „Dare“ oder „Dirty Harry“ fehlten leider im Programm, das mit 1,5 Stunden auch nicht überragend lang war. Mir reichte es nach dem Set aber auch. Ich hatte anderthalb Stunden mehr Spaß gehabt als bei manchen Konzerten die 2 Stunden dauern, wo 30 Minuten überflüssig waren. Tatsächlich war ich nicht auf wenigen Konzerten und dieser Gorillaz-Gig war einer der besten Live-Auftritte die ich jemals erleben durfte. Gerne mehr. Gerne mal wieder.  Und dann bitte mehr von Zebra Katz 😀

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Das Glück der anderen

Ich will mich nicht immer erklären müssen. Ich will verstanden werden. Dafür ist ein Mindestmaß an Empathie nötig; jene Empathie, gleicher Form, die ich euch gegenüber ebenfalls aufbringe. Wir sind Freunde. Da müssen die Erzählungen nicht immer wieder bei Eva und Adam beginnen.

Ich verstehe. Verstehe die Wut. Verstehe die Gier. Und ich verstehe den Schmerz, den man  mit einer lachenden, polternden Robustheit von sich vorschiebt. Vorrübergehende Blindheit kann manchmal nur im Nachhinein als solche erkannt werden. Solange sieht man seine Schwäche als Stärke an. Gleichfalls sind wir alle zu jeder Zeit blind für gewissen Aspekte des Lebens, die uns im Später erst gewahr werden können. Und doch ist man nicht „nachher immer schlauer“. Das ist nicht wahr. Nachher sieht man die Welt einfach anders. Selbst wenn sich Gesichter nicht großartig ändern. Prioritäten tun es.

Irgendwo muss es dann um den gemeinsamen Level gehen. Dass, was vom Herzen übrig bleibt. Da wäre es doch gar nicht so schwer sich gegenseitig anzuerkennen. Wenn man denn will.

Aber Anstrengungen, Bemühungen, kann man heutzutage ebenso leicht aus dem Weg gehen wie der Langeweile. Wer würde sich auch den eigenen Neid gerne eingestehen? Ich habe. Dafür. Mein ganzes. Bisheriges. Halbes. Leben. Gebraucht.

Das Sprichwort von „den Früchten im Garten des Nachbarn, die einem besser als die im eigenen Garten erscheinen“, ist wahrer als man sich eingestehen will. Weil so gut wie jeder zu sich sagt (und es heute auch von allen Orten eingeredet bekommt), dass er nicht so  wie die anderen sei. Man selbst hält sich ja für stärker und klüger. Nur wer ehrlich zu sich selbst ist sollte sich eingestehen können, dass wenn man nicht so ist wie die anderen, diese in ihrer Andersartigkeit auch Stärken gegenüber einem selbst besitzen, um die wir sie insgeheim beneiden. „Ich will nicht so sein wie du“, kann nicht bedeuten, ich bin in allem besser wie der andere. Es heißt nur. Dass man sich in bestimmten Situationen anders verhalten will. Eine Generalisierung ist immer ein Trugschluss. Deswegen ist es falsch sich ständig zu sagen, dass die Früchte im Garten des anderen immer besser sind. Immer schlecht. Oder dass sie uns nie interessieren. Das sind alles Lügen. Tatsache ist dagegen: Mein Nachbar ist mein Nachbar. Wir haben beide Früchte im Garten. Und je nach Gefühls- sowie Lebenslage beurteile und vergleiche ich uns unterschiedlich miteinander.  Wie immer sind die „Extreme“ das Problem. Nicht der manchmalige Neid. Nicht das hin und wieder auftretende Gefühl der stolze Gewinner zu sein. Das Extrem vom ständigen Gewinnen und seinem Gegenteil machen uns blind und roh; wer sich ständig für einen Gewinner-Typ hält, sieht seine Schwächen nicht mehr, wie der ständige „Verlierer“ sich seine Stärken nicht mehr zugestehen kann. Wer zu anderen empathisch sein will, sollte es auch zu sich selbst sein können. Wer also meiner Meinung nach über andere urteilen will, sollte auch über sich selbst urteilen können.

Neid ist ein stärkeres Gefühl als ich dachte. Es gab Zeiten. Jahre. Da glaubte ich frei davon zu sein. Weil ich den Mangel an bestimmten Dingen in mir selbst überspielte. Wobei genau diese Mangelerscheinung die Triebfeder für jeglichen Neid ist.

Ich verstand mich selbst nicht als ich behauptete, dass meine Freunde schlechte Freunde wurden, nur weil sie Kinder hatten. Verabscheute ihre neue Rolle. Verabscheute Kinder an sich. Nur weil ich selbst in mir einen Mangel spürte. Den Mangel nicht dazuzugehören. Die Tatsache zu fühlen. Dass mir etwas entgeht und fehlt. Ich musste in meiner eigenen Zeitrechnung sehr alt werden um das zu verstehen. Ganz begriffen habe ich es vielleicht heute noch nicht.

Heute führe ich eine tolle, liebevolle Beziehung, in der es mir an nichts mangelt. Ich habe alles. Ständig gehe ich auf Konzerte von angesagten und/oder legendären Bands. Mache Urlaube in Köln, Bulgarien, Singapur. Kann mir kaufen was ich will. Und habe eine mich liebende Freundin, die ich eines Tages heiraten will. Die mich, und das ist das Wichtigste, aushält und erträgt. Die nicht nur ein höheres Einkommen als ich einfährt, die mir auch in vielen Geistesdingen voraus ist. Mein Leben an diesem Elften Elften Zweitausendundsiebzehn ist übervoll mit guten, mit hervorragenden Dingen. Und erst jetzt spüre ich, was Neid ist. Denn den eigenen Neid spürt man weniger als den Neid der anderen. Getuschel wird an mich herangetragen. Die habe dieses und jenes gesagt. Deswegen haben sich der und die so und so verhalten, wie man es selbst nicht erwartet hätte. Manche meiner Freunde. Einige meiner Bekannten. Sind neidisch auf mich und meine Freundin.  Anders kann ich es mir nicht erklären. Obwohl ich jedem das gleiche Glück wie mir gerne gönnen würde. Jetzt.

 

 

Kuriose Sache: Die Abwesenheit von Neid macht einen hier mehr zum Außenseiter, als die polternde Bosheit anderen ihr Glück nicht zu gönnen.

Sowie es allen Anschein nach auf andere besser wirkt, ein Drogensüchtiger Versager zu sein. Den man bemitleiden kann.

Kokain beendet zuverlässig jeden LSD-Trip

1: Du magst echt keinen der Marvel Filme? Da gibt´s aber echt Qualitätsunterschiede.

2: Am Anfang fand ich das auch ganz nett. Aber es ist halt Unterhaltung für Teenager.

1: Hm. Na ja. Ich fühl mich mit 44 auch durchaus noch angesprochen.

Was will man darauf antworten? Bei solchen Themen nagt so viel an mir. Wieso mögen wir es wie Teenager abgespeist und behandelt zu werden? Weshalb werden das „Erwachsenwerden“ und die damit verbundene Zeit so überschätzt? Ich will mich selbst nicht wie einen Teenager behandeln.

Jetzt aber mal langsam Fleming. Gerade du. Der große Manga-Leser und Keine-Kinder-Haber. Der ehemalige Drogen-Typ mit dem Peter-Pan-Roman. Was weißt du schon über das Erwachsen sein? Das ist ein Punkt. Aber ich will mich halt auch nicht füllen als sei ich für dumm verkauft worden. Und Marvel-Filme sind für mich genau das. Das sind nur Achterbahnfahrten. Zirkus-Attraktionen. Kleinste gemeinsame Nenner. Bei denen jeder ohne große Mühe „mit kann“. Waren die nicht immer das Schlimmste gewesen? Diese Dinge, auf die sich alle einigen konnten? Das ist wie „Deichkind“. „Die Ärzte“. Oder „Herr der Ringe“. Niederste Instinkte werden befriedigt. Banalste Triebabfuhr. Degeneration der Ansprüche. Von 9 bis 99. Die nie versiegende Lust auf Nutella auf dem Brot…

Irgendwo habe ich in den letzten Wochen einen Text darüber gelesen, dass es ein Irrtum sei dass es Routine geworden ist das jede Generation von Jugendlichen gegen ihre Eltern rebelliert. Die einzig wirkliche Generation der Revolution war die der 68ger gegen ihre Eltern. Das muss man ihnen zugestehen. Auch wenn diese Revolution grandios scheiterte. Was danach kam waren nur kleine rebellische Phase: Punk. Metal. Techno. Das waren nur Pop-Zitate des Urgedankens. Und wenn der Jugendliche dann doch nicht mit dem Leben klar kam, hat man lieber schnell Mama und Papa um Rat gefragt, was man am besten tun soll um diese und jene Situation zu meistern. Die Eltern als Vermögensberater der eigenen Möglichkeiten. Nur die Träume werden immer weiter geträumt. Der Traum von der ewigen Jugend. Den Papa, Mama und Tochter/Sohn kollektiv und Händchenhaltend bis an ihr Lebensende träumen und glorifizieren: Ja, wir sind die Macht, wir sind die Jugend… Wir sind das Beste aus beiden Welten: Jung und alt in einem Körper vereint…

Und glauben weiter an die Supermänner. Und glauben dass es schon eine Form von Fortschritt ist, wenn wir nun auch Superfrauen glauben dürfen. Die uns Alle retten… Während die Überbevölkerung und der Klimawindel uns langsam ausrotten. Wie eine Lawine. Die sich verzagt und müßig in Bewegung setzt. Um am Ende alles unter sich zu be….

Letzte Woche war ich bei meinem Freund. Wir nahmen LSD. Lagen total breit auf seinem Kanapee herum und sahen uns Filme an. Irgendwann dachte ich, ich müsse nachhause. Ich begann Cola zu Trinken. Zuckerhaltige Getränke helfen es einem den LSD-Film zu beenden. Der Grund dafür war, dass ich keine Lust darauf hatte alleine daheim verplant in der Gegend herum zu denken. Mein Freund bot mit eine Line Kokain an. „Koks beendet zuverlässig jeden LSD-Trip“, erklärte er mir. Und er hatte Recht. Ich war sofort runter von der psychedelischen Droge. Koks schlägt LSD. Was sagt das über die Hippies aus? Über die Träume? Über Mama. Papa. Über deine Tochter. Über uns?