Der Status quo zu „Verlorene Jungs“ und wie über Techno-Leute berichtet wird

Wie so mancher Blogger vor mir (und sicherlich auch in Zukunft) versuche ich nach einer langen Korrekturphase meinen Roman „Verlorene Jungs“ zu „verkaufen“. Wäre ja ganz praktisch mit dem Hobby Geld zu verdienen. Hobby? Der Blog, der die Ur-Suppe war aus der mein Roman entsprang, war ein Jahrzehnt lang mehr als nur mein Hobby. Es war ein Herzensprojekt. Dann: Zack! „Blog.de“ geht den Bach runter und all das was man sich über so viele Jahre aufgebaut hat, ist einfach so weg. Und ich hadere wirklich mit mir, dass ich ausgerechnet zu WordPress umgezogen bin. Zwar habe ich hier, nachdem ich nach dem „Blog.de“ im Limbus des Internets verloren gegangen ist, so gut wie alle meine Follower und Freunde verloren habe, wieder neue Freunde auf und über WordPress gefunden, ebenso Blogs die ich gerne lese. Jedoch bin ich beim Thema „Kommentieren“ etwas faul geworden. Auch dieser unsägliche „Like“-Button hätte sich WordPress sparen können… Aber kommentiert muss werden wenn man eine neue „Reichweite“ aufbauen will. Doch ich will mich auch nicht anbiedern. Oder aufdrängen. Neue Freunde finden ist im Digitalen Bereich ein mühsames Ausschlussverfahren. Denn selbst wenn mich die Themen interessieren, werden sie halt nicht von den Leuten geschrieben, die man einmal ins Herz geschlossen hat und jetzt irgendwo im Nirvana des Netzes der unbegrenzten Möglichkeiten tätig sind. Oder vielleicht auch nicht. Wahrscheinlich wäre eine Plattform aus Deutschland besser gewesen; mich beschleicht bei WordPress das Gefühl, dass wir zwischen den ganzen Amerikanern und was weiß ich woher die Menschen hier kommen, einfach untergehen. Die deutsche WordPress-Enklave funktioniert zwar. Sie ist aber auch ein zu sehr in sich geschlossener Kreis.

Eigentlich wollte ich ja über den Roman sprechen.

Letztes Wochenende war ich mit Freunden auf dem „Ikarus-Festival“. Ein Techno-Festival. Dort wurden mir wieder einmal vor Augen und Ohren geführt, dass es einen Markt für meinen Roman gibt. Auf dem Festival wankten eben keine Stricher und Hyper-Junkies in der Gegend herum, die keinen Plan mehr vom Leben haben und sich wortwörtlich in die Hosen machen vor lauter unvorstellbarer Zerstörtheit. Wie es ansonsten so ist in der „Literatur“, wo Romane gerne mal Untertitel tragen wie „Meine Horrorjahre in der Techno-Bewegung“ oder „“Ehebruch, Ecstasy und Electro – mein langer Weg zurück in das Leben“. Nein. Auf dem Ikarus waren ganz normale Leute: Stephan aus Ulm. Und Jessica aus Heidelberg. Zum Beispiel. Die habe ich dort getroffen und für gut befunden. Die Zwei waren nicht zusammen unterwegs und ich bin nicht extra los gewankt um Menschen wie sie zu finden. Die trifft man halt. Während man irgendwo ansteht. Entlang geht. Eine Zigarette raucht. Oder ganz klassisch beim oder nach dem Tanzen. Stephan und Jessica sind kein Paar. Ich traf sie nicht zusammen zur gleichen Zeit. Ein paar Stunden vergingen bis ich nach Jessica den Stephan traf. Und dann haben wir dann da so geredet. Mehr oder weniger locker über Drogen und wie das so ist mit dem normalen Leben. Kein AUSFRAGEN. Das funktioniert nicht. Sondern so mit Jägermeister am Mundwinkel. Während sich da ein Gespräch entwickelt. Und ich war ja auch neugierig gewesen, ob sich Leute REPRÄSENTIERT fühlen von den Medien. Wie über sie gesprochen wird. Über die normalen Leute. Die halt ein paar Jahre feiern gehen. Und dann halt nicht mehr. Wir sind ja kein Abschaum.

Nein. Repräsentiert fühlt sich der kleine Tänzer nicht durch die Filme und Serien über das Thema. Von den Büchern auch nicht. Obwohl da natürlich viele kluge Sätze geschrieben wurden. Über das Feiern. Geile One-Liner. Doch die Wahrheit. Die findet man dort selten; wenn dann „Wahrheit“, dann halt immer die viel zu krass kaputte Wahrheit. Siehe „Berlin Calling“, „Der Nachtmahr“, wo dann halt auch gleich wieder die „Verrücktness“ durch die Drogen das Thema ist. Nicht das Glück. Denn die Menschen nehmen den Müll doch nicht weil sie so geil davon verrückt werden. Nein. Sondern. Weil es Beides ist: Der Spaß und seine Schatten.

Es ist ja auch schwer für einen Niemanden wie mich ein Buch zu verkaufen. Hab nicht studiert. Kenne keine wichtigen Leute, habe also kein Vitamin B. Und wenn ich mir die Bücher so ansehe die ich im Schrank habe, auch zum Thema Techno und Jugendkultur, da sind es dann halt die Medienpanzer wie Moritz von Uslar oder Tobias Rapp (oder gleich Rainald Goetz), die mindestens schon einmal irgendwo fest bei einem riesigen Medienimperium gearbeitet oder häufiger veröffentlicht haben, bis schließlich ihr eigenes Buch über das Herzensthema heraus gebracht wurde. Da ist jetzt auch kein Neid dabei. Moriz von Uslar – super sympathisch kommt der rüber. Das Buch Tobias Rapp fand ich zwar nicht so geil, folge ihm trotzdem auf Facebook. Ne. Darum geht es nicht. Ich glaube nur, dass es einfacher ist wenn man schon wer ist und dann zu Mister X oder Mister Y sagen kann: „Du, ich hab hier auch was geschrieben. Was LÄNGERES. Schau dir das doch mal an.“ Vielleicht sind das nur Verschwörungstheorien von mir. Leicht möglich, was weiß ich schon wie das funktioniert? Vom Gefühl her aber ist der Feuilleton mit seinen Lieferanten schon so ein in sich verschworener und verwobener Bereich, dass man Normalproleten wie mich gar nicht ernst nehmen will (was man übrigens auch dadurch merkt, wie man von den Verlagen TEILWEISE behandelt wird. Teilweise). Während MIR jedes Mal ein Schaudern beim Ingeborg-Bachmann-Preis über den Rücken läuft was da für Gestalten auflaufen, wer da beurteilt und wie sich alle verwursten lassen. Das kann man sich gar nicht anschauen. Wie die sich gegenseitig aufeinander einen runter holen. Der ERLESENE Kreis.

Und dann wundern sich die gleichen Leute auch noch darüber, dass immer weniger gelesen wird. Und wenn dann. Das Falsche. Ja eben weil ihr an den Leuten, an der Wahrheit vorbei redet. Weil man heutzutage glaube ein Studium und ein wenig Wikipedia-Recherche würden ausreichen um in jedem Thema gleich Fachfrau oder -mann zu sein. Es reicht nicht Bildungsbürger zu sein… Klar können die Schreiben. Sonst wären die nicht da im Fernseher und würden… VORLESEN. Bei aller Freundschaft: Nichts ist langweiliger als eine Lesung. Selten ist ein Buch so gut, dass man gleich Seitenweise daraus vorgelesen bekommen will. Es geht aber nicht nur um das Schreiben. Sondern darum, ob die Leute auch was ZU SAGEN haben. Denn es reicht halt nicht (und da spricht der Handwerker aus mir) wenn man handwerklich gut arbeiten kann, weil man das von ehemals wichtigen Leuten beigebracht bekommen hat. Denn am Ende wird das was man erschaffen kann nur ein Imitat dessen, was man an der Uni gelernt hat. Es fehlt leider der besondere Moment. Es mangelt an gelebter Erfahrung die Ding anders anpacken zu können oder auch nur zu wollen. Nicht an Schreiberfahrung. Nicht an Büchererfahrung. Nicht einmal an Lebenserfahurng. Es fehlt der Mut sich von diesem ganzen Akademischen Quatsch zu lösen. Deswegen sind diese Bücher auch so tot. Und sollte dann doch mal einer um die Ecke kommen und seine Wahrheit aus sich herauspressen. Eine Wahrheit die schmutzig ist, weil sie ECHT ist. Unbequem. Dann… Ja dann… Leider… Klingt das nicht danach als könnte es sich gut verkaufen. Es muss ja so oder so sein. Am Besten wie… Weil die Leute das so nicht mögen… Wenn…

Und dann wundert man sich noch. Das keiner mehr eure Lügen lesen will.

Advertisements