Die Betäubungsmittel-Revolution

Ich bin nicht dafür und werde es niemals sein, dass Drogen jeglicher Art so legalisiert werden wie die Volksdroge Alkohol, die ich selbst viel zu oft und aus Gewohnheit in mich hinein schütte. Irgendwann einmal im „Text zur Nacht“ habe ich mal geschrieben, dass jedes Ereignis im Leben besser ist, wenn man ein Bier in der Hand hat; und dieser Irrglaube ist für mich eine Tatsache.

 

Niemals werde ich dafür sein, dass die Leute Cannabis so kaufen können wir Alkohol, z.B. Päckchenweise beim Rewe. Ein Verkauf sollte, selbst wenn er legal ist, reguliert ablaufen: Auch bei Alkohol. Ich werde es nie für gut heißen wenn ein 13, 14 oder 17 Jähriger irgendwo legal kiffen kann, selbst wenn es in der Gegenwart viele Bereiche in Deutschland gibt, wo das Gang und Gäbe ist. Auch Erwachsene sollten nicht überall Drogen konsumieren, jedoch mitführen dürfen. Kriminalisierung hat uns weder gerettet noch weiter gebracht.

Für mich persönlich  ist es ein großer Schritt zu sagen, dass man im Prinzip alle Drogen legalisieren sollte, denn dagegen war ich immer. Das hat auch viel damit zu tun, dass irgendwelche Vollidioten, die gerne kiffen, sagen, wie geil das doch ist und jeder Mensch dadurch besser wäre und die Gesellschaft supertippitopi würde, wäre Kiffen legal. Nein. Deswegen bin ich nicht dafür. Ich bin dafür, da der Krieg gegen die Drogen so nicht funktioniert.

 

Als langjähriger Drogensüchtiger bin ich für sauberen Stoff und dagegen, dass Leute wegen Eigenkonsum-Mengen eingesperrt werden. Von den zigtausenden die in Lateinamerika wegen des Drogenhandels und denjenigen, ganz egal wo auf dem Planeten, die ob des Konsums leiden oder gar daran zugrunde gehen ganz zu schweigen.

Die oben erwähnte Argumentation der Cannabis-Legalisierer hat ein Problem: Man nimmt Drogen nur bis zu einem gewissen Punkt freiwillig und zum Spaß. Irgendwann kommt meistens der Punkt wo die Sucht den Lebensrhythmus vorgibt, was von den Legalisierungsbefürwortern gerne übersehen wird: Ja, es gibt auch die Drogensucht. Man kann die Menschen leider nicht nur der Selbstverantwortung überlassen, denn aus persönlichen Erfahrungen weiß ich, dass die Sache irgendwann und dafür sehr schnell ins Rutschen kommen kann. Wie kann man also überhaupt für eine Legalisierung eintreten, wenn das Beispiel Alkohol zeigt, wie schlimm die Geschichte werden kann, mit Tausenden von Toten  jedes Jahr auf der Seite der Konsumenten? (oder Tausende Hirntote-Kiffer? Oder Blödgefeierten – Unwort – Ravern?)

 

Alkohol ist ein gutes Beispiel, da es ein schlechtes Beispiel ist. Hier hat sich gezeigt, wie eine Legalisierung nicht funktioniert. Aber. Aus diesem Beispiel kann man lernen. Ich finde, wenn man Substanzen erlaubt, muss das nicht heißen, dass man sie auf einen Standard erlaubt, wie Alkohol. Ganz im Gegenteil. Man muss bei einer XTC- oder Cannabis-Legalisierung den Alkoholkonsum, also den Verkauf eindämmen. Jeder bekommt von mir aus einen bestimmten Monatsbedarf zugesprochen, den er über die Krankenkasse abrechnen kann, Schimpfwörter wie RFID-Chips könnten  da weiterhelfen. Lacht nicht. Was fürs Kiffen ein Modell ist, muss Zwangsläufig auch ein Modell für Alkohol werden. Kontrollierte Abgabe, anders geht es nicht.  Natürlich lässt sich auch so ein System umgehen (Kumpel kauf mir mal was auf deinen Vorrat), das wird aber immer so sein.

 

Der Weltstaat müsste keinen Krieg gegen die Drogen inszenieren, der ohnehin mehr Leben kostet als rettet. Millionen, ach was Milliardengeldsummen könnten gespart werden und ich würde sie in Prävention und Aufklärung stecken. Während ich hier sitze wird in meiner Landeshauptstadt das Oktoberfest abgehalten, und warum nicht dort große Kampagnen gegen den Alkoholkonsum starten? Bringt nichts? Stimmt nicht. Mit dem Rauchen ist es doch genauso. Vor 50 Jahren hätte man mich auch ausgelacht wenn ich Raucher vor die Tür geschickt hätte: Heute ist es Normalität. Der stete Tropfen… Ihr wisst schon. Und die Quote derer die zu Rauchen anfangen sinkt auch immer weiter, Anti-Drogen-Kampangen funktionieren also, wenn man sie zielgerichtet und auf hohem Niveau führt.

 

Ich gönne jedem seinen Drogenrausch, solange es ein RAUSCH ist und keine Gewohnheit, wenn es also schon gar nicht mehr kickt und man es trotzdem macht. Deswegen soll jeder das Recht haben einmal oder zwei Mal im Monat sich mit LSD oder was weiß ich abzuschießen. Doch nicht im Verborgenen, nein, an Orten wo er auch Hilfe bekommt, wenn es mal nicht so gut läuft mit dem Draufsein. Das Stigma des Drogenkonsums muss weg und schon erreicht man wieder viel mehr Menschen, die man heute als verloren  ansieht.

Drogenkonsum an sich soll nichts Gewöhnliches werden, nicht so wie: Mir ist langweilig und ich gehe jetzt mal zur Tanke und hole mir nen Wodka Gorbatschow aus der Dose. Drogen sollten Event-Charakter haben und dann auch toleriert werden.

Dabei wird es immer einen Schwarzmarkt und menschliches Elend geben. Immer. Nur muss man die Möglichkeit einer humanen Gesellschaft erhalten. Und warum soll ÜBERWACHUNG in jedem Fall etwas Schlechtes sein?

 

Das Ganze ist natürlich ein Hirngespinst, ein wenig von Utopia darf man aber wohl auch noch träumen, oder? Und vielleicht sollte man den Staat nicht immer auf allen Ebenen verteufeln und Regulierung nicht gleich als die Zerstörung der persönlichen Freiheit begreifen. Manchmal wissen doch andere was besser für dich ist. Mutti hatte ja auch nie ganz Unrecht.

 

Legalisiert wird werden. Früher oder später. Auf die eine oder andere Art. Und ich bin gespannt  was dieser anstehende Tabu-Bruch für eine Gesellschaft generiert. Denn mit der Drogenlegalisierung ist es wie mit dem Etablieren der freien und offenen Sexualität im letzten Jahrhundert.

Heute leben wir in ein durch sexualisierten Gesellschaft. Ich kann mir überall Sex kaufen, ansehen und selbst für umsonst ins Internet stellen. Vor Jahrzehnten war noch eine Nacktszene im Kino ein Skandal – wie wird es dann erst mit der legalen Massenverbreitung von Drogen sein? Ich. Bin ja kein Freund der übermäßigen Sexualisierung, die bei uns allerorts anzutreffen ist. Ich finde, diese Form von Sex fehlt es an Würde und Anstand, was sich auch mit dem Respekt auf meinen (schlimm/schönes Wort) Nächsten überträgt. Denn das ist doch die Frage liebe Regulierungsfreien Legalisierungsbefürwörter: Was wird mit der Gesellschaft geschehen, wenn ihr alles frei nehmen dürft? Seid ihr wirklich so naiv zu glauben, dass dann alles besser wird?

Meiner Meinung nach hat der Respekt dem anderen gegenüber mit einem höheren Maß an (Sexueller)Freiheit nicht gerade zugenommen. Im Gegenteil. Was wird nach der sexuellen Revolution, die Drogenrevolution hervorrufen? Werden wir noch unverantwortlicher werden? Und wird das Wort „Freiheit“ nur noch mit „Marktfreiheit“ gleichgesetzt?

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Wo Schönheit regiert, regiert der Faschismus

Alles muss gut aussehen. Besser: Alles muss richtig aussehen. Wer sagt das? Ich sage das, denn ich bin der kleine Mann in deinem Kopf, der Spion, den die Außenwelt in deine Vernunft gepflanzt hat. Dank Film, TV und vor allem Werbung (mein ewiges Thema) sind wir so indoktriniert worden, dass die Welt in ein gewisses Raster passen muss, sonst nehmen wir sie nicht ernst. Das beginnt beim sich stetig ändernden Schönheitsideal der Mode und geht weiter über die Politik und deren „Fortsetzung mit anderen Mitteln“, was auch ein Grund ist, weswegen manche unserer Mitmenschen es zum Beispiel es den bei uns hilfesuchenden Asylanten ganz rot und schlecht ankreiden, wenn sie ein neues Handy besitzen, womit sie zuhause im Krieg anrufen; besser wäre es für mich, den kleinen Mann im Kopf, hätten diese schwarzen Asylanten noch zerrissene Klamotten an und Handys, die Nokia einstmals in Bochum produziert hat. Das würde in mein Weltbild passen.

Sind solche Vorstellungen von Flüchtlingen und deren Mobilfunkgeräten dumm? Finde ich jetzt gar nicht, denn unsere Meinungen und unser Verständnis über Bilder und deren Aussagenkraft, ihrer Funktion, wurden uns Jahrzehntelang in die Innenseite unseres Schädels gemeißelt, ironischer weise von den ganzen Hilfsorganisationen die um unsere Spenden oder sogar um eine Patenschaft für schwarze Kinder mit aufgeblähten Bäuchen und mit Fliegen im Gesicht geworben haben. Jetzt sind diese Kinder plötzlich groß geworden, laufen hier über die Straße, und haben statt Fliegen im Gesicht ein nagelneues Smartphone am Ohr. Die Gutmenschenmedien kommen dann schnell mit einer Neid-Debatte daher (was teilweise stimmt), übersehen dabei aber auch gerne die Macht der Bilder, deren sie sich selbst bedienen.

Die Medien sind in einer Medienwelt selbstverständlich Teil des Problems. Einerseits wollen sie informieren und (leider) auch unterhalten, andererseits müssen sie auch mit anderen Medien um Aufmerksamkeit konkurrieren und geben dabei ihre „Ideale“ auf – für viele Kritiker der Medienlandschaft wird der Begriff „Ideal“ ohnehin nur noch ironisch verwendet. Wie bindet man also die Aufmerksamkeit der Zuschauer (Konsumenten) am besten an einen Beitrag? Genau, mit den Klischees von Worten und Bilder, idealerweise noch mit Über- oder Extraklischees, d.h. mit reißerischen Bildern – und mit einer Prise Sex und Humor. Das kann man jetzt einfach nur verteufeln und ablehnen, okay, dennoch hat die Berichterstattung durch die Medien eine gewisse Vorbildfunktion für unser Denken. Denn. Siehe oben. Die Art wie etwas gezeigt wird indoktriniert unser Verständnis davon, wie die Welt zu funktionieren hat.

Für manche ist das so schlimm, dass sie sich „alternative Medien“ suchen die zwar neue Denkansätze verfolgen, leider aber immer noch schlimmer politisch verortet und Klischee beladener sind, als all die „Mainstream-Medien“. Hier wird RICHTIG Meinung gemacht.

„Propaganda“ ist kein Kriegsbegriff mehr. Er ist ein Dauerzustand. Deswegen gibt es zu jeder Nachricht im Jahr 2015 eine oder gleich mehrere „alternative Sichtweisen“ auf den gleichen Bericht. Im Prinzip ist das eine gute Sache, denn es hat auch eine demokratische Komponente. Das Problem ist nur dass der Hauptteil der Propaganda nicht „vom Volke“ ausgeht, sondern von der Wirtschaft. Wir leben in einer kapitalistischen Welt die nach kapitalistischen Regeln funktioniert. Der, der das Geld hat (also nicht mehr DER Einzelne, sondern DIE Unternehmen) hat die Macht über die Bilder. Ein hohes Gut wie ich hier behaupte. Denn die Propaganda der Bilder, der schönen heilen (gar nicht neuen) Welt oder der Hölle auf Erden, kommt schließlich doch immer beim Volke an – und dem wird Angst gemacht. Angst vor der Zukunft. Und es ist genau diese Angst, die die Menschen mit Fremdenhass auf die Straße treibt oder sich in ihren Wohnungen oder auf ihren Partys und Urlauben einsperren lässt, wo sie auf Facebook einen „geilen Ausnahmezustand“ feiern und markieren, den es nur in ihrer Wahrnehmungsblase gibt. Denn wir sind Getriebene der Bilder. Wir fliehen vor ihnen in den Konsum um uns selbst einzureden, dass es gar nicht so schlimm ist.

Das die Politik sich schon längst an die Wirtschaft verkauft hat ist eine gängige Floskel. Denn ansonsten würde „unsere Kanzlerin“ sich auch zu den großen Themen bekenne und die Probleme „anpacken“. Zur Flüchtlingsproblematik hört man von ihr aber fast gar nichts. Nur dass die Rüstungsexporte mal wieder gestiegen sind und damit (über kurz oder lang) noch mehr Flüchtlinge nach Europa getrieben werden – und Europa ist unser aller Problem. Das sollten wir inzwischen verstanden haben. Da ist es natürlich leichter auf die Bilder der bösen Nazi-Demonstranten zu schimpfen und bei ihnen das Problem abzuladen, anstatt zu sagen, „Ja, na ja… Wenn wir weniger Waffen verkaufen, kommen wohl auch weniger Flüchtlinge zu uns, kostet halt Arbeitsplätze“. Und den Verlust von Arbeitsplätzen kann sich kein Politiker leisten. Arbeitsplätze sind seine goldene Währung zur Wiederwahl. Wir sind soweit gekommen, dass der Arbeitsplatz selbst zum Erhalt des Systems in dem wir leben nicht nur beiträgt, nein, er erhält das System. Was wäre eigentlich wenn die Leute in der Masse sagen würden: „Ich unterstütze mit meiner Arbeitskraft dieses System nicht mehr!“ und sie würden die Arbeit niederlegen? Das wäre doch die wahre Revolution in einem kapitalistischen System; dem Kapitalismus zu entsagen.

Natürlich und leider macht das keiner. Wir kennen ja die Bilder aus dem Assi-TV – so wollen wir nicht enden. Wir wollen unser „schönes Leben“, wollen uns Dinge leisten können wie, Kleidung, Urlaube, Partys, Drogen, Smartphones, Play Stations, Autos, oder auch nur um so viel essen zu können wie wir wollen. Verhungern müsste bei uns aber eigentlich keiner. Nur ist die Angst vor dem sozialen Abstieg eine der größten Hysterien, die in Deutschland umgehen. Ich kann das natürlich auch verstehen. Bin ja selbst ein Sicherheitsfanatiker. Und der Witz an der Geschichte ist ohnehin, dass immer mehr Menschen sowieso aus dem System Arbeit ausgeschlossen werden, da wir an einem Punkt angekommen sind, in dem das Geld seltsamerweise gar keine Arbeitskräfte mehr benötigt um sich selbst zu erwirtschaften… Deutschland ist keine Insel mehr. Und eine globale Revolte gegen den Kapitalismus wird es nicht geben. Denn während es uns gut genug geht um zu revoltieren, geht es anderen schlecht genug, um sich gerne in dieses System zu begeben und unseren Platz einzunehmen.

Hups.
Manche Texte flutschen einem ein wenig durch die Finger. Ich hatte vor, mehr über die Ästhetik der Bilder zu schreiben, wie wir abhängig sind von Vorgaben. Was schön ist. Und was nicht. Und was alleine durch seinen Look einen höheren Wert besitzt als Dinge die zwar nicht „schlechter verarbeitet sind“, nein, die einfach nur ein schlichteres Design besitzen, innerlich wie äußerlich. Von Menschen, die ihr Leben lang einsam und schlecht gefickt bleiben, nur weil sie nicht so aussehen wie unsere Photoshop-Schönheiten oder unsere Fernsehsternchen, die vor ihren Aufnahmen stundenlang an einem Ort verweilen, den man nicht umsonst die „Maske“ nennt…

Ja. Die Bilder nehmen uns unsere Phantasie. Sei es im Kino („das ist aber schlecht animiert“ – was so viel heißt wie: „Das glaube ich nicht“) oder auf der so genannten Straße, im Job, im Bett, im so genannten EIGENheim…
Die Bilder nehmen uns die Träume. Denn dort wo Schönheit regiert, regiert der Faschismus.