Der Text zur Nacht (219) Welche Droge wirkt gerade?

Dann wirkt etwas. Irgendwelche Neuronen in meinem Hirn feuern… Ein Schaltkreis wird geschlossen oder geöffnet. So genau kann ich es nicht sagen… Von außen… Ohne mein Gehirn sehen zu können…

Die Stimmung wird irgendwie anders. Nicht schlechter. Trüber. Ich weiß nicht… Mein Blickwinkel auf die Welt ändert sich und der Raum der Menschheit um mich herum verliert seine matschige, singularisierte Ecstasy-Einteilung, wie er gerade durch meine  Augen heraus zu dechiffrieren war.  Meine Optik wird klarer, nur das Verständnis für das Gesehene wird weniger…

Das Subjektive, das in den letzten Minuten (Stunden?) durch unsere Gruppendynamik verdrängt wurde, tritt wieder in den Vordergrund. Stumm und sehr konkav. Bin ich wieder in mir. Blicke ein wenig hilflos auf meine linke Hand. Und ich verstehe nicht… Und ich kann nicht sagen was ich nicht verstehe – was es überhaupt zu verstehen GEBE…

Dann  macht es wieder „Schub“. Und „Boah“. Die Gutness erfrischt meine Aura wie der Fetzen eines Orgasmus. Einen kurzen, hellen, sonnigen Peitschenhieb lang ist wieder Alles wie gerade eben. Dann flaut das Gefühl erschreckend schnell ab… Was stimmt denn jetzt nicht? Muss ich mir SORGEN machen? Und bei dem Gedanken an den Begriff „Sorge“ kommt sie selbstverständlich auf, die große, schwere, böse Sorge um die Gesundheit des Geistes und ob much, much, much, too much, much, dann doch nicht, jetzt, also wirklich… Jetzt im Ernst und ohne Scheiß… Too much war…

Welche Droge wirklich eigentlich gerade? Das Pep? Die Teile? Das komische Zeug das Koji…? Ist ja fast schon psychedelisch… Hier… So… Jetzt. Puh… Aber mach dir mal keine Sorgen, du hast schon schlimmere Abstürze überstanden… Okay… Mhm… Da hast du Recht…  Zum Glück das du bist. Mich nicht alleine lässt…

Nur…

Wer spricht da eigentlich?

Ähm… Du selbst du Idiot… Das sind nur Gedanken! Lass dich doch nicht von deinen eigenen Gedanken stressen…

Okay. Da hast du jetzt wieder Recht. Ist ja albern…

Sag ich doch.

„Hey du Andi…. Andi?“ Kein Andi mehr da. Andi ist weg. Und auch… Kein Koji. Wo sind die denn..? Wie können die nur? Also… Hm…

Sven Väth spielt „Drone Logic“ von… Na… Ist egal… Das mag ich. Das ist ne Technoparty. Also tanz doch einfach. TANZEN HILFT. Dir geht es bestimmt gleich besser.

Also tanze ich einfach. Und meine vorher so schweren Arme. Die ich gerade einmal so hochbekommen habe um zu Rauchen… Sind auf einmal ganz leicht. Höllisch leicht. Superangenehm. Aber auch. Sehr gespenstisch. Leicht… Fliegt, zappelt und hüpft mein tanzender Körper auf der Wiese der Pferderennbahn.

Irgendwie.

Kann ich mir dabei mehr zusehen, wie ich tanze, als dass ich wirklich tanze…

Machts denn Spaß? Die Tanzerei?

Keine Ahnung… Nicht wirklich. Irgendwas stimmt ja nicht? Wie kann man da bloß Tanzen? Ist das nicht lächerlich? Wenn man…

Und ich tanze einfach weiter.

Bestimmt kommen gleich Koji und Andi von irgendwoher. Wahrscheinlich mit neuem Bier bewaffnet. Und helfen mir. Aus dieser blöden Situation heraus. Und ich gucke mich so um beim Tanzen. Verliere den  Rhythmus. Lache über mich selbst. Und tanze weiter.

Sven Väth spielt „Drone Logic“, von…

Moment mal… Spielt der das schon wieder, oder immer noch? Ist das jetzt? Wie…? Ich weiß nicht… Irgendwas stimmt nicht…

Mischkonsum macht so lange einen Heidenspaß, bis man es übertrieben hat. Das ist mit jeder Droge so: Der ideale Zustand liegt beschissen nahe an der Überdosierung…

Ich bleibe stehen. Sehe mir die Leute um mich herum an. Wie sie ihr Ding machen. Das heißt Quatschen. Trinken. Laufen. Essen. Lachen. Der Eine macht wieder den Arm nach oben… Einige schauen in ihr Handy… Alles wie immer. Und trotzdem…

„Servus“, sagt Alex zu mir. „Was ist denn mit dir los? Du siehst ja verdammt scheiße aus.“

Alex. Der/Die Alex. Der mir die falsche Telefonnummer von sich geben hat. Und obwohl ich ihn am liebsten zusammenscheißen würde sage ich nur: „Schön dich zu sehen… Mir geht´s auch irgendwie…“

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