Ein Gespräch unter Verrückten

„…sich Sisyphos als GLÜCKLICHEN Menschen vorstellen ist doch mit dass Bescheuertste was es gibt. Das ist purer Kapitalismus-Sprech.“

„Ich fand aber schon immer, dass bei dem Satz viel Ironie mit dabei ist. Und damit eben auch Kritik.“

„Galgenhumor, so würde ich das nennen.“

„Aber der Mensch BRAUCHT doch auch eine Tätigkeit. Eine Aufgabe.“

„Ach was. Das glaubt man nur, da man sich so einen Unsinn hat anlernen lassen. Wenn du konditioniert bist den ganzen Tag zu schuften, dann will man auch schuften – sonst fehlt dir was.“

„Arbeit macht frei.“

„War klar. Der musste jetzt kommen. ABER: Wenn man das auf den Sisyphos bezieht, stimmt es auch irgendwie. Der Mensch ist gefangen in dem Wahn eine Tätigkeit zu brauchen.“

„Aber sonst verroht man doch. Stell dir doch mal eine dauerhaft untätige Gruppe von Menschen vor. Die werden doch asozial. Die sind dann das Pack, so wie wir es kennen.“

„Wie die Tiere und so will der Mensch ja nicht sein. Aber meine Theorie ist ja, dass Tiere ohnehin viel freier sind als wir Menschen.“

„Hm… Kann ich mir nicht vorstellen. Ich hätte heute Morgen nämlich Wurstsalat.“

„Haha. Ich meine jetzt nicht diese Form von Massentierhaltung. Sondern vom Geist her. Was gibt es denn besseres als ein kleines Gehirn zu haben, dass schnell vergisst?“

„Na ja, ein sprichwörtlich GROßES Hirn zu haben, mit dem man sich viel merken kann.“

„Und genau das ist falsch.“
„Was ist denn so geil dran wie ne Fliege vor ne Fensterscheibe zu fliegen bis sie schließlich verendet?“

„Aber Fliege ist ein gutes Beispiel. Einer Fliege kannst du mit deiner tausendfach schwereren Hand eine mitgeben und trotzdem ist sie 30 Sekunden später schon wieder bei dir, da sie von deinem Geruch angezogen wird.“

„Toll.“

„Die Fliege hat einfach kein Gedächtnis um sich an die Situation zu erinnern. Die denkt erst „Au“. Und dann hat sie auch das schon wieder vergessen. Und was macht der Mensch? Der Mensch ist einfach nur ein Idiot der viel zu wenig vergisst. Und das, was er glaubt vergessen zu haben, beeinflusst ihn dann auch noch unterbewusst. Das ist doch furchtbar! Wer würde da nicht gerne eine Fliege sein?“

„Weil es ja auch gute Seiten hat ein Mensch zu sein.“

„Und die wären? Wie ein Idiot jeden Tag den Stein den Berg hoch zu schuften und ihn wieder hinab rollen zu lassen, um dann am Wochenende ein Bier auf die ganze Schinderei zu trinken? Come on…“

„Hm.“

„Ja hm.“

„Aber die Fliege ist doch deswegen unfrei, da sie sich an nichts erinnern kann. Sie wird immer wieder von deinem Geruch angezogen wie du gesagt hast.“

„Und der Mensch dagegen weiß zwar – und GLAUBT zu wissen – warum er etwas macht, kommt aus der Geschichte aber auch nicht raus. Da bin ich doch lieber ein dummes Tier, das sich nicht mehr erinnern kann warum es Schmerz hat oder weshalb es einmal Schmerz erleiden musste. Sie vergisst sofort und deswegen ist sie frei. Im Prinzip ist sie ihr ganzes, kurzes Leben lang sehr glücklich.“

„Ich glaube nicht das Fliegen so was wie Glück kennen.“

„Umgekehrt gefragt: Ist es überhaupt GUT Glück zu kennen? Macht uns das kleine Glück nicht erst Recht zu Sklaven?!!!“

„Puh… Du…“

„Und weißt du, weißt du, weißt du! Sisyphos war auch nur ein Mensch. Er war zwar mal König, von…“

„Tja, frag mich nicht.“

„Von irgend so was Griechischem… ABER er musste den Stein erst als Strafe für seine Taten nach dem Tod immer wieder den Berg hinauf wälzen. Und jetzt frage ich dich: Was mussten wir erleiden, um das schon zu Lebzeiten erdulden zu müssen?!!!“

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