Absolution – 14 – Erfundene Erinnerungen

5.

Ein paar Stunden später saß er wieder mit brennenden Augen vor seinem Bildschirm.

Paul dachte an die Frauen die er gehabt hatte. Meistens an jene Zeit, als er noch ein Jugendlicher war und die Frauen Mädchen. An die Unschuld ihrer Berührungen. Dem schamvollen Ertasten. Dem Erforschen der eigenen Lust. Wie weit man zu gehen bereit war.

Er rief sich die Szenen nicht nur ins Gedächtnis, er erlebte sie noch einmal neu. Jedes Detail. Sogar jedes Atemgeräusch, jeder Blick… Jeden einzelnen Sieg, den er auf dem liebevollen Schlachtfeld der Sexualität  gewonnen hatte. Wie ein Geistkörper fuhr er zurück durch die Zeit, schlich unbemerkt in seinen jungen Körper, und schmeckte und erlebte die Mädchen und Frauen immer wieder neu. Und oh Wunder: Je häufiger er mit den Drogen durch die Zeit zurückreiste, desto mehr Details entdeckte er. Manchmal sogar ganz neue Situationen oder andere Tatsachen, als er sich noch vor einiger Zeit daran erinnern konnte. Das ging so weit, bis er irgendwann, verschwitzt, mit blutig geschürften Penis, in seinem nassgeschwitzten Bett lag, und sich fragte, was war denn nun wirklich passiert? Hatte die Droge ihm geholfen sich besser zu erinnern? Oder war der Drogenrausch nur eine zweite, bessere Wirklichkeit gewesen, die er sich ausgedacht hatte?

 

Er wusste. Wir erinnern uns in Wahrheit nicht so sehr an Erinnerungen. Erinnerungen erinnern sich an Erinnerungen; wir erinnern uns an eine Vision der Vergangenheit, die wir uns – jedes Mal wenn wir allzu fest daran glauben – ein wenig anders zu recht legen. Drogen sind nicht besonders gut um Wahrheit zu erforschen. Und doch… Vielleicht war es doch so gewesen, wie er es sich apathisch im Drogenrausch vorgestellt hatte. Sicherlich hatte er doch was mit dem Mädchen A gehabt – er hatte es nur vergessen gehabt…

Am nächsten Tag glaubte er sich wieder erinnern zu können. Ja. Nein. Das hatte er sich in seiner Drogengeilheit nur ausgedacht… Doch ein kleiner Makel blieb auf seinem Herzen zurück. Es hatte sich doch so real angefühlt. BESSER als die Realität. Und als er sich auf dem Wochenende darauf, und auf dem darauf folgenden wieder in diese Scheinwelt seiner Vergangenheit  begab, als die Szenarien immer bildlicher, größer und wahrhaftiger geworden waren, wurde er sich sicher, dass es so geschehen war wie er sich JETZT daran erinnerte. Sein Verstand musste ihn bisher belogen haben…

Er konditionierte sich und seine Erinnerungen neu – und merkte es nicht einmal. Auch. Wenn er immer mehr von sich selbst, von seiner eigenen Vergangenheit in Frage stellte. Da er mit niemanden darüber sprach, spielte es keine Rolle was er über seinen One-Night-Stand mit dem Mädchen XY dachte zu wissen. Doch langsam. Nach und nach. Hatte er das Gefühl, sich selbst nicht mehr trauen zu können. Was war denn nun wahr? Und was hatte er sich ausgedacht? Spielte das überhaupt eine Rolle? Die Grenzen. Die Verfugungen zwischen Traum und Wirklichkeit lösten sich nach und nach auf. Was keine große Reaktion in Paul auslöste. Ihm war es egal was wahr war und was nicht. Hauptsache er konnte es wieder und wieder durchleben. Seine Realität war wie eine Menge Filmmaterial. Filmmaterial und Nachdrehs, welches er erst im Schnitt zu einem fertigen Film zusammenfügte. Bis er am Ende nicht mehr wusste, wie die Original-Version ausgesehen hatte. War das denn so wichtig? Hatte das irgendeine Auswirkung auf sein Leben wenn er glaubte mit der oder der intim gewesen zu sein? War er das Produkt seiner Vergangenheit? Oder das Produkt seiner Einbildungen? Oder war er Beides? Es war doch egal ob Katha und er vor einem Jahr aneinander herumgefummelt hatten. Oder er Sarah schon einmal geküsst hatte. Ob Judith ihm damals einen geblasen hatte. Oder ob all das nur in seinem Kopf geschah. Er war er. Und die Frauen waren die Frauen. Und die Droge war die Droge. Er könnte ewig so weiter machen und dabei glücklich sein. Was war falsch daran?

 

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Treffen mit der Ex

Alle ein bis zwei Jahre treffe ich meine Ex-Freundin, immer auf dem gleichen Geburtstagsfest. Wir haben nur noch diese eine unwahrscheinliche Freundin, die uns zusammenbringt. „Unwahrscheinlich“ deswegen, da es niemals absehbar war, dass wir uns gerade wegen dieser fröhlichen Person wiedersehen würden, die relativ spät mit ihrer freundlichen Art in unser Leben getreten ist. Die Zukunft ist nicht vorhersehbar, auch nicht planbar, auch wenn die sogenannte Ratio in uns uns glauben machen will, es sei so (die Ratio  muss an sich selbst glauben um zu funktionieren, was lustiger weise ein großer Selbstbetrug ist, jedoch auch der Grund für all unsere Handlungen, die irrationale Totalität in unserem lächerlichen Streben nach planbarer Rationalität, nach der wir unsere Zukunft ausrichten).

Ja.

Nein.

Damals, als ich noch mit meiner „Ex“ zusammen war, hätte ich nie gedacht, dass wir uns auf solchen Partys, die im Stuhlkreis auf 20 Quadratmetern Fläche, so absolut ignorieren würden. Hin und wieder nur ein kleiner entlarvender Blick, so wie man – auch wenn man fest davon überzeugt ist es nicht zu tun – einen kurzen Augenblick dann doch auf der Autobahn zum bereits geschehenen Unfall hinüber blickt, obwohl man sich selbst noch eine Sekunde vorher eingeredet hat, nicht einer von „diesen Gaffern“ zu sein. In diesen kurzen, Sekundenschalen Blicken rüber zur Ex, sieht man dann den Unfall der man einmal war, diese Massenkarambolage auf Zeit, in der Schritt für Schritt, Tag für Tag und ja, auch Kuss für Kuss, Alles das schlimmste, jedoch auch logischste Ende nahm. Und als dann das Elend der Beziehung, dieses viel zu lange Aneinanderklammern endlich beendet war, wurde es schmutzig und böse, noch schmutziger, als es ohnehin schon war. In all der Jahren der Krankheit und Fehler – auf beiden Seiten.

Einfach hat sie mir es am Ende gemacht, da sie schon mit ihrem neuen Freund zusammen war, als sie noch „meine Freundin“ hieß, was ich erst sehr viel später entschlüsselte. Es wollte mir wohl keiner meiner Freunde sagen, ebenso wie ich die gleichen Freunde jahrelang anflehte und anherrschte, ihr nichts über meine Drogenkrankheit zu erzählen. Da zeigte sich, dass man sich gegenseitig verdient hatte.

 

„Liebe ist kälter als der Tod“, so hat Rainer Werner Fassbinder seinen ersten Langfilm genannt. Und wenn man dann diesen fremden, früher ach so vertrauten Menschen einen betrunkenen Abend lang trifft und dermaßen gewollt übersieht, kann man ihm nur Recht geben. Da ist nichts mehr da. Und das ist so unglaublich schade, so Lars-von-Trier-Film-traurig. Nicht weil ich irgendwas zurückhaben wollen würde. Nein. Überhaupt gar nicht. Nur deswegen, weil ja nie immer alles nur schlimm gewesen ist, ganz im Gegenteil. Man wollte halt immer doch was Besonderes sein. Sei es in der Beziehung und wie man im Nachhinein damit umgeht. In diesen Punkten bin ich und war ich immer schon sehr naiv. Und am Ende sind wir, all den Schwüren und Versprechungen zum Trotz, das Ex-Paar auf Partys geworden, das den schlechtesten und schwersten Umgang miteinander pflegt. Das hätte nicht so kommen sollen. Wahrscheinlich aber so kommen müssen.

Zerstörte Liebe ist wie ein kalter Fleck im Herz. Er schmerzt nicht. Er stört nicht. Er fühlt sich nur sehr fremd und leblos an.

 

Dabei hilft es natürlich wenn man in solchen Situationen seine neue, und natürlich aus der Situation heraus, auf alle Fälle BESSERE Liebe dabei hat, mit der man scherzt lacht, sich freut, liebt, lebt und fühlt, ohne aber auch nur eine Sekunde lang darüber nachzudenken, wo auch das einmal enden könnte. Das ist die andere Liebe. Die LiebeLiebe. Die unsere Welt in den Angeln hält.

Ich sah den damals neuen Freund meiner Ex neben ihr. Sie sind immer noch zusammen. Und weil dieser „neue Freund“ auch einmal ein sehr guter, und ich dachte auch lieber, Freund von mir gewesen war, tut es mir leid was aus ihm geworden. Wo ist all seine Lebenslust hin? Und weil ich natürlich ein Idiot bin gebe ich einfach der Ex die Schuld an seinem Verhalten, habe Mitleid mit ihm, weil ich plötzlich so viel von mir in ihm sehe… Aber in Wahrheit habe ich keine Ahnung von den Beiden und kann mir einreden was ich will, nur um mich selbst besser zu fühlen. Ich weiß ja wie dumm es ist einen Abend in dem man jemand sieht auf ein ganzes Leben hinauf zu rechnen. Ebenso dämlich ist es eine Beziehung nur nach den Aussagen eines Partners zu beurteilen – da gehört immer noch ein wenig mehr dazu.

 

Über diese ganze Szene hätte ich so wahrscheinlich niemals nachgedacht, hätte ich nicht gerade einfach ein wenig tippen wollen… Das Gestern belastet mich nicht. Im Gegenteil. Es waren zwei schöne Geburtstagspartys auf denen ich war, die unterschiedlicher nicht hätten sein können, mit Menschengruppen, die auf den ersten Blick sehr unterschiedlich sind, in Wahrheit aber nur das wollen, was jeder will: Geliebt zu werden.

Und ich genieße es unermesslich in einer guten, funktionierenden Beziehung zu sein, in der man der sein darf, der man ist, und der man auch sein muss, um Liebe zu geben und zu erhalten.

 

Danke für Gestern also. Alles Gute zum Geburtstag meinen beiden Geburtstagskindern.

Großvaters Vermächtnis

Tommy braucht Hilfe, denn Tommy zieht mit seiner Freundin in das Haus seines Großvaters. Sein Großvater, der Alois, hatte das Haus in den 50ger Jahren, nach der Kriegs-Gefangenschaft, mit seinen eigenen Händen gebaut. Er hatte es nicht nur mit dem Architekten GEPLANT wie das heute der Fall ist, den Bau dann ÜBERWACHT, wie es einem der Gastgeber im frisch errichteten Eigenheim in unseren Tagen mit Whiskey-Glas in der Hand so stolz erzählt, als hätte er selbst die Ziegel geschlagen und nicht nur ausgesucht. Nein. Der Alois hat das mit seinen Brüdern und Freunden alles selbst gemacht, vom Ausheben des Kellers bis zum Legen der Ziegel auf dem Dach. Mit jenen Brüdern und Freunden, die der Krieg ihm gelassen hatte.

„Scheiß alter Dreck“, flucht Steve draußen im Gang, wie er da versucht neue Kabel in die Wände zu ziehen, „alle Schächte sind total überladen mit diesen Schrottkabeln!“ „Vor 60 Jahren hat man halt noch anders gearbeitet als heute. Und es hat ja bis heute gut gehalten“, meint Tommy dazu, ein wenig trotzig, ein wenig peinlich berührt und doch ebenso ein kleines bisschen stolz auf seinen Großvater. Durch seiner Hände Arbeit.

 

Ich bekomme davon gar nichts mit. Drinnen im Haus zerlege ich mit weitausholenden Schlägen die Küche. Vor jedem Hieb überlege ich mir die Mathematisch richtige Schlagrichtung um die Nägel und den Leim zu überlisten, dann KRACH! und die Küche geht ein klein wenig mehr ihrem Ende im Bauschutt entgegen.

Im Esszimmer hängen noch schwarzweiß Bilder von einem wüst schnauzbärtigen Mann im Nietzsche-Stil und einer hübschen, Bäuerlichen Frau in Schürze und Kopftuch. Den Ur-Großeltern von Tommy. Die den Krieg nicht überlebt haben. Tommy weiß nicht einmal mehr, welchen Krieg.

 

Der Alois, Tommys Opa, war nie mehr wirklich aus der Gefangenschaft, aus dem zweiten Weltkrieg zurückgekehrt. Ja. Er hat dieses Haus gebaut. Hat seinen Sohn bekommen. Den Bruno, den Vater von Thomas, der für uns der der „Tommy“ ist. Und dennoch war der sogenannte „Lois“, wenn auch körperlich unversehrt, geistig extrem kriegsversehrt, ständig betrunken durch dieses alte Haus  gelaufen. Die Geschichten und Erinnerungen von Tod und Angst in seinem Kopf. Eingebrannt wie eine Prägesignatur bei einem Zuchtrind; er würde immer dem Krieg gehören. Tommy hat mir so einiges über seinen Großvater erzählt. Und. Es hatte mich sehr an meinen eigenen Opa erinnert. Hieb! KRACH! Geht die Vergangenheit und all ihre Schmerzen zugrunde.

Es staubt in der Küche. Noch mehr im Bad. Wo der Metin die Fließen von den Wänden meißelt. Und wir Alle atmen den Staub der Vergangenheit ein. Räuspern uns. Und spucken aus.

 

Als die Küche verschlagen ist und wir deren Überreste draußen in den großen, anonymen, alten Metall-Container geworfen haben (ich habe noch nie einen NEUEN Bauschuttcontainer gesehen), gehe ich in die Küche und nehme mir den großen Eichenholzschrank vor. Tommy hilft mir ihn so in den Raum zu legen, dass ich ihn am Leichtesten in seine Einzelteile zerschlagen kann. Plötzlich.

Als ich die Rückwand zertrümmere. Fällt eine große Schatulle heraus. Der Holzwandschrank hatte eine verstecke Zwischenwand. Tommy und ich machen „Oho!“ Gesten und Gesichter.

In der großen Schatulle – ich weiß gar nicht ob das Wort SCHA-Tulle passend ist, es ist nur das einzige Wort was mir dazu einfällt – sind alte Fotos. NACKTBILDER, vergilbt. Amateur-Aufnahmen. Und Tommy lacht mich peinlich berührt an: „Das ist meine Großmutter!“

„Der Lois, der alte Schelm“, lache ich. „Das braucht dir nicht peinlich sein…“ Ich überlege, dann weiter: „Du Tommy. Du musst mir einen Gefallen tun wenn ich mal sterbe.“

„Hm?“ Geistesabwesend:  „Tun ist schlechtes Deutsch.“

„Wenn ich mal tot bin, dann geh durch die Wohnung, Haus, wie auch immer und vernichte den ganzen Porno-Kram der bei mir herumliegt.“

„Echt? Du hast noch Porno-Kram?“

„Ähm. Ich meine. Lösche meine Festplatte.“

„Versprochen Großer.“

Unter den Fotos von Oma, in der sie vielleicht Mitte 20 gewesen sein muss, sind noch andere Fotos. Sie sind alt, dabei aber erkennbar neuer als die von der nackten Großmutter. Sie haben einen Rot-Stich. Vielleicht aus den 60gern? Siebzigern? Darauf sind eine junge Frau. Sie sieht nicht sehr glücklich aus. Da so an den Stuhl gefesselt. Irgendwer hat sie geschlagen. Eine schöne junge Frau. Toller, wirklich geiler Körper, gutes Gesicht. Komische, veraltete Frisur.

„What the fuck?…“ Tommy schaut mich an. Und darunter sind noch mehr Fotos. Polaroids. Die noch AKTUELLER sind. Wieder eine junge, hübsche Frau. Eher. Ein Mädchen. Wieder wurde sie an den gleichen Stuhl gefesselt. Wieder wurde sie geschlagen.

Als ich den Hintergrund sehe, murmle ich, nicht erschrocken, abwesend: „Das ist doch hier im Keller oder?“

Tommy und ich sehen uns an. Ganz unten in der Box ist: „Hanf?“ Tommy ist verwirrt, hält mir das hin, was er für Hanf-Fasern hält. Nicht der zum Rauchen. Sondern so einer, mit dem man Dampf-Leitungen isoliert.

Ich: „Tommy. Das ist kein Hanf.“

Und er: „Das sind Haare!“

Er lässt sie fallen. Auch die Schatulle. Und wir stehen da. Sprachlos. Während Metin drüben die Fließen von der Wand meißelt das es nur so staubt.

Ich bin es, der als erstes die Sprache wiederfindet: „Ich glaube, dein Opa hat dir nicht JEDE Geschichte über den Krieg erzählt.“

Und Tommy meint nur Kreidebleich: „Wir sollten uns den Garten mal genauer ansehen.“

Der Text zur Nacht – Add-on: Das Wiedersehen

Manchmal kann dich die Vergangenheit auf die unspektakulärste Art einholen, die du dir gar nicht vorstellen kannst. Nicht dass die Dinge in meinem Leben ihr Kommen mit einer Sirene oder gleich einer Explosion ankündigen würden. Doch in banalen Leben wie unseren, sind selbst die Überraschungen trivial.

Es war beim Bäcker. Sonntag in der Früh.

 

„Ja hey, Servus!“ freute sich der Typ mit seinem Neon-Cap und Klamotten unter der viel zu grellen trendigen Jacke, die mich an einen Motion-Capture-Anzug denken ließen, obwohl er nicht einmal Ansatzweise die  Figur dafür hatte. Er war sichtlich erfreut. Verzog dann dennoch ein wenig unglücklich sein Gesicht: „Wie war noch dein Name?“

Ich lachte kurz: „Fleming.“

Er euphorisch: „Ah ja! Fleming!“

Nun hätte ich wohl seinen Namen sagen müssen, doch ich hatte keine Ahnung mehr wie er hieß. Es war mir auch egal. Ich tat nur so als würde ich seinen Namen kennen, Floskel: „Wie geht´s?“
„Blen-dend“, war seine Antwort und viel dann sofort mit der Tür ins Haus: „Ich war ja 4 Jahre weg. Psychiatrie. Depressionen und so.“

Ich: „Mhm.“ Das war ein wenig viel an Information. Schließlich standen wir „in der Reihe“ vor einem Bäckerei-Tresen, der nur von uns und zwei weiteren Kunden vor uns besucht war.

 

Er ging einen Schritt auf mich zu und sprach halblaut – doch immer noch ZU laut für die nicht gerade private Atmosphäre hier – drauf los, wegen dieser Vertrautheit zwischen uns, die nicht und nie existierte und die nur ehemalige, jetzt „geheilte“ (sags auf Französisch: )  Psychoter wie er fühlen können: „Und seit 2 Jahren keine Drogen.“ Zwinkerte. Ein echtes, Filmreifes Klischeezwinkern. Das galt mir. „Und du?“

Ich: „Ich? Ähm. Ja… Mir geht es auch gut.“

Die Verkäuferin lachte.

 

Wir hatten früher einen gemeinsamen Freund. Nur wir Zwei hier. Waren niemals Freunde gewesen. Ich konnte ihn in Wahrheit noch nie leiden. Doch die Erinnerung biegt so manche gebogene Straße gerade und man sieht sie in einem anderen Licht. Schließlich, auch wenn wir uns weder ähnlich waren, noch Kumpels, haben wir etwas gemeinsam: Wir haben eine „gewisse“ Zeit hinter uns; wir haben Beide unsere persönliche Katastrophe überlebt und überstanden. Auch wenn wir unterschiedlich aus der Geschichte heraus kamen. Er: Psychiatrie. Ich: Normalität. Das hätte auch anders laufen können…

Unsere Vergangenheit, in der wir uns immer wieder über den Weg liefen, gleicht einem Banküberfall, wobei der Eine dadurch ins Unglück gestürzt ist, während der Andere seine Schäfchen deswegen ins Trockene gebracht hat. Das Schicksal nimmt nie den gleichen Weg.

Die Ironie ist wirklich: Ohne meine Drogen-Vergangenheit wären mir viele gute Sachen später nicht passiert. Sie hat mich zu dem gemacht, der ich bin… Das Leid und die Krankheit kann durchaus auch für etwas gut sein.

 

Dann kaufte jeder seine paar Semmeln und wir nickten uns am Ausgang noch zu. Er meinte noch: „Grüß Andi von mir wenn du ihn siehst“. Andi. Unser gemeinsamer Freund. Die Quelle.

Ich: „Das kann ich nicht. Ich mache nichts mehr mit Andi.“ Darauf dachte er 3 Sekunden nach, lächelte und sprach: „Ist vielleicht besser so.“

 

Als ich dann schließlich nach Hause fuhr, zu meiner Frau und den perfekten Kindern, viel mir sein Name ein: Petkovic. Nur wir nannten ihn Skinny… Skinny Petkovic.

Was Drogen und Medikamente aus einem Menschen machen können.

Mit 30 schon gestorben, mit 70 erst begraben

Wir sitzen an einem langen Tisch. Die Zeiger der Uhr an der Wand sagen: Es ist nicht mehr früh, auch noch nicht spät nachts. Genauer: Kurz nach Geisterstunde. Und doch schweben die Geister der Vergangenheit noch über uns. Sie haben es verpasst zu gehen.

Es ist Geburtstag und der Gefeierte geht auf die 40.

Auf dem langen Tisch liegen die Zeichen des Tages, Brösel von Salz-Zeug („Sticks“, „Chips“ „Goldfischli“), getrocknete Flecken, vergessene Servietten, leere Flaschen, halb volle Gläser. Das Tischtuch ist an mehreren Stellen aufgequollen, an manchen Stellen zerschnitten.

Alle sprechen durcheinander und ich erzähle meinem Nachbarn, einem langjährigen besten Freund (von dem es in der persönlichen Wahrnehmung so viele gibt), von dem neuem Video der Sofa Surfers.

Er: „Sofa Surfers?“

Ich: „Die machen auch den Soundtrack für diese Brenner-Filme. Josef Hader.“

„Kenne ich nicht.“

„Hab ich dir mal die DVD gegeben. Dieses Österreichische Krimi-Zeug.“

„Habe ich nicht gesehen.“

„Egal. In dem neuen Video haben die so ne Table-Dancerin. Das Lied an sich ist nicht sooo überragend. Doch wie die tanzt: Voll gut! Musst du dir ansehen.“

„Sieht die toll aus?“

„Hat schon nen tollen Körper. Darum geht es aber nicht. Es hat wirklich so einen künstlerischen Touch. So ästhetisch.“

„Ja zeig mal.“

„Jetzt?“

„Warum nicht?“

Ich ziehe mein I-Pad heraus und zeige ihm das Video.

Ich: „Siehst du was ich meine? Diese Schwerelosigkeit? So ein großer Körperlicher Aufwand und es sieht so mühelos aus. Als würde sie schweben.“

Er: „Geile Sau!“

Ich: „Hm?“

Seine Frau dreht sich zu uns um.

Sie: „Was seht ihr da für einen Schwein-Kram? Muss der Porno-Fleming jetzt auch schon hier sein Zeug auspacken?“

Ich: „Was? Wie hast du mich genannt?“

Wir sehen uns irritiert an.

Ich: Fassungslos.

Sie: Irgendwie enttäuscht und doch… Herausfordernd.

„Mir geht es dabei um die Ästhetik. Nicht um die Alte.“

Sie: „Ja. Klar. Mhm. Wenn du es sagst.“

Ich seufze.

Der Unterschied ist, dass die meisten hier am Tisch mindestens schon 6 bis 10 Jahre verheiratet sind. Ich dagegen nicht. Überhaupt nicht. Unsere Leben unterscheiden sich komplett. Ich, der ewig Junggebliebene, der sich noch mit Mitte 30 für Dinge interessiert, für die sie sich kurz in der Jugend Zeit nahmen. Sie, die totalen Eltern, die ihr Leben glücklich für ihre Kinder hingeben und  durch diese SELBSTLOSIGKEIT glauben, sich jedes Urteil über mich erlauben  können dürfen. Neidisch sind beide Positionen aufeinander, was keiner zugeben würde. Akut lächerlich finden sich beide Lager aber auch.

Die in Wahrheit gar nicht mal so superjunge Frau in dem Video sieht eindeutig NICHT so aus wie die Frau meines Freundes.

Mich erinnern die Beine und der Arsch der Künstlerin an eine Dame, die ich einmal näher kennen lernen durfte. Ich bin gar nicht so stolz auf diesen Fakt wie die hier am Tisch Versammelten vielleicht meinen könnten.  Und ich sehe in Wahrheit überhaupt nicht auf meine hier zusammen gefundenen Kollegen und Freunde herab, die wilden Sex nur noch als Geburtstagsgeschenk von ihren Frauen bekommen (wenn überhaupt).

Unsere Leben sind einfach anders verlaufen.

Doch. Nein. Es geht mir nicht um Sex oder irgendwelches Dominanzverhalten, nein, es geht mir um die Gegenwärtigkeiten unseres Daseins; hier an diesem Ort, in diesem Vakuum der Geburtstagsfeierei, dreht sich der ganze Akt des Beisammenseins um früher, damals, „weißt du noch?“ Die Zukunft muss draußen bleiben.

An Geburtstagen ist das schon okay, nur geht es bei diesen Treffen die ganze Zeit nur darum, immer, stetig und doch ohne Bewegung, um die Vergangenheit.

Die Zukunft ist ziemlich egal, außer es hat etwas mit ihren Kindern zu tun, denn die Zukunft „gehört den Kindern“, hier am Tisch kann man das wirklich spüren. Die Vergangenheit gehört uns und damit sollen wir uns doch (bitteschön) zufrieden geben. Dafür kann sie uns niemand nehmen.

Niemals können wir sie loslassen, uns von ihr erholen –  und wir sind noch nicht einmal 40.

Der andere Junggebliebene am Tisch ist noch immer drauf, immer noch auf Speed, und dafür wird er von den Blicken der anderen als ewiger Idioten abgekanzelt; man ey, bekomm doch mal dein Leben auf die Reihe! Und später dann. Beim Rauchen. Fragen sie bei ihm an. So in nem Nebensatz. Ob er für sie was dabei hat. So als Ausnahme. Weil man doch auch gern ein wenig Lebensqualität hätte. Auch wenn er mit seinem Dauerkonsum jedes Gefühl dafür verloren habe.

Irgendwie tut er mir leid. Irgendwie. Doch „jeder ist seines eigenen Schicksals Schmied“; das ist aus „Terminator 2“ und was ist die Zeit anderes, als ein Zerstörer?

Eine andere Bekannte erzählt mir total euphorisch, wie toll der neue Minions-Film sei, dass man sich das auch als Erwachsener supergut mit seinen Kindern ansehen könne. Diese Filme seien für jede Generation gemacht. Wie Kätzchen-Videos. 

Und ich muss dabei an gestern denken, als ich mir im Kino das Bergsteigerdrama „Everest“ angesehen habe, in der die Gruppe von Berg-Touristen auf die Frage des Journalisten, WARUM sie unbedingt auf den Berg wollen keine klare Antwort parat haben, nur irgendwas mit Freiheit, Mystifikationen… Und das Erwachsen werden ist dieser Berg, den einige besteigen und von ihm stolz und aufrecht zurückkommen um ihr Leben lang davon zu erzählen, während andere dabei zugrunde gehen oder gleich in einem Lebenssturm elendig verrecken; das Clou ist die Perspektive: Jeder urteilt anders über den anderen, ob er den Berg gemeistert und nun gesund und prächtig im Leben steht. Und keiner steht dem anderen seine eigene, persönliche Sicht der Dinge zu.

Das ist grausam.

Und deswegen sage ich nur: „Den Minions-Film werde ich mir nicht ansehen.“

Einstmals haben wir als Gruppe begonnen diesen Berg zu besteigen, zurückgekommen sind wir als ein Häufchen Individuen, von denen jede und jeder etwas anderes gelernt hat. Ich weiß gar nicht was uns mehr geprägt hat, die Schrecken oder das erfahrene Glück?

Wir hören alte Musik, teilweise wippt und sing man mit. Es sind die gleichen CDs (ja, echte CDs), die in ihren Autos rauf und runter laufen. Natürlich nicht nur alte Musik. Die Musik klingt nur so. Nach ihren Charakteren.

Die Gläser klirren beim Zuprosten aneinander.

Es wird gelacht. Hauptsache gute Laune. Das ist der Konsens. Den ich auch und noch nie ganz verstanden habe. Diesen zwingenden Faschismus der guten Laune…

Irgendwann kommt der Punkt, an dem über die Asylanten gelästert wird und man hört aus den Männerkehlen mehr Verbitterung und Angst, als den dominanten Hass, den sie absondern wollen. Die Frauen sponsern dazu ihre beruhigenden, schlichtenden Sätze, die dabei doch von der Furcht geprägt sind, ob ihre Kinder es einmal gut haben werden (werden sie Fremde im eigenen Klassenzimmer sein?) – und ob sie sich als Frauen noch sicher über die Straße trauen können. Man hört doch so viel.

Die Stimmung ist ängstlich aufgeladen, bei all der Wucht der Phrasen und Parolen. Ich kann es ihnen nicht übelnehmen. Abstoßen tut es mich doch. Jetzt ist keine Zeit für Argumente. Das habe ich gelernt. Sonst werde ich nur wieder als „Judendrecksau“ beschimpft. Und es wäre wie nach dem letzten Disput dieser Art: Nach meinem Abtritt geht alles seinen gewohnten Weg. Die stolzen und aufrichtigen Beteuerungen spielen dann schnell keine Rolle mehr. Schließlich habe man mit XY schon so viel erlebt, dem kann man doch nicht dauerhaft böse sein; wieder die Vergangenheit, wieder das Gestern.

Ich höre mir das an. Trinke meinen Jägermeister. Und denke über das Damals nach. Und an das nicht vorhanden sein der Zukunft in diesem Raum. Ja. Nein. Wenn man so sehr in der Vergangenheit feststeckt, ist es normal feindlich und ängstlich zu gleich zu sein. Weil man ja nichts hat außer der Erinnerung, die man festhalten will.

Und doch ist das keine gute Rechtfertigung.

Man kann seinen Kindern nicht den Frieden seiner eigenen Jugend schenken.

Draußen beim Rauchen entschließe ich mich bald zu gehen. Und in diesem stillen Moment fragt mich meine alte Freundin, ob ich mich noch erinnern kann, an früher, als wir zusammen intim geworden sind. Sie lächelt mich dabei so komisch an. So Schulmädchenhaft. Irgendwie süß. Und ich kann nur die Wahrheit aussprechen, die alles unter sich begräbt: „Das ist doch schon so dermaßen lange her. Das ist doch schon gar nicht mehr wahr. Da waren wir noch ganz andere Menschen.“

Ihre Reaktion zeigt mir: Für sie nicht.

Kurz gehe ich dann noch einmal hinein. Verabschiede mich von diesen Menschen, die an diesem Ort, die in dieser Zeitkapsel, gefangen sind und das richtig abfeiern.

Es ist nicht immer was Gutes, wenn man sich schon so lange kennt. Manchmal kennt man sich einfach zu lange und plant die einzige Form der Zukunft dadurch, dass man sich ewig gemeinsam an Früher erinnert. An die gute, alte Zeit…

Das ist aber nicht meine Vision von der Zukunft…

In aller Freundschaft: Die Vergangenheit endet nicht

„Was is?“ Daft Punk haben mich geweckt. Mit ihrem Lied/mein Klingelton „Human after all“ haben sie mich aus dem Reich der Träume gerissen, in welchen ich durch Berge und Täler voller Zuneigung und Ablehnung gewandelt bin, ohne zu wissen was Realität überhaupt ist; absolutes, erschreckend klares Traumbewusstsein. Zweites Gesicht.

Der Mund zu dem englischen Namen auf meinem Display krakelt: „Kannst du mich sofort abholen und zu meinem Auto fahren? Ich muss doch meine Tochter abholen!“

Ich seufze. Dann. „Okay. Aber nur wenn du dir dieses Mal nen BH anziehst.“

„Was?“

„Bin gleich da.“

Freunde. Was wäre das Leben ohne sie? Ohne diesen ständigen Input ihrer Charaktere. Ihrer Liebe. Ihrer Lautheit. Ihrem Mitgefühl. Ihrer Wut… Dieser Konfusion wenn verschiedene Gefühlswelten aufeinanderprallen und man im Prinzip gar nicht wirklich versteht, weshalb man mit diesen Menschen befreundet ist, und was die wiederum an einem selbst finden. Man mag und versteht sich – und das reicht. Eine absolute unkomplizierte Bindung zueinander, die man bei echten Freundschaften nicht wirklich in Frage stellt. Wieso auch? Das ist halt einfach so.

Ihr Lippenstift ist blau, das Gesicht bleich geschminkt, die Haare dunkelst schwarz gefärbt. Das Schlagwort heißt: „Technopagen“. Eine Mischung aus Schamanismus und Technologieverliebtheit. So eine Cyberpunk-Geschichte.

Sie zieht die Zusatzlose Lucky Strike aus ihrem blauen Mund und hält sie mir hin: „Da zieh doch mal! Fährst mich ja extra.“

„Ne danke. Dafür ist es jetzt echt zu früh. Und wieso fährt dich eigentlich nicht dein Typ von gestern zum Auto?“

Ich bremse meine Karre bei ihrer ab, woraufhin sie mich auf die Wange küsst und dort einen blauen Fleck zurücklässt, der gar nicht weh tut.

Und was jetzt?

Beim Bäcker treffe ich X, den großen Bruder von Y, wie er gerade sein Kleinkind in den Kindersitz bindet. Wir geben uns die Hände. Smalltalk. Das letzte Mal habe ich X vor ein paar Jahren gesehen, als er irgendeinem Kerl die Scheiße aus dem Leib geprügelt hat; wortwörtlich, echt jetzt. Keine Ahnung worum es da ging und ich habe meine Zweifel, ob X darauf heute oder am Tag nach der Aktion darauf eine vernünftige Antwort hätte geben können. Jetzt hat er seinen eigenen kleinen Scheißer. Und die sehen ganz glücklich aus. Auch wenn das Kind wie irr zu schreien anfängt, als wir beginnen uns zu unterhalten.

Dann wieder die Hände.

Und schon wieder das Telefon.

10 Minuten später steige ich hinten in den großen, schweren, schwarzen SUV. Sehe durch das Glasdach den blauen Himmel an. Dann stehen wir auch schon im Rohbau, den er sich einen verdammten Haufen Geld kosten ließ. 20 Meter über den Boden, wo letztes Jahr zu dieser Zeit nur eine Grube war. Ein Firmen- und Wohngebäude. Und wie wir da so stehen in der ganzen Wucht des Neuerbauten kann ich dazu nur sagen: „Fuck. Das Ganze sieht so gut aus, man kann sich gar nicht vorstellen, dass du damit etwas zu tun hast.“ „Ich habs ja nicht gebaut oder geplant, sondern nur bezahlt. Komm. Ich zeig dir jetzt mal deine Wohnung.“
Wir gehen also wieder runter vom Penthouse und er zeigt mir eine große, weitläufige Ziegelwohnung, in der ich gut und gerne mit meiner Freundin leben könnte. Seine Frau sagt zu mir: „Der Marmor aus Italien kommt noch.“ Ich nicke. Sehe aus dem frischverglasten Fenster runter zum anliegenden Friedhof. „Ideale Nachbarn“, zwinkert er mir zu.

Wir kennen uns seitdem wir Kinder sind. Haben fast alles miteinander geteilt; die guten und schlechten Freunde, und ebensolche Frauen und Drogen. Haben jeden Quatsch zusammen gemacht. Und die Vergangenheit endet ja niemals wirklich. Die Gegenwärtigkeit unserer gemeinsamen Historie bestimmt jeden Moment während wir zusammen sind. Lausbuben. Schwerenöter. Gelegenheitsjunkies. Witzfiguren. Klugscheißer. Beste Freunde fürs Leben. Und bei aller Freundschaft und Dampfstrahlduschen: Will ich mit dem dann auch noch wirklich in einem Haus wohnen? Das kann doch gar nicht gut gehen…

Er lacht sein großes schweres supersympathisches Lachen und ich kann nicht anders als einfach mit zu Lachen. Wie immer.

Im Briefkasten zuhause finde ich dann doch die Fußball-Karten für nächste Woche, die ich gestern dort wohl übersehen hatte. Eigentlich wollte ich lieber feiern gehen anstatt ins Stadion, die Ukrainerin Marika Rossa legt ihren Stampf-Techno in Augsburg auf. Man hat sich stattdessen auf einen Kompromiss geeinigt, auch wenn der Kompromiss von mir kam. Der andere fühlte sich zu wichtig zum Einlenken. Solche Freunde habe ich auch. Eine ganze Menge sogar. Die, auf die ich wegen meinem Gemüt wohl meistens hereinfalle.

Diejenigen, die erst aus den unterschiedlichsten Gründen den Psychorappler bekommen und dann, wenn es ihnen nach einiger Zeit wieder besser geht, sich erst recht wie Arschlöcher aufführen. Denn sie verstehen nicht, dass sich in ihrer schlechten, psychisch kranken Zeit alles um sie drehen musste, wofür ich Verständnis habe, aber dann immer (bei wirklich jedem) nach der Krankheit sich ein neues Selbstbewusstsein entwickelt und sie sich deswegen – da sie sich geheilt fühlen – noch viel schlimmer, blöder und egoistischer verhalten als jemals zuvor, da sie jetzt glauben, dass sie sich nun nach der langen Krankheit ein gewisses Verhalten verdient hätten und sich ihr Mittelpunktsverhalten einfach vorsetzt, wofür ich kein Verständnis habe.

Wie wäre es denn mal mit ein wenig Demut? Mit Dankbarkeit? Mit Respekt?  Nun. Mit mir kann man das leider machen.

Warum hängst du überhaupt  mit denen rum? Fragen mich Freunde über meine anderen Freunde. Und für mich ist die Antwort ganz einfach: „Weil wir Freunde sind.“ Loyalität hat viel mit Liebe zu tun; Liebe soll bekanntlich auch blind machen.

Wenn ich von hier 500 Kilometer weit wegziehe sollte werden mir meine Freunde sehr fehlen. Aus den falschen und aus den richtigen Gründen. Aber ja. Die Vergangenheit endet nie.