Wir sind nur irgendwelche Leute

Ich bin auf eine Party eingeladen. Einige der Leute die dorthin kommen kenne ich, manche nicht. Ach. Es wird nett werden, keine Frage. Man lacht. Trinkt. Oder in der anderen Reihenfolge.

Dabei glaube ich nur nicht, dass ich dort interessante Gespräche führen werde. Es kommen normale Leute mit normalen Problemen, die darüber nicht hochphilosophisch sprechen werden.

Gerade haben wir die 6te Folge der zweiten Staffel True Detective gesehen und die ist angefüllt mit Cops und Ganstern, die höchstphilosophisch mit coolen One-Linern, ihr außergewöhnliches Leben am Abgrund fast schon zu sehr reflektieren, um glaubhaft zu sein. Aber es ist verdammt cool und unterhaltsam.

Die paar krumme Gestalten, und diejenigen, die andere vielleicht als so was wie Gangster oder Verbrecher ansehen würden, die ich kenne, sind nicht so. Das sind einfach nur normale Typen, die ein wenig krasser drauf sind. Die gerne mal Drogen nehmen, verkaufen und deswegen hin und wieder ein wenig entarten können (müssen), in dem sie X und/oder Y ihre Faust in den Körper rammen. Und trotzdem sind das wenn man mit ihnen quatscht sehr normale Kerle, mit stinknormalen Problem, wie Haus, Kinder, was weiß ich. Sie sind weder hypercool, noch hyperproletenhaft oder hypergebildet. Und erst recht nicht Alles gleichzeitig.

Das sind einfach nur irgendwelche Leute.

Überall.

Sind einfach nur irgendwelche Leute.

Und wir Alle sehen uns Figuren im Kino, Fernsehen oder im Stream an, die wir toll finden, weil sie eine Mischung darstellen, die wir toll finden, da wir so nicht sein können. Der kluge Mörder. Der feingeistige Verbrecher. Der unmoralische Polizist. Der Gentleman-Kannibale. Mit machen von denen würden wir gerne einmal sogar selber abhängen wollen. Ja. Wir wären gerne ihre Freunde oder glauben, sie würden uns besser verstehen, als es unser echtes Umfeld könnte. Wir sind uns doch so ähnlich…

Das stimmt nicht.

In Wahrheit gibt es solche Typen bestimmt gar nicht. Denn diese Figuren, mit Blut an den Händen und einem Wortschatz wie aus dem Brockhaus, das sind alles nur Erfindungen von irgendwelchen studierten Nerds, die Drehbücher schreiben, in welchen sie aus einem Gangster ein zerrissenen Irgendwas machen, einen vollendeten Prototypen, der Nietzsche zitiert während er mit einer Hand ein Whiskeyglas balanciert und mit der anderen eine Schusswaffe führt, und damit gleichzeitig tötet.

Das ist eine Illusion. Das sind nur Kopfgeburten von gebildeten Leuten, die gerne cool wären. Das sind nur Träume von einem Hybriden, der gleichzeitig Verbrecher und Philosoph in einem ist.

Philosophen sind eher selten Männer der Physis. Und Männer fürs Grobe, selten Philosophen.

Wir sind einfach  nur irgendwelche Leute. Keine gefallenen Superhelden. Oder aus der Reihe fallende, entrückte Genies, die irgendwie doch jeder verehrt. Allerhöchsten sind wir Maulhelden, die Geschichten und Figuren erfinden und sich ausmalen wie WIR gerne in einer extremen Situation wären: Selbstsicher, klug, sexy –  und ein wenig böse.

Wer will schon die Wahrheit sehen, in der wir unsichere Typen sind (wenn nicht gleich Feiglinge), die in ihrem Leben kaum auf wirklich besondere Erlebnisse und Handlungen zurückblicken können?

Wir sind keine gebrochenen Anti-Helden. Dafür ist unsere Seele gar nicht tief genug.

Serien, Filme, Schauspiele, sind nur Visionen von irgendwelchen Leuten, die von anderen Leuten  dargestellt werden: Und Alle wären gerne besser als sie sind.

Und keiner gesteht sich ein, wie das Leben wirklich ist.

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