Das große Land der kleinen Leute

So wie Lars von Trier Filme über die USA gemacht hat, ohne sie je besucht zu haben, ist auch meine Meinung nur eine von vielen, die von außen sich selbst in ein Thema hinein psychologisieren, ohne einen realen Bezug oder Verantwortung zu dem Thema „Vereinigte Staaten“ zu haben. Zwar betrifft die Wahl  des US-Präsidenten jeden Menschen auf diesem Planten (mehr oder weniger), Mitspracherecht haben wir aber keines, deswegen bringt es auch nicht besonders viel sich darüber aufzuregen.

Verstehen würde ich das Ganze nur schon Recht gerne.

 

Unsere Medien haben eine eindeutige Wahlempfehlung in die Berichterstattung gemischt – und okay, ja, die Äußerungen Trumps im Wahlkampf konnten aufgeklärte Menschen wie uns nur Hillary als Siegerin annehmen lassen. Falsch gedacht. Es sind halt doch nicht diejenigen, die im TV oder in den großen Online-Medien das Wort leiten, die für ihr Land sprechen. Das ist jeder einzelne Bürger selbst. Und da ist die Stimme eines aufgeklärten Menschen ebenso viel wert wie die jedes anderen Idioten, von denen es meistens eher mehr gibt. Da kann man jetzt sagen: „So ist Demokratie.“ Oder andererseits: „Demokratie funktioniert einfach nicht.“ Demokratie funktioniert halt nur dann, wenn man es mit einem mehr oder weniger gebildeten Volk zu tun hat, dass zudem auch noch Politikinteressiert ist.

Es gibt dabei genug Gründe für viele Menschen, Politikverdrossen zu sein, ganz egal ob in Amerika oder sonst wo. Das ist auch der Grund, weshalb mich nach der ersten Überraschung der Wahlausgang gar nicht so kalt erwischt hat. Mit dem Brexit war und ist es doch das Gleiche: Es sind die vielen, vielen Verlierer der Globalisierung, die sich eine starke Regionalmacht mit heimeligen Konservativen Werten  zurückwünschen und wählen. Durch die Globalisierung ist die Welt viel zu schnell zusammen gewachsen – nur leider nicht richtig. Das macht den Menschen Angst, weswegen sie genau diese Leute wählen, die ihnen versprechen dass sie „Alles so machen wie früher“.

Den versprochenen „Change“ gab es unter Obama so gut wie gar nicht (die Gründe dafür, also die Blockaden im Kongress usw. lassen wir mal außen vor) weswegen verschwindend wenige schwarze Amerikaner und Hispanios zur Wahl gegangen sind, dafür umso mehr weiße, alte Männer, die, ebenso wie in England, wahlentscheidend waren. Diesen Politikverdruss muss sich auch Obama ankreiden. Trump steht genau dafür, was Clinton nicht ist, ein Außenseiter, der nicht im verkrusteten politischen System Amerikas feststeckt, das hat Wähler mobilisiert, denn sie wollen keine Leute, die über sie hinweg regieren, sie wollen auch keine schwierigen Lösungen für komplizierte Themen: Sie wollen einfache Lösungen – für komplizierte Themen.

 

Ich glaube auch, dass Protestwähler (wie in vielen Wahlen der jüngeren Vergangenheit) eine große Rolle gespielt haben. Wähler, die nicht vollkommen mit der Meinung des Kandidaten XY konform gehen, doch aber so gewählt haben, um „denen da oben eins auszuwischen“. Ich mutmaße, der Protestwähler ist eine der wichtigsten Wählergruppen überhaupt. Zwar denkt man sich bei ihm: „Wie blöd kann man sein? Irgendetwas wählen was einem selbst schadet, nur damit er es DENEN DA OBEN mal zeigt…“ Aber a) fühlt sich der Protestwähler von denen da oben ohnehin im Stich gelassen (siehe Globalisierungsverlierer) und b) glaubt der Protestwähler auch den Umfragen. Es ist (noch mal) wie mit dem Brexit. Damals wollten auch viele aus Protest ihre Stimme abgeben, kannten die Umfragen und die Prognosen und waren dann vom Ergebnis überrascht: Denn sie dachten nicht, dass ihre Stimme am Ende Wahlentscheidend sein würde und sie das bekommen würden, was sie wählten.

Heute wurde oft in den Medien verlautet, dass viele, die bei den Umfragen angaben nicht für Trump stimmen zu wollen, sich in Wahrheit dafür schämten, doch für ihn stimmen… Ich weiß ja nicht… Klingt mir nicht sehr schlüssig. Vielleicht sind es doch eher die Umfragen selbst und der Glauben in sie, die die Wahl beeinflussen. Also weg mit ihnen. Wozu braucht man ein mathematisches Urteil basierend auf Schätzungen vor einer Wahl? Reicht denn nicht die Wahl selbst?

 

Vielleicht sind die Gründe aber auch viel banaler: Eine Großzahl der Amerikaner sind einfach ungebildet und glauben jeden Unsinn, den man ihnen erzählt (oder verspricht). Bei dem Bildungssystem das die dort haben, wäre es nicht einmal ein Wunder. „Weltoffen“ und „aufgeschlossen“ wären jetzt nicht gerade die Begriffe, die mir zu Amerika einfallen. Und vielleicht sind die Amerikaner selbst doch mehr wie die Amerikaner, die (da schließt sich der Kreis) Lars von Trier aus den Filmen kennt, dieses Weltbild, dass dort verkörpert wird, welches ihm vollkommen ausreichte, um über die Psyche der Amerikaner zu philosophieren: Sie stehen nun einmal auf diese Geschichten von Männern, die mit wenig anfingen, sich hochgearbeitet haben, um schließlich, auch und gerade wegen ihrer fehlenden Etikette und Intelligenz, ganz oben zu stehen. Die, die es allen gezeigt haben! Wir würden wahrscheinlich nicht sagen, dass diese Leute die richtigen TYPEN sind um ein Volk zu lenken. Dort ist es anders.

Nun, wir werden sehen was geschieht. 2 Amtszeiten Bush haben wir auch überstanden.

 

Sicher ist auf jeden Fall, dass dieses Votum eine rote Karte für den Freihandel und die Freizügigkeit der Völker ist, eine rote Karte für liberales Denken und ein Zugeständnis ist, ein Zugeständnis zur Angst. Und bei dieser Melange fällt es mir schwer den Respekt gegenüber diesem Volk zu behalten. Auch, wenn (wie ich es heute bei MOBY gelesen habe) mehr Leute für Clinton gestimmt haben, die aber durch das Wahlsystem der Wahlmänner nicht zum Tragen gekommen sind. Es ist aber auch eine rote Karte gegenüber dem gebildeten Establishments, jene Leute, die arrogant und überheblich den Leuten erzählt haben, was sie zu denken haben; nicht dass das Establishment UNRECHT hätte in dem was es sagt, es geht nur darum, WIE es etwas sagt und wie die feinen Herren vom Flatscreen aus die Leute überheblich als dumm und klein abstempeln; dadurch werden kleine Menschen nur noch kleiner. Und wütender.

 

Keine Ahnung. Ich bin kein US-Amerikaner. Nur ein kleiner Handwerker aus Bayern. Aber nach dieser Wahl ist mir klar geworden, dass viel mehr in die Bildung investiert werden muss, damit die Deppen weniger werden. Und gerade in den USA ist es so, dass dort in vielen Gegenden die Bildung privatisiert wurde, dort wird ein Geschäft mit minderer Qualität aus ihr gemacht, was den Zugang zu Wissen mehr als nur erschwert hat. Was keine Ausrede ist. Denn wer wissen will, der kann sich in den meisten Ecken der Welt selber weiterbilden. Man müsste nur wollen.

 

Ich weiß nicht. Irgendwas muss man an so einem Tag wie heute schreiben… Irgendwas muss man einfach zu sagen haben. Auch wenn es vielleicht darum geht, gar nicht Konkretes sagen zu können.

 

Oben habe ich es schon einmal gesagt: Dass die einzelnen Länder der Welt nach der großen Globalisierung sich wieder auf ihre eigenen Werte berufen wollen, wundert mich nicht. Es wäre auch ein Wunder gewesen, wenn sich diese Vision von freiem Handel, Liberalität und Humanität einfach so durchgesetzt hätte, denn dafür produziert der freie Handel viel zu viele Verlierer (das Geld wandert halt weiterhin zu den Mächtigen) und liberales, humanitäres Denken macht vielen Menschen Angst. Ob das ganze Projekt jetzt gleich als gescheitert angesehen werden muss, oder ob es ein Projekt über die Jahrzehnte, ja vielleicht sogar Jahrhundert ist, das bleibt abzuwarten. Es war klar dass es Rückschläge geben würde. Und Politik wird weder in einer Nacht entschieden, noch an einem Tag gemacht. Das ist doch das Geile am Menschsein: Es bleibt stetig spannend. Welche Entscheidungen in ein paar Tagen wieder irgendwo anders auf der Welt Menschenleben kosten.

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Citizenfour

Wir haben die Doku gestern gesehen und waren sehr beeindruckt. Sicherlich gibt es einige Kritik-Punkte zu dieser Oscar prämierten Snowden-Nahaufnahme, die Snowden schlichtweg als Held feiert ohne auch nur einen Funken kritisch zu sein.

Der Film packt einen auf jeden Fall an und ruft das wichtige Thema seiner Enthüllungen zum Thema totale Überwachung zurück ins kollektive Gedächtnis, welches ein sehr vergessliches Gedächtnis ist, dass durch die Flüchtlingsproblematik kontinuierlich abgelenkt wird; wir dürfen die großen anderen Themen nicht vergessen. Nur. Es sind so viele….

Die Metaebene zu „the hateful 8“

Wir waren gestern bei „the hateful 8“ im Kino und gingen ein wenig unbefriedigt aus dem Kino. Nach den „Basterds“ und „Django“ hatte ich einen Film mit einem großen Kniff erwartet und den hat „the hateful 8“ nur auf der Metaebene. Das ist nichts Schlimmes. Die „höhere Ebene“ ist nur so versteckt, dass sie dem „gewöhnlichen“ Kino-Zuschauer einfach verborgen bleibt. Der sieht nur ein paar Leute die sich über den Haufen schießen und das mit einem ordentlichen Gore- Anteil. Es ist sogar so viel Blut, dass sie der Handlung nicht hilft, sondern einen ziemlich blind für das macht, was die Protagonisten  sagen und tun.

 

Der folgende Text wird einige Spoiler enthalten, also ab hier nicht weiterlesen wenn man den Film noch sehen will. Und bei dem Rest gehe ich davon aus, dass er den Film gesehen hat.

 

Tarantino schafft es in diesem Dialoghaltigen Film nicht, gute Dialoge zu schreiben. Die Figuren sind einem weites gehend ziemlich egal und bis auf die Erzählung (plus Rückblende/oder ist es nur eine Vision?) von Samuel ist der ganze Film  kaum auf einen Moment verdichtet. Es zieht sich über die komplette Handlung. Das ist natürlich eine Verbeugung vor „Spiel mir das Lied vom Tod“ oder anderen Genre-Klassikern, es verlangt einem aber auch viel Geduld ab. Das ist sicherlich vom Regisseur gewollt, ist nur für den selbigen ziemlich schwach, wenn man seine anderen Filme mag.

 

Jede Figur in diesem Film ist böse und handelt unmoralisch. Nur ein Protagonist entwickelt sich wirklich weiter und am Ende sind entweder alle Tod oder dem Tod geweiht. Eine direkte Moral die Tarantino dir ins Gesicht ledert, gibt es also nicht. Das geschieht auf einer anderen Weise.

„The hateful 8“ ist eine Parabel über Kopfgeldjäger/Gesetzeshütern, die auf Verbrecher treffen. Doch es ist mehr. Es eine Geschichte über Rassismus und noch viel mehr darüber, dass auch „Gesetzesvertreter“ schlimmere Verbrecher sein können, als die Leute, die sie jagen. Das folgende „10 kleine (Pardon) Negerlein“-Prinzip nimmt der Geschichte nur die Tiefe, da die Figuren an sich gar keine Möglichkeit haben um sich zu entwickeln, was zeigt, dass Tarantino in der Enge einer Hütte keine packendes Kammerspiel inszenieren kann, weswegen er auf der einen Hand kein guter Theaterregisseur wäre. Auf der anderen Hand will er das auch gar nicht unter Beweis stellen.

Tarantino benutzt die Figuren um eine Geschichte über Amerika zu erzählen, über Polizeigewalt, über deren Willkür, jedoch auch über Rassismus, in welcher der Schwarze aber auch nicht einfach nur der „Gute“ ist (erinnert euch an die Szene, in der Samuel erzählt, wie der Kerl ihm seinen dicken schwarzen Schwanz lutscht, und tauscht hier die Rolle aus, schwarz gegen weiß, und überdenkt wer sich hier wem für einen Decke erniedrigt, im gesellschaftlichen Sinn).

 

Die beiden roten Faden die sich durch die Geschichte ziehen, sind die Selbstjustiz und die Lüge; nicht umsonst lässt er den „Engländer“ die Geschichte des Henkers erzählen, der seinen Job ohne Emotionen nachgeht, nur für Geld, als Broterwerb, was sein Handwerk zu einem gerechten Handwerk macht, da er ohne persönlichen Bezug oder Urteil ans Werk geht, während die Selbstjustiz immer nur eine unfaire Form von Rache ist, die auf Selbstbefriedigung setzt, und eben nicht auf kühle Gerechtigkeit, und aus dieser Geschichte wird schlussendlich in der vorletzten Einstellung der berühmte Schuh, während sich die beiden „Helden“ am Ende darüber kaputt lachen (man kann sich bei dem Gelächter sogar eine passende blutige Erektion in ihren Hosen vorstellen), wie Daisy an dem Galgen stirbt, dessen Strick sie selbst halten, ja, „der Henker“ (Kurt Russel) war gerecht, sie sind es aber nicht, sie verstehen nicht den Unterschied zwischen einem Urteil und Meuchelmord; und nicht umsonst lässt Tarantino kurz vor dem Tod aus dem gefälschten Lincoln-Brief vorlesen, dessen Echtheit der naive Henker länger als Wahrheit voraussetzt (eine weiter Möglichkeit zur Interpretation: Man muss naiv sein um einem Schriftstück/dem Gesetz zu vertrauen), und nicht umsonst sind die meisten Charaktere nicht das, was sie am Anfang vorgeben zu sein, teilweise dürfen die Schauspielerischen Handlung gar nicht zur vorgegebenen Vita der Hüttenbewohner passen.

 

Ja. Tarantino hat auf der Metaebene den Swag voll aufgedreht (es gibt schließlich noch mehr davon, man erinnere sich daran, dass der verlogene Lincoln-Brief der Samuel-Figur das Leben gerettet hat und er dazu meint, dass ein schwarzes Mann solche Dinge braucht um gehört zu werden usw. usf.) doch man muss sich wirklich hinsetzten und über das Ganze noch einmal tüchtig nachdenken. Macht man das nicht, sieht man nur einen hohlen Plot, in der nach dem Vorbild von Anime/Mangas, oder japanischen Regisseuren wie Takashi Miike oder nach Kitano die Menschen praktisch zerfetzt werden oder teilweise explodieren. Und der Clou dass einer im Keller versteckt war… Nun ja. Das ist kein Twist, das ist einfach Verarsche des Zuschauers (denn wenn ich schon weiß das vermutlich ein Verräter unter den Leuten ist, trinke ich nicht jeden Kaffee und schaue sicherlich auch mal im Keller nach…), denn die Erzählung macht absichtlich den Anschein, dass es sich nur um die Leute im Raum  dreht…

Wer nicht genau hinsieht, findet hier nur eine hohle, wenn auch brutale Handlung. Und ohne arrogant wirken zu wollen, das machen die meisten Leute auch nicht. Deswegen gefiel ihnen auch der meiner Meinung nach dürftige „Django“, der zwar ein perfekter Unterhaltungsfilm mit typischen Tarantino-Momente und grandiosen Schauspielern war und ist, auf der Meta-Ebene jedoch nichts zu erzählen hatte – außer das ein Schwarzer Kopfgeldjäger war. Nun ja. Das trägt auch keinen ganzen Film.

Nein. Ja. Nach dem Kino fand ich „the hateful 8“ wirklich mehr als dürftig. Aber er hat etwas. Und sollte reichlich für Diskussionen mit den Kumpels auf dem Heimweg sorgen.

Star Wars, oder: Es ist schwer, ein Gott zu sein

(Ich habe keine Rechte an diesem Bild, ich habe den Link dazu von hier)

 

Die ganze Welt ist im „Star Wars“-Fieber. Wirklich die ganze Welt? Ja genau, ich doch nicht… Dabei ist das mit Star Wars genau meine Geschichte: Als Knabe wurde ich von meinen Eltern vernachlässigt und der Video-Recorder übernahm meine Erziehung. Und als Junge mag man Star Wars, denn da ist nun wirklich alles drin was sich ein junger Spinner wünscht, die fremden Welten, Außerirdische, intergalaktische Kämpfe, eine packende, nicht wirklich komplizierte Story und sogar die Liebesgeschichte ist für einen Jüngling okay. Gute Sache also, auch wenn ich damals schon die Ewoks scheiße fand.

 

Jetzt bin ich 35 Jahre alt und kann den Hype rund um diesen Disney-Film bei meinen Altersgenossen überhaupt nicht verstehen. Es ist nicht so dass mich die letzte Trilogie so abgefuckt hat das ich keine Lust mehr auf das Ganze hätte (irgendwann sehe ich mir das schon an, alleine schon wegen John Boyega, der war überragend in „Attack the block“), ich halte diese „Filme-für-die-ganze-Familie“ einfach nur für Quatsch; es gibt keine Filme für die ganze Filme, denn das sind nüchtern betrachtet Schauspiele für Kinder und Jugendliche in die sich infantile Erwachsene hineinsetzen und glauben damit gut und auch ihres Alters gerecht unterhalten zu werden. Ich sage ja nicht einmal was dagegen bei einer Weltraumoper vernünftig abschalten zu können,  nur zu glauben dass das Altersgerecht für deinen Familienvater wäre, nun ja… Jeder aber wie er will.

 

Was man dennoch zugeben muss ist die Tatsache, was für ein Weltbild diese „Star Wars“-Filme vermitteln (deshalb auch das Bild oben): Es geht um Krieg und um „Gut“ gegen „Böse“. Es gibt eindeutige strahlende Helden und das böse, fremde, Fratzenähnliche, eine exakt definierte Andersartigkeit und die muss bekämpft und besiegt werden bis am Schluss die „good guys“ den Tag gerettet haben – klingt fast wie aus dem Republikanischen Wahlprogramm der USA, die die dunkle Seite klar mit Moslems besetzt haben.

(Ich habe keine Rechte an diesem Bild, der Link ist von hier)

Die Gegenseite ist einfach das Böse und WIR sind natürlich die Guten. Autsch. Das ist gefährlich und dämlich. Und ich weiß nicht ob es klug ist mit diesem Weltbild unsere Kinder groß zu ziehen, nicht nur die Jugendlichen. Nein. Wirklich die KINDER, denn diese Disney-Schmonzette orientiere sich an den Kindern, beeinflusst sie und macht aus später erwachsenen Leuten Persönlichkeiten, die ehrlich glauben das Marvel-Filme gehobene Unterhaltung darstellt (gegen die Comics habe ich nichts, da Comics jeder in seinem eigenem Ton liest und jeder Mensch seine eigenen Schlüsse zieht – Kino ist da schon wieder eine ganz andere Liga). Die Menschen wollen gar nicht mehr gefordert werden. Das ist die absolute Amerikanisierung der Unterhaltung. Amerika, das Land welches von sich selbst behauptet das Land der Freiheit zu sein – und die Sklaverei erfunden hat.

Terroristen und Feinde sind einfach nur das Böse, die nur niedere Beweggründe haben und Liebe zu Familien und Freunden existiert nicht – die „hohen Werte“ sind für uns reserviert.

 

Vorsicht.

 

Ich will nicht zu sehr ins Amerika-bashing abdriften, denn das Land ist eben nicht nur Disney, Marvel, Umweltverschmutzung und Herrenmenschendenken. Es ist auch das komplette Gegenteil und das macht die Geschichte in Wahrheit so schwierig aber interessant. Dennoch ist die Märchenstruktur der Leinwand-Produktionen der Gegenwart aus den USA auch nichts anderes als quasi Propaganda-Filme, die nicht zum Nachdenken, sondern nur zum Mitfühlen anregen; Mitgefühl mit den Helden, nicht mit den Opfer wohlgemerkt.

 

Meine Freundin und ich sahen uns gestern „Es ist nicht schwer, ein Gott zu sein“ an. Auch dabei handelt es sich um einen aktuellen Science-Fiction-Film, der unterschiedlicher zu Star Wars gar nicht sein könnte.

In diesem russischen Film (der auf einer Roman-Vorlage basiert) wird die Geschichte von ein paar Wissenschaftlern erzählt, die auf einen fremden Planeten geschickt werden. Die Gesellschaft auf diesem Planeten steckt im finsteren Mittelalter fest und die Wissenschaftler versuchen Inkognito die Geschicke der Bevölkerung zu lenken.

90 Prozent dieses „Monster von einem Film“ sind Fäkalien, Rotze, Dreck und Blut, eine wilde Handlungs- und Kamera-Führung, die dem Zuschauer wirklich verdammt viel abverlangt und ihn damit ungemein fesselt. Dieses Mittelalter ist das Finsterste was ich jemals gesehen habe und dem Zuschauer wird sehr schnell klar, weshalb die Lebenserwartungen damals bei gerade einmal 30 Jahren lag; und wenn man sich den Film in seiner Kompromisslosigkeit ansieht, empfindet man moderne Märchen wie „Herr der Ringe“ und „Game of thrones“ als ultrageleckt und lächerlich saubere Überinszenierungen für ein dumpfes Massenpublikum (okay, was sie auch sind). Nur. Wer „Es ist schwer, ein Gott zu sein“ gesehen hat, der kann über den „Walk-of-Shame“ von „Game of thrones“ nur milde Lächeln.

Die restlichen 10 Prozent sind pure Philosophie, die über den Kniff der Science-Fiction mit ins Boot geholt wird, denn der Titel des Filmes ist Programm: Wie erlebt und fühlt sich ein höheres Wesen in einer Welt, deren Geschöpfe immer wieder die gleichen Fehler begeht und einen Lebensstandart als normal ansieht, über den man als disziplinierter Mensch kaum das Übergeben unterdrücken kann?

 

Wir haben uns dann noch ein wenig die „Extras“ der DVD angesehen auf denen erklärt wird, dass „Es ist schwer, ein Gott zu sein“ als „soft Science Fiction“ beschrieben wird, da es sich hierbei in der Zukunftsvision mehr um die philosophischen und psychologischen Aspekte der Science-Fiction dreht, während im normalen Science-Fiction die wissenschaftlichen Komponenten im Fokus stehen (siehe z.B. „2001“).

 

Was ist dann „Star Wars“? Star Wars ist für mich Fantasy-Science-Fiction ist,  das es weder philosophisch noch wissenschaftlich etwas zu sagen hätte. Es geht um fantastische Welten und Romanzen und – dieses Urteil tut mir überhaupt nicht leid – dies ist für mich die niedrigste Form von Unterhaltung: Es ist fiktiver Tratsch. Er verlangt den Leuten nichts ab und gibt ihnen genau das was sie wollen, wie ein Fußballspiel bei dem man schon vorher weiß, wer am Ende gewonnen haben wird.  Es ist eine Sache sich so etwas anzusehen, eine andere, es so übertrieben zu feiern und wie eine quasi Religion zu zelebrieren. Ich verstehe nicht wie die Menschen ihr eigenes Leben so sehr hassen und sich dermaßen in eine Fantasiewelt retten wollen. Es hält fast schon als spirituelles Ereignis her. Wieso aber müssen spirituelle Ereignisse immer so platt und allgemeingültig sein? Nein. Doch. Diese Science-Fiction ist keine Science Fiction. Da sie ein überholtes Mittelalterliches Weltbild verbreitet, das keine Pluralität der Charaktere zulässt (auch wenn Skywalker zu Darth Vader wird, so ist in jeder Szene klar, dass es eine eindeutige Wandlung zum Bösen ist – der Mensch jedoch ist keine Medaille mit zwei Seiten, er ist viel mehr und doch viel weniger, denn er ist alles zugleich, gut und böse, Familienvater und Mörder von Vätern) und am Ende anachronistischer daher kommt – ganz gleich wie viele Aliens auftauchen und Raumschiffe explodieren – als ein Film über das finsterste Mittelalter aller Zeiten, der Science Fiction Elemente enthält. Es ist GZSZ im Weltraum. Und mit der Ankündigung Disneys noch viel mehr Star Wars Filme zu drehen, wird daraus endlich die „Daily Soap“, die sich die Leute erhoffen während sie sich in den Kinosessel setzen und insgeheim denken: „Bitte keine Überraschungen. Ich will MEIN Star Wars“…

Wieso wollt ihr nicht mehr?

 

Trevor Noah 2015 – Thats Racist

Von ihm habe ich mir heute zwei Programme rein gezogen. In diesem Stand-Up geht es um seine Arbeit in den USA (wie schon einmal hier fallen gelassen, er hat die „Daily Show“ übernommen) und darüber zieht er Vergleiche und Verhältnisse zu seinem Heimatland Süd-Afrika.

Ist echt gut und gar nicht doof zu sehen. Gerade der „Kuffar“/“Nigger“-Vergleich am Schluss ist bemerkenswert.

Gute Mann, der Trevor.