Josef Hader GANZ privat – „Wilde Maus“

 

Josef Hader ist eh toll. Jeder mag ihn und das was er macht. Filme, Kabarett, Drehbücher – Wurscht: Guter Mann.

Bereits zum zweiten Mal in meinem Leben stellte der wichtigste, beste, klügste und lustigste aller jetzt lebenden Österreicher einen Film in Augsburg vor. Das letzte Mal war es „Das ewige Leben“. Dieses Mal war es „Wilde Maus“, der Film, bei dem Hader nicht nur die Hauptrolle spielt, denn hier hat er auch das Drehbuch geschrieben und erstmalig Regie geführt.

Die Leute vom Kino-Dreieck hatten unsere Karten verplant, deswegen waren wir bei der falschen Aufführung im kleineren Kino mit schlechten Plätzen, bei den beiden fast synchron laufenden Vorstellungen. Wir, die „Thalia“-Leute, mussten nach der Vorstellung runter ins „Mephisto“, wo dann der Josef Rede und Antwort stehen sollte.

„Wilde Maus“ ist ein unterhaltsamer Film über die Sprachlosigkeit in Beziehungen, dessen Rahmenprogramm der Rachefeldzug eines gescheiterten Journalisten gegen seinen Ex-Chef bildet.

Ich hatte bis nach der ersten Stunde viel gelacht und mit dem Toiletten-Gang gewartet. Dann schien mir der Moment gekommen. Also schnell rausraus und loslos auf Toilette, nur nichts verpassen. Ich dann also rein zu den Pissoirs und da stand dann Josef Hader, der schon voll dabei war. Es war strange, denn ich konnte sein Gesicht gar nicht sehen, wusste aber doch dass er es war. Und sich so richtig danebenstellen und Pimmel-Bruder mäßig zu ihm  rüber schauen wollte ich dann auch noch. Denn. Welche Momente könnten denn privater sein als diese? Dass ist schon eine unangebrachte, ungerechtfertigte Penetrantheit, wenn man nicht einmal beim Pinkeln seine Ruhe hat… Ich schaue ja schon beim Vorbeifahren immer schon demonstrativ NICHT bei Autounfällen nach, was da passiert ist, da ich diese Starrer so abartig blöd finde, wie könnte ich jetzt den armen Mann da beim Pinkeln begaffen? Und trotzdem war ich alleine mit Josef Hader auf einer Toilette. Blöde Situation irgendwie. Gerade weil ich dieses Promi-Ding gar nicht mag, dieses automatische Klassendenken, was sich da im Kopf abspielt, eben weil man am Ende doch hinschauen, irgendwas tun will, da man den Kerl und das was er macht gut findet und auf irgendeine Art mit dem in Kontakt treten will. Eine unwürdige Situation. Nicht nur auf einer Toilette. Denn man stellt den Promi über sich…

Als ich dann wieder alles eingepackt hatte, hatte der Künstler seinerseits seine Hände fertig gewaschen; ja, Josef Hader wäscht seine Hände nach dem Pinkeln, ein Vorbild in allen Lebenslagen. Der sah mich dann so an und sagte leise und schüchtern: „Hallo…“ Und ich gleichzeitig: „Guter Film“, „Wilde Maus“, ihr wisst schon, den ich gerade drinnen im Kino mit meinen Freunden ansah. Ein Kompliment kann ja schnell eine Reaktion provozieren. Falsch gedacht. Und dann war er schon wieder weg.

Für ihn eine Szene zum Vergessen, für mich etwas besonderes. Ganz schlimm: Ich werde jetzt ewig erzählen dass ich JOSEF HADER beim Pinkeln getroffen habe; das sagt einiges über mich aus. Viel mehr aber auch, wie der Mensch so funktioniert. Denn der hat mich – natürlich – sofort vergessen als er zur Türe raus war, während ich total geflasht war. Und dabei ging es natürlich um die natürlichste und privateste Sache der Welt. Sich die Hand geben wäre da eh nicht angebracht gewesen.

„Wilde Maus“ ist ein guter Film. Einer der wie zu erwarten Spaß macht, der aber auch Schwächen besitzt. Die Wandlung des Charakters zum Negativen, Depressiven ist in seiner Totalität und Rücksichtslosigkeit nicht ganz nachzuvollziehen, dabei gibt es aber auch ein paar offensichtliche Logiklöcher und Drehbuch-Kniffe:

SPOILER dass er seiner Frau nicht sagt, dass er gekündigt wurde ist zwar wichtig für die Story, es IST sogar die Story, bleibt jedoch total unlogisch. So verhalten sich die Leute nur in Filmen und Büchern SPOILER ENDE.

Trotzdem ein empfohlen sehenswerter Film mit tollen Schauspielern, der ein angenehmes Rundumpaket abliefert (Spaß, Tiefgang und nicht überzogene Arthousigkeit), der jedoch auch auf der Metaebene gut funktioniert, man denke an die ständigen im Hintergrund ablaufenden Radio-Nachrichten über Tod, Terror und Krieg, die die Stimmung des Protagonisten wiederspiegeln. Da wurde viel ins Detail hingearbeitet.

 

Wir saßen dann später im „Mephisto“ wirklich in der ersten Reihe und hörten uns das Werbeprogramm Haders an, dass er auf die Fragen des Publikums abspulte, dass von sehr gefälligen Lachen und Klatschen begleitet wurde; es muss auch wirklich immens anstrengend wenn einen ALLE gut finden und bei jedem schiefen Scherz begeistert Lachen, einen Anstarren und man nicht einmal auf der Toilette seine Ruhe hat.

 

 

 

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„The OA“ Ein Gefühl und ein Trailer zur Serie

Während meines Heimaturlaubs sehe ich mir auf Netflix die Serie „The OA“ an. Dabei fällt mir auf, wie komisch es ist, dass man die Geschichten die man dort sieht, in deren Universum sofort als „wahr“, „echt“ und „real“ anerkennt, während wir in unserem Universum überhaupt nicht an Geschichten glauben, sondern nur an Fakten… Als gäbe es keine Grauzonen der Vernunft…

Keine Angst, ich zitiere jetzt nicht Hamlet, sondern stelle nur den Trailer online.

Als das Lachen starb: Andy Sauerwein

Eigentlich wollte ich nicht jeden Tag im Urlaub darüber schreiben, wo ich jetzt schon wieder war; ich wollte lieber eine Kurzgeschichte aus dem erlebten Material basteln. Nur. Der gestrige Abend in der Kresslesmühle (ja, ich war schon wieder da, eine gute Freundin hatte Karten gewonnen und meinte es gut mit mir) war so schlimm, dass ich die Menschheit vor Andy Sauerwein WARNEN muss.

 

Nicht das er ein schlechter Musiker wäre, nein, überhaupt nicht, auf der Ebene kann er wirklich überzeugen – deswegen empfehle ich ihm eine Karriere als Kneipen-Pianist. In solch einer Funktion darf er sein Talent ausspielen und möglichst wenig Schaden anrichten. Zwischen den Stücken kann der den Besoffski seine Sprüchleins erzählen und bekommt dann sicherlich eine viel direkteres Feedback (oder besser gesagt: „Feet-Back“ – der Spruch hat Sauerwein-Niveau) als von einer Bühne herunter, von der er dem Publikum gegenüber in einer stärkeren Position ist und Kritik (die vom Publikum durch Enthaltsamkeit vorhanden war – ICH BIN STOLZ AUF EUCH!) niederbrüllen kann.

 

Als Kabarettist (kann man ihn wirklich so nennen?) ist er ein blanker Reinfall. Unglaublich überspielt und affektiert Jahrhunderte alte Witze zu verkloppen, die teilweise auch noch von diversen – dort auch schon nicht lustigen – Facebook-Seiten gestohlen wurden, ist nun wirklich keine Kunst. Überhaupt. Gar nicht. Und auch die Themen-Auswahl: Zum Davonlaufen.

Ein Kabarett-Programm muss keine rote Line besitzen, wünschenswert wäre es. Gestern bekam man leider nur auf der dünnsten und dümmsten Art möchtegern linksliberales Gedankengut serviert (schließlich soll es Kabarett sein), dem zwar sicherlich jeder mehr oder weniger zustimmen kann (an guten Tagen), die Präsentation jedoch ist so dermaßen unpointiert und unter aller Kanone, dass man schon sehr wohlwollend und/oder 50 plus sein muss, um darüber Lachen oder (in den ein, zwei stilleren Momenten) betroffen sein zu können. Dazu ein paar Klischees und „persönliche Erlebnisse“, fertig ist der Sauerwein.

Ehrlich: Ich. Habe. Vielleicht. Zweimal. Geschmunzelt.

Auch meiner Begleitung ging es so.

Und nicht einmal die Niveaulosen Witze waren wirklich böse… Hätte er das Elend doch nur besser erzählen können… Andy ist halt einfach kein Bühnenmensch. Was nicht schlimm ist, ich bin das ja auch nicht, nur weiß ich wo meine Grenzen liegen. Es bedarf halt weniger Kunstfertigkeit um sich selbst als Künstler zu bezeichnen, als solche wirklich produzieren zu können.

 

Die Menschen die dafür Geld ausgegeben haben, die tun mir leid. Noch viel mehr Mitleid (siehe Nietzsche: Mitleid würdigt die Menschen herab) habe ich allerdings mit den Intelligenzwüsten, die über diese Scherze auch noch Lachen konnten: Leute, was ist denn los mit euch?

Dabei. Eine Erklärung hätte ich:

Die Gegenwärtigkeit in so einer Kabarett-Situation entspricht der in einem Tanz-Club (mal wieder…). Denn genauso wie man in einem Tanz-Club aus purer Langeweile zu Musik tanzt, die scheiße ist, weil der DJ nichts kann, man aber halt trotzdem nun einmal da ist und hofft, dass es später vielleicht noch besser wird, lacht man halt im Kabarett notgedrungen zu Witzen, die nicht witzig sind, weil man den Drang verspürt sich zu amüsieren. Verständlich. Ihr habt ja auch Geld ausgeben. Lasst es aber bitte trotzdem. Dadurch werden nämlich vollkommen irrwitzige Leute gezüchtet, die glauben auch nur entfernt eine künstlerische Ader zu besitzen (Kabarettisten, DJs, ist wisst schon), während sie in Wahrheit einfach nur durch ihre Unfähigkeit nerven. Denn in Wahrheit ist es doch so:

Solange dumme und wohlmeinende Leute zu den Scherzchen von Andy Sauerwein lachen, wird er viele intelligente Menschen unglücklich machen.

 

Mit dem hätte ich nicht einmal Mitgefühl, wenn er als Penner in der Fußgängerzone mit seiner Musik um Geld betteln würde. Obwohl ich ein sehr empathischer Mensch bin. Tut mir leid Sauerwein, doch dank dir ist gestern in mir etwas zerbrochen, was ich in den nächsten Monaten wieder mühsam zusammensetzen muss; gib mir meine verschwendete Lebenszeit zurück!

 

Ich füge jetzt einmal ein Video von ihm mit ein. Lasst euch nicht von dem Gelächter des Publikums mitreißen: Das ist das absolute Gegacker geistiger Leere, armes Deutschland… Da wünscht man sich sogar Mario Barth auf die Bühne… Wo ist Josef Hader wenn man ihn braucht?

Hatten wir ein Glück. Neulich, bei Jess Jochimsen..

Panikherz – Benjamin von Stuckrad-Barre

„Benjamin von Stuckrad-Barre (BSB)? Ist das nicht der Typ der dieses Buch mit dem Kekswichsen geschrieben hat?“ War er übrigens nicht, gedacht hatte ich das aber schon. Jetzt also so ein DROGENBUCH. Ganz furchtbar, als gäbe es davon nicht schon genug. Selbst. Wenn ich bei diversen Arzt-Besuchen in Zeitschriften mit manchmal mehr und hin wieder weniger Bilder gelesen hatte, dass das Buch so „unglaublich gut“ sein solle. In der Buchhandlung entschied ich mich – zwei Bücher – in der Hand, dann doch für Juli Zeh, was natürlich eine grauenhafte Fehlentscheidung war, danach las sich der später also doch gekaufte Benjamin gleich viel geiler.

 

Drogenbuch? Auch. Und wenn man selbst ein Suchti war, liest man solche Bücher ja mehr wie Pornografie als zur Abschreckung, wie es eigentlich auch nur Kriegs, und keine Anti-Kriegsfilme gibt, die auch nur Leute sehen die Krieg aus irgendwelchen irren Gründen geil finden (bewusst oder unterbewusst) – solange sie nicht mittendrin stehen (das ist dann wie mit den Erdbeben im Film „Texas“.

BSB ist nicht der Typ der in „Crazy“ übers Kekswichsen geschrieben hat, sondern der andere, der auch „Soloalbum“ verbrochen hat; als Buch bestimmt ganz toll, als Film eine furchtbare Klamotte, wenn auch mit guten Hauptdarstellern (Matthias und Nora), was natürlich der schlimmste Verriss für einen deutschen Film sein kann: Wenn ausschließlich die DARSTELLER gelobt werden.

 

Benjamin verarbeitet in „Panikherz“ seine Lebenssünden und philosophischen Erkenntnisse ab, was sich wirklich super weg liest. Gerade die Stellen mit den Drogen. Ich weiß nicht. Andere würde das mit den Drogen vielleicht abstoßen, für mich aber spricht er Dinge aus, die selbst ich mich geschämt habe in meinem auf „ABSOLUTE WAHRHEIT“ getrimmten Drogen-Roman „Der Text zur Nacht“ aus zu erzählen.

 

Denn Benjamin von SB beschreibt nicht nur sein langsames Abgleiten in die Sucht (was keine großen Überraschungen birgt, typische Werdegang), sondern auch diese permanente Sucht und dieses ständige Kaputtsein. Er fokussiert sich auch NICHT wie andere Autoren dieses Genres der Selbsterlösungsbücher (und dafür bin ich dankbar) darauf, wie er in absolut grenzdebilen Momenten Dreck vom Boden einer Toilette geleckt hat weil er es für Koks hielt (z.B.) oder andere absoluten Abstürze, für die man sich als Leser gleich mit schämt, nein nein, dafür aber beschreibt er phänomenal unterhaltsam dieses ständige Draufgeseihe und was das für eine verdammte Arbeit ist, tagelang wach zu sein und dabei immer unterwegs und doch in der Wohnung eingesperrt; selbst da ist immer etwas los, man ist ja ständig wach und voller Energie – an manchen Stellen habe ich mich anerkennend kaputt gelacht, vor lauter Mitgefühl. Voll peinlich, absolut zerstört, kann man keinem eigentlich erzählen: Hab ich genauso gemacht! Der totale Drogenwahn.

Ich zitiere mal Seite 292 f:

 

„Der aus Süchtigenperspektive akzeptable Mittelbau, wenngleich eindeutig zweite Liga: Das sind Leute, die regelmäßig und ohne viel Tamtam Drogen nehmen, es aber IM GRIFF haben, was man daran erkennt, dass sie ein niedliches den Ausnahmecharakter indizierendes TUWORT für Drogennehmen benutzen: FEIERN.

Der wirklich Süchtige hat das lange hinter sich. Was anderen Feier ist, ist ihm Normalität, formal feiert er durch, nur empfindet er dieses Suchtgeschufte keineswegs als Feier, es ist eine vollkommen autistische Veranstaltung. Zwar ergibt es sich, dass passager andere dabei sind, aber mit einer Sucht ist man immer ganz allein, egal, zu wievielt man ihr gerade nachkommt. Die echte Sucht ist ein ganz nach innen gerichteter Irrsinn. Je dichter, breiter, zuer, druffer ich war, desto stiller wurde ich nach außen, denn drinnen tobte der Krieg. Man hat so dermaßen zu tun mit Zähnemalmen, Blinzeln, Chancenlos-Gedankenfetzen-Verfolgen; Lichtersternchen bängen auf die Netzhaut, gern mal ein paar Stündchen gekrümmt und mit komplett angespanntem Körper in irgendeiner Ecke hängen, als sei es die Steilkurve einer Bobbahn. Da ist dann nix mehr mit Eitelkeit, Komplexen, Rollenerwartungen. Außen mag passieren was will, die Party findet inwändig statt.“

 

So isses.

BSB hat aber im Leben zum Glück mehr vorzuweisen als eine respektable Sucht nach Kokain und einen Knacks was sein eigenes Körpergewicht angeht (Stichwort: Mädchenkrankheit). Der Mann war auch Journalist, Besteller-Autor, Drehbuch-Schreiberling und Witzebastler für Harald Schmidt. Und ganz wichtig: Ein riesiger Udo Lindenberg Fan. Diese Lindenbergerei ist es, die sich wie der einzige rote Faden (außer der Sucht) durch sein Leben zieht. Udo forever, immer und überall und da muss man als Leser halt durch, auch wenn man den Typen mit Brille und Hut gar nicht so leiden kann, wie z.B. ich.  Macht aber nichts. Es fügt sich alles super zusammen und am Ende mag man Udo sogar, auch wenn Udo eher ein Symbol ist als eine wirkliche Figur, da können die zwei Freunde geworden sein wie sie wollen. Diese Liebe zum Übervater, zum Startum, Erlösung durch Popularität, das ist gleich noch eine ganz andere Ebene die da herein kommt, noch schlimmerer und amüsanterer Jugendwahn als Drogensucht und die Träume vom ewig schmalen Arsch.

 

Namedropping wird in dem Buch eh großgeschrieben, sehr toll die Szenen mit Helmut Dietl und Bret Easten Ellis: Traumhaft. Diese Übermenschen werden… Nein… Sie bleiben Übermenschen: Nur mit sehr viel Herz. Das aber mit Thomas Gottschalk. Das geht ja nun gar nicht. AufgestellteNackenhaare beim Lesen. Ein Graus. Gottschalk ist ja schon dem Namen nach das ausverbalisierte Missverständnis eines Halbgotts…

Was jedoch ganz herausfällt sind die FRAUEN in seinem Leben. Das ist schon sehr auffällig. Gerade für mich persönlich, da die FRAUEN es waren, die mich aus meiner Sucht herausholten. Nun. Ich hatte auch keine Familie wie der Benjamin sie hat und hatte, die angetreten war um ihn zu erlösen. Irgendwas soll da einmal wohl mit Anke Engelke gewesen sein. Nun ja. Mehr Intimität wird da aber auch nicht erwähnt. Komisch. Diese totale Selbstentblößung hier und dieser absolute Schutz der Partner auf der anderen Seite. Bemerkenswert. Stört nicht. Jeder wie er will – und doch bemerkenswert. Es würde auch nicht ganz zum Thema des Buchs passen, denn hier ist nur Platz für den Fan und seine Stars.

 

Der Benjamin ist kein Dummer. Und so liest sich sein Buch auch. Es macht sehr viel Spaß und ist dabei überhaupt nicht traurig, obwohl so viel Traurigkeit und menschliche Makel erzählt werden. Melancholisch vielleicht, von Trauer nur keine Spur. Man muss ja nicht gleich Trauer markieren um im Rückspiegel die Philosophie des Weltbürgers und ewigen Fans zu etablieren.

 

Das Buch ist einfach gut und rund so wie es ist. Dabei. Macht es mir gar keine Lust die anderen Bücher von Stuckrad-Barre zu lesen. Das Ding gut so wie es ist. Mehr brauche ich gar nicht. Der ist für mich auserzählt – kein zweiter Akt 😉 Das ist etwas Gutes.

Viagra Guerilla

Ich glaube ich werde jetzt hin und wieder mal einen alten Text aus dem alten Blog reposten. Einfach weil ich ihn mag. Den hier fand ich für meine Verhältnisse immer ziemlich lustig. 

“Weißt du warum die Männer immer auf die Titten der Frauen starren?“  gähnt Koji zu mir herunter, während ich dabei bin, das Fenster aufzubrechen.
“Weil Titten Titten sind?““
“Und warum sind Titten wie Titten?““
Ich lasse kurz mein Werkzeug sinken und sehe ihn über meine Schulter an:  “Wie jetzt?““
“Genau. Der moderne Mann sieht nur deswegen auf die Brüste der Frau, weil er aufrecht geht. Als die Menschen noch auf allen Vieren unterwegs waren, präsentierten die Frau im Kriechen ihre geschlechtsbereite Vagina dem Mann.““
“Aha.“  Ich strenge mich so sehr an, dass meine Knöchel hervortreten; lehne mein ganzes Gewicht auf den Schraubenzieher. Dann macht es  “Knack!“  und das Fenster schwingt auf. “Voila!“  lächele ich und präsentiere den Eingang.
“Weil der Mensch sich also mit zwei Gliedmaßen vor bewegt, kuckt der Mann auf die Titten der Frau.““
“Und wer auf den Arsch kuckt?“ frage ich und werfe die rote Sporttasche in den Lageraum.
“Der ist Analfixiert.““

Ich sehe ihn abschätzig an.  „Wo hast du denn das her?““
„Habe ich gelesen.““
„Was liest du denn für einen Kram?““
Die Schneiderin: „“Was REDET ihr denn da für einen Mist?!! Seid still! Sonst hört uns noch jemand!“
Wir Jungs:  “Ja, ja.““
Dann steigen wir in die Lagerhalle ein. Unten knipse ich ebenfalls meine Taschenlampe an. Oben hatte mir noch Koji geleuchtet.
„Außerdem liegt das Thema doch nahe“, beginnt Koji wieder.
Nebenbei: Wir brechen ein, um eine Potenzsalbe, die besser wirkt als Viagra, durch kleine Injektionen aus unseren Spritzen zu inaktivieren. Eine Idee unserer Guerilla-Schneiderin. Mal wieder.
„Was ist schon ein Mann ohne Schwanz? Ein Mann ohne Schwanz ist genauso unnütz wie ein Mann ohne Arbeit. Nein, wir müssen da lang. Seht ihr?“ Er leuchtet in die entsprechende Richtung, während wir uns durch die Regale funzeln.
„Außerdem geht es um Fortpflanzung. Der Mann, nein, der Mensch will nun einmal etwas hinterlassen. MITNEHMEN kannst du immerhin nichts. Du kannst noch so gebildet sein, noch so reich: Nach dem Tod ist Sabbat.““
„Finde ich auch. Ich habe es ja noch verstanden, als wir das Make-Up vergiftet haben, damit die ganzen Frauen Ausschlag bekamen, die das Zeug benutzten. Das war eine typisch Guerilla-Aktion von dir. Das war fast schon Kunst. Gegen die Modeindustrie. Doch das hier..“…“
„Und was du uns für schreckliche T-Shirts hast anziehen lassen. Der Schriftzug war ja noch ok. Aber in Plum?“

„Und dazu noch weiße Jeans. Was war da eigentlich los?“  Koji bleibt stehen und funzelt der Schneiderin in ihr Gesicht.“
Sie sagt nichts.
Ich sage: „“Wenn ein Mann so etwas tragen kann, dann du.““
Er leuchtet in mein Gesicht: „“Ach halts Maul.““
Sie: „“Können wir dann weitergehen die Herren?““
Wir gehen weiter.
„Außerdem geht es NICHT um Fortpflanzung. Wer benutzt denn so eine Salbe aus medizinischen Zwecken?“, diesmal hat SIE mit dem Thema angefangen.
“Pscht!“ zische  ich und gebe Zeichen. Schnell verstecken wir uns geduckt hinter einem Regal, bis der Wachmann an uns vorbei ist.
Dann.
Als er weg ist.
„Das ist doch typisch der moderne weiße Mann. Erst lebt er ein beschissenes Leben, in dem er sich scheiße ernährt und raucht (Kenji:  „Ne Raucherpause wäre jetzt echt geil..“) und was weiß ich, und im Alter kriegt er ihn dann nicht mehr hoch. Und was macht er dann? Er entwickelt eine Potenzsalbe, mit der er dann in Thailand irgendwelche kleine Jungs fickt!!  Habt ihr euch nie gefragt, WARUM der Mann irgendwann nicht mehr potent ist? Dass sich der Herrgott dabei vielleicht etwas gedacht hat?““
„Seit wann kommst du denn mit dem Herrgott daher?““Das habe ich gesagt.  „Zudem. Jesus hatte auch einen Penis.““
Koji, etwas verträumt klingend:  „Wenn Einer potent war, dann Jesus.““
Wir bleiben stehen und leuchten ihm fassungslos in sein Gesicht.
„Was denn? WENN einer potent war UND gut aussah, dann ja wohl Jesus. Jetzt hört aber auf! Wenn Gott nicht gut aussieht, wer dann?““
Wir stöhnen und gehen weiter.
„Ah, da hinten stehen sie“, meint meine Freundin, die Guerilla-Schneiderin, und sucht die vorbereiteten Spritzen aus der Sporttasche.
Koji und ich stehen über ihr.
Ich: „Irgendwie finde ich das nicht ok.““
Koji:  „Ich auch nicht.““
Sie sieht uns  böse von unen an: „“WEIL. IHR. MÄNNER!!! SEID!!!“
„Pscht! Pscht!““ Machen wir:  „Bist du verrückt? So herum zu?…“““
„Das ist für den kleinen Jungen in Malaysia“, murmelt die Schneiderin und spritz die Flüssigkeit in die erste Tube.
„Ich weiß nicht ob du damit nicht etwas unrechtes machst. Irgendein Pärchen wird durch dich jetzt bestimmt sehr unglücklich“, urteile ich.
„Das ist mir egal!“  faucht sie mich an.
„Ist eigentlich ein Mann, der Sex haben könnte, also mit seiner Frau oder so, und es nicht will, immer noch ein Mann in deinen Augen?“  will Koji wissen.
„Hm. Weiß nicht… Wie sieht sie denn aus?“
„Jetzt seid doch EINMAL ruhig.“ Noch eine Spritze wird verteilt.“
“Okay.“Okay.““
Eine Minute später fragt mit Koji: „“Wie nennt man im Deutschen eigentlich einen Dialog mit drei Personen?““
Ich: „“Geschwätz“…“