Harry G – die Harry die Ehre-Tour 2017

20171116_200458

Harry G? Was ist das denn für ein blöder Künstlername? Markus Stoll – der Name, der auf Harrys Ausweis steht – wurde eigentlich in Regensburg geboren, baut aber seine ganze Kunstfigur auf dem Umstand auf, dass Harry G aus München kommt und dort lebt. Googelt man ihn wird er gerne als Grantler beschrieben, also als jemanden, der eher mies drauf ist und sich über die bestehenden Lebensverhältnis beschwert – auf humorvolle Art. Mit spitzbübischer, teilweise frecher Chuzpe haut der Harry gerade die Themen raus, die nicht gerade besonders anecken und bei der jeder mit kann.  Jeder. Wenigstens war das letztens so. Hier bei uns in Bayern. Als er in meinem Landkreis-Dorf auftrat. Verprellt hat der Harry da niemanden, auch wenn er ein wenig gemein war zu den Leuten im Publikum und sich gastronomische wie kulturelle Minderheiten aussuchte über die er seine Späßchen machte.

Über Veganer, Radfahrer, Tinder, die Mama die nicht mit dem Smartphone klar kommt oder das unerträgliche, jedoch scheinbar dazugehörende Thema Mann/Frau wurde sich auf der Bühne ausgelassen; und selbst verfreilich über den Unterschied von uns Bayern zum Rest der Welt. Da konnte wirklich jeder im Saal mit – und schon sind wir wieder bei dem Thema angekommen, dass mich in letzter Zeit ein wenig verfolgt: Dem kleinsten gemeinsamen Nenner der Dinge. Humor für Nutella und Weißwurst-Liebhaber. Angegriffen musste sich wirklich keiner vorkommen. Dafür ist der Harry zu schlau, seine Bosheiten zu nett. Und – um die ewige Redewendung von Harry G zu verwenden – ICH SACH A MAL SO: Der Harry G ist wie der Freund den jeder hat, der die ehrlichsten und damit verletzensten Dinge in einer kleinen Runden offen zu dir sagen darf, worauf deine Freunde über dich, aber auch MIT dir Lachen. Ein wenig möchte man ihm dafür aufs Maul hauen. Aber irgendwie kann man ihm nicht böse sein.

20171116_201101

Den Harry kenne ich erst seit ein paar Monaten. Ich habe nach dem neuen „Blitz“-Club in München auf Youtube gesucht und wurde dann aus Mangel an Suchergebnissen auf ein Video von ihm aufmerksam, in dem er sich über die Müncher Clubszene lustig macht. Und das war es auch. Lustig. Besonders wenn man im gleichen Jahrgang wie er ist und einen ähnlichen Blick auf die Clubs hat – nur Berlin finde ich im Gegensatz zu ihm im direkten Vergleich eher langweilig, weil die Leute nur noch in die Mega-Clubs reinkommen wollen und drinnen dann vor lauter (hier O-Ton Boris Becker aus der AOL-Werbung) „Ich bin drin. Gibt´s ja gar nicht…“ Das Feiern vergessen.

Die Meisten seiner anderen Videos sind eher so na ja… Aber auch nicht ganz scheiße.

Wie halt so die Witze auf Facebook sind. Die Plattform, die ihn erst bekannt gemacht hat.

So war dann auch sein Abendprogramm. Die Witze sind eigentlich gar nicht so gut. Wenn man ehrlich ist. Seine schelmische, schnelle Art die Dinger rauszuhauen, macht da aber viel wett. Und ICH SAG MAL SO: Ein paar Pointen waren richtig gut. Aber das Publikum auch sehr willig. Man kommt ja ins Kabarett/Comedy-Programm um zu Lachen, weswegen man da viel mitnimmt, worüber man sonst die Augen verdreht. Weil da eben doch diese besondere Kabarett-Stimmung aufkommt.

 

Auf dem Nachhause-Weg meinten meine Freundin und ich, dass wir so ein Programm sicher auch schreiben könnten. Es aber niemals so präsentiert bekommen würden. Ob man dafür dann gleich 30 Euro verlangen muss: Fraglich.

Es war ein netter Abend in der Provinz. Schee wars. Am Ende gingen die dicken Wohlstandsfrauen und ihre Hemdsärmligen Männer zufrieden nachhause. Stimmung: Der Harry ist doch ein Pfundskerl. Plus einem überhaupt nicht hinterfragen „Mia san mia“. Nur I will halt id so sein wie ihr…

Für meinen Geschmack kann der Herr Stoll irgendwann auch mal ein ernstes Thema aufgreifen und für was stehen, was nicht scheißegal, aber dafür amüsant ist.

Advertisements

Die „Sportfreunde Stiller“ im Roxy in Ulm, es war der 29.04.2017

20170429_210728

Jetzt auch noch die „Sportis“? Ja. Inzwischen gehe ich überall hin. Hauptsache. Es macht Spaß. Ein (bezahlter) Besuch bei den Sportis ähnelt meinem einstmaligen Konzert-Besuch bei Scooter: Das ist so weit weg von mir selbst, dass man es einfach mal gemacht haben muss. Also kaufte ich mir im Vorfeld die 6 Lieder von ihnen die mir schon immer irgendwie (heimlich) gefallen haben und hörte sie hoch und runter. Dabei stellte ich fest, dass ich diese Lieder wirklich mag. Ja. Viel zu poppig und softrockig für meinen gängigen Geschmack, na und? Man kann ja nicht immer den gleichen Mist hören. Und bei „Geschenk“ geht mir einfach das Herz auf, egal wie kitschig das Lied auch ist.

Mit den Wochen freute ich mich richtig auf den Auftritt und ganz besonders darauf, die Texte mitsingen zu können, denn seien wir mal ehrlich, wann kann man schon noch catchy deutsche Texte aus sich heraus singen?

Wie es dann oft so ist hatte ich am Tag des Geschehens gar nicht übermäßig Bock. Schon mittags in Ulm angereist und dort viel herumgerannt, viel zu viel gut gegessen und dann auch noch vorgetrunken – ich bin ja keine 35 mehr…

20170429_211001

Grob geschätzt passen so 2000 Leute in das „Roxy“, was natürlich sehr kuschelig ist – und anstrengend. Ich war jetzt schon auf hunderten Konzerten und ich musste gestern feststellen, dass man bei den Sportis genauso schlecht durch die Menge von Punkt A zu Punkt B laufen kann, wie bei den Einstürzenden Neubauten; bei den Neubauten wird extrem viel gestarrt und jeder Quadratmeter verteidigt, bei den Sportis haben dass die meist weiblichen Fans ebenso gehandelt. Komischer coincidence bei gerade diesen nicht sehr ähnlichen Bands.

Der Platz muss also „verteidigt“ werden und da steht mal also Stunden vor Anpfiff  dumpf in der Menge und langweilt sich. Merkwürdig ist: Ich bin summa summarum bestimmt schon Wochenlang vor Bühnen herumgestanden und habe auf Band-Auftritte gewartet. Jedoch vergisst man diese Zeit im Nachhinein immer wieder komplett und stellt sich eine Woche später wieder total gelangweilt und doch motiviert für das nächste happening an.  Zum Glück bin ich ein Trinker.

20170429_200545

Die Vorband der „Sportfreunde Stiller“ waren die „Kytes“. Austauschbarer Softrock auf einem angenehmen Niveau. Eine dieser idealen Vorbands die im Prinzip alles richtig machen. Nur kam ich mit der Art des Sängers nicht ganz klar, der mir ein wenig zu selbstbesoffen und bayrisch überheblich rüberkam – auch wenn er gut singen konnte. Aber. Das war mein Problem. Die machten dass ganz gut und waren mit dem Herzen dabei, was an den wenigsten Konzertbesucher vorbei ging. Außer vielleicht an Empathielosen Monstern wie mir.

Die Sportis kamen dann um 5 nach 9 auf die Bühne. Wir standen auf der „Peter“-Seite und dann ging es mit einer der beiden neuen Singles los (die andere kam eh danach), dazu wurde noch die heute du gerade vom FC Bayern eingetütete deutsche Meisterschaft gefeiert. Wenigstens von den Sportis. Dass da nicht jeder mit ihnen „Juhu!“ rufen muss ist klar und auch okay, und daran sieht man dass die Band zwar gefallen will, hier aber auch klare Kante zeigt. Mir gefällt so etwas. Auch wenn ich den FC Bayern scheiße finde.

20170429_211119

Gepackt hat es mich dann erst bei „New York, Rio, Rosenheimer“, einen meiner 6 Songs die ich hören wollte und die ich auch alle 6 präsentiert bekam. Das hat richtig Spaß gemacht und für „meine“ Songs haben sich die 40 Steine schon gelohnt.

Würde mich jemand fragen ob die „Sportfreunde Stiller“ eine sehr gute Band sind, könnte ich das gar nicht beantworten; und so geschah es dann auch. Sänger Peter fragte ziemlich am Ende in die Menge, ob denn alle Spaß hätten und ich machte mit meiner Hand die „Na ja“-Bewegung. Ich bin fast 2 Meter groß und stach da wohl aus der Menge der kleinen Mädchen ziemlich heraus, ob ich wollte oder nicht. Darauf meinte Peter, nachdem er den Mann neben mir abgefeiert hatte, dass der HERR daneben wohl nicht ganz überzeugt sei – also ich. Das stimmte aus folgendem Grund: Die Sportis haben tolle Lieder, bloß nur nicht genug davon. Zwischendurch kommen halt so austauschbare Rockblasen, die auch von der Vorband hätten sein können. Wenn man Fan ist  feiert man die Stücke selbstverständlich mit ab, als „Besucher“ (wie ich mich jetzt mal bezeichne) waren diese Stücke aber nur sehr mau und ich sehnte mich währenddessen nach einem alkoholischen Kaltgetränk. Aus Spaß sagte der Peter, jetzt fühle es sich von mir unter Druck gesetzt. Dabei war es genau anders herum.

Die Sportis sprechen zwar sehr locker mit dem Publikum (was sie häufiger und sehr sympathisch machen), ich halte aber ein Gespräch mit jemanden auf einer Bühne der 15 Mal lauter ist als du selbst für absolut sinnlos, da es immer von oben herab geschieht und es keine gleichgestellten Gesprächs-Parteien sind, weswegen man als In-der-Menge-Steher eh auf die eine oder andere Art den Kürzeren zieht (sehr analytisch ausgedrückt). Deswegen machte ich eine aufpeitschende Handbewegung und er sagte irgendwas davon, dass ich es wohl „härter“ wollte. Und im Prinzip stimmt das auch. Nur wollte ich es nicht „Sportfreunde Stiller hart“, sondern einfach nur härter und vor allem besser 😉

Der Witz ist, dass sie mit „Applaus, Applaus“ und „Ich roque“ genau das brachten was ich hören wollte. Nur sind diese Songs leider nur die Kirschen auf der Sahnetorte. Also ist meine Antwort darauf ob ich das bekommen habe was ich mir von dem Konzert erhofft habe und ob ich die Band für sehr gut halte ein klares „Jein“. Es war richtig und spaßig dorthin zu gehen. Aber nein. Noch mal brauche ich das leider nicht, obwohl ich manche Songs von ihnen abfeiere, vor mich hin singe und fast schon mechanisch dazu meine Freundin küssen muss.

20170429_212440

Die Zugaben schenkten wir uns, denn es wurde schon alles gespielt was wir hören wollten; wozu also noch Songs anhören die einem eh nicht gefallen? Und ein „54, 74, 90…“ mit Bayern München Konfetti-Regen (siehe Facebook) brauche ich nicht. Das Lied ist eines ihres Schlechtesten und wie die Ironie oft so spielt ist es ihr erfolgreichstes.

Sollte es mich mal wieder auf ein Festival verschlagen und da stehen irgendwo die Sportfreunde auf der Bühne herum, würde ich wieder hingehen. Ein Muss ist die Band leider nicht. Nicht einmal als Fc Bayern Fan würde ich behaupten. Ihre Daseinsberechtigung und ihren Platz in der deutschen Pop-Geschichte haben die drei Jungs allemal. Und ich hoffe dass sie noch lange weiter machen und guter Lieder schreiben. Sich aber auch weiterhin Kritik gefallen lassen 😉

Meine Wut darüber, dass der amerikanische „Ghost in the Shell“-Film floppt

Die amerikanische Version von „Ghost in the Shell“ (Gits) ist kein überragender Film geworden, aber ein sehr guter. Das Problem für einen Fan der ersten Stunde wie mich ist der Plot des Films, wobei man als echter und ehrlicher Fan, dem der Erfolg des gesamten Projekts am Herzen liegt, hier Zugeständnisse machen sollte:

Für ein globales Publikum, für die breite Masse, muss man den Anspruch ans Publikum herunterfahren. Ja. Das Produkt wird verwässert. Ja. Der Anime hat mehr Tiefe und das ist auch dessen Stärke; wer aber die Serie und den Manga mag, kommt auch damit klar, dass manche Dinge etwas softer angegangen werden, denn dort war auch mehr Platz für Spaß und Albernheiten.

Und ganz wichtig: Die Geschichte des Animes ist nicht die der amerikanischen Verfilmung. Der Film von Rupert Sanders ergänzt das Gits-Universum. Er ist mehr als ein Aufguss.

Über die Optik des amerikanischen Filmes gibt es keine Debatte: Die ist Atemberaubend.

Dass der Film nun ein eindeutiger Kassenflop ist, kommt für Fans wie mich einem Desaster gleich, denn Gits ist und war auch ein Pilot-Projekt für sämtliche nachkommende Manga- und Anime-Verfilmungen. Wenn so ein Projekt, dass 120 Millionen-Dollar gekostet hat, baden geht, bedeutet dass  das ähnliche andere Projekte nicht realisiert oder billiger veranschlagt werden, was im Bezug auf einen neuen „Akira“-Film eine Katastrophe ist, da der Film nun einmal viel Geld für seine Realisierung braucht, denn ein „Akira“ in billig geht nicht. Diese Dystopien kosten einfach Geld.

Sollte „Gits“ wirklich wegen dem lächerlichen Vorwurf des „white washings“ vom Kunden nicht angenommen worden sein, bekomme ich echt das Kotzen, denn einer Geschichte mit so einem internationalen Setting (egal ob im Manga oder im Anime) so etwas vorzuwerfen, ist absolut lächerlich – und wer den fertigen Film gesehen hat weiß zudem, dass es unbegründet ist. Ja. „Scarlett Johansson“ spielt die Hauptrolle in einem Film dessen Vorlage von Japanern für Japaner gemacht wurde, aber, bereits damals wurde die Figur des „Majors“ als jemand beschrieben, die sich, da sie keinen menschlichen Körper – „Shell“ –  mehr besitzt, ihren Verstand – „Ghost“ – in einen menschlich anmutenden Cyborg-Körper transferieren ließ; und dabei bevorzugt sie KAUKASISCHE Modelle. So viel zum Thema „white washing“. Warum der Major eigentlich „Kusanagi“ heißt wird im amerikanischen Film erklärt. Das Problem mit der Erklärung ist nur, dass sie der Dreh- und Angelpunkt im fertigen Film ist, und dass im Vorfeld zu spoilern hätte den ganzen Kino-Besuch überflüssig gemacht.

Dass man einen Film dieser Größenordnung mit einem Super-Star besetzen muss, ist logisch und  verständlich und Johansson spielt den Major wirklich gut. Ihr kann man keinen Vorwurf machen. Vorwürfe kann man nur denen machen, die keine Ahnung von der Materie haben und stur behaupten: „Ja ne. Eine japanische Geschichte muss auch japanische Hauptdarsteller haben.“ Das ist Unsinn. Wer wie ich viele Mangas liest weiß, dass die Figuren oft nicht als pure Japaner angelegt sind, sondern als Hybridwesen, die fast immer internationale Züge tragen (siehe hier z.B. „Attack on titan“ wo die Realverfilmung optisch nichts mit den Mangas zu tun hat, obwohl dort nur Japaner besetzt wurden), oft sogar keine japanischen Namen; Mangas orientieren sich am internationalen Markt. Bezeichnenderweise spielt die Handlung nie in Tokio sondern in „Newport City“.

Besonders auffällig ist das im Gits von 2017 an der Figur des „Togusa“ zu erkennen, der von einem japanischen Darsteller wortwörtlich verkörpert wird – und nicht einmal ansatzweise so aussieht wie sein „Original“ im Anime oder Manga.

Außerdem: Was ist das für ein Vorwurf? Warum muss ein japanischer Film ausschließlich mit Japanern besetzt sein? Sind amerikanische Filme nur mit Amerikanern besetzt? Das ist lächerlich… Würde es sich bei „Gits“ um eine der unzähligen Bibel-Verfilmungen Hollywoods handeln, wäre der Vorwurf gerechtfertigt (Moses, Jesus und so weiter sollten wie Araber aussehen, nicht wie „Christian Bale“ und Konsorten), bei einer Dystopie über eine Zukunftswelt in der die Kulturen verschmolzen sind, macht dieser Vorwurf aber keinen Sinn, dann könnte man das „Blade Runner“ auch vorwerfen.

Ich mag den amerikanischen „Ghost in the Shell“, auch wenn ich Manga und Animes bevorzuge. Aber mich haben schon immer mehr die Nischen mit Anspruch interessiert, und dass kann man von „Otto Normalverbraucher“ halt nicht erwarten; ja, hier stelle ich mich wirklich mal in den Vordergrund. Der globale „Otto Normalverbraucher“ will nun einmal tumbe Aktion-Filme sehen, die nicht mehr sind als blanker Trash. Und das ist auch okay so. Ich habe mir in meiner Jugend auch gerne die Schwarzenegger-Vehikel angesehen. Nur hätte ich nicht behauptet, dass diese Filme wirklich gut sind. Sie sind was sie sind, sie erfüllen ihren Zweck, es ist gute Unterhaltung. Aber kein guter Film. Und schon gar kein Meisterwerk. So wie kein Film mit „Vin Diesel“ ein guter Film ist und auch kein einziger der „Marvel“-Klötze. Das ist leichteste Unterhaltung ohne jeglichen Anspruch und in einer Welt wie der unseren in denen die Menschen fast ein wenig von ihrem tristen Schicksal abgelenkt werden müssen, braucht es auch so „Colosseum-Unterhaltung“, in der Menschen und gute Vorsätze dem Pöbel aus Spaß-Gründen zum Frass vorgeworfen werden. Hirn aus: Danke schön. Viel Vergnügen Otto!

Nur ist es schon sehr anstrengend andauernd mit diesem Müll zugeschissen zu werden, der immer nach dem gleichen Prinzip funktioniert und jetzt nicht einmal mehr die Perspektive zu bekommen, anspruchsvollere Unterhaltung erwarten zu können. Denn das ist „Ghost in the Shell“ und hätte es mit dem zweiten amerikanischen Film werden können: Anspruchsvolle Unterhaltung. Zum Mitdenken und Mitfühlen. Aktion-Filme, die dem Zuschauer auch mal Fragen aufgeben. „Inception“ ist darin das Vorbild. Und von solchen Filmen hätte ich sehr gerne mehr gesehen.

Newsfeed

Ich bin ein Latzhosen-Typ. Das heißt, ich trage in der Arbeit eine Latzhose. In der Brusttasche dieser Hose steckt den ganzen Tag mein Handy, mit welchen ich in der Gegend herumrenne. Die meiste Zeit komme ich nicht dazu darauf zu sehen, manchmal fahre ich aber mit dem Aufzug in eine andere Etage, oder ich warte vor dem PC bis irgendein Arbeitsschritt beendet ist, bevor ich weiter renne. Zu diesen Gelegenheiten ziehe ich schon absolut automatisch und unterbewusst mein Smartphone heraus und wische mich durch „Facebook“ oder schreibe meinen „Freunden“, was bedeutet, dass ich mir die meiste Zeit die neuesten Meldungen auf Facebook ansehe. Und heute traf es mich wie ein Faustschlag.

 

Wieder war ich im Aufzug unterwegs, wieder zog ich mechanisch mein Handy hervor und wischte so durch Facebook, vorbei an Meldungen dass die neue Platte von „Alt-J“ bald erscheint, dass „Bloody Beetroots“ endlich mal wieder live auftritt oder dass die gesamten deutschen Medien den „Ghost in the shell“-Film ziemlich verrissen haben, obwohl ich den sehr mag. Und da traf es mich: „Was mache ich hier überhaupt?“

 

Ich scrolle durch meine Facebook-News.

Okay, was siehst du dabei?

Na Dinge die meine Abonnements posten.

Und was ist das?

Oh… Scheiße… Das ist zu 90 Prozent Werbung… Für eine Tour. Für eine Platte. Für einen Film. Für eine Zeitschrift die den Film bewertet. Wo wieder Werbung kommt…

 

Klar, wir haben auch echte Freunde bei Facebook oder lesen richtige Nachrichten. Aber den meisten Content macht Werbung aus, auch wenn man glaubt nur den neuesten Scheiß von Jan Böhmermann zu erfahren – der auch nur wieder Werbung für sich und seine blöde Show macht (okay, in erster Linie für sich).

Das ist das Phänomen Facebook:

Während wir zuhause vor der Glotze sitzen und jeden Werbeblock genervt weg zappen, nutze ich jede Sekunde die mir meine Horrorarbeit zum Entspannen lässt um: Mir Werbung anzusehen. Und ich mache das gerne und fühle mich dadurch sogar entspannt, unterhalten und „informiert“

Wie blöd ist das eigentlich?

Und wie sehr verblöden habe ich mich lassen?

Josef Hader GANZ privat – „Wilde Maus“

 

Josef Hader ist eh toll. Jeder mag ihn und das was er macht. Filme, Kabarett, Drehbücher – Wurscht: Guter Mann.

Bereits zum zweiten Mal in meinem Leben stellte der wichtigste, beste, klügste und lustigste aller jetzt lebenden Österreicher einen Film in Augsburg vor. Das letzte Mal war es „Das ewige Leben“. Dieses Mal war es „Wilde Maus“, der Film, bei dem Hader nicht nur die Hauptrolle spielt, denn hier hat er auch das Drehbuch geschrieben und erstmalig Regie geführt.

Die Leute vom Kino-Dreieck hatten unsere Karten verplant, deswegen waren wir bei der falschen Aufführung im kleineren Kino mit schlechten Plätzen, bei den beiden fast synchron laufenden Vorstellungen. Wir, die „Thalia“-Leute, mussten nach der Vorstellung runter ins „Mephisto“, wo dann der Josef Rede und Antwort stehen sollte.

„Wilde Maus“ ist ein unterhaltsamer Film über die Sprachlosigkeit in Beziehungen, dessen Rahmenprogramm der Rachefeldzug eines gescheiterten Journalisten gegen seinen Ex-Chef bildet.

Ich hatte bis nach der ersten Stunde viel gelacht und mit dem Toiletten-Gang gewartet. Dann schien mir der Moment gekommen. Also schnell rausraus und loslos auf Toilette, nur nichts verpassen. Ich dann also rein zu den Pissoirs und da stand dann Josef Hader, der schon voll dabei war. Es war strange, denn ich konnte sein Gesicht gar nicht sehen, wusste aber doch dass er es war. Und sich so richtig danebenstellen und Pimmel-Bruder mäßig zu ihm  rüber schauen wollte ich dann auch noch. Denn. Welche Momente könnten denn privater sein als diese? Dass ist schon eine unangebrachte, ungerechtfertigte Penetrantheit, wenn man nicht einmal beim Pinkeln seine Ruhe hat… Ich schaue ja schon beim Vorbeifahren immer schon demonstrativ NICHT bei Autounfällen nach, was da passiert ist, da ich diese Starrer so abartig blöd finde, wie könnte ich jetzt den armen Mann da beim Pinkeln begaffen? Und trotzdem war ich alleine mit Josef Hader auf einer Toilette. Blöde Situation irgendwie. Gerade weil ich dieses Promi-Ding gar nicht mag, dieses automatische Klassendenken, was sich da im Kopf abspielt, eben weil man am Ende doch hinschauen, irgendwas tun will, da man den Kerl und das was er macht gut findet und auf irgendeine Art mit dem in Kontakt treten will. Eine unwürdige Situation. Nicht nur auf einer Toilette. Denn man stellt den Promi über sich…

Als ich dann wieder alles eingepackt hatte, hatte der Künstler seinerseits seine Hände fertig gewaschen; ja, Josef Hader wäscht seine Hände nach dem Pinkeln, ein Vorbild in allen Lebenslagen. Der sah mich dann so an und sagte leise und schüchtern: „Hallo…“ Und ich gleichzeitig: „Guter Film“, „Wilde Maus“, ihr wisst schon, den ich gerade drinnen im Kino mit meinen Freunden ansah. Ein Kompliment kann ja schnell eine Reaktion provozieren. Falsch gedacht. Und dann war er schon wieder weg.

Für ihn eine Szene zum Vergessen, für mich etwas besonderes. Ganz schlimm: Ich werde jetzt ewig erzählen dass ich JOSEF HADER beim Pinkeln getroffen habe; das sagt einiges über mich aus. Viel mehr aber auch, wie der Mensch so funktioniert. Denn der hat mich – natürlich – sofort vergessen als er zur Türe raus war, während ich total geflasht war. Und dabei ging es natürlich um die natürlichste und privateste Sache der Welt. Sich die Hand geben wäre da eh nicht angebracht gewesen.

„Wilde Maus“ ist ein guter Film. Einer der wie zu erwarten Spaß macht, der aber auch Schwächen besitzt. Die Wandlung des Charakters zum Negativen, Depressiven ist in seiner Totalität und Rücksichtslosigkeit nicht ganz nachzuvollziehen, dabei gibt es aber auch ein paar offensichtliche Logiklöcher und Drehbuch-Kniffe:

SPOILER dass er seiner Frau nicht sagt, dass er gekündigt wurde ist zwar wichtig für die Story, es IST sogar die Story, bleibt jedoch total unlogisch. So verhalten sich die Leute nur in Filmen und Büchern SPOILER ENDE.

Trotzdem ein empfohlen sehenswerter Film mit tollen Schauspielern, der ein angenehmes Rundumpaket abliefert (Spaß, Tiefgang und nicht überzogene Arthousigkeit), der jedoch auch auf der Metaebene gut funktioniert, man denke an die ständigen im Hintergrund ablaufenden Radio-Nachrichten über Tod, Terror und Krieg, die die Stimmung des Protagonisten wiederspiegeln. Da wurde viel ins Detail hingearbeitet.

 

Wir saßen dann später im „Mephisto“ wirklich in der ersten Reihe und hörten uns das Werbeprogramm Haders an, dass er auf die Fragen des Publikums abspulte, dass von sehr gefälligen Lachen und Klatschen begleitet wurde; es muss auch wirklich immens anstrengend wenn einen ALLE gut finden und bei jedem schiefen Scherz begeistert Lachen, einen Anstarren und man nicht einmal auf der Toilette seine Ruhe hat.

 

 

 

„The OA“ Ein Gefühl und ein Trailer zur Serie

Während meines Heimaturlaubs sehe ich mir auf Netflix die Serie „The OA“ an. Dabei fällt mir auf, wie komisch es ist, dass man die Geschichten die man dort sieht, in deren Universum sofort als „wahr“, „echt“ und „real“ anerkennt, während wir in unserem Universum überhaupt nicht an Geschichten glauben, sondern nur an Fakten… Als gäbe es keine Grauzonen der Vernunft…

Keine Angst, ich zitiere jetzt nicht Hamlet, sondern stelle nur den Trailer online.